„ZDF Magazin Royale“

Christians große Scherzkritik

Medienanwalt Christian Schertz moniert, dass er im „ZDF Magazin Royale“ von einem kleinwüchsigen Schauspieler parodiert wird. Eine Verbindung zwischen „Andersartigkeit“ und „Lächerlichkeit“ herzustellen, berühre auch die Würde des Darstellers, schreibt er ans ZDF. Nur tut es das gar nicht.
Szene auf dem „ZDF Magazin Royale“ vom 17.4.2026: Jan Böhmermann zählt Geldscheine in die Hand des „Scherzanwalts Dr. Christian Witz“.
Zahltag: „Scherzanwalt Dr. Christian Witz“ (l.), Moderator Jan BöhmermannScreenshot: ZDF

Wenn Sie FAZ-Redakteur Michael Hanfeld fragen, ist alles ganz anders. Am Freitag wurde bekannt, dass es das „ZDF Magazin Royale“ mit Jan Böhmermann nächstes Jahr nicht mehr geben wird. Im Dezember soll die letzte Folge laufen, nach mehr als sechs Jahren und fast 200 Ausgaben. Er wolle noch mal eine andere Sendung machen, erklärt Böhmermann in einer Pressemitteilung. Und das ZDF teilt mit, man befinde sich „in guten Gesprächen“ zu einem „möglichen neuen Show-Konzept“. 

Doch Michael Hanfeld glaubt das nicht. Er glaubt nicht, dass Böhmermann beim ZDF bleiben wird. Er glaubt offenbar sogar, dass das ZDF Böhmermann schasste, weil ein Medienanwalt vor kurzem erst ein Beschwerdebrieflein an ZDF-Intendant Norbert Himmler gesendet hat. Das könnte Himmler „in Sachen Böhmermann vielleicht auch zu denken gegeben“ haben, spekuliert Hanfeld. In der Überschrift klingt es wie eine Tatsache: „Warum es dem ZDF mit Böhmermann wirklich reicht” – mit Betonung auf: wirklich. So einfach werden in Hanfelds Welt Fernsehsendungen abgesetzt.

Aus dem Anwaltsbrief zitiert nicht nur die FAZ, auch der „Süddeutschen“ liegt er vor. Vermutlich hat Schertz ihn gestreut. Auch an Übermedien hatte er sich per Mail in derselben Sache gewandt, Anfang Juli bereits und offenbar in der Hoffnung auf Berichterstattung. Und nun, endlich, hat also in die Öffentlichkeit gefunden, was Schertz so schmerzt. 

„Scherzanwalt Dr. Christian Witz“

Es geht Schertz um sich, das überrascht nicht zwingend. Und um die Art, wie er im „ZDF Magazin Royale“ dargestellt wurde. Seit Jahren gibt es dort eine Figur namens „Scherzanwalt Dr. Christian Witz“, gespielt von Manni Laudenbach. Zuletzt tauchte der Scherzanwalt in der Sendung vom 17. April auf, in der sich Böhmermann mit dem Fall Fernandes befasste, in den auch der echte Schertz als Medienanwalt von Christian Ulmen involviert ist. In der Sendung erteilte der von Laudenbach dargestellte Scherzanwalt permanent juristische Ratschläge – und bekam dafür von Böhmermann permanent Geldbündel zugesteckt.

Der Rechtsanwalt Christian Schertz
Der echte Christian SchertzFoto: IMAGO / Future Image

Man könnte nun denken, Schertz störe sich daran, dass er als offensichtlich sehr teuerer, vielleicht etwas geldgieriger Rechtsanwalt persifliert wird, der einfach jeden vertritt, der in seine Kanzlei stolpert. Oder es treffe ihn, sich als nerviger Advokat parodiert zu sehen, der sich ständig ins Bild schiebt, um zu allem seinen juristischen Sermon dazu zu geben (und dann abzukassieren). Aber das ist es nicht. Es ist etwas anderes.

