Dies ist nicht das Ende, sondern der Anfang des Journalismus

Ist die Wahl von Donald Trump das Ende der Welt, wie wir sie kennen? Geht die Zivilisation jetzt aber wirklich mal unter? Oder mindestens der Journalismus? Landen wir alle im postfaktischen Facebook-Faschismus? Wenn die Menschen nur noch glauben, was sie sowieso schon glauben? Wird Mario Barth nächstes Jahr Bundeskanzler der AfD? Und egal, was wir schreiben, sagen, senden – es hilft nichts? Weil uns keiner mehr zuhört, vertraut, braucht?

Vielleicht.

Oder nein, ich behaupte das Gegenteil: Für Geschichtenerzähler bricht eine goldene Ära an.

Denn was hatte Trump, was die anderen nicht hatten? Eine Geschichte. Eine glaubwürdige Geschichte. Er hatte versprochen, Amerika wieder groß zu machen, sich der Sorgen der Leute anzunehmen, mit dem Establishment aufzuräumen. Er war mit all diesen pathetischen, für uns größenwahnsinnig klingenden Versprechungen offensichtlich glaubwürdiger und greifbarer und letzlich wählbarer als die anderen Kandidaten. Und erst recht als die für viele Amerikaner pseudoliberale, pseudo-bürgernahe, pseudo-alles Hillary, deren einzige Geschichte sie selbst war: langweilig, falsch, alt.

Also wurde Donald statt Hillary gewählt, nicht von 60 Millionen Vollidioten, sondern von 60 Millionen Zuhörern, die endlich wieder an etwas glauben wollten. Sie stimmten für eine Erzählung von Aufbruch und Optimismus, von Kompromisslosigkeit und Stärke. Für eine vulgäre Utopie.

Die eine Hälfte hat dafür in Kauf genommen, einen Rassisten, Sexisten, Wasauchimmer-isten zu wählen. Die andere fand genau das gut, weil sie ihren eigenen Rassismus, Sexismus, Wasauchimmer-ismus schon zu lange unterdrücken musste. Natürlich ist diese Wahl auch zutiefst rassistisch motiviert. Aber Rassismus gab es immer. Alleine kann er wenig anrichten. Was ist hinzugekommen?


Die Menschen haben, so analysieren in diesen Tagen alle Kommentatoren, Angst. Sie fühlen sich verunsichert, verloren, verraten. Sie leben in einer gefühlten Ungerechtigkeit, sehen sich als Opfer, als ungehörte, ungeliebte Stiefkinder einer Zeit, in der alle guten Geschichten ohne sie auskommen, längst erzählt sind, keine Happy Ends mehr haben, von den anderen handeln.

Natürlich wurzelt diese Opferperspektive nicht zuletzt in der bitter beklagten Unverschämtheit der Welt, Menschen anderer Hautfarbe mehr und mehr behandeln zu wollen wie Menschen meiner Hautfarbe. Die Trump- und AfD-Wähler bekommen nicht, was sie verdienen, während andere mehr bekommen als sie verdienen.

Die gefühlte Ungerechtigkeit ist noch schlimmer als die tatsächliche. Einerseits, weil sie nicht abgebildet wird: Man wird nicht als ungerecht behandeltes Opfer wahrgenommen, ist also noch ärmer dran ist als alle anderen. Andererseits, weil man vielleicht doch ahnt, dass die Realität schon in Ordnung ist. Dass man sich zu Unrecht ungerecht behandelt fühlt, dass die Welt mit Grund so ist, wie sie ist, und vielleicht gar nicht ungerechter, sondern gerechter wird, und man einfach Pech gehabt hat, nicht früher geboren zu sein.

Diesem giftigen Cocktail hat Trump mit seiner Erzählung einen Strohhalm verpasst, durch den das Gesöff bis ins Weiße Haus fließen konnte. Seine Erzählung von der Rückkehr der Stärke hat eine große Kraft. Wie alle Geschichten von Underdogs, die gegen Ungerechtigkeit aufstehen.

Ist das ein Alarmsignal? Ja. Aber auch ein Weckruf und ein Startschuss. Wenn Trump mit einer so simplen Story so viele Menschen für sich einnehmen kann, warum kann man es nicht mit einer anderen? Welche setzen wir dagegen? Und wie am besten?


„Wir brauchen, ganz im Ernst, einen anderen Journalismus, wenn wir das in einem Jahr nicht auch hier erleben wollen.“

Als am Mittwochmorgen klar war, dass Donald Trump die Wahl gewinnen würde, schrieb ich diesen Satz auf Twitter. Der Tweet hat jetzt über 1000 Favoriten und über 500 Retweets. Von linken Journalisten bis zu rechten Idioten mit Nicknames wie @genderwahnsinn oder @schwulefrau. Und von all diesen verschiedenen Leuten bin ich gefragt worden: Wie sieht der aus, dieser „andere Journalismus“?

Gute Frage. Als ich das schrieb, war das mehr ein Gefühl. Jetzt habe ich nur ein paar lose Ideen, was wir tun können.

Wer ist „wir“? Wir sind alle, die noch daran glauben wollen, dass die Feder mächtiger ist als das Schwert, das die Neue Rechte gerade schärft. Wir sind die liberalen Sender, die lange dachten, die Liberalisierung ist ein Naturgesetz, und wir müssten nur ihr Tempo regulieren, und deshalb so etwas wie Trump nur für möglich hielten als Horrorclown in den smarten Satiren, die wir uns gerne anschauen, um sie dann meta-ironisch unter unseresgleichen zu kommentieren.

Was können wir tun?

Das wichtigste ist: anfangen. Jetzt. Mit Herz und Hirn. Wir sind noch zu zögerlich, zu sehr damit beschäftigt, nicht in Tränen auszubrechen, weil die bösen Amis unser Habermas’sches Ideal kaputt gemacht haben. Wir versichern uns noch, dass die eben doof sind oder wir nur geschlafen haben. Wir lecken unsere Wunden, um uns ein bisschen besser zu fühlen nach dieser schallenden Ohrfeige aus der Ferne.

Aber unsere Aufgabe ist jetzt: Nicht besser fühlen, sondern besser machen. Selbstversicherung nutzt nichts, im Gegenteil. Er lenkt nur ab von den dutzenden Ansatzpunkten. Also: Wie geht dieser richtige Journalismus im Falschen? Was nützt die Liebe in Gedanken, wenn das Land im Hass versinkt?


1.

… müssen wir uns klar machen, dass wir in Deutschland besser dran sind als die Amerikaner. Ein funktionierendes öffentlich-rechtliches System, hohe Reichweite von Qualitätsmedien, noch keine Hass-Radios oder Hass-TV, geringere Ungleichheit, Mehrparteiensystem usw. usf. – es gibt ganz konkrete Gründe zur Hoffnung. Durchatmen. Gut. Weiter. Denn…

2.

… müssen wir uns noch klarer machen, wo die Parallelen liegen. Auch hier gibt es den rassistischen, sexistischen, multi-istischen Zornigen Weißen Mann, der aus einer Opferperspektive heraus zu fast allem bereit ist – zum Kreuz bei der AfD allemal. Und der nicht einmal männlich, arm und weiß sein muss, um sich abgehängt und betrogen zu fühlen. Und der Nachwuchs bekommt, weil ihm schon als Jugendlicher die Zukunft nicht wirklich geil vorkommt. Für ihn ist Merkel unwählbar, weil sie die Fremden ins Land gelassen hat, und „die Medien“ sind Mitschuld an der Zerstörung seiner schönen Achtziger-Jahre-Bundesrepublik.

Auch hier gibt es Menschen, die sich für Opfer halten. Und es gibt echte Opfer, Arbeitslose, Verlierer, Versehrte. Sie warten auf eine Möglichkeit, sich zu rächen. Deshalb gibt es auch hier Elitenhass, eine Spaltung zwischen Land und Stadt, zudem eine tiefe Glaubwürdigkeits- und Strukturkrise des Journalismus; es gibt Verschwörungstheorien, Protestwähler, Wutbürger und Wirrköpfe. Und auch hier gibt es diejenigen, die sie mit medialer Munition versorgen: Fake-News, Facebook-Hetze und sogenannte „alternative rechte“, sprich rassistisch-rechtsextreme Medien. „Compact“, Kopp und Co. gewinnen schon seit Jahren an Einfluss.

Sie verbreiten Lügen passend zu Vorurteilen, weil die Leute sowieso nur ihre Meinung bestätigt haben wollen und Facebook aus ökonomischem Kalkül alles dafür tut, dass sie die auch bekommen, egal wie irre die Bestätigung sein mag, egal wie oft sie beim Lügen erwischt werden. Egal ob von Amerika, Deutschland oder Mazedonien aus.

3.

„Das ist das Informations-Desinformations-Paradox der digitalen Zeit: Immer mehr Information erlaubt die immer effektivere Desinformation“, schreibt Bernhard Pörksen in der „Zeit“. Zu allererst und ganz konkret müssen wir diesen Multiplikatoren des Irrsinns also entgegen stellen. Mit einer deutschen Debunking-Seite á la „Snopes“ oder „Mimikama“. Nur in groß. Damit es zu jedem Video, in dem irgendein Hater mit falschen Zahlen vermeintlich belegt, wie viel zu viel Euros die Flüchtlinge bekommen, während deutsche Kinder leer ausgehen, einen schnell Link zum Kopieren und Einfügen gibt. Der nüchtern erklärt, warum das Quatsch ist.

Wenn ein immer größerer Teil seine Nachrichten und Informationen aus digitalen Netzwerken bezieht, dann müssen wir in den digitalen Netzwerken mindestens so gut sein wie die Lügner und Hetzer.

