Medien versuchen oft, Frauen zu Wort kommen zu lassen, die sich ausschließlich um Haushalt und Kinder kümmern. Das Problem: Sie finden selten eine. Stattdessen befragen sie Influencerinnen, Buchautorinnen, Verbandsfunktionärinnen. Denn den angeblichen Trend zur Vollzeitmutter gibt es gar nicht.
Hausfrau zu sein liegt im Trend – also: Zumindest erwecken Medien diesen Eindruck.
Im „Spiegel“ zum Beispiel, im „Standard“, in der „Bild“ und der „Gala“. Allerdings kommt in keinem dieser Beiträge eine Frau zu Wort, die wirklich und ausschließlich Hausfrau und Mutter ist. Auch die „Zeit“, die hier behauptet, mit gleich „vier Hausfrauen“ zu sprechen, interviewt tatsächlich eine Social-Media-Unternehmerin, eine Frau, die in Teilzeit arbeitet, eine Alleinerziehende und die ehemalige Präsidentin des Deutschen Hausfrauenbundes.
Daher vielleicht gleich mal eine Definition, was ich in diesem Text meine, wenn ich „Hausfrau“ schreibe. Sich um den eigenen Haushalt zu kümmern, reicht nicht aus, um in diese Kategorie zu fallen, denn das macht fast jeder – die einen mehr, die anderen weniger. Für mich ist eine Hausfrau eine Frau, die nicht erwerbstätig ist und sich ausschließlich um Haushalt und Kinder kümmert. Eine Mutter, die vorübergehend mit ihrem Neugeborenen in Elternzeit ist, würde ich genauso wenig dazu zählen wie Frauen in einem Sabbatical, auf Jobsuche oder mit einem Teilzeit-Job. So ähnlich sieht es der Duden. Dort steht: eine Hausfrau ist eine „einen Haushalt führende [nicht berufstätige Ehe]frau“.
Diese vermeintlich typische Hausfrau gibt es nicht, wir haben sie mit KI-generiertBild: KI-generiert/Canva
Los ging es mit Influencerinnen aus den USA
Auslöser für die Welle der Berichterstattung von Heim und Herd sind englischsprachige Tradwives-Accounts, die vor einigen Jahren zunehmend in den Social-Media-Feeds von deutschen Nutzerinnen auftauchten. Tradwives sind Influencerinnen, die ihr Leben als traditionelle Hausfrauen im Netz darstellen und dieses in der Regel feiern. Über dieses Phänomen gab es erste neugierige Artikel, danach schwappte der Trend nach Deutschland. Auch hierzulande wurden Creatorinnen mit heimeligen Back- und Bet-Content erfolgreich und Medien riefen einen Trend aus.
Das ganze Gedöns
Familie, Feminismus, Gefühle: Jahrzehntelang haben Redaktionen diese Themen belächelt, mittlerweile dominieren sie die Startseiten. Als Journalistin für Psychologie und Familie freut sich Barbara Vorsamer darüber – vermisst aber manchmal die Qualität und Expertise, die in anderen Ressorts selbstverständlich sind. Bis es so weit ist, schreibt sie diese Kolumne.
Als freie Autorin schreibt Barbara Vorsamer auch sonst über Psychisches, Politisches, Persönliches, oft für den „Spiegel“ und einmal wöchentlich in ihrem Newsletter „Innen und Außen“. War davor viele Jahre Redakteurin bei der „Süddeutschen Zeitung“. Lebt in München, hat zwei Kinder.