„Negatives Merkmal“

Christian Schertz hat ein Problem damit, dass der Schauspieler, der eine offensichtlich an ihn angelehnte Figur spielt, kleinwüchsig ist. Ihn irritiere, zitiert die FAZ aus dem Schertzbrief ans ZDF, dass „über das körperliche Merkmal eines Menschen Komik und Verachtung“ erzeugt werden sollten. Weiter heißt es:

„Die körperliche Besonderheit eines Menschen werde ,faktisch als negatives Merkmal instrumentalisiert’. Würden ,körperliche Merkmale eines Menschen in einem öffentlich-rechtlichen Format dazu verwendet’, eine ,andere Person lächerlich zu machen’, werde eine ,Verbindung zwischen körperlicher Andersartigkeit und Lächerlichkeit hergestellt’, die aus seiner Sicht ,mit dem Anspruch, zur Achtung und Gleichwertigkeit aller Menschen beizutragen’, nur schwer vereinbar sei.“

Interessant ist, wie Christian Schertz hier die „körperliche Andersartigkeit“ des Schauspielers, wie er es nennt, zum zentralen Merkmal der Satire erklärt. Als ginge es nur oder insbesondere darum, einen öffentlich gerne großspurig auftretenden Anwalt gegenteilig zu inszenieren. Sicherlich ist das ein Teil dieser satirischen Überspitzung, es ist ja auch ein bewährtes Mittel der Satire, die Dinge umzudrehen, um deren Wesen sichtbar zu machen. Aber es ist nicht nur das, was die Rolle von Manni Laudenbach ausmacht.  

Kleinwüchsigkeit als Problem

Wenn er den „Scherzanwalt“ sieht, sieht Christian Schertz anscheinend nicht in erster Linie einen beliebten und oft gebuchten Schauspieler, der ihn lustig persifliert und ihm – dank Maske – auch optisch ähnlich ist. Er sieht offenbar auch keine aufs Korn genommenen Charaktereigenschaften und nur am Rande inhaltliche Kritik. Nein, er scheint vor allem zu erkennen, dass seine Person durch Laudenbachs Kleinwüchsigkeit lächerlich, ja: sogar verächtlich gemacht werden soll. Er macht also die Kleinwüchsigkeit zum Problem der Darstellung und hebt sie durch seine Beschwerde hervor. 

Schertz geht auch noch weiter, und nun wird es besonders heikel. Er spricht nicht nur für sich, sondern auch für Schauspieler Manni Laudenbach: „Eine solche Darstellung betreffe nicht nur ihn, sondern berühre auch die Würde des eingesetzten Schauspielers“, findet Schertz laut FAZ.  

Nur dass der Schauspieler sich in seiner Würde überhaupt nicht verletzt sieht. 

Späte Kritik

„Völlig absurd“ findet Manni Laudenbach Schertz’ Beschwerde. Im Telefonat mit Übermedien wundert er sich auch, dass sich Schertz erst jetzt über die Figur im „ZDF Magazin Royale“ aufregt. Immerhin spiele er Dr. Christian Witz schon ewig – um genau zu sein: seit 2015. Bereits im „Neo Magazin Royale“, dem Spartenkanal-Vorgängerformat, trat er in dieser Rolle auf. Beschwert hat sich Schertz darüber bisher nicht.

Schauspieler Manni Laudenbach als „Scherzanwalt Dr. Christian Witz“ in einer Sendung „Neo Magazin Royale“ von 2015.
Manni Laudenbach als „Scherzanwalt“ in einer Sendung „Neo Magazin Royale“ von 2015Screenshot: ZDF

Im Gegenteil. 2016 vertrat er Jan Böhmermann nach dessen „Schmähkritik“ gegen den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan – und fand das, was Dr. Witz machte, offensichtlich ganz gut: Am Ende der Sendung, in der Böhmermann Erdoğan mit einem Gedicht aufs Übelste beleidigt hatte, empfahl nämlich Dr. Witz die Dienste des echten Christian Schertz. Das gefiel Schertz natürlich. Er erwähnte diese Stelle und die „Kunstfigur Dr. Witz“ später im rbb-Medienmagazin durchaus positiv und fand es wohl nicht schwierig, dass ihn ein Kleinwüchsiger parodiert.  

