Wie die Relotius-Kommission einen Buhmann fand

Matthias Geyer steht im Impressum des „Spiegel“ als Redakteur unter „Besondere Aufgaben“. Praktisch bedeutete das in den vergangenen Wochen, dass er jeden Tag zur Arbeit in sein Büro in der 13. Etage des Verlagshauses an der Ericusspitze in Hamburg ging und sich an seinen Schreibtisch setzte. Zu tun gab ihm der „Spiegel“: nichts.

Geyer ist seit 28 Jahren beim „Spiegel“, viele Jahre als Leiter des Gesellschaftsressorts – jener Abteilung, in der Claas Relotius arbeitete, der über Jahre gefälschte Artikel im Nachrichtenmagazin unterbrachte. Nachdem die Aufklärungs-Kommission ihren Bericht über den Skandal und seine Hintergründe veröffentlicht hatte, wollte der „Spiegel“ nicht mehr mit Geyer zusammenarbeiten. Doch der ging juristisch gegen seine Kündigung vor.

Am morgigen Dienstag sollte eine Verhandlung vor dem Arbeitsgericht in Hamburg stattfinden. Aber dazu kommt es nicht mehr: Geyer hat seine Klage zurückgezogen. Beide Seiten haben sich auf einen Aufhebungsvertrag geeinigt.

Arbeitsrechtlich ist die Sache damit erledigt: Geyer ist raus. Und der „Spiegel“ kann darauf verweisen, dass der Fall doch noch größere personelle Konsequenzen hatte. Das hatten Kritiker (auch ich) gefordert.

Doch die Trennung wirft Fragen auf – zum Umgang mit Geyer, vor allem aber zur Arbeit der Relotius-Kommission.


„Kein Fehlverhalten“

Der Abschlussbericht der Kommission; Matthias Geyer

Dass der „Spiegel“ Geyer kündigte, war durchaus überraschend: Noch im März hatte Chefredakteur Steffen Klusmann öffentlich erklärt, dass Geyer „keine persönliche Schuld an den Betrugsfällen“ von Claas Relotius treffe, und ihm die herausgehobene Position als „Redakteur für besondere Aufgaben“ im Nachrichtenmagazin mit direkter Anbindung an die Chefredaktion verschafft. (Ursprünglich sollte Matthias Geyer zum Beginn des Jahres Blattmacher beim Nachrichtenmagazin werden. Diese Beförderung wurde nach Bekanntwerden des Relotius-Skandals ausgesetzt.)

Im Intranet schrieb Klusmann am selben Tag, die Relotius-Kommission habe laut einem Zwischenbericht bei Geyer „kein Fehlverhalten feststellen können“. Er sei „einer der besten Textbearbeiter in dieser Redaktion“ und solle in Zukunft als solcher eingesetzt werden.

Im April betonte Klusmann im „Spiegel“-Intranet noch einmal, dass Geyer und sein Kollege Ullrich Fichtner durch einen Zwischenbericht der Relotius-Kommission „umfassend freigesprochen wurden“: Sie seien an den Fälschungen von Relotius weder beteiligt gewesen, noch hätten sie davon gewusst oder sie gedeckt.

Trotzdem unterschrieb Klusmann Wochen später Geyers Kündigung.

Denn im finalen Bericht der Relotius-Kommission, den der „Spiegel“ am 25. Mai veröffentlichte, spielt Geyer eine sehr problematische Rolle.

Doch die Art, wie die Kommission in diesem Bericht aus dem Fall Relotius auch einen Fall Geyer gemacht hat, stößt auf Widerspruch. Mitglieder des Gesellschaftsressorts werfen ihr vor, nicht gründlich und ergebnisoffen recherchiert zu haben. Die Kritik läuft darauf hinaus, die Kommission habe eine Geschichte mit einer klaren These erzählen wollen und alles, was nicht zu ihr passte, weggelassen – was ironischerweise genau der Vorwurf ist, der im Zusammenhang mit den Diskussionen um Relotius dem „Spiegel“ gemacht wurde, auch von der Kommission. Storytelling, das die Realität in ein Narrativ presst.


