Ausgerechnet Cosmo
Beim WDR zerbricht man sich viel den Kopf darüber, wie das eigentlich geht, ein Angebot für alle zu machen. Und vor allem über die Frage, wie man die Leute erreicht, die man bislang offenbar noch viel zu wenig erreicht – nämlich junge Menschen mit „internationaler Biografie“, wie es der WDR nennt.
Dieses „Wie“ scheint nun weitgehend festzustehen. Anfang Juni hat der WDR-Rundfunkrat in einer knappen Abstimmung entschieden: Der interkulturelle Sender Cosmo mit Global Pop und Sendungen in verschiedenen Sprachen soll nicht mehr Teil dieser Zukunft sein. Im April 2027 ist Schluss mit Radio Cosmo.

Kein Dudelfunk wie jeder andere
Mit Cosmo verschwindet ein Sender, der sich hörbar vom Mainstream-Radio abhebt. Unter dem Slogan „Der Sound der Welt“ vereint das Programm Musik von R’n’B und Neo-Soul über Dancehall und Afrobeats bis hin zu Latin und Hip-Hop. Am Abend sendet Cosmo zudem Formate in verschiedenen Sprachen, wie Italienisch, Kurdisch oder Polnisch. Darüber hinaus zeigt sich der Sender experimentierfreudig: So moderierten im vergangenen Jahr Künstler wie der Rapper Megaloh eigene Sendungen. Seit vielen Jahren erfolgreich ist außerdem der Podcast „Machiavelli“, der die Themen Rap und Politik zusammenbringt.
Auf der Frequenz von Cosmo soll künftig ein Sender namens „1Live Street“ laufen, der vor allem auf Hip-Hop fokussiert ist. Über die neue Welle soll insbesondere ein junges, migrantisches Publikum erreicht werden. Die Sprachensendungen, die bisher als Podcasts und im Abendprogramm auf Cosmo liefen, werden eingestellt. Bei einigen Formaten ist zudem unklar, wie es weitergeht, weil auch Radio Bremen und der RBB Inhalte für Cosmo zugeliefert haben. Unklar auch, was mit den Frequenzen passiert, über die der Sender in Bremen, Berlin und Teilen Brandenburgs empfangbar ist.
Was der WDR als „Weiterentwicklung“ von Cosmo verkauft, führt bei vielen Mitarbeitenden zu dem Gefühl, übergangen zu werden. Sie sind entsetzt – ebenso wie viele Hörerinnen und Hörer. Gerade jetzt die Entscheidung zu treffen, den einzigen interkulturellen Sender der ARD abzuschalten, ist für viele ein fatales Signal.
(K)ein Nischenprogramm?
„In Zeiten eines erstarkenden Rechtsextremismus spart die ARD genau dort, wo es die Demokratie am härtesten trifft“, heißt es in einem offenen Brief, den die Neuen Deutschen Medienmacher*innen gemeinsam mit mehr als 500 migrantischen Organisationen vergangene Woche an die ARD-Intendantinnen und Intendanten geschickt haben. Mit dem Ende von Cosmo gehe vielen Menschen der Zugang zu Informationen und medialer Teilhabe verloren – insbesondere jenen, die auf mehrsprachige Angebote angewiesen seien. Für die vielen Menschen mit Migrationsgeschichte sei der Sender „kein Nischenprogramm“. Für viele gilt Cosmo als Paradebeispiel des öffentlich-rechtlichen Auftrags.
Mit Blick auf die Zielgruppe müsste Cosmo auch kein Nischenprogramm sein, sagt Schiwa Schlei. „Aber in der Praxis ist unser Programm nicht relevant.“ Die Programmchefin der beiden Sender Cosmo und 1Live trägt die Reform mit und verweist auf die Tagesreichweite des Senders von 1,1 Prozent – das entspräche etwas mehr als 160.000 Hörerinnen und Hörern pro Tag. Zum Vergleich nennt sie die WDR-Popwelle 1Live, die täglich rund 2,3 Millionen Menschen erreiche. Auch die mehrsprachigen Podcasts werden aus Sicht der Verantwortlichen nicht genügend gehört.

