Mehr über Nius

Für eine Schlagzeile am Morgen danach ist der spätabendliche Besuch in der Talkshow von Markus Lanz immer gut. Nur wenige jedoch schaffen es, sich mit einem Auftritt in der ZDF-Sendung ins Zentrum einer Debatte zu bugsieren, die auch nach einer Woche noch ständig neue Eskalationsstufen erklimmt. Dem CDU-Politiker Daniel Günther, so viel steht fest, ist dieses Kunststück gelungen.
In dem mittlerweile völlig frei drehenden Wutgeschrei – anders lässt es sich kaum nennen – geht es um angebliche Medienzensur und Eingriffe in die Pressefreiheit, um die Frage, wer der wahre Feind der Demokratie ist. Günther ist Ziel von Klagedrohungen und Rücktrittsforderungen, von Stasi-, Nazi- und Putin-Vergleichen, alles auf einmal.
Es lohnt sich, genau zu sortieren, was geschehen ist – und was nicht. Unstrittig ist: Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident sprach am Mittwoch vergangener Woche (7. Januar) bei Lanz über die Brandmauer, ein mögliches AfD-Verbotsverfahren (das er befürwortet), die Macht der Tech-Konzerne und die Gefahren medialer Desinformation (hier die ganze Sendung und hier ein 15-minütiger Ausschnitt, in dem – anders als in manchem Social-Media-Clip – der nötige Kontext erhalten blieb).
In diesem Kontext beklagte Günther die Folgen von Social-Media-Kampagnen wie jener, die jüngst maßgeblich dazu beitrug, die Juristin Frauke Brosius-Gersdorf als Bundesverfassungsrichterin zu verhindern. Einige Medien – namentlich: „Nius und solche Portale“ – orientierten sich an solchen Kampagnen und betrieben „politische Agitation“ statt Journalismus, kritisierte der CDU-Politiker.
Er ging auch mit Parteifreunden hart ins Gericht, die die Inhalte solcher Portale öffentlich oder in Chatgruppen weiterverbreiten (der Frage, warum Politiker:innen „Nius“ Interviews geben, ist Übermedien bereits 2024 nachgegangen). Sie sollten „aufwachen“ und sich „gegen solche Exzesse wehren“, anstatt ständig über Kleinigkeiten zu streiten und den medialen Kampagnenmacher:innen neue Steilvorlagen zu liefern. Diese seien nämlich „unsere Gegner“, also „Feinde von Demokratie“.
Das von Ex-„Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt geleitete Krawall-Portal „Nius“ stößt Günther offenbar besonders auf. Er sagt:
„Also, wenn ich mir ‚Nius‘-Artikel angucke, mit denen ich irgendwas zu tun habe, kann ich nur sagen: Da stimmt in der Regel nichts drin. Das ist einfach vollkommen faktenfrei, was an der Stelle gemacht wird.“
Zuvor bereits hatte sich jener Dialog zwischen Günther und ZDF-Moderator Lanz entfacht, der die Gemüter am stärksten erhitzte – Kontext ist die Kritik an den Folgen (sozial-) medialer Desinformation:
Lanz: „Also, was Sie jetzt gerade sagen, ist im Grunde: Wir müssen das regulieren, wir müssen es notfalls zensieren und im Extremfall sogar verbieten.“
Günther: „Ja.“
Mit diesem „Ja“ scheint aus Sicht der Günther-Kritiker:innen alles gesagt.
War es aber nicht. Denn der Dialog ging noch weiter:
Lanz: „Darüber reden wir.“
Günther: „Wir reden da drüber… also: Social Media darf bis 16-jährigen nicht mehr zugänglich gemacht werden. Und da brauchen wir eine Zusammenarbeit und Unterstützung auch mit diesen Unternehmen, ähnlich wie Australien das gemacht hat, um unsere Jugend zu schützen vor Desinformation, vor sexuellen Übergriffen.“
In seiner denkbar unpräzisen Fragestellung mischt Lanz alles zusammen: Regulierung, Zensur, Verbote. Um was es ging? Medien, Social Media, Tech-Konzerne? Unklar. Es bleibt also offen, was genau Günther eigentlich bejahte. Doch selbst wenn er sich mit seinem „Ja“ ganz generell für Verbote, Regulierung und Zensur hätte aussprechen wollen (was er nicht tat): Das müsste ihm noch nicht einmal zwingend als etwas Ungehöriges ausgelegt werden.
Denn selbstverständlich gibt es auch schon heute Regulierung, nämlich Regeln für Medien wie für Tech-Konzerne. Und natürlich können ausnahmsweise auch heute bereits Medien zensiert und deren Betreiber verboten werden – Lanz spricht ja ausdrücklich vom „Not-“ und „Extremfall“. Wie hoch die Hürden dafür allerdings sind, zeigte im vergangenen Juni der Fall des rechtsradikalen „Compact“-Magazins: Ein Verbot durch das Bundesinnenministerium scheiterte vor dem Bundesverwaltungsgericht.
Nachvollziehbares Empörungspotenzial hätte darin liegen können, wenn Daniel Günther ganz neue oder zumindest erweiterte staatliche Handlungsoptionen ins Gespräch gebracht hätte. Das hat er in Bezug auf Tech-Konzerne (Digitalabgabe) und Social Media (Verbot bis 16 Jahre) – aber eben nicht für Medien.
Was Günther also nicht gefordert hat, ist, die Presse- und Meinungsfreiheit zu beschneiden. Allein im Lanz-Studio bekannte er sich ungefragt zweimal dazu, sprach vom „Glück“, diese in Deutschland zu haben. Was er selbst bei böswilliger Auslegung seiner Worte ebenfalls nicht verlangt hat, ist ein Verbot von „Nius“.