Ein Mail als Symbol für alles, was falsch lief

Kaum ein Detail in dem fast 17-seitigen Bericht hat soviel Erstaunen ausgelöst wie eine Mail von Matthias Geyer. Er hatte sie in seiner Funktion als Leiter des Gesellschaftsressorts an Claas Relotius und Juan Moreno geschrieben, die für den „Spiegel“ aus zwei Perspektiven auf die Grenze zwischen den USA und Mexiko schauen sollten. Die Mail liest sich wie ein Drehbuch oder eine Regieanweisung für die spätere Reportage „Jaegers Grenze“:

„Wir suchen nach einer Frau mit Kind. Sie kommt idealerweise aus einem absolut verschissenen Land (…) Sie setzt ihre Hoffnung auf ein neues, freies gutes Leben in USA (…) Es muss eine sein, die mithilfe eines Kojoten über die Grenze will (…) Die Figur für den zweiten Konflikt beschreibt Claas (…) Dieser Typ wird selbstverständlich Trump gewählt haben, ist schon heiß gelaufen, als Trump den Mauerbau an der Grenze ankündigt hat, und freut sich jetzt auf die Leute dieses Trecks, wie Obelix sich auf die Ankunft einer neuen Legion von Römern freut (…) Wenn ihr die richtigen Leute findet, wird das die Geschichte des Jahres.“

In vielen Artikeln über den Bericht wurde diese Mail ungläubig zitiert. Sie steht als Symbol für all das, was im Gesellschaftsressort des „Spiegel“ falsch gelaufen sein und einem Geschichtenerfinder wie Relotius das perfekte Umfeld geboten haben soll.

Die Kommission führt diese Mail in ihrem Bericht ausdrücklich als bezeichnend für die grundsätzliche Arbeitsweise des Ressorts ein:

Die Reportagen, die das Gesellschaftsressort mit einigen der besten Autoren der Republik Woche für Woche produziert, sind oft filmisch erzählte Geschichten; Plots werden akribisch geplant und Figuren gelegentlich wie bei einem Filmcasting gesucht. Die Geschichten leben von hoher Detailgenauigkeit. Dies ist im Fall der Entstehungsgeschichte von „Jaegers Grenze“ in einem E-Mail-Verkehr zwischen Matthias Geyer, Moreno und Relotius gut nachzuvollziehen.

Hinterher schränkt sie das angeblich Allgemeintypische dieser Mail etwas ein:

Solch detaillierte Anweisungen per E-Mail sind nach Angaben einiger Mitarbeiter unüblich.

Aber das ist eine schwache Relativierung; es bleibt die Aussage, dass diese Mail dafür steht, wie in diesem Ressort gearbeitet wird.

Dem widersprechen Redakteure des Ressorts – und dem widerspricht auch Juan Moreno, der „Spiegel“-Mitarbeiter, der auf eigene Faust und gegen viele Widerstände die Lügen von Relotius bei dem gemeinsam verfassten Stück aufdeckte. Moreno, der auf Geyer sonst nicht gut zu sprechen ist, hält die Darstellung im Bericht dennoch für irreführend. Er sagte das auch bei einer Redaktionskonferenz des „Spiegel“, nachdem der Kommissions-Bericht erschienen war. Moreno bestätigt gegenüber Übermedien: „Das war keine typische Mail.“

Ein Redakteur des Gesellschaftsressorts sagt, weder er noch seine Kollegen hätten je eine solche Mail bekommen. Es sei grober Unfug, sie als Beleg für die allgemeine Kultur im Ressort zu nehmen. Irgendeine Art von Casting-Aufträgen habe er nie bekommen, es habe ohnehin kein System gegeben, in dem Plots geplant wurden.

