Historisch, einmalig

GEO verlangt nur 12 Euro für unverlangt zugesendetes Heft

Mal angenommen, ein Lieferdienst bringt in regelmäßigen Abständen Getränke ins Haus. Eines Tages steht der Lieferant unangemeldet vor der Tür, überreicht eine nicht bestellte zusätzliche Kiste und verlangt dafür Geld. Unvorstellbare Methode? Für den Verlag Gruner+Jahr offenbar nicht.

Alle zwei Monate bekommen historisch Interessierte die neueste Ausgabe des Magazins „GEO Epoche“ per Post ins Haus. Die monothematische Zeitschrift (verkaufte Auflage, laut Verlag: 65.000 Stück) ist eine Art Themen-Wundertüte: Mal geht es um „Das Reich der Pharaonen“, mal um „Tsunami. Der Tod aus dem Meer“, mal um „Verbrechen der Vergangenheit“, also Rückblicke in die ältere und jüngere Geschichte.

„Zum Vorteilspreis von 12,- €“

Kürzlich bekamen die Abonnent:innen unverlangt ein weiteres Heft zugeschickt, außer der Reihe – und ohne dass sie es bestellt hätten: ein Exemplar der reich bebilderten jährlichen Sonderausgabe „GEO Epoche Panorama“ (aktuelles Thema: „Jahrestage 2023“). Ein Werbegeschenk? Offenbar nicht.

Cover der Zeitschrift "Geo Epoche Panorama", auf der ein Anschreiben an Abonnent:innen liegt.
„Noch größer“, noch teurer Foto: Stengel

Im Begleitschreiben heißt es:

„Wir erweitern Ihr GEO EPOCHE-Abonnement um eine zusätzliche Ausgabe: Sie erhalten das Sonderheft GEO EPOCHE PANORAMA ab sofort 1 x jährlich als Teil Ihres Abonnements zum Vorteilspreis von 12,- € inkl. digitaler Ausgabe statt 18,- € im Einzelverkauf.“

Und – nach zwei werbenden Absätzen – steht am Ende:

„Wir wünschen Ihnen viel Freude mit Ihrer ersten Ausgabe von GEO EPOCHE PANORAMA.
Ihr Joachim Telgenbüscher,
Redaktionsleitung“.

Titel der Zeitschrift "Geo Epoche Panorama", Titelthema: "Jahrestage 2023"

War das jetzt nur ein Angebot – oder ist es ein vom Verlag verordnetes Zusatz-Abo?

Wer darauf Antworten haben möchte, sucht im Begleitschreiben vergeblich nach einer Kontaktmöglichkeit: keine Telefonnummer, keine Mailadresse. Nur der kleingedruckte Absendervermerk „Gruner + Jahr Deutschland GmbH, 20080 Hamburg“ auf dem Adressaufkleber.

Also Nachfrage bei der Pressestelle des Verlags, der inzwischen zu RTL gehört. Die Antwort kommt schnell: Ja, das ursprüngliche Abonnement „beinhaltet neben den regulären sechs Ausgaben ab sofort zusätzlich eine Ausgabe der GEO EPOCHE PANORAMA pro Jahr“, mit entsprechendem Preisaufschlag.

Und weiter:

„Sollte es dazu Rückfragen geben, können die Abonennt:innen den Kundenservice wie gewohnt kontaktieren. Kontaktmöglichkeiten sind beispielsweise im Impressum hinterlegt. Sollte der Bezug nicht gewünscht werden, sind wir selbstverständlich kulant.“

Selbstverständlich.

Da werden Leser:innen also tatsächlich mit einem (unbestellten) Zusatz-Abo ohne Widerufsbelehrung zwangsbeglückt, haben angeblich keinen Anspruch, davon verschont zu bleiben – und müssen sich Kontaktdaten auch noch selbst heraussuchen.

Verbraucherzentrale: „Das ist ja ganz merkwürdig“

„Das geht so nicht“, sagt Julia Rehberg von der Verbraucherzentrale Hamburg im Gespräch mit Übermedien. Rehberg wirkt erstaunt. „Das ist ja ganz merkwürdig“, sagt sie, „sehr dubios.“ Ein Vertragspartner dürfe nicht einseitig kundtun: „Sie kriegen jetzt noch das und noch das obendrauf – und das kostet jetzt einfach zwölf Euro mehr.“ So komme nach ihrer ersten Einschätzung „kein Vertrag zustande“.

Rehberg will den Vorgang nun genauer prüfen. Sollte sie dabei Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht erkennen, will sie den Verlag abmahnen. Allen, die keine zusätzliche Ausgabe bezahlen wollen, rät Verbraucherschützerin Rehberg, der Abo-Erweiterung vorsorglich zu widersprechen. „Damit die Sache aus der Welt ist.“ Oder bis zur nächsten Rechnung zu warten. Wenn der Verlag tatsächlich zwölf Euro mehr als bisher vom Konto abbucht, könnte man bei seiner Bank „die ganze Abbuchung zurückgehen lassen und selber den korrekten Betrag überweisen“, sagt Rehberg.

Ob Rückforderung oder Widerspruch: Auf jeden Fall würden die Abonnent:innen „zum Handeln genötigt“. Das sei nicht in Ordnung.

Vielleicht warten Betroffene auch einfach ab, was die Verbraucherzentrale macht und wie der Verlag reagiert. Eine Leserin aus Bremen möchte es derweil noch ganz anders machen: Sie will das Heft nach Hamburg zurückschicken – mit dem Vermerk: „Porto zahlt Empfänger“.

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