Und: Breitbart kommt nach Deutschland. Das Geschäftsmodell Hass funktioniert. Dagegen hilft nur ein superschnelles Factchecking-Team mit Anbindung an eine große Nachrichtenseite, um innerhalb von einer Stunde jeden Unsinn kontern und outperformen zu können. Am besten direkt auf Facebook oder Twitter, ohne ökonomischen Druck, auf eine Homepage verweisen zu müssen. Also vielleicht sogar öffentlich-rechtlich? ARD, ZDF, anyone?

4.

Nicht alle, die etwas anderes glauben, tun das auf Basis falscher Annahmen. Man kann dieselben Informationen ganz verschieden interpretieren. Es geht oft nicht um Informationen, sondern um Perspektiven. Für die müssen wir offener sein. Politik handelt weniger von Fakten und politischen Maßnahmen, sondern mehr und mehr von Identitäten. Für die verunsicherten Menschen wird es immer wichtiger zu fragen: Wer bin ich? Wer ist mein Gegenüber?

Wie die Soziologin Cathy Kramer der „Washington Post“ sagte:

Ich glaube nicht, dass es hilft, den Leuten mehr Informationen zu geben. Denn sie werden sie aus der Perspektive interpretieren, die sie schon haben. Menschen nehmen nur dann Fakten an, wenn sie von einer Quelle verbreitet werden, die sie respektieren, von einer Quelle, die ihnen das Gefühl gibt, dass sie Respekt für Leute wie sie hat. Wann immer ein Liberaler Trump-Unterstützer als ignorant oder in die Irre geführt oder desinformiert bezeichnet, hilft das in keiner Weise, um die Tatsachen zu vermitteln, die der Liberale vermitteln will.

5.

Wie bleibt oder wird man eine solche Quelle, von der Menschen Informationen oder Perspektiven annehmen? Indem man ihre Klagen genau betrachtet, in Quatsch und Nicht-Quatsch sortiert und sich dann fragt, was man tun kann. Und zwar gegen die Missstände, die wir kennen – nicht nur als Journalisten, sondern als Menschen. Abstieg, Altersarmut, Abbau von Leistungen? Gibt es ja. Auch für uns. Kann es sein, dass wir gerne die Augen verschließen ausgerechnet vor den Krisen, die uns auch blühen, um nicht auf eine Stufe mit denen zu sinken?

Wir müssen zeigen: Wir sind auch nicht zufrieden mit dem, was läuft. Wir wollen auch Veränderung. Und wie ihr: zum Guten. Wir müssen also mutiger sein, die großen Fragen zu stellen, denn genau das tun die Menschen gerade. Die Linke vernachlässigt die Menschen seit langem. Haben wir darüber wirklich genug berichtet?

6.

Dazu muss man genauer hinschauen, was wirklich wichtig ist: Was kann Politik eigentlich, was nicht? Was sind die Kausalitäten, was ist Folge, was ist Ursache? Was sind die relevanten Fragen und Konflikte, von denen wir berichten müssen? Was ist nur Lärm? Gabor Steingart sagte im „Presseclub“: „Wir Journalisten empören uns zu sehr über Menschen und zu wenig über Zustände.“ Also kümmern wir uns um die Zustände, die Menschen hart machen, und nicht erst um die harten Worte, denen sie dann folgen.

7.

Die Neuro-Linguistin Elisabeth Wehling sagte im Juni der „Zeit“:

Donald Trump benutzt fast nur Wörter der „basic level cognition“. Das sind solche, die wir als Kind als Erste lernen. Zum Beispiel sagt er nicht: Wir werden die Migration aus Mexiko eindämmen, sondern: Wir bauen eine Mauer. Da haben wir sofort ein Bild vor Augen.“

Ihr Fazit: Er spricht wie ein Viertklässler. Oder, in seinen Worten: „I have the best words.“

Wir brauchen die besseren Wörter. Wir müssen klarer sprechen. Weniger Fremdwörter, mehr sinnliches Vokabular, mehr Bilder. Also eigentlich genau das, was wir immer schon versuchen.

8.

Das fängt im Politischen vor allem damit an, sprachlich präziser zu werden und grobe Etiketten zu vermeiden. In den USA spricht man von „White Trash“. Bei uns heißen Menschen, die Angst vor Fremden haben: „Nazi“.

Rassisten sollte man Rassisten nennen, und Rechtsextreme Rechtsextreme, aber so wie „besorgte Bürger“ ein unerträglicher Euphemismus war für die wütenden Islamhasser von Pegida, so ist „Nazi“ so etwas wie eine Keule, die das Gegenüber in zwei Silben komplett delegitimiert.

Menschen, denen man über die Bande Holocaust das Recht abspricht, eine Meinung zu haben, werden sich einen Weg suchen, trotzdem im Diskurs stattzufinden. Zur Not eben lauter, fieser, falscher. Nicht umsonst hört man immer wieder von ihnen, sie fänden es schlimm, dass man „nicht einmal gegen Merkel sein“ könnten ohne in „die braune Ecke“ gestellt zu werden. Sie haben Recht.

Das falsche Verwenden von Begriffen geht durch alle Ebenen und kommt gerne auch von links. Jakob Augstein beispielsweise redet seit Monaten von einer „rechten Revolution“, als ob es gewaltsame Umstürze gäbe. Jetzt nennt er Trumps Wahl „Faschismus“. Begriffe so zu verwirren ist intellektuell verbrämte Polemik zwecks publizistischer Deutungshoheit, also nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems.

Die Vokabeln „rechts“, „rechtsextrem“ und „rechtsradikal“ werden von vielen Medien willkürlich und synonym verwendet. Ebenso wird momentan alles „Populismus“ genannt, was politisch nicht in den Kram passt, und „Propaganda“, was einen richtig ankotzt. Propaganda machen immer die anderen, Populismus sowieso. Es gibt sehr gute Populismus-Definitionen und Abhandlungen. Wir sollten sie lesen und verstehen und benutzen. So wie alle anderen Wörter: wie scharfe Messer. Sonst schneiden wir uns selbst.

9.

Dabei hilft, besonnener zu sein. Wut-Journalismus hilft nur, uns selbst zu trösten. Er macht hässlich und müde. Weg damit.

10.

Sowieso: Cool bleiben. Nicht beim um sich selber Drehen schwindelig werden und umkippen. Und nicht zu viele Texte wie diesen hier schreiben und lesen. Keine 1001 weiteren smarten Essay vom Planeten Meta. Denn:

11.

Man kann Menschen und ihre Anliegen nicht über das kennenlernen, was sie auf Facebook posten oder wie ihr Bundesland in den Nachrichten dargestellt wird. Und andersrum müssen auch sie die Chance haben einen Berliner, Münchner, Hamburger Journalisten mit eigenen Augen zu sehen. Um zu merken, dass wir uns ähnlicher sind, als sie denken. Also müssen wir raus. Näher ran.

12.

Und dabei ehrlicher mit uns selbst sein. Hier erklären drei Trump-Wähler, warum sie Trump gewählt haben. Das zu lesen macht mich aggressiv. Einerseits, weil es so naiv ist und so vieles an seiner Person schönredet. Andererseits, weil sie leider an ein paar Stellen recht haben. Weil ich akzeptieren muss, dass sie nicht irre oder dumm sind. Sondern stellenweise zurecht enttäuscht, von Obama, der Globalisierung, ihrem Leben. Dass es unvernünftig von mir wäre, ihnen das Recht abzusprechen, sich für Trump zu entscheiden, weil ich nicht weiß, ob sie nicht doch ein paar gute Gründe dafür hatten.

13.

Das hat nichts mit einer gefährlichen Normalisierung von gefährlichen Positionen zu tun. Dass Politiker wie Trump eine Gefahr für Minderheiten sind, kann genau so wahr sein wie die Gründe, ihn eben doch zu wählen. Die größte Fehler, der momentan gemacht wird, ist ein striktes Richtig-oder-falsch-Denken. Zu oft lautet die Haltung: Ein Rassist kann nicht in einem anderen Punkt „Recht haben“. Dabei wissen wir doch eigentlich am besten, dass die Welt heute eben nicht schwarz-weiß ist. Wir denken doch, wir wären Spezialisten für die Graustufen?

Wenn der Populismus unsere moralischen Gewissheiten herausfordert, hilft es nichts, noch stärker auf der Absolutheit unseres moralischen Anspruchs zu beharren. Es ist genau so unvernünftig, jemanden total zu verdammen, weil er in einem Punkt inakzeptabel ist, wie dieses inakzeptablen Punkt total zu ignorieren. Und mit der eigenen Unvernunft ist man immer nachsichtiger als mit jener der Anderen.

14.

Sich selbst nimmt man immer zu ernst; die anderen zu wenig. Die amerikanischen Journalisten werfen sich und einander nun vor, Trump lange nicht für voll genommen – und ihm dann wiederum zu viel empörte Aufmerksamkeit geschenkt zu haben. Pörksen schreibt:

Sein Erfolg ist auch das Resultat einer radikal entpolitisierten Berichterstattung, die sich in der Inszenierungskritik erschöpft und nicht die Ideologie eines Kandidaten demaskieren, sondern Fragen der persönlich-privaten Integrität diskutieren und Charakteranalyse betreiben will. (…)

Dies war auch ein Wahlkampf, in dem selbst die Qualitätsmedien Politikberichterstattung durch eine Form der schmutzigen Psychologie und der freihändigen Ferndiagnose ersetzt haben. Trump sah dabei oft alles andere als gut aus, gewiss. Aber er hat im Letzten von der Entpolitisierung und dem Paradigma psychologisierender Privatheit profitiert, das diesen Wahlkampf geprägt hat; denn nun ging es um allgemein menschliche Fehler, nicht um elementare Kompetenzmängel. Nun ging es um Stil- und Inszenierungskritik, nicht mehr primär um Weltanschauung und die Programmatik des ökonomischen Isolationismus, die Zukunft der Nato, die Zerschlagung von Obamacare, den Klimawandel, die Folgen der beiläufig verkündeten Deportationspläne für illegale Einwanderer. Am Ende brüllten alle Seiten aufeinander ein, vereint in der unbedingten Gewissheit, dass der andere einen schlechten Charakter habe und eben deshalb nicht für das höchste Amt infrage käme.“

Dabei bieten die Trumps dieser Welt viele Angriffsflächen. Aber man muss sie eben erst einmal ernst nehmen, um Treffer landen zu können. Jemand will einen Zaun um Deutschland bauen? Okay, nehmen wir mal an, wir bauten einen Zaun. Was würde der kosten? Was würde der unserer Wirtschaft schaden? Wie fänden das die Menschen an der Grenze, die Reisefreiheit im Alltag gewohnt sind? Wie hielte man die ab, die nicht rein dürften? Mit warmen Worten? Mit Gewalt?

