Tausche Aufmerksamkeit gegen Aufmerksamkeit

Es gibt in meiner Einschätzung so ungefähr drei Stufen demokratischer Grundausstattung. In einer perfekten Welt hätten alle Menschen Empathie, also die Fähigkeit, sich in die Lage der anderen zu versetzen. Eine Stufe darunter folgt zumindest die Einsicht, dass andere Menschen Rechte und Bedürfnisse haben könnten, selbst wenn man sie nicht versteht. Die unterste Voraussetzung, die absolut notwendige, ist die Fähigkeit, sich an Regeln zu halten.

Am Wochenende sind 17.000 Menschen durch Berlin gezogen, um zu demonstrieren, dass sie nicht einmal diese Grundvoraussetzung erfüllen. Vielleicht entlarve ich mich selbst als nicht empathiefähig, wenn ich gestehe, dass ich nicht einmal verstanden habe, gegen was genau die da protestieren, aber es wirkt, als hätte da eine ganze Menge Menschen Pech beim Denken. Der Versuch von Kollegen, die Beweggründe der Corona-Demonstranten erklärt zu bekommen, scheiterte jedenfalls spektakulär daran, dass sie Nachfragen gewalttätig verhinderten – was den Sinn öffentlicher Demonstrationen ein bisschen konterkariert.

Demonstranten gegen Corona-Maßnahmen Foto: imago images / Jochen Eckel

Empathie, Anerkennung von Rechten und Bedürfnissen oder zumindest die Fähigkeit, sich an Regeln zu halten, sind übrigens, wenig überraschend,1)Wenig überraschend deshalb, weil Journalismus, bzw. informierte Bürger, auch Grundvoraussetzung für eine Demokratie sind. auch Grundvoraussetzungen für Journalismus. Der NDR hat in seinem Online-Format „Strg_F“ eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wie nötig das ist, indem er das Gegenteil gemacht hat und Teile des Vernehmungsvideos des Mörders von Walter Lübcke zu einer Sendung verwurstete.2)Ich will da nicht hin verlinken, aber es stand auf Übermedien schon etwas dazu.

Mich nervt das sehr persönlich, weil ich an dieser Stelle vor einer Woche argumentiert habe, dass es für die journalistische Verarbeitung von Verbrechen richtig und sogar wichtig sein kann, Aufnahmen der Tat zu benutzen.3)Abgesehen davon, dass es darum ging, sie zu zitieren und nicht mehr oder weniger komplett einfach zu senden, aber das ist auch nur noch mehr vom ohnehin stinkenden Mist. Aufnahmen, in denen Mörder ihre Taten erklären, sind das bestimmt nicht.

Für mich sieht das sehr eindeutig aus: Sie hatten das Video, und es ist spektakulär4)Gerade weil es so sehr der Ästhetik amerikanischer Crime-Fiction-Serien entspricht., deshalb haben sie es gesendet. Jede andere Erklärung wirkt wie nachgeschobene Rechtfertigung. Mit Empathie, der Anerkennung von Bedürfnissen jenseits der eigenen Klickzahlen oder auch nur der Beachtung von Regeln5)Ich bin fest der Überzeugung, dass die Ausstrahlung illegal ist, aber das wird sich wahrscheinlich noch zeigen, ich bin da nicht der größte Experte. wäre man zu einer anderen redaktionellen Entscheidung gekommen. Es ist aus meiner Sicht reine Klick-Hurerei. Und damit wächst die Zahl der Menschen, die mir diese Woche gepflegt auf die Nerven gehen, auf allen Seiten. Wenn es denn noch Seiten gibt.

