Print wirbt: Burdas verlogener Kampf für das gedruckte Wort

Der Burda-Verlag macht jetzt etwas für guten Journalismus: Werbung.

Er hat dafür mehrere prominente Menschen engagiert, die sich mit Sätzen zitieren lassen, die Mini-Plädoyers für den Wert von Journalismus darstellen sollen. Der Schauspieler Florian David Fitz hat diesen Satz beigesteuert:

Die Welt ist kein Tweet.
Screenshot: printmachtstark.de

Das ist ebenso rätselhaft wie wahr und besonders lustig dadurch, dass Fitz sogar in einem Tweet nach diesen Worten noch 256 Zeichen übrig hätte, um zu erläutern, wie er sie meint.

Ein Kampagnenmotiv mit der Schriftstellerin Juli Zeh besteht aus folgendem Appell:

Wenn Qualitätsjournalismus etwas wäre, das man leichtfertig in die Tonne treten kann, würden wohl kaum Menschen in aller Welt ihr Leben für die Pressefreiheit riskieren. Daran sollten wir freiheitsverwöhntes Klickvieh uns schleunigst erinnern. Am besten, bevor es zu spät ist.
Screenshot: printmachtstark.de

Nun ist Publikumsbeschimpfung aus Gründen sonst ein eher seltenes Genre in der Werbung, aber der eigentliche Witz hier ist, dass beim Burda-Verlag, der mit diesem Zitat wirbt, das Züchten und Melken von Klickvieh zu den wesentlichen Grundlagen seines geschäftlichen Erfolges gehören.

Bei Burda haben sie nichts dagegen, wenn sich Menschen in die billig produzierten Contenthalden der konzerneigenen Internetangebote verirren. Aber sie mögen doch bitte auch Geld ausgeben für das, was der Verlag noch auf Papier druckt.

Watch video!

Die Kampagne wirbt nicht für seriösen Journalismus, guten Journalismus oder Qualitätsjournalismus. Sie wirbt für Printjournalismus und dafür, dass das als Synonym für die anderen Begriffe verstanden wird. Sie versucht sogar, einen weiteren, bislang wenig genutzten Begriff als Ausdruck von Qualität zu prägen: „Verlagsjournalismus“. Das ist, mutmaßlich, Journalismus, der nicht zwingend auf Papier gedruckt erscheint, aber trotzdem gut ist, weil er von Unternehmen herausgegeben wird, die auch Sachen auf Papier drucken.

Tatsächlich arbeitet Burda an einer Neudefinition des Wortes „Printjournalismus“. Burda-Vorstand Philipp Welte erklärt den Newspeak in einem Video zur Kampagne so:

„Print macht unsere Gesellschaft stark. Print macht unsere Demokratie stark. Das Wort Print steht in diesem Fall für den Journalismus der Verlage, also für hochwertige, glaubwürdige Inhalte, egal ob sie über gedruckte Medien oder über digitale Kanäle zu den Menschen kommen.“

Oder wie es auf der Internetseite der Kampagne heißt:

Darum setzt sich Burda gemeinsam mit vielen prominenten Persönlichkeiten für ein breites gesellschaftliches Bekenntnis zu Print ein – unabhängig davon, ob dieser digital, live oder gedruckt stattfindet.

Als nächstes wird der Verlag dann vermutlich daran arbeiten, den Begriff „Burda-Journalismus“ als Synonym durchzusetzen für hervorragenden Journalismus, egal von wem er ist und wie schlecht er ist.

Watch video!

Burda wirbt scheinbar für die gute Sache, in Wahrheit aber nur für die eigene Sache, was es umso ärgerlicher macht, wenn bekannte oder wichtige Leute wie der Bundestagspräsident dabei mitmachen, beides miteinander zu vermischen.

Screenshot: printmachtstark.de

Es ist eine Kampagne, die die Bedeutung von Pressefreiheit nutzt, um das Image des Konzerns aufzubessern und Marketing für gedruckte Medien zu machen. Doch die falsche Fallhöhe führt immer wieder zu spektakulären Karambolagen mit der Realität.

