Öffentlich-rechtliche Meinungs-Freiheit

„‚Tagesschau‘ rechnet mit Merkel ab“, behauptet „Bild“ am Montag und zitiert dann, zunächst hinter ihrer Paywall, den Kommentar des ARD-Korrespondenten Malte Pieper, der darin den Rücktritt der „geschätzten“ Bundeskanzlerin fordert: „Räumen Sie das Kanzleramt für einen Nachfolger, dessen Name nicht so belastet ist, wie es der Ihre ist. Dem in Europa noch zugehört wird.“

„Bild“-Titelseite vom 26.6.2018 Ausriss: Bild

Bemerkenswert ist weniger die Dreistigkeit, den Kommentar eines nicht zum eigenen Verlag gehörenden Journalisten online hinter der Paywall zusammenzufassen, also dafür Geld zu nehmen, sondern vielmehr, dass „Bild“ ihn auch noch falsch ankündigt: „Hier ist das erste deutsche Fernsehen mit der Rücktrittsforderung! Ta-ta-Ta-ta-ta-taaaa!“, lautete der erste Satz des „Bild“-Texts.

Es handelt sich allerdings eben um den Kommentar eines MDR-Redakteurs, der auch nie im Ersten lief, sondern im ARD-Hörfunk. Aber „Bild“ ignoriert das in ihrer Überschrift und am Textanfang konsequent, online wie auch in der gedruckten Zeitung. Und bemerkenswert ist vor allem, wie „Bild“ hier die „Tagesschau“ am Nasenring durch die Arena zu ziehen versucht.

Zum einen leiht sich „Bild“ die Seriösität, die der Marke „Tagesschau“ zugeschrieben wird, um die eigene Agenda in der Flüchtlingspolitik zu bestätigen. Den Dauerklingelton „Merkel muss weg“ mag nicht „Bild“ erfunden haben; doch mit ihrer skandalisierenden Berichterstattung über Geflüchtete und Kriminalität und über angebliche Fehler in der deutschen – also: Merkels – Asylpolitik hat sich „Bild“ längst deutlich gegen die Politik positioniert, die mit der Kanzlerin gemeinhin verbunden wird. Da kommt die scharfe Meinung eines ARD-Redakteurs, den man kurzerhand zur „Tagesschau“ erklärt, gerade recht.

Zum anderen unterstellt „Bild“, indem sie von allen Kommentaren, die von öffentlich-rechtlichen Sender so verbreitet werden, genau diesen mit der Rücktrittsforderung so prominent aufgreift, dass es Neuigkeitswert hat, wenn die Öffentlich-Rechtlichen kritisch mit der Kanzlerin umspringen.

ARD, ZDF und am Rande auch das Deutschlandradio sind verstärkt in den Fokus konservativer Kommentatoren geraten, seit CDU und CSU ihren Machtkampf im so genannten Asylstreit auf offener Bühne austragen. Einseitigkeit wird ihnen vorgeworfen, Parteinahme für Merkel, etwa von Jan Fleischhauer im „Spiegel“, der als Beispiele allerdings nur einen Tweet der NDR-Moderatorin Anja Reschke und eine „heute journal“-Ausgabe zu nennen weiß.

Darin war zuerst über den Unionsstreit berichtet worden, dann über die Trennung von Familien, die ohne Papiere in die USA zugewandert sind. „Man sah wei­nen­de Müt­ter, herz­zer­rei­ßen­de Sze­nen. Ab­sturz in die Bar­ba­rei oder Mer­kels eu­ro­päi­sche Lö­sung, das war die Al­ter­na­ti­ve, mit der das ZDF sei­ne Zu­schau­er ent­ließ“, schreibt Fleischhauer. Das dient ihm tatsächlich als Beleg: Ein Nachrichtenmagazin, das erst über das eine große Thema des Tages berichtet, im Anschluss über ein anderes großes und auch noch die Menschen zeigt, um die es geht, obwohl sie traurig sind – das muss pro Merkel sein!