Foto: WDR/Annika Fußwinkel
Hoffnung auf die bekanntere Marke
Die Argumentation lautet also: Cosmo erreicht zu wenige Menschen. Und mit der Marke „1Live Street“ hofft man nun, auch jene zu erreichen, die die etablierte Marke 1Live bereits kennen. Schon jetzt sei 1Live die Marke, die am meisten auch vom migrantischen Publikum gehört werde, sagt Schiwa Schlei – und nicht Cosmo.
Auch Schlei begründet die Reform mit dem öffentlich-rechtlichen Auftrag: „Wenn wir verantwortungsvoll mit den Geldern der Beitragszahler umgehen, müssen wir überlegen, ob unser Konzept noch das richtige ist.“ Sie stellt im Gespräch mit Übermedien außerdem klar, dass es sich bei den Änderungen nicht um ein Sparprogramm handele. In der Öffentlichkeit haben viele das aber so aufgefasst.
Dass sich derzeit so viele Menschen für den Erhalt von Cosmo einsetzen, kann Schlei einerseits nachvollziehen, sagt sie. Andererseits geht es aus ihrer Sicht dabei auch um „Symbolpolitik“ und „eine Projektionsfläche“:
„Ich verstehe, dass Cosmo für viele Menschen – auch jene, die den Sender nicht nutzen – eine besondere Symbolkraft hat. Der Sender steht seit Jahrzehnten dafür, dass Menschen mit internationalen Biografien ernst genommen werden. Das hatte eine lange Tradition und auch seine Berechtigung. Ich finde aber, dass es Zeit ist, den nächsten Schritt zu gehen und zu fragen, was eigentlich zeitgemäß ist.“
Die Geschichte
Cosmo und sein Vorgängersender „Funkhaus Europa“ haben in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Reformen hinter sich. Entstanden ist das Programm aus den sogenannten Gastarbeitersendungen, die zunächst auf unterschiedlichen Sendern ausgestrahlt wurden. 1961 lief im WDR die erste italienische Sendung. 1998 bündelte der WDR diese Programme auf einer eigenen Frequenz und ergänzte sie um ein deutschsprachiges Ganztagsprogramm: „Funkhaus Europa“. Daraus wurde 2017 im Zuge einer weiteren Reform Radio Cosmo.
Schlei glaubt, dass die Neuen Deutschen Medienmacher*innen und andere Kritiker der Reform im Kern dasselbe Anliegen hätten wie ihre Befürworter: Sie alle wünschen sich, dass die Lebensrealitäten einer vielfältigen Gesellschaft in den Programmen der ARD stärker und selbstverständlicher verankert werden. Es gehe darum, Vielfalt als Teil der gesellschaftlichen Normalität abzubilden. Und nicht einem einzelnen Sender diese Aufgabe zuzuschieben.
Diese Aussagen unterschreiben die Gegner der Reform vermutlich auch. Die Frage ist nur: Warum muss dafür ausgerechnet der einzige interkulturelle Sender abgeschaltet werden? Und warum wird nicht gleichzeitig stärker in den anderen Programmen berücksichtigt, dass rund ein Viertel der Menschen in Deutschland – und damit auch ein erheblicher Teil der potenziellen Hörerschaft – eine Migrationsgeschichte hat? In NRW, dem Sendegebiet des WDR, liegt dieser Anteil sogar bei rund einem Drittel. Auch Schiwa Schlei findet die Frage, ob die ARD die gesellschaftliche Realität hinreichend abbildet, „berechtigt.“
Reformgegner und Reformbefürworter scheinen also in grundlegenden Fragen einig darüber zu sein, was das Ziel sein sollte. Das macht die Debatte besonders komplex.
Nicht weniger Cosmo, sondern mehr
Auch diejenigen, die gegen die Abschaffung von Cosmo sind, sind sich größtenteils darüber im Klaren, dass sich etwas ändern muss. Die Sprachensendungen abzuschaffen, nur weil sie zu wenige Menschen erreichen, halten sie jedoch für die falsche Lösung. In ihrem offenen Brief fordern die Neuen Deutschen Medienmacher*innen und die anderen Unterzeichner unter anderem, Cosmo zu einem bundesweiten, crossmedialen Programm auszubauen. Dazu gehöre auch, „dass muttersprachliche Angebote im öffentlich-rechtlichen Radio weiterhin sichtbar und hörbar bleiben“.