Etwa wenn dem neuen hauseigenen Kolumnisten Jan Fleischhauer als Vorteil von gedrucktem Journalismus nur der schnöde Satz einfällt: „Ein Text sieht gedruckt einfach besser aus.“ Oder der Chefredakteur der Klickvieh-Großfutter-Anlage Chip.de spektakulär unspektakulär erklärt: „‚Chip‘ gibt es deswegen gedruckt, weil die Leser das wollen.“

Noch besser aber wird es, wenn im Zuge der Kampagne die stellvertretende „Bunte“-Chefredakteurin Tanja May „interviewt“ wird. Den Beitrag von „Bunte“ zum gesellschaftlichen Zusammenleben in einer freiheitlichen Demokratie fasst Burda mit dem Satz zusammen: „Die Neugierde an anderen Menschen hält die Gesellschaft zusammen.“

May lässt sich mit dem Satz zitieren: „Als Reporterin ist es für mich am Schwierigsten, Menschen, die nicht in der Öffentlichkeit stehen oder kein neues Projekt haben, welches beworben werden soll, für ein Gespräch zu gewinnen.“

Ja, da muss sie sich manchmal etwas einfallen lassen, zur Not Blumen:

Aber es gebe auch Geschichten, die „Bunte“ „aus Respekt vor der Privatsphäre“ nicht publiziere, sagt die Tanja May:

Über den Gesundheitszustand eines Menschen würden wir nur in Zusammenarbeit mit dem Betroffenen berichten.

Michael Schumacher ist für die „Bunte“ kein Mensch. Wieder und wieder und wieder berichtete Tanja May über seinen – angeblichen – Gesundheitszustand, gegen den ausdrücklichen Wunsch seiner Familie. Gerichtlich musste sie dem Blatt zum Beispiel die Schlagzeile „Michael Schumacher / Schlimme Nachrichten / Sein Zustand hat sich nicht verbessert / Dramatischer Gewichtsverlust“ verbieten.

Nachdem Tanja May in einer „Exklusiv“-Geschichte „mehr als ein Weihnachtswunder“ verkündet hatte („Er kann wieder gehen“), verurteilte ein Gericht das Burda-Blatt zu 50.000 Euro Entschädigung. Die Behauptung sei unwahr, und May habe nicht einmal bei Schumachers Managerin nachgefragt.

Als Laie könnte man nun sagen, dass Tanja May in der Kampagne für die Vertrauenswürdigkeit des Burda-Konzerns lügt, aber das wäre ja erstens irre und zweitens nicht möglich. Denn als Print-Journalistin ist sie der Wahrheit verpflichtet.

So beteuert es Philipp Welte unermüdlich:

Diese 20.000 Redakteurinnen und Redakteure [in den Verlagen] verpflichten sich auf Paragraph 1 des Pressekodex. Und da steht, dass sie die Wahrung der Menschenrechte einhalten müssen.

(Naja, eigentlich steht da Menschenwürde, aber vielleicht ist das kein Begriff aus dem aktiven Wortschatz des Bunte-Vorstands.)

Und vor allem dass sie der Wahrheit verpflichtet sind. (…)

Eine stabile Gesellschaft funktioniert auf (sic!) verlässlichem Wissen. Und dieses verlässliche Wissen kommt aus den Redaktionen der Verlage.

Welte positioniert so seine Medien, zu denen auch die „Freizeit Revue“ gehört, als Gegenpol zu den sozialen Netzwerken, die „immer auch Echokammern für Lügen und Halbwahrheiten“ seien und geht soweit, Facebook zu unterstellen, dass sein „Geschäftsmodell unmittelbar auf der Nicht-Wahrheit beruht, auf der Unwahrheit“.

Dem Burda-Medium „Focus Online“ musste das Plenum des Presserates übrigens kürzlich erst schriftlich geben, dass es nicht einfach ungeprüft Artikel aus Drittquellen veröffentlichen und jede presseethische Verantwortung dafür ablehnen kann. „Der Presserat akzeptiert keine Ethik, die sich nach Geschäftsmodellen richtet“, sagte der Sprecher des Presserates.

