Nuhr noch niederträchtig
Ich möchte Ihnen einen Witz erzählen: Kommt ein Kabarettist auf die Bühne und rät Frauen, die nicht ermordet werden wollen, dass sie nicht mit Frauenmördern schlafen sollen.
Lustig, oder?
Okay, der ist gar nicht von mir. Sondern von Dieter Nuhr. Gesendet wurde er vergangene Woche in der ARD-Sendung „Nuhr im Ersten XXL“ (hier ab ca.14:30).

Es war irgendwie erwartbar, dass sich Dieter Nuhr früher oder später dem sogenannten Heterofatalismus widmen würde. Gemeint ist damit das kollektive Gefühl der Frustration viele…

„Unter dem Titel „Wie soll ich einen Mann lieben?“ schreibt Nele Sophie Karsten, als Feministin bedeute eine heterosexuelle Beziehung mit einem Mann letztlich, den eigenen Unterdrücker zu lieben.“
ich kann nuhr echt seit jahren nicht mehr ab. und sein „witz“ mit der greta thunberg schule hat wieder nur gezeigt, wie billig er vorhegt.
aber, zum zitat:
1. soll sie nicht
2. muss sie nicht
3. und schon gar nicht einen unterdrücker
kommt mir vor, wie die diskussionen in 80ern, ob lesbische beziehungen prinzipell(!) die besseren seien.
ist doch einfach dämlich, die aussage mit dem lieben eines unterdrückers.
solche dummen behauptungen sind einfach dankbarstes futter für alle, die gegen gleichberechtigung sind und bestehende strukturen behalten wollen. und deswegen kann nuhr diese so erfolgreich benutzen.
@das ich:
Entschuldigung, aber das klingt erschreckend nach Täter/Opfer Umkehr.
Die gleichberechtigte Beziehung ist noch lange keine Normalität und das eigene Zuhause ist potentiell der gefährlichste Ort für Frauen und auch Kinder.
Darauf muss immer wieder hingewiesen werden, auch mit drastischen Worten.
Der Witz ist tatsächlich nicht witzig.
Heterofatalismus heißt, dass es tatsächlich Schicksal ist, oder jedenfalls nicht aus eigener Kraft abwendbar, dass eine Heterobeziehung unglücklich endet.
Wer so denkt, sollte natürlich keine Beziehung führen. Die Wahrscheinlichkeit, ermordet zu werden, ist zwar tatsächlich schon sehr klein, aber warum ein noch so kleines Risiko eingehen?
Man kann sich natürlich fragen, warum Leute immer dasselbe tun und erwarten, dass sich was ändert, aber das wäre ein anderer Witz.
Der Witz war schäbig – den verteidige ich nicht. Aber eingebettet ist er in eine durchaus satirisch Missstände aufspießende Nummer: nämlich den Missstand von sprachlich verkleideten pauschalen Vorurteilen gegen Männer wie solche aus dem zitierten Artikel wie der zitierte oder der ZDF-Sendung „Sind alle Männer scheiße?“.
Diese medial geführte Debatte über toxische Männlichkeit triff auf Männer, die noch nie so wenig toxisch und gefährlich für Frauen waren wie heute. Dieses Missverhältnis aufzuspießen IST satirisch. Auch wenn sie nicht jedem gefällt.
Angenommen, wir folgten dem „Argument“, dass ja fast alle Männer ihre Partnerinnen nicht ermorden: Wäre es dann nicht an der Zeit, die Mordkommissionen der Polizei komplett abzuschaffen? Schließlich wird so gut wie niemand ermordet.
Solange wir über Kriminalität oder „Stadtbilder“ reden, ist es offenbar kein Problem, archaisches Gruppenverhalten zu unterstellen. Weist eine Frau aber darauf hin, dass es „aber immer ein Mann“ ist, wird es plötzlich ungerecht.
Wie kann sie nur?
Wenn sich der Gender-Pay-Gap nur geringfügig verringert, können wir in der FAZ davon lesen, dass Frauen nun den Spieß umdrehten.
Das Patriarchat sieht in der Ferne sein Ende drohen und reagiert bevorzugt mit Gejammer ( auch so ein Männersport ). In seiner Logik kann es sich ja auch gar nichts anderes vorstellen, als dass Frauen es ebenso treiben würden wie Männer die Jahrtausende zuvor.
