Mehr zum CSD-Anschlag
Wie egal es ist, was die Nachbarn so sagen, und wie problematisch, Angehörige eilig zu interviewen

Was nicht alles über ihn berichtet wurde! Wie er heißt, wo er wohnte. Welche Schule er besucht hat. Wo er Fußball spielte. Wie er sich den Nachbarn gegenüber verhielt. Man konnte sogar nachlesen, was seine Mutter in einem Späti regelmäßig einkaufte.
Journalisten haben unzählige Artikel mit Details aus dem Leben von Abdoul B. gefüllt, dem 21-jährigen, inzwischen von der Polizei getöteten Mann, der den Anschlag auf den Berliner CSD begangen haben soll. Aber was weiß man über die Menschen, die bei der Tat getötet oder schwer verletzt wurden? So gut wie nichts.
Sie sind anonyme Statistik: 31 Menschen wurden verletzt, einige davon schwer. Eine Frau wurde getötet, 65 Jahre alt, aus Polen. Viel mehr ist nicht bekannt.
Der frühere Regierungssprecher und ehemalige deutsche Botschafter in Israel, Steffen Seibert, hat dieses Missverhältnis kürzlich im Interview mit dem „Zeit Magazin“ beklagt:
„Dass weder die getötete Frau noch irgendeiner der Verwundeten ein Gesicht bekommen hat, dass das völlig unpersönlich bleibt und wir stattdessen in die letzten Verästelungen des Lebens des Täters hineinsteigen, das hat mich maximal befremdet.“
In Israel, sagte Seibert, hätte man bereits am Tag nach dem Anschlag erfahren, „wie die Frau hieß, was ihre Geschichte war und was ihre Familie sagt“. Bei einem Attentat getötet zu werden, sei „auch immer eine öffentliche Tragödie“.
Nun ist Deutschland nicht Israel, wo man ganz anders mit Anschlägen umgeht, mit Trauer und Opfern. Und man kann auch darüber diskutieren, ob es notwendig ist, kurz nach einer Tat alles über die Opfer zu erfahren. Denn natürlich hat es Sinn, Opfer und ihre Identität zu schützen. Steht auch so im Pressekodex: Namen und Fotos können veröffentlicht werden, jedoch nur mit der Zustimmung von Betroffenen oder Angehörigen.
Grundsätzlich trifft Seiberts Kritik aber einen Punkt, über den häufig diskutiert wird: dass Terroristen oder Amokläufern, die mit ihren Taten immer auch mediale Prominenz zu erreichen suchen, zu viel Aufmerksamkeit geschenkt wird – und es besser wäre, intensiver die Folgen ihrer Taten zu beleuchten. Um die Opfer aus der Anonymität zu holen, ihnen eine Stimme zu geben, damit sie nicht hinter der breit erzählten Geschichte des Täters verschwinden. Und um öffentliche Anteilnahme zu ermöglichen. Mitgefühl und Solidarität entstehen nicht durch Opferzahlen, sondern durch konkrete Schicksale.
Wie egal es ist, was die Nachbarn so sagen, und wie problematisch, Angehörige eilig zu interviewen
Medien müssten „an der Seite der Opfer stehen“, sagte etwa die Journalistin Annette Ramelsberger dem Deutschlandfunk, mit Blick auf den rechtsextremistischen Anschlag in Hanau vor sechs Jahren. „Nicht um uns gemein zu machen, aber um auf dieses Leid aufmerksam zu machen und auf die Auswirkungen von solchen Taten.“
Warum also weiß man bisher kaum etwas über die Opfer des CSD-Anschlags? Über die getötete Frau sind wenige Fakten bekannt, die eine Geschichte erahnen lassen, die Neugier weckt. Boulevardmedien würden sie wahrscheinlich „tragisch“ nennen.
Allein, dass sie 65 Jahre alt gewesen sei, aus Polen stamme, „einem nicht gerade queerfreundlichen Land“, und ihre Tochter zum Berliner CSD begleitet habe, klinge doch wie eine Geschichte, die man lesen möchte, sagt auch Emilia Smechowski, Reporterin bei der „Zeit“ und selbst in Polen geboren. Sie habe deshalb zunächst angefangen zu recherchieren, direkt nach dem Attentat. Von der polnischen Staatsanwaltschaft habe sie allerdings nicht einmal den Namen der Frau erfahren. Und in polnischen Medien habe bisher ebenfalls nichts über sie gestanden, nur die reine Todesmeldung.