„Spiegel“-Kolumnist Fleischhauer über ARD und ZDF Spiegel

Er habe nichts gegen Meinungsäußerungen im Fernsehen, textet Fleischhauer und gaukelt damit Differenziertheit vor. In seinem Folgesatz „Ich wünsch­te mir manch­mal nur, es gin­ge nicht ganz so ein­sei­tig zu“ steckt jedoch nicht weniger als die Behauptung, die Öffentlich-Rechtlichen seien ein Kanzlerinnenklatschverein: „Merkels Leibgarde“ eben. So lautete die Überschrift.

Fleischhauer reiht sich damit ein in eine Formation von Journalisten, die mit Kritik an den Öffentlich-Rechtlichen auch sonst nicht zimperlich sind, gerade aber, passend zum unionsinternen Konflikt, gemeinsam einen neuen Hauptaspekt beschwören: „Einseitigkeit“ ist das „Zwangsgebühren“ dieser Tage.

Alexander Kissler vom „Cicero“ etwa schrieb einige Tage vor Fleischhauer, in Mainz – also beim ZDF – sei „Daumendrücken für Merkel“ angesagt. Er belegt das mit derselben „heute journal“-Ausgabe wie Fleischhauer, der sich bis in einzelne Formulierungen hinein von Kisslers Text inspirieren ließ.

„Ab­sturz in die Bar­ba­rei oder Mer­kels eu­ro­päi­sche Lö­sung, das war die Al­ter­na­ti­ve, mit der das ZDF sei­ne Zu­schau­er ent­ließ“, lautet die Passage in der „Spiegel“-Kolumne. Bei Kissler heißt es: „Merkel oder Barbarei. So lautet die Alternative, die uns an vielen Stellen präsentiert wird in Zeitungen, im Radio, im Fernsehen.“

Aus dem Nichts kommt der Vorwurf der politischen Einseitigkeit freilich nicht. In den USA und in Österreich wird damit längst Politik gemacht.

Im öffentlich-rechtlichen ORF wurde soeben der Entwurf einer Dienstanweisung verschickt: Die „journalistischen und programmgestaltenden Mitarbeiter/innen des ORF“, heißt es laut „Standard“ darin, sollen auch auf ihren privaten Accounts auf öffentliche Äußerungen in sozialen Medien verzichten, die

„als Zustimmung, Ablehnung oder Wertung von Äußerungen, Sympathie, Antipathie, Kritik und ‚Polemik‘ gegenüber politischen Institutionen, deren Vertreter/innen oder Mitgliedern zu interpretieren sind“.

Explizit gewarnt wird vor Äußerungen, die eine „einseitige oder parteiische Haltung“ erkennen lassen. Begründet wird das etwa mit der Objektivität und der Wahrung der Glaubwürdigkeit des ORF.

Es ist quasi ein Social-Media-Maulkorb, wie er aus der konservativen ÖVP und der mit ihr regierenden rechten FPÖ seit Jahren im ORF-Stiftungsrat gefordert wird. Eineige ORF-Mitarbeiter sehen deshalb bereits ungarische Verhältnisse bevorstehen. Und nach Deutschland haben es die österreichischen Argumente auch schon geschafft: In der deutschen Einseitigkeits-Kritik geht es ebenfalls dezidiert um die Twitter-Aktivitäten von Mitarbeiterinnen der ARD.

Sendungsbewusst auf faz.net: Michael Hanfeld Screenshot: faz.net

Michael Hanfeld kommt vergangene Woche in der FAZ nach der Lektüre von Tweets, die die ARD-Journalistinnen Anja Reschke, Tina Hassel und Sonia Mikich von ihren persönlichen Accounts verschickt hatten, zu dem Schluss, sie würden auffallend „sendungsbewusst“ und „bevormundend“ agieren und auf Twitter „politische Meinungen vertreten, von denen man denken könnte, sie herrschten im öffentlich-rechtlichen Journalismus derart vor, dass man dort konträre Positionen mit der Lupe suchen muss“. Da ist er wieder: der Einseitigkeitsvorwurf.

Was hatten die Journalistinnen gemeint? Reschke hatte Markus Söders Begriff „Asyltourismus“ als falsch zurückgewiesen und vor einer Instrumentalisierung von Medien gewarnt, Hassel hatte Reschkes These beigepflichtet, dass die CSU in erster Linie an den bayerischen Wahlkampf denke, und Mikich hatte zudem die Übernahme von Horst Seehofers Begriff „Masterplan“ durch Journalistinnen und Journalisten kritisiert.