Jeder, der nicht nach dem kurzen „Ja“ auf die kryptische Lanz-Frage abschaltet, sondern ein paar Sekunden weiter zuhört, kann erkennen, dass Günther über ein Verbot von Social Media für Unter-16-Jährige spricht. Diesen Teil ließen viele kritische Kommentare später einfach weg, als sei er eine Randnotiz. Mit seinem kurzen „Ja“, so die Suggestion, habe sich Günther eindeutig für Zensur und Verbote von Medien ausgesprochen.
Lanz fragte sogar noch einmal nach. „Was ist mit dem Rest?“, wollte der Moderator wissen, also mit den – in Günthers Worten – „agitierenden“ Medienportalen: „An welchem Punkt greifen wir dann ein in so etwas Wichtiges und Wertvolles wie Meinungsfreiheit?“ In seiner Antwort nimmt Günther die Zivilgesellschaft und die Medien selbst in die Pflicht, er fordert – etwas holprig – eine Debatte über journalistische Qualität, mitnichten aber ein Verbot unliebsamer Publikationen:
„(…) Ich glaube auch, dass es innerhalb der Medien auch mal ne Diskussion darüber geben muss, welche Qualitätskriterien müssen Medien eigentlich auch erfüllen? Denn natürlich ist es so, wir haben ja bei uns zum Glück Pressefreiheit, Meinungsfreiheit in unserem Land, aber wenn man eine solche Einflussnahme hat wie Medien, dann muss man eben auch bestimmte Qualitätskriterien auch einhalten. Und gucken wir uns an: Findet heute noch statt, dass man eine zweite Quelle prüft? Findet noch statt, dass Journalisten wirklich, ich sag mal, wahrhaft auch berichten und nicht nur Meinungsmache machen?“
Das mag arg pauschal und spitz sein – aber gewiss kein Frontalangriff auf die Pressefreiheit.
Was Günthers Auftritt dagegen schon war: ein Frontalangriff auf „Nius“. Und man könnte über die Ironie schmunzeln, dass nun ausgerechnet jene, die ihren Krawall als Kreuzzug für die Meinungsfreiheit vermarkten, wegen einer starken kritischen Meinung derart auf die Palme gehen.
Aber es war für „Nius“ natürlich auch eine Steilvorlage – nicht zuletzt, um jenseits der eigenen Blase ins Gespräch zu kommen. „Kucken Sie ‚Nius‘, solange Sie noch dürfen“, bewarb das Portal eine seiner Video-Sendungen. Der launige Ton allerdings täuscht: Bei den Macher:innen des Portals war Schluss mit lustig. Nichts anderes als „die Vernichtung aller kritischen Stimmen“ wolle Günther erreichen, behauptete die stellvertretende „Nius“-Chefredakteurin Pauline Voss: „Die Opposition soll verboten werden, die freie Meinungsäußerung soll unterbunden werden und kritische Presse soll ausgeschaltet werden.“
Zur Sicherheit: Das alles ist freidrehender Unsinn, nichts von alledem hatte Günther auch nur nahegelegt. Mit ihren maßlosen Reaktionen aber taten die „Nius“-Leute alles dafür, Günthers Kritik punktgenau zu bestätigen. Wer sich ausschließlich bei „Nius“ über dessen Aussagen informierte, wurde nur eines: desinformiert – und, ja: Das darf man durchaus als Problem betrachten.
„Daniel Günther will Nius verbieten“, er träume von einer „Diktatur“, betreibe „die Zerstörung unseres Landes durch die Zerstörung unserer Freiheit“: Solche Behauptungen sind offenbar der Journalismus, wie ihn das Portal sich vorstellt. Julian Reichelt bezeichnete den schleswig-holsteinischen Regierungschef wahlweise als „Kiel Jong-un“ oder als „Verfassungsfeind“ – und machte ihn vorsorglich schon für mögliche zukünftige Anschläge auf seine Redaktion verantwortlich. Das ist selbst in der überdrehten „Nius“-Welt überdreht.

Bereits am Tag nach der Lanz-Sendung wartete das Portal mit der Meldung auf: „Das sagen Deutschlands Top-Journalisten zur Günther-Entgleisung“. Bei den, nun ja, „Top-Journalisten“ (Spoiler: die alle mehr oder weniger empört waren) handelte es sich um „Welt“-Kolumnist Henryk M. Broder, „Welt“-Chefreporterin Anna Schneider, „Münchener Merkur“-Chefredakteur Georg Anastasiadis, „Tichy“-Herausgeber Roland Tichy, „NZZ Deutschland“-Vize Morten Freidel, „Nordkurier“-Chefredakteur Gabriel Kords, „Schwäbische-Zeitung“-Vize Jan David Sutthoff, „Apollo News“-Chefredakteur Max Mannhart und die „Nius“-Leute Pauline Voss und Ben Brechtken. (Es fehlte eigentlich nur Waldemar Hartmann, aber der äußerte sich auch ungefragt auf X – „Genosse Günther“, schrieb der heute in Diensten von „Nius“ stehende Ex-ARD-Sportmoderator, habe die „letzten Sympathiereste an die CDU zerstört“.)
