Von der Notwendigkeit und Unmöglichkeit, Hans-Georg Maaßen zu ignorieren

Ich habe es versucht. Sie zu ignorieren, ihren Unsinn nicht zu verbreiten, ihnen keine Plattform zu geben, nicht über ihre blöden Stöckchen zu springen, diese politischen Trolle rechts liegen zu lassen.

Bei Trump ist es mir erstaunlich gut gelungen. Mein letzter Tweet über ihn war im April.

Und dennoch: Der amerikanische Präsident hievte sein Signature-Trolling auf eine ganz neue Ebene, als er amerikanischen Demokratinnen, vermutlich meinte er Alexandria Ocasio-Cortez, Rashida Tlaib und Ilhan Omar, empfahl, „dahin zurück zu gehen, wo sie herkommen“.

Ich konnte aber widerstehen. Ich screenshotete nicht den rassistischen Schwall, schrieb keinen WTF-Drüberkommentar, befriedigte nicht meinen Erregungs-Impuls durch eine kollektiv erfahrene Fassungslosigkeit, die mich nur darin bestätigen sollte, wie gut und klug ich doch bin.

Don’t tweet the Troll

Jedoch trat am selben Tag ein anderer Troll auf den Plan, der meine Willenskraft erfolgreich auf die Probe stellte. (Dass ich gegen ihn und mein Vorhaben ihn zu ignorieren verloren habe, sehen Sie an der Existenz dieses Textes.)

Hans-Georg Maaßen. Wir müssen über ihn sprechen, beziehungsweise wir müssen darüber sprechen, nicht über ihn zu sprechen.

Mitte der Woche war ich noch fest davon überzeugt: Einfach ignorieren. Don’t feed the Troll. Ein Beamter außer Dienst, der aufmerksamkeitsheischenden Unfug twittert, hat für das politische Geschehen keinerlei publizistische Relevanz.

Ich war tatsächlich verwundert, wie viel mediale Aufmerksamkeit seine schiefe Westfernsehen-Metapher generierte. Natürlich handelte es sich um eine hanebüchene Provokation und die Medien reagierten auch deshalb mit einem verstärkenden Echo, weil sie hier eben sehr gesamtheitlich, sehr plump angegriffen wurden.

Andererseits befindet sich der ehemalige Behördenchef in keiner Position mehr, in der er mit hanebüchenen Provokationen irgendeinen Schaden anrichten könnte. (Im Gegensatz zu Trump.)

Ein Unterschied, der einen Unterschied macht

Die journalistische Regel könnte also lauten: Wenn jemand ehemals politisch Relevantes, etwas Fragwürdiges aus seinem Ruhestand twittert oder kolumniert (looking at you, Sigmar „Nachtreten“ Gabriel), hat das nur dann eine berichterstatterische Relevanz, wenn es sich auf seine frühere politische Arbeit bezieht und eine neue Information über diese preisgibt.

Eine neue Information ist nach dem Anthropologen und Philosophen Gregory Bateson, Mitbegründer der kybernetischen Systemtheorie, Lehrer von Paul Watzlawick, ein „Unterschied, der einen Unterschied macht.“ Übertragen auf Medienlogik könnte man sagen, dass berichtenswerte Meldungen Informationen oder Ereignisse sind, die einen Unterschied machen und deshalb zur Nachricht werden.

Das führt uns zur jüngstem Einlassung von Hans-Georg Maaßen, einem irritierendem Tweet und der Frage, inwiefern dieser einen Unterschied macht. Denn hier haben wir einen bemerkenswerten Knackpunkt. Die Information „Werteunionmitglied ohne politische Wirkmacht twittert Wirres“ ist unendlich banal und egal. Nichts worauf man ein Scheinwerferlicht schwenken müsste – aber die Strahlkraft des Irrsinns, welchen er verbreitet, ist so groß und blendend, dass sie seine ohnehin schon permanent in Frage gestellte Kompetenz als Verfassungsschutzpräsident nun rückblickend wie eine Fata Morgana flirren lässt.

Hier geht es nicht mehr nur um das Staunen über eine jetzige Sonderbarkeit eines Ruheständlers, sondern um ein rückwirkendes Entsetzen und das empfundene Unbehagen über die Frage: „Der Typ hat wirklich unsere Verfassung schützen sollen?“ Dieser neue Aspekt vor dem Hintergrund des politischen Gewichts seiner Behörde, macht seinen Umgang mit unglaubwürdigen Quellen in zweifelhaften Tweets zu einem Unterschied, der einen Unterschied macht – nachrichtenwertlich also relevant wird.

Doppelt verstörend

Was ist passiert? Maaßen empfahl am Sonntag auf Twitter einen Artikel der Plattform „Journalistenwatch“:

Sollte dieser Bericht zutreffen, ist Panorama jedenfalls kein #Westfernsehen (hgm)

In dem dank „(hgm)“ über tausend Mal retweeteten und 2700 mal gelikten „Bericht“ wird die konspirative These aufgestellt, dass die ARD, auf Jouwatch notorisch „Staatsfunk“ genannt, die Rettung der Flüchtlinge durch die „Sea Watch 3“ für einen propagandistischen „Panorama“-Beitrag inszeniert hätte.

Das ist doppelt verstörend. Erstens ist „Journalistenwatch“ bekanntermaßen ein kruder, rechtspopulistischer Stanniolhut-Blog und neben 4chan-Foren vielleicht die seltsamste Quelle, die man als ehemaliger Verfassungsschutz-Präsident weiterverbreiten kann. In der „Zeit“ beschreiben Christian Fuchs und Nico Schmidt „Journalistenwatch“ als neurechtes Portal „am rechtsäußeren Rand des Internets, im Dunstkreis der AfD, irgendwo zwischen Epoch Times, Unzensuriert.at und Politically Incorrect.“

Gegründet wurde es vom Bundesgeschäftsführer des islamfeindlichen, von Udo Ulfkotte aus der Taufe gehobenen Vereins Pax Europa. Der übrigens unter Beobachtung steht durch das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz. Aber woher soll der ehemalige Verfassungsschutz-Chef das denn auch alles wissen?

Zweitens ist der geteilte Artikel von einer derartigen verschwörungtheoretischen Lächerlichkeit, dass ich „Jouwatch“ wünsche, Aluminiumfolien-Hersteller mögen ihnen etwas spenden. Um zu verstehen, wie schräg es ist, als ehemaliger politischer Beamter speziell diesen Text zu verbreiten, muss ich ihn etwas sezieren und zitieren. Sehen Sie es mir nach, dafür brauchen sie dann nicht mehr das gesamte Posting und lesen.

Inspektor Jouwatch ermittelt

Rackete und "Sea Watch 3" - alles nur ein Fernsehspiel für ARD und "Panorama"?

Es geht um eine „Panorama“-Reportage von der „Sea Watch 3“, und es beginnt mit der Verheißung auf einen Scoop. „Journalistenwatch“ trötet im 20er-Jahre-Zeitungsjungen-Alarm:

„Der Fall Carola Rackete nimmt eine spektakuläre Wendung: An Bord der ‚Sea-Watch 3‘ befand sich wahrscheinlich durchgehend ein TV-Team des ARD-Magazins „Panorama“. Die gesamte ‚Rettungsaktion‘ wäre somit nichts anderes als eine riesige Medienshow.“

Dank des „wahrscheinlich“ raunt es sofort wundervoll spekulativ. Dabei hat „Panorama“ im Beitragstext zum Video schon selbst schlicht erklärt:

„Wer Rackete ist, was an Bord geschah, wie sie sich verändert hat, haben die Reporter Nadia Kailouli und Jonas Schreijäg für Panorama dokumentiert. Sie waren die komplette Zeit auf der ‚Sea-Watch 3‘ dabei, filmten Crewmeetings, drehten, als die italienischen Behörden an Bord kamen, sprachen mit den Flüchtlingen.“

Inspektor Jouwatch ermittelt aber nun auf Hochtouren und ist da was ganz Heißem auf der Spur:

„Was sich hier abzeichnet, ist ein ungeheuerlicher Skandal. Handelte es sich bei der ganzen Fahrt der Sea-Watch bis hin zur Verhaftung der Kapitänin etwa um nichts weiter als ein geniales Propagandastück?“

Nein, um ein Reportage.

„Der sodann folgende knapp zwanzigminütige Einspieler mit den Aufnahmen von Bord ist ein Paradestück von Berechnung und inszenatorischer Ruchlosigkeit, wie man es auf hoher See seit der Dauerbegleitung der ‚KdF‘-Kreuzfahrtschiffe der 1930er Jahre durch die Kamerateams des NS-Propagandaministeriums nicht mehr gesehen hat.“

Die Seenotrettungs-Reportage mit einem Nazi-Propagandavideo zu vergleichen, ist noch bekloppter als Maaßens DDR-Vergleich.

„Zu sehen ist immer wieder Rackete. Dynamisch, aktiv, unerschrocken, fast schon sexy. Inszeniert wie ein Popstar.“

Ich will ja keine hermeneutisch-kritische Ferndiagnose betreiben, aber wieviel Projektion verträgt ein Text auf einer Skala von 1 bis Male Gaze?

„‚Zufällig‘ hält die Kamera gerade auf ihr Gesicht in Großaufnahme, als der angebliche ‚Hilferuf‘ eingeht. Und was für ein Zufall – wäre der Notruf der Schiffbrüchigen nämlich nicht eingegangen, wäre das ‚Panorama‘-Team ja ganz umsonst an Bord gegangen, müsste wochenlang untätig herumschippern und Carola Rackete filmen. Wer sich gerne verarschen lässt und an solche ‚Zufälle‘ glaubt, für den ist diese angebliche ‚Reportage‘ dann natürlich auch seriöser Journalismus. Und dann geht die ‚Rettung‘ los.“

Interessant in diesem von Hans-Georg Maaßen verbreitete Text ist – neben allem anderen – die inkonsistente Nutzung der Anführungszeichen. Wollte man der investigativen Skepsis hier treu bleiben, müssten im Geiste der Behauptung auch „Zufall“, „Notruf“, „Schiffbrüchige“, „seriöser“ und „Journalismus“ in Anführungszeichen stehen. Übrigens braucht es keine Anführungszeichen, wenn „angeblicher“ davor steht. Ich finde aber ohnehin, Konspirationisten sollten grundsätzlich nur ein limitiertes Kontingent an Anführungszeichen erhalten.