Aber wieso hat Geyer diese Mail verfasst? Offenbar war sie Ausdruck einer Frustration darüber, dass sich Moreno und Relotius bei der Planung des Stücks nicht einigten; Moreno sah nicht ein, warum er überhaupt mit Relotius zusammenarbeiten sollte. „Ich war bockig“, sagt Moreno. Die Mail Geyers war in dieser Situation offenbar ein übertrieben formuliertes Machtwort. Geyer selbst sagt auf Nachfrage von Übermedien: „Es ging mir damals darum, einen zwei Tage andauernden Revierkampf zweier Autoren zu beenden. Die wollten sich nicht auf eine Aufgabenteilung einigen, also habe ich ihnen die im Wortsinn schriftlich gegeben. Es wäre sicherlich besser gewesen, wenn so eine Mail erst gar nicht hätte geschrieben werden müssen.“

Im Relotius-Bericht findet sich zumindest eine Andeutung davon, dass es einen besonderen Kontext gibt, nämlich in der Formulierung: „Dieser Mail vorausgegangen war ein Streit zwischen Moreno und dem Ressortleiter über die Frage, ob es für den Text zwei Autoren braucht.“ Auch dieser Satz, der ohne weitere Erklärung eher kryptisch dasteht, findet sich allerdings nach Informationen von Übermedien nur im Bericht, weil ein Medienanwalt im Auftrag Geyers kurz vor dem Erscheinen darauf drang.

Auf unsere Frage, ob es nicht ein merkwürdiges Verfahren ist, dass ein Satz in letzter Sekunde auf Drängen eine Anwaltes aufgenommen wird, wollte die Kommission nicht antworten. Sie wollte auch nicht sagen, ob es weitere Stellen gibt, die auf Druck von außen in den Bericht eingefügt oder aus ihm entfernt wurden.

Wenn es ganz besondere Umstände waren, die zu dieser Mail führten, warum stellt die Kommission sie dann nicht so dar?

Brigitte Fehrle, eines der zunächst drei, dann zwei Mitglieder der Kommission, hat den Beispielcharakter der Mail später im Interview mit der Zeitschrift „Journalist“ deutlich relativiert. Dort wies sie darauf hin, dass Mitarbeiter des Gesellschaftsressorts sie als „absolute Ausnahme“ bezeichnet hätten und räumt selbst ein, die Mail sei vielleicht „wirklich extrem“.

Auf unsere Frage, warum die Mail im Bericht dennoch als typisch für die Arbeit des Ressorts eingeführt wird und worauf sich diese Einschätzung begründet, wollte die Kommission nicht antworten. Im „Journalist“ sagte Fehrle, ihre „Lebenserfahrung“ sage ihr, dass man eine solche Mail „nur schreibt, wenn man im Grunde so denkt und arbeitet“.


Ein Einzelfall als Normalfall?

„Wesentliches darf nicht weggelassen werden.“ So fordert es die Kommission in ihren Empfehlungen für „journalistische Standards“, die der „Spiegel“ einhalten müsse. „Spiegel“-Mitarbeiter werfen ihr vor, diesen Anspruch selbst verletzt zu haben – zum Beispiel, indem sie eine andere Mail von Geyer nicht erwähnte, die für eine andere Arbeitsweise spricht. Als Relotius in Fergus Falls war, der amerikanischen Kleinstadt, über die er später ein grobes Zerrbild mit vielen Lügen zeichnen würde, antwortete Geyer ihm auf eine Mail:

„Was du schreibst, weckt meine Neugierde. Vor allem die Gleichgültigkeit der Leute ist eine Erkenntnis, die ich bis jetzt noch nirgendwo gewonnen konnte. Dass da einer glücklich ist, weil Trump ihm die Waffe lässt, die Clinton ihm nehmen wollte, wirft die Frage auf: Ach, so klein ist es dann am Ende doch, was die Leute da wirklich beschäftigt? Da würde ich noch mal weiter in die Tiefe gehen. Ist es denn denen wirklich egal, wenn jetzt diese Mauer gebaut wird, wenn Menschen wegen ihres Glaubens und wegen ihrer Nationalität in ihrer Freiheit beschränkt werden? Wenn also Amerika einen Wesensteil von sich verliert? Wenn denen das alles völlig wurscht ist, dann ist das natürlich ein haarsträubender, aber hoch interessanter Befund, den du anhand deiner neuen Freunde da aufstellen und beschreiben kannst.“

Kein Drehbuch, sondern Staunen, Neugier und Fragen.

Auf unsere Frage, warum sie eine solche Mail nicht erwähnt hat, wollte die Kommission nicht antworten.

Der Kommission wird auch vorgeworfen, mit kaum jemandem im Ressort insbesondere über diesen Vorwurf gesprochen zu haben. Einer Einladung zu einem Gespräch über dessen Arbeitsweise und zur Ressortkonferenz sei die Kommission nicht gefolgt. Auf unsere Frage nach den Gründen dafür wollte die Kommission nicht antworten.

Der Kommission seien Dutzende Mails von Geyer und anderen zur Verfügung gestellt worden, heißt es aus dem Ressort, die in deren Bericht nicht berücksichtigt wurden. Aus einem Einzelfall sei der Normalfall gemacht worden.

Geyer sagt: „Wenn es stimmen würde, was diese Kommission mir unterstellt, dann hätte ich über Jahrzehnte nicht als Journalist, sondern als Drehbuchautor für den ‚Spiegel‘ gearbeitet, ohne dass es der Redaktion, der Chefredaktion und der Dokumentation aufgefallen wäre. Das zu glauben ist nicht nur naiv, sondern auch respektlos dem ‚Spiegel‘ gegenüber.“


Viele Fragen, keine Antworten

Umstritten sind auch andere Passagen, die sich mit angeblichem Fehlverhalten von Matthias Geyer befassen.

Zum Beispiel, dass er frühe Warnungen ignoriert habe wie die Mail eines Lesers, der schon Ende 2015 auf Fehler in einer Relotius-Geschichte hingewiesen habe. Die Kommission ließ die E-Mail-Account Geyers untersuchen, um herauszufinden, ob diese Mail, die vom Chefredaktions-Sekretariat weitergeleitet wurde, bei ihm eingegangen ist. Sie konnte aber nichts finden.

Trotzdem unterstellt die Kommission einfach, diese Warnung „muss Matthias Geyer … erreicht haben, er hat jedoch nicht reagiert“. Weiter behauptet sie, nach Auskunft der IT „muss mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass die E-Mail in Geyers E-Mail-Eingang angekommen ist.“

Die Kommission wirft Geyer auch vor, dass das Gesellschaftsressort noch Anfang Dezember eine Titelgeschichte zum Thema Klimawandel produzierte, an der Relotius beteiligt war – zu diesem Zeitpunkt hatte Juan Moreno bereits Indizien für Fälschungen von Relotius bei „Jaegers Grenze“ vorgelegt. Aber hätte Geyer wirklich darauf dringen können, Relotius‘ Passagen zu streichen, wie die Kommission nahelegt? Hätte er dann nicht den zu diesem Zeitpunkt noch unbewiesenen Vorwurf verbreiten müssen, Relotius sei ein Betrüger?

Die Kommission scheint Geyer auch vorzuwerfen, dass er Relotius sofort mit Morenos Vorwürfen konfrontierte: „Relotius bekam so Gelegenheit, weitere Lügengebäude aufzubauen.“ – Wäre es besser gewesen, Relotius nicht mit den Vorwürfen zu konfrontieren?