41 Kommentare

  1. Es geht hier vor allem um das „Wir gegen die“.
    „Wir“ – das sind die etablierten Verlage und ihre Medien (einschließlich BILD und „Yellow Press“). „Die“ – das ist der Rest.

    Alle Beschwörungen von Seriosität, Wahrheit usw. sind leeres Gerede bzw. Camouflage, Selbstbeweihräucherung, PR.

  2. Ich rätsle immer noch, welche zerebralen Vorgänge dafür verantwortlich sein könnten und was genau da passiert ist, dass diese Figuren auch den letzten Rest an Anstand verloren haben. Wer so schamlos und skrupellos und dazu noch notorisch lügt, wie eine Tanja May oder ein Herr Welte, sollte sich gut überlegen, ob nicht endlich der Besuch eines medizinischen Fachmannes dringend angeraten wäre.

    Im Übrigen ist die Weltfremdheit eines Herrn Welte erschütternd und gefährlich, wenn er impertinent behauptet:
    „Print macht unsere Gesellschaft stark. Print macht unsere Demokratie stark. Das Wort Print steht in diesem Fall für den Journalismus der Verlage, also für hochwertige, glaubwürdige Inhalte, egal ob sie über gedruckte Medien oder über digitale Kanäle zu den Menschen kommen.“

    Die Lügenblätter Burdas und anderer Klatsch-Tratsch-Verlage tragen tatsächlich nichts zur Erhaltung und Stärkung der Demokratie bei. Das Gegenteil ist der Fall. Durch die ständige Verbreitung von Lügen wird den Menschen eine Scheinwelt vorgemacht und werden Gesellschaft und Demokratie geschwächt und letztlich zerstört. Nichts ist so zerstörerisch wie Lügen, neudeutsch FakeNews. Sie treiben letztlich einen Keil in die Gesellschaft zwischen jenen, die sich von diesen Lügen nicht beeinflussen lassen, und jenen, die ihnen auf den Leim gehen und daraus ihr Weltbild bauen.

    Außerdem sind die Lügner von Burda und Co. die Totengräber einer echten Pressefreiheit. Zu dieser Freiheit gehört nicht das Recht, Lügen zu verbreiten und ungefragt in die Privatsphäre von Menschen einzudringen, ihre Persönlichkeitsrechte zu verletzen. Wer die Freiheit der Presse für derartige Zwecke missbraucht um daraus weitere Lügen zu verbreiten, trägt dazu bei, diese Freiheit zu zerstören.

    Die Dreistigkeit, mit der Figuren wie eine Tanja May beständig ihr Publikum anlügen, also jene Menschen, die letztlich den Arbeitsplatz dieser Figuren mit dem Kauf der Blätter unterstützen, ist allerdings entwaffnend. Was mich wieder zur anfangs erwähnten Frage zurück bringt. Was muss da im Gehirn kaputt gegangen sein, dass Menschen derart schamlos uns skrupellos sind?

    Und wie dumm muss man sein, sich ständig von diesen Figuren anlügen zu lassen?

  3. Online ist das Problem von Print.

    Gerade bei den ehemaligen großen Zeitungen ist es so, dass gerade der Online-Content vom Kauf der Printausgabe abschreckt.

    Sicherlich bietet fr.de nur einen Bruchteil von dem, was in der gedruckten Frankfurter Rundschau erscheint und fr.de bietet viel COntent, der nie in der gedruckten Ausgabe erscheint: Aber dass man den Namen FR für solch ein Online Angebot hergibt, färbt negativ auf die PRintausgabe ab: Schlechter Stil, viele Rechtschreibfehler, viele inhaltliche Fehler, viel Clickbait …

  4. Im Grunde ist doch gar nicht Burda so sehr das Problem, sondern die Tatsache, dass sich für solche Werbekampagnen regelmäßig auch die Verlage hergeben, die tatsächlich für Qualitätsjournalismus stehen. Vermutlich vor allem aus Zukunftsangst und falsch verstandenem Korpsgeist. Hinzu kommt die bedauerliche Tatsache, dass Verlage als Wirtschaftsunternehmen regelmäßig so agieren und kommunizieren, dass ihre eigenen Redaktionen sie mit Wonne in der Luft zerreißen müssten – es aber nicht tun, weil im Spiegel (nicht das Magazin) dann doch alles irgendwie anders aussieht.

