Die großen Medien waren sicher, dass Hillary Clinton gewinnt. – Oder?

Torsten Krauel schien auf einem guten Weg zu sein. Als Chefkommentator hatte er die Aufgabe, am Tag der historischen US-Präsidentschaftswahl 2016 die Titelseite der „Welt“ vollzuschreiben. Er begann mit einem älteren konservativen Ehepaar aus den Südstaaten, dessen Krankenkassenbeitrag sich wegen „Obamacare“ plötzlich verdreifacht hatte, und nannte solche Erfahrungen einen Grund dafür, warum Donald Trump womöglich amerikanischer Präsident werden könnte. Er schilderte den erbitterten Kulturkampf zwischen „weltoffener Küstenbevölkerung und pietistischen Inländern“. Er fand sogar Raum, den angeblichen Zorn über die Sexualisierung des Wortes „gay“ zu erwähnen, das einst ein „Kernwort religiösen Empfindens“ gewesen sei und harmlos „fröhlich“ bedeutet habe, bevor „Intellektuelle ohne Parlamentsbeschluss“ es „usurpiert“ hätten. (Naja.)

Doch dann wischte Krauel all diese Erklärungen für einen möglichen Wahlsieg Trumps beiseite und konnte der Versuchung nicht widerstehen, aus einer Wahrscheinlichkeit eine Gewissheit zu machen: „Trump wird trotzdem, und zum Glück, nicht das Oval Office beherrschen“, schrieb er. „Er müsste alle Kopf-an-Kopf-Bundesstaaten plus Florida gewinnen, um mit einer Stimme Vorsprung im Wahlleutegremium zu siegen. Wenn ihm das gelänge, stünde die Welt kopf.“

Trump gewann nicht nur alle Kopf-an-Kopf-Bundesstaaten plus Florida, sondern auch noch ein paar mehr. Und die Welt stand nicht nur kopf, sondern war auch um ein weiteres Beispiel reicher, warum sich Journalisten nicht für Hellseher halten sollten.

Es gibt nicht nur unter den Anhängern alternativer Medien eine Erzählung, dass die etablierten Journalisten sich bei der US-Wahl 2016 blamiert hätten. Unisono hätten sie einen Sieg von Hillary Clinton für ausgemachte Sache gehalten und einen Sieg von Donald Trump ausgeschlossen. Sie hätten – ähnlich wie angeblich während der Flüchtlingskrise im Jahr zuvor – ihre Realitätsferne und Einseitigkeit unter Beweis gestellt.

Stimmt das?

Volatil

Es gibt einen Screenshot vom Wahlabend, der bis heute in den sozialen Medien die Runde macht. Er zeigt WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn vor einer Grafik, die die ganze Ahnungslosigkeit der Berichterstattung symbolisieren soll:

Manchmal tun die, die ihn verbreiten, so, als wäre das eine Prognose der ARD über den Wahlausgang. Tatsächlich ist es eine repräsentative Umfrage unter den Deutschen, wen sie als Wahlsieger erwarten.

Auch daraus kann man natürlich einen Vorwurf gegen die Medien ableiten: Dass die Deutschen Trumps Erfolgsaussichten offenbar unterschätzten, sei Folge der irreführenden Berichterstattung der deutschen Medien.

Jedenfalls erweckte Schönenborn in den „Tagesthemen“ am Wahlabend nicht den Eindruck, die Sache sei für Clinton schon gelaufen. Im Anschluss an die oben gezeigte Umfrage sagte er: „Da haben die Wahlforscher in den USA doch einen sehr viel differenzierteren Blick“ und zeigte die Entwicklung der Umfragen dort:

Vier Prozentpunkte Vorsprung für Clinton, das sei „deutlich, aber keineswegs sicher“, sagte er. Und man sehe, „wie volatil das ganze ist“. (Am Ende hatte sie gut zwei Prozentpunkte Vorsprung.)

Auf der entscheidenden Ebene der einzelnen Bundesstaaten zeigte sich die ARD allerdings deutlich zu optimistisch, weil die Wahlforscher vor allem im Mittleren Westen deutlich daneben lagen. 268 Wahlmänner habe Clinton „fast sicher“, sagte Schönenborn. Am Ende wurden es nur 232.

Die Wahl Trumps war für viele ein Schock. Weil sie so unvorstellbar schien. Nicht, weil die Medien sie ausgeschlossen hätten. Jedenfalls nicht mehr kurz vor der Wahl.

Das Lachen vergangen

2015 hatte die Gewissheit, dass einer wie Trump nicht einmal Kandidat der Republikaner werden würde, noch zu einer legendären Szene bei ABC geführt, in der sich ein demokratischer Abgeordneter auslachen lassen musste, der das als reale Gefahr beschrieb:

Doch unmittelbar vor der Wahl war eine solche Gewissheit in Deutschland die mediale Ausnahme. Die „Süddeutsche Zeitung“ machte mit der Zeile auf: „Hillary Clinton muss um den Sieg zittern“; der „Tagesspiegel“ titelte: „Amerikas Demoskopen warnen vor Überraschungen“.

Springers Berliner Boulevardzeitung „B.Z.“ berichtete unter der Überschrift: „Zeit, sich Sorgen zu machen“. Das traf den Tenor vieler Berichte auch in seriösen Blättern – sowohl was die Haltung zu Trump als auch die Ungewissheit des Wahlausgangs anging.

Die „Rheinische Post“ hatte die Zeile: „Clintons wackelige Mehrheit“. Das „Westfalen-Blatt“ titelte: „Stellt Trump die Welt auf den Kopf?“ und mahnte:

Man stelle sich vor, Angela Merkel würde nach Washington fliegen und von Donald Trump im Weißen Haus empfangen. Unvorstellbar? Das war die Nominierung des Kandidaten auch.

Auf ihrer Seite 2 warnte die SZ unter der Überschrift „Ein paar Pünktchen nur“, dass die Wahlforscher bei wichtigen Wahlen „schon öfter daneben lagen“.

Sicher ist nichts

Die Nachrichtenagentur dpa schrieb:

Die letzten Umfragen sehen Clinton vor Trump, aber sicher ist nichts. Es ist nicht wahrscheinlich, aber es kann sein, dass der 45. Präsident der USA ein New Yorker Milliardär ist, bar jeder politischen Erfahrung.

Und auch die „Welt“, die einen Wahlsieg Trumps auf ihrer Titelseite ausschloss, erklärte im Inneren: „So kann Donald Trump Präsident werden“ und wusste: „Der Dienstag kann einige Überraschungen bringen“.

