Freischwimmer in der braunen Brühe

Wenn man in ein paar Jahren versucht nachzuvollziehen, wie eigentlich die Dämme brachen, wie die rechten Verdrehungen und Verschwörungsvermutungen, ihre Verachtung und ihre Mems ihren Weg in das Herz der seriösen, bürgerlichen Presse fanden, dann sollte unbedingt ein Artikel von Stefan Aust zum umfangreichen Anschauungsmaterial gehören.

Er ist am Freitag online und am Montag in der gedruckten „Welt“ erschienen. Er war ganz außerordentlich erfolgreich, weil er ganz außerordentlich anschlussfähig ist für die rechte und rechtsradikale Szene. Selbst eine Internetseite wie „Jouwatch“, die sich der rechten Hetze gegen etablierte Medien verschrieben hat, hat ihn ausdrücklich empfohlen.

Galoppierender Rinderwahn

Der Text will ein Plädoyer sein für Vernunft und für Ernsthaftigkeit; er hält sich offenbar für eine unsentimentale Auseinandersetzung mit den Problemen Deutschlands im Jahr 2018 und ihren Ursachen, ehrlich und schonungslos (den anderen gegenüber). Aber schon die Überschrift verrät das behauptete hehre Anliegen für eine billige Pointe mit ollem Merkel-Spottwort: „Mutti aller Probleme“.

Dass Merkel und ihre Flüchtlingspolitik an allem Schuld sind, ist die eine These des Textes. Die zweite lautet: Alle sind verrückt geworden. Aust hat dafür im Schrank abgegrabbelter Metaphern eine vom Anfang des Jahrtausends gefunden und schreibt: „Es drängt sich der Verdacht auf, als sei in diesem Lande der kollektive, parteiübergreifende, galoppierende Rinderwahn ausgebrochen.“

Das ist tatsächlich der letzte Satz und das Fazit seiner mehr als 20.000 Zeichen langen, nun ja, Analyse dessen, was in Deutschland alles falsch läuft. Ach was, Deutschland? „Absurdistan“!

Das ist ein Sound, der bei den Wutbürgern ankommt, egal wie muffig und hohl die Begriffe sind. In einem Leserbrief wird ein Leser zwei Tage später in der „Welt“ die Formulierung vom galoppierenden Rinderwahn aufnehmen und schreiben, dessen Ausbruch sei ja „leider kein Verdacht mehr“.

Aufgemacht wie eine Pegida-Kachel

Es ist schwer, die Perfidie all der Zeilen davor angemessen zu würdigen, die verantwortungslose Lust, mit der alle Ressentiments und Verschwörungstheorien der Rechten bedient werden. Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet das berühmte Foto von der Kanzlerin, die ein Selfie mit einem Flüchtling macht, den Artikel illustriert. Es mag inflationär gezeigt worden und so abgenutzt sein wie die Sprachbilder des Stefan Aust, aber es verkörpert all das, worauf sich der Hass auf Merkel projiziert. Die „Welt“ reproduziert diesen Hass, vor allem in Kombination mit der Zeile „Mutti aller Probleme“.

Der ganze Artikel wirkt in seiner Aufmachung wie ein rechtes Mem; eine Social-Media-Kachel von oder für Pegida.

Viele Versatzstücke aus der seit drei Jahren geführten Diskussion finden sich wieder in Austs Text, der in einem erstaunlichen Maß daraus besteht, alte Artikel von sich zu zitieren, um zu beweisen, dass er es immer schon gewusst hat, dass aus dem „Traum von den endlich mal guten Deutschen“ ein „Albtraum“ werden würde.

Falsche Zahlen

Aust wiederholt nicht nur sich selbst, sondern auch bekannte Irrtümer und Verzerrungen. Er schreibt über die Asylbewerber, die 2015 und 2016 ins Land kamen:

Die Prozentzahl der eingereisten Männer unter 30 betrug gut 65 Prozent, in diesen beiden Jahren zusammen also rund 800.000. Das ist deutlich mehr als die Zahl der Soldaten unter Waffen von Bundeswehr und DDR-Volksarmee zusammen – 1988 etwa 650.000.

Der Vergleich mit Soldaten, das implizite Bild von einer Flüchtlingsarmee ist das eigentlich Perfide an diesen Sätzen, aber auch die schlichten Zahlen sind falsch. Von den 1,16 Millionen Asylbewerbern, die in den beiden Jahren einen Erstantrag in Deutschland stellten, waren lauf BAMF nur 575.000 Männer unter 30. Das entspricht einem Anteil von knapp 50 Prozent. Und darin sind auch Kinder und Jugendliche enthalten. 16- bis 30-jährige Männer machten nicht zwei Drittel, sondern ein Drittel der Asylbewerber aus. In absoluten Zahlen: 390.000.

Ein Wille zur Verdrehung

Man täte Aust wahrscheinlich unrecht, wenn man ihm unterstellte, die falschen Zahlen seien ein Versehen. An den entscheidenden Stellen scheint sein Text von einem Willen zur Verdrehung geprägt. Zum Beispiel, wenn er über den Fall des Noch-Verfassungschefs Maaßen schreibt – die Diskussion um ihn ist der offenkundige Aufhänger für die vielen Zeilen:

Ein 18 Sekunden langes Video, auf dem unscharf zu erkennen ist, wie eine schwarz vermummte Figur hinter einer oder mehreren noch schlechter zu erkennenden Gestalten her rennt, wird zum Auslöser einer mittleren Staatskrise. Das Video, von einer unbekannten Person oder Gruppe namens „Antifa Zeckenbiss“ ins Internet gestellt, sollte beweisen, dass es in Chemnitz zu Hetzjagden gekommen ist, wie es die Kanzlerin in ihrer Weitsicht erkannt hatte.

Nicht sie musste belegen, dass sie recht hatte, sondern der Verfassungsschutzpräsident, der vorsichtige Zweifel an der Aussagekraft des Video-Schnipsels geäußert hatte. Nicht besonders geschickt, denn natürlich stellte sich mit gewissem Abstand heraus, dass Neonazi-Hooligans brüllend Adolf Hitler beschworen und vermeintlichen Ausländern hinterhergejagt waren.

Aust zieht die Vorgänge der vergangenen Wochen auf links – oder besser: auf rechts. Nicht das Video war „Auslöser einer mittleren Staatskrise“ (die eigentlich wieder einmal nur eine Regierungskrise ist), sondern Maaßens Äußerungen gegenüber der „Bild“-Zeitung. Und der Verfassungsschutzpräsident hatte nicht nur „vorsichtige Zweifel an der Aussagekraft des Video-Schnipsels“ geäußert, sondern eine Verschwörungstheorie in die Welt gesetzt: Es könnte sich vielleicht um „eine gezielte Falschinformation“ handeln, „um möglicherweise die Öffentlichkeit von dem Mord in Chemnitz abzulenken“. Und es stellte sich auch keineswegs erst „mit gewissem Abstand heraus, dass Neonazi-Hooligans brüllend Adolf Hitler beschworen und vermeintlichen Ausländern hinterhergejagt waren“ – das war zum Zeitpunkt von Maaßens Einlassungen längst bekannt.

Aust verteidigt nicht Maaßens tatsächliches Verhalten. Stattdessen schildert er die Vorgänge so, dass Maaßen in einem besseren Licht dasteht. Er tut das, um einen andere Erklärung dafür einzuführen, warum Maaßen in der Kritik stehe:

Seine Ablösung dürfte auf der Prioritätenliste im Kanzleramt seit geraumer Zeit ganz oben stehen: ein Kritiker der merkelschen Migrationspolitik. Der Jurist war seit 2001 Referatsleiter für Ausländerrecht im Bundesinnenministerium unter Otto Schily und promovierte 1997 zum Thema „Die Rechtsstellung des Asylbewerbers im Völkerrecht“.

Dass jemand sich mit der Materie auskennt, kommt im Kanzleramt offenbar nicht gut an.

Das andere Maaßen-Narrativ

Aust tut etwas, das einige Kommentatoren und Berichterstatter in den vergangenen Tagen getan haben: Er unterstellt einen anderen Beweggrund für die Kritik an Maaßen. Er diskutiert nicht – jedenfalls nicht ernsthaft -, ob die tatsächlichen Skandale und Vorwürfe gegen Maaßen eine berechtigte Grundlage wären für eine Demission. Er behauptet, dass sie eine andere Grundlage hat. Aus dem Skandal Maaßen wird so ein Skandal Merkel.

Dieses Narrativ hat sich erfolgreich durchgesetzt. Es findet sich auch in vermeintlich unparteiischen Berichten, zum Beispiel am Dienstag auf der Seite eins der „Süddeutschen Zeitung“. Dort heißt es:

Maaßen steht seit 2012 an der Spitze des Bundesverfassungsschutzes. Er war in die Kritik geraten, nachdem er Zweifel an der Angemessenheit des Begriffs „Hetzjagd“ in Zusammenhang mit ausländerfeindlichen Übergriffen in Chemnitz geäußert hatte.

Mal abgesehen davon, dass er schon viel früher „in die Kritik geraten“ war: Zweifel zu äußern, ist in diesem Zusammenhang natürlich positiv besetzt. Er hat aber nicht nur berechtigte Zweifel geäußert, sondern („vorsichtig“) eine Verschwörung gewittert.

Das ist die harmloseste Form des Narrativs, dass Maaßen gehen musste, weil er es gewagt habe, die Kanzlerin und ihre Flüchtlingspolitik zu kritisieren. In dramatisch verschärfter Form findet es sich in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Dort schrieb Michael Hanfeld am Freitag:

Es geht um Deutungshoheit, es geht um die Machtfrage, es geht darum, wer Angela Merkel widersprechen darf und wer nicht oder ob das überhaupt jemand darf.

Ein FAZ-Redakteur legt die Möglichkeit nahe, dass niemand (!) Angela Merkel widersprechen darf. Das ist erstaunlich und erschreckend nah an den rechten Mems vom totalitären „Merkel-Regime“, das angeblich in Deutschland herrsche.

Stefan Aust verschärft das Narrativ vom Verfassungsschutzchef, der gehen muss, weil er eine andere Meinung hat als die Kanzlerin, in eine andere Richtung. Bei ihm ist es am Ende gar keine Meinungsverschiedenheit mehr, sondern eine Kompetenzverschiedenheit. Maaßens Vergehen ist, dass er sich auskennt. Die Tatsache, dass Maaßen eine – nicht unumstrittene – Doktorarbeit über das Asylrecht geschrieben hat, reicht für die bösartige Unterstellung, dass Fachkenntnis im Kanzleramt wohl ein Makel sei.

Glatzen als eher optisches Problem

Zu den Ungeheurlichkeiten an Austs Text gehört auch, wie er konsequent die Neonazis und Ausländerfeinde kleinredet. Nicht dass er klammheimliche Sympathie mit ihnen hätte, aber er hält sie vor allem für ein Symptom, ein optisches Problem und eine Ablenkung. Er schreibt etwa:

Kein Zweifel, die rechtsextremen Randalierer und Hitlergrußzeiger, schreienden Hooligans, die sich unters „Wir-sind-das-Volk“ gemischt haben, der „Wut-und-Hut-Bürger“, der sich zu allem Überfluss auch noch als LKA-Angestellter entlarvte, sind schwer zu ertragen. Neu ist das alles nicht. Das kannte man schon von den Straßenschlachten zwischen Neofaschos und Antifas, Anti-Antifas und Anti-Anti-Antifas, Autonomen, Zecken und Glatzen in den neuen Bundesländern der 90er-Jahre, von den traditionellen Berliner 1.-Mai-Feierlichkeiten mit Steinen und Flaschen bis zum G-20-Gipfel der Linksautonomen Straßenschlachten-Bummler in Hamburg im vergangenen Sommer.

Man beachte: Neonazis und Rechtsextremisten kommen in seiner Aufzählung nur noch als diejenigen vor, mit denen sich Autonome und Antifas Straßenschlachten liefern. Dass Rechtsextremismus jenseits solcher Belästigungen ein Problem sein könnte, fehlt völlig als Gedanke. Stattdessen hat er Verständnis dafür, dass es ihn gibt:

Nur eines hat sich geändert: Die Ursachen des Hochkochens von Hass und Gewalt sind nur noch schwer zu ignorieren – umso mehr wird es versucht.