„Bemerkenswert schnell ist die ‚Sea Watch 3‘ bei den bereits wartenden Schlauchbootpeople. Professionell werden sie an Bord geholt.“

Ich kann verstehen, dass im Herkunftsland der Deutschen Bahn eine Rettung auf offener See höchst suspekt erscheinen muss, wenn sie „professionell“ und „schnell“ von statten geht.

Flüchtlinge erzählen in dem ARD-Beitrag auf Nachfrage über ihre Folter in den libyschen Lagern. Das nimmt „Jouwatch“ zum Anlass für ein Lehrbuch-Beispiel an Whataboutismus:

„Sicherlich haben die Männer einiges Schlimmes erlebt. Doch es ist auch hier wieder eine Frage von Prioritäten und Verhältnissen. Auch ohne Satellitenfernsehen braucht man nicht allzu lange durch die TV-Kanäle zu zappen, um seriöse Afrika-Dokumentationen zu finden, die einem das Blut gefrieren lassen: […] Über junge HIV-positive sterbenskranke Mütter, die ihre von Fliegenlarven übersäte Neugeborene weinend in den Armen halten.“

Und überhaupt, was wirklich erschreckend bitter ist an dem von Hans-Georg Maaßen neugierig geteilten „Bericht“: Er stellt nicht nur anhand des Urhebers, „Staatsfunk ARD“ und der Anordnung, „Reporter vor Ort“, die Echtheit der Rettung zur Disposition, auch die Flüchtlinge selbst werden aufgrund ihrer physischen Erscheinung hinterfragt:

„Die Flüchtlinge liegen apathisch, scheinbar dehydriert an Deck, blicken auffallend synchron mit Leidensmiene ins Leere. Wie viele Takes es gebraucht hat, bis hier die richtigen Stimmungsbilder im Kasten waren? Wer weiß. Ein Dauerzustand kann die Situation jedenfalls nicht gewesen sein, denn wenig später sieht man sie schon wieder temperamentvoll und erregt mit der Besatzung diskutieren.

(…)

Die Reise neigt sich dem unweigerlichen Ende zu, und komischerweise wirken die Passagiere an ‚Tag 14 nach der Rettung‘ (…) kein Deut geschwächter, mitgenommener oder körperlich irgendwie beeinträchtigter als bei ihrer Aufnahme.“

Dem Autor waren die Geflüchteten nicht dauerdepressiv und ausgemergelt genug, man beachte die Nutzung des Wortes „scheinbar“. Ich weiß auch nicht, wie ein Haufen traumatisierter Menschen auf eine für den Autor glaubhafte und weniger „auffallend synchrone“ Art in die Leere starren sollten. Was hätten’S denn gerne für die ethnozentristischen Vorurteile und Klischeeerfullung? Fliegenlarven?

Der infamste, dümmste, durchgedrehteste, hässlichste Satz dieses von Hans-Georg Maaßens interessiert verbreiteten „Artikels“ ist aber:

„Wurden die ‚zu rettenden‘ Flüchtlinge womöglich extra für die Reportage aufs Meer gebracht?“

Das unauflösliche Aufmerksamkeitsdilemma

Es ist ein unauflösliches Aufmerksamkeitsdilemma unserer freiheitlichen Gesellschaft: Man kann in einer Demokratie zum Schutz der Demokratie nicht unwidersprochen lassen, was antidemokratisch ist.

Und hier wird die Frage Ignorieren oder Berichten zu einer der Medienverantwortung: Bricht sich da eine rechtsgeprägte Medieninkompetenz Bahn, die schon das damalige politische Wirken beeinflusste? Das gälte es zu berichten. Es wäre relevant zu erzählen, dass der ehemalige Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, der in der „Bild“ damals die Echtheit eines Videos bewerten wollte und es für eine Falschinformation hielt, „um möglicherweise die Öffentlichkeit von dem Mord in Chemnitz abzulenken“, heute nicht weiß oder komplett ignoriert, dass „Journalistenwatch“ keine seriöse Quelle ist. Es wäre tatsächlich eine Meldung, dass der Mann, der mal unsere Verfassung schützen sollte, heute obskure, rechte Verschwörungstheorien verbreitet. Weil er vielleicht schon immer so dachte, wie es jetzt wirkt, wie er denkt. Es wäre in einer Reihe von Handlungen, die einen Unterschied machten, die nächste.

Die „Panorama“-Redaktion konnte sowohl den Text als auch Maaßen nicht ignorieren und reagierte mit einigen Richtigstellungen, die mit den Worten enden:

„An wilden, unbelegten Spekulationen beteiligt sich übrigens< auch der ehemalige Chef des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, - und teilt entsprechende Links."

Aber kurz vor Veröffentlichung dieses Textes scheint auch Maaßen die kritischen Stimmen und vielleicht sogar die von Anja Reschke nicht mehr ignorieren zu können. Er hat den Tweet mit inzwischen fast 3000 Likes ohne Erklärung gelöscht.

Was ist also mit der anderen Möglichkeit, Maaßen zu ignorieren? Diese Option wäre zu wählen, wenn HGM im Ruhestand plötzlich radikal oder dumm oder radikal dumm geworden ist. Dann also keine mediale Aufmerksamkeit mehr für ihn und um ihn. Und auch Sie müssten diesen Text sofort verdrängen. Teilen Sie ihn nicht, er enthielte in dem Fall keinen Unterschied, der einen Unterschied macht. Dann wäre Maaßen nur ein Troll gewesen, den man (den ich) nicht füttern darf. Und dann will ich über ihn auch kein einziges weiteres Zeich

57 Kommentare

  1. „hgm“ sieht sich – befreit von der einem polit. Beamten einschränkenden Zurückhaltung – in einer strategisch günstigen Position am Bindeglied zw. AfD und CDU, nämlich der fälschlich so genannten „Werteunion“, einer Nichtunion ohne Werte, wo er meint, eine neue Karriere zu machen – und sei es nur als weiterer Éléphant terrible im Porzellanladen der Demokratie. Er macht sich wichtig und genießt den Applaus all jener, vor denen er die Verfassung einst schützen sollte. Er macht sich wichtig und zeigt dabei nur den erschreckenden Zustand, in dem der Schutz unserer Verfassung ist.

  2. 1.) Na, keine Provokation. Die Legende von der Bundesrepublik als DDR, deren Propaganda nur die Schlauen durchschauen, ist neurechtes Grunddenken. Das ist keine Provokation der Medien – da unterliegt die Autorin dem Fehlschluss, dass Maaßen mit den Medien kommuniziert – das ist ein Zugehörigkeitstweet.
    2.) „Don’t feed the troll“ funktioniert noch immer. Geht aber nicht mehr. Empörung ist Emotion und Emotion ist Interaktion und Interaktion ist Reichweite und Reichweite ist Geld und schon können Medien nicht mehr anders. Entweder, weil sie das Geld wollen. Oder, weil sie es anderen nicht überlassen dürfen.
    3.) Man kann, wie hier, über diese Leute reden, ohne mit ihnen zu reden. Das ist wichtig, den Maaßen und Co. haben kein Interesse an Kommunikation.
    4.) Trump zeigt ganz gut, wohin es führt, nicht über ihn zu reden. Dass der Mann mit Rassismus Politik macht, weiß man seit Tag 1 seiner politischen Karriere, als er den Birthern nachgeredet hat. Inzwischen nehmen wir nur noch die schlimmsten Ausschläge der Rassistenskala war. Was heißt, Trump kann seinen Rassismus auf Alltagslevel zurrückfahren und noch immer rassistisch sein, und dennoch gemäßig wirken.
    5.) Maaßen immer voll zitieren. Der Mann ist auch Jurist, seine Formulierungen sind die erstaunliche Mischung aus gerichtsfestem Juradenken und wähnendem Raunen. Letzteres macht ihn in der Neurechten überhaupt möglich, ersteres qualifiziert ihn für hohe politische Ämter.
    6.) Ja, Maaßen wird es weit bringen. Spätestens wenn Höcke in der AfD weiter klettert, wird Maaßen den Anschluss zur CDU gerne möglich machen. Deswegen ist es nicht nur in der Rückschau wichtig, ihn zu beobachten. Sondern auch im Vorgriff auf den Rassismus und die Fremdenfeindlichkeit, die ihn als Innenminister tragen werden.

  3. Ich dachte, Beamte müssen ihr Leben lang auf das Mäßigungsgebot achten.

    Zitat Wikipedia: Das Gebot verpflichtet Beamte, bei politischer Betätigung innerhalb und außerhalb des Dienstes „diejenige Mäßigung und Zurückhaltung zu wahren, die sich aus ihrer Stellung gegenüber der Allgemeinheit und aus der Rücksicht auf die Pflichten ihres Amtes ergeben“.

    Herr Maaßen wird vermutlich eine Pension zwischen 4 bis 6 tausend Euro erhalten. Als Beamter a.D. hat er sich also meiner Ansicht nach weiterhin an das Mäßigungsgebot zu halten. Eine rechtsradikale Webseite zu teilen, als öffentliche Person, die mal ein hohes Amt führte und deshalb auch das Ansehen des Amtes und damit auch des Landes vertritt, geht gar nicht. Keinerlei Zurückhaltung oder Rücksicht die sich aus seiner ehemaligen Stellung ergeben würde!

    Insofern behandeln die einzigen Diskussionen, die ich über Maaßens andauernde Ausfälle führen möchte, ob man ihm dafür seine Pension kürzen kann und warum die Union das meistens unkommentiert stehen lässt.