Mehrere Zeitungen wie die „Schweriner Volkszeitung“ und die „Nordwestzeitung“ brachten ein Interview mit dem Politikwissenschaftler Andrew Denison, der die Wahl als „russisches Roulette“ bezeichnete:

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Welt mit einem künftigen US-Präsidenten Donald Trump aufwachen wird?

Denison: Das Risiko ist gering – das liegt vor allem an der viel höheren Wählermobilisierung durch das hervorragend organisierte Clinton-Lager in den entscheidenden Staaten. Dennoch ist ein Sieg Trumps nicht auszuschließen. Also: Die Chance ist gering, aber die Gefahr ist groß! Diese Wahl ist kein Würfelspiel, sondern russisches Roulette.

Ein verlorenes Land

Doch es war nicht nur eine Frage der Umfragen und ihrer Interpretation. Die etablierten Medien mussten sich hinterher auch vorwerfen lassen, dass sie den Wahlsieg Trumps nicht kommen gesehen und nicht verstanden hätten, weil sie ihre liberalen, urbanen Blasen an der Ost- und Westküste nicht verlassen hätten.

Auch das ist mindestens eine Überzeichnung.

Der „Stern“ zum Beispiel brachte in der Woche vor der Wahl eine lange Reportage von Norbert Höfler über eine Reise durch die Mitte der Vereinigten Staaten: von Kansas über den Mittleren Westen bis nach North Carolina. „Es war einmal Amerika“ war sie überschrieben, und sie ließ keinen Zweifel an der Unzufriedenheit der Menschen, die viele Trump wählen ließ:

Einst stand die Mitte der USA für die Verheißung des amerikanischen Traums: ehrliche Arbeit für ehrliche Leute. Heute bröckeln im Heartland die Brücken, schließen die Fabriken, und mit jeder Entlassung wächst die Wut auf Washington. Eine Reise durch ein verlorenes Land.

In der FAZ analysierte der Wirtschaftswissenschaftler und Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Dennis J. Snower:

Wer wählt Donald Trump? Diverse Analysen kommen zu einem verblüffenden Ergebnis: Es sind vor allem die Hoffnungslosen, die den Glauben an ihre Zukunft und die ihrer Kinder verloren haben. Viele haben ihre Arbeitsplätze verloren und finden keine neuen. Trump ist ihr Idol, weil er verspricht, die verlorenen Jobs zurückzuholen.

Der Unmut ist berechtigt, denn die amerikanische Regierung hat wenig für sie getan: Eine Reintegration Arbeitsloser in den Arbeitsmarkt findet praktisch nicht statt, staatlich finanzierte Weiterbildung gibt es ebenso wenig wie einen funktionierenden Sozialstaat. Die Regierung gibt relativ wenig Geld für eine aktive Arbeitsmarktpolitik aus. Es ist daher kein Wunder, dass Menschen, deren Jobs es aufgrund von Globalisierung und technischem Fortschritt nicht mehr gibt, zornig sind auf das Establishment.

Die „Zeit“ formulierte:

Tatsächlich, das holt Donald Trump schließlich nicht ganz aus der Luft, läuft sehr vieles schief in den USA. Das Grenzregime funktioniert noch ineffizienter als in Europa, elf Millionen illegale Einwanderer leben in den Vereinigten Staaten. Der Sozialstaat funktioniert ebenfalls viel schlechter als auf dem alten Kontinent, das mag von der Mehrheit gewollt sein, wird aber von vielen nur noch widerwillig ertragen.

Und auch die „Tagesthemen“ am Wahlabend berichteten aus Ohio, wo im „Rust Belt“ Donald Trump eine „sehr viel höhere Welle der Begeisterung entgegen schlägt als an den Küsten“. Die Korrespondentin Sandra Ratzow berichtet vom Land, das „Trump Country“ sei: „Seit Jahrzehnten geht es in Städtchen wie Middletown wirtschaftlich bergab.“ Sie lässt einen Automechaniker zu Wort kommen, der sagt: „Niemand kümmert sich um die Mittelklasse.“ Alle seine Hoffnungen lägen auf Trump.

Ahnungslose Karten

Das – inzwischen eingestellte – „Spiegel“-Jugendportal „Bento“ hingegen fragte am Tag vor der Wahl sicherheitshalber eine Wahrsagerin, wie es ausgehen würde, und weil die beim Kartenlegen für Clinton das As der Kelche und das As der Schwerter zog, wusste sie gleich:

„Bei der Hillary habe ich eindeutig den Sieg. […] Dieses hier ist eine üble Nachrede, das heißt der Frau clinton wird noch sehr, sehr, sehr viel übel nachgeredet. Aber ist ja egal. Sieg ist Sieg, gerade bei den Amis.“

Bei Trump hingegen hatte sie „das Grübeln“:

„Er wird vieles versuchen, um seine Niederlage als Sieg hervorgehen zu lassen. Er wird auch noch so an die zwei, drei Wochen so richtig, richtig gegenschießen. Aber dann wird man erstmal eine Weile nichts mehr von ihm hören.“

Da hätte man doch sogar Journalisten besser fragen können.

68 Kommentare

  1. Hoffentlich ist der Spiegel dieses Mal schlauer und lässt statt einer dummschwätzenden Frau einfach nur den üblichen Tintenfisch vor sich hin blubbernd entscheiden.

    Du kannst aber auch gerne Bambam vorab den Sieger verkünden lassen.

  2. Hm, das Entscheidende sind doch weniger die mühsam herausgesuchten Beispiele, in denen von deutschen Medien der Sieg Trumps als möglich dargestellt wurde. Sondern es geht darum, dass nur 9% der Deutschen den Wahlsieg von Trump erwartet haben. Offenbar konnten die deutschen Medien nicht vermitteln, dass Trump ernsthaft Chancen hat.
    Dazu kommt, dass man aus deutscher Perspektive (egal welcher politischen Couleur) schwer nachvollziehen kann, wie amerikanische Wähler*innen ticken (was kann man bloß an einer Krankenversicherung schlecht finden). Das wäre in meinen Augen aber die Aufgabe der Medien gewesen.

  3. @Moritz: Ich hab gar nichts mühsam herausgesucht, sondern mich gefragt, wie das damals war, und mir ergebnisoffen die Berichterstattung unmittelbar vor der Wahl angesehen.