Interessant ist schließlich, dass an einer Stelle im Bericht der damalige Auslandschef Clemens Höges als „‚Ermittler'“ auftaucht, der für das Gesellschaftsressort Mitte Dezember die Vorwürfe recherchierte. Das scheint der Darstellung im Bericht zu widersprechen, das Ressort habe gar nicht ermittelt, es ist aber auch eine interessante Personalie: Höges war auch Mitglied der Relotius-Kommission, bis er kurz vor Veröffentlichung des Berichts ausschied, um Mitglied der „Spiegel“-Chefredaktion zu werden. Als Kommissionsmitglied ermittelte Höges also zu Vorgängen, in die er vorher schon involviert war – eine erstaunliche Doppelrolle. Auf unsere Fragen zur Rolle von Höges wollte die Kommission nicht antworten.


Zweifel ohne Konsequenzen

Während der Bericht Geyer belastet, nimmt er andere scheinbar aus der Verantwortung: Den früheren „Spiegel“-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer und seinen Stellvertreter Dirk Kurbjuweit. Über sie heißt es:

Im Nachhinein geben allerdings Dirk Kurbjuweit und Klaus Brinkbäumer an, bei einzelnen Texten [von Relotius] leise Zweifel gehabt zu haben.

Kurbjuweit habe sich bei einem Text, den er bei Relotius in Auftrag gegeben und dessen Fertigstellung er überwacht habe, gewundert, dass ihm „das Storyhafte“ fehlte, „kein echter Relotius“. Brinkbäumer habe sich sowohl über die (vermeintlichen) Bemerkungen der Überlebenden der Weißen Rose, Traute Lafrenz, zu innenpolitischen Vorgängen in Deutschland gewundert als auch über den allzu perfekt wirkenden Einstieg in die Reportage „Löwenjungen“.

Doch der Bericht thematisiert die Verantwortung der Chefredaktion nicht weiter, obwohl sie jeden „Spiegel“-Artikel vor der Veröffentlichung liest. Er macht aus dem Versagen des „Spiegel“ vor allem ein Versagen des Gesellschaftsressorts – unter der Leitung von Matthias Geyer.


„Die Wirklichkeit ist immer widerborstig“

Wie professionell hat die Relotius-Kommission ihre Untersuchung geführt, journalistisch und juristisch? Geyer sagt, die Ermittler hätten einmal, im Januar, mit ihm gesprochen. Mit den konkreten Vorwürfen, die im Bericht geäußert werden, wurden die Betroffenen vor der Veröffentlichung aber offenbar nicht konfrontiert.

Auf unsere Fragen zur Arbeit der Kommission antwortet eines ihrer beiden verbliebenen Mitglieder, „Spiegel“-Nachrichtenchef Stefan Weigel:

Brigitte Fehrle, Clemens Höges und ich haben von Januar bis Mai 2019 mit vielen Mitarbeitern und ehemaligen Mitarbeitern aus Verlag und Redaktion des „Spiegel“ sowie externen Gesprächspartnern geredet. Wir haben zahlreiche schriftliche Unterlagen ausgewertet, darunter etwa die Berichte der Taskforce, die zur Überprüfung der einzelnen Relotius-Texte eingesetzt worden war. Auf diese Weise haben wir versucht, uns ein möglichst umfassendes Bild von der Fälschungsaffäre zu machen. Ende Mai haben wir unsere bis dahin gesammelten Erkenntnisse in einem ausführlichen Abschlussbericht zusammengefasst, der dann auch im „Spiegel“ publiziert wurde. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir darüber hinaus keine Details unserer Arbeit veröffentlichen.

Die Kommission hätte eigentlich Ende Mai ihre Arbeit einstellen sollen, doch nun arbeitet sie noch bis Ende September. „Die Kommission bearbeitet und beantwortet Anfragen und Hinweise von Leserinnen und Lesern, die im zeitlichen Zusammenhang mit dem ‚Fall Relotius‘ bzw. seiner Veröffentlichung eingegangen sind“, sagt Brigitte Fehrle auf Anfrage. Im Haus erwarten viele, dass sie danach Ombudsfrau des Magazins wird.