Der Kampf um unsere Augen und Ohren

Das auf den ersten Blick Merkwürdige ist die Ähnlichkeit des Vorgehens: Wir brauchen sicher nicht darüber streiten, ob der NDR in Zeiten linearen Fernsehens ein Video der Vernehmung eines mutmaßlichen Mörders gesendet hätte, während der Prozess noch läuft und nicht einmal alle Zeugen einvernommen sind. Er hätte es nicht getan. Andererseits waren das Zeiten, in denen ihm als Sender eine Menge Aufmerksamkeit schon sicher war, und es ging im Wesentlichen darum, mit der Aufmerksamkeit umzugehen.

Heute ist das anders: In der so genannten Aufmerksamkeitsökonomnie gibt es eben nicht nur 15 Minuten Fame für jeden, sondern unendliche Stunden für manche und viele, viele Abgehängte. Der Kampf um unsere Augen und Ohren wird bunter, lauter und heftiger. Die Grenzüberschreitung wird Mittel zum Zweck. Es sind natürlich auf vielen Ebenen vollkommen unterschiedliche Dinge, ob ich ein faktisch korrektes Video sende, das aus Gründen der journalistischen Ethik nicht öffentlich gemacht werden sollte, oder ob ich behaupte, der Corona-Virus wäre eine Erfindung zur Unterdrückung der Massen,6)Oder was auch immer da Leute auf diesen Demos sagen, ich verstehe es wirklich nicht. aber von da, wo ich gerade sitze, sieht es doch so aus, als benutze da einfach nur jeder das, was er eben zur Verfügung hat, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Das Problem liegt im System.

Und es ist urmenschlich: Wir vergeben innerlich einen Wert für die Aufmerksamkeit, die Menschen bekommen, wir selbst oder andere. Gleichzeitig unterbewerten wir viel zu stark die Aufmerksamkeit, die wir schenken. Ich habe in den vergangenen vier Jahren viel zu oft Donald Trump zugehört und in den vergangenen vier Wochen viel zu oft Attila Hildmann – in beiden Fällen ziemlich ausschließlich, um mir selbst zu bestätigen, dass sie Verrückte sind, die meine Aufmerksamkeit nicht verdienen. Ökonomisch ist das nicht.

Hier ist etwas für Ihre Aufmerksamkeit

Aber ich kann zumindest die Teilrechtfertigung anbringen, dass ich meine verschenkte Aufmerksamkeit dazu benutze, hier selbst ein bisschen Aufmerksamkeit zu bekommen, denn wenn Sie das hier lesen, haben Sie mir Ihre geschenkt und das tut zumindest mir gut.7)Danke! Ich möchte vorsichtig damit umgehen, deshalb mache ich zwar jetzt eine dramatisch unelegante Überleitung, aber ich empfehle einen irgendwie herzzerreißenden Film: Die Dokumentation „The Final Year“ auf Netflix folgt den wichtigsten Außenpolitikern der Obama-Regierung in seinem letzten Amtsjahr. Es tut irrsinnig gut, Menschen wie Samantha Powers zu sehen, die tatsächlich etwas tun wollen. Ich werde das hier nicht spoilern, aber es sind gut angelegte anderthalb Stunden, nicht nur, weil sie an eine Zeit erinnern, als Amerika noch Diplomaten hatte, die den Namen verdienen. Es hat mich an einen Satz erinnert, den mir einmal ein sehr kluger Diplomat gesagt hat und der mir oft hilft, wenn die Welt mich von allen Seiten aufregt. Er hat gesagt: „Diplomatie ist, wenn du bekommst, was du willst, ohne dass irgendjemand bemerkt, dass du es bekommen hast.“

Der Satz hilft mir, weil er mich erinnert, dass ich mich nur aufrege, weil ich nichts besseres zu tun habe. Man muss etwas wollen. Aber das kann ich spoilern: Aufmerksamkeit reicht als Ziel niemals.

