Gewalt gegen Polizei

Wie Medien das Zahlenfeuerwerk des BKA bestaunen

Medien übernehmen die Sichtweise von Bundeskriminalamt und Politik zur Gewalt gegen Polizeikräfte fast ungeprüft. Sie wiederholen irreführende Vergleiche, übersehen methodische Probleme und ignorieren den nötigen Kontext. So wird Journalismus zum Sprachrohr der Politik statt zum Korrektiv.
Demonstrationen treiben die Fälle von Gewalt gegen Polizeikräfte in die Höhe. Über das grundsätzliche Verhältnis zur Polizei sagen diese Zahlen allerdings nichts aus. IMAGO / Eibner

Als das Bundeskriminalamt am 29. Dezember 2025 sein neues Bundeslagebild „Gewalt gegen Polizeivollzugsbeamtinnen und Polizeivollzugsbeamte“ veröffentlichte, war die mediale Resonanz groß. Zahlreiche Redaktionen berichteten innerhalb weniger Stunden über „neue Höchststände“, zunehmende Gewalt und politischen Handlungsdruck. Sowohl Innen- als auch Justizministerium nutzten die Gelegenheit, um Strafverschärfungen anzukündigen.

Die „Bild“ titelte „Neue Schock-Zahlen vom BKA“ und erwähnte sogleich, dass „mehr als ein Drittel der Täter“ keinen deutschen Pass habe. Die

9 Kommentare

  1. Super Artikel! Als Soziologe bekomme ich immer Kopfschmerzen bei der kritiklosen Übernahme der Statistik insbesondere der Deutung. Vielleicht inspiriert der Text zum kritischen Journalismus.

  2. @2:
    Ich stimme zu, dass es ein großartiger Text ist, der mal wieder aufzeigt, was bei uns schief läuft, im Umgang zwischen Medien und Polizei. Aber leider sind die Worte der Wahl hier wirklich „mal wieder“. Dass dieser Text gerade jetzt ein Umdenken bei den Medien einleitet, die nunmal kaputt gespart sind und die, wie im Text selbst ja auch beschrieben, dann auch noch sabotiert werden, kann ich mir leider wirklich kaum noch vorstellen.

  3. Danke für den großartigen Artikel! Leider ist es wie bei der polizeilichen Kriminalstatistik jedes Jahr dieselbe Leier…

    Ein Zahlendreher ist mir im Text aufgefallen zum Thema Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte: Die Reduzierung der Fälle zwischen 2015 und 2024 von 21 945 Fälle auf 21 483 Fälle sind ein Rückgang um ca. 2 Prozent statt den genannten 0,02 Prozent

  4. Danke für den Artikel!
    Ich hoffe sie betroffenen Medien nehmen dies wahr und reagieren entsprechend darauf. Es ist nämlich schon etwas beängstigend. Durch diese unreflektierte Wiedergabe könnte ja auch die Akzeptanz der Bevölkerung steigen für mehr Polizei- und Überwachungsbefugnisse.

  5. Eine kleine, bizarre Anmerkung am Rand: Der Anstieg von Verfahren nach sogenannten Großlagen hat womöglich auch einen strategischen Anteil. Wer nach mutmaßlicher Polizeigewalt Anzeige erstatten will, bekommt nicht selten umgehend eine Gegenanzeige – weshalb Rechtsbeistände oft schon im Vorfeld raten, sehr genau abzuwägen, ob man dieses Risiko eingehen will.

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