    Und Beispiele für Artikel, die versucht haben, dem deutschen Publikum zu vermitteln, wie amerikanische Wählerinnen und wähler ticken, habe ich ja oben aufgezält. (Dazu gehört auch das ganz am Anfang erwähnte „Welt“-Stück. Dass man an einer Krankenversicherung etwas schlecht finden kann, wenn sich ihr Preisvervielfacht, liegt ja auf der Hand.)

    Wie gut das gelungen ist, ob das gereicht hat, etc. – darüber kann man sicher streiten.

  4. „Tatsächlich ist es eine repräsentative Umfrage unter den Deutschen, wen sie als Wahlsieger erwarten“
    Oft gelesen. Aber warum bringt man überhaupt Umfragen unter Deutschen? Es wählen schließlich die Amerikaner, auch heute wieder.
    Wenn diese Umfrage unter Deutschen etwas zeigen konnte, dann vor allem, wie schlecht wir von unseren Medien über die Motiv- und Stimmungslage der Amerikaner informiert worden waren.
    Dieses Mal war viel davon zu lesen, dass Joe Biden „Mr. Right“ sei, aber „fragil“ und „noch nie ein guter Redner“.
    Werden wir in 4 Jahren noch Artikel darüber lesen, wie das richtig zu interpretieren war?

  5. Danke für die Übersicht.

    Was ich aber interessant gefunden hätte (was allerdings auch zugleich größeren Aufwand bedeutet hätte), wäre, nicht nur die großen Erklärstücke zu analysieren, sondern die kleinen Bemerkungen im Grundrauschen der tagtäglichen Berichterstattung. Nate Silver hat das, mit Fokus auf die New York Times, seinen früheren Arbeitgeber, in dieser Artikelserie hier sehr gut gemacht:

    https://fivethirtyeight.com/tag/the-real-story-of-2016/

  6. Eine Umfrage zum erwarteten Sieger muss gar nicht unbedingt die reale Wahrscheinlichkeit wiederspiegeln. Wenn man glaubt Clinton gewinnt mit 51% sagt man Clinton. Wenn 92% mindestens das glauben kommt so eine Umfrage dabei raus.

    Die Umfrage erscheint mir recht sinnbefreit. Deswegen fragt man sonst ja auch meist ab, wie sicher sich jemand ist, aber das sieht dann komplizierter aus.

  7. Ich hoffe, die ARD lernt daraus, die Frage zu einem Umfrageergebnis mit auf dem Monitor einzublenden. So macht man es den Dauerlügnern wenigstens etwas schwerer, aus harmlosen (und auch etwas irrelevanten) Umfrageergebnissen ein weiteres Lügenmeme zu basteln.

    Das Narrativ „Alle Medien waren sich sicher, dass Clinton gewinnt“ geht mir schon seit langem auf die Nerven. Ich hatte einen anderen Eindruck, nämlich dass die Medien Trump hochjazzen, wie hierzulande die AfD und dass er dadurch tatsächlich an Boden gewinnen kann. Es war ein Spiel mit dem Feuer und man hat sich verbrannt.

  8. „Ich hatte einen anderen Eindruck, nämlich dass die Medien Trump hochjazzen, wie hierzulande die AfD und dass er dadurch tatsächlich an Boden gewinnen kann“
    Bingo! Hochjazzen durch Diffamierung, die für viele durchschaubar ist und sie deshalb zur Solidarisierung bewegt. Im Falle der AfD ist die Technik auf Übermedien gut dokumentiert.

  9. Ich erinnere mich dunkel an eine Glosse oder Kommentar oder ichweissnichmehr im Westfalen-Blatt am Tag nach der Wahlnacht, worin der Autor den Tenor ausbreitete quasi „jetzt ist aber auch mal gut mit der ganzen Kritik, jetzt isser halt Präsident, nu‘ lasst ihn doch erstmal machen, ihr werdet sehen, der findet sich gut in sein Amt ein genau wie seine Vorgänger…“ so als hätte es den ganzen fürchterlichen Vorwahlkampf und Wahlkampf nie gegeben. Ich erinnere mich auch, wie ich unwillkürlich prusten musste als ich das las, weil es natürlich absehbar war wie realitätsfern und absurd diese Ansicht ist. q.e.d.

  10. Ist es Absicht, dass hier fast nur Papiermedien genannt werden? Online war der (Hillary-)Wunsch als Vater des (Prognose-)Gedankens in meiner Erinnerung deutlich präsenter.

  11. „Ich hatte einen anderen Eindruck, nämlich dass die Medien Trump hochjazzen, wie hierzulande die AfD und dass er dadurch tatsächlich an Boden gewinnen kann. Es war ein Spiel mit dem Feuer und man hat sich verbrannt.“

    Dem amerikanischen Wahlvolk dürfte es doch einigermassen egal sein, was in europäischen Medien über ihre Präsidentschaftskandidat*innen geschrieben steht oder gesendet wird.

    Meine Vermutung zur Umfrage der ARD unter Deutschen geht in die Richtung: Man unterstellt Medien (vielleicht auch unbewusst), gewisse Meldungen nur zu veröffentlichen, weil sie eine gute Schlagzeile hergeben. Und wenn ich davon ausgehe, dass Clinton gewinnt und Trump für einen unwählbaren Trottel halte, dann ist jede Überschrift, die vor der Wahl einen Sieg Trumps in Aussicht stellt, maximal Clickbaiting.

    Dazu kam natürlich im speziellen Fall, dass Hillary Clinton auch noch die symphatische Frau des (anfangs noch) symphatischen, (damals noch) jungen Präsidenten war, die ihm sogar die die Lewinsky-Affäre verzieh („Boah, was für ein starkes Paar, was für eine starke Frau!“). Mit Hillary Clinton konnten Deutsche einfach viel, viel mehr verbinden als mit Trump, was überhaupt nicht überraschend ist: Denn Deutsche sehen die First Lady immer lächelnd und winkend neben ihrem Gatten und mit der Frau des Bundeskanzlers (damals noch…).

    Ich glaube, viele Deutsche verbanden mit Trump einfach nichts, weswegen der halt aus deutscher Sichtt auch einfach nicht Präsident werden konnte.

  12. @8: Nein, nicht „Hochjazzen durch Diffamierung“ sondern durch Aufmerksamkeit für Quatschbehauptungen.
    2016 war das alles noch neu … AfD und Trump Artikel sorgen halt für die meisten Klicks . Gefühlt hat man sich ja 2-3 Jahre lang an jeder Falschbehauptung abgearbeitet. Hängen bleibt dann halt bei einigen „da muss doch was dran sein“.
    Bezgl. Ihres Beispiels: Ja, dabei sind einige Medien sicherlich des öfteren auch über das Ziel hinausgeschossen und haben sich diese Methode selbst zu eigen gemacht. Nicht schön, aber meiner Meinung nach eher die Ausnahme, als die Regel.