Doch es blieb keineswegs bei dieser „Nius“-Salve, auch andere Medien griffen Günther für Aussagen an, die er nie gemacht hatte. Bei „Welt TV“ bezeichnete der schleswig-holsteinische FDP-Politiker Wolfgang Kubicki Günthers Aussagen als „autoritäres Geschwurbel“ und fabulierte über mögliche staatliche Einrichtungen, die entscheiden, welche Medienberichte im Rahmen von Günthers Qualitätskriterien liegen (auch hier: nichts dergleichen hatte Günther gefordert). Allen voran trieb „Bild“ die Empörung auf immer neue Spitzen. „Er sprach sich bei Lanz für Zensur aus: Experten rechnen mit Ministerpräsident Günther ab“, titelte das Springer-Blatt, und: „CDU-Günther will Medien loswerden“.
Deutschland tue, was es bei Trump kritisiere, stellte „Bild“ den Talkshow-Auftritt in einen größeren Zusammenhang angeblicher „Einschränkungen von Presse- und Meinungsfreiheit“ – um schließlich treuherzig zu vermelden, wie „skandalös“ die Leser:innen den „Günther-Eklat“ fänden, also ob dies nach tagelanger, einseitiger Berichterstattung noch irgendwie überraschen könnte. Am Sonntag legte „Bild“-Chefredakteurin Marion Horn noch einmal nach und forderte in einem Kommentar, Günther solle seine Aussagen „zurücknehmen oder zurücktreten“.
Zahlreiche Redaktionen mit mehr oder minder klarem Rechtsdrall waren da längst auf den Zug aufgesprungen. „Welt“-Chefreporterin Anna Schneider ordnete Günthers Ansichten als „Gefahr für die Demokratie“ ein. „Cicero“ echauffierte sich über den „autoritären Totalausfall“. „Tichys Einblick“ fühlte sich an den „Ton der Stasi“ erinnert, die „Berliner Zeitung“ zudem an die „Gleichschaltung“ der Presse in der Nazizeit – und sinnierte darüber, ob nicht eigentlich der schleswig-holsteinische Ministerpräsident zur „Gefahr für die Demokratie“ werde. Das Heise-Portal „Telepolis“ überschrieb einen Leitartikel gar mit der Frage: „Regiert Putin schon in Kiel (…)?“
Zum Kronzeugen der Kritiker:innen machte sich am Montag ausgerechnet der Deutsche Journalistenverband (DJV), der sich in einer Presseerklärung „schockiert“ über die „Zensurforderung“ zeigte. Dabei zitierte der DJV Günther allein mit seinem kurzen „Ja“, den Kontext (Social-Media-Beschränkung) ließ der Verband weg – und tat damit genau das, was Journalismus eigentlich nicht tun sollte. Am Dienstag reichte der Verband eine zweite Erklärung nach und zeigte sich plötzlich „voll und ganz an der Seite von Daniel Günther“ – weil dieser mittlerweile klargestellt hatte, dass er nie gesagt hat, was er nie gesagt hat.
„Was für eine absurde Kampagne“, schrieb die stellvertretende CDU-Vorsitzende und Bundesbildungsministerin Karin Prien auf X. Zur Seite sprang Günther mit dem Bremer Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) auch ein zweiter Länder-Chef. „Medien, die an der Zersetzung des politischen Diskurses mitwirken, faktenfreie Meinungsmache betreiben, bewusst missverstehen und jedes Sachproblem personalisieren, sind eine Gefahr für die liberale Demokratie“, twitterte er. Und bei „Telepolis“ setzte ein zweiter Autor immerhin einen Gegenpunkt und wunderte sich darüber, wie mancher Erregte „Kritik mit Zensur“ verwechsele.
„Nius“ schickte nach eigener Darstellung inzwischen eine Abmahnung nach Kiel und drohte mit einer Klage, falls Günther keine Unterlassungserklärung unterzeichne. Der mandatierte Rechtsanwalt Joachim Steinhöfel polterte, er werde den Ministerpräsidenten „rechtlich zur Verantwortung ziehen“ – doch wofür eigentlich?
Vor allem zwei Punkte greift die bei „Welt“ zitierte Abmahnung offenbar auf. Zum einen, dass Günther „Nius“-Artikel als „faktenfrei“ dargestellt hat – für Steinhöfel eine falsche Tatsachenbehauptung. Es wäre spannend zu sehen, ob ein Gericht da mitginge und Günthers Rant („Da stimmt in der Regel nichts drin“) als widerlegbare Tatsachenbehauptung oder als Meinungsäußerung einstuft.
Der zweite Punkt ist der „Feinde der Demokratie“-Vorwurf – aus Sicht des „Nius“-Anwalts eine unzulässige Kritik. Denn seiner Argumentation zufolge war Günther als Repräsentant des Staates und nicht als Privatmann oder Parteipolitiker bei Lanz, weshalb er sich nicht auf das Grundrecht der Meinungsfreiheit berufen könne. Als Ministerpräsident ist er zur Neutralität verpflichtet.
In der Vergangenheit haben Gerichte tatsächlich mehrfach Verstöße von Amtsträger:innen gegen diese Pflicht zur Neutralität festgestellt. So verlor der Linken-Politiker Bodo Ramelow in seiner Zeit als Thüringer Ministerpräsident ein Verfahren gegen die rechtsextreme NPD: In einem Interview hatte er 2015 deren Mitglieder als Nazis bezeichnet und anderen Parteien einen Boykott der NPD nahegelegt – das ging dem Landesverfassungsgericht zu weit. 2022 stufte das Bundesverfassungsgericht auch Äußerungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als unzulässig ein. Diese hatte bei einem Staatsempfang die Wahl des damaligen FDP-Politikers Thomas Kemmerich zum Kurzzeit-Ministerpräsidenten in Thüringen mit Stimmen der AfD als „unverzeihlich“ bezeichnet und gefordert, dieses Ergebnis rückgängig zu machen. Erst im vergangenen Jahr räumte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) ein, mit einer über Regierungskanäle verbreiteten Kritik an der CDU ebenfalls das Neutralitätsgebot verletzt zu haben.