Natürlich sind das alles Tweets, die sich kritisch mit der CSU auseinandersetzen. Aber was wäre die Alternative? Sie nur aus Ausgewogenheitsgründen nicht zu schreiben? Kritik an der CSU, die – Stichwort „Asylgehalt“, Stichwort „Anti-Abschiebe-Industrie“ – gerade wahrlich Anlass gibt, sich mit ihren Äußerungen zu beschäftigen, wird kurzerhand zur Parteinahme für die Kanzlerin umgedeutet. Dem „Team Merkel“ (Alexander Kissler) wird „derber Alarmismus“ vorgeworfen, während Markus Söder, der bayerische Ministerpräsident von der CSU, kritische Fragen von Dunja Hayali mit dem Verweis auf eine „Belehrungsdemokratie“ kontert und Horst Seehofer deutschen Medien wenig später die Produktion von „Fake News“ vorwirft.

Es gebe die Forderung, dass, „wer sein Ge­halt aus Mit­teln be­zie­he, die wie eine Steu­er er­ho­ben wer­den“, eine „Neu­tra­li­täts­pflicht“ habe, schreibt Fleischhauer. Nur, was wäre eigentlich neutral? Die wurschtige Wiedergabe von Begriffen wie „Asyltourismus“, mit denen Söder Wahlkampf macht? Das Gerede von Merkels „Grenzöffnung“ zu übernehmen, die es angesichts ohnehin offener Grenzen nie gab? Ist es neutral, wie es Julian Reichelt von „Bild“ tat, Donald Trumps Lüge, die Kriminalität in Deutschland sei durch die Ankunft von Geflüchteten gestiegen, unkommentiert zu retweeten?

Es gibt für Journalistinnen und Journalisten im Grunde zwei Optionen, sich zu solchen Politiker-Statements zu verhalten: Man ordnet ein, fragt nach, kritisiert, bezweifelt, stellt richtig, deutet die dahinter steckende Strategie, kurz: Man macht seinen Job, was zwangsläufig in Interpretationen mündet. Oder man bläst einfach raus in die Welt, was von (regierenden) Politikern gesagt wird, und nennt das dann Neutralität oder Objektivität.

Würden sich die Öffentlich-Rechtlichen auf Letzteres kaprizieren, liefen sie Gefahr, zu Hofberichterstattern zu werden. Von ihren schärfsten Kritikern würden sie dann bei nächster Gelegenheit genau deshalb wieder als „Staatsfunk“ geschmäht. Aber dann wenigstens mal begründet.

28 Kommentare

  1. Kurz am Rande: dass Malte Pieper einen Nachfolger fordert statt einer Nachfolgerin kann man den Eigenheiten der deutschen Sprache zurechnen. Man kann es aber auch als Absicht ansehen. Bedenkt man, dass der ganze CSU-/ CDU-Streit auch von Sexismus geprägt ist, wäre hier eine offenere Formulierung vielleicht angebracht gewesen.

    Ob die Boulevardmedien ähnlich aktiv auf den Zug aufgesprungen wären, hätte Pieper eine Nachfolgerin gefordert?

  2. „Zum einen leiht sich „Bild“ die Seriösität, die der Marke „Tagesschau“ zugeschrieben wird….. Da kommt die scharfe Meinung eines ARD-Redakteurs, den man kurzerhand zur „Tagesschau“ erklärt, gerade recht.“

    Der Kommentar erschien auf tagesschau.de.
    Wem soll da irgendeine BILD-Zeitung noch die Marke klauen?

  3. „Ich habe nichts gegen Meinungsäußerungen im Fernsehen.“, wahrscheinlich äußern einige seiner besten Freunde ihre Meinung im Fernsehen. Aber diese Meinung ist nicht seine.

    Nebenbei, wenn ö.-r. Journalisten neutral sein müssen, weil sie von einer „steuerähnlichen“ Gebühr bezahlt werden, dann gilt das natürlich auch für Politiker.