Fußnoten   [ + ]

1. Wenig überraschend deshalb, weil Journalismus, bzw. informierte Bürger, auch Grundvoraussetzung für eine Demokratie sind.
2. Ich will da nicht hin verlinken, aber es stand auf Übermedien schon etwas dazu.
3. Abgesehen davon, dass es darum ging, sie zu zitieren und nicht mehr oder weniger komplett einfach zu senden, aber das ist auch nur noch mehr vom ohnehin stinkenden Mist.
4. Gerade weil es so sehr der Ästhetik amerikanischer Crime-Fiction-Serien entspricht.
5. Ich bin fest der Überzeugung, dass die Ausstrahlung illegal ist, aber das wird sich wahrscheinlich noch zeigen, ich bin da nicht der größte Experte.
6. Oder was auch immer da Leute auf diesen Demos sagen, ich verstehe es wirklich nicht.
7. Danke!

28 Kommentare

  1. Vielleicht ein Medienversagen, dass Sie das Anliegen nicht mitbekommen. Vielleicht auch Opfer der eigenen Überheblichkeit, wenn man nach Inhalten fragt, nachdem man Andersmeinende in die unterste Kategorie anstatt der mittleren gesteckt hat.
    (Auf jeden Fall auch Schuld der Veranstalter, die gar keinen klaren inhaltlichen Aufruf zustande gebracht haben.)
    Und jetzt nicht sagen, Dunja Hayali wollte doch fragen…

  2. „Und jetzt nicht sagen, Dunja Hayali wollte doch fragen…“

    Ja aber bitte, was denn sonst?
    Weshalb ist Hayali denn hingegangen, wenn nicht um zu fragen und die Beweggründe der Demonstranten zu erforschen. Und anschließend die Befragungsergebnisse neutral und objektiv den Fernsehzuschauern bekanntzugeben.

    Gut, könnte mancher einwenden, Dunja Hayali begann um 11 Uhr live bei Instagram zu senden – ein Corona-Experiment der besonderen Art gleich in mehrfacher Hinsicht. Derzeit erlaubt die Rechtslage in der EU die erkennbare Abbildung von einzelnen Personen und die Verbreitung von entsprechenden Film- und Fotoaufnahmen eigentlich nur nach Einholung einer schriftlichen Genehmigung nach den Vorgaben der Datenschutzgrundverordnung. Hayali aber wagt es dennoch, einfach draufzuhalten. Und trotz der Allgegenwart von Nazis, Faschisten und Corona-Leugnern ringsum war die ZDF-Frau auch viereinhalb Stunden später noch bei bester Gesundheit und live auf Sendung.

    Erst um 15.30 Uhr, als alle Aufnahmen im Kasten waren, gelang es dem Fernsehteam dann doch noch in ein „Gerangel“ (ZDF) zu geraten, in dem Dunja Hayali „geschubst“ wurde, so dass ein werbewirksamer Abbruch der Dreharbeiten begründet werden konnte.

    Über die abendlichen Ereignisse gleich nebenan (Neukölln), bei denen einige Tausend gewaltsam gegen die Schließung der Kneipe Syndikat protestierten, konnte das ZDF deshalb leider nicht berichten.

    Egal, die Bilanz lautet: Hayali konnte nicht berichten, weil sie von den Covidioten gewaltsam behindert wurde.

    Ob das redlich ist, man jeder selbst beurteilen.

  3. @2: „Und trotz der Allgegenwart von Nazis, Faschisten und Corona-Leugnern ringsum war die ZDF-Frau auch viereinhalb Stunden später noch bei bester Gesundheit und live auf Sendung.“. Also Nazis sind erst dann ein bisschen problematisch, wenn sie Leute verletzen/umbringen? Steile These.

  4. Sehr gute Kolumne, Herr Pantelouris!

    Aber eigentlich wollte ich mich bei Ihnen nur für den herrlichen Ausdruck »Pech beim Denken« bedanken… lange habe ich nach einer prägnanten Formulierung für exakt dieses von mir leider zurzeit viel zu häufig zu beobachtende Phänomen gesucht – meine Suche ist beendet :-)

    Da hatte ich wohl heute mal »Glück beim Lesen«!
     

