Wenn sich Selbstkritik rächt

Es gibt ein Symbol für das angebliche Versagen der Medien bei der Berichterstattung über die kriminellen Exzesse in der Silvesternacht in Köln: die Tatsache, dass das ZDF am Montag, den 4. Januar 2016, in seiner 19-Uhr-„heute“-Sendung keinen Beitrag dazu hatte.

Es gibt auch einen Grund dafür, dass gerade dieses Beispiel zum immer wieder zitierten Beleg wurde: Das ZDF hat am folgenden Tag öffentlich eingeräumt, dass das ein Versäumnis war. Es veröffentlichte auf Facebook eine kurze Stellungnahme des stellvertretenden Chefredakteurs Elmar Theveßen, in der er eine „klare Fehleinschätzung“ der Redaktion einräumte.

„Die Nachrichtenlage war klar genug. Es war ein Versäumnis, dass die 19-Uhr-heute-Sendung die Vorfälle nicht wenigstens…

Posted by ZDF heute on Dienstag, 5. Januar 2016

Jede Wette: Wenn das ZDF (das am selben Abend im „heute journal“ kurz über die Vorfälle in Köln berichtete) nicht selbstkritisch seinen Fehler eingeräumt hätte, wäre dieses Detail längst in Vergessenheit geraten. So aber wird es seit knapp zwei Monaten immer und immer wieder als Beweis dafür hergenommen, wie skandalös und lückenhaft die Berichterstattung der Medien gewesen sei.

Zuletzt am Wochenende vom CSU-Parteivorsitzenden Horst Seehofer in einem Gespräch mit dem „Spiegel“:

„Spiegel“: Warum sind in letzter Zeit bei Ihnen immer die Medien schuld, wenn etwas schiefläuft?

Seehofer: Weil es ein Problem bei den Medien gibt, vor allem bei den öffentlich-rechtlichen. Überspitzt gesagt: Wenn die nicht Livesendungen hätten, dann hätten sie wenige der Lebenswirklichkeit entsprechende Programminhalte. Das ZDF musste wegen der Berichterstattung über Köln sein Bedauern zum Ausdruck bringen. Die ARD hat erklärt, ja, es stimmt, wir haben viele flüchtende Frauen und Kinder gezeigt, aber nicht im selben Maße die Männer, die viel häufiger nach Deutschland kamen. Zum Teil gab es eine Berichterstattung, die wenig mit der Realität zu tun hatte.

Auch das einzig konkrete Beispiel, das Seehofer für das angebliche „Problem bei den Medien“ nennt, beruht auf öffentlich geäußerter Selbstkritik. Kai Gniffke, der Chefredakteur von „ARD aktuell“, hatte bei einem Workshop im Oktober 2015 gesagt, dass es „ein bisschen tatsächlich die Realität verbiegt“, wenn in der „Tagesschau“ fast immer Flüchtlingsfamilien gezeigt würden, obwohl überwiegend allein reisende junge Männer kämen.

Als Konsequenz aus dieser Erkenntnis habe die „Tagesschau“ zum Beispiel in einer 20-Uhr-Ausgabe ein „Soziogramm“ der Flüchtlinge gesendet und aufgeschlüsselt, wie sie sich zusammensetzten. „Blinde Flecken“ habe die „Tagesschau“ nach Gniffkes Einschätzung nicht.

Dieser Teil seiner Aussage ist bei Seehofer – und vielen anderen Kritikern – aber schon gar nicht mehr angekommen oder passte nicht ins Bild. Es blieb nur ein: Ha! Jetzt geben Sie’s sogar selber zu!

Das ist ein Problem.

Denn eigentlich wollen wir doch, dass Medien sich endlich zu mehr Selbstkritik durchringen. Dass sie öffentlich einräumen, wenn sie Fehler gemacht haben; dass sie sich gegebenenfalls entschuldigen; dass sie zu ihren Versäumnissen stehen.

Was ist aber, wenn diese Eingeständnisse ausschließlich als Munition gegen diejenigen verwendet werden, die sie äußern? Wenn sie nicht als Indiz dafür genommen werden, dass sich die Verantwortlichen kritisch mit ihrer eigenen Arbeit auseinandersetzen, sondern als vermeintlichen Beleg dafür, dass die Situation so schlimm ist, dass selbst die Verantwortlichen nicht mehr alles leugnen können?

Jemandem wie Horst Seehofer wird die Ironie vermutlich nicht auffallen, aber die einzigen beiden Beispiele, die er dafür nennt, dass es „ein Problem“ bei ARD und ZDF gibt, sind ausgerechnet Beispiele dafür, dass ARD und ZDF ein Problembewusstsein haben und öffentlich über Defizite ihrer Berichterstattung reflektieren.

Um nicht missverstanden zu werden: Es geht nicht darum, dass einem Sünder nach der Beichte eine Absolution erteilt wird. Dass jemand, der einen Fehler eingeräumt hat, dann nicht mehr für diesen Fehler kritisiert werden soll.

Aber wenn wir wollen, dass Verantwortliche in den Medien (und der Politik und Wirtschaft und überhaupt) sich öffentlich kritisch auch mit ihren eigenen Versäumnissen auseinandersetzen, dann sollten solche Eingeständnisse wenigstens eine deeskalierende Wirkung haben. Bei den Äußerungen von Theveßen und Gniffke war das Gegenteil der Fall: Sie machten die (tatsächlichen oder angeblichen) Versäumnisse erst richtig zum Skandal, ließen die Kritiker erst recht aufheulen. Es gibt auch keine Anerkennung dafür, dass jemand wie Theveßen Selbstkritik übt, im Gegenteil. Es wird, wie von Seehofer, gesagt, das ZDF „musste“ sein Bedauern zum Ausdruck bringen.

Das Fehlereingeständnis steht nicht für Einsicht oder das Bemühen, es in Zukunft besser zu machen (im Fall von Gniffke sogar konkret schon umgesetzt). Es steht für ein Versagen, das so groß war, dass es sogar ein Fehlereingeständnis nach sich zog.

Wenn Gniffke nicht öffentlich über problematische journalistische Reflexe bei der Bildauswahl nachgedacht hätte, wenn Theveßen nicht die falsche Entscheidung bei einer (!) „heute“-Sendung eingeräumt hätte – der bayerische Ministerpräsident hätte sich schwer getan, zu benennen, worin das angebliche Versagen der Medien besteht. Es ist ihren Kollegen sicher eine Warnung.

Wenn wir eine andere Fehlerkultur in den Medien wollen, brauchen wir auch eine andere Kultur im Umgang mit dem Eingeständnis von Fehlern.

Vielleicht könnte man es auf die Faustformel bringen: Weniger Horst Seehofer sein. Der hatte das ZDF auch schon vor knapp drei Wochen kritisiert und gesagt:

„Die Zahl der Entschuldigungen und Richtigstellungen beim ZDF nimmt ja rasant zu. Deshalb kann ich nur für Qualitätsjournalismus plädieren.“

Wir hatten bei der CSU damals nachgefragt, ob Herr Seehofer uns Zahlen und Beispiele nennen könnte, um seine Aussage zu unterfüttern. Wir haben, auch nach einer Nachfrage, keine Antwort erhalten.

Nachtrag, 7.3.2016. Nachdem wir noch einmal, nun telefonisch, bei der CSU nachgefragt haben, ob Herr Seehofer sich weiter dazu äußern möchte, kam heute eine Mail von Seehofers Büroleiter, Zitat: „Ich kann Ihnen dazu mitteilen, dass der CSU-Vorsitzende über seine bisherigen Stellungnahmen zum Thema Berichterstattung in den öffentlich-rechtlichen Medien hinaus im Moment keine Erklärungen abgibt.“

Medien besser kritisieren. Mit Ihrer Unterstützung.

 
Medien besser kritisieren.

67 Kommentare

  1. Naja, als „die“ Medien noch im Vollbesitz ihrer gesellschaftlichen Machtposition waren, zeigten sie wenig Neigung zur Selbstkritik. Wer etwas an ihnen zu kritisieren hatte, hat sich nicht getraut oder fand kaum Gehör. Jetzt, da die Macht der Medien erodiert, schlagen alle Traditionsgegner in jede sich bietende Flanke. Das wird sich wahrscheinlich auch nicht ändern, bevor die Medien sich nicht selbst als Funktionssystem in einer Weise neu konstituiert haben, die von der Gesellschaft mehrheitlich akzeptiert wird. Damit das klar ist: Ich glaube Medien, sollten über ein gewisses Maß an (gesellschaftlicher Mobilisierungs-) Macht verfügen, damit sie andere mächtige Akteure kontrollieren können.

