Mehr über Social Media
Irgendwann ruft Bea Merscher dann zurück, sie klingt gehetzt. Ist das jetzt der NDR? Nein, Übermedien. Ach so! Ihre Tage sind voll bis in die Nächte: Interviews geben, Videos drehen, die Demos. Merscher hat einen enormen Output. Und zwischendurch rufen ihre Kinder nach ihr.

Seit Wochen ist die Kinderärztin mit ihrer Kritik an der Gesundheitspolitik der schwarz-roten Bundesregierung auf Dauersendung. Ende August legte sie sich in der RTL-Sendung „Am Tisch mit Friedrich Merz“ mit dem Bundeskanzler an. Dessen Politik bezeichnete Merscher als „menschenverachtend“ und „zerstörerisch“. Sie sagte das Merz direkt ins Gesicht – und warf ihm vor, seinen Amtseid zu brechen.
Manche hätten das weggelächelt. Nicht aber der Kanzler, der keilte zurück: „Das geht zu weit!“ Ärztinnen und Ärzte bezeichnete Merz als „Nutznießer“ des Gesundheitssystems – und verstärkte so das mediale Echo: Merz hat Merscher deutschlandweit bekannt gemacht, auf einen Schlag. In den sozialen Medien folgte Reaction auf Reaction, „Bild“ taufte die forsch auftretende Kritikerin zur „Wut-Ärztin“.
Merscher nahm den Ball auf: Als „Mut-Ärztin“ organisiert sie Demos gegen die Regierungspolitik. Ihre zentrale Forderung: Das „GKV-Spargesetz“ – offiziell: GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz – soll zurückgenommen werden und mit ihm geplante Kürzungen, unter denen vor allem Familien leiden könnten, Schwangere und Kinder.
Das Anliegen teilen viele. Inzwischen aber steht Bea Merscher selbst in der Kritik, und das nicht nur wegen ihrer offensiven Wortwahl. Während die einen die 39-Jährige für ihren Aktivismus feiern, unterstellen ihr andere vor allem einen ausgeprägten Geschäftssinn, mit dem sie ihre Reichweite vergolde. Merscher spricht von „Hatern“ und führt die heftigen Gegenreaktionen darauf zurück, dass sie einen wunden Punkt getroffen habe. Sie selbst reagiert auf Kritik mitunter selbst recht heftig.
Inzwischen dreht sich das, was sie verbreitet, auch nicht mehr nur um Gesundheitspolitik. Sie sei nämlich zu der Erkenntnis gekommen, sagt Merscher am Telefon, dass die Gesundheitspolitik nur ein „Symptom“ sei für eine „Agenda“, die in Deutschland verfolgt werde. Was für eine Agenda meint sie?
„Die Agenda ist im Prinzip eine Schwächung der Bevölkerung, um sie willfährig zu machen.“
Im Prinzip laufe alles auf eine Militarisierung, eine Aufrüstung Deutschlands hinaus, auf „ein Hineinziehen in einen Krieg“.
„Ob dieser Krieg Deutschland-Russland ist oder ein Dritter Weltkrieg, das kann ich nicht sagen, ich bin keine Geopolitikerin.“
Das ist, sagen wir: eine steile These.
Wer angesichts ihrer Rhetorik eine parteipolitische Nähe vermutet – Merscher widerspricht deutlich. Von der AfD hat sie sich distanziert. Überhaupt begann ihre „Social-Media-Karriere“, wie es die Ärztin nennt, eher unpolitisch.
Ihrem LinkedIn-Profil zufolge schloss sie 2021 ihre Weiterbildung zur Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin am Kinderspital Zürich ab. Anschließend ging sie nach Brasilien und arbeitete dort in einer Klinik. 2024 kehrte sie nach Deutschland zurück, praktizierte ein Jahr lang als angestellte Ärztin in pädiatrischen Praxen in Hannover und Celle.