  4. Ich bin eigentlich stolze Trump-Ignoriererin. Es ist ja wirklich ziemlich egal, was er jetzt konkret twittert. Wie oben schon gesagt wurde, dass eines seiner „Stilmittel“ rassistische Äußerungen sind, wissen wir schon lange. Viele Leute, die ich kenne folgen Trump auf Twitter, ich halte das für einen Fehler. Es ist viel wichtiger, sich anzuschauen, was für eine konkrete Politik, Handel, Umwelt, etc. er durchsetzt. Viel interessanter als die Person Trump finde ich das drumherum. Warum fühlen sich so viele Menschen von seinen teilweise hassgetränkten Aussagen angesprochen? Aber auch wie reagieren die „Gegner“. Ich finde es zum Beispiel nicht zielführend, sich immer über die „Dummheit“ Trumps zu erheben. Offensichtlich macht er sehr viel richtig. Gegen Trump und seine Anhängerinnen wird oft eine Arroganz an den Tag gelegt, die ich für unklug und seiner Sache nur förderlich halte.

    Bei Maaßen gilt m. E. dasselbe. Er benimmt sich wie der schlimmste Wahnwichtel. Ich gebe zu, dass ich, gäbe es einen solchen Artikel, in dem erörtert würde, ob er schon immer so drauf war, oder jetzt nur abgedriftet ist, auch lesen würde. Andererseits halte ich die Frage wiederum für komplett irrelevant. Dass, was der Verfassungsschutz in den Jahren unter Maaßens Führung gemacht hat, unabhängig von dessen persönlicher Meinung ist immer noch völlig unzulänglich aufgearbeitet. Es kommt doch viel mehr darauf an, sich mit den immer noch bestehenden rechtsradikalen Personen und Strukturen in Polizei, Bundeswehr und sonstigen Behörden auseinanderzusetzen. „Was dachte Maaßen am 08. August 2015?“, find ich eher son bisschen goldenesblattmäßig.

  5. Also, ich finde es auch nicht schön, wie Trump über demokratische Kongressabgeordnete herzieht. Ich meine, wer von denen käme nicht aus einem Land, dessen Regierung eine einzige Katastrophe ist? Sie können aber doch nichts dafür, da sie in der Opposition sitzen und Trump regiert.

    Maaßen wird entweder immer schlimmer, oder gibt sich immer weniger Mühe, so zu tun, als ob nicht…

  6. @ Maike #6
    „Offensichtlich macht er sehr viel richtig“
    Was denn zum Beispiel?
    „Es ist ja wirklich ziemlich egal, was er jetzt konkret twittert“
    Das Twittern also eher nicht.
    „was für eine konkrete Politik, Handel, Umwelt, etc. er durchsetzt“
    Also? Welche ist richtig?
    „Warum fühlen sich so viele Menschen von seinen teilweise hassgetränkten Aussagen angesprochen?“
    Wieder sehr unkonkret, und vor dem Warum kommt immer das Ob!
    Einen roten Faden und ein Ergebnis suche ich in Ihrer Trump-Analyse vergebens.
    Und was hat das Getrumpe mit Maaßen zu tun? Maaßen war ja nun noch nie für eine Politik verantwortlich, sondern immer nur Beamter. Und jetzt versucht er sich als Oppositionspolitiker- und -agitator. Damit befindet er sich schwerlich auf Trumps Spuren.

  7. Sehr geehrter Herr Müller,
    ich bin im Grundsatz dagegen, mit Rechten zu reden. Es sollte über sie geredet werden, denn sie sind nicht an einem demokratischen Diskurs interessiert. In die Schiene würde ich, mit der gebotenen Höflichkeit, auch Sie einordnen. Ich denke, dass sie sich nicht mit mir austauschen, sondern mich vorführen wollen. Für meinen Geschmack klappt das allerdings nicht. Ihre Frage kann kaum ernst gemeint sein. Trump macht offensichtlich viel richtig, denn immerhin ist es ihm gelungen, US-Präsident zu werden. Und auch das Twittern, so wie Trump es praktiziert, hat er für sich als höchst effektives Instrument nutzbar gemacht.
    Die Aussage, dass ein Spitzenbeamter wie Maaßen nicht auch politisch handelt (jetzt sparen Sie sich bitte die Erklärung, dass er das als Angehöriger der Exekutive definitionsgemäß nicht kann), finde ich darüber hinaus indiskutabel. Es steht doch außer Frage, dass z. B. der Umgang mit der NSU eine politische Wirkung hatte. Für mich sind das alles Belege dafür, dass Sie keinen Diskurswillen haben. Also, falls Sie mir hierauf antworten sollten, ich werde das dann nicht erwidern.

  8. Dank Samira El Ouassil muss ich mich in den Sozialen Medien nicht selber mit dummem Altmännerschmutz beschäftigen, sondern kriege ihn regelmäßig unterhaltsam und anregend aufbereitet. Das ist eine Dienstleistung, die meiner mentalen Gesundheit zugute kommt und die ich deswegen nicht hoch genug loben kann.

  9. @ Maike #9
    „Ich denke, dass sie sich nicht mit mir austauschen, sondern mich vorführen wollen“
    Allerdings. Gerade deshalb würde ich ja so gerne erfahren, was Trump so doll richtig macht.
    So einen lauwarmen Auflauf aus „sehr viel“ rahmiger Trump-Bewunderung, überbacken mit einer dünnen Kruste von zur Schau gestellter, vordergründiger Abscheu finde ich höchst interessant.

  10. Man muss Herrn Maaßen und sein Tun aus meiner Sicht fortwährend medial beleuchten, weil er offenbar eine politische Agenda verfolgt (siehe Daniel #4) und dafür durchaus sein „Gewicht“ als vormals oberster Verfassungsschützer in die Waage der Argumente wirft. Frei nach dem beliebten Opfermythos: Kluger Verfassungsschützer sagt die Wahrheit, wird dafür gegangen, lässt sich aber trotzdem nicht verbiegen. Wenn DER das sagt, MUSS es ja stimmen, der weiß nämlich Bescheid. Und zum Löschen des Tweets wurde er bestimmt von [hier Lieblings-Schuldige(n) einfügen] gezwungen. Wahrscheinlich unter Androhung, ihn sonst den linksradikalen Kräften in der SPD zum Fraß vorzuwerfen.

    Argh, wie nervtötend.

  11. @ Michael Frey Dodillet

    Altmännerschmutz

    Kann das bitte mal aufhören? Was ist das für ein psychologisches Bedürfnis, Leute für ihr Alter und ihr Geschlecht zu beleidigen, um sich dabei fortschrittlich zu fühlen?

    @ Samira El Ouassil:

    Wir müssen über ihn sprechen

    Wann hat das eigentlich angefangen mit dem „Wir müssen reden“, „Wir müssen sprechen“, etc.? Liest man inzwischen gefühlt in jedem dritten Text. Soll vermutlich mild-ironisch an eine Paartherapie erinnern, oder so. Ich finde, es ist inzwischen zur Floskel totgeritten.

  12. @Nr. 4 Daniel
    „Ja, Maaßen wird es weit bringen. Spätestens wenn Höcke in der AfD weiter klettert, wird Maaßen den Anschluss zur CDU gerne möglich machen. Deswegen ist es nicht nur in der Rückschau wichtig, ihn zu beobachten. Sondern auch im Vorgriff auf den Rassismus und die Fremdenfeindlichkeit, die ihn als Innenminister tragen werden.“

    Erstaunlicher Quatsch, wirklich ganz erstaunlich! Und so altklug geschrieben…

  13. „Wann hat das eigentlich angefangen mit dem ´Wir müssen reden,´ ´Wir müssen sprechen´, etc.? Liest man inzwischen gefühlt in jedem dritten Text.“

    Nur eine Arabeske der guten alten Notwehrrhetorik.
    Wir müssen alle Kräfte mobilisieren, keine Zweifel zulassen, keine Plattform geben, blockieren, Schulterschluss, zusammenrücken, Volksfront gegen Emmanuel Goldstein.

    Dazu passt auch Maike (9.):
    Nicht mit denen reden. „Es sollte über sie geredet werden“.

    Alles schon mal erlebt. Genauso lief das in der ersten DDR. Ganz genauso.
    Das ist wohl der Grund, warum hier die Honecker/Merkel-Propaganda nicht so verfängt wie im Westen.

  14. @ Michael Frey Dodellet:

    Vielleicht sollten wir uns einfach darauf einigen, dass wir aufhören, Menschen wegen äußerer Merkmale pauschalisierend abzuwerten (egal ob wir diese Merkmale haben oder nicht); und Kritik an der Abwertung von Menschen aufgrund äußerer Merkmale mit Ad-hominem-„Argumenten“ zu kontern.

  15. @ Maike: Ja, diese Typen kommen nicht her um sich fortzubilden – die wissen nämlich schon alles was sie wissen müssen, wenn das auch nun wirklich nicht viel ist. Weshalb die Geschichte mit dem Vorführen auch nicht so richtig funktionieren will. Von daher, ich bin da bei Ihnen, mit denen reden ist vergeudete Zeit. Mehr als verdrehte Zitate und weltanschauliche Rittberger sind da nicht zu erwarten.

    Und die anderen derailen mal wieder Richtung alte Männer. Gott, geht mir das versammelte Selbstmitleid hier mittlerweile auf den Keks.

    Maaßen selbst spottet ja seit jeher jeder Beschreibung. Manchmal ist es vielleicht ganz gut, dass so etwas anständig eskaliert, damit man mal sieht, welche Flachzangen hier in Ämter gelangen… Wobei, vielleicht weiß an das besser nicht.

  16. @ Brathering #21
    „Maaßen selbst spottet ja seit jeher jeder Beschreibung…welche Flachzangen hier in Ämter gelangen“
    Maaßen ist keine Flachzange, sondern ein Geheimdienstler. Er hat geduldig versucht, sein Spiel im Inneren zu spielen, ist dann aus der Deckung getreten (warum?) und dabei gescheitert, allerdings nur knapp.

    @ Blinse #14
    Völlig richtig.
    Maaßen wird nicht Innenminister werden. Zum Glück.