Als Familienjournalistin bin ich immer begeistert, wenn Themen wie Kindererziehung und Hausarbeit ihren Platz bekommen. Über die realen Schwierigkeiten, die Mütter und Väter dabei haben, sich all die bezahlte und unbezahlte Arbeit sinnvoll aufzuteilen, kann gar nicht genug berichtet werden und unbedingt sollten dabei möglichst viele verschiedene Menschen eine Stimme bekommen. Von Frauen – oder generell Menschen – die ausschließlich oder vor allem Care-Arbeit verrichten, hört man viel zu selten. Ob aus Faulheit oder Zeitnot: Redakteurinnen und Redakteure neigen stark dazu, ihre Protagonisten in anderen Medien zu suchen, in Buchverlagsvorschauen oder im Internet. Care-Arbeitende finden sie dort nicht. Wer seine Tage mit Putzen, Kochen, Erziehen, Betreuen und Pflegen füllt, kann nicht auch noch Bücher schreiben, Vorträge halten, im Fernsehen auftreten, einen reichweitenstarken Kanal betreiben oder einem Verband vorstehen.
Überlastete Mütter sitzen nicht in Talkshows
Dieser inhärente Konflikt wurde mir besonders bewusst, als ich 2020 in die TV-Talkshow „hart aber fair“ eingeladen wurde. Anlass dafür war ein Kommentar, in dem ich kritisierte, dass sich die Politik nicht um die Interessen von Familien und Kindern kümmere. An den Fragen, die mir Frank Plasberg stellte, zeigte sich aber, dass ich nicht als Fachjournalistin da war, sondern als „Stimme der Familien“. Ich sollte über die Belastungen für Eltern sprechen, vor allem über meine ganz persönlichen. Die allerdings hielten sich in Grenzen. Mein Mann und ich teilten uns alles fair auf, Großeltern und Freunde unterstützten uns, und nur das brachte mich überhaupt in die Position, Leitartikel schreiben und ins Fernsehen gehen zu können. Die Mütter, denen in der Pandemie wirklich alles über den Kopf wuchs, hatten für sowas keine Kapazitäten übrig.
Die Kolumnistin im April 2020 bei „hart aber fair“ mit Tobias Hans (CDU) und Karl Lauterbach (SPD).Screenshot: ARD
Journalistinnen und Journalisten sind eben keine repräsentative soziodemografische Gruppe, im Gegenteil. Viele meiner männlichen Kollegen nahmen nicht nur die zwei sprichwörtlichen „Vätermonate“, sondern die Hälfte der Elternzeit. In der Gesamtbevölkerung hingegen verzichtet die Mehrheit der Väter darauf, das Elterngeld überhaupt in Anspruch zu nehmen. Hausfrauen gibt es in Redaktionen gar nicht, logisch. Wie in jedem Unternehmen sind dort alle Frauen mindestens in Teilzeit berufstätig.
Echte Hausfrauen gibt es fast nicht
Insofern erstmal ein lobenswerter Versuch, mehr über Hausfrauen zu berichten. Nicht so gut ist es, wenn Social-Media-Phänomene nicht als solche eingeordnet, sondern zu generellen gesellschaftlichen Veränderungen hochgedreht werden. Bislang ist der angebliche Rückzug der Frauen an Heim und Herd aber außerhalb von Tiktok und Instagram nirgends sichtbar, zumindest nicht in Deutschland. Hier sind aktuell 74,1 Prozent aller Frauen zwischen 20 und 64 Jahren berufstätig, das sind mehr als jemals zuvor, seitdem diese Statistik erhoben wird.
Daraus lässt sich nicht schließen, dass das restliche Viertel aus Hausfrauen besteht, auch bei Männern beträgt die Quote der Erwerbstätigen nicht 100, sondern 80,8 Prozent. Der Rest studiert vielleicht, ist auf Arbeitssuche, vorübergehend in Elternzeit, schon im Ruhestand oder länger krankgeschrieben.
Daher nochmal zum Mitschreiben: Es gibt fast keine echten Hausfrauen in Deutschland. Und nur wenige Frauen wollen eine sein. Damit, dass man es sich als Familie auch erst einmal leisten können muss, von nur einem Gehalt zu leben, und dass das deutsche Wirtschafts- und Sozialsystem von jedem gesunden Erwachsenen verlangt, seinen Lebensunterhalt selbst zu erwirtschaften, fange ich an dieser Stelle gar nicht erst an.