Über solche Forderungen wird zu selten ernsthaft gesprochen. Zu selten werden die Schreihälse beim Wort genommen. Wir fordern ausgerechnet die Rechten zu wenig. Letterman entlarvte Trumps Doppelmoral, einen Handelskrieg mit China zu fordern, aber seine Klamotten dort produzieren zu lassen, mit vier Wörtern: „Where are they made?“ Erst einer schaffte es hier, die AfD zu stellen: Tim Sebastian für die Deutsche Welle. Frauke Petry kam ziemlich ins Schwimmen, dabei fragte er nur konsequent ihre Positionen ab.

Warum gibt es solche Videos nicht einmal die Woche? Sollen sie doch alle kommen, in die Talkshows, auf die Podien. Wir haben doch Leute, die sie inhaltlich stellen können, bis es ihnen im Rampenlicht zu heiß wird, oder? Wir müssen die Neue Rechte erst ernster, dann auseinander nehmen.

15.

Ein Teil der Wahrheit ist auch: Die AfD, die Identitären, Pegida sind gut für Journalisten. Jeder Aufreger bringt Klicks, füllt Zeitungsseiten und Sendeminuten.

Statt ihre Köder zu ignorieren, schnappen wir berechenbar zu, schlagen zurück, spielen mit ihren Beißreflexen und sie mit unseren. „Über das Stöckchen springen“ nennen wir das. Und tun es immer wieder.

Gleichzeitig verbreiten wir auch Fakes, so wie das ewige Trump-Fake-Zitat, in dem er angeblich die republikanischen Wähler als „dumm“ bezeichnet. In den letzten Wochen habe ich es von Dutzenden Journalisten verbreitet gesehen. Es gibt jetzt viel zu viele Artikel über die Reize von Melania Trump über dies und das und jenes, und nicht über die echten Probleme.

16.

Dabei gibt es auch eine Menge neuer, guter Geschichten zu erzählen. Was ist mit Social Bots, den Russen, den Hintermännern? Wo kommt das Geld her? Wer betreibt die Fake-Seiten? Investigative Recherchen wachsen am Gegner.

17.

Genau so gibt es neue, alte Instrumente. 2008 wurde Obama Social-Präsident. 2016 ist Facebook schuld an Trump? Wir müssen die digitalen Netzwerke besser nutzen. Mario Barth hat 2.117.862 Facebook-Fans. Denen kann er erzählen, was er will. Wir müssen aufholen.

18.

Nichtwähler. Sie hätten ihren eigenen amerikanischen Präsidenten gewählt, mit großer Mehrheit. Wie bekommen wir sie zum Wählen?

19.

„Es herrscht große Unruhe unter dem Himmel. Die Lage ist also ausgezeichnet.“ So zitierte Slavoj Zizek (notiert von Phillip Oehmke im „Spiegel“) den chinesischen Revolutionsführer und Massenmörder Mao Zedong vergangene Woche in New York, am Tag nach Ihrwisstschon. Diesen Galgenhumor und die gratis mitgelieferte Haltung sollten wir uns zu eigen machen. Lachen hilft. Vor allem im Dunklen.


Es gibt viel zu tun. Wir haben zehn Monate Zeit, einen deutschen Trump zu verhindern, oder, eine Nummer kleiner: Wir können die 20, 30 Prozent AfD verhindern.

Und ja, in dem Satz „Wir können verhindern“ liegt schon wieder eine Selbstüberschätzung oder Arroganz. Als müsste man die ungezogenen Wähler einfach nur wieder ordentlich erziehen. Unser Einfluss ist womöglich doch viel kleiner, als wir immer dachten. Und ich als weißer Hetero-Mann muss mich erst einmal nicht sorgen, verfolgt zu werden, habe also leicht Weiterreden. Diejenigen, die von den gefühlten Opfern wieder wie früher zu echten Opfern gemacht werden sollen, müssen wir voll unterstützen.

Aber ich bin fest überzeugt: Menschen sind am stärksten, wenn sie an etwas glauben. Wenn sie wissen, warum sie tun, was sie tun. Trump hat uns das demonstriert. Wenn wir also nicht sofort hinschmeißen wollen, wenn wir irgendetwas bewirken wollen bis zum September 2017, brauchen wir eine Erzählung, die so stark ist wie seine und die seiner deutschen Wiedergänger. Aber eine, die FÜR etwas steht, und nicht nur GEGEN.

Und wir müssen so effektiv werden wie die Breitbarts dieser Welt. Wir brauchen eine bessere Geschichte. Und wir müssen sie besser erzählen. Der Journalismus muss sich verändern, mit dieser Geschichte als Bass, der den Druck macht. Und wir Journalisten als Erzähler müssen uns verändern.

Es ist eine seltsame, unruhige, ermüdende Zeit. Aber was machen Menschen immer schon, wenn Unheil aufzieht? Sie rücken zusammen und erzählen sich etwas. Es ist also auch die Zeit der Geschichtenerzähler. Es ist unsere Zeit.

P.S. Ich habe kein Mal „Filterblase“ geschrieben.

45 Kommentare

  1. Dieser Text ist eine gute Illustration davon, dass sich auf absehbare Zeit nichts an der Unversöhnlichkeit der Meinungen und der Polarisierung der Lager ändern wird. Der Autor schreibt nicht aus einer Position eines neutralen, kritischen Beobachters heraus, sondern als Teil einer Gruppe, die sich immer schon im Recht fühlt. Die ein recht homogenes, linkes Weltbild hat, dass sie a priori von Fakten gedeckt sieht, während sie jede „rechte“, i.e. konservative Weltsicht für „postfaktisch“ hält. Demagogen (der Begriff „Populisten“ sollte nun dringend ad acta gelegt werden) gibt es entlang des ganzen Spektrums, von Augstein bis Breitbart. Vielleicht täte es einer überwiegend linken Journalistenzunft gut, anzuerkennen, dass die Welt nicht erst dann in Ordnung ist, wenn sie alle Andersmeinenden zu ihrer Weltsicht bekehrt haben. Dass Pluralismus etwas Gutes ist. Dass manchmal die eine, dann wieder die andere Seite die Oberhand hat. Dass Journalisten womöglich sogar wieder an Ansehen gewinnen, wenn sie sich nicht als Aktivisten für die eine Seite verstehen, sondern unvoreingenommen über beide Seiten berichten. Solange „wir“ glauben, nur die „bessere Geschichte“ erzählen zu müssen, werden die Leute weiter glauben, dass wir ihnen einen Bären aufbinden. In dem obigen Artikel stehen viele richtige Sachen (die für Journalisten eigentlich selbstverständlich sein sollten). Natürlich ist es unsere Aufgabe, Demagogen zu demaskieren, simple Narrative zu entlarven und Fakes mit Fakten zu widerlegen. Aber eben bei Roth und Wagenknecht genauso wie bei Trump und Farage. Bei der „Euro-Rettung“ genauso wie bei der Brexit-Lüge. Bei Regierungs-Schönsprech zur Flüchtlingskrise genauso wie bei Trumps „Wall“. Zu viele Journalisten verstehen sich als Kämpfer für Links gegen Rechts, anstatt mit Besonnenheit und guten Recherchen gegen Vorurteile und Vereinfacher zu kämpfen.

  2. Lieber Herr Karig, danke für die gut durchdachten und gut aufgeschrieben Ratschläge – prima. Sie beleuchten den Inhalt des Gefäßes, der sich ändern muss. Ich glaube, dass es andersherum funktioniert – ein anderes Gefäß muss her, damit sich auch der Inhalt ändern kann. Warum? Die Welt ist politisch und gefühlt deshalb auch sozial aus den Fugen geraten, weil sich die Politik/Sozialpolitik immer tiefer unter die neo-liberale Wirtschaft beugen muss. Damit hat sie überall sehr stark an Handlungsfähigkeit eingebüßt. Das fühlen sozial-sensible Menschen – versuchen sich zu wehren, stellen fest, dass ihnen niemand mehr wirklich zur Seite steht und radikalisieren sich. Gegen wen? Gegen das Establishment, das aus all jenen besteht, die noch etwas zu sagen haben. Die Sache mit dem Journalismus ist einfach: Gelänge es, in den „tagesthemen“ einen starken Staat vorzuführen, der Apple zwingt, seine Steuern zu bezahlen, der das ewige Ertrinken in der Adria stoppt, der den Krieg in Syrien endlich beendet und – der Erwerbsarbeit im Vergleich zu „Geldarbeit“ wieder in ein akzeptables Verhältnis setzt. Fazit: Ja, Sie haben recht – ein guter Journalismus ist einer, der spannende positive Geschichten erzählt. Nur die können eben nur geschrieben werden, wenn es solche gibt.
    Was können Medien also tun, um zu einer beruhigten, zufriedeneren weil ausgeglicheneren Welt zurückzukehren? Sie sollen sich nicht Häppchen-schnappend darüber aufregen, dass der Bundespresseball Frau Petry in diesem Jahr ausgeladen hat (denken Sie einmal darüber nach, was so eine breit gestreute Meldung der Leitmedien in den Köpfen der Leute macht). Nein – die Medien sollen mit aller Macht und Aufdringlichkeit permanent die Politik daran erinnern, dass sie sich den Primat über die Wirtschaft zurück erobern muss.

