Die Selbstfesselung: Wie Lokalzeitungen am Ost-Wahlkampf scheitern

Verena Hartmann war mal bekannt wie ein bunter Hund. Das war am Tag, an dem ein Kind am Frankfurter Hauptbahnhof von einem Mann, der aus Eritrea stammt, vor einen Zug gestoßen wurde. „Frau Merkel“, twitterte Hartmann, „ich verfluche den Tag Ihrer Geburt.“ Danach wusste jeder, wer die Frau ist: eine geschmacklose AfD-Abgeordnete.


In Hartmanns politischer Heimat, der Sächsischen Schweiz, kennt sie kaum jemand. „Verena Hartmann war uns bis zu ihrer Nominierung auf der AfD-Landesliste völlig unbekannt“, sagt Domokos Szabó, Regionalchef der „Sächsischen Zeitung“ in Pirna. „Auch nach ihrer Wahl in den Bundestag ist sie hier überhaupt nicht in Erscheinung getreten.“

Kein Wunder, dass Verena Hartmann in der Sächsischen Schweiz kaum jemand kennt. Denn die Abgeordnete wohnt nicht mehr in Sachsen. Bereits im Herbst 2018, ein Jahr nach ihrer Wahl, ist sie nach Berlin gezogen. Dorthin, wo sie schon seit 1999 immer wieder arbeitete und lebte: als Polizistin, als Studierende der Kommunikation, als Unternehmerin.


Als vor kurzem der Brandenburger SPD-Kandidat für Europa, Simon Vaut, als Berliner enttarnt wurde, ging ein Aufschrei durch lokale wie überregionale Medien. Bei der AfD und ihrer Abgeordneten Hartmann war keine Aufregung möglich – weil lange niemand davon erfuhr. Anfang August berichtete die „Sächsische Zeitung“, dass die Volksvertreterin verzogen ist. Versteckt im Lokalteil Pirna, ein Absatz am Ende eines Artikels über ein anderes Thema. Kein Skandal, keine Zeile im Mantel der Zeitung.

Verena Hartmann, deren Partei Heimat und Bürgernähe preist, kann ihre politische Scholle hinter sich lassen, ohne dass die Zeitung die Bürger darüber aufklärt. Und das nicht irgendwo, sondern da, wo die AfD ihre Hochburg hat – in der Sächsischen Schweiz.

Eingeschüchterte Redaktionen


Das lange Schweigen um die AfD-Frau Hartmann ist ein Symbol. Die regionalen Zeitungen tun sich in der wichtigen Wahlschlacht der AfD in Sachsen und Brandenburg schwer, ihren Auftrag zu erfüllen: politische Öffentlichkeit herstellen, Kandidaten an den Maßstäben der Verfassung messen und die Bürger darüber informieren, was für Leute sich bei der AfD um Mandate bewerben – und wie lange sie eigentlich bleiben.

Die Redaktionen sind eingeschüchtert von AfD und Kleinparteien wie den Freien Wählern. Ständig erhebt die „Alternative für Deutschland“ den Vorwurf, sie werde vom vermeintlichen Medienmainstream rechts liegen gelassen. Da zuckt mancher Verlag vor Ort zurück. Das führt zu einer teils aseptischen Berichterstattung. Selbst offensichtlich Politisches wird nicht mehr gedruckt.

Beispiel „Lausitzer Rundschau“: Als jüngst das Meinungsinstitut INSA berichtete, dass die CDU in Sachsen mit 28 Prozent um drei Prozentpunkte vor der AfD liegt, war das eine Überraschung. In Umfragen hat die CDU ihren Vorsprung vor der AfD bereits bei der Bundestagswahl 2017 verloren. Damals zog die AfD mit der einstigen 58-Prozent-Partei von König Kurt Biedenkopf gleich. Sie lag seitdem stets gleichauf. Nun, drei Wochen vor der Wahl, hatte die CDU die Nase plötzlich wieder vorn. In der gedruckten „Lausitzer Rundschau“ war dieses wichtige Ereignis nicht zu finden.