Anschlussfähig an rechte Bewegungen
Redaktionen scheinen trotzdem wild entschlossen, dieses kaum existente Lebensmodell ausführlich zu beschreiben, zuletzt versuchte es die „Süddeutsche Zeitung“ in einem Streitgespräch zwischen der angeblichen „Vollzeitmutter“ Victoria Bonelli und der in Vollzeit erwerbstätigen Mutter Giulia Catana.
An dem Gespräch gab es viel berechtigte Kritik, zum Beispiel ist es inhaltlich ziemlich schwach. Welchen Erkenntnisgewinn sollen Leserinnen und Leser daraus ziehen, wenn eine Frau sagt „Ich finde, Kindern geht es besser, wenn sie die ersten Jahre bei der Mutter bleiben“ und eine andere entgegnet „Meine Kinder waren sechs und acht Monate alt, als sie in die Krippe kamen – und es hat ihnen alles andere als geschadet“? Wollte man berichten, wie es kleinen Kindern in Betreuungseinrichtungen geht, könnte man Menschen fragen, die zu frühkindlicher Entwicklung forschen, statt zwei Mütter, die dazu ein Gefühl haben.
Darüber hinaus ist Bonelli eine christliche Fundamentalistin. Sie schrieb für das rechtskatholische Portal kath.net und ist mit dem Psychiater Raphael Bonelli verheiratet, der – unter anderem – für seine antifeministischen Aussagen kritisiert wird. Die Autorin Teresa Bücker kritisierte das Interview in einer Insta-Story als „Normalisierung im Galopp“. Auch der katholische Journalist Louis Berger und die MDR-Kolumne „Altpapier“ warfen der SZ vor, die Interviewpartnerin unzureichend eingeordnet zu haben. Rechte Bewegungen nutzen das Thema Familie schon lange, um unauffällig Anschluss zu finden. Wie, beschrieb Erziehungsexpertin Nora Imlau vor drei Jahren in der „Süddeutschen Zeitung“.
Die angebliche „Vollzeitmutter“ schreibt nebenbei Bücher
Für meine These ist etwas anderes wichtiger, und zwar: Victoria Bonelli hat zwar ein Buch geschrieben, das den Titel „Vollzeitmutter“ trägt. Im Interview erzählt sie aber:
„Mein Mann und ich haben uns viele Gedanken gemacht, wie wir das Finanzielle aufteilen. Wir haben gemeinsam eine GmbH gegründet, die uns je zur Hälfte gehört. Da fließen die Honorare aus unseren Büchern und Vorträgen ein.“
Eine Frau, die einem Unternehmen vorsteht, Vorträge hält und Bücher schreibt, ist meiner Meinung nach weder eine Vollzeitmutter noch eine Hausfrau.
Dieselben Gedanken hatte ich vor zehn Jahren, als Birgit „Mach doch die Bluse zu“ Kelle in zahlreichen Talkshows diese Rolle besetzte und dort vehement für traditionelle Geschlechterrollen plädierte. Ich fragte mich damals: Wie sehr ist man eine traditionelle Mutter, wenn man ständig im Fernsehstudio sitzt und Kolumnen schreibt? Auch die Social-Media-Tradwives, die die aktuelle Debatte angestoßen haben, sind in der Regel Unternehmerinnen, die Geld damit verdienen, vor der Kamera hyggelige Care-Arbeit zu performen.
Viele Journalisten kennen selbst kaum Hausfrauen
Die eingeübten Mechanismen der medialen Protagonistensuche machen es eben schwer, eine „echte“ Hausfrau zu finden. Sucht man im Netz oder bei Buchverlagen, landet man bei Frauen, die in Wahrheit Autorinnen, Influencerinnen oder Unternehmerinnen sind. Fragt man bei Verbänden, bekommt man eine Funktionärin vermittelt. Im Bekanntenkreis von Journalistinnen und Journalisten sind Hausfrauen vermutlich noch rarer gesät als ohnehin schon, zudem ist einem die zufällige Frau von der Straße oft nicht interessant genug für eine Geschichte.