In diesen Fällen ging es jedoch stets um einen fairen Wettbewerb der Parteien. Ein vergleichbar prominenter Fall, in dem ein Gericht die Neutralitätspflicht von Amtsträger:innen aufgrund von Medienkritik verletzt sah, ist hingegen nicht bekannt.
Was bei alledem untergeht: „Nius“ liefert beinahe täglich Argumente dafür, das Portal nicht einfach als ein Medium zu sehen, das vielleicht besonders kritisch sein mag, ansonsten aber Themen faktenbasiert und nach journalistischen Standards von allen Seiten beleuchtet. Übermedien berichtet darüber immer wieder. Das Portal existiert wohl nur deshalb, weil der schwerreiche Unternehmer Frank Gotthardt es mit Millionen päppelt. Es geriert sich regelmäßig als rechte Hetzschleuder, produziert vor allem Dauer-Empörung und verfolgt überdies eine Agenda – Julian Reichelt beschrieb sie gerade erst in Form von 14 Punkten („AKW wieder ans Netz“, „Abschieben wie Donald Trump“, „CO2-Abgabe ersatzlos streichen“ und mehr).
Günthers Auftritt bei Lanz lässt sich auch so auffassen: Da hat einer sein Unbehagen über diese Form der einseitigen Desinformation zum Ausdruck gebracht – und, etwas hilflos, einige Anstöße formuliert, wie er diesem Problem begegnen würde. Am Sonntag verbreitete die CDU Schleswig-Holsteins ein Statement, in dem Landesparteichef Günther seine Position klarstellte: „JA zu einem Social Media-Verbot für unter 16-Jährige. JA zur Meinungs- und Pressefreiheit. Genau das habe ich am Mittwoch bei Markus Lanz gesagt.“
Zudem habe er „eine Lanze für hohe Qualitätsstandards unabhängiger Medien gebrochen“ und sich „deutlich gegen das Verbreiten von Fake-News und politische Kampagnen durch sogenannte ‚alternative Medien‘ positioniert“. Aktivismus sei kein Journalismus, Stimmungsmache keine Berichterstattung. Die Reaktionen auf seine Äußerungen seien
„das perfekte Beispiel, wie Verkürzung, gezieltes Weglassen und bewusste Falschinterpretation zur Methode geworden sind. Das hält keine Gesellschaft dauerhaft aus.“
Was im zunehmend entgleisten Zensur-Gebrüll verloren geht: Welche Gefahr Desinformation für demokratische Gesellschaften ist und was sich dagegen tun lässt, gehört unbedingt diskutiert. Schon klar, dass es keine einfachen Antworten gibt, allein schon, weil natürlich kein Ministerium entscheiden soll, was wahr ist und was unwahr – und weil eine wirksame Selbstregulierung zugleich noch nicht erfunden ist. (Dass der Presserat diese Aufgabe nicht erfüllt, zeigt ja allein die kontinuierlich hohe Zahl an Rügen für „Bild“, die dort weder konsequent abgedruckt werden noch zu Änderungen führen.)
Das alles heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass jeder als Journalismus getarnter Schwachsinn okay ist. Der Jammer ist: Diese wichtige Debatte kommt kaum zustande, weil sich so viele im Namen der Meinungsfreiheit die Köpfe einschlagen.
Halten wir doch für den Anfang einmal fest: Wer aus Sorge um die Demokratie Desinformation beklagt, ruft nicht automatisch nach Zensur. Wer sich Qualitätsjournalismus wünscht, redet damit noch lange keiner staatlichen Medienkontrolle das Wort. Und wer die gesellschaftlichen Folgen der Desinformation und die gefühlte Machtlosigkeit dagegen als Problem beschreibt, ist noch lange kein Feind der Pressefreiheit.
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Danke!
Günther geht es um journalistische Qualität. Seine Intention ist nicht, missliebige Äußerungen zu verbieten.
Das sieht man schon daran, dass er keine Redeverbote verhängen will, sondern im Gegenteil, eine Debatte fordert. Diese Forderung ist mehr als berechtigt, denn in Deutschland gilt offenbar immer noch das Debattenverbot von 1933. Oder gibt es einen anderen Grund, warum er eine Debatte fordert, anstatt einfach eine zu führen?
Wären in Deutschland Debatten erlaubt, er hätte vor zwei Jahren zur Zeit der Deportationsfestspiele eine losgetreten. Zur Frage, warum die Bundesregierung Desinformationsportale wie das gemeinwohlorientierte Medienhaus Correctiv mit Steuergeldern fördert. Warum der Correctiv-Schrott mit Journalistenpreisen belohnt wird. Zur Frage, welche Qualitätskriterien muss die Politik eigentlich erfüllen. Denn wenn man eine solche Einflussnahme hat wie die Politik, dann muss man eben auch bestimmte Qualitätskriterien auch einhalten. Findet in diesem Bereich heute noch statt, dass man eine zweite Quelle prüft? Findet noch statt, dass Politiker wirklich, ich sag mal, wahrhaft auch reden und nicht nur Meinungsmache machen?
Er würde gern. Aber leider, er darf nicht.
„bestimmte Qualitätskriterien einzuhalten“ ist sehr politisch korrekt. Nicht-Politiker würden sagen: Hört auf zu lügen. Aber das geht nicht, denn das gehört zum Geschäftsmodell des Dauer-Rumopferns, mit dem sich die neurechte Presse die Taschen voll und die Hirne ihrer Konsumenten leer macht.