  2. Was die fehlenden Belege Seehofers angeht, so scheint mir das eher ein Zeichen für die Nonchalance seiner Pressestelle bei der Medienbeobachtung zu sein. Denn auch nach Köln wird in der Berichterstattung weiterhin fleissig die Nationalität ausländischer Straftäter unterschlagen, und weiterhin beim Flüchtlingsthema gerne im Schnittbildarchiv nach Kinder- und Familienbildern gesucht.

  3. @TangoZulu
    Ob man jetzt einen H. Seehofer unter den Begriff „Traditionsgegner“ einordnen kann, wage ich zu bezweifeln, und dass sich niemand getraut hat, Kritik zu äußern, auch. Dass Kritik kaum Gehör fand, ist wahrscheinlich eher der Grund und auch, dass die Medien ihre alleinige Deutungshoheit verlieren, nicht zuletzt, weil Fehler leichter und häufiger aufgedeckt werden als früher.

    Bezeichnend am Beispiel Seehofer finde ich auch, dass die Zahl seiner eigenen Entschuldigungen und Richtigstellungen gegen null tendieren dürfte – was ganz sicher nicht daran liegt, dass er keine Fehler macht. Die Kultur, öffentlich Fehler einzugestehen und damit umzugehen, muss hier schlicht noch erlernt werden. Die Regel ist doch wohl eher Leugnen bis zum Beweis des Gegenteils (siehe Barschel, siehe Guttenberg, siehe, siehe, siehe).

  4. „…der bayerische Ministerpräsident hätte sich schwer getan, zu benennen, worin das angebliche Versagen der Medien besteht.“
    Das ist hart an der Wahrheit dran. Tatsächlich hätte er es schwer gehabt, Versagen zu benennen, ohne sich selbst auf (gefährliche) eigene Bewertungen aka Vorwürfe einzulassen. Das kann sich ein MP persönlich nicht leisten. Es ist der sichere Weg, sich auf bereits eingeräumtes Versagen zu beziehen.
    Ich gebe dem Autor Recht, dass diese nachvollziehbare Taktik bei Journalisten natürlich die Bereitschaft senkt, Fehler einzugestehen.
    Wenn sie es aber unterlassen, werden wir Nobodies sie wieder massiv aufs Korn nehmen. Wir können das immer riskieren, weil wir ja weder Journalisten noch Politiker sind.
    Wir verstehen jetzt als kleinen Nebeneffekt dieser Lektion auch, warum Politiker fast niemals Fehler einräumen: weil es anderen Politikern erlauben würde, sie praktisch ohne eigenes Risiko anzugreifen.

  5. @ Stefan Niggemeier: Viel schlimmer ist doch, dass nicht immer über einen möglichen sächsischen Migrationshintergrund von Straftätern geredet wird. Die vergangenen Wochen haben uns doch eindrücklich gezeigt, dass wir ein Problem mit kriminellen Sachsen haben. Da sollten die Medien in Zukunft nichts mehr verschweigen!

  6. @2:
    Ganz ehrlich, es lässt tief blicken, wenn es nur noch deutsch (wir) und ausländisch (die anderen) gibt.

    Außerdem, was ist mit Ziffer 12.1 des Pressekodex?
    „In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte.“

    Nicht vergessen, ihr besorgten, weißen Deutschen: Mit weit über 90% seid ihr noch dicke in der Mehrheit. Das ändert sich selbst bei 3 Millionen Flüchtlingen nicht besonders, so rein prozentual.

    Keiner klaut euch die Bratwurst vom Baumarktgrill oder den Sauerbraten vom Festttagsgeschirr.
    Am Wochenende ist weiterhin Bundesliga (mit ganz vielen ausländischen Spielern!) und auch die Weihnachtsmärkte heißen weiter Weihnachtsmärkte und beim Krippenspiel kommen weiterhin die 3 Morgenländer zu Besuch bei der Flüchtlingsfamilie Christus.

    Auch nicht vergessen: Unser Staat ist säkular, also von der Kirche losgelöst. Glaubensfragen sollten uns so rein rechtsstaatlich überhaupt nicht interessieren. Gaub‘ doch was de willst!

    Mir kommt es immer häufiger so vor, als sein der ganze Hass, die ganze Hetze, das ganze „Wir gegen die“ nur eine ganz schlechte Ausrede für das eigene Versagen ist, den Not leidenden Menschen nicht geholfen zu haben.
    Da wird dann die eigene Religion, die einen in den letzten 20 Jahren so überhaupt nicht interessiert hat, zum Haupt-Scheinargument gegen die „Islamisierung“.

    Ist ja auch einfacher, in Schutzbedüftigen eine Gefahr zu suchen.
    Effektiv zu helfen kostet Geld und Kraft und Zeit.
    Aber am Wochenende wollte ich doch Grillen… scheiß Flüchtlinge!

  7. Jaa, der Herr Seehofer. Der räumt nie eigene Fehler ein, weil er denkt, wenn er nicht darüber redet, bemerken die anderen sie auch nicht.

    Aber klares Zeichen aus der „Wir-gegen-die“-Symptomatik: „Wir Bayern“ gegen den Rest der Welt, aka öff.-rechtl. Funk u. Fernsehen.
    Er ist ja bloß sauer, dass ARD und ZDF keine Fehler machen, die ihm in den Kram passen.

  8. Nachtrag:
    „Seid ihr“ ist natürlich falsch, es müsste „sind wir“ heißen.
    Ich bin weiß, männlich, deutsch.
    Stefan Niggemeier und Boris Rosenkranz ebenfalls.
    Horst Seehofer, etc ….
    Das Geschlecht spielt eigentlich ja auch keine Rolle in dieser Frage.
    Also bleibt es bei der Nationalität und Hautfarbe als Deifferenzierungsmerkmal.
    Und dann spricht man von Nationalismus und Rassismus, auch wenn es eingen nicht schmeckt, Nationalist oder Rassist genannt zu werden.

  9. @ Anderer Max
    „Ganz ehrlich, es lässt tief blicken, wenn es nur noch deutsch (wir) und ausländisch (die anderen) gibt.“
    Es gehört zum Wesen eines Staates, dass er zwischen Staatsbürgern und anderen unterscheiden muss, wenn er sich nicht auflösen will. Das betrifft jeden Staat und ist kein deutsches Problem.
    Das hat zum Beispiel auch die Schweizer Volksabstimmung vom Wochenende gezeigt, die auch wieder Anlass zur Medienkritik bietet. Warum bekreischen deutsche Medien das Ende der Demokratie, bevor es stattgefunden hat? Und warum immer nur im Ausland? Warum dort, wo es immer schon mehr Demokratie gab als im eigenen Obrigkeitsstaat?

  10. Ach der Andi macht nur Linkdropping für eine Verschwörungs-Website.
    Na denn!

    Btw: Es gibt kein „ausländisch“, das wollte ich eigentlich sagen.

  11. Theoretisch sind sich vermutlich alle einig, dass wenn sich jemand kritisch mit eigenen Versäumnissen auseinandersetzt, dieses Eingeständnis nicht zu einer unfairen politischen oder medialen Abrechnung führen sollte. Aber leider ist es in der Realität immer wieder so, dass wenn Menschen, Politiker, Journalisten usw. sich mit einer „guten Sache“ verbunden fühlen, problematische oder unanständige Methoden zum Zweck der „guten Sache“ gerechtfertigt werden.

    Leider ist dies auch teilweise bei „Übermedien“ zu beobachten. Nachdem z.B. Stefan Aust für die „WELT“ Herrn Lachmann gekündigt hat, wurde bei „Übermedien“ ein Gastbeitrag mit einer Verschwörungstheorie veröffentlicht, die das Fazit zieht:
    „Die AfD wurde durch die „Welt“ und insbesondere durch Lachmann protegiert. Dies begann bereits, als sie sich noch in der Embryo-Form der Wahlalternative 2013 eine unbekannte Facebook-Seite war.“
    Auch hier könnte man zu dem Schluss kommen, dass ein von der „WELT“ eingestandener Fehler benutzt wird, um damit eine ungenügend belegte Verschwörungstheorie zu konstruieren, die dann der „WELT“ schaden soll.

    Übrigens habe ich auch keine Antwort auf meine E-Mail vom 20.02.16 bekommen, wie „Übermedien“ mit den im Artikel nicht belegten Vermutungen umgehen will. Auch wenn ich insgesamt „Übermedien“ für eine große Bereicherung halte, fängt eine glaubhafte Fehlerkultur immer zuerst bei sich selbst an.

