Julian Reichelts abwegige Verteidigung

Können wir nochmal kurz über „Bild“-Chef Julian Reichelt reden?

Ich komme nämlich immer noch nicht über dessen Erklärung hinweg, warum es richtig gewesen sei, den angeblichen Mailwechsel von Juso-Chef Kevin Kühnert mit einem ebenso angeblichen Russen vor zwei Wochen groß zum Thema in der Zeitung zu machen, obwohl alles dafür sprach, dass dieser Mailwechsel nicht echt war. Reichelt behauptet, dass sich die Redaktion zunächst „nach langer Diskussion“ einstimmig entschieden hatte, über die vermeintlichen E-Mails nicht zu berichten, die ihr (von der Satirezeitschrift „Titanic“, wie sich später herausstellen sollte) zugespielt worden waren:

Dies änderte sich, als die Justiziarin der SPD „Bild“ am Nachmittag telefonisch und schriftlich kontaktierte. Sie informierte die Redaktion, dass die SPD prüfe, in der Angelegenheit Strafanzeige gegen Unbekannt zu stellen. (…)

Die Tatsache, dass die SPD inmitten ihrer bundespolitisch relevanten Mitgliederbefragung eine Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Verleumdung des Juso-Vorsitzenden stellt, betrachtet „Bild“ weiterhin als relevanten und berichtenswerten Vorgang.

Am Donnerstag um 16.15 Uhr beschloss BILD deshalb, über die Strafanzeige der SPD und deren Anlass, die E-Mails, zu berichten.

Das ist ein toller Dreh, ein Fall für Lehrbücher – nicht für seriöse Journalisten; für Verschleierungskünstler.

Selbst Reichelt schafft es anscheinend nicht, eine gute Rechtfertigung dafür zu finden, einen ganz offensichtlich gefälschten Mailwechsel zu veröffentlichen, der den Juso-Chef inkriminieren soll. Deshalb verschiebt er die Begründung. Von den dubiosen Mails, deren Echtheit höchst zweifelhaft ist, auf etwas, das zweifellos stimmt: Die SPD prüft, einen Strafantrag zu stellen.

Er schafft es auf diese Weise auch, dass die SPD, die mit den Mails nichts zu tun hat, trotzdem verantwortlich scheint für die für sie unangenehme Veröffentlichung: Hätte sie nicht geprüft, einen Strafantrag zu stellen, hätte „Bild“ – wenn man Reichelt glauben will – auch nicht berichtet.

Diese Verteidigung ist, wenn man sich den Ablauf vergegenwärtigt, völlig abwegig.

Am Mittwochnachmittag, 14. Februar, bekommt „Bild“ nach eigener Darstellung die Mails. Am Donnerstagvormittag konfrontiert sie Kühnert und seinen Pressesprecher Benjamin Köster mit dem Vorwurf, dass Kühnert in dieser Weise mit russischer Unterstützung gegen den damaligen SPD-Chef Martin Schulz und die Fortsetzung der Großen Koalition kämpfe. Sie schickt diesen Screenshot mit:

„Bild“ setzt für die Antworten eine Deadline bis zum Abend – ein Zeichen für die Leute in der Pressestelle, dass die „Bild“ eine Berichterstattung in der nächsten Ausgabe plant. Köster antwortet schnell noch am Vormittag:

Sehr geehrter Herr Piatov,

die Mail ist aus verschiedenen Gründen unauthentisch:

– Wir würden niemals auf solche Methoden zurückgreifen.

– Der Schreibstil entspricht nicht dem von Kevin Kühnert (sein Englisch ist nicht besonders gut, er unterschreibt nie mit „Kev“)

– Bei den Mailadressen „@jusos.de“ des Juso-Bundesvorstandes handelt es sich um fixe Weiterleitungen des SPD-Mailservers. Es ist technisch überhaupt nicht möglich eine Mail von der Juso-Adresse zu schreiben. Erscheinen würde „kevin.kuehnert@spd.de“.

Wir haben dennoch im Büro gerade nochmal sowohl das SPD-Postfach, als auch das private Mail-Postfach von Herrn Kühnert gecheckt – eine solche Mail liegt uns nicht vor.

Falls Sie noch Fragen haben, können Sie sich gerne an mich wenden.