Denn angeblich braucht es Macht und Gier, strenge Hierarchien und abschreckende Strafen, um das Zusammenleben zu organisieren.
Auch scheint es beim Thema Feminismus so etwas wie den Dunning-Kruger Effekt zu geben und jeder, der auch mal eine Maschine Wäsche wäscht und den Müll rausbringt, hält sich für de fairsten und feministischsten Partner der Welt.
David Graeber hat zusammen mit David Wengrow ein wunderbares neues Buch geschrieben: „Anfänge“. Der Anthropologe Graeber, unter anderem Autor von „Bullshit Jobs“, und der Archäologe Wengrow rollen darin die Menschheitsgeschichte noch einmal ganz anders auf, auf dem Stand der aktuellen Forschung. Sie zeigen, wie sehr eine rein materialistische und patriarchale Grundhaltung unser Bild von der Welt und der Menschheitsgeschichte bis heute verzerrt und wie schwer es uns fällt, unvoreingenommen zu sein. Ich empfand es als Augenöffner. Auch scheint es beim Thema Feminismus so etwas wie den Dunning-Kruger Effekt zu geben.
Bei Nuhr argwöhne ich langsam, dass er nur auf Erfolg und Profit achtet und diese Zielgruppe eben bespielt. Ich finde ihn anyway einfach nur noch widerlich.
Ups: Der doppelte Dunning-Kruger ist verunglücktem Copy’n Paste zu verdanken. Sorry.
Dieter Nuhr ist längst nur noch ein wütender, weißer, alter Mann.
@Frank Gemein: Es ist eben nie gerecht, Menschen nach (unfreiwilliger) Gruppenzugehörigkeit zu beurteilen. Sie sagen es ja selbst in ihrem Stadtbildsatz. Drehen Sie den mal um: Er ist eben von beiden Seiten her verkehrt.
Genau gegen solche Pauschalisierungen im Diskurs (Jammern als Männersport) richtet sich doch Nuhrs Nummer.
Ich lehne es ab, (von mir aus:mittelmäßige) Satire, die einem missfällt, ihren Satire-Charakter einfach mal abzusprechen und dann beim Arbeitgeber nachzufragen, wie der das so findet (wie hier im Artikel). Für mich misslungene Medienkritik.
Und ich lehne es ab, in Pauschalisierungen und Irrwitz-Analogien (Mordkomission abschaffen) über relevante Themen zu sprechen wie Frank Gemein.
@Chateaudur:
Satire, auch nur mittelmäßige, tritt niemals nach unten. Deshalb ist eigentlich nichts, was Nuhr ablässt, Satire.
Das Original:
„Aber es gibt in Deutschland zig Millionen Männer. Die Wahrscheinlichkeit, in einer Beziehung auf einen Frauenmörder zu treffen, ist praktisch null. Zur Sicherheit wäre es nicht schlecht, wenn man den Partner vor dem Geschlechtsverkehr vielleicht einfach erst mal kennenlernt.“
Meine Analogie war also irrwitzig, no shit Sherlock, aber Nuhrs Empfehlung mittelmäßige Satire?
Ein Großteil dieser Morde findet im sozialen Nahraum der betroffenen Frauen statt. Fahrlässigkeit bei der Wahl eines kurzfristigen Sexualpartners ist dagegen eher die Ausnahme. Mord ist dabei nur der tragische Höhepunkt struktureller Gewalt. Sie hat viele Formen und Gesichter.
Und es gilt: Jeder Mann, der diese Strukturen verneint oder verharmlost, ist Teil des Problems, ganz egal, was er selbst sonst dazu beiträgt.
Natürlich bringen manche Menschen, die aus anderen Kulturkreisen zu uns kommen, Frauenbilder mit, die mit Gleichberechtigung unvereinbar sind. Das zu bestreiten hieße, deren Fortbestehen zu akzeptieren.
Problematisch wird es aber, wenn man einigen Gruppen die Fähigkeit zur Reflexion und Entwicklung abspricht und beim selben negativen Frauenbild der eigenen Gruppe plötzlich auf die Individualität der Täter verweist, um sich reinzuwaschen.
Archaische Frauenbilder sind doch in der AfD und in Teilen der Union quasi identitätsstiftend und auch sonst nicht gerade selten.