  5. Eigentlich brauche ich keine Empathie, um Wählen zu gehen.

    Aber zufällig ist das Verhalten der Anti-Corona-Maßnahmen-Demonstranten relativ leicht erklärlich: sie glauben nicht, dass Regierung, Presse und Wissenschaft es ehrlich mit ihnen meint. Bzw., sie wollen die Konsequenzen daraus nicht tragen, und behaupten einfach, das die die Unwahrheit sagen.

    In beiden Fällen ist es nicht sinnvoll, offen mit Presseleuten zu sprechen, entweder, weil sie selbst nicht ehrlich sind, oder aber, weil sie ehrlicherweise glauben, dass Hayali unehrlich ist.

    Und dass zumindest einige der Demonstranten etwas gegen Menschen haben, die sie als Irakerinnen betrachten, ist dann auch kontraproduktiv, um es mal nett zu formulieren.

  6. @FixundFoxi, #2

    „Derzeit erlaubt die Rechtslage in der EU die erkennbare Abbildung von einzelnen Personen und die Verbreitung von entsprechenden Film- und Fotoaufnahmen eigentlich nur nach Einholung einer schriftlichen Genehmigung nach den Vorgaben der Datenschutzgrundverordnung.“

    So absolut, wie Du es hier formulierst, ist es falsch. Natürlich ist für Journalisten das Filmen einer öffentlichen Demo erlaubt.

    Deine darauf aufbauende Argumentation ist also Mumpitz.

    Den Abbruch des Drehs als „werbewirksam“ zu bezeichnen, ist unredlich.

  7. @7: Hören Sie damit auf, andersartige Meinungen zu unterdrücken! Wenn er sich danach fühlt zu meinen, dass das Filmen nicht erlaubt war, dann ist das hinzunehmen!

  8. „Die unterste Voraussetzung (für die Demokratie), die absolut notwendige, ist die Fähigkeit, sich an Regeln zu halten.“
    Sind für schon wieder soweit, eine Revolution darf nur stattfinden, wenn man eine Bahnsteigkarte gekauft hat?
    Begriffe wie ziviler Ungehorsam oder Sprüche wie „wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht“ sind also undemokratisch, wahrscheinlich faschistisch?
    Nein, lieber Autor, Staaten die von ihren Bürgerinnen und Bürger unbedingten Kadergehorsam verlangen, sind keine demokratischen Musterländle. Historische Beispiele wären das deutsche Kaiserreich und der realexistierende Sozialismus.
    Da taucht so ein Virus auf und 95% der ehemalig kritischen Geister verwandeln sich in Biedermeier Spießer. Warum eigentlich?
    Und, lieber Autor, wenn man wissen will, was die Ziele einer Demo sind, ist es schon lange so, dass die MSM nicht besonders hilfreich sind, aber man könnte mit Demonstranten reden (nicht provozieren) oder schlicht deren Webseite besuchen (habe ich gemacht, geht, ich weiß, was die Aufrufer der Demo wollten, heißt ja nicht, dass man alles genauso sieht).
    Zur Verwirrung zitiere ich noch mein Lieblingsplakat vom Samstag:
    „Selber denken schadet nur den Rechten!“

  9. @9: Meinen Sie nicht, dass man sich den „kritischen Geist“ erhalten kann und dennoch die staatlichen Maßnahmen zur Corona-Bekämpfung unterstützen will?
    M. E. geht es ja eher darum, auf welchen (alternativen) Fakten man seinen „zivilen Ungehorsam“ stützt. Im Falle Corona sehe ich in „Lieber Krankheit & Tod statt Gesundheitszwang“ (Titelbild) echt keine Alternative. Die Befolgung der Maßnahmen als „Kadergehorsam“ zu bezeichnen halte ich für grob daneben.
    „schlicht deren Webseite besuchen“ wäre ja auch nicht mehr, als der Selbstdarstellung zu glauben. Da hat man als Journalist dann doch eine etwas tiefere Recherchepflicht. (Polemisch – Ethnopluralismus hört sich ja auch erst mal ganz nice an. Von wegen „selber denken“ und so).
    Ich werde ja nicht automatisch zum willen- und kritiklosen Systemling, nur weil ich eine Maske im Supermarkt anziehe. Das Narrativ wird aber gerne von einer bestimmten Gruppe instrumentalisiert.