Dass bei „Bild“ daraufhin – angeblich – beschlossen wird, über die Sache nicht zu berichten, weiß man in der SPD-Zentrale nicht. Man hat eine Frage von „Bild“ vorliegen zu einem ungeheuren Vorwurf gegenüber dem Juso-Chef. Man hat einen Screenshot aus der Mail. Man hat eine Deadline.

Auf dieser Grundlage beschließt die Justiziarin am Nachmittag, der „Bild“-Redaktion mitzuteilen, dass man juristische Schritte prüfe. Man kann das als Versuch deuten, der Zeitung unmissverständlich deutlich zu machen, dass die Mails nicht echt sind. Man kann es aber auch als reine Selbstverständlichkeit sehen: Wenn jemand Mails von einem Parteifunktionär fälscht und versucht, via „Bild“-Zeitung in die Öffentlichkeit zu bringen, liegt der Verdacht auf eine Straftat nahe, und der richtige Schritt ist dann, die Behörden zu informieren.

Die SPD tut das an diesem Nachmittag noch nicht; sie kündigt gegenüber „Bild“ nur an, diesen Schritt zu prüfen, aber „Bild“ genügt – angeblich – schon das, um die Frage völlig neu zu bewerten, ob sie die Story mit den Mails veröffentlichen soll.

Dabei hat sich substanziell natürlich nichts verändert. Die SPD weiß nichts über die Mails außer dem, was „Bild“ ihr gezeigt hat. Sie hat keine eigenen Erkenntnisse und kann sie auch nicht haben. Alles was sie weiß, ist, dass „Bild“ vermutlich plant, darüber zu berichten.

Wenn Julian Reichelt so tut, als mache die SPD-Ankündigung, einen Strafantrag zu prüfen, aus einer windigen Geschichte eine Nachricht, über die man in jedem Fall berichten dürfe, ist das selbstverständlich Unsinn. Die SPD hat damit ausschließlich auf das reagiert, was die „Bild“-Zeitung ihr erzählt hat und das war, woran es damals schon kaum einen Zweifel gab, Unsinn.

Aber mit der Methode können „Bild“-Journalisten über jedes noch so haltlose, jedes noch so rufschädigende erfundene Gerücht berichten, das ihnen irgendjemand in böser Absicht zuspielt: Sie konfrontieren den Betroffenen damit, und wenn der ankündigt, prüfen zu wollen, ob er sich auch juristisch gegen die falsche Unterstellung wehrt – ist es scheinbar legitim, darüber zu berichten.

Nachdem die „Bild“-Redaktion also – angeblich – schon beschlossen hatte, über die Sache nicht zu berichten, entscheidet ihr Chefredakteur Julian Reichelt nun, daraus eine gewaltige Titelgeschichte zu machen. (Reichelt mag bis heute auch nicht einräumen, dass diese Entscheidung auch angesichts der damaligen Informationslage falsch war. Er schafft es nur zuzugeben, dass es keine Schlagzeile gewesen wäre, wenn man gewusst hätte, dass die „Titanic“ hinter den gefälschten Mails steckt.)

Reichelt betont, dass „Bild“ im Artikel auch erwähnt habe, dass Kühnerts Erklärung gegenüber „Bild“ „plausibel“ klingt. Für diese vermeintlich so entscheidende Information fand „Bild“ Platz in einem Bildtext (siehe Markierung rechts).

Am 16. Februar, dem Tag, an dem dieser Artikel erscheint, konfrontiert die „Bild“-Zeitung die SPD mit dem Header der vermeintlichen Mails, aus dem die IP-Adressen hervorgehen, über die die Mail verschickt worden sein soll. Ein SPD-Sprecher teilt „Bild“ daraufhin noch am selben Tag mit:

„Der Mailverkehr ist und bleibt eine Fälschung. Die angegebenen Server/Security-Gateways werden seit über einem Jahr nicht mehr verwendet. Wir haben dennoch alle SPD-Mailserver sorgfältig geprüft und haben keinerlei Hinweis darauf, dass es einen solchen Mail-Wechsel über unsere Server gab.“

Die „Bild“-Zeitung bringt diese Informationen erst drei Tage später, in der Ausgabe vom 20. Februar. „Neue Erkenntnisse in der E-Mail-Affäre um Juso-Chef Kevin Kühnert“, verspricht sie da. Der Artikel macht den vermeintlichen Skandal aber nicht kleiner, sondern noch größer: Auf der Grundlage der Server-Header behauptet ein „Cyber-Security-Professor“, dass die Mail „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ von jemandem „mit Zugang zu Systemen der SPD“ verfasst wurde. „(…) Wurde ein SPD-Computer von Hackern missbraucht?“, fragt „Bild“.