Die Feministin Antje Schrupp kommentierte das SZ-Streitgespräch sinngemäß so: Es sei vielsagend, dass Medien, wenn sie eine Hausfrau suchen, nur im Umfeld der neuen Rechten fündig werden. Ich würde hinzufügen: Und nicht einmal da.
In meiner Recherche für diese Kolumne habe ich nur einen einzigen Text gefunden, in dem eine Hausfrau ihre Geschichte erzählt, es ist diese SZ-Reportage von Elisa Schwarz. Ich kann den Text sehr empfehlen, ebenso wie das sehr gute Sachbuch von Evke Rulffes „Die Erfindung der Hausfrau“. Darin legt die Kulturwissenschaftlerin lesenswert dar, dass Frauen keineswegs „immer schon“ Hausfrauen waren und dass dieses Lebensmodell auch in der oft verklärten Vergangenheit für viele Familien weder möglich war noch angestrebt wurde.
10 Kommentare
Toller Artikel, aber warum genau muss der ein GenAI-Bild enthalten???
Da erwarte ich mehr (bzw. in dem Fall weniger?) von Übermedien :/
Zu #1
Hallo Jonathan,
die (etwas um die Ecke gedachte) Idee dahinter war: Wenn Medien über ein fiktives Phänomen schreiben, dann bebildern wir das mit einem fiktiven Bild. Wenn es die „echte“ Hausfrau kaum gibt, macht es ja wenig Sinn, sie in dem Text trotzdem in einem Bild zu zeigen.
Beantwortet das die Frage?
Herzliche Grüße aus der Redaktion!
Annika Schneider
Für mich ist eine Hausfrau eine Frau, die nicht erwerbstätig ist und sich ausschließlich um Haushalt und Kinder kümmert.
Einverstanden – wobei die Kinder irgendwann aus dem Haus sind und deshalb meines Erachtens keine notwendige Bedingung darstellen. Tatsächlich fällt mir in meiner Generation oder jünger niemand ein, auf den diese Definition passt. In der Großelterngeneration war es – zumindest in meinem Umfeld – das Standardmodell, in der Elterngeneration (geboren um 1950) schon stark am Verschwinden.
Ich mache mir auch keine Sorgen, dass das zurückkommt. Schon aus ökonomischen Gründen nicht. Aber auch, weil es sich mit diesen Trad-Wive-Videos doch so ähnlich verhält wie mit dem Manufaktum-Katalog oder dem Landlust-Magazin. Für manche mag es reizvoll sein, sich ab und zu in solche Traumwelten hineinzudenken – aber den Leuten ist doch klar, dass eine Hausfrau nicht den ganzen Tag in adretter Schürze Cynthia-Barkomi-Gedächtnistorten backt, sondern häufiger volle Windeln entsorgt und Fußböden schrubbt. Da sind dem Eskapismus enge Grenzen gesetzt.
Dass sie bei der Nummer weder Geld verdienen noch (ausreichend) Rentenpunkte sammeln, ist den meisten jungen Frauen sicher auch bewusst. Wie man der Teilzeitfalle entgeht, dürfte in der Regel wichtiger sein, als wie man die perfekte Vollzeitmutti wird.
Zu 2) wenn man nicht KI will, könnte man auch ein Stock Foto nehmen und sagen: die Hausfrau gibt es nicht, sie ist nur ein Symbolbild o.ä.
Vielen Dank für die Einordnung. Dass Social Media öfter Fiction ist als Journalismus, kann man sich nicht oft genug vor Augen halten.
Wegen solcher Beiträge lese ich Übermedien. Danke für die klaren Worte.
Danke für diesen sehr wertvollen Beitrag! Das KI-generierte Bild finde ich persönlich sehr witzig.
Habe gerade überlegt, ob ich „Hausfrauen“ kenne. Tatsächlich: Meine Großmütter und dann meine Mutter ab ca. 1980, als wir Kinder kamen, aus dieser Zeit auch noch ein paar Mütter von Freund*innen.