Auch sie hätten natürlich versucht, Opfer des Anschlags ausfindig zu machen, etwa Angehörige der Frau in Polen, sagt Julius Geiler, Reporter beim Berliner „Tagesspiegel“. „Aber das Problem ist oft, dass man an Opfer nicht gut herankommt.“ Über Täter wisse man schnell einiges. In diesem Fall etwa habe allein Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) viel über Abdoul B. preisgegeben. In anderen Fällen würden auch mal Kontakte aus Sicherheitsbehörden Einzelheiten „durchsickern“ lassen, die als Rechercheansätze dienen könnten. Bei Opfern und Betroffenen aber müsse man eher jemanden kennen, der jemanden kennt. Oder darauf hoffen, dass es Opfer gebe, die von sich aus in die Öffentlichkeit gehen, etwa über Social Media. Aber das ist eher selten.
Das Missverhältnis, dass viel über den Täter berichtet wird und wenig über die Opfer, ist also einerseits strukturell bedingt. Der Staat trägt dazu bei, indem er Informationen über Attentäter aktiv in die Öffentlichkeit bringt, Opfer aber (zu Recht) schützt. Manche Medien verstärken die Täterzentrierung unnötig, weil sie über jedes Detail berichten, und die Opfer so immer weiter in den Hintergrund rücken. Natürlich muss Journalismus sich mit dem Täter, seiner Biografie und Tatmotivation befassen, aber notwendige Aufklärung endet dort, wo aus jedem biografischen Schnipsel neue Artikel gezimmert werden.
Ein weiterer Aspekt, weshalb bis dato fast nichts über die Opfer bekannt ist: Der Anschlag ist knapp vier Wochen her. So eine Tat verändert ein Leben erheblich, von jetzt auf gleich. Und viele der Betroffenen wurden so schwer verletzt, dass sie weiterhin in Behandlung sind und erst einmal genesen müssen. Sie haben andere Sorgen als das mediale oder öffentliche Interesse an ihrer Geschichte. Was das heißt, „schwer verletzt“, auch das ist ja, wenn man es in Berichten liest, erst mal recht abstrakt. In der öffentlichen Wahrnehmung dürfte insbesondere hängen geblieben sein, dass der Täter mit einem Auto in Menschen gefahren ist. Viele der Opfer aber verletzte er erst anschließend, als er sie mit einer Machete attackierte. Die Deutsche Welle berichtet deshalb nicht nur von Knochenbrüchen, sondern auch von „schwersten Schnittwunden“.
Roland Weber, der Opferbeauftragte der Bundesregierung, hat einige der Verletzten im Krankenhaus besucht. Was er dort gesehen habe, empfinde er als „schlimm“, erzählte er der Deutschen Welle, die sich diese Woche in einem Beitrag der Frage widmete, wie eigentlich den Opfern des Anschlags geholfen werde. Einige der Verletzten, sagt Weber, hätten die Kliniken inzwischen verlassen, sie seien nun in ambulanter Behandlung.

Roland Weber ist seit anderthalb Jahren Beauftragter des Bundes für die Opfer von terroristischen und extremistischen Anschlägen, seit 2012 ist der Rechtsanwalt bereits als Berliner Opferbeauftragter tätig. Das Land Berlin war damals das erste Bundesland überhaupt, das so einen Posten schuf.
Anrufe bekomme er nach Anschlägen wie dem in Berlin immer, erzählt Weber im Gespräch mit Übermedien. Journalisten, auch seriöse, wollten mitunter einen Tipp, in welchen Kliniken sich Opfer befänden. Und wenn er dann – natürlich – nichts dazu sage, heiße es häufiger, er würde mauern. „Aber es ist nicht meine Aufgabe, Anschlagsopfer an Medien auszuliefern.“ Weber fungiert als Lotse, steht den Menschen bei, hilft bei Fragen zu finanziellen Ansprüchen oder anderen Unterstützungsmöglichkeiten.
„Ich versuche, Betroffene auch zu unterstützen, wenn es um Fragen zum Umgang mit Medien geht – ganz neutral“, sagt Weber. Diese müssten selbst überlegen, ob sie reden möchten. Ein öffentliches Interesse gebe es, zu erfahren, was aus den Menschen geworden ist, die von einem Anschlag betroffen sind. Und es gebe Opfer, denen es nach einer gewissen Zeit ein Bedürfnis sei, davon zu erzählen.
Grundsätzlich findet Weber es gut, wenn Medien darüber berichten – und nicht so ausufernd über Täter. Solange es angemessen geschieht, respektvoll. Das habe sich in den vergangenen Jahren geändert: Früher, sagt Weber, seien Journalisten viel aufdringlicher, aggressiver gewesen. In seinen Augen ist das inzwischen besser geworden.