  3. Vielen, vielen Dank für diesen Text, den ich sicher mehrmals lesen muss.
    Ein Wort fehlt mir: Differenzieren. Wenn wir differenzieren, sind wir besonnen, auch wenn wir wütend sind. Ich war bis letzte Woche ein großer Fan von Besonnenheit. Aber ich finde, dass wir wütend sein dürfen und uns streiten müssen (Ein „wir“ , wie in Kommentar 2 bemängelt, ist unausweichlich, weil es die in Kommentar 1 geforderte „neutrale Position“ nicht gibt). Wir müssen nur differenzieren.
    Beispiel: Hier wirfst du Augstein vor, „hohl zu drehen“. https://twitter.com/f_karig/status/797506940095954944
    Was Augstein aber in dem zitierten Facebookpost macht: Er vereinfacht – auch aus meiner Sicht – auf gefährliche Art. Das als hohl zu bezeichnen, ist bei aller gerechtfertigten Wut nicht sehr differenziert und genauso wenig zweckdienlich.
    (zum Thema Wut ein wenig Eigenwerbung: https://twitter.com/SchumachR/status/798139723160100864 )

  4. @Simon
    „Pluralismus“ ist für Sie also, wenn jemand mit sexuellem Missbrauch protzt und gleichzeitig alle Mexikaner als Vergewaltiger bezeichnet.

    Süß.

    Kleiner Tipp: nein, wir müssen nicht alles zulassen – zumindest nicht unwiedersprochen. Auch Sie können heute überhaupt nur deshalb offen reden, weil unsere Vorfahren manche Dinge für inakzeptable hielten.

    Wieso kommen von Leuten wie Ihnen eigentlich immer die Forderung, doch alle Meinungen zuzulassen – während Sie gleichzeitig über die Meinung eines anderen motzen?
    Sind alle Meinungen okay? – Gut, dann ist es auch dieser Artikel.
    Sind sie es nicht? – Okay, dann kann der Autor doch wohl guten Gewissens sagen, dass für ihn bestimmte Meinungen nicht okay sind.

  5. Danke für diesen Beitrag, an dem ich fast alles unterschreiben kann, von der Analyse der Wähler selbst bis zum Kernproblem der Medien, dass der Fokus auf die (vermeintlichen) Charaktere der Kandidaten statt auf ihre Inhalte am Ende Trump geholfen hat, und die „heuteshow-isierung“ der Politikberichterstattung hierzulande am Ende der AfD mehr nützen als schaden wird.

    Am Wichtigsten finde ich Punkt #3, mehr Fact-Checking zu betreiben. Vor der Bundestagswahl gab es ein Factchecking-Angebot vom ZDF und eine Kolumne von Spiegel online, die beide leider nicht weitergeführt wurden. Warum gibt es das nicht dauerhaft? Wichtig beim Factchecking ist aber (in Anlehnung an Deinen Punkt #13), zwischen verschiedenen, prinzipiell legitimen Positionen und Argumenten einerseits und klar als wahr/falsch verortbaren Tatsachenbehauptungen andererseits zu unterscheiden.

    Ebenfalls sehr wichtig ist #16, die investigative Recherche, und gerade hier sehe ich die Öffentlich-Rechtlichen in der Pflicht, denn meistens rechnet“ sich Investigation nicht. Entweder die Geschichte geht unter, oder jeder schreibt sie ab, Focus online sowieso. Meinung und „übergeigtes“ Clickbaiting ist dagegen schnell produziert und bedient verlässlich ein klickfreundliches Publikum. Und Recherche ist eine essentielle Grundlage für oben genannte Faktenprüfung.

    Ein bisschen problematisch finde ich die Forderung nach leichter verständlicher und präziserer Sprache. Denn das ist in der Realität oft ein Widerspruch; ein präziserer Begriff ist qua definition seltener und damit schwerer verständlich. In vielen öffentlich-rechtlichen Programmen ist mir in den letzten fünfzehn Jahren ein deutlicher Niedergang des Sprachniveaus aufgefallen, der offenbar die Verständlichkeit verbessern soll, aber tatsächlich das Gegenteil erreicht, da zu viel Präzision verloren geht. Am Ende braucht es beides, sowohl die präzisen, dafür nicht völlig allgemeinverständlichen Berichte, als auch die verständlichen Berichte, in denen allerdings sprachliche Vereinfachung keine Entschuldigung für schlampigen Umgang mit Inhalten und Tatsachen sein darf.

  6. @Earonn: Lesekompetenz wäre auch schon mal ein Anfang. Mein Statement zielte darauf, dass es Aufgabe von Journalisten sei, Demagogen aller Couleur gleichermaßen zu demaskieren. Mir ist schleierhaft, wie Sie darauf kommen, dass ich Diffamierungen tolerieren wollen würde. Eine pauschale Beleidigung einer ganzen Gruppe ist keine Meinung, egal ob es um Mexikaner oder um Sachsen geht. (In Meinungsbeiträgen auf Formulierungen wie „Leute wie Sie“ zu verzichten, wäre übrigens auch ein Beitrag zur sachlichen Debatte und zur Ent-Pauschalisierung). Und obiger Artikel ist natürlich „okay“, ich bin nur anderer Meinung.

  7. @Simon
    Ihr Text:
    „Vielleicht täte es einer überwiegend linken Journalistenzunft gut, anzuerkennen, dass die Welt nicht erst dann in Ordnung ist, wenn sie alle Andersmeinenden zu ihrer Weltsicht bekehrt haben. Dass Pluralismus etwas Gutes ist.“
    Darauf bezog ich mich.

  8. „Die Linke vernachlässigt die Menschen seit langem. Haben wir darüber wirklich genug berichtet?“

    Das wird leider nicht ausgeführt. Was meinen Sie damit? Fände ich spannend zu erfahren.

  9. @JMK
    Es erweckt den Anschein, als wolle hier nur zu einer beliebigen Meinung bekehrt werden.
    Hier geht es jedoch nicht um die Frage, welches Ihr Lieblingscharakter im Herrn der Ringe ist, sondern um Dinge wie Menschenrechte.

    Ich bin sicher, Sie verstehen den Unterschied, sobald Sie zusammengeschlagen werden, weil ein Präsident eine Gruppe, der Sie angehören, als „alles Vergewaltiger“ gebrandmarkt hat, oder der sexuelle Missbrauch Ihres Körpers als „Locker Room Talk“ abgetan wird.

    Überdies nochmal die Frage:
    wenn „die Welt nicht erst dann in Ordnung ist, wenn sie alle Andersmeinenden zu ihrer Weltsicht bekehrt haben“, wieso dann überhaupt Kritik am obigen Artikel? Soll da etwa jemand zu einer anderen Weltsicht bekehrt werden…?

  10. @ 13: danke für ihre offenen, dogmatischen Worte.
    Sie zeigen uns in einer Nussschale, dass Simon mit seiner Kritik ins Schwarze trifft.

    btw, zum üben: ersetzen sie mal *Vergewaltiger* durch *Nazis*

  11. Die Mehrheit der Wähler im „Rust Belt“ hat die Demokraten gewählt, als der Kandidat schwarz war, und sie hat nicht mehr Demokraten gewählt, als die Kandidatin weiß war.
    Ist es unter diesen Umständen intelligent, klug, fair und korrekt, die Wahl in erster Linie unter dem Gesichtspunkt der Rassenfrage zu analysieren und die Mehrheiten in Staaten als „rassistisch“ zu bezeichnen, die man vor 4 oder 8 Jahren noch als „progressiv“ gefeiert hat?
    Es scheint aber genug Politiknachwuchs zu geben, der nichts anderes mehr auf der Pfanne hat, als Rassismus-, Sexismus- und Xismusvorwürfe. Unfähig, echte Interessen zu erkennen, zu vertreten und in Angebote zu gießen, darf man sich dann nicht wundern, wenn man Wähler (oder Leser) nicht mehr gewinnen kann. Dann machen das eben andere.
    Es ist eigentlich ganz einfach: dass ein Trump mit einem dürftigen Angebot gewinnen konnte, ist ein Hinweis darauf, dass das Gegenangebot nicht unbedingt überzeugender war. Und diese Situation ist tatsächlich in Deutschland ganz ähnlich.
    Aber selbst eine solche Analyse steht ja heute schon außerhalb des Erlaubten: Wer vor der Wahl offen ausgesprochen hat, dass die Wahl zwischen Trump und Clinton eine Wahl zwischen Pest und Cholera war, hat nicht nur einhellige Empörung (huch, das angeekelt empörte Gesicht dieser vertrockneten Lobbyistin Stelzenmüller war ja echt zum Fürchten!) in der Talkrunde geerntet, sondern am nächsten Morgen auch in fast allen Kommentarspalten.
    Woher kommt nur diese irre Gleichschaltung, dieser Zwang, einen von zwei Kandidaten unbedingt gemeinsam unbedingt besser finden zu müssen, wenn es noch nicht einmal um eine Wahl im eigenen Land geht? Wie soll das besser werden, wenn es um die Macht im Bundestag geht?
    „Welche setzen wir dagegen?“
    Wer ist „wir“? Ist es dasselbe Wir, in dem auch Frau Stelzenmüller Platz hatte? Wo kommt die Idee her, dass es hier ein riesengroßes Wir (gegen die) geben muss? Ich hoffe doch sehr, dass wir in den nächsten 10 Monaten etwas mehr Differenzierung, etwas mehr Vielfalt sehen werden als in den vergangenen. Von einer Auseinandersetzung „Rassismus oder grenzenloses Gutsein“ würde ich abraten: sie könnte ins Auge gehen. Es soll dann aber keiner sagen, er habe das nicht ahnen können.