    Offenlegung: ich werde zum Teil von der öffentlichen Hand bezahlt, also von Steuergeldern, und sollte von daher die Klappe halten, wenn die neutralen Journalisten von BILD und Co. reden.

  4. Ist schon bemerkenswert, dass sich die Rechtspopulisten vor den Karren der Privatmedien-Agenda spannen lassen.
    Zeigt aber auch nur wieder, dass die AfD und Konsorten eben keine Alternative sind, sondern willfähiges Sprachrohr des Turbokapitalismus.
    Aber Mindestlohn-Hannes hat ja auch nicht die Bildung, um das zu begreifen. „Hauptsache die Erdogan-Kuschler fliegen außer Nationalmannschaft, doh!“
    „Deutschländer Würstchen … labbrig, fad und grob von Gestern.“

  5. > Bedenkt man, dass der ganze CSU-/ CDU-Streit auch von Sexismus geprägt ist, wäre hier eine offenere Formulierung vielleicht angebracht gewesen.

    Genau, er hätte 1 (eins) Nachfolger*_in fordern sollen, um dem mittleren Dachschaden einer ganzen kleinen Clique selbstgerechter, ehrsüchtiger Personen des LGBTIQH+ „Spektrums“ (das H steht für Hetero und darf stimmlos bleiben) die angemessene Reverenz zu erweisen.

  6. >Nebenbei, wenn ö.-r. Journalisten neutral sein müssen, weil sie von einer „steuerähnlichen“ Gebühr bezahlt werden, dann gilt das natürlich auch für Politiker.

    Dass es zwischen diesen beiden Gruppen einen wesentlichen Unterschied gibt (nicht zuletzt, weil einen über die anderen neutral berichten sollen), merkst du selber, oder?

  7. Viel wichtiger an dem Kommentar von Malte Pieper, dessen Zusammenfassung ich nur kenne.
    All das, was Herr Pieper da anspricht, ist all das, wofür die Bundeskanzlerin damals beklatscht wurde – von den Konservativen:
    – Verbrannte Erde in Europa aufgrund des harten Auftretens Deutschlands in der Schuldenkrise gegenüber Griechenland, Portugal und Spanien.
    -Hilfsverweigerung gegenüber zum Beispiel Italien als das Thema Flucht noch ein Problem von Libyen aus war.
    – Nun kein Rückhalt mehr innerhalb der EU, da die deutsche Regierung in den letzten 10 Jahren zu hart war.

    All das wurde von den Konservativen beklatscht, weil sie damals schon kein Weitblick hatten und ebenso viele Journalisten nicht. Man muss sich jetzt aber auch mal die Mühe machen und schauen, wie Malte Pieper die damalige Politik der Merkel-Kabinette kommentiert hatte und ob er heute aus schon damaliger Überzeugung so kommentiert oder nur, weil man hinterher immer schlauer ist.

    Dass einE BundeskanzlerIn wegen einer humanitären Katastrophe scheitert, die die anderen nicht lindern wollen, und nicht weil man sich zum Beispiel für einen Krieg (2003 noch vor der Regierungszeit) aussprach oder dem Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg aus der Atomkraft beschloss ist sehr traurig.

  8. >Aber Mindestlohn-Hannes hat ja auch nicht die Bildung, um das zu begreifen.

    Darf ich der Hoffnung Ausdruck verleihen, dass „Mindestlohn-Hannes“ und seine Klassenbrüder und Schwestern sich dereinst für die in dieser Weise zum Ausdruck gebrachte Verachtung der „sozial Schwachen“ durch der den dicken Max markierenden Kleinbürger rächen wollten?

    Sie müssten sich halt organisieren, und damit meine ich *nicht* die AfD.

  9. @RKTFD:
    „Neutralität“ soll hier wohl das Fehlen einer persönlichen politischen Meinung heißen, denn sonst würde man keinen Kommentar – also ein als persönliche Meinung gekennzeichneter Beitrag – kritisieren.
    Auf die Politik übertragen hieße das, dass Politiker auch keine eigene politische Meinung haben dürften, schließlich sollen die ja die politische Ansichten ihrer Wähler umsetzen.