    Corona bringt aber andererseits auch viele neue Impulse in festgefahrene Diskussionen, z. B. Werksverträge in Schlachthöfen, Home-Office, Bildungssystem, Gesundheitssystem, etc.
    Ich meine ja, „wir“ könnten viel lernen aus so einer Krise, wenn „wir“ es denn wollen. Andererseits sehe ich dann solche Artikel (https://www.golem.de/news/it-in-behoerden-modernisierung-unerwuenscht-2008-148846.html) und kratze mich fortwährend am Kopf.

  10. „Da taucht so ein Virus auf und 95% der ehemalig kritischen Geister verwandeln sich in Biedermeier Spießer. Warum eigentlich?“
    Nur ein paar Vermutungen: Menschlichkeit? Empathie? Vernunft? Nicht nur den egoistischen Trieb zu haben, selber gesund zu bleiben?

  11. https://www.ra-himburg-berlin.de/medienrecht/urteile/1095-recht-am-eigenen-bild-bei-teilnahme-an-demonstration.html

    Das OLG Frankfurt am Main hat mit Urteil vom 21.04.2016 entschieden, dass eine Person, die an einer öffentlichen Demonstration teilnimmt, damit nicht zugleich eine konkludente Einwilligung für die Veröffentlichung von herausgeschnittenen Einzelbildern abgibt.

    „Ein Bildnis wird nicht gleichsam dadurch zum allgemeinen Gebrauch freigegeben, weil der Abgebildete sich in einem öffentlichen Raum bewegt und weiß, dass dort Fotos gefertigt werden. Denn die Teilnahme an einer öffentlichen Demonstration ist zweckbestimmt. Sie dient der Kundgabe der Überzeugung, die Ziele der Veranstaltung zu teilen und zu unterstützen und dafür mit seiner Person offen einzutreten. Auf andere Zwecke kann dieser Wille nicht übertragen werden.“

    Aber was wissen die schon.

  12. @12: Hoffen Sie, dass keiner auf den Link klickt?
    „Der Kläger war mit der Veröffentlichung des allein seine Person zeigenden Bildausschnittes nicht einverstanden (…)“

  13. Abgesehen davon, dass das mit den Regeln so stimmt, wie es Pantelouris schreibt. Man muss das *können*, wer das nicht hinkriegt, kann in einer Demokratie, die – eine Definition – davon lebt, dass sich die Menschen ihre Regeln selbst geben, nur „Pech beim Denken“ haben.
    Aber der Kernsatz ist auch ein anderer: „man könnte mit Demonstranten reden (nicht provozieren)“.
    Seit sich die „Regierungskritiker“ darauf eingerichtet haben, dass sie nicht „belehrt“ und „provoziert“ werden wollen, ist der Diskurs tot. Miteinander sprechen macht keinen Sinn mehr, denn es ist nur noch möglich, wenn der diskursive Grund Zustimmung ist. Das ist übrigens kein „Pech beim Denken“, das zeugt von einem tiefen Verständnis dafür, wie Debatten funktionieren und wie man sie in seinem Sinne prägen kann.

  14. @Anderer Max
    Ich glaube, Sie müssen Veröffentlichung hervorheben. So richtig. Weil, der Trick ist ja zu behaupten, dass das Ablichten schon verboten ist.

  15. @ DERMAX und ANDERER MAX
    Der Autor hat geschrieben, dass Voraussetzung für eine Demokratie ist, dass sich die Menschen an die Regeln halten. Das ist weder neu, noch hat es irgendetwas speziell mit Corona Regeln zu tun. Daher gehen ihre Antworten fehl, runden aber mein Bild ab.