Meistens sei es so, dass sich Opfer an Journalisten wenden, wenn sie finden, dass etwas schlecht läuft. Wie 2016, nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz. Ein Jahr später veröffentlichte der „Spiegel“ einen offenen Brief der Angehörigen aller zwölf Todesopfer, die der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel unter anderem mangelnde Unterstützung vorwarfen. Und im MDR sprach diesen Sommer eine Frau, die 2024 bei dem Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt schwer traumatisiert wurde. In dem Beitrag geht es einerseits um die psychischen Folgen der Tat, aber auch um Probleme bei der Suche nach einem Therapieplatz, um das Gefühl, vom Staat im Stich gelassen zu werden. Auch der MDR-Podcast „Ungebremst“ gab Opfern und Betroffenen des Anschlags Raum, sich ausführlich zu äußern.
Viele Betroffene wollten aber lieber nichts sagen. Zu dem Anschlag in München im vergangenen Jahr etwa, sagt Weber, gebe es seines Wissens keine Berichte über die Opfer. Ein islamistischer Attentäter war damals in eine ver.di-Demo gefahren, hatte eine Frau und deren Kleinkind getötet und viele Menschen verletzt. Die Opfer und deren Angehörige hätten sich bewusst gegen Interviews mit Medien entschieden.
Die Gründe dafür sind verschieden. Einer könne etwa darin liegen, dass sich Betroffene die Frage stellen, ob sie wirklich den Rest ihres Lebens „als Opfer leben“ wollen – mit der Gefahr, dass ihre Biografie immer wieder darauf reduziert werde, sagt Rolf Schmachtenberg vom WEISSEN RING im Gespräch mit Übermedien. „Das ist eine extrem individuelle Entscheidung.“ Er habe größtes Verständnis dafür, wenn sich Betroffene nicht öffentlich äußern wollten. Gleichwohl findet Schmachtenberg es gut, dass sich Medien den Opfern zuwenden und mehr über sie als über die Täter sprechen. Über das Leid der Opfer könnten sie aber prinzipiell auch abstrakter berichten, dafür brauche es nicht immer den emotionalen Einzelfall.
Und wenn es dann doch um konkrete Personen geht, erfordert das besondere Rücksichtnahme. Als der Opferbeauftragte Weber jene Menschen besuchte, die Ziel des Berliner Anschlags geworden waren, hätten ihn manche gleich gefragt: „Schützen Sie uns auch vor den Medien?“ Sie hätten ihm berichtet, sagt Weber, dass Reporter bereits in ihrem Umfeld recherchierten, dass sie Kontakt zur Familie oder zu Freunden aufgenommen hätten. Aber sie wollten das nicht. Und das ist dann die Stelle, an der es heikel wird.
Denn es geht nicht darum, möglichst schnell eine emotionale Opfergeschichte zu präsentieren. Sondern darum, eine wichtige Perspektive auf ein schweres Verbrechen zu eröffnen – ohne die Betroffenen gegen ihren Willen in die Öffentlichkeit zu zerren.
Korrektur, 18:25 Uhr. Nach einem technischen Fehler im Autorisierungsprozess haben wir ein Zitat von Roland Weber und eine darauf bezogene Zwischenüberschrift leicht angepasst.
Nachtrag, 25.8.2026. Für eines der Opfer wurde inzwischen eine öffentliche Spendenaktion initiiert. (Vorsicht, explizites Foto einer körperlichen Verletzung.)
Nachtrag, 26.8.2026. Die „Welt“ berichtet über zwei Opfer des Anschlags; einer davon ist der Mann, für den die Spendenaktion läuft. Er äußert sich auch im Podcast „based“.
Die beiden äußern Kritik an den Behörden. Sie sagen auch, zu wenige Menschen hätten von dem Macheten-Attentat gehört. Meist sei nur von dem Auto die Rede, mit dem der Attentäter in die Menge gefahren sei. Die Opfer der Attacke kämen in der öffentlichen Debatte kaum vor – „und wenn, dann häufig verfälscht“.
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Ja, ich muss wirklich nicht jede Einzelheit aus dem Leben eines Täters wissen, um die Tat zu verurteilen. Aber muss ich erst das Gesicht eines Opfers kennen, damit ich sie verurteilen kann? Nein.
Eigentlich bräuchte man n solche Opfer, die freiwillig zu den Medien gehen.
Und wenn die einen besseren Ruf hätten, fänden sich auch mehr freiwillige.