  17. Ich zitiere hier mal ein paar aus dem Zusammenhang gerissene Sätze aus einer im Jahre 2000 (daher alte Rechtschreibung) erschienen Rezension der Dissertation von Maaßen (Die Rechtsstellung des Asylbewerbers im Völkerrecht, 1997) durch die ehemaligen Verfassungsrichterin G. Lübbe-Wolffn (AöR 2000, S. 154 ff.):

    „Die vorliegende Arbeit … bemüht sich um den Nachweis, daß für eine restriktivere Flüchtlingspolitik erhebliche noch unausgeschöpfte Spielräume bestehen.

    Von den diskutablen Auslegungsalternativen favorisiert er [der Verfasser, also Maaßen] … jeweils die restriktivere.

    In erster Linie bestreitet der Verfasser, dass mittelbare Rückführungsfolgen wie eine zu erwartende unmenschliche oder erniedrigende Behandlung im Zielstaat … überhaupt einen unmenschlichen Charakter der Rückführung selbst begründen. Art. 3 EMRK verbietet danach nur Rückführungsmaßnahmen, die … in der Art und Weise ihrer Durchführung unmenschlich oder erniedrigend sind.

    Argumentative Gründlichkeit und Sorgfalt in der Präsentation und Auswertung von Quellen und Literatur investiert der Verfasser des öfteren recht selektiv.

    Daß effektiver Schutz von Flüchtlingen vor Rückführung in einen Verfolgerstaat … von prozeduralen Absicherungen ex ante abhängt, weil die Voraussetzungen der faktischen Aufdeckung … der staatlichen Verantwortung für einmal getroffene Fehlentscheidungen ex post extrem ungünstig sind, scheint dem Verfasser nicht in den Sinn gekommen zu sein. Dagegen fallen ihm, wenn es um den effektiven Schutz der Staaten vor unerwünschter Zuwanderung geht, auch abgelegenste Bedrohungsszenarien ein.

    ‚Flüchtlingspolitik durch Asylpolitik zu betreiben’ (gemeint ist: Flüchtlingspolitik durch eine liberale, nicht restriktive Asylpolitik zu betreiben) läuft nach seiner [des Verf.] Auffassung … ‚den Bedürfnissen der betroffenen Menschen zutiefst zuwider’ … Ganz so leicht sollte man es sich mit der gewissensberuhigenden Vorstellung, daß Härten, die man im eigenen Interesse für angebracht halten mag, auch für die die davon betroffenen Anderen das beste sind, doch nicht machen“.

    Erkennbar ist Maaßen sich treu geblieben. Das kann (und konnte) man wissen.

  18. @Brathering
    Ich hab mich gerade gefragt, kann es sein, dass hier, völlig unabhängig vom konkreten Artikel und seinem Inhalt, Gott bewahre, hier immer wieder die selbe Diskussion geführt wird?
    Meine Grenze mit Rechten zu reden, liegt exakt da, wo ich unterstelle, dass sie eben die Mittel der Demokratie, wie z. B. die freie Debatte nutzen, aber dies nur um die Demokratie letztlich abzuschaffen. Debatte durch Derailing zu zerstören, kann auch ein solches Mittel sein. Hier scheint es mir ganz gut zu klappen.

    @Th Koch
    Ja, dass Maaßen eine sehr restriktives Verständnis von Asylrecht hat, und dass auch seinen juristischen Sachverstand zu trüben vermag (wobei sich sicherlich auch Juristen finden lassen, die das bestreiten würden), ist denen, die es wissen wollen, seit langem bekannt. Weitere starke Indizien zu seiner politischen Haltung lassen sich ja auch daraus ableiten, wie er seine Behörde geführt hat.

  19. @23: Danke, das war erhellend! Der Maaßen war ja allzeit stets bemüht. Solche Figuren taugen am besten als Kühlerfigur.

  20. @ Th. Koch #23
    Bemerkenswert, wie sachlich und maßvoll im Ton die Rezension formuliert ist.
    Davon könnte sich manch ein Maaßen-Kritiker heute eine dicke Scheibe abschneiden. Die Wirksamkeit von Kritik leidet nämlich daran nicht. Im Gegenteil.

  21. Die Flüchtlinge liegen apathisch, scheinbar dehydriert an Deck

    Eindeutiger Fake! Wieso sollten die denn dehydriert sein, wenn rings um sie lauter Wasser ist?!?
    Bin schockiert, dass das nicht mal den kritischen Geistern von „Journalistenwatch“ aufgefallen ist …

  22. @19
    Nein, darauf einigen wir uns leider nicht. Eine der reichsten Volkswirtschaften dieser Welt ist seit vier Jahren im Nöl-Modus, und wir alle wissen, dass das auf den Deckel der AWMs geht.

    Bei der Farbe wäre ich allerdings kompromissbereit. Mit »alten, orangen Männern« könnte ich mich – aus gegebenem Anlass – abfinden.

  23. @ Brathering (#21):

    Und die anderen derailen mal wieder Richtung alte Männer. Gott, geht mir das versammelte Selbstmitleid hier mittlerweile auf den Keks.

    Liegt es im Rahmen Ihrer Vorstellungskraft, dass es Leute gibt, die der Kolumnistin in ihrer Kritik an Maaßen voll zustimmen und trotzdem nichts von „Altmännerschmutz“ lesen wollen? Liegt es im Rahmen Ihrer Vorstellungskraft, dass man gar kein alter Mann sein muss, um die Anrufung dieses nicht existenten Kollektivsubjekts abzulehnen?

    Wahrscheinlich nicht. Es ist ja so wunderbar einfach, ein geordnetes Weltbild zu haben. Vor allem eines, wo einem ständig halbverdaute Begriffe wie „Derailing“, „Ad hominem“, etc. zur Verfügung stehen, um sich gegen jede Kritik an seiner eigenen Sprech- und Denkweise immun zu machen. Derailen Sie mich doch am Arsch, echt ma!

  24. @ Maike (#24):

    Debatte durch Derailing zu zerstören, kann auch ein solches Mittel sein. Hier scheint es mir ganz gut zu klappen.

    Meinen Sie mich? Ich habe schließlich mit dem „Derailing“ angefangen – zumindest, solange „Altmännerschmutz“ für Sie ein sachlicher Beitrag zur Debatte ist. Halten Sie mich für einen Rechten? Reden Sie mit mir? Ich will es wirklich gerne wissen, wäre also für eine Antwort dankbar.

  25. @kritischer kritiker,

    ich wollte eigentlich ein kommunikationsmuster beschreiben, von dem ich dem eindruck habe, dass es mir, wenn ich ab und an hier vorbeischaue, immer wieder begegnet.
    wirklich egal, worum es geht, am ende wird nicht über die für den beitrag spezifischen inhalte gesprochen. vielmehr finden sich die typischen evergreens wie „genderwahn“ (alte weiße männer werden diskriminiert) oder „lügenpresse“ (zensur, meinungsfreiheit, bewirkt dadurch, dass privatleute ihre meinung sagen), oder, natürlich „bedrohung durch islamismus“.

    zu einem austausch oder annäherung scheint es mir in den um diese themen entfachten debatten dann meistens eher nicht zu kommen (ich mag mich irren, aber mir kommts so vor, als stünden sich da immer wieder dieselben leute unversöhnlich gegenüber.) (ich will mir auch keine aussage anmaßen, in wie vielen der hier veröffentlichten beiträge das der fall ist, dafür komme ich hier inzwischen zu selten vorbei).

    im ergebnis würde ich es als erfolgreiches derailing bezeichnen, was da passiert. wenn es für Sie unter allen möglichen themen, die anhand dieses beitrags diskutiert werden könnten, am allerwichtigsten ist, sich über den begriff „altmännerschmutz“ aufzuregen, dann würde ich Sie als teil dieses von mir als (auch) derailend empfundenen kommunikationsmusters einordnen.

    ob Sie rechts sind oder nicht, weiß ich natürlich nicht. ich würde denken, dass Sie es entweder nicht verstehen, was mit dem begriff „alte weiße männer“ gemeint ist, oder eben bewusst derailen. es geht ja gerade nicht um konkrete herren, die vor relativ langer zeit geboren wurden, sondern um patriarchale machtstrukturen. man kann ein alter weißer mann sein, ohne ein „alter weißer mann“ zu sein, christian ströbele ist ein reizendes beispiel. aber ehrlich gesagt, sehe ich überhaupt keine perspektive, dass wir das konstruktiv diskutieren können. daher nur mein standpunkt, nach dem Sie gefragt hatten.

  26. @ Maike:

    Und ich verstehe nicht, wozu Sie und andere hier dieses Muster brauchen: Mit „alten, weißen Männern“ meinen Sie selbstverständlich nicht „alte, weiße Männer“, sondern rassistische, frauenfeindliche, alte, weiße Männer. Sie nennen Sie trotzdem einfach „alte, weiße Männer“, und wer das kritisiert, ist höchstwahrscheinlich rassistisch und frauenfeindlich, will aber wenigstens „derailen“.

    Warum lassen die Leute den Begriff nicht einfach bleiben, wozu braucht man den? Außer um ein Kollektivsubjekt zu haben, das man hassen darf – um im nächsten Satz zu bestreiten, dass man ein Kollektivsubjekt damit meine? Ich habe hier lediglich den Begriff „Altmännerschmutz“ kritisiert, ohne den wäre das Thema gar nicht aufgekommen.

    Um meine allergische Reaktion zu erklären: Vor ein paar Jahren habe ich kurz vor dessen Tod meinen Großvater besucht. Er war sterbenskrank und lag in seinem „Schmutz“, weil er seinen Körper nicht mehr unter Kontrolle hatte. Geistig war er voll da, und er hat geweint, weil er sich vor seinen Enkelkindern schämte.

    Das ist das Bild, das ich im Kopf habe, wenn ich „Altmännerschmutz“ lese. Sie würden es wahrscheinlich „Trigger“ nennen.