Rechtsextremismus und Neonazismus erscheinen bei Aust als eine natürliche Reaktion auf Merkels Flüchtlingspolitik. Süffisant formuliert er:

Jetzt zeigen die linksevangelikalen Moralapostel mit ausgestrecktem Zeigefinger auf ausgestreckte rechte Arme – und merken nicht, dass sie selbst kräftige Mitschuld tragen am Hochkochen der braunen Suppe.

Vorsicht mit der Wortwahl

Immer wieder verknoten sich auch seine Gedanken. Er schreibt:

Und auch wer die Probleme benennt, sollte mit seiner Wortwahl vorsichtig sein. Wenn der arme (sic!) Innenminister Seehofer von der Flüchtlingskrise als „Mutter aller Probleme“ redet, dann weiß er vielleicht nicht, dass er damit den Wortschatz des Saddam Hussein von der drohenden „Mutter aller Schlachten“ persiflierte. Aber recht hat er trotzdem. Vielleicht hat er sich auch nur versprochen und meinte eigentlich die „Mutti aller Probleme“.

Am Anfang hatte er noch am Beispiel Seehofer gemahnt, dass man vorsichtig sein sollte mit seiner Wortwahl. Am Ende hatte er sie sich vollends zueigen gemacht und ihr sogar noch weitere Drehung hinzugefügt.

„Freifahrtschein ins Goldene Land“

Doch der Unernst, den man in solchen Verliebtheiten in das eigene Geschriebene entdecken kann, täuscht. Die Verachtung, die Aust ausdrückt, ist bitterernst:

Für jeden, der sich seinen Blick nicht von der tränenverschwommenen Rührung über die eigene humanitäre Großartigkeit verschleiern ließ, war spätestens im Sommer 2015 klar, was auf das Land zurollte.

Aust zitiert sich selbst vom Oktober 2015:

Jetzt sind die Welcome-Luftballons von München und die großzügigen Gesten der Kanzlerin an die Flüchtlinge der Welt – millionenfach online verbreitet – gleichsam ein Freifahrtschein ins Gelobte Land.

Sie gibt die Grenze frei – und wundert sich, wenn die Kolonnen der Flüchtlinge immer größer werden. Und diese bestehen mehrheitlich nicht aus syrischen Frauen und Kindern, wie im Fernsehen vorwiegend gezeigt, sondern aus jungen Männern aller Herren Länder, die – verständlicherweise – aus den politisch und wirtschaftlich verrotteten Regionen dieser Welt nach Deutschland emigrieren wollen. Nach vorsichtigen Schätzungen dürften das in diesem Jahr deutlich mehr sein, als die Bundeswehr zur Hochzeit des Kalten Krieges Soldaten hatte: eine halbe Million.“

Ja, den Armee-Vergleich mochte er damals schon. In Wahrheit stellten übrigens syrische Flüchtlinge die mit Abstand größte Gruppe der Asylbewerber.

Aktuell schreibt Aust weiter:

Drei Jahre später, nach Anis Amris Höllenritt auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz, nach Messerstechereien, Vergewaltigungen, Mord und Totschlag – in der Mehrzahl übrigens Gewalttaten von eingereisten Asylbewerbern an eingereisten Asylbewerbern, hat sich die politische Landschaft in Deutschland – und in ganz Europa – massiv verändert.

Brexit, Populisten im Aufwind, in den Niederlanden zweitstärkste Kraft, wenn auch Opposition, in Dänemark eine von rechten Populisten geduldete Minderheitsregierung, rechte Regierungen oder Bündnisse mit Rechten in Polen, Ungarn und Italien, selbst im Musterland der sozialen und politischen und humanitären Wohlfahrt Schweden sind die Rechten auf ein bisheriges Allzeithoch von fast 20 Prozent marschiert.

Das alles, suggeriert Aust, ist Folge von Merkels Flüchtlingspolitik vor drei Jahren. Dass die rechte Fidesz-Partei in Ungarn schon 2014 eine Zweitdrittelmehrheit im Parlament errang, die Wahlen in Dänemark schon im Mai 2015 stattfanden, er das Wahlergebnis der Schwedendemokraten sehr großzügig von 17,9 auf „fast 20 Prozent“ aufrundete – alles bloß Korinthen. Merkel ist an allem Schuld. Ihre Flüchtlingspolitik ist die Ursache allen Elends.

Der AfD Wähler zutreiben

Wenn sich für Aust im Grunde alle Probleme Europas auf die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel zurückführen lassen, ist es vielleicht auch kein Wunder, dass er den Ausruf von Martin Schulz im Bundestag nicht versteht, der der AfD vorwarf, die Reduzierung komplexer politischer Sachverhalte auf ein einziges Thema, in der Regel bezogen auf eine Minderheit im Land, sei „ein tradiertes Mittel des Faschismus“. Aust fällt dazu nur ein:

Ein gründlich gescheiterter SPD-Kanzlerkandidat rät im Bundestag dem Fraktionsvorsitzenden der AfD in reichlich wirren Worten: „Herr Gauland, die Menge von Vogelschiss ist ein Misthaufen, und auf den gehören Sie in der deutschen Geschichte.“ Womit er in etwa das Niveau desselben erreicht hat und sicher sein kann, den Alternativen mal wieder ein paar Wähler zugetrieben zu haben.

Ermittler mit politischer Agenda

Dabei kann Schulz das Wählerzutreiben getrost Aust überlassen, der auch die Verschwörungsbehauptungen von AfD und Pegida übernimmt, was den Tod eines Mannes in Köthen angeht. Er schreibt:

Wie reagiert der ratlose Bürger, wenn in Köthen ein 22-jähriger Deutscher, der sich unklugerweise in womöglich bester Absicht in einen Streit zwischen drei afghanischen Asylbewerbern eingemischt hat, anschließend tot am Boden liegt? Was geht in ihm vor, wenn er anschließend aus der Pressekonferenz der Polizei erfährt, dass der junge Mann, der einen schweren Herzfehler und schon mehrere Herzoperationen hinter sich hatte, vermutlich nicht an den Schlägen ins Gesicht gestorben ist, sondern am Stillstand seines schwachen Herzens?

Was denkt er, wenn damit die Schuld der beiden tatverdächtigen Asylbewerber – von denen zumindest einer längst hätte abgeschoben werden müssen – erkennbar relativiert werden soll? Wird hier signalisiert, dass es strafmildernd ist, wenn man auf einen Kranken einprügelt statt auf einen Gesunden?

Das ist ein ziemlich ungeheurer Vorwurf: Die Behörden behaupten absichtlich irreführend, die Todesursache sei ein Herzinfarkt gewesen, um von der Schuld der Tatverdächtigen abzulenken. Aust, der in seinem Text vermeintlich für ein nüchternes Betrachten plädiert, reagiert empört, wenn Staatsanwaltschaft zunächst einmal sachlich genau ermittelt, was passiert ist und was die Todesursache ist.

Natürlich macht es einen Unterschied, ob ein Angreifer jemanden so heftig schlägt, dass er mit seinem Tod rechnen muss. Oder ob sein Opfer schwerkrank ist und deshalb vielleicht schon ein leichter Schlag oder große Aufregung reicht, den Tod herbeizuführen. Inwieweit das straf- oder schuldmildernd ist, muss die Justiz später klären. Aber erst einmal versucht sie, die Fakten zusammenzutragen. Frühere Aussagen einer Zeugin, dass der Getötete brutale Tritte gegen Bauch und Kopf erlitten habe, hat sie inzwischen nach Angaben des Oberstaatsanwalts „massiv relativiert“.

Aust unterstellt – ohne jeden Beleg –, dass es den Ermittlern nicht darum geht, herauszufinden, was passiert ist, sondern von der Schuld der tatverdächtigen Asylbewerber abzulenken. Damit liegt er voll auf der Linie der Rechtsradikalen. Und seine Frage, dass die Polizei offenbar „signalisieren“ will, dass man auf Kranke ruhig einprügeln darf, ist entweder grober Zynismus oder der Versuch, einen eigentlich selbstverständlichen Sachverhalt durch verquere Darstellung weiter zu skandalisieren.

Die AfD diktiert, was gesagt werden darf

Aust scheint sich vorgenommen zu haben, in seinen Text jedes rechte Mem reinzurühren, natürlich also auch das Man-darf-nichts-mehr-sagen-Mem und das Plötzlich-ist-jeder-ein-Nazi-Mem, und so schreibt er:

Wer anderer Meinung ist, gerät schnell unter Verdacht – so wie jede Kritik an Regierung oder Kapitalismus in den 60er-Jahren mit dem Hinweis beantwortet wurde: Dann geh doch nach drüben, in die DDR.

Und so, wie es vom Südpol aus in jeder Richtung nach Norden geht, ist jeder von ganz links aus betrachtet rechts. Da stört nur die Realität und wird am liebsten ausgeblendet. Doch wenn Alice Weidel sagt, dass es regnet, dann scheint deshalb noch lange nicht die Sonne. Offenbar ist es inzwischen die AfD, die diktiert, was gesagt werden darf und was nicht. Und die Töne werden immer schriller.

Nicht jeder Satz hat hier einen offenkundigen Sinnbezug zu dem davor oder danach, aber offenbar will Aust sagen, dass man nur noch sagen darf, was die AfD nicht sagt. So lässt sich sein „Welt“-Artikel natürlich auch als Trotz lesen: Ich verbreite hier mal die ganze rechte Wutbürgerwut und lasse mich nicht davon beeindrucken, dass es rechte Wutbürgerwut ist. Das ändert aber nichts daran, dass sein Text ein Brandsatz ist.

(So schlimm mit der „Dann geh doch nach drüben“-Ausgrenzung scheint es bei Aust noch nicht zu sein: Heute wurde bekannt, dass er mit dem Niedersächsischen Staatspreis ausgezeichnet wird.)

„Liebenswert allergisch“

„Welt“-Chefredakteur Ulf Poschardt hat am vergangenen Sonntag in einem Eigenlobhudeltext zum 70. Geburtstag der „Welt am Sonntag“ gerade auch die Person Stefan Aust genannt. Er stehe mit anderen für „eine radikale Freigeisterei“, der sich „Welt“ und „Welt am Sonntag“ „ganz verschrieben“ hätten, „liebenswert allergisch gegen den Konformismus und Opportunismus vieler Kollegen in der Berliner Republik“.

Die rechte Influencerin Erika Steinbach hat es auf Twitter weniger gediegen formuliert:

Die Logik geht so: Dass man „Nazi“ genannt wird, sei inzwischen eine Auszeichnung. Man verdiene sie sich, indem man die Wahrheit sagt.

Das geht vorwärts wie rückwärts: Wer die Wahrheit sagt, wird „Nazi“ genannt. Wer „Nazi“ genannt wird, sagt die Wahrheit.

Ein Text wie dieser, der Aust dafür kritisiert, dass er rechtes Gedankengut in den Mainstream holt, bestätigt in dieser Logik, dass es sich um einen guten, wahren Artikel handelt.

Vermutlich wird es Aust und den „Welt“-Verantwortlichen nicht zu denken geben, dass ihr Text von Leuten wie Steinbach und anderen extrem Rechten gefeiert wird. Sie würden es als Folge der „radikalen Freigeisterei“ bezeichnen.

Aber Austs Artikel ist nicht verantwortungslos, destruktiv und gefährlich, weil er von Steinbach und ihren Anhängern gefeiert wird. Steinbach und ihre Anhänger feiern ihn, weil er verantwortungslos, destruktiv und gefährlich ist.