  12. Im Augenblick einer nie dagewesenen und höchst umstrittenen Masseneinwanderung ist es grundsätzlich bei jeder Straftat von öffentlichem Interesse, ob der Täter ein Neueinwanderer ist oder nicht. Nicht einmal der umstrittene (und absolut freiwillige) Pressekodex lässt sich dagegen ins Feld führen. Wie sonst sollen sich Bürger ein selbstständiges Bild machen über die unmittelbaren Folgen dieser Einwanderung und der politischen Entscheidungen?
    Um genau das zu verhindern, versuchen ja manche Medien wie die Prantlhausener Zeitung, diese wichtige Information dem Leser vor zu enthalten. Damit beruhigen sie aber nicht, sondern maximieren das Misstrauen. Zum guten Schluss wird die Gefahr noch höher eingeschätzt, als sie tatsächlich schon ist.
    Und die Kriminalität unter einem Teil der „Flüchtlinge“ ist gewaltig. Gerade heute hat der NRW-Innenminister eingeräumt, dass 1/3 der eingewanderten Nordafrikaner als kriminell aufgefallen sind. Aus mehreren erstklassigen Quellen weiß ich, dass ganze Gruppen von Georgiern in Flüchtlingsunterkünften leben und systematisch Ladendiebstahl betreiben, wobei man von Diebstahl gar nicht mehr sprechen kann, weil die Heimlichkeit nicht gegeben ist. Das ist eher Raub mit Tendenz zur Plünderung.
    Natürlich und glücklicherweise kommen auch schutzbedürftige Menschen. Wer aber behauptet, das wären alle, und damit das Sprechen über die anderen Fälle unterdrückt, lügt nicht nur, sondern versucht auch, den Wähler zu entmündigen. Dagegen ist Widerstand angemessen und notwendig: Abos von auffälligen Zeitungen kündigen, die Zahlung von Zwangsgebühren verweigern, alternative Info-Netzwerke unterstützen.
    Wer eine öffentliche Debatte über die Probleme und ihre Lösung mit Sprachregelungen verhindert, steht für Unmündigkeit und auch gegen die langfristigen Interessen der wirklich Schutzsuchenden. Undifferenzierte Verharmlosung führt zu undifferenzierter Schwarzmalerei und auch zu Gewalt gegen Unschuldige.
    Ceterum censeo Angelam esse mittendam.

  13. Ich weiß nicht, ob ein Diskussionsversuch sinn macht, aber ich versuchs:

    „Im Augenblick einer nie dagewesenen und höchst umstrittenen Masseneinwanderung ist es grundsätzlich bei jeder Straftat von öffentlichem Interesse, ob der Täter ein Neueinwanderer ist oder nicht. “

    Erst gemeinte Frage: Wozu? Also was macht man mit der Information über die Staatsangehörigkeit des mutmaßlichen (ja noch nicht einmal rechtsstaatlich festgestellten) Täter? Der einzige erkennbare Verwendungszweck wäre mögliche Konsequenzen für gewisse Gruppen zu prüfen, wenn sie häufiger straffällig werden. Wir würden also anfangen darüber nachzudenken, ob wir eine Person nur deshalb anders behandeln, weil sie z.B. zur Gruppe der „nordafrikanisch oder arabisch Aussehenden“ gehören und weil ein Journalist (möglicher Weise ja ein Angehöriger der Lügenpresse) wiederholt eine mögliche Täterschaft von Mitgliedern dieser Gruppe festgestellt oder angenommen hat?

    Was machen wir dann? Ein Sonderstrafrecht für „nordafrikanisch aussehende Männer“? Ein Sonderasylrecht für „nordafrikanisch aussehende Männer (die lassen wir nicht mehr ins Land und prüfen auch das überhaupt Asylrecht nicht mehr, weil Journalisten schon ganz ganz häufig berichtet haben, dass da so viele straffällig werden)?

    Ich komme da in keine vernünftige Richtung … Hat schonmal jemand geprüft, ob Linkshänder strafrechtlich genauso zuverlässig sind wie Rechtshänder? Darüber wird nie berichtet. Da muss man ja skeptisch werden … soll da was vertuscht werden?

    Im Ergebnis führt das alles nur in Bereiche außerhalb dessen, was der Grundkonsens unseres Grundgesetzes, der Menschenrechtskonvention und der Philosophischen und religiösen Grundwerte des Humanismus und des Abendlandes sind. Oder anders gesagt: Weg von Zivilisation und Rechtsstaat. Wer diese Richtung einschlagen will, der sollte dann aber auch überlegen, welche Art von Leitkultur er einfordert.

  14. @ Sarina: Da habe ich etwas forsch mit Begriffen hantiert, danke für den Hinweis. „Traditionsgegner“ ist natürlich erläuterungsbedürftig. Ich kam drauf durch einen Aufsatz der Kommunikationswissen-schaftlerin Philomen Schönhagen („Ko-Evolution und Public Relation“, in Publizistik 1/2008). Sie stellte darin die These auf, dass sich die Mehrheit der öffentlichen Akteure schon seit Aufkommen der bürgerlichen Presse im 18. Jahrhundert chronisch als Opfer verfälschender Berichterstattung betrachte (und deshalb ihrerseits das Kommunikationsgebaren zu dem professionalisiert habe, was wir heute PR nennen). So habe ich den Ministerpräsidenten des Freistaates kurzerhand als „Traditionsgegner“ der Medien schlechthin eingeordnet – soweit diese nicht, begünstigt durch räumliche und personelle Nähe, die Erfolge der Staatsregierung und der sie tragenden Partei angemessen zu würdigen wissen (vor diesem Hintergrund erübrigt sich natürlich auch die Frage nach deren Fehlerkultur;-).
    Den Verweis auf das „nicht trauen“ zur Kritik muss ich auch erläutern: Ich arbeite seit vielen Jahren mit Medien zusammen und habe dabei in der Summe weit überwiegend die positive Erfahrung gemacht, dass – auch bei kritischer Auseinandersetzung – die Fakten im Mittelpunkt standen und die Journalisten sich korrekt verhalten haben. Die Ausnahmen (z.B. sehr, sagen wir, eigenwilliges Benehmen einzelner Journalisten) zu kritisieren habe ich indes meistens runtergeschluckt aus zwei Gründen: 1. Weil ich den Medien ihre Berichtsautonomie grundsätzlich zugestehe und eben keine „Objektivitätsdebatte“ eröffnen wollte. 2. Um die Arbeitsbeziehung nicht zu belasten. Ich könnte mir vorstellen, dass das viele andere auch so gehandhabt haben und die Medien jetzt kollektiv eine Art Backlash erleben.
    Ich sage gleich dazu, dass ich es nicht ok finde, erst jahrelang nichts zu sagen und jetzt beliebig drauf einzuschlagen (ich für meinen Teil denke auch, das nicht zu tun), aber so ist es nunmal. Insoweit: Ja, Fehlerkultur ist schon das richtige Stichwort. Aber ich fürchste, da muss sich unsere gesamte Gesellschaft neu schütteln.
    P.S. Pardon für den ausgreifenden Umfang dieser Antwort.

  15. Ps.S. Entschuldigung: Der Aufsatz von Frau Schönhagen heißt „Ko-Evolution von Public Relations und Journalismus“. Grmbl.

  16. Öffentlich-rechtliche Aufsichtsgremien sind nach Parteien-Proportz besetzt, wie jeder weiß. In Zeiten einer Großen Koalition wird der öffentlich-rechtliche Rundfunk quasi automatisch zum Staatsrundfunk. So war auch dessen Berichterstattung. Da gibt es 1000 Fälle. Den Vogel schoß eine Panorama-Sendung ab, die den Werbekunden konservativer Webseiten eine Ende der Zusammenarbeit nahegelegt hat, um der privatwirtschaftlich aufgestellten Gegenöffentlichkeit das finanzielle Wasser abzugraben. Die hier vertretene These, dass lediglich die Eingeständnisse mangelnder Meinungsvielfalt ein Problembewusstsein schaffen würden, ist megasteil. Die etablierten Medien haben nicht ohne Grund ihr Vertrauen bei einem großen Teil der Bevölkerung verspielt. Dieser Artikel ist kein Journalismus, sondern linkes Meinungsgebrabbel, sorry.

  17. @Stefan Niggemeier: Es wäre nett, wenn Sie auf Kommentar 17 und die Fehlerkultur bei „Übermedien“ eingehen könnten.

  18. Naja, auf „Selbstkritik“ à la Gniffke können wir locker verzichten.


    Vor Branchenexperten in Hamburg sagte Gniffke: „Wenn Kameraleute Flüchtlinge filmen, suchen sie sich Familien mit kleinen Kindern und großen Kulleraugen aus.“ Tatsache sei aber, dass „80 Prozent der Flüchtlinge junge, kräftig gebaute alleinstehende Männer sind“.