  27. @ Michael Frey Dodillet:

    „Dank Samira El Ouassil muss ich mich in den Sozialen Medien nicht selber mit dummem Altmännerschmutz beschäftigen […]“

    „Eine der reichsten Volkswirtschaften dieser Welt ist seit vier Jahren im Nöl-Modus, und wir alle wissen, dass das auf den Deckel der AWMs geht.“

    Die Rede vom „Altmännerschmutz“ suggeriert, dass es einen bedeutenden Zusammenhang gibt zwischen den inhaltlichen Aussagen der betreffenden Personen und der Tatsache, dass diese Personen alte Männer sind; und dass es typisch für alte Männer, aber eher atypisch für andere sei, entsprechend reaktionär zu denken und zu reden.

    Das ist aber aus vielen Gründen problematisch:

    a) Ich habe noch nie einen Beweis dafür gesehen, dass alte (weiße) Männer als Gruppe wesentlich reaktionärer wären als andere Gruppen, etwa als (alte, weiße) Frauen. Natürlich gibt es Unterschiede, aber das sind eher Tendenzen. Im Allgemeinen scheint alles dafür zu sprechen, dass die Ähnlichkeiten etwa zischen Männern und Frauen im Hinblick auf politische Einstellungen viel größer sind als die Unähnlichkeiten (siehe etwa Wahlverhalten).

    b) Dass es vor allem alte Männer sind, die mit reaktionären Positionen in die Medien kommen, dürfte wesentlich auch damit zu tun haben, dass es generell eher alte Männer als etwa junge Frauen sind, die sich in öffentlichwirksamer Weise zu gesellschaftspolitischen Themen äußern. Wenn alte weiße Männer beispielsweise drei mal so oft zu Wort kommen sollten wie junge Frauen, wäre selbst bei gleichen Einstellungen zu erwarten, dass sie sich drei mal so oft reaktionär äußern. Das müsste man bei einem Vergleich rausrechnen bzw. kontrollieren, damit es nicht zu einer Verzerrung kommt.

    c) Soweit es öffentliche Unzufriedenheit gibt, hat die wohl weniger mit einzelnen prominenten reaktionären alten Männern zu tun als damit, dass diese Männer in Medien und/oder Bevölkerung eine erhebliche Resonanz finden. Ohne diese Resoanzbereitschaft bliebe das Reden der entsprechenden alten weißen Männer folgenlos.
    Würden die entsprechenden prominenten alten Männer verschwinden, dann würden eben mehr Frauen wie von Storch oder Weidel das Ruder übernehmen. Wo eine Nachfrage ist, findet sich meistens auch ein Angebot.

    d) Selbst wenn aber alte weiße Männer viel öfter als andere Leute reaktionäre Ansichten vertreten würden, wäre immer noch festzuhalten, dass sehr viele oder die meisten alten weißen Männer das nicht tun.

    e) Die Formulierung mit dem „dummen Altmännerschmutz“ ist abwertend. Ginge es um andere Gruppen, wo die Angehörigen einer Gruppe gehäuft ein problematisches Verhalten zeigen, würden Sie das auch einsehen. Es dürfte beispielsweise viel mehr Personen mit türkischen Wurzeln als andere Menschen geben, die reaktionäre und repressive Maßnahmen von Erdogan rechtfertigen. Trotzdem würde man es doch als herabsetzend, unfair und diffamierend empfinden, solche Ansichten als „dummen Türkenschmutz“ zu bezeichnen.

    f) Nun mögen Sie sagen, dass die (ncht-türkischen) alten weißen Männer hierzulande in einer stärkeren Position sind als Leute mit türkischen Wurzeln. Stimmt – aber man sollte doch wohl niemanden unfair diffamieren, ob privilegiert oder nicht.

    g) Zudem ist die Gruppe der alten weißen Männer zwar als Gruppe privilegiert; ein Großteil der Mitglieder dieser Gruppe hat aber tatsächlich kaum oder keine besonderen Privilegien. Der alte männliche Langzeit-Hartz-IV-Empfänger, der kaum über die Runden kommt, ist in viel höherem Maße unterprivilegiert als privilegiert.
    (Früher galt ein armer alter weißer Mann noch vor allem als jemand, der es schlecht hat; heute scheint er vor allem als Repräsentant gleich mehrerer privilegierter Gruppen wahrgenommen zu werden.)

    Manche Leute, die sich als „Linke“ betrachten, scheinen denselben Denkmustern zu verfallen wie „Rechte“, nur mit umgekehrten Vorzeichen: Anstatt junger schwarze Frauen oder Leute mit türkischen Wurzeln, diffamieren sie eben alte weiße Männer; sie tun das aber auf dieselbe Weise, die sie im anderen Fall heftigst kritisieren würden. Man mag sagen, dass es weniger schlimm ist, wenn weiße alte Männer statt etwa schwarzer junger Frauen diffamiert werden. Das mag so sein, wenn man es von den Folgen her bedenkt.
    Zumindest nach meinem Verständnis ist es aber nicht „links“ oder „linksliberal“, Rechte zu spiegeln, indem man einfach andere (wenn auch mächtigere) Gruppen diffamiert (selbst wenn man diesen angehört). „Links“ oder „linksliberal“ wäre es m.E., ganz darauf zu verzichten, Gruppen von Leute anhand äußerer Merkmal in pauschalisierender Weise zu diffamieren.

    @ Brathering:

    „Und die anderen derailen mal wieder Richtung alte Männer. Gott, geht mir das versammelte Selbstmitleid hier mittlerweile auf den Keks.“

    Erstens ist es eine pure Unterstellung bar jeglichen Beweises, dass die Kritik an der Diffamierung alter Männer auf Selbstmitleid beruht. Ich etwa bin zwar ein Mann, als „alt“ kann man mich aber nicht bezeichnen.
    Zweitens: Selbst wenn die Kritik aus Selbstmitleid entspringen würde, würde darauf nicht folgen, dass sie unberechtigt ist. Sie könnte immer noch valide sein.
    Drittens: Indem Sie stöhnen, dass Ihnen eine bestimmte Kritik auf die Nerven geht, können Sie sie weder delegitimieren noch widerlegen. Sie werten die Kritik anderer Leute damit ab, ohne auf deren Argumente einzugehen.

    Ihr Derailing-Vorwurf ist völlig abwegig; denjenigen, die eine Äußerung von Herrn Dodillet kritisieren, ernsthaft unterstellen zu wollen, dass sie irgendwie von der Kritik an Herrn Maßen ablenken wollen, ist doch absurd. Der „Derailing“-Vorwurf verkommt immer mehr zu einer Killerphrase und wird so inflationär gebraucht wie der Troll-Vorwurf (siehe auch meine Antwort an Maike unten).

    Anders als Herr Dodillets Beitrag, der auf die Sache eingeht (wenn m.E. auch nicht überzeugend), muss man über Ihr Verhalten daher sagen, dass es vollkommen unsachlich ist, ja, dass Sie sich offenbar noch nicht einmal um Sachlichkeit bemühen.

    @ Maike:

    Dass Diskussionen oft nicht in erster Linie um den eigentlichen Artikel gehen, ist wahr, hat aber auch mit folgenden Faktoren zu tun:

    – Das Interesse, auf den gesamten Artikel einzugehen, in vielen Fällen begrenzt. Viele Leute (egal welcher politischen Linie) gehen höchstens kurz auf den Artikel ein und fokussieren bestenfalls auf einzelne Aspekte. Das kann übrigens auch einfach an breiter Zustimmung liegen, wenn ein Text nicht als kontrovers empfunden wird.

    – Viele Leute (egal welcher politischen Ausrichtung) gehen bewusst und aus Interesse vor auf allem auf bestimmte Aspekte ein, die mit dem Thema des Artikel eher am Rande zu tun haben.

    – Wenn es Interesse gibt, den Artikel in seinen zentralen Inhalten selbst zu diskutieren, dann laufen solche Diskussionen gewöhnlich problemlos neben dem (Halb-)OT entlang, ohne durch das (Halb-OT) wesentlich gestört zu werden. OT verdrängt das „Topic“ dann nicht so sehr, sondern läuft neben ihm her.

    Wenn der eigentliche Inhalt des Artikels in vielen Fällen eher am Rande diskutiert wird, liegt das m.E. also i.d.R. nicht an einem „Drailing“, bei dem jemand versuchen würde, „abzulenken“, sondern an einer relativ geringen Bereitschaft, viel zum Artikel selbst zu sagen, und an einer relativ hohen Bereitschaft (oftmals mehrerer Akteure unterschiedlicher politischer Ausrichtung), etwas zum OT zu schreiben. Diese OT-Diskussionen führen nach meiner Erfahrung wie gesagt auch dem Effekt nach gewöhnlich nicht zu einer „Unterdrückung“ des eigentlichen Themas.

    Darüber hinaus scheint mir der „Derailing“-Begriff eh nur eingeschränkt für Diskussionen unter Artikeln zu taugen: Denn das eigentliche ist ja der Artikel selbst. Die Kommentare sind nur Beiwert. Und von der Lektüre des Artikels kann einen ein Kommentator mittels „Derailing“ schwer ablenken, wenn man zuerst den Artikel und dann die Kommentare liest.

    Im Übrigen finde ich Sie etwas einseitig in Ihrer Kritik:
    Wenn jemand Wörter benutzt, von denen er wisse muss, dass andere sich durch sie provoziert fühlen werden, und von denen sich m.E. dartun lässt, dass sie in der Tat problematisch sind (siehe den ersten Teil ebendieses Kommentars), dann scheint Sie das nicht zu stören. Erntet die entsprechende Wortwahl dann Kritik, dann scheint Sie das durchaus zu stören. Ich glaube, dass das keine überparteiliche methodische Kritik Ihrerseits ist, sondern Ihre eigene politische Haltung widerspiegelt: Wäre das Reizwort „dummer Türkendreck“ gewesen (siehe oben), dann würden Sie das Wort als Provokation und die Kritik daran als legitim finden. (Meine eigene Haltung hingegen würde ich als „überparteilich“ in dem Sinne bezeichnen, als ich es GENERELL problematisch finde, Menschen aufgrund von Äußerlichkeiten mit diffamierenden Vokabeln zu belegen.)