    Dass AfD Wähler AfD wählen, weil die „Diffamierung durch Medien durchschaubar“ sei und zu „Solidarisierung“ führe ist … nunja, eine Meinung, die man haben darf.
    Ich meine ja, die wählen AfD, weil sie die Inhalte, die diese Partei transportiert (bewusste Wortwahl) toll finden.

  13. @11: „Ich glaube, viele Deutsche verbanden mit Trump einfach nichts, weswegen der halt aus deutscher Sichtt auch einfach nicht Präsident werden konnte.“

    In D fehlte ja schon die Vorstellung, dass eine prominente Person wie Trump überhaupt Präsident werden kann. Baulöwe, Casinos, Fernsehshows, …, das war halt völlig unvorstellbar.
    Dann dagegen Hillary, die ja schon an der Seite ihres Mannes im Weissen Haus rumlief, ist doch klar, wie da grundsätzlich im Ausland dann darauf geguckt wird.

  14. Für ein Magazin, das sich kritisch mit der Arbeit von Journalisten auseinandersetzen möchte, ist dieser seltsam unreflektierte Artikel über das Tun und (Unter)Lassen der eigenen Branche nun wirklich kein Ruhmesblatt. Natürlich finden sich im Treibgut des Wochengeschwätzes immer auch einige Artikel, mit denen sich selbst die nischigste Position zu belegen scheinen lässt; etwa: Die deutschen Medien hätten ausgewogen und in bester Informationsabsicht über den Wahlkampf 2016 und seinen mutmaßlichen Ausgang berichtet, damit ihre Leser und Zuschauer in einen kundigen Zustand über die politischen Verhältnisse in den USA versetzt würden.

    Das Ergebnis ist bekannt. Nicht einmal 10% der befragten Deutschen hielten Trumps Wahlsieg für möglich. Hier müsste ein (selbst)kritisches Medienmagazin ansetzen, um die eigene Branche nicht so billig davonkommen zu lassen.

  15. Eigentlich sollten die dt. Medien den Dt. erklären, wie wahrscheinlich die möglichen Wahlausgänge sind, nicht umgekehrt.
    „Wie wahrscheinlich halten Dt. Trumps Wahlsieg?“ ist dann irgendwie die falsche Frage gewesen.
    Immerhin nicht die einzige.

  16. @ DerMax (#14):

    Also, ich hielt Clinton nicht für die aussichtsreichere Kandidatin, weil sie „an der Seite ihres Mannes im Weißen Haus rumlief“, sondern weil sie sieben Jahre lang Senatorin und fünf Jahre lang Außeniministerin gewesen war – gestandene Berufspolitikerin, schon längst nicht mehr First Lady.

  17. @16: schon klar, wer sich ein wenig für amerikanische Politik interessiert, weiss sowas und kennt auch die Biografien von Reagan oder Schwarzenegger.

  18. @16: Stimmt, ihre Zeit als tatsächlich aktive Politikerin habe ich unabsichtlich unterschlagen. Wäre mir vor vier Jahren allerdings sehr, sehr sicher nicht passiert ;-)

    @17: Das ist korrekt, aber die thematisierte Umfrage richtete sich ja nicht nur an Personen, die sich mindestens ein wenig für amerikanische Politik interessieren. Und der Präsident Reagan und der Gouverneur Schwarzenegger waren kurz vor der Wahl 2016 natürlich schon eine Zeit lang Geschichte.

  19. @Phasenweise: Wir verstehen unter „Medienkritik“ nicht, nur auf das hinzuweisen, was misslungen ist. Und, wie schon unter #3 geschrieben, habe ich mir nicht mühsam irgendwelche Beispiele für meine These rausgesucht, sondern mir ergebnisoffen im Archiv angesehen, wie die Medien damals berichtet haben. Ehrlich gesagt, hatte ich tatsächlich erwartet, dass sie Hillary Clinton quasi schon vorab zur Siegerin erklärt hätten – wenn das so gewesen wäre, hätte ich das aufgeschrieben. Es war aber deutlich differenzierter, und deshalb ich das entsprechend aufgeschrieben.

    (Dass das nur eine Stichprobe ist und keine umfassende Analyse aller Berichte damals, ist mir bewusst.)

    Und was die ARD-Umfrage angeht: Ja, über ihren Sinn kann man streiten. Aber wie hätte sie ausgehen müssen, um zu belegen, dass die Deutschen von ihren Medien gut informiert waren? Tatsächlich sprachen ja sehr viel dafür, dass Clinton gewinnen würde. Bei welcher Prozentverteilung in dieser Umfrage würde man im Nachhinein sagen: Ah, die Deutschen waren aber gut informiert?

  20. Nur mal aus reiner Neugierde: gabs denn damals auch eine vergleichbare Umfrage in den USA selber, also nicht, was jemand wählt, sondern, was die Leute glaubten, wer gewinnt?

  21. @ STEFAN NIGGEMEIER
    Ein besserer Artikel hätte die verblüfften Gesichtern in der ARD-Wahlnachtsrunde nicht übergangen, deren Träger ganz offen bekannten, ein gänzlich anderes Ergebnis erwartet zu haben. (Ganz einfach über Youtube zu finden)
    Ein besserer Artikel hätte die generelle Marschrichtung relevanter Medien in den Fokus gerückt, anstatt sie hinter einer kursorischen Zusammenstellung von disparaten Einzelartikeln zu vernebeln. (Beispiel: Die „New York Times“ gab die Wahrscheinlichkeit für einen Sieg Clintons mit 85% an.)
    Ein besserer Artikel hätte die distanzlose Demoskopiegläubigkeit vieler Journalisten, das Problem der eigenen Blase und die Neigung zum gemütvollen Trott in der Meinungsherde aufgespießt.

    Ich tippe mal darauf, dass die anstehenden Wahlsendungen in der ARD diesmal in weniger weihrauchhafter Gewissheit starten, weil man über das Erlebnis der eigenen Fehlerhaftigkeit eben doch einen Lerneffekt vergegenwärtigte und nun bestrebt ist, einen tauglicheren Journalismus als 2016 anzubieten. Also ganz optimistisch: Ich gehe davon aus, diesmal besser informiert zu werden.