    Das ist glatt gelogen. Tatsächlich sind weniger als 70% Männer, inklusive der Alten, Schwachen und Verheirateten.

  19. @Sabine Lanzberger: Wo stelle ich denn die These auf, „dass lediglich die Eingeständnisse mangelnder Meinungsvielfalt ein Problembewusstsein schaffen würden“? Ich stelle die These auf, dass die Kritiker der Sender solche Eingeständnisse als Munition benutzen, und dass sie offenbar keine deeskalierende Wirkung haben, was ich falsch finde.

    Und bei aller Problematik der Besetzung der Aufsichtsgremien (und die will ich keinesfalls weg reden): Den Gedanken, dass die Aufsichtsgremien quasi das Programm machen oder das Programm gemacht wird, um die parteipolitischen Wünsche der Aufsichtsgremien zu erfüllen, halte ich auch abwegig.

    Und Sie meinen nicht „Panorama“, sondern „Report Mainz“.

  20. P.S. Mit so einer medialen „Dolchstoßlegende“ liefern Sie nur die Munition für Scharfmacher wie Volker Kauder, die es sich zur Aufgabe gesetzt haben, parteiinterne Abweichler zurück auf Kanzlerin-Kurs zu bringen.

  21. @Sabine Lanzberger: Abseits der Naturgesetze („…, wie jeder weiß.“), die Sie in Ihrem Beitrag den „steilen Thesen“ gegenüberstellen – was genau ist an dem in Rede stehenden Beitrag „links?“?

  22. @TANGOZULU: Die deutlich formulierte Warnung an die Vertreter der Mainstream-Medien, Selbstkritik zu unterlassen, um den Konservativen – wie Seehofer – keine Argumentationshilfe zu geben.

  23. @Sabine Lanzberger: Großer Gott. Wenn Sie ein bisschen googeln, werden Sie feststellen, dass ich seit Jahren wie eine kaputte Schallplatte schreibe/sage, dass Medien mehr Selbstkritik üben und ihre Fehler korrigieren sollen. Nichts liegt mir ferner, als zu sagen, sie sollen damit jetzt aufhören.

  24. @Sabine Lanzberger: Interessant. Ich lese stattdessen in dem Beitrag den Aufruf , eine wechselseitige Fehlerkultur zu entwickeln („Wenn wir eine andere Fehlerkultur in den Medien wollen, brauchen wir auch eine andere Kultur im Umgang mit dem Eingeständnis von Fehlern.“) und fasse den Hinweis auf das Verhalten des bayrischen Ministerpräsidenten als Anschauungsbeispiel auf.

  25. @ 21
    „Erst gemeinte Frage: Wozu?
    Ganz einfach: weil wir alle Hebel in Bewegung setzen wollen, um diese Art von Leuten draußen zu halten oder wieder raus zu schaffen. Wir korrigieren die Macht-hoch-die-Tür-Politik insbesondere für jene Gruppen, die sowieso nicht unter das Label „Kriegsflüchtlinge“ fallen. Bevor jetzt das haltlose Moral-Gezeter beginnt, bitte berücksichtigen, dass genau das soeben durch Regierung und Parlament im Falle der Nordafrikaner beinahe einstimmig passiert ist, weil sich das Problem nicht hat verheimlichen lassen und politischer Druck entstanden ist.
    Darüberhinaus geben solche Informationen in Summe auch eine Antwort auf die Frage, ob das bisherige Tempo der Zuwanderung insgesamt verkraftbar ist oder rein quantitativ unlösbare Probleme im Land verursacht. Das ist also die unentschiedene Frage „Merkel oder Seehofer“. Ich denke, dass Seehofer in dieser Sache völlig Recht hat, aber andere sind sich da noch nicht so sicher und brauchen Informationen, ob ihre Sorgen übertrieben oder berechtigt sind.
    Sie sehen: die Frage nach einem Sonderstrafrecht geht völlig an der Sache vorbei, ist reine Polemik. Es geht um die Frage, ob hier Gast- und Schutzrecht missbraucht wird und diese Politik angepasst werden muss. In einer Demokratie müssen solche Informationen beim Souverän ankommen.
    Es gibt nun einmal kein gottgegebenes und unbegrenztes Recht, dass jeder überall hingehen, dort Versorgung beanspruchen und Toleranz auch für seine Kriminalität einfordern kann. Auch wenn manche Leute solche Ansprüche pflegen, zeigen uns alle anderen europäischen Länder, nicht nur auf dem Balkan, sondern auch in Westeuropa jeden Tag, dass das nichts als ein Kinderglauben ist, der keinen Bestand haben kann.

  26. @DankeDenkeSelbst/#2:
    Ohne das jetzt als umfassendes und objektives Bild verkaufen zu wollen: Neulich las ich in der Münchner Ausgabe der „Bild“ die Meldung „Nigerianer uriniert auf S-Bahn-Gleis“.
    An eine Meldung, in der die deutsche Staatsangehörigkeit eines Wildpinklers/Ladendiebs/Kindermörders in vergleichbarer Weise hervorgehoben worden wäre, kann ich mich nicht erinnern.

  27. Die Digitalisierung der Medien hat de facto ein Ende des Meinungsmonopols der Journalistinnen und Journalisten bewirkt. Früher waren „öffentliche“ und „veröffentlichte“ Meinung zwar auch nicht immer ident, aber die Differenz konnte in den seltensten Fällen so massiv und rasant manifestiert werden wie heute („Shitstorm“). Dazu kommt der Zeitdruck durch die immer stärker werdende Konkurrenz. Vor allem für die öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten ist das eine völlig neue Situation deren adäquate Reaktion erst gelernt werden muss.

  28. Ich habe dieses Medienangebot ja mal begrüßt.

    Aber seit hier der NDR-Mitarbeiter Rosenkranz ein überwiegend unkritisches Interview mit der NDR-Mitarbeiterin führte, habe ich manchmal den Eindruck, es geht den Machern eher darum, die Medien – besonders den ÖR – gegen Kritik zu verteidigen.

    Dabei täte gerade dem ÖR etwas mehr (Selbst)kritik sehr gut. Wenn Seehofer diese bestimmten Punkte aufgreift, dann vielleicht einfach, weil er sich so die Diskussion sparen kann, ob es wirklich ein Fehler ist oder nicht? Er würde sich als Politiker ja selbst angreifbar machen alleine durch die Tatsache, Medien zu kritisieren. Und genau das passiert ja trotzdem.

    Und auch ohne öffentliche Eingeständnisse gibt es offensichtlich genug Fehler in der Berichterstattung der größeren Medien. Eigentlich berichten diese immer noch viel zu selten darüber – und hier vermisse ich das auch. Eine manipulative Bildauswahl wird zum Beispiel nicht dadurch „geheilt“, einmal die Fakten zu nennen. Statt dessen sollte man vielleicht erklären, warum es zu so einer manipulativen Bildauswahl kommt, erklären, wer dafür verantwortlich ist, und dafür zu sorgen, dass das nicht wieder vorkommt. Und das ganze zu erklären. Wo ist das passiert?

  29. Die Gegenrede hat gerade Giovanni de Lorenzo gehalten:
    „Das mangelnde Vertrauen der Leser in die Medien rührt aber nicht nur von Fehlern wie Skandalisierung und Konformität her. Es entsteht auch, wenn Probleme – wie beispielsweise im Zusammenhang mit Migration – kleingeredet werden. Seit Jahren habe ich immer wieder davor gewarnt und mich dann des Vorwurfs erwehren müssen, damit das Geschäft der Rechten anzutreiben. Ich bin der festen Überzeugung, dass Probleme nicht dadurch groß werden, dass man sie erwähnt, sondern dadurch, dass man sie verschweigt.“ http://www.zeit.de/kultur/2016-02/dresdner-rede-dresden-giovanni-di-lorenzo

  30. Herr Müller,

    ich will gerne auf Ihre Antwort eingehen: Sie lassen ganz viele Schlagworte fallen, die mir zeigen, dass Sie sich schon in einem Schützengraben befinden und alles rauswerfen möchten, was irgendwie explodieren kann. Ich versuche das mal zu umschiffen und zum Kern zu kommen.