    Ich finde folgende Äußerung von Ihnen in Richtung „Kritischer Kritiker“ unfair:

    „wenn es für Sie unter allen möglichen themen, die anhand dieses beitrags diskutiert werden könnten, am allerwichtigsten ist, sich über den begriff ‚altmännerschmutz‘ aufzuregen, dann würde ich Sie als teil dieses von mir als (auch) derailend empfundenen kommunikationsmusters einordnen.“

    Dass Kritischer Kritiker vor allem auf diesen Aspekt eingeht, kann neben seiner geschilderten persönlichen Sensibilität auch ganz einfach damit zu tun haben, dass er dem Inhalt des Artikels in allen wesentlichen Punkten zustimmt und ihn daher auch nicht als sonderlich diskussionswürdig empfindet. Dass man unter diesen Umständen auf ein Nebenthema fokussiert, ist nach meiner Erfahrung normal und üblich.

  28. @ Maike:

    Und um das noch zu ergänzen: Auch wenn man glaubt, dass andere alles Wichtige zum Hauptthema schon gesagt haben, geht man manchmal auf einen Nebenaspekt einer Diskussion ein; das heißt nicht, dass man diesen Nebenaspekt am wichtigsten oder für den einzig wichtigen Punkt hielte.

    @ TH. Koch, #23:

    „Ich zitiere hier mal ein paar aus dem Zusammenhang gerissene Sätze aus einer im Jahre 2000 (daher alte Rechtschreibung) erschienen Rezension der Dissertation von Maaßen […]“

    Ausgesprochen interessant. Umso erstaunlicher und besorgniserregender, dass ein solcher Mann so wichtige Ämter besetzen und so gut Karriere machen konnte. In „guter“ Erinnerung ist ja auch noch sein perfider Umgang mit Snowden:

    „Hans-Georg Maaßen glaubt, Edward Snowden sei ein russischer Spion. Nicht, dass er Beweise für seine Behauptung hätte. Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz findet nur – aufgrund seiner Erfahrung als Geheimdienstler, wie er sagte –, dass es plausibel sei. […]

    Es gibt kein Indiz für diese Theorie. Sie ist nach allem, was bisher bekannt wurde, abenteuerlich. Selbst hohe amerikanische Geheimdienstler gehen nicht so weit.“
    https://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-06/edward-snowden-maassen-verfassungsschutz-nsaua/komplettansicht

  29. @ LLL #34
    „sein perfider Umgang mit Snowden“
    Guter Punkt gegen M.
    Und die Rolle nicht vergessen, die er und seine Behörde im Zusammenhang mit der Vertuschung der Amri-Merkwürdigkeiten gespielt haben! Er hätte also direkt versucht zu verhindern, dass Medien Fakten berichten. Mit dem Vorwissen behauptet es sich leicht, dass die Presse nicht wahrheitsgemäß berichtet. Er bleibt so „nah an der Wahrheit“ und lügt nur darüber, dass es bei der NZZ grundsätzlich anders sei.
    Angesichts seiner alten Funktion ist seine heutige Pose als Freiheitskämpfer der blanke Hohn. Schlimm, dass seine Fans das nicht merken.

  30. @ Maike:

    Ich hatte es bereits geschrieben, aber auch für Sie noch mal schwarz auf weiß: Ich stimme dem Artikel in allen wesentlichen Punkten zu. Und nun?

  31. „man kann ein alter weißer mann sein, ohne ein „alter weißer mann“ zu sein.“ Oder, allgemeiner Formuliert, man kann x+y+z sein, ohne „x+y+z“ zu sein. Das ist eine derartig kontraintuitive Unlogik, dass ich mir die Frage stelle, warum sich diejenigen rechtfertigen sollten, die das ablehnen?
    Weiterhin, wenn das valide Logik wäre, könnte jemand sagen, dass jemand in D. leben, dt. als Muttersprache sprechen und die dt. Staatsangehörigkeit haben könnte, ohne „deutsch“ zu sein, weil:
    x+y+z != xyz
    Gleiche „Logik“.
    Ansonsten könnte ich auch einfach sagen, dass ich als männlicher Weißer über 40 die Deutungshoheit über den Begriff habe und die abwertende Verwendung einfach beleidigend deute.

  32. @37

    Weiterhin, wenn das valide Logik wäre, könnte jemand sagen, dass jemand in D. leben, dt. als Muttersprache sprechen und die dt. Staatsangehörigkeit haben könnte, ohne „deutsch“ zu sein,
    Das ist doch Alltag, diese Logik.
    Ja, es gibt sehr viele Menschen, welche die Kriterien erfüllen und die von sich sagen oder denen man nachsagt, sie seien alles andere als „typisch“ (!) Deutsch.
    Wenn man denen dann damit kommt, dass sie aber doch alle Kriterien erfüllen, dann sagen sie, ja, de facto natürlich, aber im Übertragenen Sinne sehen sie sich eben nicht so.
    Und das haben wir doch millionenfach bei jedem von uns in immer wieder vorkommenden Situationen.

    Wenn jemand ein Kind hat, dann ist er Vater oder sie Mutter.
    Wenn diese Person, die de facto Mutter/Vater ist sich aber nur schlecht oder gar nicht kümmert, dann sagen viele Kinder in solchen Situationen, sie hätten keinen Vater/keine Mutter.

    Person A kann ein großer, weißer Mann sein. Der noch größere blasse Kollege behauptet aber, A sei Klein und hat eine viel zu dunkle Hautfarbe.

    In so fern ist das Argument mit der Logik für mich kein Argument, weil wir hier eben von Dingen sprechen, die nicht exakt einzugrenzen sind.

    Wenn ein nicht mehr junger Mann reaktionäres Geschwätz von sich gibt und ich ihn alten, weißen Mann nenne, dann sagt das ja noch gar nichts darüber aus, ob er wirklich alt ist, nicht mal, wie weiß seine Hautfarbe ist. Die Logik kann nicht klären, ab wann man jemanden als Alt bezeichnet oder wie hell der Hauttyp sein muss, um als „Weiß“ durchzugehen. Die Logik versagt also quasi, wenn ich den Menschen nur äußerlich beschreiben möchte.
    Im Kontext der Aussage ist viel klarer, was mit dem Ausdruck AWM eigentlich gemeint ist, nämlich das schon oft wiederholte. Was nicht heißt, der Mensch ist so und so alt, hat diesen und jenen Hauttyp, sondern, der Mensch äußert sich egozentrisch abfällig über Dinge, die er aus seiner eigenen Position nicht nachvollziehen kann.

    „Das ist eine derartig kontraintuitive Unlogik, dass ich mir die Frage stelle, warum sich diejenigen rechtfertigen sollten, die das ablehnen?“

    Wenn ich einen reaktionären Text in oben beschriebener Weise von einem unbekannten Autor zitiere und diesen dann als AWM beschreibe, haben sie dann mehr Informationen über dessen Äußeres oder dessen innere Haltung?

  33. „Das ist doch Alltag, diese Logik.“
    Und? Finden Sie das gut? Wollen Sie nicht, dass sich die Verwender dieser Logik rechtfertigen?

    „Wenn ich einen reaktionären Text in oben beschriebener Weise von einem unbekannten Autor zitiere und diesen dann als AWM beschreibe, haben sie dann mehr Informationen über dessen Äußeres oder dessen innere Haltung?“
    Weder noch. Ich habe Informationen über IHRE innere Haltung.

    Nebenbei, das Argument, Begriffe wie weiß, alt (und männlich) seien relativ, wäre ein weiteres Argument, auf sie zu verzichten. Wenn sie sowieso als Synonyme für reaktionär, egoistisch und/oder arrogant verwendet werden sollen, kann man doch gleich reaktionär, egoistisch und arrogant sagen und schreiben.

  34. @LLL
    natürlich können Sie immer über alles diskutieren, was Sie wollen und müssen sich nicht für die artikel interessieren. ich habe da den begriff „derailen“ in einem weiteren sinne gebraucht. das ist sicher nicht immer absichtlich, um von den spezifischen fragen der artikel abzulenken. ich finds nur intellektuell eher unbefriedigend. vor allem, da ja immer wieder dieselben sachen diskutiert werden. aber das ist ja egal. wenn es Ihnen gefällt ist ja gut. gibts hier unter den stammkommentierenden eigentlich noch frauen? nee, ne?

    @mycroft
    wenn man „alte weiße männer“ sagt, ohne alle alten weißen männer zu meinen, dann ist das nicht „unlogik“, dann ist das eine metapher oder andere form von sprachbild. ich sag auch, das wetter ist heiter, ohne, dass das wetter gute laune hat. das ist auch wieder so typisch. anstatt sich einfach mal mit patriarchatskritik auseinanderzusetzen, sich die frage zu stellen, warum wird wohl so eine formulierung gebraucht, werden irgendwelche völlig widersinnigen ausführungen gemacht.

  35. Die gegeißelten und in einer Art modifiziertem Rassismus an den Pranger gestellten „alten weißen Männer“ teilen sich (mit wenigen Ausnahmen, die auf das Konto farbiger oder asiatischer Wissenschaftler gehen) all die Nobelpreise, die der Menschheit im allgemeinen den größten Nutzen bringen. Was haben dagegen „junge weiße Frauen“ Nennenswertes hervorgebracht? Youtube-Blogs mit Schminktipps und die Influencer-Welle.

  36. @mycroft
    ist das die art logik, die Dir besser gefällt?
    „Die gegeißelten und in einer Art modifiziertem Rassismus an den Pranger gestellten „alten weißen Männer“ teilen sich (mit wenigen Ausnahmen, die auf das Konto farbiger oder asiatischer Wissenschaftler gehen) all die Nobelpreise, die der Menschheit im allgemeinen den größten Nutzen bringen.“

  37. „wenn man „alte weiße männer“ sagt, ohne alle alten weißen männer zu meinen, dann ist das nicht „unlogik“, dann ist das eine metapher oder andere form von sprachbild.“ Auch Metaphern können beleidigend sein.

    „ich sag auch, das wetter ist heiter, ohne, dass das wetter gute laune hat. “ Metaphern funktionieren eben am besten, wenn sie nicht wörtlich gemeint sein können. Wenn doch, wird’s schwierig: „Klar kann ich Ihr Auto schwarz streichen. Welche Farbe soll es denn haben?“ Wussten Sie das nicht?