  22. Für eine vollständige Analyse wäre es hilfreich, nicht nur auf einzelne Artikel zu verweisen, die Trumps Sieg für möglich hielten, sondern darüber hinaus auch eine quantitative Erhebung vorzunehmen. So erklärt sich bestimmt auch, wie die 9% zustande kamen. Die Meinungsbildung der Befragten entstand sicher nicht unabhängig von der Berichterstattung.

  23. Es ist schwierig, Fakten, die gegen die eigenen Überzeugungen sprechen, wahrzunehmen, abzuwägen oder gar objektiv zu bewerten.

    Selbst Einstein hat die Konsequenzen (Urknall) seiner Forschung aufgrund innerer Überzeugung (Steady-State-Theorie) verleugnet, und dann Jahrzehntelang damit vergeudet, die Fakten passend zu seinem Weltbild irgendwie wieder geradezurücken (kosmischen Konstante).

    Wenn schon so große Geister wie Einstein an inneren Überzeugungen scheitern, dann wollen wir Journalisten und anderen Aktivisten, die selbstgewählte Faktenblindheit entschuldigen.

    Einstein hatte die Größe, seine größte „Eselei“ als solche einzugestehen. Alles in allem ein echtes Vorbild.

  24. @22: Wie wärs mit ein paar Belegen? Der Autor hat gezeigt, wie berichtet wurde, sie behaupten nur.
    Wenn die Times 85% W’keit für einen Sieg Clintons auswies, bleiben ja immerhin 15% für Trump, find ich durchaus eine realistische Einschätzung damals. Welcher Prozentsatz wär Ihnen denn genehm gewesen?

  25. @Phasenweise: Natürlich waren die Leute überrascht, denn das Ergebnis war überraschend. Aber von den meisten Medien dann doch nicht ausgeschlossen worden.

    Mich würde wirklich Ihre Antwort auf meine Rückfrage interessieren.

  26. @21, DerMax: Ja, solche Umfragen gab es 2016 und sie zeigen, dass damals im Verlaufe der Zeit zwischen Vorwahlen und Wahlen durchaus relevante Schwankungen auftraten bei der Frage „who will win?“. Hier sind z.B. Zahlen mehrerer CNN/ORC-Umfragen, die zeigen, dass selbst Trumps Unterstützer*innen nicht besonders zuversichtlich waren, dass er gewinnt und insgesamt ca. 70% der Befragten unabhängig ihrer Präferenz von Clintons Sieg ausgingen. Aber, wie gesagt: Die Zahlen schwanken je nach Erhebungszeitpunkt (siehe https://edition.cnn.com/2016/10/25/politics/hillary-clinton-2016-election-poll/index.html).

    Vergleichbare Umfragen zeigten übrigens bei den Midterms, die die Demokraten mit einem der größten Sitzzugewinne der letzten Jahrzehnte gewannen, dass die demokratischen Wähler*innen damals trotzdem wenig zuversichtlich waren – gebranntes Kind halt…

  27. Mir scheint, die Wahrnehmung von Demoskopie und Berichterstattung um die Wahl 2016 ist eher ein Beispiel dafür, dass Menschen gedankliche Schwierigkeiten haben, mit Wahrscheinlichkeiten umzugehen. Wenn es heißt, Ereignis A wird mit 70% und Ereignis B nur mit 30% Wahrscheinlichkeit eintreten, und es tritt dann Ereignis B ein, heißt das eben nicht, dass die Einschätzung vorher falsch war. Dass etwas unwahrscheinlich ist, heißt eben nicht, dass es nicht passiert – es passieren ständig unwahrscheinliche Dinge. Es heißt nur, dass es wahrscheinlich nicht passiert.

    Heute vor einem Jahr war es sehr unwahrscheinlich, dass bald danach eine Pandemie beginnen würde – obwohl sie möglicherweise bereits begonnen hatte. Bis zum 8. November 2016 wahr es unwahrscheinlich, dass Trump präsident werden würde – es passierte trotzdem. Zur Minute ist es sehr wahrscheinlich, dass Biden die Wahl gewinnen wird – in ein paar Stunden oder Tagen wird das nicht mehr wahrscheinlich sein, da wird es der Fall sein oder eben nicht. Aber auch wenn Trump gewinnt, bedeutet das nicht, dass das zum jetzigen Zeitpunkt wahrscheinlich wäre.

    Eine Umfrage danach, was die Deutschen glauben, wer die Wahl gewinnen wird, ist zwar hochgradig blödsinnig. Dennoch: Hätte man damals zumindest gefragt „Wer wird wahrscheinlich die Wahl gewinnen?“, dann hätten die 82% vor vier Jahren vernünftig (heißt in dem Fall: nach aktuellen Wissensstand) geantwortet und 9% unvernünftig.

    Also: Wenn die Medien vor der Wahl 2016 geschrieben haben, dass Clinton wahrscheinlich gewinnen werde, dann hatten sie damit völlig recht.

  28. @ STEFAN NIGGEMEIER
    Die Antwort habe ich Ihnen doch nun schon mehrfach sowohl durch meine Fragestellung als auch meine Verbesserungsanregungen für künftige Betrachtungen dieser Thematik implizit gegeben. Natürlich halte ich es für erstrebenswert, dass Mediennutzer möglichst auf eine Weise informiert werden, die sie nicht verdutzt, sondern präpariert.

    Wenn eine derart wichtige Wahl so einseitig begleitet wird (s.o.), dass mit dem tatsächlich eingetretenen Ergebnis zuvor nicht ernstlich kalkuliert wurde, müssen sich die Fachberichterstatter nun einmal Fragen nach ihrer Expertise gefallen lassen. Dass Sie diese Fragen nicht stellen, sondern nur tautologisch deklamieren, das Ergebnis sei überraschend, weil man nicht mit diesem Ausgang rechnete, kritisiere ich ja gerade.

  29. @Error
    Dass wir Deutschen nur zu wenigen Prozent Trump für möglich hielten, das haben wir sicher unabhängig von jeglichen Berichten aus einer gewissen egozentrischen Perspektive so vermutet, nämlich indem wir Trump, insbesondere sein Auftreten, objektiv als absolut unpräsidial wahrgenommen haben und selber ihn eben nicht wählen würden. Das ist menschlich, zu sehr von sich auf andere, in diesem Fall die amerikanischen Wähler, zu schließen.

  30. In Washington DC steht es 92,8 zu 5,7 für Biden. Das ist halt der Bias, der sich in der Berichterstattung niederschlägt und den es angeblich nicht gibt.