  12. „nicht einmal Filterbubble geschrieben“
    Dennoch aus dieser heraus den Artikel verfasst. Was völlig legitim ist, niemand kann sich aus seiner Filterbubble oder Peer Group (you name it) lösen.
    Deshalb stört mich auch dieses undefinierte „wir“. Offensichtlich werden eher linke Journalisten angesprochen.
    „Wer ist „wir“? Wir sind alle, die noch daran glauben wollen, dass die Feder mächtiger ist als das Schwert, das die Neue Rechte gerade schärft. “
    Das sehen halt Journalisten von Welt, Cicero, FAZ gänzlich anders und heißen eine neue Rechte willkommen.
    „Es gibt viel zu tun. Wir haben zehn Monate Zeit, einen deutschen Trump zu verhindern, oder, eine Nummer kleiner: Wir können die 20, 30 Prozent AfD verhindern.“
    Nun ist das nicht die Aufgabe von Journalismus, jemanden zu verhindern oder in Amt und Würden zu hieven.
    Siehe auch Punkt 18:
    „Nichtwähler. Sie hätten ihren eigenen amerikanischen Präsidenten gewählt, mit großer Mehrheit. Wie bekommen wir sie zum Wählen?“
    Mir scheint, es wird Politik mit Journalismus verwechselt. Was ja en vogue ist. Meinungsjournalismus. Der Bulldozer im Dschungel der Berichterstattung.
    Hieß früher Kommentar und sollte auch genau dahin wieder zurück.
    Genau das ergibt den Backlash den wir zur Zeit sehen und den die AfD groß machte (unter anderem).
    Da liegt schon das Problem: Diese Distinktion schließt „Kollegen“ per se aus. Warum?
    Ich als links-liberaler, der die letzten Jahre immer die Linke gewählt hat finde mich als Konsument weder bei Welt noch bei TAZ zuhause.
    Das Bedürfnis sachlich, umfassend und vor allem ideologiefrei (schlimmes Wort) informiert zu werden wird kaum befriedigt.
    Ich habe weder Zeit noch Lust jeden TAZ-Artikel gegen zu checken, weil ich von vorneherein weiß, dass einigs weggelassen oder beschönigt wurde.
    Ich möchte keine „Geschichtenerzähler“, zumindest nicht im politischen Umfeld, ich möchte Argumente hören, keine ideologisch verbrämten Behauptungen.
    Ich möchte Debatten lesen, ich möchte mir Meinungen selber bilden. Vor allem möchte ich die Gewissheit haben, dass ich als Leser nicht verarscht werde.

    Das wird in Punkt 4 schon angerissen, aber nicht zu Ende gedacht. Wie sollen sich Perspektiven erweitern. Kein Schalter der sich umlegen lässt. Ein Hohelied auf Seehofer in der Jungle World, ein wohlwollendes Portrait von Claudi Roth bei Tichys Einblick? Die Fronten scheinen sich eher zu verhärten, denn zu lösen.
    Schönes Wishful Thinking, aber leider unpraktikabel. Deshalb: die Mitte stärken, die Meinungspluralisten fördern, die noch offen sind. Wobei ich da für die Zukunft schwarz sehe, wenn ich nur dran denke, dass Bento oder Ze.tt die Zukunft des Journalismus sind oder auch nur sein könnten.
    Fragen stellen und nicht schon vorm Schreiben beantwortet haben. Nicht vom Ende denken, was der Leser gerne lesen würden, welche Klientel bedient werden soll, sondern frei und offen Themen angehen.

    Zu Punkt 12: Da ist es wieder das Vorführen. Trumpwähler, die etwas lustig, peinlichen, Angst machenden Menschen. Warum kam niemand auf die Idee mal drei Clintonwähler zu portraitieren. Auch wenn die Protokolle neutral und sogar sympathisch wirken, erzeugen sie dennoch das Gefühl hier eigentlich Menschen außerhalb des Systems zu sehen, die dann doch gar nicht so schlimm sind.
    Wird in Deutschland auch gerne mit Hartz IV-Beziehern oder Landwirten oder Behinderten gemacht.

    „Und wir müssen so effektiv werden wie die Breitbarts dieser Welt. Wir brauchen eine bessere Geschichte. Und wir müssen sie besser erzählen.“
    Die Breitbarts der Welt sind nicht das Problem, sie sind laut, sie sind schrill und deren Leser sind wohl so loyal wie ein Meerschwein seiner Gurke gegenüber. Also gar nicht.
    Das Problem sind die Von Altenbockums oder die Stokowskis dieser Welt, die scheinbar seriös argumentieren, deren „Fans“ sich schön bestätigt fühlen in ihrer weltlichen Grundeinstellung die so schmal ist wie ein iphone dick.
    Für die Aufnahme für mehr Flüchtenden: linksgrüner Gutmensch.
    Gegen Frauenquoten: faschistischer Maskulist.
    „Wir“ müssen mehr Argumente austauschen, verbal abrüsten und vor allem zuhören.
    Um aus einem aktuellen Video zu zitieren:
    „And if my mansplaining is triggering you, you can either fuck off to your safe space or you can engage and debate me and tell me what I’m getting wrong. Being offended doesn’t work any more. Throwing insults doesn’t work any more. The only thing that works is fucking bothering, doing something, and all you have to do is engage in the debate. „

  13. @4: Ich meine „hohldrehen“ nicht im Sinne von „hohl“ = „dumm“, sondern wie die sprichwörtliche Schraube, die nicht mehr greift, wiel sie zu oft und/oder zu stark gedreht wurde. Sprich: Ineffektiv, zwecklos, fast sinnlos.

  14. @5 und 17:

    Das „wir“ definiere ich wie folgt, vielleicht ist das untergegangen:

    „Wer ist „wir“? Wir sind alle, die noch daran glauben wollen, dass die Feder mächtiger ist als das Schwert, das die Neue Rechte gerade schärft. Wir sind die liberalen Sender, die lange dachten, die Liberalisierung ist ein Naturgesetz, und wir müssten nur ihr Tempo regulieren, und deshalb so etwas wie Trump nur für möglich hielten als Horrorclown in den smarten Satiren, die wir uns gerne anschauen, um sie dann meta-ironisch unter unseresgleichen zu kommentieren.“

  15. EARONNs Reaktion auf Simons Beitrag ist der Grund, weshalb Leute wie Trump oder Bachmann Anhänger finden. Da ruft einer zu neutralem(!), sachlichen Journalismus auf, der an Demagogen aller Richtungen den gleichen Maßstab anlegt, statt für seine Sache zu schreiben, und wird dafür in eine gewisse Ecke – Zitat “ von Leuten wie Ihnen“ – gestellt.

    Solange dies das Selbstverständnis der deutschen Massenmedien ist, wird sich nichts ändern.

  16. @Andreas Müller: Sie glauben ernsthaft, eine Analyse, dass die Bürger der USA die Wahl zwischen Pest und Cholera hatten, „außerhalb des Erlaubten“ steht? Und wäre die Reaktion von Frau Stelzenmüller für Sie erträglicher gewesen, wenn sie keine „vertrocknete“ Frau wäre?

    Woher kommt nur diese irre Gleichschaltung, dieser Zwang, einen von zwei Kandidaten unbedingt gemeinsam unbedingt besser finden zu müssen, wenn es noch nicht einmal um eine Wahl im eigenen Land geht?

    Diese irre Gleichschaltung gibt es nur in Ihrem Kopf. Was es gibt, sind viele Leute, die, ganz ohne Zwang, der Meinung waren, dass es da die Wahl zwischen Pest und einem fiesen Migräne gab. Und die sich Donald Trump ansahen und wussten, wen sie „besser fanden“, ohne das Gefühl zu haben, dass ihnen jemand sagt, wen sie „besser finden müssen“.

  17. Ich habe eine ganz grundsätzliche Frage an die Journalisten hier: Halten Sie es für Ihre Aufgabe, Ihre Leser zu informieren und über Ereignisse zu berichten – oder wollen Sie Ihre Leser erziehen beziehungsweise von Ihrer eigenen politischen Meinung überzeugen?

  18. Die Sache mit dem neuen Journalismus geht ganz einfach, zur Zeit leben noch genug der alten Journalisten, die wissen, wie es geht, fragt die halt einfach, bevor sie sterben. Früher machte es echt Spaß, Zeitungen und Magazine zu lesen, es geht.

  19. Dass die Berichterstattung über den US-Wahlkampf sich mehr an Personen als an Inhalten orientierte, mag daran gelegen haben, dass der Wahlkampf sich auch an Personen orientierte.