    Wenn Sie jetzt darauf hinauswollen, dass Wahlen ja dafür da sind, dass die Meinungen der gewählten Politiker zahlenmäßig ungefähr denen der restlichen Bevölkerung entsprechen, jaaa, riiichtiiiig.
    Entsprechende Mechanismen gibt es auch im ö.-r. Funk und Fernsehen:
    „Neutralität“ wird hergestellt, dass unterschiedliche Journalisten mit unterschiedlichen Meinungen dort arbeiten, die sich gegenseitig „neutralisieren“, nicht lauter Journalisten OHNE Meinung. Für nicht-erwähnte Geschlechter gilt sinngemäß dasselbe.

  10. >„Neutralität“ soll hier wohl das Fehlen einer persönlichen politischen Meinung heißen, denn sonst würde man keinen Kommentar – also ein als persönliche Meinung gekennzeichneter Beitrag – kritisieren.

    Nee, deshalb habe ich „berichten“ geschrieben, nix Kommentar.
    Ansonsten siehe die „Framing“ Diskussion (da ist was los, wenn die Journaille mal wieder ein Wort gelernt hat, wie die Erstsemester, schlimm; siehe auch „Shitstorm“.)
    Wahlen sind hierzulande dafür da, dass der Wähler seine Stimme abgibt (dann hat er sie nicht mehr), und dann im Sinne des nationalen Interesses bezüglich Geschäft & Gewalt für die Dauer Legislaturperiode sein Maul hält und sich in sein Schicksal fügt.

    Die Besetzungen der Rundfunkkommisionen mit „gesellschaftlich revelanten Gruppen“, also Parteien & Pfaffen sind mir bekannt.

  11. @RKTFD:
    Ich habe meine Stimme behalten, obwohl ich wählen war. Magic!

    Die Kritik an mangelnder Neutralität kommt vor allem von Leuten, deren Parteilichkeit recht deutlich ist, was vermuten lässt, dass mit mangelnder Neutralität mehr mangelnde Zustimmung gemeint ist.

    Dass Sie jetzt einen Kommentar kritisieren, hatte ich nicht gemeint, aber BILD nimmt einen Kommentar zum Anlass, über die sonstige, angeblich oder tatsächlich einseitige Berichterstattung von ZDF und ARD herzuziehen. Was ebenfalls zwei Vermutungen Futter gibt, a: BILD kennt den Unterschied zwischen Meinung und Berichterstattung nicht, oder geht b: stillschweigend davon aus, das BILD-Leser den Unterschied nicht kennen und auch nicht erklärt bekommen sollten.

  12. Natürlich bin *ich* parteilich, was denn sonst. Und *mein* Egoismus wird halt am besten mit einer nüchternen, auf Neutralität bedachten Berichterstattung bedient (… und einer vernünftigen eingerichteten, planwirtschaftlichen Produktionsweise :).

    Ich bin doch nicht das personifizierte Gemeinwohl der Volksgemeinschaft; die kryptofaschistischen „Gemeinnutz geht vor Eigennutz“ (https://en.wikipedia.org/wiki/Glossary_of_Nazi_Germany) Sager können mich mal.

  13. Diese Schlagzeile wird aus gutem Grund kritisiert. Aber den allgemeinen Ausführungen des Autors will ich nicht zustimmen. Wenn ich den „Freitag“ kaufe, erwartet mich ein linkes Weltbild. Bei der „Jungen Freiheit“ herrscht eine rechte Sicht der Dinge vor. Abgeschwächt trifft das auch auf „SZ“ und „FAZ“ zu. Das ist in Ordnung so. Ich lese freiwillig diese oder jene Zeitung oder keine.
    Aber beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist das anders. Jeder Haushalt muss ihn bezahlen. Deshalb ist Pluralität in der Berichterstattung und bei der Meinungsbildung zu gewährleisten. Wie das zu realisieren ist, lautet die Frage. Wer hat gute Vorschläge?

  14. 13/ Heinz: Naja, indem man ihn mal guckt und feststellt, dass auch da ganz verschiedene Ansichten aufeinander prallen. Ich seh da jetzt den Mangel nicht, der durch Vorschläge verbessert werden muß. Nicht bei einer Sendergruppe, wo es eine Nachricht wert ist, wenn man Gauland in einzelnen Fällen NICHT mehr einlädt.