Die Sprachensendungen seien im Laufe der Jahre immer weiter im Programm versteckt worden, sagt Cosmo-Moderatorin Evren Zahirovic. Da sei es kein Wunder, dass man nur wenige Hörer erreiche. Früher gab es beispielsweise eine türkische Morgensendung. „Es kennt immer noch jeder die Melodie von ‚Köln Radyosu‘“, sagt Zahirovic. Die Überbleibsel davon gibt es heute noch als knapp halbstündigen Podcast „Cosmo Türkçe“, der ab 20 Uhr auf Cosmo ausgestrahlt wird.
Türkisches Angebot soll bleiben
Das türkische Angebot soll auch nach dem Cosmo-Aus weitergeführt werden – in einer gemeinsamen Fachredaktion unter dem Dach von „WDRforyou“, einem digitalen Angebot des WDR mit eigener Website und Social-Media-Accounts. Es wurde 2016 für Geflüchtete gegründet und deckt die Sprachen Farsi und Arabisch ab. Wie genau das türkische Angebot aussehen soll, ist noch unklar.
Die Angebote auf Italienisch, in den Sprachen Südosteuropas (Bosnisch, Kroatisch und Serbisch) sowie auf Kurdisch werde es in der bisherigen Form nicht mehr geben, teilte der WDR mit. Sie würden aktuell von ihrem Publikum nicht ausreichend genutzt.
Was mit den Sendungen auf Polnisch, Arabisch, Russisch und Spanisch geschieht, die der rbb für Cosmo produziert, ist bislang unklar. „Über mögliche Auswirkungen auf das Programmangebot des rbb wollen wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht öffentlich spekulieren“, teilt ein Sprecher des rbb auf Anfrage von Übermedien mit. Der rbb sei mit dem WDR im Gespräch. Dabei wäre es angesichts russischer Desinformation wichtig, sich gerade über das russischsprachige Angebot Gedanken zu machen.
„WDRforyou“ zeigt, wie es gehen kann
Der WDR macht es sich mit dem Argument, bestimmte Sprachsendungen würden von ihrem Publikum nicht ausreichend gehört, auch sonst etwas einfach. Denn ein Gegenbeispiel dafür, wie man erfolgreich einen Draht zum Publikum herstellt, ist eben „WDRforyou“. Dieses Angebot ist etwa in der iranischen Community sehr bekannt und beliebt – dank direktem Austausch mit dem Publikum, Präsenz in sozialen Medien und starken Persönlichkeiten, die für die Marke stehen. Journalisten wie Bamdad Esmaili oder Isabel Schayani sind in der Community bekannt und genießen mit ihrer Berichterstattung großes Vertrauen. Offenbar hält es der WDR aktuell aber nicht für möglich oder notwendig, das auch für die anderen Sprachen außer Türkisch anzubieten.
Natürlich haben sich die Anforderungen an ein sogenanntes Muttersprachenprogramm verändert. Viele Hörerinnen und Hörer leben heute in zweiter oder dritter Generation in Deutschland. Sie sind nicht darauf angewiesen, Radio auf Italienisch oder Türkisch zu hören, weil ihre Muttersprache ebenso Deutsch ist. Und ohnehin gibt es keine homogene Einwanderungsgesellschaft. Schiwa Schlei hat da ein Beispiel: „Eine 28-jährige Ukrainerin, die vor zwei Jahren vor dem Krieg geflüchtet ist und in NRW lebt, hat ganz andere Interessen als ein Deutscher, dessen Großvater mal irgendwann aus der Türkei nach Deutschland eingewandert ist.“
„Es geht um Repräsentation“
Iva Krtalic sagt, es gehe nicht so sehr darum, ob man ein Angebot in seiner eigenen Sprache zwingend braucht, sondern um „Repräsentation“: „Man fühlt sich wahrgenommen.“ Krtalic ist beim WDR Beauftragte für Integration und Diversity of Content und hat zuvor viele Jahre als Journalistin für den Sender gearbeitet. Geboren ist sie in Kroatien. Über Radio Cosmo beziehungsweise dessen Vorgänger „Funkhaus Europa“ kam sie überhaupt erst zum WDR. Ein Karriereweg, der gerade für Medienschaffende mit Migrationsgeschichte typisch sein dürfte. Krtalic war nicht an der aktuellen Reform des Senders beteiligt und hält sich im Gespräch mit einer Bewertung zurück.