90 Kommentare

  1. Was Aust hier abgesondert hat, ist ja in der Gesamtheit nichts Neues oder Originelles, vielmehr ist es in vielfacher Form von AFD, CSU und anderen neuen und alten Rechten in der letzten Zeit gesagt worden und wird wohl auch künftig zu hören sein.
    Da fragt man sich, weshalb ein Stefan Niggemeier sich gerade diesen Artikel der Springerpresse derart vornimmt.
    Liegt es daran, dass Aust einstmals zu den Größeren der Branche gehört und deswegen womöglich ernster genommen wird als andere, die sich vergleichbar äußern?
    Oder liegt es daran, dass er vieles schön komprimiert, was sonst eher detailliert in spezifischeren Diskussionen zum Besten gegeben wird, er hat ja so ziemlich alles zusammengetragen, was so angesagt ist, wenn der „besorgte Bürger“ schlechte Laune hat, was irgendwie dauernd der Fall ist.
    Er kriegt jedenfalls dafür Beifall, so wie andere sicher Stefan Niggemeier Beifall spenden.
    Würde ich auch tun – also für Niggemeier, aber:
    Ich bin so müde.

  2. Mir wird Angst und Bange, wenn ich mir die historischen Parallelen ansehe, die sich derzeit aufdrängen. Hans-Georg Maaßen ist gerade mal sechs Jahre im Amt, und hat dabei in der Öffentlichkeit schon mehr als deutlich gemacht, wie nationalistisch er ist. Er bespitzelt mit Hilfe der NSA die eigene Bevölkerung, er beschimpft Edward Snowden als russischen Agenten, er diskreditiert jegliche Kritik an Neonazis, er lügt und verdreht Tatsachen der Abläufe in seiner Behörde.

    Es ist wie in der McCarthy-Ära in den USA der 50er: Alles, was auch nur ansatzweise nach „links“ aussieht, wird erbittert bekämpft, koste es, was es wolle. Und nun wird dieser Mann Chef der Bundespolizei. Der Wikipedia-Artikel über John Edgar Hoover (und insbesondere die Beschreibung von CoIntelPro) zeigt, welche Auswüchse dies noch annehmen kann. Am Ende wird Hoover zitiert mit den Worten „Mir ist egal, wer unter mir Präsident ist“, und man kann spekulieren, ob man einen entsprechend auf Deutschland übertragenen Ausspruch eher Maaßen oder Seehofer zutrauen würde – oder gleich beiden.

    Das vor dem Hintergrund einer aktuellen politischen Situation, in der blau-braune Politiker den Aufstieg der NSDAP in der Zeit der Weimarer Republik ganz offensichtlich als Lehrbuch verwenden. Sie schaffen es, mit Übertreibungen, Verdrehungen und gezielten Falschnachrichten einen Volkszorn herbeizubeschwören, in dem sie sich dann wieder als die gemäßigte, also die bürgerliche Kraft inszenieren können. Sie schaffen es, den Staat als handlungsunfähig dastehen zu lassen und die anderen Parteien in die Defensive zu drängen.

    Und in diesem ganzen Gemengelage auch noch Journalisten wie ein Stefan Aust, die man für klug und intelligent hält, die durchaus lesen- und sehenswerte Reportagen erstellen, aber die jetzt in dieser brauen Soße herumrühren, als wüssten sie nicht, was daraus schon mal entstanden ist.

    Ich kann mir auch nicht so recht vorstellen, daß Stefan Aust bloß versehentlich Zahlen falsch zuordnet, oder daß es nur eine unglückliche Formulierung wäre, das Video hätte eine Staatskrise ausgelöst. Ich gehe davon aus, daß der Mann weiß, was er tut und was er damit anrichtet. Aber ich verstehe nicht, warum.

    Warum macht er das? Was verspricht er sich davon? Welche Gedanken gehen in seinem Kopf herum? Was denkt er persönlich wirklich? Warum ist er so manipulativ? Was ist sein Ziel?

    Ach, ich bin dieser ganzen Geschehnisse auch so müde.

  3. Was mir auch nicht so recht in den Kopf will: Was treibt eigentlich die Führungsriege der AfD auf Bundes- und Landesebenen an? Das sind ja alles keine dummen Leute, keine verirrten Mitläufer.

    Alleine die Tatsache, daß sie den Aufstieg der NSDAP in der Weimarer Republik als eine Art Lehrbuch verstehen und genau danach handeln, zeigt ja doch eine gewisse Schlauheit, ein genau durchdachtes Kalkül. Die permanent wiederholte Lüge, Angela Merkel habe die Grenzen geöffnet, Lügen über die Zahlen der Kriminalität, die Verzerrung von Zusammenhängen – das alles stammt ja aus den Vorstandsetagen der AfD, es wird von ihnen ausgedacht und bewusst eingesetzt, also natürlich auch durchschaut.

    Ein AfD-Funktionär, der genau weiß, welches Spiel er gerade spielt, der sich an der Vorlage von 1933 orientiert, der muß doch auch wissen, wie das nachher geendet hat.

    Es gab nicht nur die vielen Millionen Menschen, die aufgrund von Religion, Abstammung oder Behinderung verfolgt und ermordet wurden, nicht nur die Millionen von Kriegstoten und die heute noch im Boden unserer Städte liegenden Weltkriegsbomben, sondern auch die Menschen, die in Machtkämpfen innerhalb der Führungsriege der Partei und ihrer Organisationen ermordet wurden.

    In der „Nacht der langen Messer“, dem sogenannten Röhm-Putsch, wurde eine deutlich dreistellige Zahl von Menschen umgebracht – und zwar nicht etwa Gegner der Nazis, sondern die eigenen Leute!

    Generell sieht man bei Diktaturen, daß nach einer Machtergreifung erst mal die eigenen Anhänger umgebracht werden. Als Josef Stalin an die Macht kam, lies er die eigenen Parteimitglieder, die Delegierte im Parteitag 1934 gewesen waren, mit erfundenen Anklagen in Schauprozessen verurteilen und hinrichten (Moskauer Prozesse).

    Man kann derzeit beobachten, wie schnell Donald Trump sich mit Freunden und Weggefährten überwirft und sich ihrer entledigt. Zum Glück hat er nicht die Macht, sie umzubringen. Sein Freund Kim Jong-Un hat es da einfacher. Der lässt auch Familienmitglieder exekutieren, wenn es seiner Macht nützt. Recep Tayyip Erdoğan erklärt einen früheren Freund und politischen Weggefährten zum Terroristen, und mit diesem auch gleich alle Menschen, die mal mit ihm zu tun hatten.

    Jeder einzelne, der derzeit in einer Organisation der AfD (oder auch nur medial) an einer führenden Positionen befindet, kann sich also ausrechnen, daß es im Falle einer Machtergreifung erst mal zu einem innerparteilichen Konkurrenzkampf kommen wird, den nur ein einziger überleben wird. Und er kann sich ausrechnen, daß die Wahrscheinlichkeit, daß ausgerechnet er derjenige sein wird, der das überlebt, doch eher gering ist. Warum macht er trotzdem mit?

    Es müsste sich doch jeder einzelne, der daran beteiligt ist, die Geschehnisse von 1933 als Lehrbuch zu benutzen und nach ihnen zu handeln, die Frage stellen: „Wenn wir es wirklich schaffen, eine Machtergreifung wie 1933 zu erreichen, wie wird es mir danach gehen? Werde ich überleben, oder werde ich enden wie Gregor Strasser oder wie Ferdinand von Bredow?“

    Warum sind diese Menschen trotzdem dabei? Was treibt eine Erika Steinbach an, die selbst Vertriebene ist? Was erwartet Alice Weidel, wie es ihr unter einer AfD-Herrschaft ergeben wird? Glauben Björn Höcke und Alexander Gauland ernsthaft, daß sie auch im Falle einer Machtergreifung beste Freunde bleiben werden? Was denken die Landesvorsitzenden, die Führungen der Arbeitskreise und der Jugendorganisationen?

    Ich verstehe das alles nicht. Mir raucht der Kopf.

  4. Warum ziehen Männer auch heute noch in den Krieg, zeigen doch die Lehren aus der Vergangenheit in noch viel zahlreicherer Form, dass sie dort aller Voraussicht nach elend verrecken oder verstümmelt werden? Warum stecke ich mir eine Fluppe an, wenn doch inzwischen auf jeder Zigarettenschachtel die möglichen Folgen meines Tuns abgebildet sind? Wie immer lügt man sich selbst in die Tasche: „Bei mir (bzw. uns) wird es anders laufen.“ Hier also: Das vierte Reich, das man sich feucht erträumt, wird nun aber wirklich 1.000 Jahre halten. Wir brauchen nur eine Endlösung für die Moslemfrage…

  5. Vielen Dank für die detaillierte Analyse!
    Hierfür scheint Ihnen ja quasi schon Schmerzensgeld zuzustehen …

    Ich kann mir auch nicht so recht vorstellen, daß Stefan Aust bloß versehentlich Zahlen falsch zuordnet, oder daß es nur eine unglückliche Formulierung wäre, das Video hätte eine Staatskrise ausgelöst. Ich gehe davon aus, daß der Mann weiß, was er tut und was er damit anrichtet. Aber ich verstehe nicht, warum.

    Unter einem anderen Artikel hier wurde mal die Theorie geboren, Männern würde bei der Geburt ein Chip implantiert, der in fortgeschrittenem Alter einen guten Teil von ihnen, egal wie vernünftig und objektiv sie vorher waren, drastisch nach rechts driften lässt.
    Und anders ist das langsam auch wirklich nicht mehr zu erklären. (Oder mal eine diesbezügliche Forschungsförderung für Soziologen zur Verfügung stellen?)

  6. Es ist ja recht und schön, immer wieder zu zeigen, dass Springer-Blätter jetzt wieder in der „rechten Brühe“ nicht nur mitschwimmen wollen, sondern gleich die Führung übernehmen, den Ton setzen, die Richtung bestimmen. Das tun sie nämlich tatsächlich einigermaßen erfolgreich.
    Und zwischenzeitlich, zufällig so 2015, hat das doch alles ganz anders ausgesehen: Springer gehörte anscheinend zu den Guten. Nicht wahr?
    Warum kann Springer so agieren? Nach meiner Meinung aus zwei Gründen:
    1.) Ein guter Teil „rechter“ Kritik an der etablierten Politik und den etablierten Medien ist berechtigt. Da kann Springer bequem und gefahrlos andocken und dann noch ein wenig von den zweifelhaften, aber nicht strafbaren Überdrehungen mitnehmen, um im rechten Spektrum seine Glaubwürdigkeit zu stärken: „Wow, der Aust traut sich aber was. Hätte ich nicht von ihm gedacht“
    2.) Springer hat zwischenzeitlich fleissig daran mitgearbeitet, die Linke und die „Mitte“ auf den falschen Fuß zu bringen. Und viele, die eine freie Debatte über die Sinnhaftigkeit so mancher Politikentscheidung der letzten Jahre mit einem kruden Moralismus unterbunden haben, haben Springer (und sei es unfreiwillig) dabei unterstützt. Es war doch unübersehbar, dass jeder linke Politiker, der aus dem Merkel-Konsens ausscheren wollte, sofort von links attackiert wurde, gerne auch von Springer-Linken.

    Hinter Maaßen übrigens versammelt sich Springer wie noch nie hinter einer Personalie. Da sind sich die Schmuddel-Brüder von BILD und die Edelfedern von der WELT ganz einig. Jetzt plötzlich ist er immer schon ein Merkel-Kritiker gewesen und hat der Kanzlerin endlich einmal öffentlich die Meinung gegeigt. Dabei hat er gar nichts von Substanz zu Chemnitz gesagt, sondern lediglich in einem sensiblen, emotional aufgeladenen Moment Aufmerksamkeit und Bedeutung an sich gezogen. Das alles war nur möglich, weil „seriöse“ Politik und Medien von der Zecke gebissen waren.
    Die Personalie Maaßen ist eine ganz heiße Nummer, bei der alles zusammenläuft: Amri, V-Leute, Korrekturbitten, Lutz Bachmanns Insiderinformationen vom Breitscheidplatz-Abend.
    Und der Mann ist jetzt kräftig aufgestiegen und verantwortet im Innenministerium die Innere Sicherheit:
    https://hintermbusch.wordpress.com/2018/09/18/falscher-held-im-mummenschanz/

  7. Die Chip-Theorie hat was.
    :)

    Aust ist ja nicht blöd. Der weiß, das die AfD eine Liste mit Regimekritikern führt, auf der er als langjähriger Chefredakteur des »linksgrünversifften Spiegels« mit Sicherheit draufsteht. Er weiß auch, dass in den ersten vier Monaten nach der Machtergreifung Hitlers 40.000 Regimekritiker in den KZs verschwunden sind.