    Ich hätte als US-Bürger Clinton gewählt, weil ich politisch den Demokraten deutlich näher stehe und weil ich denke, dass sie „mein Land“ besser repräsentiert hätte.
    Ich habe aber z.B. Stimmen gehört, dass man als Frau Clinton hätte wählen „müssen“. (Wenn ja, hätte sie schon rein mathematisch gewonnen.) Ok, es wäre schön, wenn mal eine Frau die USA regierte, aber hätte man „als Frau“ oder „als Feminist“ sagen wir Frau Palin gewählt, wenn die Republikaner sie aufgestellt hätten und die Demokraten irgendeinen Mann?
    Nicht unbedingt, sage ich mal.
    Und ich habe Verständnis, wenn eine Frau sagt, dass sie keine „machtgeile Karrieretussi“ wählt, nur weil sie eine Frau ist.
    Ein wichtiger Einwand gegen Clinton wäre mMn auch, dass im Falle ihrer Wahl die USA über 30 Jahre lang von Angehörigen von nur 3 Familien geführt worden wären. Es gab in der Geschichte Adelsrepubliken, in denen mehr Wert auf Machtverteilung gelegt wurde, und die hatten keine 240 Mio. Einwohner.

    Aber es wäre wirklich interessant, Trump- und Clinton-Wähler zu vergleichen, ohne „wie blöd muss man sein“-Einstellung. Oder ohne „meine tragischen Helden“-Attitüde.

  20. Ohmann, da gäbe es viel zu sagen. Gar nicht mal zu widersprechen, sondern um zu diskutieren, die Vorschläge auszuentwickeln, sozusagen. Viele der Vorschläge halte ich für nicht so ganz zu Ende durchdacht.

    Nehmen wir ein Beispiel: Die Trumps dieses Planeten Ernst nehmen (14) und dann diskutieren, was eine angekündigte Mauer kosten würde.

    Ja, das ist natürlich auch wichtig irgendwie. Aber der Vorschlag, eine Mauer um ein Land zu errichten, ist ja noch nicht einmal deshalb abzulehnen, weil das zu viel kostet, sondern weil das auch als politische und ethische Entscheidung ein Schritt in die falsche Richtung wäre. Ich habe die Sorge, dass man dann die Diskussion verlagert, sich sozusagen auf das Diskussionsniveu einlässt, das jemand setzt, der gar nicht diskutieren will.

    Ein Beispiel: Es könnte sein, dass ein Pharmakonzern eine wirklich wirksame Wahrheitsdroge entwickelt, deren Produktion allerdings unfassbar aufwändig ist. Die benötigte Dosis, um einen Straftäter damit die Wahrheit im Verhör entlocken zu können, wäre also sagenwirmal „sauteuer“. Wenn nun jemand den Vorschlag macht, wir werfen das „nemo tenetur“-Prinzip über Bord und machen die Wahrheitsdroge zum festen Bestandteil des Verhörs, denn für unsere Sicherheit ist es ja allemal zielführend, wenn wir Straftätern künftig immer die Wahrheit entlocken können, wäre das ein Vorschlag, dem sinnvoller Weise auf dieser sachploitischen Ebene begegnet werden sollte? Wenn wir dann die Diskussion darauf verlagern, dass das ja schon deshalb nicht geht, weil das ja so teuer wäre, dann werden wir der Komplexität der Diskussion nicht gerecht. Wir würden die Diskussion über Grundprinzipien und Ethik vermeiden. Ob das auf Dauer günstig ist?

    Und da sind wir dann bei einem anderen Punkt: Dinge weniger komplex darstellen, einfachere Sprache verwenden.

    Hört sich gut an, aber was wenn einfach viele der Probleme komplex sind. Z.B: auch philosophisch, staatsrechtlich, verfassungsmäßig, ethisch. Was machen wir dann. Sind solche Überlegungen nicht mehr zumutbar?

    Und wer sich außerstande sieht, sich da reinzudenken, müsste der nicht am Ende sagen: Gottseidank, gibts eine repräsentative Demokratie. Muss ich mich nicht in alles so reindenken.

    Ist das nicht Teil des ganzen Problems – und vielleicht sogar ein ganz wichtiger – dass mehr Leute das gerade nicht so sehen, sondern sagen: „Ihr mit Eurem ständig übertriebenen Komplexitätsscheiss. Ausländer raus, was gibts denn da noch groß herumzuüberlegen.“ Ist das nicht so, dass diese Leute sich vielleicht neuerdings verstärkt an die Öffentlichkeit trauen, sich politisch plötzlich beteiligen wollen und deshalb auch Leute wählen, die dieser verintellektualiserten Debatte um alles, ein Ende bereiten wollen.

    Wenn das so wäre oder auch nur ein Aspekt des Problem, wäre es dann überhaupt zielführend, zu versuchen sich diesem Debattenniveau anzunähern und wäre dann der Versuch, solche Leute in die Diskussion zu integrieren nicht von vornherein weitgehend aussichtslos?

    Ich weiß ja auch nicht.

  21. @23 Stefan Niggemeier
    „Was es gibt, sind viele Leute, die, ganz ohne Zwang, der Meinung waren,…“
    Ich habe mir mal die übelsten Beispiele herausgesucht, die einen erheblichen Meinungszwang verraten:
    http://www.fr-online.de/tv-kritik/tv-kritik—anne-will—das-erste-wenn-lafontaine-den-trump-macht,1473344,34802216.html
    Stichworte: „den Trump machen“, „sich entblödete“, „demagogisch“.
    Zum Schluss hat dann noch „Deutschland ein Problem“, weil ein Teilnehmer einer Talkrunde nicht sagen kann, wen er wählen würde. Alles an diesem Kommentar ist betoniert, autoritär, totalitär, stalinistisch. Das wäre nun noch kein Problem, wenn es eben der Kommentar in EINER autoritären SPD-Zeitung oder im Bayernkurier wäre, aber es ist der Kommentar der DuMont-Redaktionsgemeinschaft, der neben der FR wortgleich auch im KSTA, in der Berliner Zeitung und in der MZ erschienen ist.
    Und dann muss man die BILD noch dazunehmen:
    http://www.bild.de/politik/inland/anne-will/oskar-lafontaine-hetzt-gegen-hillary-clinton-47997176.bild.html
    „Lafontaine hetzt gegen Clinton: „Die Wallstreet ist stärker als jeder Präsident. Clinton ist eine Kandidatin der Wallstreet und der Kriegswirtschaft. Sie hat das Libyen-Desaster zu verantworten.“
    Hetze ist es weiter oben im Text schon, Clinton als „Katastrophe“ zu bezeichnen. Trump darf selbstverständlich von jedem als „Katastrophe“ bezeichnet werden. Wer es nicht genug tut, macht sich sogar so verdächtig wie Lafo. Eine „Katastrophe“ kann also sowohl Hetze wie auch Quasi-Konsens sein. Es kommt allein darauf an, wer die Katastrophe ist. (vgl. oben unter #1 Simons Kommentar)
    Man erkennt an diesem Beispiel sehr schön, in welchem Ausmaß der Vorwurf der Hetze (das deutsche Pendant zu „Hatespeech“) als grundsätzlicher Angriff auf die Meinungsfreiheit zu lesen ist. Dabei sollte eigentlich absolut klar sein, dass solche verbalen Vorwürfe und Angriffe auf Spitzenpolitiker niemals „Hetze“ sein können, sondern immer der legitime Kern demokratischer Auseinandersetzungen sind.
    Ich konzediere gerne, dass es am 26.9. noch genug Kommentare zu dieser Talkrunde gab, die nicht so extrem waren. Aber die Reichweite dieser beiden stalinistischen Kommentare ist bedenklich genug.
    Wehret den Anfängen! Wir brauchen nicht mehr Journalisten, die das Volk erziehen, sondern mehr Journalisten, die wissen, was Meinungsfreiheit ist und wodurch sie wirklich bedroht wird: aktuell in erster Linie nicht durch Hetze, sondern durch Hetzevorwürfe.

  22. Es wird gelegentlich in den Kommentaren klar, worin die Unklarheit des Artikels liegt: Geht es um aufklärerisch orientierte Agitation – oder um differenzierte Berichterstattung, die zur Meinungsbildung von Bürger/innen beiträgt? Nur das Letztere hat es mit den Ideen von Habermas, Peirce u. a. zu tun.
    Weiterhin unterschätzt Herr Karig m. E. die Intelligenz der Bevölkerung, die von den jeweiligen Organisationsformen der Demokratie gestützt wird. Sollte Trump zu extrem agieren, ändern sich mutmaßlich die Mehrheitsverhältnisse in Repräsentantenhaus und/oder Senat. Es sieht bisher nicht so aus, dass T. die us-amerikanische Verfassung ändern wolle. Dann gäbe es das Widerstandsrecht usf.
    In der Bundesrepublik scheitert Fr. Petry am BVG, wie es bei Seehofer und Scheuer ebenfalls der Fall gewesen wäre, weshalb auch keine Klage erfolgt ist.
    Mithin muss eine Demokratie z. T. sehr scharfe Kontroversen aushalten. Ändert sich etwas an der Klimapolitik einiger wirtschaftlich dominanter Staaten der USA, wenn in Washington sogenannte Klimaskeptiker regieren?
    Also keine Panikgefühle …

  23. Ich bin da eher bei MAXIMILLION.

    Auch wenn ich mich in das „wir“ im Artikel gerne einschließen lasse, halte ich die genannten Punkte für nicht hilfreich.

    Beispiele:
    Punkt 3 (Factchecking): Meinen Sie wirklich, daran hat es in den USA gefehlt oder daran fehlt es bei uns? Es gab doch nun wirklich genügend „Factchecking“ Seiten in den USA — nur, es interessiert die Trump-Wähler nicht. Und genauso wenig interessiert es viele AFD Wähler. Und selbst wenn es diese Seiten gibt, werden sie sowieso nur als Teil der „Lügenpresse“ begriffen. Damit kommt man mMn nicht weiter.
    Und dann gibt es ja beim Factchecking auch noch generellere Probleme: leider sind viele Sachen nicht objektiv berichtbar. Zum Beispiel findet man zu der Frage, was eine Steuererhöhung bringt und was sie langfristig an wirtschaftlichen Auswirkungen hat je nach Experte 100 verschiedene Berechnungen.
    Oder um bei Ihrem Beispiel zu bleiben: Was würde denn eine Mauer kosten und was würde sie bringen (weniger Illegale, mehr Arbeit für Amerikaner oder eher teurere Waren?). Wer soll denn das rechnen können? Und was ist denn dann die „Wahrheit“?