Nachdem die „Bild“-Zeitung für ihren ersten Artikel von vielen Seiten heftig kritisiert wurde, hat sie also recherchiert – und liegt nun eher noch eine Spur weiter weg von der Wahrheit als vorher.

Trotzdem behauptet „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt später, sein Blatt sei „nicht reingefallen auf das, was man uns unterjubeln wollte. Nämlich dass der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert mit den Russen kollaborieren würde“. Reingefallen ist sein Blatt aber natürlich auf die Verbindung der Mails zur SPD – obwohl alles dagegen sprach.

Es lohnt sich, noch einmal festzuhalten, wie Reichelt im Interview mit dem „Spiegel“ die Schlagzeile „Schmutz-Kampagne bei der SPD“ rechtfertigt, obwohl es ja nur eine Schmutz-Kampagne bei „Bild“ gab:

SPIEGEL: Aber Sie schrieben auf Seite eins von einer „Schmutz-Kampagne bei der SPD“…

Reichelt: Ja. Denn die Mails waren geschrieben im Namen der SPD.

SPIEGEL: Aber sie stammten nicht von der SPD. „Titanic“ will sie geschrieben haben.

Reichelt: Aber im Namen von Kevin Kühnert. Wenn ich Mails eines SPIEGEL-Redakteurs fälsche, ist das auch eine Kampagne, die beim SPIEGEL spielt.

SPIEGEL: Das ist eine sehr weitgehende Auslegung.

Reichelt: Das ist meine Auslegung.

Die Dinge sind so, wie Reichelt sie auslegt. Voraussetzung, etwas „Betrug“ zu nennen, ist für ihn nicht, dass etwas Betrug ist:

Reichelt: Ich empfinde [die „Titanic“-Aktion] als hoch professionell organisierten Betrug.

SPIEGEL: Betrug ist ein Straftatbestand.

Reichelt: Wenn wir juristisch werden wollen, haben Sie recht, aber das meine ich nicht. „Titanic“ hat in bösartiger Weise versucht, uns falsche Fakten unterzujubeln.

Das ist übrigens Alltag im Journalismus: Leute wollen einem ihre Geschichten verkaufen, mal leicht zu ihren Gunsten geschönte Versionen der Wahrheit, mal komplette Erfindungen. Dass Journalisten gelegentlich darauf hereinfallen, lässt sich nicht immer vermeiden, aber so zu tun, als sei es etwas Außerordentliches, dass jemand versucht, eine Redaktion in die Irre zu führen, ist Unsinn.

PS: Einen bemerkenswerten Einblick in das Denken des „Bild“-Chefredakteurs hat übrigens auch sein Auftritt bei „Hart aber fair“ gegeben. Dort sagte er zum Thema des sexuellen Missbrauchs von Kindern:

Haben Sie schon einmal gehört, dass ein Mensch, der ein Kind vergewaltigt hat, das zum ersten Mal getan hat? Es muss ihn statistisch geben, natürlich. Ein unbescholtener Bürger, der ein Kind zum ersten Mal vergewaltigt? Das gibt es nicht. Da gibt es einfach nicht. Wenn Sie über Kinderschänder und Kindervergewaltiger lesen, lesen Sie immer in dem Bericht: Das hat er das letzte Mal übrigens vor fünf Jahren gemacht.

Man beachte die kurze Sekundenwachheit, in der sich die Erkenntnis bahnbricht, dass es schon rein statistisch gesehen schwierig ist, dass ein Täter nie eine erste Tat begeht, sondern immer gleich die zweite oder dritte. Und wie erfolgreich Reichelt diesen Gedanken dann komplett wieder verdrängt.