    1. Wenn Sie bestimmte Flüchtlinge, die Sie nicht als echte Flüchtlinge ansehen, „draussen halten“ wollen, wäre dann nicht eine Analyse der Herkunftssituation sinnvoller, als eine Art Erhebung, welche Bevölkerungsgruppe nach ersten Informationen von Journalisten welche Straftaten begeht (Eine solche Erhebung passiert übrigens, das ist das System der sog. „Sicheren Herkunftsstaaten“ und danach die Prüfung des Asyl/Flüchtlingsrechts). Denn dann wollen wir ja entscheiden, wer wirklich hilfsbedürftig ist und andere ausschließen, da verstehe ich Sie doch richtig? Sie werde mir ja hoffentlich zustimmen, dass ein wirklich politisch verfolgter aus irgendeinem sagen wir afrikanischen Land, nicht deshalb weniger politisch verfolgt ist, weil andere Personen aus diesem Land in Deutschland mal eine Straftat begangen haben. Oder dass jemand, dessen Familie und Haus von einer Fassbombe weggesprengt wurde, nicht deshalb kein Flüchtling im Sinne der Genfer Konvention mehr ist, weil ein anderer Syrerer mal eine Frau begrapscht hat. Das hat doch nichts miteinander zu tun.

    Möglicher Weise sehen Sie Ihren Fehler wirklich nicht: Sie wollen die Menschen in Gruppen einteilen und ihnen Gruppeneigenschaften zuordenen (Nordafrikaner = Grapscher, deshalb kein Recht auf Prüfung von Asylgründen etc.). Das ist eine Denkweise, die mit unserem Grundgesetz endgültig abgeschafft werden sollte: Die Würde des einzelnen ist nämlich unantastbar und er muss sich Handlungen solcher anderer nicht zurechnen lassen, die nur zu seiner Hautfarbe, Abstammung etc. gehören.

    Sie dürfen nicht vergessen: Sie wollen ja Entscheidungen über ein Flüchtlings- oder Asylrecht für Leute treffen, denen Sie gar keine Straftat vorwerfen können. Sie können höchstens anderen Personen aus seinem Herkunftsland Straftaten vorwerfen. Nur was sagt das über den einzelnen neuen Flüchtling aus? Sehen Sie das Problem wirklich nicht?

    2. Deshalb ist das auch für Ihre „Tempo“-Frage irrelevant. Ob jemand Flüchtling oder politisch verfolgt ist, entscheidet sich stets im Einzelfall . Es scheint Ihnen nicht klar zu sein, was Sie da alles über den Haufen werfen, wenn Sie nun sagen: Wir prüfen das jetzt lieber nicht mehr, ob jemand Hilfe braucht, weil das werden mir hier langsam zu viele Busengrapscher. Damit sprechen Sie dem Einzelnen sein Menschenrecht ab, weil andere Straftaten begangen haben. Eine irritierende Sichtweise.

    3. Ich war übrigens keineswegs polemisch, sondern habe versucht, die Sache sehr sachlich anzugehen. Aber auch wenn Sie nun ausdrücklich kein Sonderstrafrecht fordern, so fordern Sie dennoch eine besondere Behandlung für Bevölkerungsgruppen und Sie wollen mittels Meldungen aus der Presse die Zuverlässsigkeit von Bevölkerungsgruppen prüfen können, um angehörigen dieser Gruppe das Asylrecht oder das Flüchtlingsrecht zu verwehren. Das können Sie ja denken, hat aber dann – wie gesagt – mit dem Wertesystem unseres Grundgesetzes wirklich nichts mehr zu tun. Ich frage Sie also weiterhin: Wenn Sie nicht das Grundgesetz und sein Wertesystem verteidigen wollen, was verteidigen Sie dann?

  31. @41: Der Andi Müller ist nur hier um möglichst oft seine eigene Website zu propagieren, mehr nicht. Die Inhalte sind ihm egal, er nutzt seine Mitdiskutanten nur als Stichwortgeber für seine eigene Agenda.
    Fragen zu stellen ist auch einfacher, als sie zu beantworten.

    Und wenn er hier dann mal gelöscht wird, ist sein Vorurteil bestätigt, dass man seine Meinung unterdrücken wolle.
    Dabei ist es doch nur das hier:
    http://www.sprachlog.de/wp-content/uploads/2014/04/xkcd_freespeech.png

  32. @mustard

    Es ist wohl eher unwahrscheinlich, dass es Niggemeier und Rosenkranz darum geht die etablierten, insbesondere die ÖR Medien gegen Kritik zu verteidigen. Sie wollen sich als Medienkritiker mit eigenem Medium und funktionierenden Geschäftsmodell etablieren. Nur haben sie ihre freundlichen kollegialen Kontakte in den etablierten ehemals angeblich linken Leitmedien und brauchen deren kollegialen PR-Support, um genügend zahlende eigene Nutzer zu finden. Scoops die grundlegend professionelles oder nicht eingestandenes strukturelles Versagen (z.B. von Unternehmensleitungen der Leitmedien , Ausnahme Springer, ) aufdecken sind da gefährlich, denn es könnte dazu führen , dass diese freundlichen Kollegen in ihren Medien zu starke Konflikte kommen wenn sie Übermedien positiv herausstellen. Die eigene online-Fankurve und deren online-mobilisierung allein reichen noch nicht, um den finanziellen take-off zu schaffen. Aber: Die traditionellen Leitmedien sind ökonomisch gesehen ein Oligopol, das durch neue Wettbewerber wie Facebook, google, netflix, und andere neuartige Webangebote keinen wachsenden sondern nur noch einen schrumpfenden Markt hat. Kollegiale Kumpanei weicht zunehmend aggressivem Wettbewerb um zahlende Kunden. Mal sehen, ob Übermedien diese Entwicklung mit echten Überraschungen für sich nutzen kann.

  33. @Stefan Niggemeier:
    Das Problem liegt im Umgang mit dem Fehler den die „WELT“ begangen hat (auch hier könnte man sagen „Wenn eigestandene Fehler sich rächen“) in Verbindung mit eigenen gravierenden Qualitätsproblemen in einem Gastbeitrag auf „Übermedien“.
    Nachdem die „WELT“ einen Fehler eingestanden und Herrn Lachmann wegen eines persönlichen Fehlverhaltens gekündigt hat, erscheint auf „Übermedien“ ein Gastbeitrag mit einer Verschwörungstheorie, die die politische Ausrichtung der „WELT“ mit dem indiskutablen Verhalten Lachmanns gleichsetzt. Dieser Gastbeitrag ist ein Beispiel dafür, dass ein Autor sich mit einer guten Sache gemein macht und deshalb Fakten verfälscht sowie unhaltbare Behauptungen aufstellt, um den politischen Feind zu bekämpfen. Ich habe nichts mit AfD oder „WELT“ am Hut aber diese Art der Auseinandersetzung ist aus meiner Sicht falsch und radikalisiert unsere Gesellschaft!
    Hier in Kürze meine Begründung warum der Gastbeitrag auf „Übermedien“ eine Verschwörungstheorie mit gravierenden Qualitätsproblemen ist:
    – Die Behauptung, dass Henkel als BDI Präsident „abgesetzt“ wurde stimmt nicht. Er war vom 01.01.1995 bis zum 31.12.2000 Präsident des Verbandes und damit länger im Amt als seine Nachfolger. Dies ist ein stinknormaler Vorgang und hat nichts mit „abgesetzt“ oder „Rücktritt“ zu tun.
    – Nur weil Henkel, der für viele Medien schrieb, auch in der „WELT“ Artikel veröffentlichte, kann man doch nicht von einer „arbeitsteiligen Zusammenarbeit“ sprechen, weil früher Adam mal „Welt“-Chefkorrespondent war. Übrigens können Adam und Henkel sich nicht ausstehen (einfach mal „Adam, Henkel, Hass“ googeln).
    – Wenn dadurch „die Spaltung der EU“ propagiert wird, dass ein Europa der unterschiedlichen Geschwindigkeiten gefordert wird, dann würde dies auch für Merkel gelten, die gerade in Europa eine „Allianz der Willigen“ anstrebt.
    – Jemanden zum „Verfassungsfeind und bekämpfter der Parteiendemokratie“ zu machen, weil er das Mehrheitswahlrecht befürwortet und den Föderalismus abschaffen würde, ist völlig indiskutabel. Welche Worte wollen wir den für echte Feinde der Demokratie benutzen, wenn wir diese schon bei solchen „Vorschlägen“ abgenutzt haben?
    – Die Aussage zu einem „WELT“-Artikel „Die ersten drei Seiten kann man durchaus als AfD-nah interpretieren.“ sind wenn man die Artikel liest nicht haltbar. Dort kommen Sätze vor wie: „Es sind diese, die komplexe Lage der Dinge in Europa ziemlich grob vereinfachenden Phrasen, die die Alternative für Deutschland erfolgreich und angreifbar zugleich machen.“ oder zur britischen UKIP: „Ein Verein von „Spinnern, Irren und Besenkammer-Rassisten“, wie Premier David Cameron die radikalen Euroskeptiker einst nannte, die selbst in pessimistischen Umfragen zweistellige Popularitätswerte einheimsen.“ Was ein anderer Kommentartor zu diesen Zitaten sagte stimmt: „Macht die Beweisführung eher nicht leichter, möchte man meinen.“
    Sorry für die Länge. Ging aber leider nicht kürzer … -:)

  34. @Stefan: Aber das wird doch alles, unter Beteiligung des Autors selbst, unter dem entsprechenden Gastbeitrag diskutiert. Ich sehe da auch keine Verschwörungstheorie.