    @ANDERER MAX
    Der Autor beklagt sich darüber, dass er nicht versteht, was die Demonstranten wollten. Wenn man verstehen will, was jemand will, halte ich eine Kommunikation mit dieser Person für sinnvoll. Natürlich ist das subjektiv, es geht ja um den Willen einer bestimmten Person. Danach kann man dann werten, oder den Willen in einen Kontext setzen. Man kann sich natürlich auch ausdenken, was jemand will und das dann verteufeln. So fast die gesamte Presse bezüglich der Demo am Samstag. Halte ich für undemokratisch.

    @Daniel
    Gerade bei Corona scheint mir keine Seite, schon gar nicht die der Regierungsanhänger, gewillt zu sein zu diskutieren oder nur sich einmal zuzuhören. Ich erinnere nur an die Aussage der hiesigen Kolumnistin bei SPIEGEL online: „Ich sage Mörder. Ich würde gerne diplomatischer sein, aber mir fällt kein anderes Wort ein.“ So ist jede Diskussion sinnlos.

  16. @9: Nein ziviler Ungehrosam und Widerstand sind nicht automatisch undemokratisch, sondern können zentrale Mittel demokratischer Prozesse sein (sogar Gewalt kann durchaus legitim sein). Gleichzeitig sind diese in demokratischen Gesellschaften immer Paradox.

    Brecht und Andere waren sich dieser Paradoxien bewusst, Menschen die in sozialen Netzwerken und auf Demos aktuell mit entsprechenden Zitaten hausieren gehen, sind es in der Regel nicht.

    Noch gibt es genug Mittel unter der Ungehorsams- und Widerstandsebene um gegen Regeln vorzugehen und diese müssen erst ausgeschöpft sein.

  17. @Kakapo3
    Das ist jetzt doof weil Samira El Ouassil das so jetzt gar nicht geschrieben hat und es ist dann noch doofer, weil „Regierungsanhänger“ komisch falsch ist und am doofsten, weil das Argument ja lautet: Wer an den Anfang der Debatte willkürliche Kriterien stellt, wie die anderen Teilnehmer der Debatte zu sprechen haben, der ist an einer Debatte nicht interessiert.

  18. @18: Pantelouris, nicht El Ouassil.

    @16:
    part 1: Er redet auch von „Stufen demokratischer Grundausstattung“. Sich an dem „Voraussetzung“ jetzt aufzugeilen … naja. Es ist auch eine Kolumne, also schlechtestensfalls eine Einzelmeinung, wie Ihre / meine.
    Was ihr Bild abrundet ist mir voll egal, niemand ist hier wegen Ihnen.

    part 2: Ich dachte, ein Besuch auf der Website des Veranstalters reicht? Und was hat Hayali denn anderes gemacht, als versucht sich mit den Demoteilnehmern zu unterhalten? Wie will man sich überhaupt mit Menschen unterhalten, die das das unterhalten-wollen bereits als Maßnahme der Instanz, gegen die sie demonstrieren abgestempelt haben? In welchem totalitären Regime darf man eigentlich gegen die Regierung demonstrieren? Und wird dann von Regierungsschergen noch nach seiner Position befragt und evtl. sogar gesendet?

    Ihr allgemeinnes „Man muss reden um zu verstehen“ … Klar, wer würde das nicht unterschreiben?
    Wer redet denn nicht, die Demonstranten oder Frau Hayali? Wer skandiert denn Lüschenbrässä und Schlimmeres?