  15. >Wer hat gute Vorschläge?

    Man könnte damit *anfangen*, Gniffke (überfällig) und Leopold (versehentliche Einstellung) rauszuschmeissen.

  16. Mit der Vielfalt der Meinungen in den Öffentlich-Rechtlichen habe ich im Allgemeinen keine Probleme. Und das sage ich als jemand, dem die Kommentare üblicherweise nicht links genug sind. Dafür gibt es andere Medien.

    Ich teile aber die Nachdenklichkeit des Autors in Bezug auf eine geforderte „Objektivität“: Begriffe und Sichtweisen von Politikern zu übernehmen ist eine klare Parteinahme; kritische Einordnung von Journalisten erfordert Distanz und eine Problematisierung von politischen Schlagworten wie der „Anti-Asyl-Industrie“. Die ganze Objektivitätsdebatte stammt von der Illusion, dass es zwischen den politischen Hufeisenextremen eine neutrale Mitte für Berichterstattung gibt. Ich erwarte, dass Medien, auch die Öffentlich-Rechtlichen, sich nicht politisch nach rechts bewegen, bloß weil die CSU mit rechter Rhetorik versucht, den politischen Diskurs zu beeinflussen. Was ist mit den ganzen Erkenntnissen über rechte Diskursstrategien wie der Verschiebung der Grenze des Sagbaren? Nichts draus gelernt?

  17. -> “ Es gebe die Forderung, dass, „wer sein Ge­halt aus Mit­teln be­zie­he, die wie eine Steu­er er­ho­ben wer­den“, eine „Neu­tra­li­täts­pflicht“ habe, schreibt Fleischhauer. Nur, was wäre eigentlich neutral? Die wurschtige Wiedergabe von Begriffen wie „Asyltourismus“, mit denen Söder Wahlkampf macht? Das Gerede von Merkels „Grenzöffnung“ zu übernehmen, die es angesichts ohnehin offener Grenzen nie gab? “

    Neutrale Berichterstattung gibt es nicht. Alles was öffentlich-rechtliche Journalisten dann neutral nennen an ihrer Berichterstattung wäre falsch, intransparent und unehrlich. Warum sollte man dann überhaupt mit so einer angeblichen Neutralität um die Ecke kommen?
    Gerade Fleischhauer als Kolumnist und konservative Stimme sollte es besser wissen. Musste der Spiegel doch zuletzt noch betonen, dass ein einzelner Kommentar nie die Meinung des ganzen Hauses widerspiegelt – aufgrund eines Fleischhauer-Kommentars. Aber der ist ja eh…

  18. „Aber beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist das anders. Jeder Haushalt muss ihn bezahlen. Deshalb ist Pluralität in der Berichterstattung und bei der Meinungsbildung zu gewährleisten. Wie das zu realisieren ist, lautet die Frage. Wer hat gute Vorschläge?“

    Kann ich ja nachvollziehen, aber: Zwischen Neutralität und Pluralität ist doch ein Riesenunterschied. Es ist was ganz anderes. Aus der Prämisse heraus, dass keine Berichterstattung neutral sein kann, sollte man einfach fordern, dass heute der eine Kommentar in Richtung x geht und morgen der andere Kommentar in Richtung y.
    Alle Meinungen abzubilden, das tut die ARD. Da muss man sich nur mal die letzten tagesthemen-Kommentare von Stempfle und Nitsche anhören. Komplett konträre Positionen.
    Also: Neutralität nein, Pluralität ja – so wie es gerade der Fall ist. Fast vielleicht. Die sollten sich manchmal noch mehr nach links trauen. Der BR deckt ja rechts schon alles ab.