In dieser Zeit habe sie gemerkt: „Das System ist am Limit.“ Kaum Zeit für die Patient:innen, zugleich aber ein großer Informationsbedarf der Eltern: Merscher begann also, in sozialen Medien über medizinische Themen aufzuklären. Ihre Videos drehten sich um verschluckbare Kleinteile, um Kopf-Platzwunden.
Inzwischen ist Merscher nach eigenen Angaben seit fast zwei Jahren in Elternzeit. Ihre Kanäle hat sie extrem professionalisiert. Auf der Creator-Plattform „Bryght“ bietet sie Info-Material zum Thema Kinderschutz an, darunter auch einen Kurs für 279 Euro. Daneben gibt es die Community „Dr. Beas Elternkompass“, teilweise ebenfalls kostenpflichtig. „Bryght“ – ein Start-up, in das auch der Axel-Springer-Konzern investiert hat – will Influencern zu mehr Reichweite und einer besseren Monetarisierung ihrer Inhalte verhelfen.
An ihre Mitglieder verteilt Merscher schon mal exklusive Rabattcodes für das von Verbraucherschützern und Wissenschaftlern kritisierte Nahrungsergänzungsmittel „LaVita“. Jenseits der Plattform fungierte sie außerdem als Expertin für den Babynahrungshersteller „Humana“ und als eines der „Gesichter der Roadshow“ von „PediaSure“, einer Nahrungsergänzungsmarke für Kleinkinder. Im Vordergrund stehen solche Engagements jedoch nicht.
Auf das GKV-Spargesetz schoss sich Merscher nach einem Termin beim Kinderarzt ihres Sohnes ein. Dieser habe gesagt, erzählt sie am Telefon, dass er künftig nicht mehr allen Kindern ihre U-Untersuchungen anbieten könne, weil die kinderärztlichen Leistungen künftig wieder budgetiert – also gedeckelt – werden sollen. Seitdem ist der Bundeskanzler eine Art Lieblingsgegner in Merschers Social-Media-Angriffen. Und wie sehr sie darauf achtet, dass die sich verbreiten, zeigt ein Video, in dem sie darüber reflektiert, dass es jetzt eigentlich kein guter Zeitpunkt für den Insta-Algorithmus sei – sie müsse aber unbedingt etwas loswerden.

Merschers RTL-Auftritt bescherte ihr nicht nur persönlich Reichweite, sondern auch Aufmerksamkeit für die erste von ihr organisierte Demo: Am 5. September folgten mehrere tausend Menschen ihrem Aufruf nach Berlin unter dem Motto: „Es reicht! Gesundheit statt Sparwahn“. Weitere Proteste sind geplant. In wenigen Wochen vervielfachte sich allein ihr Instagram-Kanal auf inzwischen mehr als 800.000 Follower, hinzu kommen Kanäle auf YouTube, TikTok und Facebook. Das ist viel Potenzial für politische Botschaften. Und um Geld zu verdienen.
Für die Berlin-Demo sammelte Merscher Spenden. Die Aktion lief über den 5. September hinaus weiter – bis zu diesem Mittwoch waren rund 180.000 Euro zusammengekommen. Mit dem Geld will Merscher weitere Protestveranstaltungen finanzieren. Zur Transparenz hat sie auf ihrer Spendenseite angekündigt, Einnahmen und Ausgaben detailliert aufzulisten. Im Gespräch mit Übermedien erklärt sie, sie kämpfe mit der Umsetzung: Viele Rechnungen lägen noch nicht vor, und nicht alle Rechnungssteller seien mit einer Veröffentlichung einverstanden. Sie selbst habe keinen Spenden-Cent genommen, sagt sie.
Und dann ist da Merschers neuestes Projekt, für das sie kritisiert wird: Sie hat eine „Bewegung“ gegründet, so nennt sie es. Und sie ruft auf, sich dieser Bewegung anzuschließen. Wer dabei sein will, soll der „Mut-Ärztin“ 19 Euro im Monat zahlen. Zum Vergleich: Die Jahresmitgliedschaft beim Naturschutzbund, zum Beispiel, gibt es für 48 Euro.