    „Man kann sich natürlich auch ausdenken, was jemand will und das dann verteufeln. So fast die gesamte Presse bezüglich der Demo am Samstag.“
    Erstens bleiben Sie den Beweis dafür schuldig.
    Zweitens sind Reichskriegsflaggen ein recht guter Indikator, ob jemand verteufelt werden sollte. Das sollten auch nicht-Flaggenschwenker die da fröhlich mitlaufen erkennen und m. E. schlicht da nicht mitlaufen. Ich bezweifle auch gar nicht, dass da durchaus tatsächlich Besorgte mitlaufen, die nicht rechts sind.
    Die rechten Kackbirnen instrumentalisieren halt Alles – Sogar Gesprächsangebote, die es angeblich nicht gibt.
    Und dieses dämliche „selber Denken“ regt mich immer mehr auf … Als ob nur derjenige, des das sagt „selber denken“ würde.

  19. @19
    Nee. Die „hiesige Kolumnistin“ ist schon Samira El Ouassil. Kakapo3 bezog sich ja nicht auf den Artikel oben sondern auf eine SPON-Kolumne.

  20. @ Daniel:
    Doch hat sie, hier das genaue Zitat:
    „Ich weiß, es ist sicher unzumutbar, die Hälfte Ihres wunderbaren Antlitzes hinter einem vulgären Stück Stoff verstecken zu müssen, aber mir fällt keine diplomatischere Formulierung ein als: Es ist grob unhöflich, andere Menschen umbringen zu wollen.“
    Veröffentlicht hier:
    https://www.spiegel.de/kultur/corona-pandemie-brief-an-die-schutzmaskenverweigerer-a-5069f101-74aa-4dae-89a6-9aea9e5331da
    Und falls das gleich auch wieder in Frage gestellt wird: Die Definition von Mörder ergibt sich aus § 211 StGB:
    „(2) Mörder ist, wer
    aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen,
    heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder
    um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken,
    einen Menschen tötet.“

  21. @ Kakapo3
    Das ist jetzt komisch, denn oben schrieben Sie noch:
    „Ich erinnere nur an die Aussage der hiesigen Kolumnistin bei SPIEGEL online: „Ich sage Mörder. Ich würde gerne diplomatischer sein, aber mir fällt kein anderes Wort ein.“ “

    und nun lautet das Zitat: „„Ich weiß, es ist sicher unzumutbar, die Hälfte Ihres wunderbaren Antlitzes hinter einem vulgären Stück Stoff verstecken zu müssen, aber mir fällt keine diplomatischere Formulierung ein als: Es ist grob unhöflich, andere Menschen umbringen zu wollen.“

    Aber Sie haben ja mit dem juristischen Argumentationsversuch das wichtige schon gesagt:
    Mörder ist (…) wer einen Menschen tötet.
    Keine Maske zu tragen, macht das Niemandem zum Mörder. Deswegen hat das El Ouassil, anders als Sie behaupten, auch nicht geschrieben. Was sie behauptet ist, das Maskenverweigerer andere Menschen umbringen *wollen*. Das kann man auch kritisieren, aber dann doch bitte das. Und nicht die hochjejazzte Falschversion, mit der unsere kleine Diskussion angefangen hat.

  22. @Daniel
    Peinlich. Maskenverweigerer sind keine Mörder, sie wollen nur Menschen umbringen. Und das ist natürlich etwas völlig anderes. Sollten sie mal des Mordes angeklagt sein, würde ich von dieser Verteidigungsstrategie abraten.

  23. @Kakapo3
    Sollte ich mal wegen Mordes angeklagt werden, und nachweisen können, dass ich niemanden umgebracht habe, werde ich genau das machen. Sagen, dass ich niemanden umgebracht habe. Was denn sonst?