Der beste Artrikel bisher dazu. Danke. Das gravierende Problem der Kampagnen-Medien wurde bisher selten angesprochen, weil alle wissen, wie leicht sie dadurch selbst in die Schusslinie geraden können. Einfacher ist es für Politiker, in deren Horn zu stoßen. Insofern war Günther mutig, wenngleich spontan mit allen Folgen. Habeck (beide schätzen sich) muss seinerzeit als Vizekanzler viel Selbstdisziplin besessen haben, das nie groß ausgebreitet zu haben. Natürlich ist es ein Geschenk für Nius, jetzt im Rampenlicht zu stehen. So präsent, wie sie scheinen, sind sie gar nicht. In Gesprächen mit eigentlich gut informierten Menschen stellt sich manchmal heraus, dass sie von dem Portal noch nie etwas gehört haben. Doch der Einfluss ist da, flankiert von Bild und Welt: Aktuelle Reihenfolge bei der „Günther“-Suche in Google News: Welt, ZDF, Nius, Welt, ZDF, Welt, Welt, RTL, Welt. Ist das nur das gute SEO? Und ist es nicht gerade das gezielte Zurechtschneiden von Videos, weswegen Trump gerade die BBC verklagen will? Dabei gibt es einen gravierenden Unterschied zwischen Zuspitzen und absichtlichem Verfälschen.
Wie schon an anderer Stelle erwähnt: Was spricht gegen eine Positivliste, die diejenigen, die den Standards nicht entsprechen wollen oder können, eben mit runtergelassenen Hosen dastehen lässt? So eine Art Medien-TÜV. der keine Verbote aussprechen kann oder Betriebserlaubnis erteilen, der aber, wie der blaue Punkt in früheren Twitterzeiten, dem Rezipienten eine gewisse Sicherheit gibt, wen oder was er/sie da vor sich hat.
Also nicht so ein zahnloser Presserat-Tiger, der nicht einmal gesprungen kaum noch als Miezekatze landet, sondern die Plattformen müssen proaktiv ihr Qualität unter Beweis stellen.
Übrigens:
https://www.reporter-ohne-grenzen.de/rangliste/
Schauen wir uns die aktuelle Rangliste der Pressefreiheit an, so führen vor allem diejenigen, die einen starken ÖRR haben. Den Absturz des Jahres 2025 hingegen hat Argentinien hingelegt, welches den ÖRR demontiert hat-
@ Frank Gemein: Also eine Denunziationsliste für unliebsame Medien? Mindestens DDR, fast schon Hitler! /s
Kritik ist automatisch Diffamierung und Unterdrückung in der rechten Opferwelt. Dieser Automatismus wird benötigt, damit man Forderungen, wie der nach „wohltemperierter Grausamkeit“ moralisch legitimieren kann. Polen hat zuerst geschossen.
Gar keine Liste. Es gibt, wie geprüfte Sicherheit Siegel bspw., Kennzeichen, dass man sich prüfen lässt. Niemand muss teilnehmen und der Konsument kann entscheiden, wie wichtig ihm das ist. Wenn sich das rumspricht, wird sich zumindest bei denen, die das Thema bislang noch nie interessiert hat, die Frage aufkommen, was das bedeutet und warum X geprüft ist und Y nicht.
„Lanz: „Also, was Sie jetzt gerade sagen, ist im Grunde: Wir müssen das regulieren, wir müssen es notfalls zensieren und im Extremfall sogar verbieten.“
Günther: „Ja.““
Wenn Günther da nicht direkt „aber“ sagt, hat er verloren. Sorry.
Zensur findet lt. Artikel 5 des GG „nicht statt“, es gibt aber Einchränkungen z.B. beim Jugendschutz.
Wenn es hier darum gehen sollte, ob der Politiker „gewonnen“ oder verloren hat, handelt es sich wieder, nach der Tennisstunde, um eine Variante des Gummistiefel Phänomens. Zitate aus dem Zusammenhang und Interviews, die solcherart Wort-Fetzen „bait“ erzeugen, sollten vielleicht auch mal analysiert und eingeordnet werden. Der Rezipient sollte gewinnen, nicht irgendeine Quote oder Kampagne.
@7: Na klar Liste – ist aber auch nur Semantik. Es wird dann die Geprüften und die Ungeprüften geben. Wie das ausgeschlachtet werden wird, liegt auf der Hand. Dass diese „Sortierung“ für mehr statt weniger Differenzierung sorgen wird, bezweifle ich stark. Eher zu mehr Polarisierung.
Zu #9 denke ich, dass Quote aber nun mal gewinnt. Diese Art der zuspitzenden „Verlierer“-Kommunikation wird weitergehen, bis sie sich nicht mehr verkauft. Die Intention neurechter Kommunikation ist nicht der (intellektuelle) Gewinn des Rezipienten, sondern sein Kreuz bei den „Richtigen“ auf dem Wahlzettel. Das halte ich wiederum für mehr neoliberal motiviert, als ideologisch. Die Ideologie wird nur instrumentalisiert, um die Fanboys anzuheizen (Basisarbeit). Ähnlich beim „Kampf“ der Privatverlage gegen den ÖRR. Letztenendes geht es um MArktanteile, Geld, Quote – wie Vorfeld-Konsorten wie Vermieterjochen, Goldhandel Dings oder Clowntyp ja auch immer wieder belegen.
„Zensur findet lt. Artikel 5 des GG „nicht statt“, es gibt aber Einchränkungen z.B. beim Jugendschutz.“
Sehen Sie, DAS wäre eine sehr viel bessere Antwort auf diese Frage gewesen. Schade, dass nicht Sie da gesessen haben.