Der Anästhesist und Podcaster Johannes Pott, der Merscher im Konflikt mit Merz unterstützt hatte, zeigte sich enttäuscht von dem Abo-Modell. Der Medfluencer Jasper Iske, Herzchirurg an der Berliner Charité, warf auf Instagram die Frage auf, ob es Merscher um „Aktivismus“ gehe oder um „Kalkül“ und ein „Geschäftsmodell“. Denn hinter der „Mut-Ärztin“-Community steckt keine gemeinnützige Organisation oder eine vergleichbar transparente und einer Kontrolle unterliegende Struktur – die Mitgliedsbeiträge fließen einfach direkt an Bea Merscher.
Die hatte oft kritisiert, dass die Bundesregierung den Kindersofortzuschlag von 25 Euro im Monat für armutsbetroffene Familien streichen wolle. Auch vor diesem Hintergrund stießen Iske die 19 Euro sauer auf – zumal Merscher an anderer Stelle „puren Idealismus“ als Antriebskraft bezeichnet hatte. In einem Reel sagte sie:
„Ich finde es halt auch so’n bisschen amüsant, dass man es vielleicht auch gar nicht so akzeptieren kann, dass es vielleicht einen Menschen da draußen gibt, der einfach integer ist, ehrlich, und der das nicht aus finanziellem Interesse macht, sondern einfach aus Nächstenliebe.“
Für die Fallhöhe hatte sie also selbst gesorgt.
In einer ersten Reaktion schimpfte Merscher auf Iske und erklärte unter anderem, sie müsse ja ihre Demos finanzieren. Das Video löschte sie später auf Instagram, auf Facebook ist es weiter abrufbar.
Das Problem: Auf der Website ihrer Bewegung hatte Merscher an mehreren Stellen erklärt, dass mit den 19 Euro eine Leistung bezahlt werde – Zugang zu ihren Videos, Calls mit ihr, einer geschlossenen Telegram-Gruppe, das alles zusätzlich zu den kostenlosen Inhalten auf Instagram, TikTok & Co. Ob ein Teil der Mitgliedsbeiträge auch in die Protestaktionen fließen sollen, darüber machte sie widersprüchliche Angaben.
Am Dienstagabend räumte sie das als Fehler ein und sagte eine Korrektur zu. 20 Prozent des Gewinns der Plattform sollten künftig in die gesundheitspolitischen Aktionen fließen. Außerdem würden Menschen, die das Geld nicht aufbringen können, kostenlos aufgenommen und ein gemeinnütziger Verein aufgebaut.
Das Abo-Modell an sich erklärt Merscher mit ihrer Leistung. Lange habe sie alles allein gemacht und vor Arbeit kaum geschlafen. Seit kurzem sei nun ein kleines Team für Videoschnitt, Programmierung, E-Mail- und Community-Management zuständig. Und die „Mut-Ärztin“-Plattform solle nicht nur politischen Zielen dienen, sondern auch die Eltern-Kurse und Aufklärungsvideos zeigen, die bisher Teil der „Bryght“-Angebote sind. Sie wolle unabhängig sein und auch keine Firmenkooperationen mehr machen.
Fest steht: Wenn sich der „Bewegung“ so viele Menschen anschließen wie von Merscher erhofft, wären die Einnahmen beträchtlich. Als Ziel gab sie ursprünglich 10.000 Mitglieder an – bezahlen alle voll, macht das 190.000 Euro im Monat.