Dafür berichtete die „Rundschau“ zeitgleich über eine Leserumfrage zur Sachsenwahl, bei der die AfD mit 26 Prozent doppelt so viele Stimmen errang wie die CDU. Allerdings gab es einen Schönheitsfehler: Ganze 39 Personen hatten teilgenommen. Warum diese Mikro-Umfrage drucken, aber dem Leser nicht die überraschende INSA-Umfrage zur Kenntnis geben? „Ich glaube nicht, dass es unsere Aufgabe ist, jede repräsentative Umfrage zu veröffentlichen“, sagt der Chefredakteur der „Lausitzer Rundschau“, Oliver Haustein-Teßmer. Die Leser könnten ja bei wahlrecht.de nachschauen.

Fürsorgliche Belagerung


Auch andere Regionalzeitungen tun sich schwer. Beispiel „Leipziger Volkszeitung“: Dort erscheint Anfang August im Sachsenteil ein halbseitiges Interview – mit einem Minister aus Bayern. Der Chef der bayerischen Freien Wähler, Hubert Aiwanger, thront regelrecht auf dem Zeitungsfoto. Mit am Tisch sitzen zwei weitere Funktionäre der Freien Wähler, die Spitzenkandidatin in Sachsen und der Leipziger FW-Chef – die aber keinen Pieps sagen. Die Ost-Politiker sind nur Zierrat, das Interview wirkt wie ein Werbeflyer.

Solche Interviews sind Produkte einer fürsorglichen Belagerung der Zeitungen. Benachteiligt fühlen sich kleine Parteien wie die Freien Wähler. Sie nehmen damit eine Methode der AfD auf, die permanent behauptet, dass sie totgeschwiegen werde. Die Lokalzeitungen werden vor der Wahl zu einem Schlachtfeld der Parteien. Die Freien Wähler machen Druck, weil sie an tödlich schlechten Umfragewerten leiden. Die AfD, weil sie ihre Saga braucht – die einer Lücken- und Lügenpresse, die sie unterdrückt.

Der AfD-Kandidat für die Landtagswahl in Pirna in der Sächsischen Schweiz, Ivo Teichmann, sagt, „dass 90 Prozent der Zeit, die ich mit Journalisten spreche, verloren ist – die berichten eh nicht über mich.“ Aber stimmt das? Nach einem der so genannten Wahlforen in Pirna, auf dem sich alle örtlichen Kandidaten vorstellen, steht Teichmann in der Reihenfolge der Namensnennungen in der Zeitung stets auf Platz 1. Erst kommt der AfD-Kandidat mit einem Zitat zu Wort, dann die anderen Kandidaten. AfD first.


In Wahrheit hat sich die These des Verschwiegenwerdens im Lokalen also ins Gegenteil verkehrt. Die AfD zieht daraus einen doppelten Vorteil: Sie neutralisiert die Öffentlichkeit der Zeitungen, indem sie die Redaktionen einschüchtert. Und sie macht zugleich die neue Öffentlichkeit stärker – die von Netz und sozialen Medien. Dort hat die AfD mit kurzen, harten Parolen ihr Zuhause. „Das Gute ist, dass wir jetzt Facebook haben“, sagt Teichmann. „Damit umgehe ich die Zensur der Zeitungen und wende mich direkt an die Bürger.“


Den Druck der AfD gibt es in vielen Varianten: mal subtil, mal aggressiv, mal durch Masse. Jedesmal bringt er Journalisten in die Defensive. In Dresden landen Zettel mit persönlichen Beschimpfungen und Drohungen in den Briefkästen der Redakteure. In Potsdam hat AfD-Chef Andreas Kalbitz den rbb bei einer Pressekonferenz im vergangenen Jahr so lang wegen seiner angeblichen „roten Hofberichterstattung“ angegriffen – bis dessen Reporter sich ungeschickt wehrte: „Deswegen greife ich sie an“, sagt der rbb-Mann. Nun hat Kalbitz sein Ziel erreicht: Seht her, die Öffentlich-Rechtlichen sind dazu da, uns anzugreifen.

