Ein Kommentar

  1. Dieser Weg wird vielleicht kein leichter sein, aber man muss für Xavier Naidoo endlich mal eine Lanze brechen. Zwischenfrage: Würde er diesen Ausdruck in einem Song verwenden? „Ich breche eine Laaa-anze für dich, mein Gefährte, wenn es sein muss, noch viel mehr.“ Vielleicht.
    Dass man ihn ständig auf seine verschwurbelten Texte reduziert – okay, auf seine Texte und sein Verhalten auf Demonstrationen, halte ich für äußerst fragwürdig. Der Junge will doch nur singen, oder etwa nicht? Wenn andere aus seinen Liedern Rechtfertigungen für dumpfe Parolen, Deutschtümelei, Schwulenhass und andere Paranoia ziehen – dann kann man das doch nicht ihm anlasten! Pink Floyd hat man ja auch keinen Aufruf zum Schuleschwänzen wegen „The Wall“ angehängt. Der Song läuft seit 30 Jahren problemlos im Radio. Und wer Texte aus Popsongs, erst recht Rap-Lyrics ernst und für voll nimmt, der kommt vor lauter Telefonaten mit dem Staatsanwalt zu nichts anderem mehr.
    Wieso ist dieses Land nicht ein bisschen entspannter? Warum sind wir nicht fähig, das Unausgegorene an Naidoo auszuhalten und ihn einfach mal beim ESC von der Leine zu lassen?
    Anders herum gefragt: Hätte er in Stockholm gegen unsere Demokratie, unser Rechtsverständnis, unsere Überzeugungen, unser Land angesungen? Doch wohl kaum. Da wette ich ein Jahresgehalt drauf, dass Naidoo nicht mal ansatzweise etwas Verfängliches oder „die Nation Spaltendes“ intoniert hätte. Im Gegenteil eher. Unser Land hätte mit ihm nicht nur einen tollen Sänger an den Start gebracht, sondern eine echte Voice of Germany.
    Sobald jemand sich nur ein bisschen Abtrünnigkeit oder Verquersein leistet und politisch nicht immer korrekt verhält, fällt er durch unser enges Raster des „gesellschaftlich Tragbaren“. Wenn Naidoo zwanzig Mal auf der falschen Veranstaltung den Zweiten Weltkrieg für noch nicht ganz beendet erklärt hätte oder Schwule nicht ausstehen kann: Macht ihn das gleich zu einem Ewiggestrigen oder Rechtsradikalen? Wir sind mit unseren Schablonen immer schnell zur Hand. Zu schnell.

    Und das Gestottere, das hier vermutlich zusammenmontiert wurde oder vielleicht auch wirklich so geschah, ehrt ihn auf eine gewisse Art mehr, als dass es peinlich ist.

Einen Kommentar schreiben

Mit dem Absenden stimmen Sie zu, dass Ihre Angaben gemäß unseren Datenschutzhinweisen gespeichert werden. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.