  5. „ein breites gesellschaftliches Bekenntnis zu Print […] – unabhängig davon, ob dieser (sic!) digital, live oder gedruckt stattfindet“

    Ich verteidige Burda nur ungern, und auch nur auf semantischer Ebene, aber bezieht sich „dieser“ nicht auf den Print, ist also grammatikalisch korrekt?

  6. Da hat Frau Zeh der Nation ja mal wieder allerschlagendst bewiesen, wie brilliant sie doch ist.

    Der verdiente Dank für ihre engagierten Worte sollte darin bestehen, sie (und natürlich auch ihren Kollegen Schätzing) fortan als „Burda-Literatur“ zu klassifizieren: jeder kritisch-gebildete Leser könnte einem solchen Etikett nichts anderes als „Nobelpreisniveau“ entnehmen.

  7. Danke für den erhellenden Artikel. Der Blick hinter die Kulissen offenbart einen ekelhaften Sumpf. Das was dort erkennbar wird hat mit Journalismus nur wenig zu tun und ist offenkundig nur kommerziellen Zielen verpflichtet.
    Die überhebliche Stellungnahme von Frau Zeh ist in sich der Hammer. Bedenkt man, dass sie auch Verfaffungsrichterin in Brandenburg ist wird einem schon flau in der Magengrube. Kapitalismuskritik kenne ich anders.

  8. „Daran sollten wir freiheitsverwöhntes Klickvieh uns schleunigst erinnern.“

    Na, vor allem sollte man wohl nicht immer gleich von sich auf andere schließen.

    Dermaßen platt, provokativ und respektlos äußerte sich meines Wissens noch keine Richterin eines Landesverfassungsgerichtes vor ihr.

    Sowas muss man nicht gut finden und das tue ich auch wirklich nicht.

  9. Hm, nach meinem Sprachverständnis ist „der Print“ nur ein Druck, also wie unter Bedeutung (2) im Duden. Aber ich mach das (sic!) mal weg, kann ja jeder selber entscheiden, ob er sich daran stößt.

    Danke für den Hinweis!

  10. Am besten finde ich ja den Satz:

    „Darum setzt sich Burda […] für ein breites gesellschaftliches Bekenntnis zu Print ein – unabhängig davon, ob dieser digital […]oder gedruckt stattfindet.“

    Also, wenn es digital ist – dann kann es trotzdem Print sein???

  11. Gemeint ist sicher, dass Digital, wenn es vom Print kommt, natürlich viel seriöser ist als Digital ohne Print. Also dass SPON und Focus Online besser ist als ein reines Digitalangebot, das nicht das Qualitätsniveau wie bei Burda haben kann, weil ja auch keine Printjournalisten dahinter stehen.
    Digital ohne Print ist nur was für Klickvieh. Freiheitsverwöhntes Klickvieh. Logisch.

  12. @17, Ingo S.: Dieser These würde ich im Großen und Ganzen und bezogen auf die großen Online-Angebote tatsächlich auch zustimmen.

  13. Naja, gerade Burda sollte sich da aber nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Das hat Stefan Niggemeier ja im Artikel ausführlich begründet.

  14. @ Thomas, #16

    „Also, wenn es digital ist – dann kann es trotzdem Print sein???“

    Das ist doch ein Qualitätsunterschied, ob Digital von Digital kommt, oder von Print!
    Wenn Print zu Digital wird, dann kann man das Knistern des Papieres gleich auf der Website sehen – es sei denn, der Scan wurde wirklich gut gemacht!
    Und genau dafür können sich doch der Bundestagspräsident und eine Landesverfassungsrichterin werblich engagieren!

  15. @Physeter #20

    Da hast Du natürlich recht. Ich hab’s auf Bunte.de deutlich knistern gehört. Viel besser als bei den Übermedien – da knistert nix. Digitale Lackaffen! Wo kann ich jetzt für die Kampagne unterschreiben?