Aber die AfD wirkt auch durch schiere Masse. Die Leserumfragen der „Lausitzer Rundschau“ vor den Wahlforen spiegelten für Brandenburg das Meinungsbild großer repräsentativer Demoskopien wieder – bei den Abonnenten, also registrierten Nutzern. Sieht man sich die offenen Online-Umfragen an, an denen sich jeder beteiligen kann, kommt die AfD plötzlich auf Zustimmungswerte von 46 Prozent. Aber selbst diese verzerrten Werte gibt die „Rundschau“ wieder.

Wider den Tourjournalismus


Der „Rundschau“-Chefredakteur Oliver Haustein-Teßmer hat eigentlich ein feines Gespür für die Nebenöffentlichkeiten, die der Zeitung ihren Charakter als zentrales politisches Forum nehmen. Er erzählt, wie die Zeitung neue Formate teste, um das Viertel der Haushalte in der Region, das sie noch erreicht, gut zu informieren. Haustein beschreibt das intelligent – und sehr abstrakt. Konkret hat er für seine Redakteure aber eine Richtlinie für den Wahlkampf entworfen. Darin geht es darum, so sagt er, „dass man den Tourjournalismus nicht mitmacht“. Die Rundschau will keine Bundespolitiker covern, die sich selbst zu großen Interviews einladen, oder Landesminister mit Kochschürze am Grill in Szene setzen.

Was sich vernünftig anhört, führt in der publizistische Realität zu einer Art Selbstkastration. Am Newsdesk wird die sympathische Regel „Es besteht unsererseits keine Pflicht, Parteiveranstaltungen … zu begleiten“ schnell in „Wahlkampf findet nicht statt“ transformiert. Die politische Berichterstattung wird als Ganzes reduziert und sterilisiert. Das, was Zeitungen im Vergleich zu sozialen Medien ausmacht, geht dabei verloren: Hintergründe über Themen, Parteien und Personen zu liefern und als neutraler Wächter Debatten anzustoßen.

Die Verlage lassen dafür bei jeder Gelegenheit die Leser mitentscheiden, etwa bei den Wahlforen. Sie delegieren damit die Debatten aber de facto an die AfD – denn sie kann mit ihrer Internet-Präsenz die Abstimmungen kapern. Kein Wunder, dass beide öffentliche Foren der „Lausitzer Rundschau“ das Thema „Innere Sicherheit“ diskutieren. Beim Wahlforum in Cottbus am Donnerstag vergangener Woche wiederholen AfD und Freie Wähler wie Sprechautomaten eineinhalb Stunden lang, dass Polizeiwachen geschlossen worden seien – obwohl sowohl der anwesende Polizeidirektor als auch die Faktencheckerin im Raum klarstellen: Es gab seit dem Jahr 2006 keine Schließungen mehr.

Kontrolle und Anbiederung

Beim Wahlforum von „Sächsischer Zeitung“, „Leipziger Volkszeitung“ und „Freier Presse“ beantworten die Spitzenkandidaten Michael Kretschmer (CDU), Jörg Urban (AfD) und Martin Dulig (SPD) Fragen. Foto: Florian Gaertner photothek.ne / Imago Images

Das große Wahlforum der Regionalzeitungen „Sächsische Zeitung“, „Leipziger Volkszeitung“ und „Freie Presse“ am vergangenen Mittwoch in Dresden hingegen ist eine Mischung aus Kontrolle und Anbiederung. Die Chefredakteure moderieren, das heißt: Sie fragen reihum die Kandidaten, die maximal 60 Sekunden lang antworten dürfen. Fragen sind oft nur Stichworte für das Abladen vorgefertigter Statements. Der Chefredakteur der „Leipziger Volkszeitung“, Jan Emendörfer, will von AfD-Chef Jörg Urban wissen: Wie denke er darüber, dass Flüchtlinge die deutsche Sprache ohne Erfolgskontrolle, manchmal sogar ohne Anwesenheitskontrolle lernten? Der AfD-Mann antwortet wenig überraschend, aber brutal: Flüchtlinge brauchten kein Deutsch lernen; sie sollten in ihrer Heimatsprache Arabisch unterrichtet werden – dann könne man sie leichter wieder nach Hause schicken. Nachfrage Emendörfer? Keine.