  35. Der seltsame freudsche Verschreiber „Macht-hoch-die-Tür-Politik“ verrät schon die mittelalterliche Metaphysik, die in der Denke am Werk ist. Bärtige, bepelzte Männer, mit Schwert in der Hand, stehen am Tor und projizieren Ängste an den Horizont herbei, würden sie es nicht tun, hätten sie keinen Sinn mehr im Leben.

  36. @Stefan Niggemeier: Der Punkt bei Ihnen Stefan Niggemeier ist, dass Sie mit der „WELT“ genau das gleiche machen, was Seehofer mit dem ZDF gemacht hat und was Sie auch Seehofer zu Recht vorwerfen. „Übermedien“ benutzt einen von der „WELT“ gemachten Fehler, um die politische Botschaft aufzubauschen, dass die „WELT“ mit der AfD „verbandelt“ ist. Das finde ich genauso problematisch wie bei Seehofer.

    Leider diskutiert der Autor Andreas Kemper nicht mit. Er hat nur einmal seine Behauptungen als Kommentar wiederholt. Wenn z.B. die Behauptung stimmt, dass Henkel als BDI Präsident „abgesetzt“ wurde, dann sollte auf Nachfrage Andreas Kemper eine Quelle angeben oder sich korrigieren. Da er an verschieden Stellen so vorgeht, finde ich es gerechtfertigt von einer Verschwörungstheorie mit gravierenden Qualitätsproblemen zu sprechen.

  37. …“ The color of a man skin is abnormal significant than The color of his eyes…“ diese Worte stammen von Bob Marley (aus dem Lied „war“) und wurden vor nunmehr 40 Jahren veröffentlicht. Herr Müller scheint immer noch ein Vertreter zu sein, weshalb – traurigerweise – Zeile immer noch hoch aktuell ist. Herr Müller ich möchte sie keines Wegs beleidigen, empfehle ihnen ganz zwingend sich mal kritisch mit ihren Thesen auseinander zu setzen und nicht nur mit denen anderer Menschen.
    Der Text von Herrn Niggemeier sehe ich als Aufruf für ein konstruktiver Umgang mit Kritik und würde ihn deshalb eher so allgemein formulieren, statt nur auf die Medien beziehen. Ich glaube nicht das ein konstruktiver Umgang mit Kritik zwischen Medien und Politik beginnt, sondern mitten in der Gesellschaft.

  38. @ Mustard, #38

    »Ich habe dieses Medienangebot ja mal begrüßt.«

    Weil Sie dachten, es sei sowas wie die Propagandaschau?

    Ich begrüße „dieses Medienangebot“ (Übermedien) umso mehr, weil es „medienkritisch“ eben nicht im Sinne von medienfeindlich interpretiert und Qualität nicht durch Quantität ersetzt, indem es „Ha! Falsch! Lüge!“ kreischend jeden Kommafehler und jedes vermeintlich falsche Bild der sogenannten Mainstreammedien auflistet.

    »Und auch ohne öffentliche Eingeständnisse gibt es offensichtlich genug Fehler in der Berichterstattung der größeren Medien.«

    Mehr als genug. „Offensichtlich“ sind die meisten aber nur für den, der glaubt, sowieso schon Bescheid zu wissen und – bewusst oder unbewusst – von der medialen Berichterstattung nur noch eine Bestätigung dieses vermeintlichen Wissens erwartet. Da sind Enttäuschungen natürlich vorprogrammiert …

  39. Ich wünschte mir mehr Ehrlichkeit von Ihnen, mit dem, was Sie hier fordern, Herr Niggemeier. Sie kritisieren schon in Ihrer Überschrift öffentliche Selbstkritik, die sich „rächt“, weil der politische Gegner sich ihrer bemächtigen könnte. Sie unterstellen dabei, dass es nichts Selbstkritikwürdiges z.B. an der Medienberichterstattung über die Kölner Vorkommnissen gab, den das Versagen der Medien, war ja nach Ihrer Einschätzung nur ein „angebliches“.
    Sie fordern eine „deeskaliernde“ Wirkung von Selbstkritik. Was soll denn bitte das sein? Habe ich noch nie gehört. Wenn Herr Kniffke davon redet, dass die Tagesschauberichterstattung „ein bisschen tatsächlich die Realität verbiegt“, dann kommt die Selbstkritik so weichgespült auf Katzenpfötchen daher, dass es softer und „deeskalierender“ schon gar nicht mehr geht. Wenn das Ihr Paradebeispiel für eine „eskalierende“ Selbstkritik ist, die sich rächt, weil dem politischen Gegner Seehofer nützlich ist, dann sollten Sie sich hinstellen und ganz offen sagen: „Selbstkritik ja, aber bitte nicht öffentlich, das nützt nur den Seehofers und der AfD.“

  40. Wenn kritische Beiträge oder Entschuldigungen kommen, dann kommen die nachts, in der Woche auf Sendern ohne Einschaltquote, wo der Normalbürger schlafen muss. Aber als Alibi für „wir haben doch..“ reicht es.
    Ich kann nur sagen, informiert euch aus unabhängigen Quellen und vor allem aus mehreren Quellen und wehrt euch gegen die öffentlich rechtlichen.

  41. Die wichtigste Frage heute lautet:
    Darf man mit Assad reden?
    Das frägt sich heute die Tagesschau, d.h. sogar der Chef persönlich(!): http://blog.tagesschau.de/2016/03/01/darf-man-mit-assad-reden/

    Also darf man mit jemandem reden, der unverfrorener Weise Söldner, die nach Syrien kommen, um die eigene Regierung zu stürzen, einfach so bombardiert, ja der sich dabei sogar noch der Hilfe mindestens eines anderen Landes bedient? Was war denn mit den Foltergefängnissen in Syrien? Oder gar mit der Sache mit der Todesstrafe?
    Weil Syrien ist eines der ganz wenigen Länder auf dieser Welt in der die Todesstrafe noch angewandt wird (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Todesstrafe#Staatenliste ).
    Ich meine sowas gehört sich doch einfach nicht für einen Staat der als demokratisch angesehen werden will, oder?
    Und ich finde es total gut, dass sich da Amnesty International immer wieder zu Wort meldet und dies anprangert diese schlimmen Zustände von Zivillosigkeit.

    Ist eigentlich allgemein bekannt, dass nicht nur der Krieg in Syrien zu den großen Flüchtlingsströmen geführt hat, sondern auch die unterlassene Hilfe der Weltgemeinschaft?

    Hier (wegen 27 Euro Euro pro Monat pro Person):

    Flüchtlingskrise – Die Bundesregierung tut, was sie kann. Aber das reicht nicht
    http://www.stern.de/6660264.html

    Oder hier auf Englisch – da wird sogar von nur 27 Dollar pro Monat pro Familienoberhaupt gesprochen(!):

    “Even dying is a problem here” – a glance into Syrian refugee camps in Lebanon
    19. Feb. 2016
    https://www.boell.de/en/2016/02/19/even-dying-problem-here-glance-syrian-refugee-camps-lebanon

    Irgend welche Leute verdienen Milliarden am Krieg in Syrien aber die Weltgemeinschaft kann nicht mal hungernden Menschen helfen. Und das im 21. Jahrhundert, immerhin 108 Jahre nach dem Ende der heiligen römischen Inquisition (https://de.wikipedia.org/wiki/Inquisition#Offizielles_Ende_der_Inquisition).

  42. Pardon, ein Fehler von mir: Auch im Stern-Artikel wird von 27 Dollar gesprochen:

    Fakt ist: Wir und andere Organisationen, etwa der UNHCR, mussten unsere Unterstützung ab Januar 2015 deutlich kürzen. Im Libanon zum Beispiel hatten wir statt 27 Dollar, die dort jeder Flüchtling mindestens zum Überleben braucht und wir über Geldkarten auszahlen, ab Sommer nur noch die Hälfte zur Verfügung.

  43. Und um zum Artikel-Thema auch etwas beizutragen:
    Wenn mich nicht alles täuscht hatte doch sogar die NYT am 4. Januar bereits über die Kölner Vorfälle berichtet (Print? Online?)?