    „das ist auch wieder so typisch. anstatt sich einfach mal mit patriarchatskritik auseinanderzusetzen, sich die frage zu stellen, warum wird wohl so eine formulierung gebraucht, werden irgendwelche völlig widersinnigen ausführungen gemacht.“ Ich setze mich mit Patriarchatskritik auseinander. Wenn eine beleidigende Formulierung auch dann noch verwendet wird, wenn die Beleidigten die Beleidigung öffentlich gemacht haben, ist der Grund dieser Formulierung offenbar die Beleidigung.

    „ist das die art logik, die Dir besser gefällt?“
    Jetzt wollen Sie mich offensichtlich verarschen. Ich teile mir keine Nobelpreise außer den, den die EU mal gekriegt hat. Und das nur symbolisch, die paar Cent habe ich nicht erhalten. Also nein, es gefällt mir ganz und gar nicht, wenn man mir einen Millionengewinn zuschreibt, den ich nie gemacht habe.

  38. AL-TER! Können die versammelten Herren sich mal etwas zusammenreißen und nicht JEDE Diskussion auf einem differenzierten Blog wie Übermedien für ihre pseudointellektuellen Primärgeschlechtsteilvergleiche kapern?!?! Fällt eigentlich mal jemandem auf, wie konsequent Ihr hier die Diskussionsstränge dominiert und mit sachfernen Eigeninteressen und Kleinkrigen breitquatscht, so dass kaum einer außer Euch noch Bock hat, mitzu“diskutieren“ (= sich also entweder möglich witty und oder bemüht „sachlich“ gegenseitig immer und immer wieder den eigenen Standpunkt vorzukauen – ohne jede Rücksicht aufs eigentliche Thema)?! Konkret am hiesigen Beispiel: Wie oft müssen wir hier denn noch – obs passt oder nicht – das Thema „Bezeichnung alte weiße Männer“ durchkauen?! Wurde dazu nicht auf Übermedien (und an so ziemlich JEDEM anderen Ort im Internet) inzwischen wirklich a-l-l-e-s gesagt und zwar, ja, auch von a-l-l-e-n (also von allen, die noch Bock, die Zeit – unfasssbar wie viel Zeit hier einige zu haben scheinen -, die Kraft und die entsprechende Idee der Wichtigkeit der eigenen Meinung haben, hier überhaupt noch aktiv mitzudiskutieren). Es ist als Mitlesende und grundsätzlich an den Übermedien-Kommentarsträngen Interessierte so un-glaub-lich ermüdend. Kann man sich nicht einfach mal vorstellen, dass die eigene Meinung nicht sooooo unfassbar neu und wichtig ist, dass man sie nicht immer und immer und immer wieder kund tun muss?! Einfach nur, um anderen Raum zu lassen und die Stimmung und das Diskursklima nicht zu verpesten?! Aber nein, das geht nicht. Das kann Onkel Erni mit seinen eeewigen Tiraden am Kaffeetisch oder Papa Hans mit seinen „ich hab als einziger den Kapitalismus verstanden“-Spiegelartikel-Kritik-Monologen oder Freund Klaus mit seinen vermeintlich besonders schlauen und weiterbringenden „satirischen“ Kommentaren beim Tagesschau- oder Anstalt-Gucken ja auch nicht. Hm, was haben die und mutmaßlich die meisten Kommentatoren nochmal alles gemeinsam? Aber gut, das verkneif ich mir jetzt besser, sonst müssen die nachfolgenden Mitlesenden wieder noch zwölf ewige Traktate zu diesem Thema lesen….

  39. ach, ich wollte gerade mycroft antworten, aber gast hat ja alles dazu gesagt.
    ja, schon traurig. das wäre auch meine wahrnehmung, dass halt sehr viele leute keine lust mehr haben, hier mitzudiskutieren und daher wirklich keine spannenden diskussionen zustande kommen (wobei ich fairerweise sagen muss, auch nur noch selten vorbeizuschauen und nicht so ganz viel empirie vorweisen kann).

  40. @39, Mycroft
    „Weder noch. Ich habe Informationen über IHRE innere Haltung.“
    Das ist so nicht korrekt.
    Zumindest der erste Satz nicht.
    Ich schrieb ja, dass ich auch den reaktionären Text des Autor zitiere. Sie wissen also, dass der Autor reaktionär ist (das hatte ich einfach mal als Bedingung gesetzt, dass der Text als reaktionär einzustufen ist). Wenn ich den Auor als ATM bezeichne, dann haben sie zwei Informationen dazu bekommen: etwas über meine innere Haltung (was aber ja immer der Fall ist, wenn sie etwas von einer dritten Person lesen, also eine Binsenwahrheit ist. Und die Information, dass es sich bei dem Autor zumindest nach meiner Beschreibung/Aussage um jemanden handelt, der Empathielos und egozentrisch schreibt. Das müssen Sie mir nicht glauben, aber da die Attribute alt, weiß und männlich nicht per se Beleidigend sind, können Sie schon davon ausgehen, dass meine Aussage über den Autor nicht rein despektierlich, sondern eher deskriptiv gemeint sind.
    Im Kontext zum reaktionären Zitat haben Sie durch die Benennung als ATM auf kurzem Weg eine Zusatzinfo bekommen.

    Ich finde Ihre Logik-Aussage, die zu meiner Antwort geführt hat, sehr geeignet, aufzuzeigen, dass sich der Begriff tatsächlich sehr gut als Metapher mit echtem Mehrwert eignet. Aus den genannten Gründen.

    „Wenn sie sowieso als Synonyme für reaktionär, egoistisch und/oder arrogant verwendet werden sollen, kann man doch gleich reaktionär, egoistisch und arrogant sagen und schreiben.“

    Nur fast. Damit fehlen dann aber Informationen und es ist im Endeffekt weniger sachlich.
    Würde ich das so schreiben, dann könnten Sie denken, ich will nur despektierlich über den Autor schreiben und die Zusatzinfo versandet.
    Ich müsste dazu schreiben, warum ich den Autor als arrogant und egoistisch empfinde. Zum Beispiel, in dem ich ergänze, dass er als Mann, der sich von einem Popoklaps geehrt fühlt und deshalb die Beschwerden von Frauen nicht für Ernst nimmt.
    Viel zu Umständlich und ohne Erklärung unsachlicher. Dann nehme ich doch lieber ATM.

    Und bei Samira E. O. und Steffan N. war die Verwendung dieses Begriffes aus meiner Sicht immer sofort klar als einordnend ersichtlich, nie als unsachliche Beleidigung.
    Ganz im Sinne, wie ich den Begriff verstehe und versucht habe, ihn zu erklären.

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass auch alle anderen den Begriff genau so verstanden haben. Und sich an etwas anderem stören.

  41. Dass Samira El Ouassil die Äusserungen von Maaßen für „Unsinn“ hält wundert mich nicht. Wer soweit links steht und über darüber auch nicht herausgucken kann, der kann es auch nicht verstehen.

    Ich selber lese die NZZ seit Jahren mit großem Gewinn. Bundeskanzler Schmidt hat seinerzeit lästernd gesagt er brauche die Berichte des BND nicht, er lese die NZZ.
    Als „Westfenster“ wie Maaß würde ich sie nicht bezeichnen, aber sie gibt einen erfrischenden „anderen Blick“ von aussen nach Deutschland.
    Insbesondere wenn man dort dann überwiegend linke Meinungsjournalisten wie Samira El Ouassil mit ihrem Weltbild vorfindet.

  42. @ Micha:

    „Wenn ein nicht mehr junger Mann reaktionäres Geschwätz von sich gibt und ich ihn alten, weißen Mann nenne, dann sagt das ja noch gar nichts darüber aus, ob er wirklich alt ist, nicht mal, wie weiß seine Hautfarbe ist. Die Logik kann nicht klären, ab wann man jemanden als Alt bezeichnet oder wie hell der Hauttyp sein muss, um als ‚Weiß‘ durchzugehen. Die Logik versagt also quasi, wenn ich den Menschen nur äußerlich beschreiben möchte.
    Im Kontext der Aussage ist viel klarer, was mit dem Ausdruck AWM eigentlich gemeint ist, nämlich das schon oft wiederholte. Was nicht heißt, der Mensch ist so und so alt, hat diesen und jenen Hauttyp, sondern, der Mensch äußert sich egozentrisch abfällig über Dinge, die er aus seiner eigenen Position nicht nachvollziehen kann.“

    Also normalerweise werden die meisten Leute, die „alter weißer Mann“ hören, wohl an einen Mann denken, den die Amerikaner (etwa in Volkszählungen oder Stellenausschreibungen für Schauspieler) als „cuacaisan“ klassifizieren, und der vielleicht 40 oder wenigstens 35 Jahre alt oder älter ist.
    Und in bestimmten Kontexten wird man an einen Mann denken, der all die genannten Eigenschaften besitzt, aber zudem noch selbstgerecht ist und die Probleme anderer Gruppen ignoriert oder kleinredet. Dies wäre die zweite Bedeutung.

    Dass manche Begriffe nicht exakt sind (alt, weiß) heißt umgekehrt nicht, dass sie beliebig wären. Bei vielen Begriffen, die unklare Grenzen haben, herrscht doch ein vager, intuitiver, wenn an den Rändern auch unscharfer und natürlich kontextabhängiger Konsens, was seine Bedeutung umfassen mag und was nicht.

    „Ich finde Ihre [Mycrofts] Logik-Aussage, die zu meiner Antwort geführt hat, sehr geeignet, aufzuzeigen, dass sich der Begriff tatsächlich sehr gut als Metapher mit echtem Mehrwert eignet. Aus den genannten Gründen.“

    Wenn Sie „alter weißer Mann“ tatsächlich so verstehen, dass die Bezeichnung nichts über das Alter oder die Hautfarbe aussagt, dann ist es etwas seltsam, wieso Sie ihn als Metapher benutzen, um etwas über die Haltung einer Person zu sagen. Worin gründet die Metapher? Sie könnten nach Ihrer eigenen Logik doch eigentlich auch „dicker musizierender Eisenbahnschaffner“ sagen? Oder verstehe ich Sie da falsch?