Martin Dulig, der SPD-Kandidat, ignoriert irgendwann den 60-Sekunden-Käfig: „Wir dürfen einfach keine Menschen mehr im Mittelmeer absaufen lassen.“ Ein Teil der 350 Zuschauer ist froh für den Ausbruch – und applaudiert. Aber der Chefredakteur der Freien Presse, Torsten Kleditzsch, würgt das Thema sofort ab. „Lassen sie uns die Dinge besprechen, die in Sachsen passieren“.

Der Chefredakteur der „Sächsischen Zeitung“, Uwe Vetterick, sitzt tags darauf in seinem Büro, das wie ein Ikea-Ausstellungsraum anmutet. Kein Fitzel Papier oder etwa eine gedruckte Zeitung stören die sterile Gemütlichkeit. „Wir wollen Politik und Menschen zusammenführen“, sagt Vetterick sehr leise. Dann entwirft er in weit ausgreifenden Szenen das Bild einer neuen Zeitung, die dem Leser Lösungen anbietet. Und nicht nur Probleme aufwirft. Vetterick untermauert sein Konzept mit einem digitalen Messwerkzeug, das er ausgewählten Lesern in die Hand drückt. Sie lesen mit einem elektronischen Stift die Zeitung – und halten dort an, wo sie nicht mehr weiter lesen mögen. „Die Menschen goutieren Geschichten, die Lösungen anbieten“, sagt Vetterick. „Da lesen sie weiter.“

Vetterick hat, wenn man so will, die Leserorientierung der Lokalzeitung elektronisch perfektioniert. Es braucht nicht mehr rechte Trompeter wie den Pegida-Versteher Werner Patzelt, der AfD-Positionen bis vor kurzem direkt in die „Sächsische“ schrieb. Die Redakteure werden mittels digitaler Steuerung auf eine neutrale Service-Tonalität getrimmt. Das Konzept, für das Vetterick Besuch von Chefredakteuren aus der ganzen Republik bekommt, nennt sich constructive journalism. Konflikt ist verpönt, selbst innerhalb des Hauses. Große Konferenzen, in denen sich Redakteure streiten, gibt es nicht mehr. Nach dem großen Pegida-Geplärre in der Stadt hat man sich ein neues Leitbild gesucht: „Wir suchen das Beste für Sachsen und die Menschen, die hier zuhause sind“, steht in schwungvoller Schreibschrift an der Wand des Newsrooms.

Allergie gegen brisante politische Themen


Nur ist die Wirklichkeit oft anders. „In den öffentlichen Medien hier vor Ort gab es lange Zeit eine absolute Abwehrhaltung gegenüber jeglichen brisanten politischen Themen“, sagt Paul Kaiser. Der Dresdner Kunstwissenschaftler ist einer der Akteure des Streits um Susanne Dagen. Die alteingesessene Buchhändlerin veranstaltete auf einmal eine Lesereihe mit Ellen Kositza, Autorin der „Sezession“, der publizistischen Heimat der Identitären. Kaiser und andere empfanden es als Skandal, mit einer Frau zu reden, die „offen einer rechten Revolution das Wort redet, einem generellen Umsturz der Verhältnisse.“ Aber wo Stellung nehmen? „Es war uns klar, diesen offenen Brief, den wir an Susanne Dagen geschrieben haben, den hätte eine Zeitung niemals gedruckt. Das ist ja auch schon irrwitzig, dass eine Zeitung das nie drucken würde, obwohl es sehr viele Dresdner Menschen interessiert.“