    Und dass Herr Seehofer gerade etwas angepisst ist gegenüber den Medien, kann man ihm nicht unbedingt verdenken, nachdem er quasi zur Persona non grata stilisiert wurde, weil er sich aufgemacht hatte mit Putin (also nach westlicher Lesart die aktuellste Ausgabe des Satan persönlich, nach Saddam Hussein, Muammar al-Gaddafi, Assad etc.) zu reden. Nur zu reden! Nicht wegen des Austauchs von militärischen Geheimnissen oder zwecks Unterzeichnung eines Putin-Seehofer-Paktes zuungusten des Sultanats Brunei, sondern ich denke u.a. um den Frieden in der Welt zu sichern, trotz des Säbelgetöses jenseits des Atlantiks.

  44. @Andreas Müller
    Im Augenblick einer nie dagewesenen und höchst umstrittenen Masseneinwanderung

    Oh doch die gab es schon mal! Einfach mal im Netz nach „Deutschland Millionen Gastarbeiter“ oder nach „Flüchtlinge Ostgebiete Millionen“ suchen.

    Und die Kriminalität unter einem Teil der „Flüchtlinge“ ist gewaltig. Gerade heute hat der NRW-Innenminister eingeräumt, dass 1/3 der eingewanderten Nordafrikaner als kriminell aufgefallen sind.

    Dass in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg ganze Netzwerke ehemaliger Nazis in deutschen Behörden untergekommen sind, ist bis heute irgendwie nicht so ein Problem. Aber sehr dagegen die ehemaligen Mit- und Zuarbeiter der Stasi. Um wieviel schlimmer als das Dritte Reich war denn die DDR?

    Und die Kriminalität unter einem Teil der „Flüchtlinge“ ist gewaltig. Gerade heute hat der NRW-Innenminister eingeräumt, dass 1/3 der eingewanderten Nordafrikaner als kriminell aufgefallen sind.

    Schon komisch, oder? Da exportieren wir jahrzehntelang Waffen in alle Welt und wundern uns, dass eines Tages die Opfer all dieser Gewaltprodukte auch zu uns kommen, einem Land in dem es, im Vergleich zu den meisten Ländern dieser Welt, den Menschen, die nicht von HIV oder gar von Tafeln leben müssen, eigentlich noch ganz gut geht. Allerding fangen auch bei uns die Fassaden auch schon ganz schön zu bröckeln an.
    Kein Mensch verlässt freiwillig seine Heimat nur weil er meint anderswo könne er mehr verdienen.

  45. Sie haben schon recht, Herr Niggemeier. Aber noch schwerer wiegt doch eigentlich, dass die Medien sich zumeist nicht getrauen, Politikern ihre teilweise doch gravierenden Fehler der Vergangenheit vorzuhalten, auch wenn die betroffenen Politiker diese Fehler bis heute nie bedauert haben. Natürlich nicht als Retourkutsche für Kritik von eben diesen Politikern an den Medien, sondern völlig unabhängig davon. Dieses Versäumnis zeigt sich bei den ÖR, aber nicht nur dort in beunruhigender Form.

    Beispiel: Horst Seehofer, der andere so gerne kritisiert, stimmte laut Medienberichten gegen die Strafbarkeit der Vergewaltigung in der Ehe (eine solche konnte daher lange nur als Nötigung nach § 240 StGB geahndet werden). Siehe die Satire der „Norddeutschen Nachrichten“ hier:
    http://www.norddeutsche-nachrichten.de/seehofer-verurteilt-sexuelle-gewalt-in-koeln-angriff-auf-unsere-katholischen-werte/

    Ich würde gerne mal ein zur besten Sendezeit ausgestrahltes ZDF-Sommerinterview mit Herrn Seehofer sehen, in dem ein Journalist denselben direkt fragt, ob der seine Haltung inzwischen geändert habe und seine damalige Entscheidung bedauere, oder ob er nach wie vor hinter ihr stehe. (Ob ein amtierender Ministerpräsident wenigstens dazugelernt hat und sich zumindest heutzutage kompromisslos für die sexuelle Selbstbestimmung auch innerhalb der Ehe einsetzt, ist schließlich eine sehr berechtigte und wichtige Frage, auch ohne dass ein besonderer akuter Anlass vorliegen müsste – oder etwa nicht?)

    Nur kann ich mir nicht vorstellen, dass der entsprechende Journalist dann noch eine steile Karriere im ÖR vor sich hätte. Ich kann mir noch nicht einmal vorstellen, dass die Redaktion eine solche Interview-Frage absegnen würde.

    Und genau das ist doch das Schlimme. Gerade die ÖR, die doch angeblich ein Bollwerk der Demokratie sind und daher mit satten Gebührengeldern ausgestattet werden („Demokratieabgabe“), müssten ganz vorne mit dabei sein, wenn es darum geht, Politikern insbesondere auch solche Fragen zu stellen, die für diese sehr unangenehm sein könnten. Nicht als Selbstzweck, wohl aber, wenn eine sachliche Berechtigung dafür existiert. Dazu müsste aber eine absolute Unabhängigkeit der ÖR von der Politik bestehen, auch institutionell. Die ÖR müssten so agieren, dass kein vernünftiger Zweifel daran aufkommen kann, dass sie sich allein Prinzipien wie „Wahrheit“ und „Rechtsstaatlichkeit“ verpflichtet fühlen, ansonsten aber nicht „staatstragend“ oder gar „systemtragend“ sind. Sie müssten stets bereit sein, den Politikern das Leben schwer zu machen, sofern eine kritisch-unabhängige journalistische Einstellung ein solches Verhalten gebietet. Tag für Tag müssten sie ihre Unabhängigkeit von und Neutralität gegenüber den mächtigen Politikern und Parteien durch qualitativ hochwertigen und im besten Wortsinne „kritischen“ Journalismus neu beweisen. (Und mit „dieser kritischen Haltung“ meine ich nun ganz sicher NICHT ein Meute-Verhalten wie im Fall der Berichterstattung über Christian Wulff oder Peer Steinbrück, wo sich zumindest manche Medien wohlfeil auf jemanden stürzten, der am Boden lag, und dann jedem einzelnen Lolli hinterher gespürt haben.)

    Dass die Medien diesem Anspruch, den man nach meinem Dafürhalten gerade in einer Demokratie unbedingt stellen sollte, sehr oft nicht nur nicht genügen, sondern häufig Lichtjahre weit davon entfernt sind, ihm zu genügen, bedarf doch wohl keiner weiteren Erwähnung. Insbesondere (aber nicht nur) die ÖR neigen dazu, mit den wichtigen und populären Politikern eher oberflächliche Schmuse-Interviews zu führen. Genau das ist aber doch das Elend. Und natürlich auch, dass die Medien sich selbst und andere Medien viel zu wenig kritisieren.

    Ein kritischer Journalismus, der diesen Namen auch nur im Ansatz verdient, würde dazu führen, dass Politiker und Journalisten weit öfter Fehler eingestehen und sich viel häufiger entschuldigen würden/müssten, als die das heute tun – und das würde dann vielleicht ganz von alleine mit zu einer anderen Fehlerkultur beitragen.

  46. „Es gibt ein Symbol für das angebliche Versagen der Medien. [] „Die Nachrichtenlage war klar genug. Es war ein Versäumnis, dass die 19-Uhr-heute-Sendung die Vorfälle nicht wenigstens…“

    Herr Niggemaier, vergleichen Sie bitte diese Aussagen. Warum noch „angeblich“?

    „Jede Wette: [] wäre dieses Detail längst in Vergessenheit geraten.“

    Nein Herr Niggemeier, so funktioniert die Welt nicht mehr. Das Netz vergisst nicht!

    „Kai Gniffke“

    Waren Sie nicht auch mal kurz auf dem Pfad der Wahrheit?
    http://www.stefan-niggemeier.de/blog/20186/die-tagesschau-wo-man-schoene-inszenierungen-nicht-bloed-hinterfragt/

    „…,ein Problembewusstsein haben und öffentlich über Defizite ihrer Berichterstattung reflektieren.“

    Nein, sie konnten nicht anders, sie MUSSTEN!

    „Um nicht missverstanden zu werden:“

    Die Einleitung mit dem „Aber“.

    „Es gibt auch keine Anerkennung dafür, dass jemand wie Theveßen Selbstkritik übt,…“

    Er hat keine Selbstkritik geübt, sondern MUSSTE es zugeben. Wobei immer noch die Erklärung fehlt, warum wurde unterschlagen.

    „…, zu benennen, worin das angebliche Versagen der Medien besteht. Es ist ihren Kollegen sicher eine Warnung.“

    Nein, das geht völlig am Thema vorbei. Die Zeiten sind langsam vorbei, wo man beharrlich Unterlassungen aussitzen kann.