Eigentlich ist es ziemlich naheliegend, dass vor allem in so einem Fall die Opfer „weniger interessant“ sind: während sich aus den Eigenschaften und Zuschreibungen des Täters, der seine Tat aktiv begangen hat, etwas ableiten lässt (oder man das wenigstens meint), bringen einen Schlüsse, die man anhand der Opfer ziehen kann, die eher zufällig Opfer geworden sind, eher nicht weiter.
#2
Ja, nur dass das Naheliegende eben eher weitere Anschläge und Amokläufe wahrscheinlicher macht, als wenn man das Schicksal der Opfer in den Mittelpunkt stellen würde.
Ich entnehme Ihrem Kommentar, dass da auch starke Skepsis mitschwingt gegenüber dem Versuch, die Tatmotivation zu „erklären“. Das zusätzlich Problematische daran ist ja, dass eine zutiefst falsche Tat dann mit einer (vermeintlichen) Logik rationalisiert wird.
Man könnte das natürlich hier fräsen als: „Homophober Amokläufer bringt ältere Hetera aus Polen um, die ihm nie was getan hat.“, um die Sinnlosigkeit dieses Verbrechens zu betonen.
Aber andere potentielle Täter denken sich dann vielleicht auch nur: „ICH erwische dann natürlich die Richtigen.“
Also, es gibt natürlich keine „Richtige“. Ich halte bloß die Möglichkeiten, solche Taten per Berichterstattung zu verhindern, für begrenzt…
#4
Es geht nicht um das aktive Verhindern. Die Aufmerksamkeit für den Täter indes aber fördert vermutlich die Nachahmung (analog zu Suiziden, wo das nachgewiesen ist) und das könnte man schon mal vermeiden.
Ich finde Beschäftigung mit dem Täter, also damit, was diesen dazu gebracht hat die Tat zu begehen, seine Sozialisierung, ideologisierung, die Verhältnisse aus denen er kam; ist definitiv gesellschaftlich relevant. Eine öffentliche Debatte darüber, wie man Gewaltverbrechen verhindern kann, muss solche Fakten beinhalten. Da, wo die Beschäftigung mit dem Täter in Voyeurismus entgleitet oder Ressentiments gegen gesellschaftliche Gruppen, zu denen der Täter auch gehört hat schürt, ist aber definitiv eine Grenze überschritten.
Bei der Beschäftigung mit dem Opfer bin ich ehrlich gesagt nicht der Meinung diese seie notwendigerweise gesellschaftlich relevant. Zwar hat, im konkreten Fall, Frau Smechowski durchaus recht, dass es nach einer Geschichte klingt, die ich gerne erzählt bekäme. Es ist aber nun einmal erstmal eine private Geschichte von Menschen, die mich erstmal nichts angeht, sofern sich die Angehörigen nicht entscheiden, diese Geschichte mir, bzw. der interessierten Öffentlichkeit, von der ich ein Teil bin, zu erzählen.
Mit dem Verbrechen selber, hat die Identität der Opfer in diesem Fall ja auch nur am Rande etwas zu tun. Es hätte schließlich jede Person auf dem CSD, die zu dem speziellen Zeitpunkt an der entsprechenden Stelle war, zufällig treffen können. Das ist ja das was Terrorismus auszeichnet, dass das Opfer eben nicht wegen seiner individuellen Identität ausgewählt wird sondern als Teil einer Gruppe angegriffen wird. um damit die ganze Gruppe anzugreifen.
Falls Nachahmungstäter eine signifikante Bedeutung haben, geht es eben doch ums Verhindern. Aber ein Grund mehr, das Lieblingsessen des Täters nicht zu veröffentlichen.
Vor allem, weil manche Leute aus solchen biographischen Details eine Killerspiel-Debatte, oder was gerade kritisiert werden soll, konstruieren.
Danke für den Hinweis. Das mit den Killerspielen hatte ich schon vergessen.
Bei der Gelegenheit kam mir eine andere furchtbare Macht aus der Wirwerdenallesterben-Klasse wieder in den Sinn – Die Reichsbürger. Die hatten schon mal die halbe Welt im Würgegriff. Heuer gibt’s die nicht mehr. Oder hat es sie nie gegeben?
Doch! Was zur Frage führt – Wie läufts im Prozess gegen die Rollator-Gang?
Um die Kurve zum Artikel zu kriegen … Von wenigen die Regel bestätigenden Ausnahmen abgesehen, ist das doch immer so im Fall der Tötung eines Weißen durch eine Person of Color (kommt ja öfter mal vor): Die Opfer haben grundsätzlich kein Gesicht, keine Namen, keine Hinterbliebenen.
Wie oft wurden Namen oder Gesichter der Opfer des 6-fach Mordes in Stade publiziert, die Aussagen der Hinterbliebenen?
