Männer erklär’n die Welt

Der „Internationale Frühschoppen“ mit Werner Höfer 1966 Screenshot: Youtube

Vor fünfzig Jahren war die Sache noch klar: Es waren Männer, die der Welt die Welt erklärten, und als in der prägenden Welt-Erklär-Sendung im Deutschen Fernsehen in der Nachkriegszeit, dem „Internationalen Frühschoppen“, einmal Frauen saßen, sagte Gastgeber Werner Höfer in der nächsten Ausgabe: „Wir mussten zur männlichen Standard-Besetzung zurückkehren, weil die Sache es will; die Sache heißt Politik.“

Die Welt hat sich seitdem geändert. Heute sind solche reinen Männerrunden im Fernsehen kaum noch denkbar. Aber es gibt Orte, an denen das Kommentieren der Zeitläufte immer noch Männersache ist. Die Redaktion der „Bild“-Zeitung zum Beispiel.

Frühschoppen der „Bild“-Leitartikler Fotomontage: @das_salz für Übermedien

Jeden Tag erscheint auf der Politik-Seite des Blattes ein Kommentar, mit Ausrufezeichen-Sätzen wie: „Finger weg von der Rentenkasse!“, „Schützt unsere Kinder!“, „Nehmt die Sorgen der Älteren ernst!“, „Glaube ist friedlich!“, „Nichts gelernt!“ oder „Danke für den Klartext!“

Geschrieben werden sie in aller Regel von Männern. Wir haben das mal nachgezählt*: Gerade einmal jeder elfte „Bild“-Kommentar im vergangenen Jahr war von einer Frau.

Allein „Bild“-Politik-Chef Nikolaus Blome schrieb mehr Kommentare als alle Frauen zusammen: Er brachte es auf 36 Einsätze; Frauen insgesamt nur auf 27. Die erste Frau auf der Hitliste der „Bild“-Leitartikel-Verfasserinnen und -verfasser ist Karina Mössbauer auf Platz 12. Die Bundestags-Korrespondentin schrieb im vergangenen Jahr sechs Kommentare.

Die „Bild“-Zeitung ist kein Einzelfall unter den gedruckten deutschen Leitmedien. Die „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, die seit ihrem Bestehen bis heute ausschließlich von Männern herausgegeben wird, überlässt das Verfassen der wichtigen Leitartikel auf der Seite 1 nur in Ausnahmefällen einer Frau. Weibliche Namen tauchen hier ein winziges Bisschen häufiger als in „Bild“: Sie brachten es im vergangenen Jahr auf einen Anteil von zehn Prozent.

12 Kommentare zu Männer erklär’n die Welt
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12 Kommentare

  1. Zum Glück wird Übermedien zu 100 Prozent von Frauen geführt:
    Stefanie Niggemeier und Borisine Rosenkranz!

  2. Mansplaining ist die Verarbeitung des Trauma,
    das Männer alles können,
    nur keine Kinder kriegen!
    Habt Mitgefühl,liebe Frauen…
    Ein ordentliches Alpha-Male-Exemplar fällt nicht vom Baum.
    Dass muss man äh frau sich erziehen…
    Und es hinnehmen ,das die Umgebung bemerkt:
    „Du/Sie bist sind wie seine Mutter !“
    Ach ja, Frauen sind gut bis sehr gut in Soft-Skills!
    Genug jetzt aber mit dem Mansplaining…
    Da sitzt mir eine Jemand im Nacken…

  3. Mämmliche oder fraundliche KI?! Oder Skynet!
    Bitte nicht über interpretieren-das ist eine weibliche Kernkompetenz ;-). Auch nicht bei jeder Frau.
    Obwohl lieber wäre es mir.
    Würde vieles einfacher machen
    „Alexa ,leite bitte die Apokalypse ein.“

  4. JEdenfalls haben alle personal assistants weiblich namen
    (in gegensatz zu übermedien autorInnen)
    DARÜBER mal nachDENKEN ;)
    wann ist ein frau divers!
    „rinder an die macht“ – hehe wegen CO²

  5. Ach kommt schon, rosa-blaue Schaubilder hätte es für eine neutrale Darstellung nun auch wirklich nicht gebraucht.

  6. @Patrick Völcker:
    Wir wollen doch nicht etwa in Schwarz-Weiss-Muster verfallen ;-)
    Was fürn ne Farbe nehmen wir dann für die „Diversen“???
    Damals bei den Säbelzahntigern war es einfacher!

  7. @Sarah,
    das stimmt zwar irgendwie, ist irgendwie aber auch übertrieben, z.B.:
    „Damit … die männliche Stimme von HAL 9000 aus Stanley Kubriks Odyssee im Weltall nicht der Inbegriff von kalter, berechnender Boshaftigkeit [ist].“
    Das stimmt ja nicht. Erstens klingt die Stimme nicht „kalt“, zweitens ist „Boshaftigkeit“ das falsche Wort, weil eine Maschine keinen Spaß hat, also insbesondere keinen Spaß am Menschen quälen (außer Drucker, Drucker hassen die Menschheit), und drittens werfe ich die Stimme von R3PO ins Rennen, dann stimmen die Geschlechterverhältnisse wieder.

  8. Noch aussagekräftiger wäre die Statistik, wenn noch die Mitarbeiterstruktur aufgezeigt würde, ggf. auch damit nochmal normiert. Es erscheint logisch, dass z.B. in einer Zeitung mit 90% Männeranteil unter den Mitarbeitern auch etwa 90% der Leitartikel von Männern verfasst werden. Ggf. wäre auch ein Vergleich mit der Quote unter Einbeziehung aller Artikel interessant.

    Und sicherlich auch spannend ein Vergleich mit der Quote auf der Seite der Leser/Abonnenten :)

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