Ihre Gründung verkauft Merscher nicht einfach wie ein Angebot, sondern mit einem NarrativNarrative fassen komplizierte Zusammenhänge in einer einfachen Erklärung zusammen. Der Begriff ist.... Sie, die davon spricht, die Bundesregierung lege es darauf an, die Bevölkerung zu schwächen, spricht nun auch davon, ihre eigene Bewegung sei ein Ort, „wo uns keiner zensieren kann“. Auf Instagram sei eine Monetarisierung nicht möglich, der Algorithmus würde die Reichweite ihrer Videos drosseln. Bei TikTok droht ihr nach eigener Aussage der Rauswurf aus dem „Creator Rewards“-Programm. Mehrere ihrer Videos seien schon disqualifiziert worden. Merscher glaubt, das liege daran, dass ihre Inhalte so kritisch seien.
Womit wir wieder bei der These wären, um die es eigentlich geht. Man kann sie wohl so zusammenfassen: Bea Merscher geht davon aus, dass eine Regierung eigentlich keinen guten Grund hätte, Kliniken zu schließen oder bei der kinderärztlichen Versorgung zu kürzen. Aber dann werde bei der Gesundheit gespart, zugleich steige das Budget fürs Militär – und ständig werde eskaliert. Nach den Drohnenangriffen von Leipzig beispielsweise sei ein Schuldiger (Russland) benannt worden, obwohl es dafür doch kaum Beweise gebe.
„Meine Theorie ist: Wenn wir eine gesunde, gebildete, kritisch denkende Bevölkerung haben, dann ist die relativ schwer in solche Dinge zu bringen wie ein Dritter Weltkrieg“, sagt Merscher. Ein angeschlagenes Volk dagegen, das „ums Überleben“ kämpfe, sei „leichter zu lenken“.
Das hatte sie auch Merz schon vorgeworfen. „Oh come on, Merzilein“, leitete sie Anfang August ein Reel ein, mit dem sie für ihre Demo in Berlin trommelte. Dem Kanzler, sagte sie, sei „eine Gesellschaft in Trümmern“ lieber, „weil verzweifelte Menschen leichter zu lenken wären“.
Sie bezieht sich dabei auf eine Merz-Rede aus dem Juni – und verbiegt sie, bis es passt. Der Bundeskanzler hatte über die Schwierigkeit, Reformen durchzusetzen, gesagt:
„Eine wohlhabende Gesellschaft zu verändern, ist viel schwieriger, als ein Land nach Krieg und Zerstörung wieder aufzubauen. Das, was wir uns vorgenommen haben umzusetzen, erfordert Veränderungsbereitschaft aus dem Wohlstand heraus beziehungsweise vielleicht aus einer Wohlstandsillusion heraus.“
Man mag von dem Vergleich halten, was man möchte, aber Merz hat damit nicht gesagt, nicht mal angedeutet, dass ihm eine Gesellschaft in Trümmern lieber wäre. So aber passt es besser zu Bea Merschers Erzählung. Im Podcast „Wer ist dein Nachbar“ verbreitete sie dasselbe Framing vom Wunsch nach einer dahinsiechenden Gesellschaft, als hätte Merz das so gesagt. Sie fasst es zusammen mit dem Satz: „Das ist ganz klar ein Plan.“
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Turnstile. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen
Ich kann mir das schon vorstellen. Sie hat mit dem RTL Auftritt Reichweite erlangt und ist dann sicherlich danach von Interessengruppen kontaktiert und mit weiteren „Fakten“ verwirrt worden. (Reine Spekulation)
Plötzlich wird aus dem legitimen Anliegen, etwas am Gesundheitssystem ändern zu wollen die „Erkenntnis“ einer „Agenda“ zur „Schwächung der Bevölkerung“ – Natürlich zur Vorbereitung eines russisch-deutschen Krieges, logisch, ist doch klar, wie sollte es anders sein?
Ist das schon eine Ausprägung hybrider Kriegsführung?
Oder werde ich zum Verschwörungshanserl?
Der Lockruf des Goldes! Immer wieder schwer zu widerstehen, selbst wenn etwas mit Idealismus beginnt.
Sie war auch bei Ben ungeskriptet….