  24. Sehr geehrter Herr Pantelouris,

    vielen herzlichen Dank für diesen Text. Ich habe in unserer Medienlandschaft lange nach solchen Darstellungen gesucht. Die Demo als auch der Leak des Videos zählen auch zu meinen Hits zuletzt. Wobei es sich eher wie Tiefschläge in den Magen angefühlt hat. Während die Fallzahlen steigen brütet die Blase der Empathielosen neue Anhänger heran, indem sie Vorsicht und Hemmungen als Schlaf oder Manipulation bezeichnen, damit noch mehr Leichtgläubige und Beeinflussbare sich ihrer Hemmungen entledigen, um enthemmt emotional und irrational für ein Recht auf Krankheit und Gefährdung der Öffentlichkeit zu demonstrieren. Was für ein Wahnsinn! Klar, kann man diese Perspektive auch ignorieren, aber wenn sich dann einer noch über irgendwas wundert, was dem bis hier akzeptierten Stumpfsinn Folge leistet, dann hat er den Schuss echt nicht gehört.

    War ich eben noch gewurmt davon, dass eine taz Journalistin unsere Polizisten mit Müll vergleicht, obwohl ich dies zu einem Einzelfall (v)erklären wollte, kommt nun die klickgeile Strg-F Redaktion und beschädigt das Andenken an Walter Lübcke. Ist halt nur ein weiterer Einzelfall. Ja lol ey.

    Ich habe mir kurzzeitig eine Auszeit davon genommen, die Medien online wie sonst jeden Tag zu verteidigen. Ich bin kurz vor dem Ende meiner seelischen Kräfte und da die Bedrohungen der Verschwörer bald eine kritische Masse beeinflusst haben wird, sind die kleinen Kampfplätze eh verloren. Auf YouTube etwa verblödet man immer weiter, wenn man Kommentare voller alternativer Fakten nicht einordnen kann und niemand sie dir einordnet. Doch hat niemand die Zeit die zahllosen Lügenkommentare zu berichtigen. Felsen in der Brandung haben Mitleid mit Leuten, welche probieren gegen den unendlichen Wahnwitz anzuschreiben. Wenn der Sieg in der Schlacht um die Deutungshoheit also an die Einbildung geht, was bedeutet das für den Wert rationaler Entscheidungen in Zukunft? Was bedeutet das für die Neubewertung von Gefahren, die durch rationale Entscheidungen im Zaun gehalten werden konnten? Ich mache mir ernsthafte Sorgen um die Rückschritte, die wir seit dem Internet machen und hoffe, dass wir bald anfangen, uns wieder vermehrt an Vorbildern mit vernünftigen Haltungen orientieren und nicht an solchen, die geradezu ausstrahlen „Nach MIR kommt die Sintflut, nicht nach dir !!1!“

  25. @FIXUNDFOXI

    Die wissen auf jeden Fall, dass man Ausführungen zu einer Rechtsfrage bis zum Schluss lesen sollte:

    „Schließlich lehnte das OLG eine Ausnahme nach § 23 KUG ab. Nach § 23 Abs. 1 KUG dürfen Bildnisse einer Person ohne deren Einwilligung ausnahmsweise verbreitet werden, wenn es sich um Bildnisse aus dem Bereich der Zeitgeschichte handelt und durch die Verbreitung die berechtigten Interessen des Abgebildeten nicht verletzt werden (§ 23 Ab. 2 KUG).

    „Vorliegend ist auf Seiten des Beklagten die Informations- und Meinungsäußerungsfreiheit, nicht aber die Pressefreiheit betroffen. Vorliegend handelte es sich (…) nicht um eine Berichterstattung im Sinne des Presserechts, sondern um einen privaten Beitrag des Beklagten im Internet (…). Nach der (…) vorzunehmenden Gesamtabwägung bezog sich die beanstandete Meinungsäußerung des Beklagten nicht auf ein Ereignis des Zeitgeschehens (…). Ferner erweist sich das Benutzen des Bildnisses für den intendierten Informationsgehalt nicht als erforderlich (…). “

    Bei dem Fall handelte es sich nicht um eine Pressedarstellung. Selbstverständlich darf die Presse im Rahmen Ihres Informtionsauftrags grundsätzlich Teilnehmer einer Versammlung unter freiem Himmel im Bild zeigen, ohne dass es einer schriftlichen Genehmigung bedarf.

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