Dieses Talent scheint eine gute Qualifikation für die Position des „Bild“-Chefredakteurs zu sein.

21 Kommentare

  1. Ich verstehe das Phänomen Julian Reichelt nicht. Es muss Personen geben, die ihn ernst nehmen und in Talkshows einladen und dann denken, sie könnten mit ihm diskutieren. Rein statistisch natürlich. Ich meine wieso setzt sich bei den Medien nicht die Erkenntnis durch, dass mit dieser Person und diesem Medium nicht zu reden ist? Kein Journalist nimmt RTL oder Fox ernst, aber BILD ist okay? Was stimmt nicht mit den Leuten.

  2. @#1
    „Kein Journalist nimmt RTL oder Fox ernst, aber BILD ist okay? Was stimmt nicht mit den Leuten.“

    Eine (mögliche) Antwort darauf, geben Ihnen evtl. „Die Ärzte“ in „Lasse redn“*. Daraus:
    „Lass die Leute reden und lächle einfach mild
    Die meisten Leute haben ihre Bildung aus der Bild
    Und die besteht nun mal, wer wüsste das nicht
    Aus Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht“.
    *[Album „Jazz ist anders“, Die Ärzte, Text: Farin Urlaub, November 2007]

  3. Das Beste ist ja dieses Zitat von Julian Reichelt:

    „Wenn ich Mails eines SPIEGEL-Redakteurs fälsche, ist das auch eine Kampagne, die beim SPIEGEL spielt.“

    Mit der gleichen Plausibilität könnte man sagen, dass, wenn die BILD angelogen wird, dies eine Kampagne ist, die „bei der Bild spielt“. Man könnte zu der Titanic-Aktion dann also titeln: „Lügen-Kampagne bei der Bild“.

    (Wobei das von Seiten der Titanic natürlich keine „Lügen-Kampagne“ ist, sondern ein sehr gelungener Streich: Man war der BILD-„Zeitung“ dabei behilflich, sich so zu präsentieren, wie sie eben ist, und jenen „Journalismus“ zu praktizieren, der ihr eigen ist.)

    Wenn die Mails, die in Kühnerts Namen geschrieben wurden, überhaupt eine Berichterstattung gerechtfertigt hätten, dann höchstens eine sehr vorsichtige. Dass die Vorhaltungen gegen Kühnert unbewiesen und nicht sonderlich plausibel sind, hätte im Text in prominenter Weise (!) herausgestellt werden müssen. Es hätte schon in den Überschriften deutlich werden müssen.

    Ohne ein extremes Maß an Sophistik und moralischer, äh, „Gleichgültigkeit“ kann man sicherlich keinen verantwortlichen Posten in der Bild-„Zeitung“ bekommen. Écrasez l’infâme!

  4. Es ist auch mir vollkommen unerklärlich, wie jemand mit einer Persönlichkeitsstruktur wie Julian Reichelt in eine solche Position kommen kann.

  5. MIKEFROMMFFM: Ein Phänomen ist es sicherlich, aber ein erklärbares. Das ist wie bei dem Märchen „Des Kaisers neue Kleider“. Die, die sich im Dunstkreis der Macht sich aufhalten und wissen, dass der Herrscher nackt ist, schweigen, weil sie ihre eigene Unzulänglichkeit nicht offenbaren wollen (oder auf seinen Posten spekulieren bzw. von dessen Dummheit profitieren); die, die fern der Macht sind, die Wahrheit aber erblicken, sagen auch nichts, weil sie fürchten, ausgelacht zu werden. Und so wird jemand wie Reichelt, den einen Journalisten zu nennen, der Anstand verbietet, eben Chefredakteur einer Zeitung, die so zu nennen ebenfalls unanständig ist. Und da er auch immer wieder als „Journalist“ zitiert und sein Blatt als „Zeitung“ erwähnt wird, ruft auch niemand „Der ist ja nackt“.

  6. für mich bestätigt diese Geschichte einmal mehr, dass es sich bei Julian Reichelt um einen ausgemachten Dummkopf handelt, dem eine gewisse Schläue allenfalls in seiner Verschlagenheit zugestanden werden kann.