  16. „Das ist, mutmaßlich, Journalismus, der nicht zwingend auf Papier gedruckt erscheint, aber trotzdem gut ist, weil er von Unternehmen herausgegeben wird, die auch Sachen auf Papier drucken.“

    Hahaha, sehr gut! :-)

  17. Sehr geehrter Herr Niggemeier,
    bitte lassen Sie mich noch einen kleinen Aspekt ergänzen. Wie der öffentlich rechtliche Rundfunk möchten die Verlegerverbände (laut Presseinfos) künftig auch „staatsfinanziert“ werden und fordern dafür 645 Millionen Euro /jährlich! als „kleinen Zuschuß“ des Steuerzahlers. Die SPD (kein Wunder: selbst bis vor kurzem noch einer der großen Verlagskonzerne in Deutschland – jetzt Funke Medien-Gruppe) hat für den Anfang im Namen der Bundesregierung einmal „nur“ 100 Mio./Jahr in die Haushaltsberatungen eingebracht –
    und richtig in anderen „Musterdemokratien“ finanzieren die Regierungen ja auch ihre Medien komplett.

  18. Wunderbare Analyse! Die Hoffnung ist, dass auch noch so viele in Stellung gebrachte Testimonials und Imagetransfers es nicht schaffen werden, aus gedruckter Sch… Gold zu machen.

  19. Wie schön das klingt: „Der Wahrheit verpflichtet…..“
    In Wirklichkeit aber sitzen in ALLEN Redaktionsstuben der BRD-Medien zahllose kleine Zensoren, die all das an Leserbriefen löschen, was ihrer eigenen Meinung widerspricht, und sei die eigene noch so falsch und die zu veröffentlichende, die aber aufgrund des Zensierens in den elektronischen oder den realen Papierkorb wandert, noch so richtig.
    Als häufiger Leserbrief- und-blogschreiber weiß ich, daß etwa zwei Drittel meiner schriftlichen Meinungsäußerungen zu relevanten Staatsproblemen gelöscht werden.
    Da wäre es doch schön, wenn der BURDA-Verlag mal ALLE in einem Zeitraum gelöschten Leserbriefe in einer Sonderausgabe veröffentlichen würde. Dann würde man sagen: „Hut ab!“ Aber nur dann.
    Und dasin einem Staate, indem – angeblich – eine Zensur nicht stattfindet, was in der Realität man als Grundlüge der BRD bezeichnen könnte.
    Allerdings, ein Bundespräsident W. S. hat das noch nicht wahrgenommen oder will es nicht wahrnehmen, den zu diesem vor allem anderen wichtigen Thema, hat er nichts zu sagen.

  20. Man muß sich vor Augen führen, daß Hubert Burda zu den Milliardären zählt. Er kennt und beherrscht perfekt die Klaviatur der Medienmöglichkeiten und Meinungsbeeinflußung.
    Glaubt einer ernsthaft, dass Milliardäre nicht primär ureigenste Interessen, Machterweiterung und Reichtumsvermehrung verfolgen?

  21. @Harald Reich

    Ende 2019 immer noch nicht verstanden, dass die Nichtveröffentlichung von Leserbriefen/-kommentaren nichts mit Zensur zu tun hat?
    Echt jetzt?

  22. @Harald
    Hier geht es nicht um Glauben.
    Aber wenn Sie so „argumentieren“, dann verstehe ich, wenn Ihre Leserbriefe/-kommentare nicht veröffentlicht werden.

    Ansonsten können Sie ja mal nachlesen, was Zensur bedeutet und das es Ausübung der Meinungsfreiheit ist, Ihre Kommentare nicht veröffentlichen zu müssen.