Ich bin ja auch nicht der Ansicht, dass Günther eine Zensur will, aber das war schon ein Facepalm-Moment. Meinetwegen wie ein Fußballspieler, der dem Gegner eine völlig vermeidbare Steilvorlage liefert.
Das Problem ist aber nicht nur, dass Günther hier schon eher suboptimal kommuniziert, das Problem ist auch, dass natürlich niemand eine Zensur „fordert“. Wenn jemand gerne eine Zensur bestimmter Medien oder Inhalte hätte, wird soe das nicht „Zensur“ nennen. Insofern klingen Dementi in der Richtung selten so superüberzeugend.
Das entwickelt sich hier so etwas zu einem best-of „Berühmte letzte Worte“.
Wir konnten leider nichts gegen den Siegeszug der faschistischen Fake-News Propaganda unternehmen bis es zu spät war. Umsatz und Quote hätte uns das nie verziehen!
Stattdessen lassen wir einfach die Phantasieland-Magie wirken, wo die Skizzierung eines Optimalfalls ausreicht, damit er eintritt.
Wir sagen einfach, dass es ja besser wäre, wenn sich Berichterstattung am Gewinn (?) des Rezipienten orientieren sollte, statt an Umsatz und Quote, dann passiert das einfach so magisch, wie bei Bibi und Tina.
Durch die Einführung eines Medien-TÜV werden vormals Uninteressierte nun Interesse haben! Scharenweise werden sie erkennen, wie unseriös die „faschistische Fake-News Propaganda“ ist und sich auch noch für den Erkenntnisgewinn bedanken. Da bin ich mir sicher.
Nichts unternehmen und irgendwas Wirkungsloses unternehmen läuft auf das Gleiche hinaus. Nur, dass man sich bei Zweiterem selbst auf die Schulter klopfen kann, dass man etwas unternommen hat.
Musik-Empfehlung:
Tod und Mordschlag – Autonome
@13 Anderer Max
Ohne diesen „MedienTÜV“ verteidigen zu wollen, aber ob etwas wirkungslos ist lässt sich in diesem Fall wohl nur in der Praxis betrachten. Und etwas zu versuchen ist besser als nichts zu versuchen.
Ich denke ja einer der wichtigsten Ansätze muss die Ausbildung der Medienkompetenz während der Schulzeit/Ausbildungszeit/Studienzeit sein.
Die ganzen Empörungskonzepte gibt es ja nur weil sie Klicks generieren. Wir können da wohl nur auf die junge Generation hoffen die sich, mit ausreichend Medienkompetenz, erst gar nicht auf solche Angebote einlässt.
Am Beispiel meines Neffen und meiner Nichte muss ich aber leider erkennen, dass die Wichtigkeit dieses Bildungsangebots noch längst nicht in den Schulen angekommen ist.
Stattdessen wird natürlich lieber über Verbote diskutiert.
Klar, auf ein VDE-Siegel oder die Inhaltsstoffkennzeichnung bei Lebensmitteln achtet ohnehin kaum jemand – genauso wenig wie beim Kühlschrank die Energieklasse interessiert.
Ein Mindestalter für Social Media ist genauso Unfug wie der Versuch, dem ÖRR den Rücken zu stärken, damit er nicht ständig auf Quoten schauen muss und dieselben billigen Köder auslegt wie der durchkommerzialisierte Rest, der vom Internet ohnehin an die Wand gedrückt wird.
Dann machen wir am besten einfach gar nichts – und hören Musik dabei.
Niemand muss sich wundern, dass Regeln eingeführt werden, wenn eine liberale Umgebung (die Meinungs- und Pressefreiheit) überstrapaziert und missbraucht wird.
@14: Cool, noch eine Sache, die die Schule richten muss, weil der Rest der Gesellschaft irgendwie keine Ahnung oder keinen Bock hat, sich einem Problem zu widmen. Und wenn Schule dann was in die Hand nimmt, ist’s den Eltern auch wieder nicht recht („Sie dürfen das Handy nicht einsammeln, ich muss mein Kind ja erreichen können!“). Und sind es wirklich Schüler:innen, die Nius und BILD konsumieren und sich dann auf Telegram darüber aufregen?
@Mr Re
Es gibt nur eine Zeit lang die Möglichkeit Menschen „Zwangsweise“ etwas beizubringen und das sind nun mal Schule, Uni, Ausbildung.
Wir haben keinerlei Möglichkeiten Erwachsene Menschen danach dazu zu bringen sich weiterzubilden, außer sie machen es freiwillig.
Und da das Internet und dessen Medien unser aller Leben bestimmen und beeinflussen wie sonst nichts anderes, sollte man doch davon ausgehen dass dies eines der wichtigsten Schulfächer überhaupt sein sollte.
Und es gibt ja schon Fächer die auf das Thema eingehen aber die sind von der Gewichtung her viel zu wenig relevant. Und die die es unterrichten sind oftmals genauso ahnungslos wie ihre Schüler.
Man kann als Gesellschaft die Wichtigkeit dieser neuen Medien gar nicht ernst genug nehmen. Sie haben das Potential Demokratien zu zerstören, Leute auf raffinierteste Weise zu betrügen und Lügen und Desinformation in kaum vorstellbarem Ausmaß zu produzieren.
Und ich weiß dass unser Schulsystem am Limit ist aber auch dafür gibt es eine einfache Lösung. Gibt ihnen endlich genug Geld, denn es gibt nichts wichtigeres als unseren Kindern die bestmögliche Ausbildung zu geben.
Das Grundproblem ist, dass vernünftige Politiker wie Günther immer zu nett sind und nie ne Breitseite austeilen. Während die Söders, Spahns, Dürrs usw. nonstop lügen und Dinge ideologisch verzerrt darstellen.