    Wir beobachten alle in Europa die Wiederauferstehung des Faschismus und was in einzelnen Ländern mit Presse und Justiz geschieht. Dass einige öffentlich Exponierte wie Matussek, Broder und neuerdings offensichtlich auch Aust schon mal in vorauseilender Angst ihr Mäntelchen in den Wind drehen, ist nicht verwunderlich.

    Ich halte das aber für verfrüht. Sobald sie nichts mehr zu fressen haben, werden die Ungarn Orban zum Teufel jagen und die Polen PIS. Die italienische Regierung wird wie alle anderen 64 davor kein Jahr überstehen. Der Front National zieht heute schon keinen Hering mehr vom Teller. Und nach Übernahme der AfD durch Bjoebbels wird die Partei innerhalb von fünf Jahren im 4,9%-Grab liegen und neben DVU, REPs, NPD und ProDINGSBUMS vergammeln.

  8. Ach, viel interessanter finde ich allerdings, dass man, was hier zu lesen istRxakt so mit anderen Vorzeichen zur Erzählung der gegenüberliegenden Seite gehört. Schaut man sich allerdings das brutal hoch subventionierte Instrumentarium diesseits an, dann ist die hier im Kommentar proklamierte Müdigkeit ziemlich kokett … Nur wie rüstet man hier ab? Wer will überhaupt?
    Ps.: exemplarisch hierzu übrigens der lustige Beitrag Lindner gegenüber Hofreitee vor ein paar Tagen im BT

  9. Was daran ist interessant? Wer konkret ist hier „hoch subventioniert“? Diskreditiert eine Subvention, selbst wenn es sie gäbe, eine vertretene Auffassung schon per se als falsch? Soll das „jenseits“ auch subventioniert werden? Oder soll ich – sofern damit gemeint – meine Bildungsabschlüsse erstmal wieder zurückgeben, weil ich ansonsten nicht mitreden kann?

    Um aber auch noch eine Frage zu beantworten: Von allen, die Müdigkeit geäußert haben, dürfte anzunehmen sein, dass sie eine „Abrüstung“ wünschen. Das fällt aber schwer, wenn sie selbst mit dieser Äußerung wieder provoziert werden.

  10. Ich fühle mich auch so müde. Maaßens trotzige Arbeitsverweigerung schönzureden, das ist mehr als auf dem rechten Auge blind sein, da fehlt eine ganze Hirnhälfte.

  11. Wer ist denn diese gegenüberliegende Seite, seit wann ist diese Welt dual, und wo genau finde ich exakt das gleiche, nur mit umgekehrtem Vorzeichen, und ist das dann repräsentativ, und wnen ja, für wen?

    Herr Wallasch, ehrlich: heisse Luft macht der Teekessel. Da müssen Sie nicht. Wenn Sie nichts konkret beizutragen haben, fragen Sie sich einfach: muss ich jetzt was schreiben, nur damit da was steht, was nichts aussagt, nur mit mehr Worten?

    Und sollten Sie sich diese Frage mit JA benatworten, dann lautet die korrekte Antwort NEIN. (Dasselbe gilt übrigens, falls Sie sich diese Frage mit NEIN beantworten.)

  12. Hmmm … klang, was ich schrieb, denn nicht wie ein Gesprächsangebot zur Üverwindung beisseitiger Müdigkeit? Hatte ich „Minimi Taschentuch“ geschrieben? Nein.
    Aber als Versuch einer beginnenden Dialektik müsste man sich zunächst um Übereinstimmungen bemühen. Also beidseitig anerkannte Fakten. Machen Sie doch mal Vorschläge.

  13. Möglicherweise ist das aber auch ein Anliegen, dass mehr bedarf als einer Kommentarspalte. Aber hier ist die Verweigerung von Dialog, die Diffamierung und Diskreditierung doch Legion. Fragen Sie doch mal die ermüdeten Seiten.

  14. @ Alexander Wallasch #14, 19
    „anerkannte Fakten“
    Wir könnten uns für einen sachten Anfang ja darauf einigen, dass Maaßen zum Hasi-Video keinerlei Fakten beigesteuert hat, die der Öffentlichkeit eine Bewertung der Hetzjagd-Behauptungen erleichtert hätten.
    Er hatte nur seine Meinung. Dafür brauchte es keinen VS-Chef. Meine wäre ähnlich gewesen, nur etwas weniger „missverständlich“.

  15. „klang, was ich schrieb, denn nicht wie ein Gesprächsangebot zur Üverwindung beisseitiger Müdigkeit“

    Substanzlose Behauptungen klingen nie so.

    Aber mir ist klar, dass Sie sich gern als Opfer fühlen, weil niemand Ihre Nichtaussagen als Ölzweig zur Kenntnis nimmt. Super übrigens, wie Sie in zwei Folgebeiträgen noch mehr Phrasen produzieren, um zu belegen, dass Sie keine Phrasen dreschen.

    Haben Sie was zum Thema beizutragen?

  16. Ihr seid müde, ich bin traurig. Wir reden doch schon seit Jahren davon dass die Welt das rechtsradikale Denken wieder salonfähig macht, aber es interessiert fast niemanden, einzig Hans Hoff konnte ich dafür gewinnen, mal ein Auge auf diese Entwicklung zu werfen. Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich auf übermedien gestoßen bin. Hier wird endlich einmal aufgearbeitet, wie es zum Volkszorn kommt. Ein Artikel wie dieser sollte in jeder zehnten Klasse besprochen werden.

  17. Also, ignorieren wir mal den einen hohlen Deppen, der einfach immer dabei schwimmen muss und kommen zu Andreas Müller: Vielen Dank zunächst für Ihre Ernsthaftigkeit.

    Also dazu:
    Maaßens Intervention interessiert mich in der Sache null. Dessen Aussage ist ungefähr so sinnvoll / sinnlos, wie das Gegenteil zu behaupten. Von daher ja, Sie haben Recht: I Agree.

    Nun lege ich vor: Einigen wir uns darauf, dass in Belangen wie z.B. „mehr Abschiebungen“, „konsequentere Anwendung Asylgesetze“ usw. , das hier immer eine Härte angewendet werden muss, die von Fall zu Fall unserem Wertekanon zuwiderläuft, dass es hier aber so sein muss, dass der Staat seine Aufgabe zu erfüllen hat und nicht, sich mit jenen zu solidarisieren, die dem Staat auf die Finger klopfen?

    Nein, der Staat hat nicht die Aufgabe, lieb Kind zu machen. Und seine Opposition nicht, im nach dem Mund zu reden. Auch das ist eine Art Gewaltenteilung. Mit einem Satz: Hier ist eine Gewichtung empfindlich durcheinandergekommen, weil es Merkel und Co um nichts weiter ging, als Machterhalt über alle christdemokratischen Überzeugungen (die man nicht teilen muss, aber die man mit der CDU nunmal verbindet) hinweg?

  18. Sie, Herr Wallasch, wird das weniger betreffen, aber Ihren Chef, der mal konservativ war, dann schon:

    http://www.spiegel.de/netzwelt/web/sascha-lobo-kolumne-die-vertrollung-der-konservativen-a-1228851.html

    Wer dagegen

    “ das hier immer eine Härte angewendet werden muss, die von Fall zu Fall unserem Wertekanon zuwiderläuft,“

    ein Aussetzen des Wertekanons, eine Immer-Härte (oh Freud!) als Grundkonsens ansieht, der ist nicht konservativ, der ist reaktionär. Wolfskreide schmeckt nur Wölfen.

  19. Alexander Wallasch und Andreas Müller simulieren eine Diskussion.
    Popcorn oder Taschentuch?

    @7:
    Na, dieses apokalyptische „’33“ Gerede ist aber m. E. genau das, was die laute braune Minderheit will.
    Die Machtergreifung soll vorstellbar sein.
    Das schürt auf der einen Seite Angst, auf der anderen stärkt es den Zusammenhalt.

    Eben deshalb sind Bilder von einem Gauland in Badebuxe so gefährlich für die AfD und alle, die „Ernsthaftigkeit“ predigen: Humor stellt sie bloß, die Mächtigen, die „da oben“.
    An der Reaktion kann man dann ablesen, wass derjenige von Pressefreiheit hält.

    Über den nächsten Schwall von krudem Theorie-Dropping, getarnt als rhetorischer Fragen einfach mal laut lachen, bevor man die Antwort eintippt.

  20. @Stefan Pannor
    Herrje, Sie hatte ich doch nun in #25 explizit und als ersten angesprochen quasi verbunden mit einer Bitte …

    also nun lassen Sie doch einmal dem Herrn Herrn Müller jenen Platz zum Antworten, den er vielleicht gerne einnehmen möchte …

    wirklich so verdammt schwer, mal still zu bleiben und den immer selben Senf in der Tube zu belassen?

  21. Wollen wir nicht lieber darüber reden, dass Sie erntshaft den Wertekanon dieser Gesellschaft außer Kraft setzen wollen (aber natürlich nur für Ausländer), statt dass Sie sich weiter in Pseuo-Tourette hineinsteigern, das Ihnen mangels Like-Funktion hier gar nichts bringt?

    Und dass Sie das offenbar als Konsens ansehen, dass Grundrechte (die ja Teil dieses Kanons sind) nicht für alle gelten?

    Oder wollen wir mal wieder über das Thema reden, also so ungefähr: Stefan Aust und sein ergebnisoffener Umgang mit Zahlen in der blauen Brühe?

  22. @Stefan Pannor: Sie wollen mit jemandem über Wertekanons reden, der Andere „hohle Deppen“ heißt, selbst aber „Diffamierung und Diskreditierung!“ greint? Hammwa gelacht! Sein Derailing kann doch offensichtlicher nicht sein („Ach, viel interessanter finde ich allerdings …“).

  23. Haben sich Wallasch und Müller immer noch kein eigenes Zimmer genommen?

    „Popcorn oder Tachentuch?“
    Ich plädiere für Trollsenke /dev/null

  24. @ Alexander Wallasch #25
    Schön, dass Sie mir zustimmen, dass Maaßens Einlassungen in der Sache unsinnig und nutzlos waren.
    Stimmen Sie mir dann auch zu, dass er seine Kompetenzen überschritten und sich die von gewählten Politikern angemaaßt hat? Der sehr schöne Artikel im Verfassungsblog, den Maxmillion in #21 verlinkt hat, bestätigt mich da in meiner laienhaften Einschätzung.

    Auf Unsinn und Kompetenzanmaßung kann nach meiner Meinung (nach einem Grilling vor dem Parlament mit Geständnis) günstigstenfalls eine Abmahnung folgen, oder eben eine Entlassung. Eine Beförderung zu mehr Verantwortung für die Innere Sicherheit in Deutschland ist ein Unding und riecht fast schon ein wenig nach, böses Wort, Putsch gegen die Regeln eines Verfassungsstaats.

    Sie bestätigen mich in diesem bösen Verdacht noch durch „eine Härte, die in einem oder anderen Fall unserem Wertekanon zuwiederläuft“. Das klingt irgendwie übel. Erstens geht es nicht um Werte, sondern um Gesetze. Kein Problem damit, dass Ausreisepflichtige wieder ausreisen müssen oder ausgeschafft werden. Das fordere ich mit vielen anderen seit langem, und meinen Werten läuft es gar nicht zuwider.

    Was meinen Werten und meinen Instinkten aber sehr zuwiderläuft, sind die Merkwürdigkeiten der Amri-Erzählung und die Verstrickung von Maaßen in diese. Am 26.9. soll er dazu übrigens Rede und Antwort vor dem Bundestag stehen. Die Opposition könnte sich da Lorbeeren verdienen, statt ständig schafartig zu blöken:
    https://www.tagesspiegel.de/politik/geheimdienst-affaeren-verfassungsschutz-praesident-liess-berichte-zu-amri-spitzel-unterdruecken/22999444.html

  25. Ich warte noch auf eine Antwort wegen der angeblich hohen Subventionierung. Und nein, das klang nicht wie ein Gesprächsangebot.