Laudenbach sagt, er spiele die Rolle gerne. Für ihn sei die Sendung im April „sehr, sehr geil“ gewesen, und auch „sehr lustig“. Natürlich gehe es auch darum, jemanden, der sich offenbar für den Allergrößten halte, als eher kleinen Mann darzustellen. Satire eben. Aber das sei nicht das Einzige – und auch in keiner Weise herabwürdigend. „Ich stelle mich und meine Körpergröße ja nicht einfach nur aus.“ So etwas fände er in der Tat problematisch. Hier aber trete er als Schauspieler auf, spiele eine Rolle, mit Text und allem. Darauf komme es an. Das gelte auch für andere Rollen, mit denen er kein Problem hat: 2009, zum Beispiel, spielte Manni Laudenbach in der Verfilmung von „Schneewittchen“ einen der sieben Zwerge.

Achtung, Programmbeschwerde!

Christian Schertz verteidigt also Laudenbachs Würde, obwohl der gar keinen Verteidiger benötigt, da er sich ja nicht angegriffen fühlt. Angegriffen fühlt sich vor allem Christian Schertz selbst, der Laudenbachs körperliche Besonderheit mit seinem (Medien vorliegenden) Brief ins Zentrum einer Debatte stellt, ohne Laudenbach mal kontaktiert und nach seiner Meinung gefragt zu haben.

Schertz schrieb dem ZDF-Intendanten sogar, dass er überlege, eine förmliche Programmbeschwerde einzulegen. Norbert Himmler hat aber auf Schertz’ Brief bis dato nicht reagiert, schreibt die „Süddeutsche“. Der Medienanwalt hatte eine Frist gesetzt: Er bat um Antwort bis zum vergangenen Freitag, jenem Tag also, an dem das Aus des „ZDF Magazin Royale“ publik wurde. Für Michael Hanfeld von der FAZ war das keine zufällige Gleichzeitigkeit, sondern ein durchaus denkbarer Zusammenhang. Na, klar.

Die Schertz-Satire im „ZDF Magazin Royale“ hat offenbar getroffen. Zwar betont Christian Schertz in seinem Brief, dass er auch scharfe satirische Kritik einstecke. Aber dann ist er doch mitunter dünnhäutiger, als er sich gibt.

8 Kommentare

  1. Naja, was soll man erwarten? Denn wenn Schertz nicht auf die Größe des Schauspielers abstellen würde, müsste er ja auf die Inhalte und Aussagen der Satire abstellen.

  2. Böhmi redet seit Jahren davon (z.B. im Podcast), dass er das Format nicht für immer machen will. „Zufälliger Weise“ hat er dabei immer von 7 Jahren gesprochen, nach denen ein Format sich dann für ihn auserzählt anfühlt. (paraphrasiert)

  3. Also hieße das dann, kleinwüchsige Menschen sollten nur noch Zwergrollen bekommen? Eine ziemlich miese Implikation.

  4. Entgegen der Auffassung des Autors ist nicht selbstverständlich, dass es für das Vorliegen einer Beeinträchtigung der Menschenwürde auf die Perspektive von Herrn Laudenbach ankommt. Nach der verwaltungsgerichtlichen Judikatur – namentlich der des Bundesverwaltungsgerichts – kann auf die Menschenwürde schon nicht „verzichtet“ werden. Das ist zwar nicht selbstverständlich. Man wird dem aber im Ergebnis insoweit zustimmen können, als die Menschenwürde anderer Angehöriger einer bestimmten Bevölkerungsgruppe mitbetroffen ist.

    Wenn aber die Größe des Darstellers aus der Wahrnehmung der Zuschauenden ein Element darstellt, um Herrn Schertz zu karikieren, lässt sich dies als Beeinträchtigung der Menschenwürde aller kleinwüchsigen Personen deuten. Wird ein körperlicheMerkmal eines Menschen wie die Kleinwüchsigkeit „faktisch als negatives Merkmal instrumentalisiert“, hat Schertz an der Stelle schlicht einen Punkt. Ob sich Herr Laudenbach selbst instrumentalisiert fühlt, spielt keine Rolle.

  5. Die Medienstrategie von dem Schertzanwalt geht aber auch voll auf. Sogar übermedien berichtet über seine letzten Fürze in den luftleeren Raum.

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