Man sollte es ihnen nicht gleich tun, aber einfach mal öffentlich mit scharfen Worten dagegen halten. Das machen vor allem linke Politiker zu wenig und wirken dadurch immer schwächer und kommen in den Medien weniger vor…
#8 mycroft
„Wenn Günther da nicht direkt „aber“ sagt, hat er verloren. Sorry.“
und die diffamierung und verlogenheit geht weiter.
gehören Sie auch zu jenen, die nicht in der lage sind, paar sekunden oder paar worte weiter zu warten, um dann zu verstehen, was jemand sagen will? offensichtlich nicht…
liegt aber an Ihrer unfähigkeit, nicht an jenen, die der komplexität der welt tribut zollen, indem diese komplexer antworten.
# 17
Da ich Lanz & Co. nicht schaue und uch das Thema überhaupt erst hier wahrgenommen habe, habe ich mich gestern mal durch Facebook gescrollt: Einen Mangel an Medienkompetenz habe ich – sorry für das Klischee – eher anhand der Vornamen der Poster/innen erkannt, die anderen vorhalten, sie würden sich nur in den ÖRR informieren, selbst jedoch jeden, aber auch jeden noch so absurden von Nius & Co. abgesonderten Unsinn unhinterfragt für bare Münze nehmen.
hinzuzufügen: … der älteren Generation…
Ich habe etwa zwei Monate nach dem hochgejazzten Start von Nius auf das Portal geschaut und mir reichten 2 Minuten und das Lesen der damaligen Überschriften, um seitdem auf dieses Medium zu verzichten. Das spart echt Lebenszeit im Laufe der Jahre.
Nebenbei: auch der Verzicht auf Talkshows ist dafür wirksam.
@DWB
Das sie auf Facebook Kommentare in dieser Form eher von der älteren Generation hören erscheint mir aber auch nicht allzu vielsagend. Facebook ist vor allem bei älteren beliebt. Die junge Generation tummelt sich lieber auf TikTok.
Und zudem gibt es Untersuchungen dazu die die Problematik bestätigen:
https://www.tagesschau.de/wissen/gen-z-fake-news-100.html
Und wir dürfen nicht vergessen das wir gerade erst am Anfang der ganzen KI Geschichte stehen. Und das solch Medien wie NIUS & Co sich sehr stark auf TikTok einbringen ebenso wie auch die AFD.
Und dort auf TikTok ist dann vermutlich überwiegend die verkürzte und aus dem Kontext gerissene Version der Aussage von Daniel Günther zu finden.
@MT, #18: Sie haben da was nicht ganz unwesentliches nicht genannt: die Erziehungsberechtigten.
@MT: Mehr Geld für Schulen und Bildung? Herzlich gern. Lehrkräfte wissen selbst nicht Bescheid, was sie unterrichten? Das sehe ich ganz anders. Ich sage ja nicht, dass Medienkompetenz nicht auch eine Bildungsaufgabe in Schule ist, da wird es ja seit Jahren gemacht, aber es ist mir zu einfach, dass bei jedem Problem sofort gefordert wird, das müsse die Schule regeln. Das schiebt die gesamte Verantwortung zu überarbeiteten Lehrkräften, auf die man dann schimpfen kann, wenn’s nicht klappt, und alle anderen sind fein raus. Im Zweifelsfall noch fordern, statt Gedichte Steuern zu unterrichten, und fertig ist die billige Forderung, ohne dass irgendeine Form von Unterstützung oder Verantwortungsübernahme geleistet werden müsste.
Danke.
Toll, das Abo hier zu haben!
Und herzlichen Glückwunsch zum zehnjährigen Jubiläum! Ich hoffe, ihr besteht noch 100 Jahre! Mindestens! Und bitte weiter mit dieser Qualität.
@Das Ich, #20:
Wenn Günther also statt „Ja“ „Nein“ gesagt hätte und ansonsten genau dasselbe gesagt hätte, was er tatsächlich sagte, wäre das insgesamt dieselbe Aussage gewesen, nur ohne Zensurforderungsvorwürfe.
Heißt für mich, dass der Fehler bei Günther liegt, auch wenn es keine Absicht war.
@25T.Mido
sie beziehen sich vermutlich auf ihre Aussage vom vorangegangenen Kommentar
„Sie dürfen das Handy nicht einsammeln, ich muss mein Kind ja erreichen können!“
Ich habe aber gar nichts dazu gesagt wie die Schulen mit den privaten Handys der Schüler umgehen sollen.
Und wenn dann impliziert meine Aussage eher dass das Handy nicht weg kommt da es ja auch als Werkzeug genutzt wird während des Unterrichts und der richtige Umgang damit gelehrt werden soll.
Aber das ist ja Thema das jetzt schon aktuell ist in Schulen und auch individuell gehandhabt wird.
@26Mr Re
„Lehrkräfte wissen selbst nicht Bescheid, was sie unterrichten? Das sehe ich ganz anders.“
Da habe ich mich ausschließlich auf Medienkompetenz beschränkt mit der Aussage.
Und die Behauptung basiert nur auf der Interaktion mit der Lehrkraft meiner Nichte und meines Neffen und deren Lernmaterial.
Aber bei neuen wissenschaftlichen Fortschritten dauert es halt meist recht lange bis dieses Wissen die Lehrinstitute erreicht und in Lehrpläne umgemünzt wird. Zudem müssen die Lehrer weitergebildet werden. Und in all der Zeit ist die Entwicklung schon wieder weiter, vor allem bei KI.
Und für die ausgelaugten Lehrkräfte habe ich die Lösung ja schon genannt.