By the way, haben die Medien schon mal angefragt, wann wird die Staatsanwaltschaft die Frau anklagt, die den Mörder vom und zum Tatort gefahren hat?
Die übliche Runde um den Block:
https://taz.de/Prozess-gegen-Reichsbuerger-beginnt/!6009838/
„AfD-Politiker verharmlosten die Gruppe nach bundesweiten Razzien im Dezember 2022 als „Rentnertruppe“ und sprach von einem „Rollatorputsch“ – obwohl sie für ihren Umsturz eine halbe Million Euro sowie 382 Schusswaffen, 347 Hieb- und Stichwaffen, über 148.000 Munitionsteile sowie weit fortgeschrittene Planung verfügt haben sollen.“
„Die Opfer haben grundsätzlich kein Gesicht, keine Namen, keine Hinterbliebenen.“
Zu behaupten, die Berichterstattung würde sich an der Hautfarbe des Täters und der Opfer orientieren, ist natürlich rassistischer Quatsch, auf den man nur kommt, wenn man rassistisch denkt. Ebenso wie wie Verschwörungsannahme, „der Staat“ könne dies in irgendeiner Form steuern.
Viele Medien berichten auch über die Opfer, alles andere ist, oh Wunder, eine Lüge von rechts:
https://www.dw.com/de/nach-dem-csd-anschlag-wie-wird-den-opfern-geholfen/a-78324303
https://www.rnd.de/politik/csd-anschlag-in-berlin-taeter-opfer-ermittlungen-was-wir-wissen-und-was-nicht-WPSHB4XBBJHDVCHOOABWNEA5SA.html
Dass man in den rechtsbraunen Nachrichtenquellen davon nichts liest, ist klar, FrankD. Aber das bedeutet nicht, dass es nicht passiert, nur weil Sie es nciht wahrnehmen. Ihre Medien interessieren sich ja auch nur für die Opfer, weil sie ihre weiße Hautfarbe für Hetze instrumentalisieren können (was Sie ja auch gratis hier in den Kommentaren reproduzieren). Ideologisch wollen die Rechtsbraunen das gleiche, wie die Islamisten: Alles auslöschen, was für eine freie und bunte Gesellschaft steht.
Deswegen kommt da ja auch nicht mehr, als Rhetorik. Da ist sonst nichts.
Zu Stade:
https://www.weser-kurier.de/bremen/fluchtwagenfahrerin-im-stade-mordfall-untertauchen-nicht-bestaetigt-doc86nj8axh79s2ke0qbiq
https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/tatverdaechtiger-im-fall-stade-flucht-aus-gefaengnis-in-tuerkei-lange-bekannt,taeter-gewalttat-stade-100.html
„Derzeit laufen aber noch weitere Ermittlungen gegen die Mutter des Kindes und die Fahrerin des Fluchtfahrzeuges.“
Für interessierte Mitlesende: nius hat da was „ganz Großes“ aufgedeckt, aber keiner will so richtig zuhören! Gemeinheit!
Und wenn nach 3 Monaten noch ermittelt, aber noch nicht angeklagt wird, dann ist mindestens Deep State, gell? Man stelle sich mal vor, bei den Ermittlungen kommt raus, dass gar nicht angeklagt wird? Dann ist das doch der sichere Beweis dafür, das … (insert Umsturzfantasie of choice).
Das ist es ja immer mit diesen Narrativen: Sie müssen sich nicht an der Realität orientieren, um eine Wirkung zu erzielen.
Wo das Wissen fehlt, da blüht die Fantasie – Angst ist ihr Dünger.
Wenn ich mir anschaue, wie der Umgang mit „prominenten“ Opfern von Straftaten so ist verstehe ich, warum man nach so einer Tat eher wenig Verlangen danach hat, zu sehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu kommen.
Man könnte natürlich auch statt über die einzelnen Opfer generell über die Opfergruppe – queere Menschen – sprechen. Man könnte über die wachsende Homophobie und die zunehmende Gewalt gegen diese Menschen sprechen.
Aber der Täter stammt ja „netterweise“ aus einem Kulturkreis, dem gegenüber bestimmte Kreise der Gesellschaft ohnehin ein großes Gefahrenpotential per se unterstellen, so dass man sich darauf konzentrieren kann. Und so kann ein Kanzler Merz, der letztes Jahr noch den CSD als „Zirkus“ bezeichnet hat, sich nun in die Öffentlichkeit stellen und „Wir sind mehr!“ sagen. Und im selben Atemzug dann Mittel für queere NGOs streichen.