Heute? Relativ frisch eingewanderte Frauen mit Familie aus Ländern mit traditionell patriarchalen Familienstrukturen (AFG, SYR, SOM) und mit eher geringer eigener Bildung und eher vielen Kindern, so dass ein beruflicher Einstieg hier nochmals schwieriger ist.
Die könnte man ja mal interviewen statt der Hochglanz-Pseudo-Hausfrauen. [Und dass meine Großmütter deutlich existenziellere Arbeit zu tun hatten als schöne Plätzchen in schönen Küchen zu backen, ist da auch unbenommen – es war die eine Hälfte der Familienarbeit inkl. rationellem Wirtschaften, damit die x Kinder auch am 30. des Monats noch 3 halbwegs nahrhafte Mahlzeiten und saubere Hosen hatten und noch Geld für die nächsten Schuhe und Wintermäntel gespart werden konnte. Die würden vermutlich lachen über die Insta-Mums und sie zum Waschtag einladen.]
Da bin ich echt froh um mein Erwerbs- und Carearbeitsleben im 21. Jh.
Danke für den Artikel! Ich habe das Interview mit Catana/Bonelli gelesen und genau das gleiche gedacht: Sie ist doch unter diesen Bedingungen keine Hausfrau, sie generiert ja ein eigenes Einkommen (was für mich zur Definition „Hausfrau“ dazugehört, dass diese das eben nicht macht).
Wenn ich so über meine Großmütter/Mütter-Generation nachdenke, dann waren die zwar eigentlich Hausfrauen, haben aber oft in den Unternehmen ihrer Männer mitgearbeitet – neben Care-Arbeit und Haushalt. Und – noch so eine anekdotische Beobachtung – viele hatten irgendwann einen Zusammenbruch, den wir heute wohl als Burn-Out bezeichnen würden. So viel zur guten alten Zeit, in der die klassische Rollenverteilung noch für ein entspanntes Miteinander gesorgt hat – zumindest für die Männer…
Das KI-Foto – nur echt mit „Hand“-ycap – ist ok, finde ich. Richtig hardcore wäre vllt. noch gewesen, dass man nicht nur das Hausfrauenbild aus den 50ern, sondern auch die damalige Technik (kohlegeheizte Betonbecken zum Wäsche waschen oder Teppichstangen auf der Wiese zum Teppichausklopfen, etc.), gezeigt würde – wer heute noch solche Methoden verwendet, wäre vermutlich auch kommunikationstechnisch nicht zu erreichen.
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Toller Artikel, aber warum genau muss der ein GenAI-Bild enthalten???
Da erwarte ich mehr (bzw. in dem Fall weniger?) von Übermedien :/
Zu #1
Hallo Jonathan,
die (etwas um die Ecke gedachte) Idee dahinter war: Wenn Medien über ein fiktives Phänomen schreiben, dann bebildern wir das mit einem fiktiven Bild. Wenn es die „echte“ Hausfrau kaum gibt, macht es ja wenig Sinn, sie in dem Text trotzdem in einem Bild zu zeigen.
Beantwortet das die Frage?
Herzliche Grüße aus der Redaktion!
Annika Schneider
Einverstanden – wobei die Kinder irgendwann aus dem Haus sind und deshalb meines Erachtens keine notwendige Bedingung darstellen. Tatsächlich fällt mir in meiner Generation oder jünger niemand ein, auf den diese Definition passt. In der Großelterngeneration war es – zumindest in meinem Umfeld – das Standardmodell, in der Elterngeneration (geboren um 1950) schon stark am Verschwinden.
