Die Podcast-Kritik (71)

Mehr „Haus in Großburgwedel“ als „House of Cards“

Exklusiv für Übonnenten
Christian Wulff – der Fall des Bundespräsidenten

Im Dezember 2011 hinterlässt der damalige Bundespräsident Christian Wulff die mittlerweile berühmt-berüchtigte Mailbox-Nachricht beim damaligen „Bild“-Chef Kai Diekmann. „Da ist jetzt der Rubikon überschritten“, spricht Wulff damals aufs Band. Auch diese Nachricht trug dazu bei, dass er später von seinem Amt zurücktreten und seine Politik-Karriere beenden musste. Zehn Jahre später blickt SWR3 mit dem Podcast „Christian Wulff – Der Fall des Bundespräsidenten“ auf den Auf- und Abstieg Wulffs zurück.

Für den Podcast haben die beiden SWR-Politikreporter Christopher Jähnert und Kilian Pfeffer mit Wulff selbst, mit Zeitzeugen, Bekannten, Beobachter*innen aus Politik und Medien gesprochen (der Transparenz halber: Auch mit Übermedien-Gründer Stefan Niggemeier). Das Anliegen, mit zehn Jahren Abstand auf den Skandal zu schauen, ist richtig – bleibt die Affäre Wulff doch bis heute ein Aufreger wie Gesprächsthema, ein Politik- und Medienskandal. Nur ist die Umsetzung des Podcasts größtenteils misslungen.

Jähnert und Pfeffer haben laut SWR-Webseite „15 Monate lang recherchiert, interviewt und produziert“ und „50 Stunden Interview-Material“ gesammelt. Das ist eine Marotte, die sich in der Inszenierung von Podcast-Starts etabliert hat: zu betonen, wie viel und wie lange daran gearbeitet wurde. Aber mit welchen Mehrwert? 50 Stunden Material für acht Episoden ist nicht wenig – für solche Projekte aber nicht unüblich. Und auch wenn es sich zunächst anders liest: Hier hat, wie sonst überall auch, garantiert niemand 15 Monate lang durchgängig 24/7 an einem Podcast gearbeitet.

Die Kolumne

Podcasts haben es verdient, so ernsthaft wie andere Medien besprochen, gelobt und kritisiert zu werden. Alle zwei Wochen machen das Annik Rubens und Sandro Schroeder für uns hier: in der Podcast-Kritik.

Ein Kommentar

  1. Radio-Feature statt Podcast trifft es ganz gut. Mich haben die kurzen Folgen schon sehr irritiert: Gut und gerne 20% der Hörzeit gehen für Intro, Rückblick, Outro und dramatische Musik drauf.
    Hätte man auch in zwei 1h-Folgen bündeln können.
    Beim Podcast hört ja sowieso jeder in der eigenen Geschwindigkeit und nicht wie im linearen Programm in vorgegebenen Abschnitten.

    Und die Interviews inkl. Fragen und als vollständige Gespräche wäre auch cool. Das Medium bietet ja die Zeit dafür…

    Aber sonst interessant.

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