  19. Politiker – vor allem von der rechten Seite – kommen mir oft vor, wie Fußballer. Und die Medien sind der Schiri. Man verzeihe, wenn der Vergleich so kurz nach dem Ausscheiden der deutschen Elf aus der WM Wunden aufreißen sollte. Aber ist es nicht so, dass man sich mehr oder minder klammheimlich freut, wenn das selbst begangene Foul (in der Politik gleichzusetzen mit verbalen Entgleisungen) unbeachtet bleibt? Wird man aber selbst gefoult (verbale Entgleisungen des Gegners) und der Schiri ignoriert es – oder begeht man eine Schwalbe („Asyltourismus“, „Asylgehalt“) und der Schiri ahndet (ignoriert) es, wälzt man sich theatralisch auf dem Boden. Das Ziel: Mitleid bei Sympathisanten erwecken. Kein Wunder, dass die dann im Stadion immer lauter singen: „Schiri, wir wissen wo dein Auto steht“. (https://uebermedien.de/29322/afd-kyffhaeusertreffen-teilnehmer-bedrohen-und-attackieren-journalisten/)

  20. @20:
    Zur Fußball-Analogie: Nur, dass es nicht einen Schiedsrichter, sondern Tausende gibt und jeder seine Interpretation des Fouls zum Besten gibt.
    Genau das ist ja ein Zeichen für funktionierenden Pluralismus.
    Jede Gruppe hat da seinen Lieferanten für den entsprechenden confirmation bias.

    M. E. hört es dann auf, wenn nicht mehr über rot/gelb/Vorteil gesprochen wird, sondern ob überhaupt ein Foul stattfand.

    Sprich: Über Interpretation kann man streiten, (soll man auch in einer Demokratie!) nicht aber über die Fakten an sich.

    Eben deshalb ist die autokratische „You are Fake-News“ Stategrie eines Trump ja so gefährlich.

  21. Auch mal so am Rande: Das ist doch nicht das erste Mal, dass der Fleischhauer andere Beiträge mehr oder minder „abschreibt“, also Idee/Thema und ganze Formulierungen klaut, um sie als eigene Leistung zu verkaufen? Oder habe ich das falsch in Erinnerung? Das würde mich also Auftraggeber (Spiegel bzw. SpON) ja schon extrem anko..en, wenn ich das mitbekäme. Als Leser liebe ich es hingegen, wenn diese konservativen, arroganten, angeblichen „Leistungsträger“ dabei erwischt werden, wie sie schlicht und einfach abschreiben.

  22. @Anderer Max: Danke fürs Weiterspinnen der Fußball-Analogie. Ich bin da vollkommen bei ihnen, beim Pluralismus hinkt der Vergleich.

  23. Vielleicht spricht doch etwas für die ORF Social Media Regeln. Immerhin macht die New York Times ihren Korrespondenten im Weissen Haus ähnliche Vorschriften. Glenn Thrush musste im Sept 2017 wegen mangelnder Zurückhaltung seinen Twitter Account zwischenzeitlich still legen.

    Auch wenn die ORF Regeln dem Versuch entspringen, öffentlich-rechtliche Medien sturmreif zu schießen, ganz abwegig ist die Idee nicht, dass man sich mit Twitter Kommentaren schnell seine Glaubwürdigkeit verspielt.

  24. Wie heißt der Schlachtruf der Antifa, Es gibt kein Recht auf Merkelpropaganda, bei Fratzenbuch wäre Merkel schon längst gesperrt wegen Verbreitung von Fake-News

  25. @25: Es gibt nicht „Die Antifa“. Das ist ein ausgedachtes Feindbild der AfD zum Abfackeln von Strohmännern.
    Selbstverständlich hat die Regierung, vertreten durch die Regierungschefin Angela Merkel das Recht auf Kommunikation / Propaganda.

    „Fake-News“ scheinen sich am „confirmation bias“ der zitierenden Person zu orientieren. Sprich: Was nicht in mein Weltbild passt, ist Fake News.
    Nur sollte man dann mit der „Rechtsstaat!“ Argumentation aufpassen ;)

  26. @26
    „Es gibt nicht „Die Antifa“. Das ist ein ausgedachtes Feindbild der AfD zum Abfackeln von Strohmännern.“

    Auf „indymedia“ war heute, 7:54 Uhr, zu lesen:
    „Wendland [DAN] Autos von AfD-MdB von Gottberg angezündet“
    (von: gruppe gottberg hurra – Themen: Antifa).

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