  23. Einen Artikel sollte man nicht mich ICH anfangen. Egal.
    Ich habe beruflich mit vielen Journalisten und „Schreibern“ zu tun – bin selbst Setzer und PPO in einem kleinen Unternehmen. Der Unterschied zwischen einer Sekretärin eines Bürgermeisters, die jeden Monat die Themen eines Amtsblattes oder was auch immer in Worte fassen muss, und einem Journalsten einer „Dorfprinte“ ist simpel. Die Sekretärin schreibt ehrlich, wenn auch nicht immer schön. Der Journalist schreibt schön aber eben nicht immer …
    Und die Sekretärin wird sicher nie einen Pulitzer-Preis bekommen, höchstens einen Zusammenschiss, wenn der Boss n Rechtsschreibfehler findet…
    Seit 1990 – als ich in der Branche Fuß fasste – hat sich Journalismuss zu 90% zu einer Prostituierten des Geldes entwickelt.
    Und von Ethik und Moral ist unter diesen Gesellen und Gesellinnen nichts aber auch garnichts mehr übrig geblieben.

    P.S. Sollten sich die letzten ehrlichen der Zunft jetzt gebasht fühlen: Sorry, um euch herum wächst zu viel Unkraut.

  24. 11.11….das ist ein guter Tag – nicht nur, weil es mein Geburtstag ist, sondern ein Tag, in dem ein neues Jahr, vielleicht sogar ein Jahrzehnt beginnt, in dem vieles Neues neu gedacht wird. Dabei sollte auch bedacht werden, was jahrelang Bestand hatte – das geschriebene Wort auf Papier – dem unabhängigen Medium vom digitalen Hype.
    Welches man auch ohne digitalem Übersetzer einfach mal gemütlich im Sessel….Bett….am Strand, ohne Rücksicht auf Akkustand oder Internet-Empfang, entspannt lesen und genießen kann.

  25. @30 (Micha):

    „Ansonsten können Sie ja mal nachlesen, was Zensur bedeutet und das es Ausübung der Meinungsfreiheit ist, Ihre Kommentare nicht veröffentlichen zu müssen.“

    Diesen Gedanken finde ich interessant, denn mit Blick auf eine freie Gesellschaft, wo es verschiedene Meinungen geben darf, stimmt er, allerdings, er stimmt nicht so absolut, wie Sie ihn formuliert haben.

    Nehmen wir mal Nordkorea:

    Ist es „Ausübung der Meinungsfreiheit“ wenn Kim Kommentare, die ihm nicht passen dort „nicht veröffentlichen“ muss? – Ich meine nein.

    So, jetzt haben wir erstmal die beiden einfachen Fälle, wo die Sache eigentlich glasklar ist: eine freie Gesellschaft und eine Diktatur.

    Kommen wir nun zum interessanten Teil, also zu Deutschland.

    Offiziell gibt es nicht nur Pressefreiheit, sondern auch Pressevielfalt aber fast die gesamten Massenmedien des Landes befinden sich entweder direkt in staatlicher Hand oder in der Hand einiger weniger privater Medienkonzerne, deren Besitzer konform mit der Regierung gegen, siehe Flüchtlingskrise aber keinesfalls nur die.

    (Einige wenige unabhängige Blogs oder kleine Zeitungen mir geringer Reichweite spielen für das Gesamtbild keine Rolle.)

    So und damit ist die sogenannte „öffentliche Meinung“ also gesetzt, es ist – um beim Beispiel Flüchtlingskrise zu bleiben – zu einhundert Prozent die, der Regierung.

    Und genau das ist der Punkt: In einer wirklich freien Gesellschaft mit freien Medien, die die Meinungsvielfalt innerhalb der gesamten Gesellschaft wiederspiegeln, wäre so etwas doch völlig ausgeschlossen, ja absolut undenkbar.

    So und nicht anders war das aber hier, Anno 2015, das kann ja nun kein Mensch bestreiten.

    Um den Kreis zu schließen: War das Nicht-Veröffentlichen (und in die braune Ecke stellen) abweichender Meinungen zur Flüchtlingskrise in nahezu den gesamten deutschen Medien im Jahre 2015 „Ausübung der Meinungsfreiheit“?

    Ich meine nein, sondern es war das genaue Gegenteil.

  26. @holger:

    die gesamten Massenmedien des Landes befinden sich entweder direkt in staatlicher Hand oder in der Hand einiger weniger privater Medienkonzerne, deren Besitzer konform mit der Regierung gegen

    Fast jedes Wort daran ist falsch, sowohl was die Gegenwart betrifft, als auch die Berichterstattung 2015.