    Oder der generelle Tenor Ihres Beitrages „Wir müssen einfacher sprechen und erklären“. Das ist ja keine neue Erkenntnis aber was bedeutet das denn? Sollen wir dem einfachen Bild der Rechtspopulisten ein einfaches „linkes“ oder „bürgerliches“ Bild entgegensetzen? Und wie soll das aussehen? Alle Ausländer sind gut? Mehr Muslime für unser Land? Die heutigen Probleme sind leider komplex und eben gerade nicht mit einfachen Wörtern zu erklären oder zu lösen. Ich wüsste nicht wie wir da eine „Gegengeschichte“ entwerfen sollen, die glaubhaft und sinnvoll ist.

    Sorry, ich finde in dem Essay nichts, was ich als hilfreich empfinde. Und nein, leider habe ich auch keine besseren Ideen. Ich fürchte fast, es wird darauf hinauslaufen dass wir in Zukunft auch in Europa vermehrt rechtspopulistische Regierungen bekommen werden. Und wir können nur alles dafür tun, dass es nicht so schlimm wird wie man befürchten kann und dass das nur eine Episode ist, die hoffentlich schnell wieder vorüber gehen wird (ja, das ist fatalistisch, aber derzeit sehe ich wirklich keine realistische Alternative).

  24. Wie bitte, Deutschland ist besser dran als die USA (Amerikaner sind was anderes), weil es hier ein funktionierendes öffentlich rechtliches System in den Medien gäbe. Das ist doch Scherz. Eventuell funktionieren im Sinne von Transportieren regierungsseitig gewollter Meinung (Atlantik-Brücke olé), schon lange nicht mehr im Sinne unabhängiger und neutraler Berichterstattung, was der eigentliche Zweck mal sein sollte. Wenn das die Basis des Autors ist, gute Nacht, den Job sollte #1 übernehmen, schnellstmöglich bitte

  25. @ 32 Hans Meyer
    Ganz richtig. Es ist ein fundamentaler Fehler, die Fähigkeit der angelsächsischen Gesellschaften zu unterschätzen, das Richtige zu tun, und sei es auf Um- und Irrwegen. Freiheit spielt dabei tatsächlich eine entscheidende Rolle, aber ihre Freiheit kommt von unten, nicht von oben, wie man hierzulande so gerne glauben will. Und der ÖR ist in einem Top-Down-System wie D natürlich ein Teil des Problems, nicht der Lösung.
    „Atlantik-Brücke olé“
    Diese Brücke funktioniert wohl nicht so einfach, wie viele sich das denken. Man muss auch die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass sich auf der Brücke ein deutscher Wahn breitgemacht hat, der jetzt mal wieder Kurs halten will, auch wenn alle anderen zu den Rettungsbooten eilen. Es ist doch auffällig, dass sich inzwischen buchstäblich alle Nachbarländer in deutschen Medien heftige Belehrungen abholen können (wenn sie Lust darauf haben). Passend dazu: https://twitter.com/ZDFheute/status/799298897093001216
    Der ÖR twittert den Größenwahn der Regierung ganz ohne #aufschrei
    Wir können zwar nicht Grenze sichern, aber Welt retten allemal. Wir wollen gar nicht (ab)hören, wie Obama über die Deutschen wiehert, wenn er wieder daheim ist.

  26. Ich möchte mich dem ersten Kommentar anschließen. Auch sehe ich die Wahl Trumps nicht unbedingt als Indiz dafür, dass er viele Menschen überzeugt hat. Er hat von den absoluten Zahlen her nicht deutlich mehr Wähler gewonnen als ein John McCain oder Mitt Romney. Hillary Clinton scheint, anders als Obama, es aber nicht geschafft zu haben, die Minderheiten ausreichend zur Wahl ihrer Person zu bewegen. Hier wäre mal Ursachenforschung interessant. Insbesondere, wenn man Trumps sexistische und rassistische Äußerungen berücksichtigt.

    Darüber hinaus könnte ich mir durchaus vorstellen, dass viele Menschen weniger Trump als Präsidenten haben wollten, als lieber Clinton zu verhindern. Allein ihr Wille, unbedingt eine Flugverbotszone in Syrien durchsetzen zu wollen, was eine militärische Konfrontation mit Russland wahrscheinlicher gemacht hätte, macht es mir schon verständlich, dass Menschen lieber Trump wählen. Wahrscheinlich hätten die USA unter ihr auch ihre bisherige Interventionspolitik fortgesetzt.

    Und das ist ein Beispiel für etwas, auf das ich in den letzten Jahren einfach nicht mehr klar komme. Da haben wir einen Trump, der während des Wahlkampfes unsägliche Kommentare von sich gegeben hat, sexistisch und rassistisch. Und das diskreditiert ihn für gefühlt 90% der Medien. Die logische Alternative soll dann aber Clinton sein, die zumindest das geringere Übel sei. Wie kommt es zu dieser Einschätzung? Ich empfinde eine dermaßen hohe Diskrepanz zwischen den Werten, die „der Westen“ predigt und dem was er letztlich tut, dass ich diese Einschätzung nicht mehr teilen kann. Da ist z. B. der Irakrieg – hundertausende Tote, Abu-Ghuraib, Uranmunition, alles begründet mit einer Lüge. Wer wurde dafür zur Verantwortung gezogen? Und wieso reicht es, wenn ein Peter Altmaier bei Maybrit Illner sagt, dass der Irakkrieg ein Fehler war und sicherlich nicht alle Probleme gelöst hat? Geht es zynischer?
    Drohnenmorde, die quasi Hinrichtungen ohne Gerichtsverfahren sind, regelmäßig mit einer hohen Zahl ziviler Opfern, bei denen Deutschlands mittels Rammstein hilft und von denen der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter auf keinen Fall will, dass man sie „Morde“ nennt. Guantanamo, ein Schandfleck für jeden Rechtsstaat. Völkerrecht? Spätestens seit Lybien brauchen wir keines mehr, hält sich sowieso keiner dran.

    Und was kann Clinton für all das? Meiner Meinung nach steht sie für eine Fortsetzung dieser Politik. Und sie steht für die Elite, oder nicht?

    Sie war für den Irakkrieg.
    Sie gilt als die treibende Kraft hinter der Lybien-Intervention.
    Clinton hat scheinbar kein Problem mit Drohnenmorden.
    Die Clintonstiftung bekam Spenden aus Saudi-Arabien und Katar. Soll ich als Wähler annehmen, dass diese beiden Länder sich einfach nur humanitär engagieren wollen?
    Clinton bekam Millionen von der Wallstreet und versprach sie zu regulieren. Wie glaubwürdig ist das?
    Was sagt Clintons Emailaffäre und wie sie damit umgegangen ist über ihre Person aus?
    Fairerweise sei dann noch genannt, dass sie gegen Guantanamo ist/war.

    Ich sehe mir diese beiden Kandidaten an und denke mir, ich würde keinen von beiden wählen. Ich hatte auf Sanders gehofft. Aber ich kann verstehen, wenn Menschen lieber eine Wundertüte namens Trump haben wollen, als jemanden der für das bisherige System steht.

    Daran wird sich auch nichts ändern, wenn Journalisten vermeintlich simplere Geschichten erzählen und dabei immer noch nicht bereit sind der anderen Seite zuzuhören. Denn simple Geschichten erzählen Sie ja bereits, Herr Karig. Oder wie ist es zu verstehen, dass Sie mal eben 30 Millionen Amerikaner als Rassisten und Sexisten bezeichnen? Und ironischerweise gleichzeitig, pauschal vom Opfergehabe des weißen, zornigen Mannes sprechen. Fehlt noch das Schlagwort „White Privilege“. Können Sie mir erklären, wie man jemanden vom eigenen Standpunkt überzeugt, wenn man ihn zu Beginn des Diskurses verurteilt? Und wie wirkt das auf Beobachter?

    Mit freundlichem Gruß

  27. @ FRITZ GRÜNER, #25

    »Die Sache mit dem neuen Journalismus geht ganz einfach, zur Zeit leben noch genug der alten Journalisten, die wissen, wie es geht, fragt die halt einfach, bevor sie sterben. Früher machte es echt Spaß, Zeitungen und Magazine zu lesen, es geht.«

    Mit „früher“ meinen Sie die guten alten Zeiten, als die morgens im Briefkasten liegende lokale Tageszeitung unsere wichtigste und oftmals einzige Informationsquelle war, der wir mangels verfügbarer Alternativen erst mal alles glauben mussten und auch selten mit Widersprüchen konfrontiert wurden, weil in unserem persönlichen Umfeld ja alle dieselbe Zeitung lasen? Und Sie denken tatsächlich, dass Journalismus unter diesen Voraussetzungen besser, objektiver, verantwortungsvoller war?

    Ich bin vom Gegenteil überzeugt. Der Unterschied zu früher liegt darin, dass uns heute unzählige Quellen zur Verfügung stehen und wir deshalb viel häufiger auf abweichende Darstellungen, Meinungen und Interpretationen treffen. Das heißt, der Journalismus steht heute viel stärker unter Beobachtung und bekommt das dank wechselseitiger Kommunikation auch deutlich zu spüren. Jeder Beitrag wird vom Publikum nicht mehr nur konsumiert, sondern Wort für Wort, Bild für Bild seziert, interpretiert und zeitnah kommentiert. Damit tun sich nach meiner Beobachtung gerade „alte Hasen“ oft sehr schwer.