  31. Bis jetzt ist es so gekommen, wie ich es erwartet habe.
    1. Trotz der Umfrageführung für Old Joe bleibt der Wahlausgang knapp.
    2. Onkel Donald erklärt sich vorzeitig zum Sieger und will die weitere Auszählung der Stimmen gerichtlich stoppen.
    3. Das Wahlergebnis wird sehr spät, wenn nicht erst morgen feststehen.
    4. Die Schlammschlacht hat noch gar nicht richtig begonnen, Trumps Pressekonferenz war erst der Anfang des demokratischen und rechtsstaatlichen Desasters, dagegen war 2016 ein Kindergeburtstag.

  32. Wenn dieses Mal etwas überrascht, dann ist es der große Vorsprung von Trump in Pennsylvania und Florida. Denn dort hat er 2016 sehr knapp gewonnen.
    Die Nachrichten dazu waren vorher international nachzulesen.
    Es ist falsch, dass darüber in deutschen Medien nicht berichtet wurde. Auf meinem Blog war das. Und dort stand auch die Prognose, dass Biden für demokratische Verhältnisse nicht gerade ein Staubsauger für Minderheitenstimmen sein würde.
    Die Journalisten in großen deutschen Medien haben einfach ein Riesenproblem damit, kühle Fakten von ihren warmen Wünschen zu trennen.

  33. @34: Jup, denke auch der Wahlausgang wird wahrscheinlich vor Gericht entschieden werden. Was ist das für ein Präsident, der die Auszählung von Stimmen verhindern will? Ich hatte ja bis zuletzt gehofft, dass zumindest das demokratische Procedere eingehalten wird. Aber das war halt auch irgendwie alles absehbar, nachdem man ja sogar versucht hatte, den Postal Service möglichst zu behindern, alle Briefwahlstimmen zuzustellen. Und die USA waren mal Vorbild für Demokratie … Vor gar nicht allzu langer Zeit. Mich macht das echt ein bisschen traurig.

  34. @Andreas Müller: Trump hat keinen sehr großen Vorsprung in Pennsylvania, wenigstens wissen wir noch nicht, ob er den hat. Der große Teil der (mutmaßlich sehr Demokraten-lastigen) Briefwählerstimmen ist noch gar nicht ausgezählt.

  35. @Phasenweise: Meine Frage war: Wie hätte die Umfrage unter Deutschen „Wer, glauben Sie, wird die Wahl gewinnen“ ausgehen müssen, damit Sie sie als Beleg dafür nehmen, dass die Menschen von den Medien gut informiert worden waren?

  36. Ein grundlegendes Problem scheint mir zu sein, dass die deutschen US-Beobachter lausiges Englisch sprechen und gar nicht kapieren, was dort drüben Sache ist. Ich selbst habe den „Spiegel“ viermal korrigiert, weil er lachhafte Übersetzungen geliefert hatte.

  37. Dass auch in Deutschland, medial wie in der Bevölkerung, die Ansicht vorherrschte, Trump sei bestenfalls ein theoretisch vorstellbarer politischer Unfall, ist eine Sache. Wesentlich schwerer wiegt jedoch, dass sich die deutschen Medien seit nunmehr vier Jahren entrüstet und daueraufgeregt an dem Mann abarbeiten. Nach dem Motto: Es kann doch nicht sein was nicht sein darf. Und selbst heute, am Tag seiner mögliochen Abwahl, erscheinen Artikel, die analysieren, was an Trump krank ist. Was soll das?

  38. @ Stefan Niggemeier #37
    Die Briefwahlstimmen sind natürlich ein guter Punkt.
    Allerdings hatte Trump 2016 in Pennsylvania am Ende 2.970.733 Stimmen oder 48,18%.
    Aktuell sind für ihn bereits 2.965.636 (Fox) bzw 2.969.504 (CNN) Stimmen in PA gezählt. Auch wenn (nach erst 64% Auszählung) die aktuellen 55% Stimmenanteil sicher nicht das letzte Wort sind, dürfte Trump in PA am Ende deutlich mehr Stimmen gewonnen haben als 2016, während Biden noch sehen muss, ob er Clintons Zahl absolut erreicht.
    Ein Wahlsieg Bidens dort müsste also notwendig mit einer enorm viel höheren Wahlbeteiligung verbunden sein.

  39. Dieser ARD Kommentar kommt betr. PA auf folgende Analyse:
    „Seine Ankündigung, die weitere Auszählung von spät eingetroffenen Stimmen gerichtlich stoppen zu wollen, ist ein fundamentaler Angriff auf das Innerste der Demokratie: auf das Recht, als Gleicher unter Gleichen die eigene Regierung in einer freien und geheimen Wahl bestimmen zu können. Noch ist nicht klar, zu welchem Ergebnis die Auszählung von Briefwahlstimmen insbesondere im umkämpften Bundesstaat Pennsylvania führen wird.“

    https://www.tagesschau.de/kommentar/usa-wahl-trump-103.html

  40. Anscheinend liegen nun Trump und Biden in etwa gleichauf. Auch das hat die deutsche Presse 4 Jahre lang berichtet: Trump spaltet das Land. Offenbar genau in der Mitte, in genau zwei Hälften.

    Die noch nicht ausgezählten Stimmen, nach von deutscher Presse verbreitetem Erklärbärbrummeln sind es immer die demokratischen Wähler, die Briefwählen. Sogar Trump glaubt das und will die Auszählung der letzten Briefwahlstimmen verhindern. Gerade bei den letzten eingesandten Briefen dürfte diese Regel, wenn sie denn bestanden hat, aber keine Rolle mehr gespielt haben. Wer immer erst spät merkte, dass er bis zum Wahltag nicht mehr am normalen Wahllokal vorbeikommen wird, wird briefgewählt haben, ob demokratisch oder republikanisch. Trump hat zudem noch die Wahlmännerüberzahlchance, durch wahrscheinlichen Sieg in Ohio und Texas.

  41. @ STEFAN NIGGEMEIER
    Ich habe Ihnen doch schon definiert, was ich als „gut informiert“ betrachte (s.o.) und Ihnen ein journalistisches Ideal skizziert, das den Rezipienten auf wichtige Ereignisse – wie bspw. die Chancen in der Präsidentenwahl im gegenwärtig wichtigsten Staat der Welt – bestenfalls ergebnisnah einstimmt (s.o.).

    Es ist völlig in Ordnung, dass Sie Ihren Artikel verteidigen wollen, aber seien Sie doch wenigsten so gut, und sabotieren die Ihnen sichtlich unerwünschte Diskussion etwas intelligenter als ausgerechnet im Papageienmodus.