  27. @Stefan:

    Entweder das oder die Wahrheit tut schlicht und einfach weh. Auf Schmerzen aber reagiert der Mensch automatisch mit Abwehrmechanismen zur Schmerzvermeidung, ich weiss das, schließlich liege ich gerade in einer Reha. :-)

    Ob die ÖR staatlich sind, darüber will ich mich hier nicht ernsthaft streiten. Der Rundfunkbeitrag wird zwangsweise eingezogen, bei konsequenter Verweigerung sind Leute dafür schon ins Gefängnis gesteckt wurden und wenn einem Ministerpräsidenten ein Intendant nicht gefällt, dann ist der auch ganz schnell weg vom Fenster, Herr Brender lässt grüßen, Herr Koch eher nicht.

  28. @Holger
    „So und nicht anders war das aber hier, Anno 2015, das kann ja nun kein Mensch bestreiten.“

    Stefan hat das ja schon bestritten, ich tue es auch und wenn mal sich die Medien mal anguckt, dann sieht man halt, dass dem auch nicht so ist.

    „(Einige wenige unabhängige Blogs oder kleine Zeitungen mir geringer Reichweite spielen für das Gesamtbild keine Rolle.)“

    Das Gesamtbild geht dahin, dass die Themen, welche die Regierung eher nicht gerne sieht, mittlerweile und auch damals extrem gehypt wurden, also das Gegenteil einer Zensur zu beobachten war und ist.
    Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen.

  29. @36 (Micha)

    „Stefan hat das ja schon bestritten, ich tue es auch und wenn mal sich die Medien mal anguckt, dann sieht man halt, dass dem auch nicht so ist.“

    Tja, mit dem „angucken“ ist das so eine Sache….

    Im Ausland hat man sich die deutschen Medien auch angesehen (und tut das sogar immer noch) kommt aber dann am Ende irgendwie zu gänzlich anderen Ergebnissen, als Sie oder Stefan.

    Der Chefredakteur der „NZZ“ schrieb beispielsweise jetzt erst wieder über die deutschen Medien:

    „Die Bürger allein werden das kaum schaffen, aber sie hätten ein mächtiges Sprachrohr – die Medien. Diese aber werden ihrer Aufgabe, die unterschiedlichen Ansichten widerzuspiegeln und selbst kontroverse Debatten voranzutreiben, nur unzureichend gerecht.

    Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise verwandelten sie sich in ein Sprachrohr der Regierung und blieben taub für die Argumente von Merkels Kritikern.“

    https://www.nzz.ch/international/der-andere-blick-wie-unliebsame-meinungen-diskreditiert-werden-ld.1522172

    Tja, wat nu? Wat machen wir jetzt mit der Schweiz?

    Spielen wir gegenüber einer der ältesten Demokratien Europas den Oberlehrer, greifen wir Münteferings alten Vorschlag auf und schicken Soldaten hin oder stellen wir die NZZ jetzt einfach auch in die braune Ecke?

    Diese drei Optionen fallen mir auf Anhieb ein und alles davon können wir nachweislich richtig gut, da macht uns keiner was vor, das haben wir ja schließlich alles auch oft genug bewiesen.

    Es gebe natürlich noch eine vierte Option, die hieße Ehrlichkeit, Selbstkritik, Einsicht, Veränderung natürlich.

    Das wäre dann allerdings tatsächlich mal was neues in der deutschen Medienlandschaft.

  30. @holger: Ein Chefredakteur aus der Schweiz sieht das anders, und Sie machen daraus:

    Spielen wir gegenüber einer der ältesten Demokratien Europas den Oberlehrer, greifen wir Münteferings alten Vorschlag auf und schicken Soldaten hin oder stellen wir die NZZ jetzt einfach auch in die braune Ecke?