Die deutsch-italienische Moderatorin und Journalistin Luciana Caglioti wird da deutlicher. Sie arbeitet seit 1992 für den WDR und ist Mitgründerin von „Funkhaus Europa“. Heute moderiert sie den italienischen Podcast „Cosmo Italiano“ und recherchiert auch Beiträge für andere Sender des WDR. Sie ärgert sich darüber, dass die Sprachensendungen als Überbleibsel der Gastarbeitersendungen abgetan werden, die jetzt nicht mehr zeitgemäß seien. „Das sind heute moderne Podcasts, die zusätzlich abends bei Cosmo im Radio gesendet werden“, sagt Caglioti, die während des Telefonats mit Übermedien gerade in der Vorbereitung für die nächste Folge steckt. Darin geht es unter anderem um die Frage, warum die SPD ihr soziales Profil verloren hat, und um den elektronischen Ausweis, der künftig für alle Italiener Pflicht ist.

Ein Angebot in Muttersprache findet Caglioti unverzichtbar. „Da geht es um eine wichtige Verbindung zu den eigenen Communitys“, sagt sie. Ihren Podcast soll es ab April 2027 nicht mehr geben. Ob sie ihre Themen aus der italienischen Community dann auf Deutsch in anderen WDR-Sendungen unterbringen kann, da ist sie skeptisch. Auch wenn die Programmverantwortlichen betonen, dass das geplant ist. „Die Community-Themen sollen auch in der Breite des WDR-Programms stärker verankert werden“, sagt Schiwa Schlei.
Schlechte Stimmung im Sender
Es ist ansonsten nicht ganz leicht, Cosmo-Mitarbeitende zu finden, die sich namentlich zitieren lassen wollen. Viele haben Angst vor Konsequenzen und berichten von Druck, der intern herrsche. Und auch wenn der Sender betont, keine festen Stellen einzusparen: Vor allem die freien Mitarbeiter, die das Programm tragen, müssen damit rechnen, Aufträge zu verlieren.
Klar ist jedenfalls: Die Belegschaft ist gespalten, viele fühlen sich übergangen und hätten sich mehr Mitsprache gewünscht. Eine Person, die seit vielen Jahren für Cosmo arbeitet, berichtet, dass sie von den entscheidenden Details der Reform erst wenige Stunden vor der Diskussion im WDR-Programmausschuss erfahren habe. Wenige Tage später folgte die erwähnte knappe Abstimmung im Rundfunkrat.
Für massive Kritik sorgte auch der Name des neuen Programms. „1Live Street“ wird nicht nur von Mitarbeitern als rassistisch und klassistisch kritisiert. Viele finden den Namen unpassend in einer Zeit, in der Bundeskanzler Friedrich Merz abwertend vom „Stadtbild“ spricht und damit dem Verständnis vieler zufolge migrantische junge Menschen meint.
In einem internen Schreiben, das Übermedien vorliegt, kritisieren die Absender, der Name stehe für „Vorurteile, Ausgrenzung und Zuschreibungen“, gegen die sie ihr Leben lang hätten ankämpfen müssen. Viele von ihnen würden Situationen kennen, in denen sie als „zu Straße“, „zu migrantisch“, „zu laut“ oder „nicht professionell genug“ wahrgenommen wurden. Rund 150 Personen, die für den Sender arbeiten oder ihm nahestehen, haben den Brief unterschrieben.
Wie kam es zu dem Namen?