Ist das diejenige, die schon wegen Taubenhass-Video im Gespräch war? Wenn ja, läuft bei ihr.
Nach den letzten Shorts zu urteilen fährt sie jetzt die Sabine Hossenfelder Schiene, inkl. der subjektiven, anekdotischen Begründungen. Sie hatte mal Athritis im Arm, also … „Big Pharma“ böse weil „keiner mehr an günstigen Antibiotika forscht sondern nur noch an sauteuren Therapien“. Quelle: Trust me, bro.
@3: Sie war auch bei Salim Samatou. Dessen vorvorletztes Video heißt „Wie stoppen wir den 3. Weltkrieg | Daniele Ganser“
Es ist nicht in Worte zu fassen, wieviel Schaden diese Art der Wissenschaftskommunikation anrichtet. Die Schwurbler haben übernommen.
Die Person nimmt Begriffe die Angst machen (Hitze! Epstein! Missbrauch! Gesundheit! Krieg! Zensur!) und bastelt kostenpflichtige Antworten dazu.
Expertise? Kann man nicht einschätzen. Nutzen? Ebenso nicht. Lebenslauf? Soviele Jahre gab es seit der Pandemie doch gar nicht, alles eng gestrickt 😬 Personenkult, ängstliche Menschen als Opfer, an irgendwas erinnert miyhveaa, aber davon hat sie sich ja distanziert. Tja.
Moralspektakel ist halt ein prima Geschäftsmodell. Und je hotter die takes, desto höher der Umsatz. Seufz.
Größte Enttäuschung seit Fabio de Masi.
Nur mal kurz nachgefragt: habe ich das richtig verstanden? Sie machte 2021 ihren Facharzt in der Schweiz, arbeitete 3 Jahre in einem Krankenhaus in Brasilien, kam 2024 nach Deutschland zurück und ist seit fast 2 Jahren in Elternzeit? Also knapp 1 Jahr in Deutschland gearbeitet, oder?
@ #9 Diese Frage habe ich mir auch gestellt: wie man aus einem Jahr Berufstätigkeit valide Schlüsse auf das Gesamtsystem ziehen zu können glaubt.
sie war doch mit ihrem sohn beim kinderarzt. reicht das nicht?
Ich muss ja sagen, dass ich schon bei der Amtseid-Geschichte auf Merz‘ Seite war. Das passiert nicht so oft. Ich fand jede Kritik an der geplanten Budgetierung von Vorsorgebehandlungen und Impfungen von Kindern angebracht. Aber der Vorwurf, Merz breche seinen Amtseid, ist wohlfeil: Man kann ihn fast immer erheben, wenn eine Regierung etwas beschließt, das man selbst für falsch hält. Schadet ja dem Volkswohl.
Deshalb fand ich Merz‘ Entgegnung auf diesen Vorwurf in der Sache richtig, wenn auch unklug. Aber mein Eindruck war zusätzlich, dass Merscher sehr bewusst zum größtmöglichen Hammer greift, um auf den Kanzler drauf zu hauen – und sich so ganz nebenbei als besonders mutige Kritikerin profiliert.
Unabhängig von der Frage, ob das Geschwurbel der irrlichternden Pöbel-Ärztin dem AfD-oder BSW-Kosmos zuzuordnen ist: Liegt es nicht in der Verantwortung der Medien, Agitation von Verschwörungstheoretikern nicht zu zusätzlicher Aufmerksamkeit zu verhelfen?
Ich bin einfach mega enttäuscht. Mal wieder. Ich bin tatsächlich am Anfang auf sie reingefallen, weil ich gedacht habe: Endlich traut sich mal jemand und haut Merz das um die Ohren, was ich über seinen sozialen Kahlschlag aka „dringend notwendige Reformen“ denke. Inklusive der Wut, die auch ich darüber verspüre. Auch die Demos haben mir endlich wieder etwas Hoffnung gegeben.
Tja. Und jetzt das.