Ich mache mir auch keine Sorgen, dass das zurückkommt. Schon aus ökonomischen Gründen nicht. Aber auch, weil es sich mit diesen Trad-Wive-Videos doch so ähnlich verhält wie mit dem Manufaktum-Katalog oder dem Landlust-Magazin. Für manche mag es reizvoll sein, sich ab und zu in solche Traumwelten hineinzudenken – aber den Leuten ist doch klar, dass eine Hausfrau nicht den ganzen Tag in adretter Schürze Cynthia-Barkomi-Gedächtnistorten backt, sondern häufiger volle Windeln entsorgt und Fußböden schrubbt. Da sind dem Eskapismus enge Grenzen gesetzt.
Dass sie bei der Nummer weder Geld verdienen noch (ausreichend) Rentenpunkte sammeln, ist den meisten jungen Frauen sicher auch bewusst. Wie man der Teilzeitfalle entgeht, dürfte in der Regel wichtiger sein, als wie man die perfekte Vollzeitmutti wird.
Zu 2) wenn man nicht KI will, könnte man auch ein Stock Foto nehmen und sagen: die Hausfrau gibt es nicht, sie ist nur ein Symbolbild o.ä.
Vielen Dank für die Einordnung. Dass Social Media öfter Fiction ist als Journalismus, kann man sich nicht oft genug vor Augen halten.
Wegen solcher Beiträge lese ich Übermedien. Danke für die klaren Worte.
Danke für diesen sehr wertvollen Beitrag! Das KI-generierte Bild finde ich persönlich sehr witzig.
Habe gerade überlegt, ob ich „Hausfrauen“ kenne. Tatsächlich: Meine Großmütter und dann meine Mutter ab ca. 1980, als wir Kinder kamen, aus dieser Zeit auch noch ein paar Mütter von Freund*innen.
Heute? Relativ frisch eingewanderte Frauen mit Familie aus Ländern mit traditionell patriarchalen Familienstrukturen (AFG, SYR, SOM) und mit eher geringer eigener Bildung und eher vielen Kindern, so dass ein beruflicher Einstieg hier nochmals schwieriger ist.
Die könnte man ja mal interviewen statt der Hochglanz-Pseudo-Hausfrauen. [Und dass meine Großmütter deutlich existenziellere Arbeit zu tun hatten als schöne Plätzchen in schönen Küchen zu backen, ist da auch unbenommen – es war die eine Hälfte der Familienarbeit inkl. rationellem Wirtschaften, damit die x Kinder auch am 30. des Monats noch 3 halbwegs nahrhafte Mahlzeiten und saubere Hosen hatten und noch Geld für die nächsten Schuhe und Wintermäntel gespart werden konnte. Die würden vermutlich lachen über die Insta-Mums und sie zum Waschtag einladen.]
Da bin ich echt froh um mein Erwerbs- und Carearbeitsleben im 21. Jh.
Danke für den Artikel! Ich habe das Interview mit Catana/Bonelli gelesen und genau das gleiche gedacht: Sie ist doch unter diesen Bedingungen keine Hausfrau, sie generiert ja ein eigenes Einkommen (was für mich zur Definition „Hausfrau“ dazugehört, dass diese das eben nicht macht).
Wenn ich so über meine Großmütter/Mütter-Generation nachdenke, dann waren die zwar eigentlich Hausfrauen, haben aber oft in den Unternehmen ihrer Männer mitgearbeitet – neben Care-Arbeit und Haushalt. Und – noch so eine anekdotische Beobachtung – viele hatten irgendwann einen Zusammenbruch, den wir heute wohl als Burn-Out bezeichnen würden. So viel zur guten alten Zeit, in der die klassische Rollenverteilung noch für ein entspanntes Miteinander gesorgt hat – zumindest für die Männer…
Das KI-Foto – nur echt mit „Hand“-ycap – ist ok, finde ich. Richtig hardcore wäre vllt. noch gewesen, dass man nicht nur das Hausfrauenbild aus den 50ern, sondern auch die damalige Technik (kohlegeheizte Betonbecken zum Wäsche waschen oder Teppichstangen auf der Wiese zum Teppichausklopfen, etc.), gezeigt würde – wer heute noch solche Methoden verwendet, wäre vermutlich auch kommunikationstechnisch nicht zu erreichen.