Klischees in Film und Fernsehen

Hände weg von diesen Händen!

Unsere Autorin schaut berufsbedingt sehr viele Filme. Was ihr dabei immer wieder auffällt: ausgelutschte Bilder von Händen, die für Freiheit, weibliche Lust oder männliche Stärke stehen sollen – und die teilweise in journalistischen Medien reproduziert werden. Fällt Regisseuren denn nichts Neues ein?

Unsere Hände haben sich aus Fisch-Brustflossen entwickelt. Dieser evolutionäre Zusammenhang wird zuweilen von Delfinen in Tiershows demonstriert, etwa wenn sie mit den Flossen ihren tadellos dressierten Tierpflegern Beifall klatschen, nachdem diese ihnen Fische zugeworfen haben. 

Aber auch in der nicht-tierischen Kulturgeschichte sind Hände vielbeschäftigte Bedeutungsträgerinnen. Im Jahre 1508 malte Albrecht Dürer sie beim Beten; ein paar Jahre später hauchte in der Sixtinischen Kapelle die „Dextera Domini“, die Hand Gottes, Adam Leben ein. Überhaupt steht die Hand in Gemälden oft für die Verbindung zwischen Spiritus Sanctus und Sünderlein. Handgesten haben erstaunliche Entwicklungen durchgemacht. Während man früher etwa in Italien mit der „Mano Cornuta“ den Teufel abwehrte, recken heute überall auf der Welt Fans diese „gehörnte Hand“ begeistert James Hetfield von Metallica entgegen. 

Moderne Generationen kennen Hände vom Daumen-Hoch-Emoji und als Versuchsfeld für bee…

4 Kommentare

  1. Grossartiger Artikel, vielen Dank für diesen Verriss überstrapazierter Bilder. Ich habe mich sehr amüsiert.

  2. Na toll. Diese Filmclichés waren mir bislang nicht aufgefallen, nun werde ich sie auch nicht mehr nicht-bemerken können. Sie reihen sich damit ein in Computerdaten, die Geräusche machen wie ein Drucker aus den 80ern, Herz-Lungen-Wiederbelebung, bei der dreimal bisschen die Hand aufgelegt wird statt ordentlich zu drücken oder dass die Wut des männlichen Protagonisten nicht anders dargestellt werden kann als durch plötzlich und heftige Zerstörung von herumstehenden Gegenständen (auch eine Art der Normalisierung von Gewalt: du wurdest abgewiesen? Den Schreibtisch einschließlich Kaffetasse und Monitor mit einer Armbewegung abräumen ist die filmisch korrekte Reaktion!).

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