Folglich veröffentlichte Kaiser den offenen Brief im „Elbhangkurier“, einer kleinen Kulturzeitschrift. Der Streit fand seinen Weg in die „Zeit“ und in den Deutschlandfunk. Dort sprach Kaiser von einer Krise „unserer Demokratie hier in Ostdeutschland“ – weil es keine Formate für den öffentlichen Streit der Stadtgesellschaft gebe. In der „Sächsischen“ erschien das Thema „Mit Rechten lesen“ erst, als Uwe Tellkamp der Buchhändlerin beisprang. Konflikt wird zeitungsrelevant, wenn ein Schriftsteller J’accuse ruft.

Uwe Vetterick sieht das anders. Man müsse den Leuten aufs Maul schauen, dürfe ihnen aber nicht nach dem Mund reden, sagt er. „Wir nehmen die Auseinandersetzung mit der AfD voll an.“ Währenddessen führen seine Lokalredakteure in der Sächsischen Schweiz schriftliche Interviews mit der AfD, die diese dann stolz auf ihren Facebook-Seiten veröffentlicht*. Was passiert eigentlich, wenn eine Mehrheit der Leser es als das Beste empfindet, Flüchtlinge loszuwerden – ganz egal, was in der Verfassung steht?

„Ich möchte mir eine Region ohne Lokalzeitung nicht vorstellen“, sagt Haustein-Teßmer von der „Lausitzer Rundschau“. Nur scheint dieser Moment bald erreicht. Die Abonnenten der gedruckten Zeitung sterben weg. Die Nebenöffentlichkeiten mutieren unterdessen zur res publica, zum Ort der großen scharfen Meinung. Im Chemnitzer Stadion jubeln Tausende einem Spieler zu, der wegen seiner Kontakte in die rechtsextreme Fanszene nicht spielen darf. Auf Facebook werden Themen durch Fakenews, Hassparolen und persönlichen Beleidigungen gesetzt. Die Musik spielt da, wo sich keiner an Regeln des Diskurses hält.

Nur die Zeitung, die der Garant einer wertegebundenen und zivilisierten lokalen Öffentlichkeit ist, legt sich selbst in Ketten.

Korrektur, 23 Uhr. Wir hatten zunächst vom Stadion in Cottbus statt Chemnitz geschrieben. Und das zweite Wahlforum der „Lausitzer Rundschau“ hat nicht bereits stattgefunden, sondern ist am kommenden Donnerstag.

*) Nachtrag, 16. September. Domokos Szabó, der Regionalleiter der „Sächsischen Zeitung“ stellt zu vorstehendem Artikel fest: „Weder ich noch andere Redakteure haben schriftliche Interviews mit der AfD geführt. Die Fragen, die die Heidenauer AfD auf ihrer Facebook-Seite veröffentlichte, stammten aus einem Fragenkatalog, der gleichlautend auch anderen Stadtratsfraktionen zugesandt wurde und in einen zusammenfassenden Bericht eingeflossen ist.“

20 Kommentare

  1. Als vor kurzem der Brandenburger SPD-Kandidat für Europa, Simon Vaut, als Berliner enttarnt wurde, ging ein Aufschrei durch lokale wie überregionale Medien.

    Naja, der Unterschied ist, das Frau Hartmann (die ich bis eben nicht kannte) nach der Wahl weggezogen ist. Vaut hatte schon vor der Wahl in Berlin gelebt, und er hat eine ganze Menge Energie aufgewendet, die Brandenburger SPD darüber zu täuschen: Eine angebliche Freundin, eine Scheinanadresse in Brandenburg a.d.H, bunt ausgeschmückte (erfundene) Geschichten über abendliche Bahnfahrten von Berlin in die vermeintliche Heimat. Das war schlicht Betrug.