    Insofern glaube ich, ohne die „alten Hasen“ damit diskreditieren zu wollen, dass vor allem die jüngeren, in die neue Medienwirklichkeit hineinwachsenden Journalisten gefordert und in der Lage sind, sich den veränderten Bedingungen anzupassen, das Berufsbild neu zu prägen und dem Journalismus wieder zu mehr Glaubwürdigkeit zu verhelfen.

    Das „blinde Vertrauen“ früherer Tage in die Medien wird es aber ganz sicher nie mehr geben. Was im Grunde ja positiv ist, denn wie heißt es so schön: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Allerdings erfordert es eine deutlich höhere Eigenverantwortung der Rezipienten, die mittlerweile eben auch Kommunikatoren sind. Und genau da sehe ich noch großen Nachholbedarf.

    Deshalb würde ich Friedemann Karigs To-do-Liste gerne noch einen weiteren Punkt hinzufügen, am liebsten ganz oben: Vertrauensbildung. Mehr und deutlicher erklären, wie Journalismus und Medien überhaupt funktionieren, von wem sie gemacht werden, wie Beiträge entstehen und warum es Dinge wie Neutralität und Objektivität im engeren Sinne gar nicht geben kann, der Leser, Hörer und Zuschauer also immer auch eine Eigenverantwortung hat.

    Zudem wäre natürlich wünschenswert, und meines Erachten auch erforderlich, dass Themen wie Medienkunde, -nutzung und -kritik schon in den allgemeinbildenden Schulen deutlich mehr Gewicht bekämen und Medienkompetenz neben Lesen, Schreiben und Rechnen zu einem festen Bestandteil der Grundbildung würde. Denn wie man nicht zuletzt an den Vorwürfen und geforderten Konsequenzen der „Lügenpresse“-Rufer sieht, mangelt es vielen schon an einem grundlegenden Verständnis von Begriffen wie Wahrheit, Meinungs- und Pressefreiheit.

  28. Woanders hörte ich einen längeren Rant darüber, dass die Linken Trump ermöglicht hätten, weil sie (wenn ich’s richtig verstanden habe) weniger mit sondern _über_ potentielle Trumpwähler sprachen. Also statt Argumente zu bringen, warum man Clinton wählen sollte, oder zumindest, warum Trump die schlechtere Wahl sei, gingen sie mit einer eher „hochnäsigen“ Einstellung „Mit denen reden wir sowieso nicht“ durch die Gegend.
    Ob das jetzt wirklich nur an den Linken lag, oder daran, dass beide Lager sich in ihren jeweiligen Filterblasen verbarrikadieren, sei mal dahingestellt.

    Zum Mauerbeispiel: warum nicht _neben_ politischen, ethischen oder philosophischen Einwänden, die gegen einen „prokapitalistischen Schutzwall“ (oder ist der nicht eher Anti-Marktwirtschaft?) sprächen, mal die finanzielle Machbarkeit zur Sprache bringen.
    Ein kompetenter Präsidentschaftskandidat hätte natürlich schon ein Konzept, wie er ein solch großes Projekt umsetzen würde. Ein populistisches Großmaul würde nur sowas sagen wie: „Wenn ich verrate, wie ich das finanziere, wüssten dass ja auch die Mexikaner.“

    Wenn jemand eine schlechte Idee hat, die er aber nur deshalb nicht umsetzen wird, weil zu teuer, ist das nicht dasselbe wie jemand, der eine gute Idee hat.

  29. Alleine Ihre Fesstellung dass Trump und oder seine Waehler Rassisten sind, ist eine Frechheit!
    Genauso wie jemand in die rechte Ecke gestellt wird nur weil man an 2 Geschlechter glaubt und nicht wie in NewYorkCity an 57 Geschlechter.
    Genau daran scheiterern heutige Journalisten, fuer diese gibt nur einfache Antworten wenn es um rechts der Mitte geht, Rassist, Sexist, Homophob, Transphob.
    Nur einen Vorteil hat das ganze, man ist heute so schnell ein rassist, sexist, usw. dass es schon keine Bedeutung mehr hat.

  30. Sicher hat @ 34 Robert in Bezug auf C. recht, manche Expert/inn/en in den Medien agierten als spin doctors wie Constanze Stelzenmüller, aber es gab m. E. immer hinreichend Gegenpositionen, z. B. bei AnneWill. Dass Trump eventuell in seit Längerem demokratisch wählende Staaten wie Wisconsin einbrechen könnte, wurde in einem Beitrag des „Weltspiegel“ dargestellt, m. E. haben die Medien also in puncto Informationspflicht nicht versagt. Z. B. die NZZ hat Umfragen veröffentlicht, die tatsächlich dem us-amerikanischen Wahlsystem entsprachen bzw. hat das jedenfalls versucht. Wer ein wenig mit den us-amerikanischen Verhältnissen vertraut ist, musste in Deutschland nach der Wahl um sieben Uhr nicht schockiert aufwachen. Gefreut habe ich mich auch nicht, aber ob T. schlimmer als C. ist, ist wie @ 34 belegt, so sicher nicht.

  31. Ihr wollt u.a. die Arbeitslosen, die Abgehängten, die sozialen „Verlierer“ erreichen, gebt uns aber keine Möglichkeit, es zu lesen. Wie soll das funktionieren?

  32. @ Mader Reiner #37
    „man ist heute so schnell ein rassist, sexist, usw. dass es schon keine Bedeutung mehr hat.“
    Das ist so und man wird den (verlorenen) Effekt spüren.
    Was den Rassimus in Trumps Wahlkampf angeht: Ich habe keine einzige Aussage von ihm gehört, dass Schwarze US-Amerikaner Bürger 2. Klasse sein sollten, dass überhaupt die Errungenschaften der Bügerrechtsbewegung rückabgewickelt werden sollten. Habe ich da etwas übersehen? Oder hat Emmanuel Todd Recht, dass es dieses Mal eher die Demokraten waren, die die Rassenkarte gespielt haben:
    https://hintermbusch.wordpress.com/2016/11/19/rassismus-bei-den-us-wahlen/
    Auch über Hispanics im Allgemeinen scheint sich Trump nicht negativ geäußert zu haben, weshalb ihn auch 30% von ihnen gewählt haben und ebenso viele Wähler asiatischer Abstammung. Auch wenn es manche nie verstehen werden: Opposition gegen zusätzliche Einwanderung oder gar illegale Einwanderung ist zunächst einmal kein Rassismus, sondern einfach nur eine berechtigte politische Position.
    Rassismus geht anders. Und wenn er kommt, ist es sehr schade, wenn der Rassismusvorwurf ein 08/15-Label der Linken geworden ist, das keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervorlockt.

  33. @Mader Reiner: Man muss Sachen beim Namen nennen können, ohne ständig herumdrucksen zu müssen, um nicht die armen, armen Rassisten zu beleidigen. Und die armen, armen Rassisten sollten sich mal den Spiegel vorhalten und sich fragen, ob sie nicht doch die Rassisten sind, die sie vorgeben nicht zu sein, wenn sie bewusst auf rassistische Botschaften anspringen oder diese zumindest billigend in Kauf nehmen. Trump hat nicht mal die übliche Kreide gefressen, die europäische Rechtsparteien benutzen um ihrem Rassismus einen bürgerlichen Anstrich zu geben.

    Das ist das was mich am meisten an der Diskussion stört. Ständig irgendwelche Rechtsausleger, die doch bitter nicht mit bösen Begriffen getriggert werden sollen, die armen, armen Figuren. Man sei ja Identitär/Rassenrealist/Kulturverteidiger/Konservativ-Liberitär, aber bloss nicht Rassist oder Nazi oder Faschist. Nur weil man deren Diktion, Ideen und Weltanschauung vertritt. Das Kind gehört beim Namen genannt und nicht auf Wunsch der Rechten verschleiert. Damit haben sie schon den halben Kampf gewonnen.

  34. Für guten Journalismus fände ich schon mal einen Anfang keine eigenen Tweets zu zitieren. Journalismus soll nämlich über andere informieren und nicht sich selbst und seine retweets loben.

    Und zu Trump fällt mir immer nur ein (und die deutschen Journalisten haben das kaum beachtet): Da ist einer der Vertreter der chauvinistischen, rechten, patriotischen Tea-Party Amerikaner und erklärt, George Bush hat Amerika nicht sicherer gemacht. Und jetzt bitte einen Satz von Clinton, der so bedeutend ist.

  35. @42 Frank Möller
    „Da ist einer der Vertreter der chauvinistischen, rechten, patriotischen Tea-Party Amerikaner und erklärt, George Bush hat Amerika nicht sicherer gemacht.“
    Bingo. Das ist die Erkenntnis, die um jeden Preis verschwiegen werden muss!

  36. Hallo Herr Karig. Ihr Punkt 3 – Meine Rede. Eines meiner Vorbilder ist FPÖWatch, die z.B. hier Informationen über die „neu-rechten“ Medien sammeln: https://medium.com/@fpoeticker/das-abc-der-unseri%C3%B6sen-quellen-eine-%C3%BCbersicht-e5fe1322fb2f#.81kp81nnl
    FPÖWatch macht das (im Gegensatz zu mimikama.at, das mit sehr viel mehr Aufwand betrieben wird) ohne eigene Webseite und in Zusammenarbeit mit ihren Usern.
    Wer ist aktuell an einer entsprechenden Sache für Deutschland dran? Wo ist es, das Fake-News-Korrektiv? Das Watch-Instrument für nationalistische und rassistische Meinungsmache? Die Debunking-Maschine für aktuelle Verschwörungstheorien?
    Ich suche Leute, die jetzt damit anfangen, ich würde mich sofort anschließen.
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