  7. Hallo,
    das ist doch noch viel einfacher!
    Die Verantwortlichen (Eigentümer), die noch über diesem Herrn sitzen,
    möchten und billigen, daß so berichtet wird, wie es halt in diesem Blatt steht.
    mfg Jürgen

  8. Mir ist dieser Herr Reichelt unheimlich. Solch ein Mensch in einer solchen Position ist brandgefährlich. Man stelle sich vor, der hätte in der Politik was zu sagen. Da hätten Trump und Erdogan ihren populistischen Meister gefunden. Ich denke Herr Reichelt muss mit seiner Art irgend etwas kompensieren. Komischer Mensch.

  9. Es gab mal eine Zeit, da hatte der Name Reichelt einen guten Klang und man konnte ihn mit einigem Stolz tragen.
    Dann jedoch wurde ein Träger dieses Namens Chef von „BILD“…!

    Jetzt verstehe ich auch viel besser, was Leute die Diekmann heißen jahrelang durchgemacht haben müssen!

  10. Wie ungerecht doch diese Welt ist:
    Der unfähige, unmoralische Julian verdient sich dumm und dämlich, während die, die es aufgrund ihrer Fähigkeiten und ihrer moralisch einwandfreien Haltung verdient hätten, wenig bis nichts verdienen.

  11. es waren: E-MAILS! E-MAILS! E-MAILS! -MAILS! E-MAILS !E-MAILS!E-MAILS! E-MAILS! E-MAILS! E-MAILS!E-MAILS!E-MAILS!E-MAILS!E-MAILS!E-MAILS!E-MAILS!E-MAILS!E-MAILS!E-MAILS!E-MAILS!

    Mails werden per Post verschickt! Wie blöd ist das denn…? Lernst es doch endlich mal!

  12. Chefredakteure wie Kai Diekmann waren schon so gewissenlos wie gewinnorientiert.
    Aber Reichelt ist halt auch noch ein schlechter Lügner.

  13. @13

    Wie blöd ist das denn…?

    So richtig blöd ist es, wenn man sich blöd stellen muss, um sein „Argument“ unterzubringen.

  14. Ich finde diese „geheuchelte Naivität“ am schlimmsten.

    Wenn jemand BILD belastendes Material über den Juso-Chef zuschickt, und BILD diesen „jemand“ _nicht_ kennt, sind mehrere Szenarien möglich:

    – der Mail-Verkehr ist echt, jemand in der SPD will, dass das öffentlich wird (anstatt das Kühnerts parteiinternen Gegnern zuzuspielen).
    – der Mail-Verkehr ist echt, jemand außerhalb der SPD will das öffentlich machen, um der SPD im Ganzen zu schaden
    – der Mail-Verkehr ist nicht echt, jemand in der SPD will Kühnert loswerden
    – der Mail-Verkehr ist nicht echt, jemand außerhalb der SPD will der SPD schaden
    – jemand erlaubt sich einen Scherz mit der BILD

    Drei zu zwei Szenarien, dass das nicht echt ist. Jetzt haken die bei der SPD nach, wo erklärt wird, dass der Mail-Verkehr in der Form nicht plausibel ist. Jetzt kann es natürlich sein, dass Kühnert IMMER mit „Kev“ unterschreibt und super englisch beherrscht*, aber um das herauszufinden, müsste man andere, unabhängige Quellen bemühen, herumtelefonieren oder sonstwas machen. Wie heißt das Ding? Recherche?

    *meinem inneren Verschwörungstheoretiker fällt ein, dass der für seine dubiosen Machenschaften im Ausland sein Englisch gegenlesen lässt und – zur besseren Abwieglung, falls er erwischt wird – uncharakteristischerweise mit „Kev“ unterschreibt, logisch. Aber ein wahrhaft kriminelles Genie würde überhaupt nicht seine Berufs-Mail-Adresse verwenden.

  15. Ein Chefredakteur der Bild soll ein integrer Mensch sein? Geht nicht. Er ist so, wie es gebraucht wird. Das eigentlich Beunruhigende ist doch, dass Millionen wahlberechtigter Staatsbürger dieses Produkt täglich konsumieren. Weder an dem Produkt noch an seinen Konsumenten ändert sich auch nur ein Hauch, wenn bei der Produktion nur noch halb so viel gelogen wird.

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