    Nur damit es keine Missverständnisse gibt: In einigen Kontexten halte ich den Gebrauch des Ausdrucks „alter weißer Mann“ mit der genannten negativen Konnotation durchaus für legitim: Wenn ein alter weißer Mann in arroganter und verständnisloser Weise über die Probleme von jungen, nicht-weißen und weiblichen und nicht-heterosexuellen Personen hinweggeht, dann würde ich vielleicht auch sagen: Na ja, Sie als nicht mehr ganz junger, weißer, heterosexueller Mann haben es natürlich leicht so zu denken, wie Sie denken; mit vollen Hosen ist bekanntlich gut stinken.
    Aber ich würde den Ausdruck AWM hier ja gerade nicht nur als Metapher verwenden, sondern auch und gerade auf seine wörtliche Bedeutung abheben.

    (Abgesehen von solchen speziellen Kontexten meine ich aber, dass die Kategorie AWM von begrenzter Erklärungskraft und Relevanz ist und oft überstrapaziert wird – etwa wenn er im Zusammenhang mit nahezu jeder reaktionären Äußerung auftaucht.)

    @ Maike:

    „gibts hier unter den stammkommentierenden eigentlich noch frauen?“

    Das kann ich Ihnen nur bedingt beantworten, da ich nicht von jeder hier öfter kommentierenden Person das Geschlecht kenne und ich bisher auch nicht weiter auf Geschlechter geachtet habe. Derzeit gibt es aber viele und größere Beiträge von „Sarah“, die als Stammkommentatorin dürfte.
    Ganz allgemein habe ich, was (politische) Diskussionsforen angeht, den Eindruck, dass Männer bei Weitem überwiegen. Darüber, welche Faktoren dafür ausschlaggebend sind, können wir beide vermutlich nur spekulieren.

    Was im Übrigen den grotesken Kommentar von Tom G. Warrior angeht, so wurde von mehreren Leuten ein ganz ähnlicher Kommentar an anderer Stelle bereits kritisiert. Unter diesen Kritikern war ich, aber wenn ich mich richtig erinnere, vor mir u.a. auch Mycroft. Vielleicht stecken Sie hier jemanden etwas schnell in eine Schublade?

  43. @LLL
    Ich hatte eigentlich einen Text geschrieben, um erneut zu erklären, warum ich den Begriff nicht als problematisch ansehen kann.

    Ich habe den aber wieder gelöscht, weil ich mittlerweile auch der Meinung bin, dass das ganze nicht zielführend ist und von den eigentlichen Themen ablenkt.
    Nämlich dem, was über die Argumente gesagt wird, die aus der Richtung derjeniger kommen, die als ATM bezeichnet werden.
    Und das ist das für mich eigentlich wichtige, weshalb das hier tatsächlich eine Art des derailing ist, an dem ich mit Schuld bin.

    Ich kann für mich nur sagen, was ich schon schreib, dass es sich bei AWM um eine Zusatzinfo handelt, die hilfreich ist. Hilfreich für die Meinungsbildung über die eigentlichen Inhalte. Hier zum Beispiel, was Maaßen wieder verzapft hat. Und von denen ich jetzt nicht mehr mit ablenken möchte.

    Gute Nacht

    PS: ich will den meisten Usern zumindest hier im Blog kein bewusstes Derailing unterstellen.
    Das soll kein Angriff sein, ich hab ja selbst daran mitgewirkt. Es ist einfach ein typisches off topic, wie es oft entsteht.

  44. Um die Kurve zurück zu Maaßen zu kriegen:
    Ich sehe an seinem Text, dass er reaktionär, herablassend und egoistisch ist.
    Ich sehe an seinem Bild, dass er weiß, alt und männlich ist. Außerdem trägt er eine Brille, keinen Bart und deutsche Vor- und Nachnamen.

    Nein, ich erkenne in der Bemerkung „AWM“ nichts, was ich nicht schon weiß.
    Immerhin habe ich inzwischen gelernt, dass Maaßen schon als Student so war wie heute, mit dem Alter zumindest hat das wohl nichts zu tun.

  45. Zur Frage von @1: „..müssen wir wirklich?“ die Antwort: nein, wir müssen nicht, müssen tun wir gar nichts.
    Aber wir sollten zur aufmerksam zur Kenntnis nehmen, in welcher Welt ein Herr Maaßen lebt, ein Mensch, der sein Twitterprofil mit „…Nüchterner Realist, der sich große Sorgen um die Zukunft Europas macht…“ beschreibt. Ob er tatsächlich immer nüchtern ist, wissen nur die, die mit ihm zu tun haben, aber aus so einer Selbstbeschreibung sticht der grunzdumme deutsche Gartenzzwerg hervor, der wohl in seiner DNA steckt und die ihn zum deutschen Spitzenbeamten gemacht haben. Wenn man das so mitbekommt, was dieser Herr so absondert, versteht man den Zustand, in dem die Republik sich heute befindet.
    Diese Kolumne sucht ihresgleichen in der Medienlandschaft. Klasse!

  46. @ Ulrich Becker #52
    „grunzdumme deutsche Gartenzzwerg“
    Da wird dem Gegenstand IMHO überhaupt nicht gerecht. Maaßen spielt vielleicht mittlerweile den Gartenzwerg, der nur seine Meinung sagt, aber er war Chef des VS in einer Zeit, in der zahlreiche terroristische Vorgänge von dieser Organisation bereinigt (zB NSU) oder begleitet (zB Amri) wurden.
    Weniger naiv darf man da einen Titanenkampf hinter den Kulissen vermuten, bei dem Maaßen irgendwann einen heldenhaften Abgang gesucht hat. Zu Chemnitz hat er inhaltlich eine Nullnummer geboten, aber Michael Kretschmer die Show gestohlen und dessen Tatsachengrundlage in seine eigene Nebelshow hineingezogen. Das lässt sich als Politiktheater auf höchstem Niveau verstehen. Dass Maaßen inzwischen auf eine armselige politische Kleinkunstbühne abgestürzt ist, beweist ihm schlechtes Können nur unter der Annahme, dass er ganz auf eigene Rechnung (aus eigener „Überzeugung“) arbeitet.
    Das Spiel geht inzwischen weiter, u.a. mit einem Trommelfeuer zahlreicher Medien, privater und ÖR, gegen Annegret Kramp-Karrenbauer. Die Frage ist doch, ob und wie sich Maaßen irgendwann als Unterstützer von Merz ins Spiel bringt. Soviel dazu, warum Maaßen sich in der CDU tummelt, obwohl viele ihn in der AfD vermuten.
    Seehofer ist übrigens weiter im Amt. Die Entwicklung seiner Ansicht über Maaßen würde mich von allen am meisten interessieren.

  47. @ Andreas Müller:
    Die Meinung von Seehofer wäre in der Tat interessant. Vielleicht gibt es sie ja mal exklusiv in seiner Autobiographie.

    Wie kommen Sie aber hier auf Annegret Kramp-Karrenbauer?

    Ist Maaßen etwa über ein „Trommelfeuer zahlreicher Medien, privater und ÖR“ gestolpert? Oder sind nicht vielleicht seine eigenen Auslassungen die Ursache seiner Demission? Aussagen, die er aus freien Stücken getätigt hat! Er _wollte_ Politik machen, als Polizist…

  48. @ Physeter #54
    “ Er _wollte_ Politik machen“
    Da sind wir uns völlig einig. Er wollte als Spitzenbeamter Politik machen.
    „Wie kommen Sie aber hier auf Annegret Kramp-Karrenbauer?“
    Wo Maaßen medial noch Unterstützung geniesst, tut es auch Friedrich Merz. Und offensichtlich ist die Niederlage von Merz gegen AKK noch nicht akzeptiert.
    Das Feld derjenigen, die jede Gelegenheit und Nichtgelegenheit nutzen, um AKK unter Feuer zu nehmen, ist natürlich sehr viel größer als das der Maaßen-Unterstützer. Aber letztere sind eine ziemlich strenge Teilmenge von ersteren. Da könnte sich nochmals eine Verwendung für Maaßen ergeben, falls…

  49. @54: Maaßen (seine Karriere habe ich nicht verfolgt) halte ich für einen typischen Beamten des höheren Dienstes ohne Charakter, Charisma und eigener Meinung – innerhalb des Apparates Karriere gemacht, von nichts ne Ahnung, außer der Struktur im Staatsdienst – brav seinen Dienst getan und dann bei der Suche nach dem Chefsessel für die Schlapphüte irgendwie als solider Mensch aufgefallen, weil er die Strukturen kennt. Mutmaßlich war er bestimmt eine Verlegensheitslösung. Dann gibt er ein paar strunzdumme Urteile über gesellschaftliche Realitäten zum Besten und wird dann abgesägt. Mit solider Pension im Rücken übt er seine Wurstfinger im Twittern.
    Despektierlich, mein Kommentar – aber so denke ich über den Typen.

  50. Nachtrag zu #53
    Im Tagesspiegel ist eine Story über Maaßen erschienen:
    Hans-Georg Maaßen – Radikalkritiker mit Nimbus
    Zitat: „Seine Entlassung ist sein politisches Kapital“. Offensichtlich sein einziges (neben dem Hass der Linken). Das war ja immer offensichtlich der Zweck, als er sich rauswerfen ließ, ohne etwas von Substanz zu leisten.
    Maaßen bekommt in dieser journalistischen Liebeserklärung grenzenlosen Kredit für Aussagen, für die der Tagesspiegel einen Prof. Patzelt oder Michael Kretschmer vollends in die AfD-Ecke stellen lassen würde, etwa von Matthias Meissner.
    Positiv, fast verliebt über Maaßen schreiben darf dagegen Frank Jansen. Der „Journalist“ poliert öfters Sachverhalte im Sinne der Geheimdienste auf. Es ist so plump, dass es schon fast wieder lustig ist.

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