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schon vor der aktuellen Debatte habe ich mich schon oft gefragt, wie die Nuhr-Sendungen von der Redaktion abgenommen werden können, angesichts der zahlreichen Verzerrungen und Falschbehauptungen. Vor gut drei Jahren hat Peer Schader bei DWDL Nuhr einen längeren Artikel gewidmet – und es ist seitdem eher noch schlimmer geworden. Vermutlich hat man bei der ARD aber panische Angst vor dem zwangsläufigen Shitstorm von rechts, weswegen man sich so sehr um Rechtsoffenheit bemüht.
Wenn Nuhr eines bestimmt nicht will, dann ist das, die Polizei abzuschaffen.
Aber hat hier jetzt wirklich jemand gedacht, dass Satiresendungen „abgenommen“ werden? Satire ist kein Journalismus…
„ Dieter Nuhr spielt hier nicht mit Klischees und Ressentiments, um sie zu hinterfragen. Er greift auf sie zurück und verstärkt sie.“ Ich glaube, dies beschreibt im Wesentlichen das Konzept der Sendung.
Ich wies weiter oben schon einmal darauf hin, dass Satire nicht nach unten tritt.
Es ist nicht so, dass ein Nuhr das nicht weiß. Deshalb muss ein anderes Oben konstruiert werden. Und dieses Oben ist ein gefühltes. Gleichzeitig wird es als das „eigentlich schon immer Oben“ gerahmt: gesunder Menschenverstand, down to earth, schweigende Mehrheit, you name it.
Seine Methode entblößte sich vielleicht am offensichtlichsten, als er über das Buch der Kölnerin Alice Hasters frei assoziierte und das als Wissen verkaufte. So war sie auf einmal US-Amerikanerin und ihr Buch in den USA ein Hit, obwohl es dort gar nicht erschienen war.
Missfällt ihm Wissenschaft, beklagt er Wissenschaftshörigkeit und Eliten. Ersteres bevorzugt bei Themen, die er offensichtlich nicht durchdringt, Letzteres als selbst von Eliten gepushter und gepamperter Zampano par excellence.
Er konstruiert ein Oben mit den Frames und Metaphern des Kulturkrieges. Dass dieser Kulturkrieg im Wesentlichen aber ein Krieg gegen die ganz Unten ist, führt dazu, dass er sich letztlich permanent in Opferbashing verfängt.
Ts, ts, der bräsige Dieter Nuhr.- wer hätte das gedacht, dass der mal in den 1980igern mit Typen wie Dieter Thomas vom Frankfurter Fronttheater auf Bühnen stand. Man kann’s auch nicht mehr lesen, diese blöde Wortspielerei mit „…Nuhr“.
Ich halte ihn übrigens nicht – wie #7 – für einen alten wütenden Mann. Das ist sein Geschäftsmodell – er verdient damit Geld, dem deutschen Publikum deutsche Satire nahezubringen, in dem er die mehrheitsfähigen Vorurteile seines Publikums bedient und sich seit Jahren als einer präsentiert, der „die Wahrheit“ sagt, der sich traut zu sagen, was man nicht sagen darf. Und das mit Erfolg, wie man sieht. Die Leute lieben das. Ich denke, das Gros der deutschen Gesellschaft sieht in als Referenz für gute Satire“ und das spricht für die Fallhöhe seiner satirischen Einlagen, die so gross ist, wie das „Epsilon > 0“ in der Mathematik.
Jetzt kann er sich in dieser Gesellschaft auch noch mit dem Leo-Baeck-Preis als „Kämpfer gegen Antisemitismus“ feiern lassen. Über die Laudatio von Ahmad Ansour wundere ich mich nur.
Dass der Nuhr nun auch noch so einen Unfug verzapft, wie der zitierte, wird auch spurlos an ihm vorübergehen. Sein Denkmal ist gesetzt. Und da kann man noch nicht einmal der ARD die Schuld geben. Es passt halt zur deutschen Gesellschaft und zu Leserbriefen, die alles, was nur die Silbe „Fem…“ im Wort trägt, als linke Spinnerei abtun kann und sich Statistiken von der Springer – Presse oder den anderen Premiumdenkern des Journalismus erklären lassen müssen.