    An Fakten hätte ich anzubieten: Deutschland ist seit drei Jahren nicht untergegangen. Auch seit 70 nicht. Probleme, die dieser Staat – wie alle anderen – hat, bewegen sich im Weltvergleich gesehen auf sehr hohem Niveau. Diese Probleme sind nicht monokausal auf ein Thema zurückzuführen. An ihnen trägt ebenfalls nicht monokausal die gegenwärtige Bundeskanzlerin schuld. Wir leben nicht in einer Diktatur. Eine solche ist auch nicht wünschenswert. Grundrechte, die in unserer Verfassung verankert sind, gelten größtenteils für alle Menschen im Geltungsbereich des Grundgesetzes, nicht nur für Staatsbürger. National abgeschottete Staaten, die vorzeigbar wären oder gar als Vorbilder für den von einigen politischen Akteuren propagierten „Ethnopluralismus“ als bessere Staats- bzw. Gesellschaftsform dienen könnten, sind nicht bekannt. Im Gegenteil funktioniert Nationalismus nur, wenn man Gegner- oder gar Feindschaft zu anderen Bevölkerungsgruppen in und außerhalb des Staatsgebietes beschwört. Solche Feindschaften gibt es tatsächlich nicht, die meisten Menschen auf diesem Planeten wollen nur in Frieden leben und nicht andere Menschen(gruppen) hassen. Hass ist nicht erstrebenswert, Hetze und Panikschüren ebenfalls nicht.

  26. Dieser Artikel hat mit fairer Medienkritik gar nichts zu tun.
    Hier geht es um eine politische Auseinandersetzung. Stefan Aust soll abgewatscht werden, weil er Merkel’s unkontrollierte und ungesteuerte Zuwanderung hart kritisiert. Aust Kritik hat mit „brauner Brühe“ aber überhaupt nichts zu tun, sondern ist sachlich fundiert. Wenn Übermedien für diesen Verriß jetzt von der Antifa gelobt wird, dann wäre es genauso unseriös zu behaupten Übermedien schwimmt in linksradikaler Brühe.
    Mit so einem Artikel ist Übermedien als seriöse Medienmagazin allerdings nicht mehr ernst zu nehmen, bestenfalls noch als ein linkes.

  27. “ Aust Kritik hat mit „brauner Brühe“ aber überhaupt nichts zu tun, sondern ist sachlich fundiert.“

    Das erklärt die falschen Zahlen darin.

    Ehrlich: falsche Zahlen sind für Sie eine sachliche Fundierung? Das glauben Sie doch selbst nicht, das schreiben Sie hier nur aus Lust an Trollerei und Lüge.

    Ich sehe ja, dass Sie hier Schmierenkritik betreiben wollen, mit den üblichen Stanzen: „nicht mehr ernstzunhemen“, „linksradikal“, „unseriös“, und ja, auf JouWatch kommen solche Sätze bestimmt super an.

    Aber da interessiert sich auch niemand für Argumente, da gilt der Furz als Argument, wenn er nur lang und laut genug ist.

    Hier hingegen gilt der, der so schreibt, selbst unter den konservativen Kommentatoren als schlicht peinlich.

    Ich dachte, ich sag’s Ihnen, ehe Sie sich fragen, wo das Gelächter herkommt. :)

  28. ich empfehle jedem, der sich fragt, was in diesem Lande gerade abgeht, warum und wie Typen wie ein Aust ticken und warum man sich allergrößte Sorgen um die Zukunft dieser Demokratie und Gesellschaft machen muss, die Lektüre der „Geschichte eines Deutschen“ von Sebastian Haffner.
    Ich denke, danach bleiben keine Fragen mehr offen.

  29. #Müller
    Sorry, eben erst gelesen, zuviel geschwätziger Subtext von anderen hintendran.
    Zur Sache: wie gesagt, der Fall Maassen ist leider auch ein elender Popanz – übergestülpt wie ein Schleier über einen bestialischen mutmaßlichen Mord und zwei Mordversuche von messerstechenden Arschlöchern. Alles was darauf folgte ist nach rechtsstaatlichen Masstäben zu beurteilen und ggf. Eben Zu verurteilen. Von der durch diesen Mord und weitere Morde von Zuwanderen gestellten Aufgabe befreit das alles allerdings niemanden und nichts.

  30. @ Dieter Weller:

    Stefan Niggemeier hat ja ganz konkret an Argumenten und Belegbeispielen ausgeführt, was und warum er Aust kritisiert. Wenn Sie Niggemeiers Kritik für gegenstandslos halten, wieso gehen Sie dann nicht ganz konkret auf seine Argumente ein und erklären uns, was an diesen falsch ist?

  31. #Müller
    Ach so, was die „Härte“ angeht und was Sie übel klingend finden – ja was glauben Sie, wie sich das anfühlt für so einen Beamten, wenn er morgens um 5 eine heulende Familie zum Flughafen bringen muss, weil es das Gesetz so verlangt? Wollen Sie ihm das Abnehmen? Sind Sie dafür hart genug? Ich wäre es im Zweifel nicht. Also was schlagen Sie da vor, wer die Gesetze durchsetzen soll?

  32. # Müller
    Und was die Härte angeht, wollen Sie nach Gesetz und Urteil dann morgens um 5 die heulende Familie zum Flughafen bringen? Schaffen Sie das? Ich hätte da Schwierigkeiten. Oder doch besser den ausgebildeten erfahrenen Beamten machen lassen?

  33. Was hat Härte, die unserem Wertekanon zuwiderläuft, mit der Durchführung einer Abschiebung durch ausgebildete, erfahrene Beamte zu tun? Ansonsten beim Copy&Paste verheddert oder alle 8 Minuten die Welt mit frischen Augen sehen und gleich nochmal aufschreiben? Dann wird verständlich, weshalb Ihnen u.a. meine Frage nach der von Ihnen behaupteten Subventionierung entglitten ist. Bekomme ich noch eine Antwort?

  34. Sie haben den Dialog noch nicht mal aufgenommen, obwohl ich diverse Angebote unterbreitet habe, die wiederum auf Ihren eigenen Ausführungen und Vorschlägen basieren. Schade, dass Sie ihn nun schon wieder für beendet erklären. Infantil zu wirken, war nicht meine Absicht.

  35. @ 39 Stefan Pannor

    «… da gilt der Furz als Argument, wenn er nur lang und laut genug ist.«

    Danke dafür. Poetischer wurde die »Kommunikationsarbeit« des AfD-Ashrams selten auf den Punkt gebracht. Meine Nase zuckt seither pausenlos. In allen einschlägigen Kommentarspalten.

  36. Solche Kommentare wie #37 findet man derzeit zu Hauf unter kritischen Artikeln. Jegliche Aufklärung, wie mit falschen Zahlen gelogen wird, wie mit herbeiphantasierten Zusammenhängen Wut geschürt wird, der wird abgetan als „Verriß“, als „linke Meinungsmache“, als „mundtot machen von Systemkritikern“.

    Tatsachen zählen nicht mehr. Statt dessen sind Zahlen gültig, sobald sie irgendjemand publiziert hat, sie brauchen keiner Überprüfung mehr standzuhalten, sie müssen nur zu der Erzählung passen, daß das „deutsche Volk“ unterdrückt und ausgebeutet würde.

    Auch solche Vergleiche wie „die gegenüberliegende Seite“ passen nicht. Die heutigen Neonazis passen nicht in das Rechts-Links-Schema. Die heutigen Neonazis sehen sich ja selbst als Verfolgte, sie nehmen Anleihen bei Anne Frank und Sophie Scholl, sie marschieren zu angeblichen Trauermärschen mit weißer Rose.

    Erika Steinbach hat vor längerer Zeit mal in einer Äußerung auf Twitter darauf hingewiesen, daß die NSDAP links gewesen sei, denn das „S“ stand für „sozialistisch“. Alle haben sich kräftig amüsiert und die Äußerung als die geistige Verwirrtheit einer nach rechts abgedrifteten alten Frau abgetan. Statt dessen sollte man das ernst nehmen, denn mit dieser Äußerung hat Frau Steinbach etwas sehr wichtiges zur Strategie ihrer Partei gesagt. Die heutigen Neonazis stehen nicht rechts, sie stehen in der Mitte der Gesellschaft. Das macht sie so gefährlich.

    Und genau das entspricht dem historischen Vorbild: Die NSDAP stand nicht am rechten Rand, sondern sie wurde getragen vom Bürgertum. Das waren nicht die Kaisertreuen und die Konservativen, das waren Bürger, die sich als progressiv verstanden, die etwas in der Gesellschaft bewegen wollten. Auch der Antisemitismus in den Jahrhunderten zuvor ging selten von den Fürsten, Kaisern und Königen aus, nie von den wirklich Konservativen, sondern in der Regel von den Bürgerlichen, also von Menschen, die weder ganz links noch ganz rechts standen. Man lese zum Beispiel nach, wie die Hep-Hep-Unruhen im 19. Jahrhundert abliefen. Das war der kleine Wutbürger, der mit Handel und Handwerk zu etwas Wohlstand gekommen war, oder der intellektuelle Student, der plötzlich anfing, Synagogen anzuzünden.

    Nicht ohne Grund werden im Horst-Wessel-Lied die Kameraden „die Rotfront und Reaktion erschossen“ besungen. „Rotfront“ waren die Linken und „Reaktion“ die Rechten, also die Konservativen und Kaisertreuen. Mit beiden lieferten sich die NSDAP und ihre Organisationen blutige Straßenschlachten. Die NSDAP stand in der Mitte der Gesellschaft. Das waren die Menschenfänger, die die Bürgerlichen von ihrer „Bewegung“ begeisterten.

    Dieses ganze Rechts-Links-Geschwafel, diese Darstellung, es gäbe „die eine Seite“ und „die andere Seite“ verstellt den Blick darauf, daß wir es hier mit Menschenfeinden zu tun haben (was allerdings leider nicht erklärt, was diese Menschenfeinde antreibt, und worin speziell die Motivation eines Stefan Aust besteht).

    Es ist erschreckend, wie sehr es die AfD schafft, mit ihren Narrativen die Berichterstattung zu dominieren. Sie schafft es, daß eine einzelne Messerstecherei mit Todesfolge plötzlich bundesweit diskutiert wird, daß jede kleine Regung in den Ermittlungen sofort vermeldet wird. Und sie wird dabei auch noch tatkräftig unterstützt von einem Herrn Seehofer, der quasi ihre Öffentlichkeitsarbeit erledigt. Ich lese gar nichts mehr davon, was in Syrien los ist. Da fallen doch immer noch Bomben auf Zivilisten! Es ertrinken doch immer noch Menschen im Mittelmeer! Es werden doch immer noch Flüchtlinge unter unwürdigen Bedingungen in Lagern in der Türkei oder in Griechenland eingesperrt!

    Ich hoffe, daß die politische Situation sich nach der Wahl in Bayern wieder beruhigt. Wenn die CSU in Bayern ein historisch tiefes Wahlergebnis erzielt, wegen dessen dann Seehofer und Söder von ihren Posten zurücktreten, dann ist endlich wieder Zeit für sachliche Politik. Ich befürchte allerdings, daß diejenigen bisherigen CSU-Wähler, die von ihrer Partei derzeit enttäuscht sind, keine andere Partei wählen, sondern zu Nichtwählern werden. Das stärkt die AfD.

    So optimistisch wie Michael Frey Dodillet in Kommentar #13, daß die AfD demnächst unter die 5%-Hürde fällt, bin ich nicht. Man glaubte auch in den 30er, man könnte die NSDAP mit Sachargumenten schlagen, man würde Hitler „in die Ecke drücken, daß er quietscht“. Wir wissen heute, daß das eine eklatante Fehleinschätzung war.