    „… brauchen wir auch eine andere Kultur im Umgang mit dem Eingeständnis von Fehlern.“

    Nein, was Sie meinen ist, werde ich beim Schummeln erwischt, darf es keine Kritik geben. Ich habe ja gestanden!

    Sie wollen einen Freibrief, weiter „Nachrichten“ frei gestalten zu dürfen, fallen Manipulationen auf, wollen Sie Absolution. Man hat ja gestanden! Wenn nicht, bleibt man bei seiner „Wahrheit“, ist ja sowieso besser. Sie glauben wirklich, im 21. Jahrhundert funktioniert solch eine Einstellung noch? Sie lesen sich wie jemand, der weiß, dass er erwischt wird, aber noch nicht weiß, wie er damit umgehen soll.

  47. @Lutz Bahr: Darf ich dezent darauf hinweisen, dass ich gar nicht erwischt worden bin? Und Sie mir unterstellen, ich wäre für eine „Absolution“, wenn ich in meinem Text ausdrücklich das Gegenteil geschrieben habe? Auch im übrigen bin ich nicht Ihrer Meinung.

  48. „…dass ich gar nicht erwischt worden bin?“

    Betonung lag auf „wird“, Futur I!

    „unterstellen, ich wäre für eine „Absolution““

    Ja, der Text liest sich so. Da sagt jemand die „Wahrheit“ und das hat der jetzt davon. Warum sollte der Berufsstand Journalist eine Sonderbehandlung erhalten, wenn er beim absichtlichen Pfusch am Bau ertappt wird? Millionen Berufstätige kommen mit einem „Stimmt, erwischt“ auch nicht davon. Was hat Elmar Theveßen eigentlich „gestanden“? Nichts, er hat den Sachverhalt, den Millionen Menschen bereits zuvor bemerkt hatten, nur bestätigt. Die Kölner Lokalpresse, an dieser Stelle hoch gelobt, hat den Unterschied aufgezeigt und Fakten unverblümt offen gelegt. Die wichtige Frage, die normalerweise bei Informationsunterschlagung gestellt wird, ist doch das Warum? Sind jetzt ca. 70% der Bevölkerung, die an der neutralen Berichterstattung des ÖRR zweifeln, immerhin 56 Millionen Menschen, nur Verschwörungstheoretiker oder wird gemauschelt. Auf „Die Nachrichtenlage war klar genug.“ hätte ich von einem Medienkritiker die Klärung dieser Frage erwartet; nicht diese Verteidigungsschrift.

    Übrigens, ich schließe mich der Meinung dieser Umfrage nicht an. Der ÖRR ist wichtig, aber nicht dieser, um plastisch beim Thema zu bleiben, Kölner Klüngel. Trotzdem danke für das Echo, man freut sich ja heute über jede kleine Interaktion aus dem Elfenbeinturm.
    http://www.focus.de/kultur/medien/umfrage-zu-rundfunkgebuehren-grosse-mehrheit-der-deutschen-will-fuer-oeffentlich-rechtliche-nicht-mehr-zahlen_id_5300491.html

  49. @Lutz Bahr: Wenn Sie mich gleich im Elfenturm verorten, diskutiert es sich allerdings schlecht. Aber dann ist es vielleicht auch einfacher, bewusst zu ignorieren, dass ich geschrieben hatte:

    Um nicht missverstanden zu werden: Es geht nicht darum, dass einem Sünder nach der Beichte eine Absolution erteilt wird.

    … und mir zu unterstellen, dass ich trotzdem genau das wollte. Sie würden dieses Vorgehen vermutlich eine Lüge nennen, mindestens einen bewussten Pfusch beim Lesen. Aber ich bin sicher: Millionen Leser dieses Artikels haben es gemerkt.

  50. Sascha Lobo hat den „Aber-Nazi“ entdeckt, ich den „Aber-Kritiker“!

    „Um nicht missverstanden zu werden: Es geht nicht darum, dass einem Sünder nach der Beichte eine Absolution erteilt wird.[] Aber …“

  51. @Stefan Niggemeier (zu Lutz Bahr):
    Die Mainstreammedien haben in den letzten Jahren weiter so getan als gäbe es kein Internet und fleißig ihre Manipulationen der Zuseher und Leser weitergeführt. Jetzt stehen sie zum großen Teil blamiert da, verlieren Kunden und Zustimmung.
    Kleinere Pannen werden zugegeben, aber nur als Eingeständnis von Einzelnen die (unbewußt) Fehler gemacht haben.
    Fehler im System würde es natürlich nicht geben.
    Dabei verstoßen gerade die öffentlich rechtlichen Sender permanent und bewußt! ihren eigenen Programmgrundsätzen einer ehrlichen und wahrheitsgemässen Berichterstattung.
    Gut zu sehen in vielen Beiträgen zur Ukraine und Russland.
    Dies fällt inzwischen so vielen Zuschauern auf dass die Akzeptanz dieser Sender und damit der (Zwangs-)Gebühren immer mehr sinkt.
    Damit sage ich nicht dass die Privaten grundsätzlich besser sind, aber es zeigt, dass die ÖRR eben nicht das sind was sie scheinen vorzugeben.
    Von daher verstehe ich die Kritik nicht ganz, wenn solche Seiten wie die Propagandaschau, Nachdenkseiten u.a. gescholten werden weil sie angeblich nur negativ berichten.
    Das ist aber der Sinn dieser Seiten, aufzudecken was schief läuft und falsch ist an der Berichterstattung des Mainstreams.
    Ich wünschte mir, die ÖRR würden ausgewogen und investigativ berichten, durchaus auch mal polemisch und Partei nehmend, aber nie lügnerisch und den Zuschauer manipulierend.
    Das wird wohl ein frommer Wunsch bleiben, da auch die ÖRR nicht im luftleeren Raum existieren, zwar viel Geld vom Gebührenzahler bekommen, aber sich sonst von diesem sich nichts sagen lassen wollen.

  52. @Diego Rivera: Ich schelte die „Propagandaschau“ nicht dafür, dass sie negativ berichtet, sondern dass ihre Kritik maßlos und ideologisch ist und sie in menschenverachtender Weise Hetze betreibt.

  53. @Stefan Niggemeier: Maßlose Kritik und ideologische Hetze kamen gerade von den ÖRR in Bezug auf die Ukraine-Krise gegen Russland und speziell Putin.
    Die Ukraine wurde dagegen so gut wie immer in Schutz genommen und unwidersprochen deren Propaganda gegen Russland übernommen.
    Bezeichnend, dass gerade mal eine Satiresendung wie „Die Anstalt“ diese systematische Lügnerei anprangerte.
    Es geht an dieser Stelle nicht darum, dass „Die Propagandaschau“ übertreibt und auch mal über die Stränge schlägt.
    Es geht darum: Wer lügt, entgegen seines Programmauftrages.
    Es ist das Verdienst dieser Seiten dies aufzudecken.
    Bedenklich finde ich, dass es Bestrebungen gibt, diese Meinungsvielfalt einzuschränken und den mündigen Bürger wieder „mundtot“ zu machen und auf dass zu reduzieren was er im Sinne der Mächtigen zu sein hat: Ein Konsument.
    Es fängt in den Kommentarfunktionen der Medien an, wo hört es auf?

  54. Zitat SN „Auch das einzig konkrete Beispiel, das Seehofer für das angebliche „Problem bei den Medien“ nennt, beruht auf öffentlich geäußerter Selbstkritik. “

    Seehofer hat wörtlich gesagt: „Überspitzt gesagt: Wenn die nicht Livesendungen hätten, dann hätten sie wenige der Lebenswirklichkeit entsprechende Programminhalte.“

    So absurd das klingen mag, aber da schimmert eine ganz andere Kritik heraus: Nämlich an der Programmgestaltung an sich. Wer sich zwischen Rosemunde Pilcher, ZDF-Fernsehgarten, Garmisch-Cops und irgendeinem lieblosen Vorabendkrimi zu den Nachrichten durchringen kann, verlässt sich darauf, dass diese korrekt sind.

    Denn, ein Gestüt in Südengland hat niemand und der Polizeialltag besteht auch nicht nur aus kaffeekochenden Vorzimmersekretärinnen und dümmlichen bairisch Sprechenden Polizisten, die mal wieder „a Leich“ gefunden haben. Stichwort Lebensrealität Das meinte Seehofer sicherlich mit der Aussage.

    Brot und Spiele. Das ist der ÖR mittlerweile. Und dazwischen der Erklärbär Claus Kleber. Gute Nacht auch!

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