Im „Journalist“ hatte sie erklärt:

„Wer eine Reportage wie einen Film mit einer klaren Dramaturgie und außergewöhnlichen Protagonisten konstruiert, neigt dazu, Dinge wegzulassen, zu glätten, zu formen, weil sie die Story oder den Erzählfluss stören. Die Wirklichkeit ist aber immer widerborstig.“

Im „Spiegel“ sind nicht alle überzeugt, dass die Kommission sich diese Gedanken bei ihrer Arbeit zu Herzen genommen hat.

10 Kommentare

  1. Auf Nachfragen zu den Recherchen des Medienjournalisten Stefan Niggemeier wollte die Kommission nicht antworten.

  2. Kleiner Hinweis: 2 Tippfehler. Einmal ist „Klimawandel“ verdreht geschrieben und im Satz „Der Kommission auch vorgeworfen, mit kaum jemandem im Ressort insbesondere über diesen Vorwurf gesprochen zu haben. “ fehlt offenbar ein „wird“?

  3. „Die Kommission scheint Geyer auch vorzuwerfen, dass er Relotius sofort mit Morenos Vorwürfen konfrontierte: „Relotius bekam so Gelegenheit, weitere Lügengebäude aufzubauen.“ Wäre es besser gewesen, Relotius nicht mit den Vorwürfen zu konfrontieren?“

    Hier scheint ein „nicht“ zu fehlen, oder erschließt sich mir der Sinn des Satzes doch nicht?

  4. Da bleibt ein schales Gefühl zurück. Sieht nicht gut aus für den Spiegel, das allermindestens. Zumal die Fallhöhe nicht zuletzt durch die eigene Heiligsprechung in der Aufklärung gigantisch ist. Danke an den Autor, dass er dran bleibt. (Steffen Klusmann fand ich bei der FTD toll. Er agiert er – komisch.)

  5. Wenn ich diesen und auch die vorherigen Berichte lese kommt mir immer und immer wieder das Wort Überheblichkeit in den Sinn. Das was beim Spiegel nicht stimmt ist eine Kultur der Überheblichkeit so drängt es sich auf. Wenn diese Kultur der Überheblichkeit Relotios und auch die Aufarbeitung von Relotios so schadlos überleben konnte dann sehe ich schwarz für den Spiegel. Und natürlich hätte jeder Aufmerksame Leser jederzeit merken können, dass an den Berichten Relotios was nicht stimmt.

  6. „Wie professionell hat die Relotius-Kommission ihre Untersuchung geführt, journalistisch und juristisch?“ Juristisch sicher NICHT professionell, wenn die nachfolgenden Sätze („Geyer sagt, die Ermittler hätten einmal, im Januar, mit ihm gesprochen. Mit den konkreten Vorwürfen, die im Bericht geäußert werden, wurden die Betroffenen vor der Veröffentlichung aber offenbar nicht konfrontiert.“) stimmen.

  7. Mich als alten Revisor / Prüfer macht es eher misstrauisch, wenn beim Ruchbarwerden einer „Affäre“ gleich lautstark „mea culpa“ gerufen und zur Dekoration der publikumswirksamen Selbstbezichtigung sofort eine „Kommission im Hause“ installiert wird. Ich kann mich an Fälle erinnern, bei denen wir mit unseren Möglichkeiten der relativen Unabhängigkeit so etwas sofort unterbunden haben. Aus Gründen.

    Meine Erfahrung: Interne Untersuchungen und „Kommissionen“ kann man vergessen. Das ist nicht mal ein Vorwurf gegen die Leute, die da mitmachen. Es ist schlicht der Fakt, dass niemand seine Brille einfach ablegen kann, der nicht real und mental außerhalb des in Rede stehenden Bereichs steht. Q.e.d. Gleichwohl erfordert natürlich nicht jeder Fall eine externe Betrachtung, aber der Blick für die Notwendigkeit sollte doch da sein.

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