    Die Meinung der Wähler, es der Regierung einfach mal zeigen zu können, und daß es ja ohnehin nicht so schlimm kommen wird, hat den Briten den Brexit eingebracht. Eine „Protestwahl“ ist eben keine gute Idee. Wenn sie schiefgeht, kommt man aus der Situation schnell nicht wieder heraus. Und im Vergleich dazu, was im Moment an aufblühender Menschenfeindlichkeit in unserer Gesellschaft passiert, erscheint ein Brexit sogar noch ganz harmlos.

    P.S.: Erinnert sich eigentlich noch jemand an die Wikileaks-Enthüllungen über die Dossiers der US-Diplomaten über deutsche Politiker? Horst Seehofer wurde darin als „unberechenbarer Politiker mit begrenztem Horizont“ eingeschätzt.

    https://www.sueddeutsche.de/politik/wikileaks-enthuellungen-im-netz-unberechenbar-und-mit-begrenztem-horizont-1.1029368

  37. @Alexander Wallasch
    Mensch Herr Wallasch, ein löblicher Ansatz, aber bitte:
    Keine Versuche, die linke Kavallerie zu zähmen. Ich genieße hier regelmäßig beste Unterhaltung von Pannor, Max und natürlich ‚MFD‘ und Co., das soll bitte auch so bleiben.

    Schauen Sie doch mal, was der Michael schreibt: „Aust ist ja nicht blöd. Der weiß, das die AfD eine Liste mit Regimekritikern führt, auf der er als langjähriger Chefredakteur des »linksgrünversifften Spiegels« mit Sicherheit draufsteht. Er weiß auch, dass in den ersten vier Monaten nach der Machtergreifung Hitlers 40.000 Regimekritiker in den KZs verschwunden sind.“

    Guckst du: Der Aust will partout nicht nach der erneuten Machtergreifung Hitlers im KZ landen, so einfach ist das.
    Und der „Broder dreht sein Mäntelchen auch schon aus vorauseilender Angst in den (neurechten )Wind…“ Genau! So isser, so kennt man seit Jahrzehnten den Broder.

    Also Herr Wallasch, wenn Sie mich fragen: Die Leute hier immer schön schäumen lassen, bessere Beiträge findet man nimmer.

    Und an die (wenigen!) schlappen Spaßmacher: Von Müdigkeit will ich nichts hören, wie war hier noch einst die Parole: An die Meme!

  38. @ Daniel Rehbein #49
    „Sie schafft es, daß eine einzelne Messerstecherei mit Todesfolge plötzlich bundesweit diskutiert wird“
    Das ist doch Unfug! Die politische Dynamik entsteht nicht durch eine einzelne Messerstecherei, sondern durch eine erhebliche Zahl von zugewanderten Intensivtätern, denen regelmäßig an verschiedenen Orten Menschen zum Opfer fallen. Und durch die Weigerung der etablierten Politik, das für die Menschen vorher erkennbare Problem ernsthaft anzugehen, bevor es schließlich eskaliert:
    https://www.youtube.com/watch?v=Dv7MuvuUDHI

  39. @Blinse
    Ja, kann man so sehen. Andererseits muss man den wirklich ernstgemeinten Versuch unternehmen, solchen notorischen Brandstiftern wie Niggemeier etwas anzubieten, das sie um Ausreden verlegener macht glaube ich.

  40. Die Aust-hat-Angst-Theorie finde ich gar nicht so abstrus, sieht man sich die aktuelle Zunahme tätlicher Übergriffe auf Journalisten oder deren öffentliche Denunziation durch AfD-Freaks an (bleib standhaft, Schlecky!). Das ist für Wallasch und Co. vermutlich nur Anlass für Schenkelklopfen und Händereiben, für manchen Journalisten aber vielleicht die Motivation zum Schluck aus dem braunen Suppentopf, auch wenn’s nicht richtig schmeckt. Oder eben Opportunismus. Ist wie ein kostenloser Eintopf, in dem ein bisschen Rattenkot drin ist. Die paar Prozente an braunem Dreck kann man doch schlucken.

  41. @ DERMAX #53
    Zu welchem Zweck?
    Sagen Sie doch erst einmal 3 Sätze zu dem, was Wätzold Plaum ganz konkret zur Entwicklung in Chemnitz aus verschiedenen Quellen zusammengetragen hat. Es gab da offensichtlich eine längerfristige kriminelle Fehlentwicklung, dann erst einen Totschlag, danach eine politische Eskalation bis hinauf in die Bundesregierung.
    Darüber muss es einen Diskurs geben: von den Ursachen zur Wirkung.
    Politik entsteht aus dem, was die Wähler vor Ort erleben. Die Wahrnehmung der Wähler ist politische Realität.
    https://www.youtube.com/watch?v=Dv7MuvuUDHI

  42. „Hohle Deppen“, „notorische Brandstifter“ – Herr Wallasch bettelt nicht um Schläge, sondern um Zivilprozesse. Es lohnt, sich Schopenhauer vor Augen zu führen:

    „Wenn man merkt, daß der Gegner überlegen ist und man Unrecht behalten wird, so werde man persönlich, beleidigend, grob. Das Persönlichwerden besteht darin, daß man von dem Gegenstand des Streites (weil man da verlornes Spiel hat) abgeht auf den Streitenden und seine Person irgend wie angreift: man könnte es nennen argumentum ad personam, zum Unterschied vom argumentum ad hominem: dieses geht vom rein objektiven Gegenstand ab, um sich an das zu halten, was der Gegner darüber gesagt oder zugegeben hat. Beim Persönlichwerden aber verläßt man den Gegenstand ganz, und richtet seinen Angriff auf die Person des Gegners: man wird also kränkend, hämisch, beleidigend, grob. Es ist eine Appellation von den Kräften des Geistes an die des Leibes, oder an die Tierheit. Diese Regel ist sehr beliebt, weil jeder zur Ausführung tauglich ist, und wird daher häufig angewandt. Nun frägt sich, welche Gegenregel hiebei für den andern Teil gilt. Denn will er dieselbe gebrauchen, so wirds eine Prügelei oder ein Duell oder ein Injurienprozeß.

    Man würde sich sehr irren, wenn man meint, es sei hinreichend, selbst nicht persönlich zu werden. Denn dadurch, daß man Einem ganz gelassen zeigt, daß er Unrecht hat und also falsch urteilt und denkt, was bei jedem dialektischen Sieg der Fall ist, erbittert man ihn mehr als durch einen groben, beleidigenden Ausdruck. (…)

    Die einzig sichere Gegenregel ist daher die, welche schon Aristoteles im letzten Kapitel der Topica gibt: Nicht mit dem Ersten dem Besten zu disputieren; sondern allein mit solchen, die man kennt, und von denen man weiß, daß sie Verstand genug haben, nicht gar zu Absurdes vorzubringen und dadurch beschämt werden zu müssen; und um mit Gründen zu disputieren und nicht mit Machtsprüchen, und um auf Gründe zu hören und darauf einzugehn; und endlich, daß sie die Wahrheit schätzen, gute Gründe gern hören, auch aus dem Munde des Gegners, und Billigkeit genug haben, um es ertragen zu können, Unrecht zu behalten, wenn die Wahrheit auf der andern Seite liegt. “

    Nichts erbittert Trolle mehr als Ignoranz. Sie hören dann nicht auf, Trolle zu sein, aber ihnen fehlt die Befriedigung, die sie aus der Empörung anderer über die eigene Dummheit, Verkommenheit und ganz allgemein Anstandslosigkeit ziehen.

  43. #51: „Die politische Dynamik entsteht nicht durch eine einzelne Messerstecherei, sondern durch eine erhebliche Zahl von zugewanderten Intensivtätern, denen regelmäßig an verschiedenen Orten Menschen zum Opfer fallen. “

    Lassen wir mal außen vor, dass Ihre Aussage quantitativ zu schwammig ist, um sie konkret zu greifen (erheblich?, intensiv?, regelmäßig?) und impliziert, dass es sich um Wiederholungstäter handelt, wogegen 80% der Gewalttäter Einmaltäter sind…

    … sieht man also ab, dass Sie offenbar keine Fakten vorliegen haben, sondern nur Phrasen dreschen, und da, wo Sie Fakten nahe kommen, das in ähnlicher Weise tun wie Herr Aust, nämlich offenbar ohne Kenntnis dieser Fakten …

    … sieht man also von all dem ab, stellt sich doch die Frage, weshalb die Gewalt deutscher Staatsbürger keine „politische Dynamik“ auslösen. Also nicht: ein bißchen. Sondern: keine.

    Man könnte glatt entweder auf den Gedanken kommen, „politische Dynamik“ ist hier ein Synonym für „rassistische Empörung“, man könnte auch sagen: eine sprachliche Lüge.

    Oder alternativ vertreten Sie die Ansicht, dass Ausländer guten Deutschen die Verbrechen wegnehmen.

    Eins von beiden wird es sein, sagen Sie mal: welches.

  44. @ Stefan Pannor #59
    Trotz Ihrer wutbürgerlichen, braunen Odel-Spritzerei will ich mal auf ein Scheinargument eingehen:
    „weshalb die Gewalt deutscher Staatsbürger keine ‚politische Dynamik‘ auslösen“
    Erstens ist die spezifische, also pro Kopf gerechnete, Gewaltbereitschaft der schon länger hier lebenden Bevölkerung unbestritten viel niedriger als bei den Zuwanderern.
    Zweitens hat die Zuwanderungswelle von 2015 den globalen Trend eines seit Jahrzehnten zurückgehenden Mordgeschehens bereits heute deutlich spür- und messbar gebrochen:
    https://de.statista.com/statistics/2229/mordopfer-in-deutschland-entwicklung-seit-1987/
    Drittens sind Zuwanderer (und ihre Kinder) weit überproportional an dem hierzulande seit langem eher unüblichen Delikt der Messerangriffe beteiligt, das vielen Menschen besonders das Gefühl des Vertrauens in den öffentlichen Raum nimmt.
    Mir ist völlig bewusst, dass Fakten nichts gegen Ihren Glauben ausrichten. Statt über „keine Fakten“ zu heulen, sollten Sie aber trotzdem auf einige Fakten eingehen, die Wätzold Plaum zu Chemnitz zusammengetragen und vorgestellt hat.
    Bis das in einer akzeptablen Weise geschehen ist, werde ich auf Ihre Nebelkerzen und Ihre moralisierenden Schmutzwerfereien nicht mehr antworten.

  45. @Müller
    Ja, haben Sie sehr höflich und fast nett formuliert gegenüber #59 – dennoch darf – wenn es zielführend werden soll – dabei nicht vergessen werden, dass es hier um Niggemeier geht. Panor ist unwichtiges Geschwätz.

  46. Herr Müller,

    Sie lügen.

    Ich denke, das muss man mal klar sagen. Die Mordopferzahlen sind aufgrund der Taten zweier deutscher Massenmörder gestiegen, das ist nichts Neues, da müssen Sie nicht so tun, als ob Sie das nicht wüssten. Sie geben sich stets gut informiert, und dann sollte Ihnen gerade das durch die Lappen gerutscht sein? Nein, unwahrscheinlich. Sie lügen.

    “ Wie kommt es zu diesem starken Anstieg? Die Statistik für 2016 führt die 149 Opfer der Germanwings-Katastrophe aus dem Jahr 2015 auf (IMK-Bericht, Seite 33). Denn die komplexen Ermittlungen zu dem gezielten Absturz waren erst 2016 beendet. Dazu kamen noch 72 Opfer eines Krankenpflegers, dessen Mordserie nach und nach ausermittelt wurde.

    2017 wurden dann laut PKS (Seite 68) noch einmal 87 Opfer des Krankenpflegers aufgeführt, obwohl die Taten lange zuvor verübt worden waren. Insgesamt wurden von den in der Statistik für 2017 aufgeführten Fälle mehr als 20 Prozent in vorherigen Jahren verübt. Dies zeigt, dass bei der Interpretation der Statistiken genau hingeschaut werden muss – sowohl bei einem Anstieg als auch bei einer Abnahme der Zahl der erfassten Straftaten.“

    https://faktenfinder.tagesschau.de/inland/kriminalstatistik-pks-berlin-101.html

    Oder Sie sind eben doch nicht so gut informiert, wie Sie sich stets geben.