  42. @45: Die Sabotage von Briefwahlstimmen geht ja schon länger, als heute, siehe die „Maßnahmen“ beim Postal Service.
    Es geht um ca. 80 Mio. Stimmen.
    (Tagesspiegel hat dazu vor 3 Tagen einen sehr guten Artikel veröffentlicht)

    Und ja, Briefwahl machen meist Wähler der Demokraten:
    https://bit.ly/2JqKkpR
    „Bis zum (…) Sonntag hatten die als Demokraten registrierte Wähler einen (…) Vorsprung von 51 zu 31 Prozent.“

  43. @Phasenweise: Wollen Sie nicht in die Politik gehen? Hartnäckigen konkreten Fragen ebenso hartnäckig ausweichen können Sie jedenfalls sehr gut…

  44. Eigentlich müsste spätestens nach den heutigen Aussagen Trumps ein wie auch immer zusammengesetztes Spezialkommando ins Weiße Haus einmarschieren und den „Präsidenten“ mit einem Fußtritt in den Allerwertesten auf die Pennsylvania Avenue befördern.
    Und damit würde er noch vergleichsweise gut wegkommen!

  45. @ Uwe Kilick #45
    „Trump spaltet das Land“
    Ich habe das Land schon lange nicht mehr anders erlebt. Die Spaltung zur Zeit des Amtsenthebungsverfahren gegen Bill Clinton wurde auch so beschrieben (Der Schuldige hieß damals Newt Gingrich).
    Erneut offenbar wurde die Spaltung bei der Wahl 2000 mit einem Patt zwischen Bush und Gore und der (ziemlich zweifelhaften) Entscheidung zugunsten Bushs in Florida. Bush wurde damals in deutschen Medien als ein eher suspekter Ex-Trinker dargestellt: „wiedergeboren und von evangelikalen Rechten unterstützt“. Meine Mutter hat danach immer schaudernd das Gesicht verzogen, wenn sie ihn sah, und von ihm nichts Anderes als einen Weltenbrand erwartet.
    Heute gilt er hierzulande als guter Republikaner, warum auch immer, und wird auch gerne als Kronzeuge für die schlimme Spaltung zitiert.
    Die Spaltung scheint konstitutiv zu sein für das Land, seinen politischen Prozess, die mediale Rezeption, ohne dass sie im Einzelfall einen dauerhaften Sinn behält.

  46. @39 Roland Hanewald
    Es wird so viel vom Englischen ins Deutsche übersetzt, natürlich holpert es dann auch mal ungewollt. Jedenfalls ist das mit eine der überheblichsten und unsinnigsten Erklärungen, die ich zu dem Thema je gelesen habe. Wenn Sie das für Mandarin, Suaheli oder sonstwas anführen würden, aber für Englisch ist das einfach nur schräg so zu tun, als wäre das exklusives und rares Wissen, diese Sprache zu beherrschen.
    (Ich selbst habe ein gutes Jahrzehnt im Ausland in einer englischen Firma gearbeitet, fühle mich also durchaus berechtigt zu solch einem Urteil.)

  47. @Andreas Müller #50

    Heute gilt er hierzulande als guter Republikaner, warum auch immer,

    Naja, wenn man im Vergleich zu Trump, Graham oder Barr wie ein harmloser Schulbub daher kommt…
    Und er ist eine der wenigen, hier bekannten, offen kritischen Stimmen aus Reihen der Republikaner.

    P.S. Heute früh hieß es Trump hat wohl ~5 Mio mehr Stimmen erhalten als 2016.

  48. @43, Anderer Max: Trumps Team hat ja nur für Staaten, in denen er vor Ende der Auszählung vorn lag (Wisconsin, Michigan, Georgia, Pennsylvania) gefordert, das Zählen abzubrechen. In Nevada und Arizona, wo Trump zurücklag (bzw. -liegt), fordert er, man müsse bis zum Ende weiterzählen…
    Sollte es so bleiben wie jetzt, basiert Trumps (rechnerisch noch möglicher) Wahlsieg übrigens auf Stimmen, die erst nach dem Wahlabend gezählt wurden. Nette Ironie.

  49. Wenn generell mehr Republikaner per Briefwahl abstimmen würden, als Demokraten hätte der USPS auch wahrscheinlich mehr Kästen aufgestellt, statt welche abgebaut.
    https://www.theguardian.com/business/2020/sep/03/usps-board-of-governors-robert-duncan-republican-party

    Mich stört am meisten daran, dass ca. 50% der US-Amerikaner anscheinend kein Problem mit derartigen Methoden haben.

    Hoffnung bereitet mir, dass selbst ein Ben Shapiro tweetete, dass sich Trump nicht einfach zu Wahlsieger erklären dürfe.
    Ich habe die leise Hoffnung, dass sich die GOP im Falle einer Trump-Niederlage neuorientiert und die ganzen Teaparty-Leute versucht loszuwerden. Lange überfällig.

    Wenn Trump verliert dürfte er ja auch in 4 Jahren wieder kandidieren. Wäre nicht der erste US-Präsident, der das macht (Cleveland hat’s sogar geschafft).

  50. @40:
    „Und selbst heute, am Tag seiner mögliochen Abwahl, erscheinen Artikel, die analysieren, was an Trump krank ist. Was soll das?“

    Das liegt daran, dass er wahrscheinlich wirklich krank ist. Er weist zumindest einige klare Symptome einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung auf:

    „Die narzisstische Persönlichkeitsstörung (NPS) zeichnet sich durch einen Mangel an Empathie, Überschätzung der eigenen Fähigkeiten und gesteigertes Verlangen nach Anerkennung aus. Typisch ist, dass die betroffenen Personen übermäßig stark damit beschäftigt sind, anderen zu imponieren und um Bewunderung für sich zu werben, aber selbst nur wenig zwischenmenschliches Einfühlungsvermögen besitzen und nur wenig emotionale Wärme an andere Menschen zurückgeben.“

    Und ja, das lässt sich auch aus der Ferne einschätzen. Mittlerweile haben das ja einige Psycho-, Sozial-, etc. Therapeuten getan. Auch jemand aus meiner Familie, der politisch völlig desinteressiert ist. Zum Beispiel am Umgang mit seinem sozialen und beruflichen Umfeld: Narzissten benutzen Menschen und trennen sich von ihnen, sobald sie Ihnen nicht mehr von Nutzen sind. Siehe die enorm hohe Rate von „Rausschmissen“ unter Donald Trump. Dazu kommt das ständige Selbstlob (–> gesteigertes Verlangen nach Anerkennung), usw. usf. Wie gesagt, das sind Anzeichen, die darauf schließen lassen. Aber es deutet enorm viel und auch sehr schlüssig daraufhin.