    Das ist vermutlich witzig gemeint, aber deutet eher nicht darauf hin, dass Sie ernsthaft diskutieren wollen. Es ist halt eine andere Meinung als die, die ich vertrete. Meine beruht unter anderem hierauf:

    https://uebermedien.de/7672/einmal-willkommen-und-zurueck-die-zeit-und-die-fluechtlinge/

    https://uebermedien.de/7406/die-sorge-dass-es-kippt-die-fluechtlingskrise-in-den-tagesthemen/

    Sie können das selbstverständlich anders sehen, Herr Gujer auch, aber diesen ganzen Popanz aufzumachen, als spräche Herr Gujer für „die Schweiz“ und hätte deshalb automatisch recht, finde ich doof.

  31. „Sie können das selbstverständlich anders sehen, Herr Gujer auch, aber diesen ganzen Popanz aufzumachen, als spräche Herr Gujer für „die Schweiz“ und hätte deshalb automatisch recht, finde ich doof.“

    Das tut er selbstverständlich nicht aber die Stimmung in den meisten anderen Schweizer Medien ist (jedenfalls, soweit man das online nachlesen kann), auch nicht viel anders.

    Man kann alles als Einzelmeinung abtun, trotzdem ist es ja beileibe nicht nur die eines Chefredakteurs einer einzelnen Zeitung.

    Im Ausland insgesamt wird das alles *überwiegend* schon sehr kritisch gesehen, nicht nur in Ungarn, Polen, der Tschechischen Republik, nicht nur in Italien, Österreich, Griechenland natürlich, nicht nur in England und den USA.

    Die Liste ist schon lang und nicht alles lässt sich mit einer Einzelmeinung oder vielleicht einer vermeintlich falschen Regierung erklären.

    Zu ihren beiden sehr langen und wirklich auch tiefgehenden Artikeln: Ich habe tatsächlich beide gelesen, kannte sie vorher nicht.

    Beide haben sich dem – meiner Meinung nach furchtbaren Versagen der deutschen Medien im Jahr 2015 – angenommen und einige Punkte davon auch durchaus klar benannt.

    Zur Wahrheit gehört aber auch: Es ist ihnen sehr schwer gefallen im Jahr 2015 in den deutschen Medien auch nur einige Alibi-Artikel zu finden, welche die Regierungspolitik kritisierten, denn es gab diese damals schlicht und einfach nicht.

    Das was Sie als Kritik der Medien anführen, das war Kritik an mangelnden Unterkünften, an mangelnder Koordination der Verwaltungen usw. Aber das ist nicht das, worum es ging:

    Es gab eben keine Kritik an Merkels Politik der offenen Tür als solche, sondern dies wurde in den deutschen Medien als alternativlos gepredigt, wir müssen, es ist unsere Pflicht, usw.

    Kritiker wurden pauschal und ohne viel Federlesens in die braune Ecke gestellt, der Erfolg der damals noch eher bescheidenen AfD beruht zu einem sehr erheblichen Teil auf genau diesem Versagen der deutschen Medien quasi in ihrer Gesamtheit.

    Nicht nur Frau Merkel und ihre Politik haben der AfD zu der Größe verholfen, die sie heute nun mal hat, sondern vor allem auch die deutschen Medien. Hätten die deutschen Medien ihre Aufgabe erfüllt, dann wäre die AfD heute kaum ein Thema, das ist die Wahrheit, die zu der Geschichte einfach dazu gehört.

    Aber wichtiger noch : Eine Aufarbeitung in einem einzelnen Blog, ersetzt noch keine Aufarbeitung in den großen deutschen Medien selber, die hat bei den meisten nie wirklich stattgefunden, bei einigen, wie der „Zeit“ aber immerhin ansatzweise.

    Man denkt allgemein wohl, man kann einfach so zur Tagesordnung übergehen aber das funktioniert in Zeiten des Internets nicht mehr.

    Es „versendet“ sich nichts mehr einfach so wie früher und ist erledigt, nur weil man selber nicht mehr darüber spricht.

    Das meinte ich.

  32. Burdas Einsatz für den Printjournalismus 2019:
    Fit for Fun Redaktion: aufgelöst
    Playboy: aufgelöst
    TV Spielfilm Redaktion: aufgelöst
    Freundin: Stellenabbau
    InStyle: Stellenabbau

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