Was die AfD mit den Kardashians gemein hat

Die AfD ist die Kardashian-Familie der deutschen Politik. Ihre großen Ärsche haben sie in den Medien berühmt gemacht, aber was sie wirklich machen, wenn die Scheinwerfer mal aus sind, ist relativ unbekannt. Und jetzt, wo es nicht gut läuft, müssen die Medien der AfD sogar erklären, wie man eine Partei führt. Sie seien Dilettanten, die „viele handwerkliche Fehler“ machen, stellt FAZ-Redakteur Justus Bender fest, und Sophie Dannenberg wird für das Magazin „Cicero“ sogar poetisch und sieht in der AfD „die politische Verkörperung der progressiven Universalpoesie“. Als Phänomen seien sie nur „eine Metapher“.

Dabei ist es relativ einfach und sehr erhellend, ihr Œuvre aus mittlerweile 13 Landtagen nachzulesen. Die Landtagsabgeordneten der AfD produzieren nämlich gemessen an ihren Fraktionsstärken überproportional viele „Kleine Anfragen“ – Nachfragen von Parlamentariern, die die jeweilige Regierung zeitnah beantworten muss.

Fast immer geht es um Asyl, Bleiberecht, Rückführung, Moscheen und immer wieder um vermeintliche Übergriffe, vorzugsweise durch muslimische Personen. Die Ergebnisse müssen für die Parlamentarier enttäuschend sein, denn die Antworten auf die angefragten Probleme zeigen oft organisatorische Klarheit der Exekutive oder Zahlenwerte, die meist viel kleiner sind als erhofft. Oder die vermuteten Ereignisse haben sogar ganz schlicht überhaupt nicht stattgefunden.

Die Fragen werden – in all ihrer Monothematik – in ernstem Ton formuliert, und weil die Antworten jeweils auf dem Fuße folgen, ist auch kein Platz für Populismus, und manchmal geht es halt auch nur um die Vergabe von Angelscheinen. Richtig sexy ist das alles nicht. Aber die Kardashians machen eben auch keine Instagram-Fotos von sich, auf denen sie den heiklen Rohrknick hinter der Toilette saubermachen.


Christian Lindner kam 1979 in einem perfekt sitzenden Anzug auf die Welt und saß nur 21 Jahre später für die FDP im Landtag. Weil er auf dem Weg in die Spitzenpolitik keine Zeit verlor, wirkte er lange Zeit etwas stromlinienförmig, was sich aber mit seiner vielbeachteten „Wutrede“ änderte. Diese neue, harte Seite an Christian Lindner hat die Berliner Agentur Heimat für die Wahlkämpfe dieses Jahres geschärft – man kann sich Christian Lindner gar nicht mehr in Farbe vorstellen. Er ist crisp, tough, edgy, sexy – ein deutscher David Beckham im Unterhemd, und selbst sein Dreitagebart scheint in der Körnung etwas härter geworden zu sein.

Seine Telefonnummer hat jeder Journalist in Deutschland als Kurzwahltaste, er ist das Markengesicht der FDP, die in der öffentlichen Wahrnehmung nur noch aus ihm besteht. Selbst sein Vize, Medienprofi und Talkshow-Dauergast Wolfgang Kubicki, ist plötzlich abgetaucht.

Christian Lindner momentan in den Medien zu beobachten, ist wie ein Blick in einen Schaukasten mit einer hyperaktiven Blattschneider-Ameise: Innerhalb einer Woche rettet er den Flughafen Tegel, wird in eine Weingilde aufgenommen und schafft die Maut wieder ab. Abgesehen von der Weingilde natürlich theoretisch. Aber er würde, wenn man ihn ließe.

Während ihrer letzten Legislaturperiode im Bundestag zwischen 2009 und 2013 gelang der FDP nicht allzu viel, aber das ist lange her und damals legte Christian Lindner vorzeitig sein Bundestagsmandat nieder, um Fraktionsvorsitzender der NRW-FDP zu werden. In diesem Jahr läuft sein Rennen in die andere Richtung und CL2017, wie er sich auf Instagram nennt, fragt seine 25.000 Follower ganz direkt, was seine Partei anders machen soll. Ein Follower schreibt ihm: „Bewegte Bilder von Ihnen bekommen am meisten Zuspruch und solche wie das mit dem Laserschwert! Also bewegte Inhalte und die menschliche Seite!“.

Das kriegt der schon hin, Laserschwert kann der.

11 Kommentare

  1. Wer, zum Teufel, ist Peter Breuer? Welcher Filterblase gehört er an? Was will er wem mitteilen?

  2. Die AfD ist die Kardashian-Familie der deutschen Politik. Ihre großen Ärsche haben sie in den Medien berühmt gemacht, aber was sie wirklich machen, wenn die Scheinwerfer mal aus sind, ist relativ unbekannt.

    okay Angelo Merkel
    nenn mir einen Gesetzesantrag der AfD zur Griechenlandkrise 2011, was hat die AfD FAKTISCH dazu inzwischen ausgearbeitet? Was zur Flüchtlingskrise 2014? Das letzte dazu war ein grenzzaun an der deutschen Grenze nach deutschen Recht, ohnde die Rechtslage zu kennen und sich darüber zu unterhalten, ob das Erschießen von Kindern am Zaun grundsätzlich in Ordnung ist, oder nur ein mausausrutscher ist…….zusammengefasst. Kardashians

  3. Habe ich den Schwenk im Artikel verpasst? Oder hat Christian Lindner ihn gekapert? Oder sind das 2 Artikel in einem?
    Ich verstehe wirklich nicht, wie es „CL2017“ in einen Artikel über die afd geschafft hat.. Kann mir da jemand helfen?

  4. (p. s. Ich kenne mich nicht mit den Kardashians aus, vielleicht hat das auch was mit denen zu tun?)

  5. Wieso ist Christian Lindner jetzt plötzlich das Bindeglied zwischen der AfD und dem frisch geputzten heiklen Rohrknick in der Ecke der Kardashians? Ich kann nicht so ganz folgen…

  6. @ICHBINICH
    Der Autor hat zwischen AfD und Lindner eine Linie eingefügt, die durch drei kleine Quadrate unerbrochen wird. Ich nehme mal stark an, er wollte damit andeuten, dass er jetzt zu etwas völlig anderem kommt.

  7. @2 – Ichbinich: lesen Sie doch mal den blauen Kasten direkt am Anfang der Kolumne durch, da werden Ihre Fragen beantwortet.

  8. Aha, die visuelle Trennung (die Linie, die durch drei kleine Quadrate unterbrochen wird) zwischen AfD und Lindner verschwindet ja nach Breite des Browsers. In meinem Fall heißt das: Nur wenn ich mein Smartphone quer halte, sehe ich die Linie. Im Hochformat gibt es keine Trennung und beide Artikel verschwimmen zu einem. Vielleicht könnt ihr da das Responsive Design noch ein wenig optimieren?

  9. Bei mir ist auch keine Linie mit Quadraten zu sehen (auch nicht im Querformat des Handys).
    Eine Trennung zwischen den Artikeln ist also bei mir nicht ersichtlich.
    Aber wäre es nicht sowieso günstiger, einfach 2 Artikel zu machen? Oder wenn es schon ein Artikel ist, die Überschrift entsprechend anzupassen?

  10. @Ichbinich: im Lichte dieser Erkenntnisse möchte ich Sie um Entschuldigung für mein dann doch unangebracht aggressiven Beitrag bitten.

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