    Und von besonderem Interesse ist es aktuell wieder, weil Trump der großen ökonomischen und militärischen Weltmacht USA vorsteht und, weil sein aktuelles Verhalten bezüglich der US-Wahl erneut in das Schema dieser Krankheit passt.

  51. #54 Anderer Max
    Wenn Trump verliert dürfte er ja auch in 4 Jahren wieder kandidieren. Wäre nicht der erste US-Präsident, der das macht (Cleveland hat’s sogar geschafft).
    Grover Cleveland war zum Ende seiner zweiten Amtszeit 60, nicht 74 wie Trump nach seiner ersten.

    #55 Ron

    Das liegt daran, dass er wahrscheinlich wirklich krank ist.

    Falls Trump wirklich eine NPS hat, dann nicht erst seit kurzem. Im Bezug auf seine übrige Gesundheit sieht das wohl bisschen anders aus.
    Das er Gläser mit zwei Händen hält und mit großen Stiften schreibt wird teilweise als Zeichen interpretiert das er mit der Motorik Probleme hat. Bei dem Alter keine Überraschung.
    Die Geschichte mit der Rampe zeigt meiner Meinung das er sich dessen bewusst zu sein scheint aber solche Zeichen von Schwäche nicht zugestehen mag.

    Bei dem Hintergrund finde ich besonders schade das sich die Demokraten auf einen ähnlich „frischen“ Kandidaten rausgepickt haben. Biden scheint zwar körperlich und geistig besser da zu stehen als Trump, aber 2 Amtszeiten erwarte ich da nicht.

  52. Na ja, wenn der arme Kerl krank ist, kann er ja nichts dafür. Jetzt habe ich vollstes Verständnis für seine Handlungen und Aussagen, „will nicht, muss“ sagt Peter Lorre am Ende in „M – Eine Stadt sucht einen Mörder.“
    Einen kranken Menschen sollte man nicht beschimpfen, sondern ihm Hilfe anbieten!

  53. @56: „(…) nicht 74 wie Trump nach seiner ersten.“
    Es gibt m. W. kein max. Alter für die Kandidatur – rein formal.
    Nach kurzer Web-Recherche lag die Lebenserwartung 1900 bei ca. 50 Jahren in den USA, derzeit liegt sie bei ca. 78 Jahren.

  54. @Anderer Max / #54
    „Ich habe die leise Hoffnung, dass sich die GOP im Falle einer Trump-Niederlage neuorientiert und die ganzen Teaparty-Leute versucht loszuwerden.“

    Ich befürchte, genau das wird nicht passieren. Dafür ist die Niederlage leider nicht deutlich genug ausgefallen, besonders, was den Kongress und die Parlamente der Bundesstaaten betrifft. Die Trump-Leute werden das als Bestätigung ihres Kurses auffassen, und die anderen werden kuschen oder sich nicht durchsetzen können, denn ein Großteil der republikanischen Wählerschaft würde eine Abwendung von Trump nicht verzeihen. Trump wird wohl auch weiterhin eine bestimmende Figur in und neben der Partei bleiben, und wenn er fit genug bleibt, tritt er 2024 wieder an – mit vielleicht gar nicht so geringen Erfolgsaussichten.

    Seine jetzigen Manöver, die Legitimität anzuzweifeln, halte ich übrigens nicht für den Versuch, sich an das Amt zu klammern, also letztlich den Staatsstreich zu versuchen ( und wenn, hat das keine Chance). Ich glaube, es geht viel eher um das Narrativ, dass Trump eigentlich gar nicht verloren hätte und nur unrechtmäßig aus dem Amt gedrängt worden wäre. Das ist für Trumps Persönlichkeit und sein Selbstbild als Erfolgsmensch essenziell wichtig und bereitet auch die Basis für sein politisches Überleben und evtl. die nächste Kandidatur. Und auch wenn das alles Blödsinn ist, werden viele seiner Anhänger dieses Narrativ durchaus glauben.

  55. @59: korrekt, Trump ist nach eigenem Verständnis nur Gewinner und kann gar nicht verlieren, deshalb dieses Getöse und dann kann mit der Legende gearbeitet werden. Ich seh auch nicht, wie sich die Republikaner ohne ihn aufstellen wollen, dafür haben sie zuviel für ihn von ihrer Identität aufgegeben. Ich seh auch „einen“ Trump als möglichen Kandidat für 2024 (Ivanka möglicherweise…).

  56. Biden scheint zwar körperlich und geistig besser da zu stehen als Trump,

    Einen Tag danach sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Auf einmal ist er auch für die MSM der Sleepy Joe.

    Biden ist noch nicht mal Präsident, und die Medien bereiten uns schon jetzt darauf vor, dass er bald den Platz zu räumen hat für Harris.

  57. @Jörn: Und weil der Merkur den Twitterfeed des DailyCaller, einer rechtspopulistischen Meinungsseite von Tucker Carlson mit einer zuverlässigen Quelle verwechselt, bereiten „die Medien“ „uns“ jetzt darauf vor, dass Biden doch nur eine Marionette von Kamala Harris ist? Zweiter „Beweis: Biden spricht in dem anderen verlinkten Interview wohl den Moderator, der George hieß, an und verwechselte gar nicht Trump mit George Bush, aber das ist egal, weil’s die Story kaputt macht? Alles klar.

  58. @59: Absolut d’accord. Wenn Trump die Wahl einfach anerkennen würde, würde er ja „das System“ selbst anerkennen und so seine Präsidentschaft in den Augen seiner Fans unterminieren.
    Jetzt geht es darum, sich als Opfer darzustellen, was als Nicht-Präsident endlich wieder deutlich einfacher wird.
    Ich bin auch auf das Getöse reingefallen. Die ganzen Lügen im Nachgang der Wahl waren die Vorbereitung auf ein „geprellter Gewinner“ Narrativ, kein ernsthafter „Angriff auf die Demokratie“.

    Ich halte es auch an dieser Stelle noch einmal für wichtig zu erwähnen, dass es zu keinem Zeitpunkt einen „Vorsprung“ für irgendwen gab. Die Schätzungen während der Auszählung waren eben genau das: Schätzungen auf Basis einer unvollständigen Datenlage. Es kann nichts „geklaut“ werden, das nie existierte.

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