    Ihr erstes Argument ist dagegen Ausdruck der ultimativen moralischen Verrohtheit: nicht mehr die Zahl der Opfer insgesamt sorgt für die Empörung, sondern eine Relation innerhalb zweier beliebig gebildeter Gruppen. (Hat denn mal jemand gefragt, wie sich die Zahl der Brillenträger zu den Nichtbrillenträgern bei Tätern und Opfern verhält?) Die Pro-Kopf-Gewaltbereitschaft (Gewaltbereitschaft ist nicht Täterschaft), also dass Deutsche zu 0,08 Kopf gewaltbereit sind und Ausländer zu, naja, was … o,09 Kopf? Es mangelt natürlich an Zahlen, mit denen Sie das belegen. Gewaltbereitschaft pro Kopf ist eine Schimärenaussage, die Schimäre ist, dass man offenbar meint, Gewaltbereitschaft von Tätern in ein gesamtgesellschaftliches statistisches Mittel zu pressen (und dabei den Durchschnitt wählt?, oder den Median?).

    Der Statistiker an mir fasst sich an den Kopf: Leute, die so mit Statistik umgehen, rufen auch den Friseur, wenn sie einen Rohrbruch haben. Und glauben, das sei richtig. Das sei gegen den Meinungsmainstream der Mainstreaminstallateurmafia.

    „Drittens sind Zuwanderer (und ihre Kinder) weit überproportional an dem hierzulande seit langem eher unüblichen Delikt der Messerangriffe beteiligt, “

    Und erneut Gummiwörter: „unüblich“ etwa – wieviel Messerangriffe sind denn „üblich“, und in welcher Relation stehen Zuwanderer (bei Ihnen mindestens bis in die zweite Generation als solche gezählt, oder sogar länger?) hierzu? Ungenaue Begriffe, verquickt mit keinen Zahlen.

    Damit schüren Sie Panik. Und ich weigere mich, Ihnen zu unterstellen, dass Sie schlicht kreuzdoof sind, weil Sie solche Falschaussagen nachplappern. Bloß wenn ich annehme, dass Sie wissen, wovon Sie reden, gleichzeitig sehe, dass Sie offenbar keine Ahnung haben, wovon Sie reden, dann bleibt als conclusio nur, dass Sie wissentlich Falschaussagen verbreiten.

    Naja, oder Sie haben halt keinen Peil, Dunning-Kruger und so, das kann ja sein, aber dann erreicht Sie eine Argumentation eh nicht mehr, dann beharren Sie darauf, dass Ihre Aussagen gerade deshalb stimmen, weil alle Fakten denen widersprechen. Dann müssten Sie sich aber ehrlicherweise aus jeder Debatte zurückziehen, weil Sie die Möglichkeit des Irrtums für sich nicht mehr in Betracht ziehen (können, Dunning-Kruger halt).

    Es ist übrigens amüsant, dass gerade Sie von „Glauben“ reden, mit missinterpretierten Statistiken und keinen Fakten in der Hinterhand. Ja, das war vor ein paar jahren mal eine Immunisierungsstrategie im Internet, aber wie gesagt: vor ein paar Jahren.

    Bis dahin drücken Sie sich vor allem davor, Begriffe zu konkretisieren, die, wie ich annehme, bewußt unkonkret von Ihnen gewählt wurden, und um deren Konkretisierung Sie mehrmals von mehreren Kommentatoren gebeten wurden.

    Aber Sie empfinden Konkretheit offenbar als Nebelkerze, Inkonkretheit dagegen als die Mutter aller Klarsicht? So in der Art?

  47. @ Wallasch #61
    Was das angeht, hatte ich ja schon unter #12 ausgeführt, dass man Aust nicht gut für Fehler, Übertreibungen und Spins im Detail kritisieren kann, wenn man den ganzen Sockel an Problemen leugnet, der ihm in manchem eben auch recht gibt.
    Das ist kein Problem von Stefan Niggemeier speziell, sondern der Grund, warum das politische Establishment Deutschlands zu großen Teilen und gefährlich auf dem falschen Fuß steht und die AfD in immer neue Umfragehöhen treibt, statt berechtigten Bürgerärger von rechten ideologischen Träumen zu unterscheiden und zu trennen.
    Wer überall nur braun sieht und weder Handlungsbedarf noch Handlungsmöglichkeiten, macht mit der Zeit auch alles braun.

  48. „dass man Aust nicht gut für Fehler, Übertreibungen und Spins im Detail kritisieren kann, wenn man den ganzen Sockel an Problemen leugnet, der ihm in manchem eben auch recht gibt.“

    Ich übersetz mal: Man darf sich nicht von nachgewiesenen Fehlern die Argumentation kaputtmachen lassen.

    Wenn einer nachweislich Unsinn redet, dann spint man das eben in die Richtung, dass er aber trotzdem recht habe, aufgrund von Sachen, die er halt nur nicht sagt.

    Eine klassische Verschiebung des Pfostens.

    Dass eine ganze Menge Bürger berechtigten Ärger über solchen Humbug empfinden, wird dann beiseitegeschoben, die sind dann ja nur Establishment – also das, was man gern wäre, nur ohne die argumentative oder ethische Berechtigung im Rücken, die nur Arbeit macht.

  49. Dass der von rechts viel beschworene, dramatische Anstieg der Mordopfer in der Kriminalstatistik 2016/2017 an zwei autochthonen Massenmördern mit ingesamt 308 Opfern lag, war mir bis dato überhaupt nicht klar. Danke für die Info.

  50. De nada. Ist ja auch was anderes, ob man in einem Blog mitkommentiert, oder ob man einen Blog betreibt, in dem man die Welt der Welt erklären will.

    Das Beispiel zeigt ja auch folgendes: als Mord gilt eine Tat nicht ab dem Augenblick, da sie geschehen ist (was ja schon technisch nicht ginge), sondern ab dem Augenblick, da sie als Mord nach juristischen Kriterien definiert wird. Zu diesem Zeitpunkt kann die eigentliche Tat bereits Jahre und Jahrzehnte zurückliegen.

    Eine Statistik über die im Jahr 2016 erfassten Morde ist also keine Statistik über die im Jahr 2016 geschehenen Morde. Sondern eine über alle Morde, die mindestens seit Beginn der Existenz unseres Justizsystems geschehen und erstmals im Jahr 2016 als Morde gewertet wurden.

    Hier wird also eine Scheinkorrelation aufgebaut, wenn man die Zahl der Morde aus den Jahren 2016 und 2017 mit der Zahl der Flüchtlinge aus dem Jahr 2015ff in Verbindung zu bringen gedenkt.

    Und man muss annehmen: sie wird bewußt aufgebaut. Weil Demagogen eben genau wissen, dass Statistik kein Allgemeinwissen ist und man Menschen sehr leicht mit Fehlinterpretationen ködern kann.

  51. @ Stefan Pannor #62
    Ich begrüße es, dass Sie (ausnahmsweise) mal auf ein Argument eingegangen sind. Warum Dasselbe nicht zuvor zur Entwicklung in Chemnitz, die Wätzold Plaum vorgestellt hat?
    Diese Aufschlüsselung durch den Faktenfinder kannte ich tatsächlich nicht. Die Reihe stimmt absolut und besonders 2015-2017 auch im Trend nicht mit den Zahlen von Statista überein, vermutlich weil es einmal nur um Mord und einmal auch um Totschlag geht. Das muss ich mir erst einmal genauer anschauen.

  52. Das Verlinken eines 20minütigen Videos mit dem Kommentar „sag mal was dazu“ ist kein Diskussionsbeitrag. Wer Argumente vorbringen will, darf das gerne tun, aber sich selber aus einem Monolog raussuchen, was der andere meint, ist genau das, was Sie anderen hier vorwerfen: Nebelkerze.

    Eine Konkretisierung Ihrer Aussagen muss man von Ihnen nicht mehr erwarten, oder? Sie wünschen nur, dass andere Stellung beziehen. Oder?

  53. @ Stefan Pannor #70
    Plaum hat 3 Videos zu Chemnitz gemacht.
    Im ersten ging es um die Aussage eines DJs, dass die Sicherheit in der Innenstadt seit vielen Monaten weniger durch Rechte als durch erschreckend gewaltbereite arabische (oder so) Kriminelle gelitten habe.
    Im 2., oben verlinkten, hat er nochmals genauer die Quellen vorgestellt, die ihm bestätigen, dass das wohl nicht so ganz neben der Sache liegt.
    Im 3. (von heute) äußert er sein Unverständnis über die Entgleisung der politischen Debatte, u.a. durch wenig fundierte Behauptungen von Seibert und Maaßen.
    Was sagen Sie zum 2. Video? Hat Plaum einen Punkt oder ist er ein Trottel oder ein Nazi? :-)

  54. Herr Müller, Debatten zu Meinungen über die Meinungen anderer Leute, deren Meinungen man sich in deren Abwesenheit erarbeiten muss, bloß weil wiederum andere Leute wollen, dass man sich eine Meinung zur Meinung bildet, finde ich unergiebig.

    Insbesondere dann, wenn das Thmea ein völlig anderes ist und diese Metadebatte offensichtlich nur dem Derailing dient.

  55. Wie oft wurden nur mal allein in den Kommentarspalten von Übermedien.de mittlerweile die Schwächen der Kriminalitätsstatistiken mit Herrn Müller eigentlich äh diskutiert? Die soziologischen Risikofaktoren (Hallo, Inga) will ich da erst gar nicht wieder ansprechen.

  56. Ich hatte auch in Erinnerung dass wir hier mal probieren wollen was passiert, wenn man die Trolle einfach mal ignoriert.
    Hat leider wieder nicht geklappt, vielleicht ja beim nächsten Mal…

    Zum Thema: interessanter Artikel. Ich frage mich auch immer wie es kommt, dass offenbar auch gestandene Journalisten so argumentieren (ähnlich ja auch beim LSR).
    Ist es eigentlich mal möglich, einen solchen Journalisten hier zum Gastbeitrag einzuladen? Würde mich wirklich freuen da auch mal die Gegenperspektive zu lesen (ähnlich wie bei dem Interview mit Martenstein). Denn nur so kommt man ja in der Analyse/Diskussion weiter.

  57. @ZET #74 (und Pannor #62 natürlich auch)
    „die Schwächen der Kriminalitätsstatistiken…“
    …sollten Sie dringend auch einmal dem Innenminister des Saarlandes nahebringen:
    „Immer mehr Straftaten mit Messern im Saarland…
    Tatverdächtige konnte die Polizei in 1201 der 1490 Fälle ermitteln. 70 Prozent (842) von ihnen sind deutsche Staatsangehörige. Die übrigen 30 Prozent verteilen sich laut Ministerium auf Syrer (122), Angehörige von Drittstaaten (107), EU-Ausländer (94) und Afghanen (36)“
    Es muss nicht immer Chemnitz sein, und die soziologischen Risikofaktoren müssen Sie ihm auch nicht verschweigen.
    https://www.saarbruecker-zeitung.de/saarland/kriminalitaet-statistik-zu-messer-straftaten-im-saarland_aid-33142811

  58. Wenn Personen mit Migrationshintergrund (wie immer man diesen Begriff genau operationalisieren möchte) mehr Straftaten begehen als „Biodeutsche“, dann darf das natürlich thematisiert und problematisiert werden.

    Aber dabei sollte man eben doch im Hinterkopf behalten, dass es absolut üblich ist, dass unterschiedliche Personengruppen eine unterschiedliche Menge von Straftaten „pro Kopf“ begehen. Gewöhnlich wird darum aber kein großes Aufhebens gemacht.

    Beispielsweise existiert offenbar ein Zusammenhang zwischen Armut und Delinquenz. (In diesem Zusammenhang ist bedenkenswert, dass viele Flüchtlinge nicht nur entwurzelt, sondern auch arm sind).

    Junge Menschen begehen im Schnitt mehr Straftaten als ältere, und in den USA werden Schwarze häufiger als Weiße kriminell – wobei diese beiden Zusammenhänge aber vermutlich ebenfalls auf Unterschiede im ökonomischen Status zurückgehen, wie entsprechende Studien nahelegen.