  2. Ganz trübes Stimmungsbild. :( Trotzdem danke dafür. Ich habe mich immer gefragt, wie diese blaubraunen Dauernöler mit ihrer ausgewiesenen Lösungsinkompetenz auf 25 % kommen können. So langsam dämmert’s mir, wieviel Unterstützung ihnen da drüben von der rechtsgewirkten Einheitspresse zuteil wird.

  3. Herr F.D.,
    Sie haben es offenbar immer noch nicht begriffen:
    Es geht nicht um Einheitspresse.
    Es geht schlicht darum, dass die meisten Leute nur noch das lesen wollen, was in ihr Weltbild passt.
    Und wenn das nicht in der Zeitung steht, dann kauft die keiner mehr.
    Und leider gerieren sich die aktuellen Spitzen politischer Ämter ja nun auch nicht gerade als lösungskompetent.

  4. Im Chemnitzer (nicht Cottbusser) Stadion wurde dem ehemaligen Spieler Daniel Frahn zugejubelt. Dieser wurde wegen der Nähe zu rechtsextremen Fangruppen entlassen, nicht suspendiert.

  5. „Das lange Schweigen um die AfD-Frau Hartmann ist ein Symbol.“

    Das ist wirklich schlimm, dieses Verschweigen.
    Hier ist die Presse in ihrer Funktion als vierte Gewalt gefragt. Hier gilt es, der Rechtsradikalin die Maske des Biederma … äh … der Biederfrau vom Gesicht zu reißen.

    Hat schon mal jemand über die Implikationen nachgedacht?
    Die Lokalzeitung schrüb dann etwa so:

    Der rechtsextremistische, rechtsradikale, ausländerfeindliche, klimaleugnerische Naziverein AfD will das Klima zerstören.

    Der rechtsextremistische, rechtsradikale, ausländerfeindliche, klimaleugnerische Naziverein AfD will die Juden ausrotten.

    Der rechtsextremistische, rechtsradikale, ausländerfeindliche, klimaleugnerische Naziverein AfD will die Muslime ausrotten.

    Der rechtsextremistische, rechtsradikale, ausländerfeindliche, klimaleugnerische Naziverein AfD will die Frauen ausrotten.

    Und das furchtbarste von allem … Frau Hartmann wohnt in Berlin.

  6. @4: Naja, ist erst mal ne Partei, kein Verein. Und das Problem ist ja eher, dass die eben nicht sagen „Wir sind …“ sondern sich darüber scheinempören, wenn man ihnen einen Begriff wie „rechtsradikal“ zuordnet. Die interne Kommunikation sieht da natürlich ganz anders aus, da ist das dann der Ritterschlag der Lügenpresse, als rechtsradikal bezeichnet zu werden.
    In Komination mit #3 wird die Immunisierung inenrhalb der Echokammer deutlich.

  7. Ich will ja nicht maulen, aber: Der Chefredakteur der Sächsischen Zeitung hat doch bestimmt nicht gesagt, man müsse „den Leuten aufs Mail schauen“, oder? 😉

  8. (…) obwohl sowohl der anwesende Polizeidirektor als die Faktencheckerin (…) – als auch
    (…) steht in schwungvollen Schreibschrift an der Wand (…) – entweder ‚in schwungvollen Schreibschrift Lettern‘ oder ‚in schwungvoller Schreibschrift‘
    (…) Man müsse den Leuten aufs Mail schauen (…) – auf die Mails muss man ihnen vermutlich auch schauen, aber ich nehme an, hier ist das Maul gemeint.

    Und das beim ersten Lesen, eines inhaltlich nicht gerade leicht verdaulichen Textes. Ich vermute daher es wäre noch mehr zu finden. Muss denn das sein? Solche Nachlässigkeit lässt in mir immer auch Zweifel an den genannten Fakten aufkeimen. Schnelllebigkeit und Newsfeed-Druck taugen für hintergründige Stücke wie die meisten Übermedien-Texte auch nicht als Ausrede. Und solche Tipp- und Anschlussfehler finden sich fast in jedem eurer Texte.

  9. @#7:
    Man muss dem Volk bekanntlich aufs Maul hauen!