Mit „1Live Street“ wolle der WDR vor allem junge Menschen unter 30 erreichen. Cosmo richtete sich laut WDR bisher an städtisch geprägte, junge Menschen zwischen 27 und 35 Jahren mit und ohne internationale Wurzeln, die Sprachenpodcasts hätten tendenziell ein etwas älteres Publikum.
An der Namensfindung beteiligt war nach Übermedien-Informationen eine Agentur, die auch Markenstrategien für Unternehmen wie Volkswagen oder Kellogg’s entwickelt hat. „1Live Street“ habe man neben anderen Vorschlägen in eine Nutzerbefragung gegeben, um herauszufinden, welchen Namen das Publikum mit einem Sender für Hip-Hop und Street Culture assoziiere, erklärt Schlei. Mehr als ein Drittel der Testpersonen sei migrantisch gewesen, niemand habe den Begriff rassistisch empfunden, sagt die Programmchefin.
Manche hoffen, dass der WDR die Namenswahl noch einmal überdenkt. Aus dem Sender ist zumindest zu hören, dass hier das allerletzte Wort wohl doch nicht gesprochen ist.
Die Unterstützung für Cosmo ist aktuell groß. Womöglich schalten gerade viele den Sender zum ersten Mal oder mal wieder ein, um zu hören, wofür sie sich da eigentlich einsetzen. Denn Cosmo ist zwar, was die Hörerzahlen angeht, eine Nische, zugleich aber ein Symbol für das, was öffentlich-rechtlicher Auftrag ist. Man kann darüber streiten, wie wichtig solche Symbole sind. Und natürlich müssen sich auch öffentlich-rechtliche Angebote daran messen lassen, wie sie angenommen werden. Dabei alleine mit Marktlogiken zu argumentieren, wäre aber falsch.

Sind solche „Nischenprogramme“ denn nicht geradezu der Programmauftrag der öffentlich-rechtlichen? Da sollte doch eben nicht mit Einschaltquoten, sondern auch mit kulturellen Bedürfnissen argumentiert werden… und es gibt ja auch einen Unterschied zwischen dem Nebenher-Konsumieren von Musik eines Popsenders und dem tatsächlichen Hören eines echten Programms. Das wird natürlich nie diese Zahlen erreichen, aber der WDR ist ja auch nicht Spotify.
Cosmo ist der einzige Radio-Sender, den ich seit Jahren (schon zu Funkhaus-Europa Zeiten) regelmäßig höre. Obwohl ich nicht zu einer migrantischen Community gehöre. Cosmo hat aber einfach auch ne tolle Musikredaktion, spannende Beiträge, DJ-Sessions und so viele gute Ideen….gerade diesen Sender abzuschaffen ist schon echt bitter und tut weh.
Ich habe nicht den Eindruck, dass sich das Tagesprogramm explizit an migrantische Communitys richtet. Oder interessieren sich – um beim oben genannten Beispiel zu bleiben – der Deutsche mit türkischem Großvater und die junge Ukrainerin mehr als andere für Afro-/Latino-Musik und Peter Fox? (Ich bitte um Entschuldigung für diese Vereinfachung.)
Laut Auftrag soll der WDR dort interkulturelles Zusammenleben thematisieren. Ich höre auf Cosmo aber eher Beiträge über kapverdische Künstlerinnen und kolumbianische Musiker. Für den rbb soll der Sender einen Schwerpunkt auf kulturelle Vielfalt legen. Die Vielfalt, die ich in der Stadt wahrnehme, wird dort aber nur in Bruchstücken abgebildet. Laut Radio-Bremen-Gesetz sollen die besonderen Belange von Migrantinnen und Migranten berücksichtigt werden. Die Sprachenformate laufen aber zu so schlechten Sendezeiten, dass man sie als diskriminierend empfinden kann.
Angesichts des tatsächlichen Programms und den niedrigen Einschaltquoten wundere ich mich etwas über die außerordentliche Bedeutung, die dem Sender nun von manchen zugeschrieben wird. Vielleicht steckt dahinter die Erwartung, dass das Angebot in Zukunft noch schlechter wird? Bedenkt man die Kürzungen und Marginalisierung, die es in den letzten Jahren schon gab, ist die Erwartung wohl nicht ganz unrealistisch.