    Und natürlich begehen Männer WEIT mehr schwere Straftaten (z.B. Tötungsdelikte) als Frauen.

    Interessanterweise scheinen solche Diskrepanzen jedoch niemanden sonderlich zu bewegen. Ich kann mich jedenfalls nicht an viele Schlagzeilen oder Diskussionen zur „Männerkriminalität“ oder zur „Armenkriminalität“ erinnern. Ein echtes Problem wird offenbar vor allem dort gesehen, wo es „Fremde“ sind, die eine erhöhte Kriminalitätsrate aufweisen mögen – bei denjenigen, denen man die Gunst erweist, sie als „eigene Leute“ zu taxieren, ist man offenbar sehr viel milder gestimmt.

  59. Als Wham kann man halt nicht mehr so schnell wegrennen. Das spielt bei der Entscheidungsfindung, ob man ein Verbrechen begeht oder nicht, natürlich eine Rolle.

    Rein statistisch sind unter einer Gruppe mit mehreren tausend Menschen immer ein paar Verbrecher. Wir diskutieren im Endeffekt darüber, dass man tausenden von Menschen nicht helfen darf, weil man dann auch immer ein paar Verbrechern hilft. Als nächstes schließen wir Krankenhäuser. Gleiche Logik.

  60. @STEFAN NIGGEMEIER

    Da habe ich mich vermutlich etwas missverständlich ausgedrückt. Ich meine mit „gastbeitrag“ auch so eine Art Dialog wie bei besagtem Interview. Oder eine direkte Replik auf diesen Artikel hier. Halt irgendeine Art Dialog, die den Lesern die unterschiedlichen Sichtweisen nahebringt und z. B. auch klärt, wie es zu den offenbar falschen Zahlen kommt.
    Ein Artikel wie dieser hier der Aus kritisiert, den er aber nicht kommentiert, erzeugt bei mir immer irgendwie das Gefühl, dass da etwas fehlt. Ich hätte einfach gerne mehr Dialog und weniger Einzelbeiträge.
    (ich weiß natürlich auch nicht, ob ein Aust dafür überhaupt bereit wäre, aber einen Versuch fände ich gut).

  61. @76:
    „deutsche Staatsangehörige“
    „Syrer“
    „EU-Ausländer“
    „Afghanen“

    Fehlt noch eine genaue Aufschlüsselung, wieviele der „deutschen Staatsangehörigen“ einen Migrationshintergrund aus welchem Ausland haben.
    #hatmitrassismusnichtszutun

  62. Züchtet Stefan Aust eigentlich immer noch „reinrassige“ Sportpferde? Naja, letztlich war er immer schon ein mieser Opportunist, früher mal im Zweifel links, mittlerweile deutschnational. Konsequenterweise könnte er ja Matussek wieder mit ins Boot holen. Dann können beide gemeinsam den nahenden „Volkstod“ betrauern.

    Der Artikel von Aust ist natürlich nur Ausdruck dessen, was sich eigentlich spätestens seit Beginn der Sarrazin-Debatte vor neun Jahren angedeutet hat: Statistiken werden so weit manipuliert und interpretiert, bis sie dem entsprechen, was man das „gesunde Volksempfinden“ nennt. Und da das „Volk“ eh keine Anstalten unternimmt, die Aussagen zu hinterfragen, weil es genau das lesen und hören will, was Aust, Seehofer und Co von sich geben, verselbstständigen sich die ganze Geschichten – von Masßen bis an die Memel sozusagen.

    Abgesehen davon ist es schon bemerkenswert, dass hier nahezu unter jedem Artikel die selben Trolle versuchen, die Diskussion in eine bestimmte Richtung zu lenken – dorthin, wo sich Hut- und Wutbürger gegenseitig eine gute Nacht wünschen.

  63. @ 59, St.Pannor
    Mich wundert, dass die Linke immer wieder versucht, ein „Aufrechnen“ der Gewaltverbrechen in die Diskussion einzuführen, um hernach zu kritisieren, dass man also unterscheide in „böse böse Ausländer“ und „gute böse Deutsche“, letztere im nächsten Schritt gar nicht diskutiere. Dieses „rassistische“ Argument habe ich bislang nur von linker Seite gelesen. Die rechte Seite diskutiert diese Gewaltverbrechen nicht rassistisch, sondern additiv. Die Taten der Schutzsuchenden und/oder bereits als Asylsuchend abgelehnten Gewalttäter kommen zu den Gewalttaten der zumindest legitim hier Aufenthaltsberechtigten hinzu. Dies anzumerken ist kein Rassismus, die Rechte muss an dieser Stelle nicht gleichrangig die Taten der Hiesigen kritisieren, weil es nicht um die Tat des rassisch Deutschen oder rassisch [andere Ethnie], sondern um die Tat des Nichtaufenthaltsberechtigten geht.

  64. @84 Diese Haltung veranschaulicht wieder mal die Schwierigkeit der Debatte. Niemand mit rassistischen Tendenzen ist in der Lage, den eigenen Rassismus wahrzunehmen. Selbst ein Höcke sieht sich nicht als Rassist. Von daher laufen die antirassistischen Gegenargumente ins Leere, jedenfalls bei denjenigen, die schon vom rassistischen Denken infiziert sind.

    Die Kriminalitätsstatistiken und deren soziologische Ausdifferenzierungen beweisen zwar, dass die Zahlen an Mord und Totschlag bei jungen Männern der gleichen sozialen Schicht sich nicht danach unterscheiden lassen, ob sie deutsch sind oder einen Asylhintergrund haben. Aber selbst wenn einer der besorgten-Bürger-Versteher den intellektuellen Mumm aufbringt, diese Tatsachen zur Kenntnis zu nehmen, wird er noch irgendeinen Unterschied aufspüren, so wie weiter oben zu lesen war, dass „das Delikt der Messerangriffe … vielen Menschen besonders das Gefühl des Vertrauens in den öffentlichen Raum nimmt.“

    Nun könnte man dagegenhalten, dass nach wie vor Beziehungstaten weit überwiegen und es somit rationaler wäre, sich vor den eigenen Liebsten sehr viel mehr zu fürchten. Aber wie uns der Berliner AfD-Chef belehrt hat: Gefühle sind Fakten. Und daher ist Politik zu einem großen Teil Gefühlsmanagement. Das haben die Rechtspopulisten am besten begriffen. Ich weiß nicht, ob man nun mit einem humanistischen Populismus dagegenhalten sollte, aber mit nüchternen Zahlen kommt man da sicher nicht weit. Ich bin ratlos. Und ich muss mich mittlerweile auch zu den besorgten Bürgern zählen, allerdings aus Sorge um die besorgten Bürger.

  65. Hallo Herr Niggemeier,

    manchmal finde ich es erschreckend, wie duopolistisch die Meinungswelt sein soll. Wer etwas sagt, das auch die AfD sagt, und der es vielleicht sagte schon bevor die AfD darauf kam, der spielt den Rechten in die Hände. Nichts mehr da zwischen Willkommen und Hass, gegen den demonstriert wird? Abneigung, Skepsis, Gleichgültigkeit, das alles darf man empfinden und meinen, auch das gehört zu liberalen Vorstellungen.

    Aber ich schweife ab, Entschuldigung. Sie haben sich an Aust abgearbeitet, aber mir gibt eher die Vielzahl journalistischer Köpfe zu denken, die gedanklich stiften zu gehen scheint. Gauland war ja auch Herausgeber der damals zur FAZ gehörenden Märkischen Allgemeinen Zeitung, später Kolumnist des Tagesspiegel. Es gibt Konrad Adam und Hugo Müller-Vogg, Klaus Tichy, auch Michael Maier und der verstorbene Udo Ulfkotte. Leute, die oft Kluges geschrieben haben, aber inzwischen alle als rechts oder verschwörungstheoretisch oder beides belabelt werden oder wurden. Deshalb ist der Blick auf Aust – bei verständlicher Enttäuschung über ihn – vielleicht doch etwas zu eng,

    Mir stellt sich die Frage, ob es eine zusammenhängende Klammer gibt. Keine Absprache, aber eine sie einende Mentalität. Ich werf mal Vorschläge in die Runde: Die späte Lust, doch noch einmal eine schnelle Veränderung in diesem Land mitzuerleben, egal wo sie hinführt? Der immer wieder aufgeführte und bedrohte Grundkonsens, den die Generation 70plus vielleicht anders versteht, als es ihr junge Journalistenkollegen heute erzählen wollen, und den sie aus ihrer Sicht ebenfalls zu bewahren suchen? Das wirtschaftliche Interesse ihrer Geld-Geber? Oder, die zur Meinungsfreiheit unabdingbare wirtschaftliche Unabhängigkeit erst im höheren Alter zu haben?

    Für mich hätte Aust auch anders heißen und woanders an der Spitze stehen können. Er wird auch nicht der letzte sein. Er scheint die These zu bestätigen, dass auch die besser Betuchten sich gegen weitere Migration wenden. Und natürlich hat Aust keine Angst, dass er seinen Job an einen Zugewanderten verliert. Er will, so vermute ich, mitentscheiden, wie das Land aussieht, in dem er alt wird. Also, mitentscheiden, nicht mitreden.

  66. @87: wie war das…die ihrer Wahrnehmung nach duopolitische Meinungswelt erschreckt sie manchmal? Und nur alte, finanziell unabhängige, Journalisten können frei ihre Meinung äußern? Herrje….was für ein widerlicher Kommentar, so zwischen den Zeilen.

  67. Naja, „widerliches“ kann ich da nicht sehen. Auch mir drängt sich – grade auch im Fall des Herrn Aust – die Frage auf, was solche bekannten Namen dazu treibt, mit zunehmendem Alter immer unverhohlener in trüben braunen Brühen zu planschen.

    Nur: Bringt uns diese Frage irgendwie weiter? Muss ich Verständnis für die Motivation dieser nach wie vor erwachsenen, mithin voll für ihre Äußerungen verantwortlichen Autoren haben bzw. heucheln, die regelmäßig im Duktus des Alleinbesitzers sämtlicher Wahrheit und Weisheit auftreten? Oder soll ich diese notwendigerweise nur vermutete innere Motivation als Argument gegen die Autoren verwenden, was – wie ich finde – aus mehreren Gründen sehr problematisch wäre? Ich persönlich beantworte mir beide Fragen mit nein. Dementsprechend habe ich es mir abgewöhnt, über den inneren Antrieb der Autoren zu spekulieren. (Trotzdem mein Favorit nach wie vor: Die Angst vor dem heranrückenden Untergang der eigenen Person wird auf die Nation/Gesellschaft projiziert: Ich habe Angst zu sterben, deshalb wird höchstwahrscheinlich auch/eher Deutschland untergehen, und irgendwer muss schuld daran sein.)

  68. @ Gebimmel #88:
    ich schrieb: „manchmal finde ich es erschreckend, wie duopolistisch die Meinungswelt sein soll.“ Weshalb ich diesen Eindruck habe, das kommt danach – auch aufgrund des Artikels der Hausherrn. „Sein soll“ ist eine Distanzierung in der Hoffnung, dass es doch nicht nur und überall so ist. Dachte, das ließe sich verstehen.
    Meine Wahrnehmung ist so, dass die Einsortierung von Journalisten inzwischen so verläuft: Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. Und dass es gelegentlich auch ein zwanghaft wirkendes Verhalten gibt, dies überall zu tun, dass also eine inhaltliche Replik nicht mehr ausreicht. Das finde ich schwierig. Und schade.
    Denn meist wird mit Begriffen gearbeitet, ohne sie zu erklären. Deshalb kann ich auch mit der Einordnung, mein Kommentar sei „widerlich“, nicht so viel anfangen. Der Gedanke, dass nur die Vermögenden sich ihre Meinung leisten können, ist aber nicht schön, das gebe ich gern zu. Sehen Sie denn vielleicht einen übergreifenden Grund bei all den Journalisten – wobei ich #89 Recht gebe, dass man kein Verständnis aufbringen muss.

Einen Kommentar schreiben

Mit dem Absenden stimmen Sie zu, dass Ihre Angaben gemäß unseren Datenschutzhinweisen gespeichert werden. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.