    Prinzipiell kann es aber auch sein, dass ostdeutsche Lokaljournalisten möglicherweise nicht nur aus überzogener Vorsicht vor Lügenpresserufern die AfD nur mit Samthandschuhen anfassen.

  10. „Die Redaktionen sind eingeschüchtert von AfD und Kleinparteien wie den Freien Wählern“

    AfD und Kleinstparteien schüchtern Redaktionen ein!?

    Meine Wahrnehmung ist eher die, dass Redaktionen immer aus dem Quark kommen, wenn es einen Aufreger, oder eine vermeintliche Enthüllung über die AfD zu verbreiten gibt. Das gehört redaktionell zumindest bei Mainstream-Medien sozusagen zum guten Ton.

  11. „Die Redaktionen sind eingeschüchtert von AfD und Kleinparteien wie den Freien Wählern“

    Das hat was, wie die Redaktionen rumopfern.

  12. Noch eine Facette …

    Dass keine Zeitung das Gesülze des Paul Kaiser druckt könnte auch am Sättigungseffekt liegen. Der gefühlt 585. offene Brief evoziert nicht mal mehr ein müdes Gähnen.

  13. „Dass keine Zeitung das Gesülze des Paul Kaiser druckt könnte auch …“

    … daran liegen, dass die Chefredakteure einen Zug weiterdenken (OK, gehört nicht viel dazu) als der weltberühmte Wissenschaftler Kaiser.
    Mal angenommen, eine Zeitung publiziert den Kaiserschmarrn. Dann könnten zwei Wochen später ja einige Leser nachfragen, wann sie Dagens offene Entgegnung zu lesen kriegen.
    Und dann steckt die Redaktion in einer Zwickmühle, aus der sie nicht wieder rauskommt.
    Also besser dort gar nicht erst reingehen.

    Im Übrigen mag sich jeder überlegen, wie eine Zeitung langfristig besser fährt.
    Mit verbaler Abrüstung – oder keifen wir ein anderer Max.

  14. „rechte Trompeter wie den Pegida-Versteher Werner Patzelt, der AfD-Positionen bis vor kurzem direkt in die ‚Sächsische‘ schrieb“
    Das ist mehr Gesinnungskritik als ein journalistischer Standpunkt. Und von vorgestern: Patzelt ist jetzt erfolgreicher Wahlkampfberater des AfD-Stoppers CDU. Hinter den 60% für AfD und CDU gibt es in Sachsen eigentlich nur noch Kleinparteien. Die geballte Weltrettung von R2G bringt mit 26,7% weniger zusammen als die AfD allein.
    „Die Redaktionen sind eingeschüchtert von AfD und Kleinparteien wie den Freien Wählern“
    Auf den Dreh muss man erst mal kommen, ausgerechnet echten „Kleinparteien“ „Einschüchterung“ vorzuwerfen: bisserl absurd und Ausdruck ideologischer Vorurteile.
    „Lassen sie uns die Dinge besprechen, die in Sachsen passieren“
    Das war ein wohlmeinender Ratschlag. Es ist ja kein Zufall, dass die Partei von Dulig zwar die ganze Welt retten will, aber in Sachsen nur noch schlappe 7,7% Prozent der Wähler hinter sich versammelt hat, nur noch doppelt so viel wie die „Kleinpartei“. Hätte der Dulig mal mehr auf den Chefredakteur gehört!

  15. Ich seh eigentlich nur Kritik gegenüber der AfD, nie irgendetwas positives. Ich kann mich an keine einzige positive Schlagzeile erinnern. Ich bezweifle auch mal, dass lokale Zeitungen sich hier in irgendeiner Hinsicht eingeschüchtert fühlen. Ganz im Gegenteil bietet die hier zugegebene Tendenz der überregionalen Zeitungen, die AfD lediglich zu kritisieren, ein Vorbild für kleinere Zeitungen, die vielleicht auch bei den großen Themen-Trends mitmischen wollen.

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