Und es würde auch gehen dort mehr Geld zu investieren. Wir konnten ein Bundeswehr Sondervermögen an Start bringen, ein Infrastruktur Sondervermögen und vor 10 Jahren konnten wir die Banken retten. Und ich bin der Meinung dass die Ausbildung unserer Kinder noch viel wichtiger ist.
Aber gerne höre ich mir andere Vorschläge an und ändere dann auch meine Meinung.
Aber das Gegenargument ist immer nur
„wir können doch den armen Lehrern nicht noch mehr zumuten.“ Dann muss dieses Problem endlich angegangen werden.
Ein 100-Milliarden-Sondervermögen für Bildung – da sind wir uns absolut einig, @MT. Mein Gegenargument ist ja aber auch gar nicht, dass „den armen Lehrern“ nichts zugemutet werden könne, sondern, dass das zu oft die Forderung ist, mit der Verantwortung abgeschoben wird. Dass Lehrkräfte im Zweifel alles tun, was zusätzlich dazukommt an Aufgaben, zeigen diverse Untersuchungen. Ob das aber nachhaltig ist, wenn es bei derzeitiger Ausstattung und Arbeitsbelastung geschieht, sei dahingestellt.
Der Artikel fasst die Lage schön zusammen, danke. Es ist genau das passiert, was Günther kritisiert hatte – wenn so spontan vielleicht auch etwas tapsig.
Auch wenn es gegebenenfalls Nius oder die anderen größeren tendenziösen Krawall-Medien weniger treffen würde, freute mich einmal eine größere Diskussion zu Monetarisierungs- und Werberegeln auf Plattformen wie YouTube oder auch bei Web Inhalten allgemein. Gleiches könnte auch direkt für die Algorithmen zur Ausspielung gelten.
Besonders durch Mats (hier, Topf voll Gold) wurde mir überhaupt erst bewusst, wie viele solcher Empörungskanäle – meistens sehr politisch oder zumindest so verkleidet – im Netz unterwegs sind, und ihre Skripte und Vorgehensweisen voneinander abschreiben. Wobei man sicherlich zwischen Ideologen unterscheiden muss, die meinen, was sie sagen, und jenen Opportunisten, die einfach das sagen, was am meisten klickt. Oder die sich irgendwo dazwischen platzieren.
Besonders bemerkenswert war es, die Veränderung der Inhalte von jüngeren Kanälen zu ihrem Jetzt-Zustand zu beobachten, sobald die Protagonisten merkten, wie viel besser Empörung und Wut im Vergleich zu ihren ursprünglichen Inhalten klickten – wie Anlageempfehlungen oder Berichten aus dem Leben eines Vermieters. Was folgt, ist letztlich eine Optimierungsspirale des Empörungsgrades, die bei reißerischen Thumbnails beginnt, schließlich die Themenwahl dominiert, die Sprache aggressiver werden lässt und wo irgendwann auch Verdrehungen oder Lügen zum Tagesgeschäft gehören.
Zusätzlich ist problematisch, dass provokativer Inhalt sowohl die Befürworter als auch die Gegner zur Interaktion anregt. Man kann nur gewinnen. Beide Seiten regen sich auf und kommentieren im Zweifel, was Videos noch erfolgreicher macht: Die einen beschweren sich als Gegner des Inhalts oder wollen differenzieren und die anderen beschweren sich als Befürworter und springen dem Kanal bei. Ähnlich, wenn meistens auch harmloser, ist es bei Rage Bait. Doch auch das lebt von negativen Emotionen und reiner Provokation, nur subtiler und häufig sicherlich weniger politisch und damit vielleicht harmloser. Wobei auch Rage Bate generelles Misstrauen fördern kann, wenn man nicht mehr weiß, was ernst gemeint oder vielleicht Panne, oder aber bewusst platzierte Provokation ist. In beiden Fällen wartet am Ende jedoch potenziell sehr viel Geld.
Gleichzeitig zensieren sich normale YouTuberinnen und YouTuber am laufenden Band selbst, um „werbefreundlich“ und monetarisierbar zu bleiben. Selbst die harmlosesten oder im Kontext einfach passendsten Begriffe werden gern gepiept, vernuschelt oder durch leicht kindische Alternativen ersetzt (alles irgendwie Sexuelle oder Ähnliches). Oder man fürchtet sich vor Copyright Strikes und müht sich ab, irgendwelche Musik aus Einspielern herauszufiltern. Es braucht gar keine Zensur als Schutzmechanismus, sondern Werberichtlinien reichen offenbar schon als Steuerungswerkzeug aus. Betroffene Videos verschwinden nicht, sondern spielen einfach kein oder weniger Geld mehr ein und die Reichweite wird reduziert.
Wie wäre es also damit, der Empörungsindustrie auch auf diese Weise zu begegnen? Ich denke, es braucht solche strukturellen Lösungen. Man müsste sich überlegen, wie genau. Doch wäre ich mir sicher, dass zahllose Krawall-Medien ihren Betrieb irgendwann einstellen würden, wenn sie nicht mehr finanziell davon profitieren würden. Ganz ohne Zensur. Es gäbe nur weniger oder keine finanzielle Belohnung mehr für Wut, Zwietracht, Hass und ständige Provokation.
@Mr Re
Ja wie gesagt, mein Vorschlag funktioniert natürlich nur mit der mehr Ressourcen für Schulen Prämisse. Und kann ich halt ganz ernsthaft nicht verstehen warum es das nicht gibt.
Im Moment ist das eher eine Bekämpfung der Symptome.
#28
der fehler liegt bei Ihnen.
weil Sie alles gerne so interpretieren,wie es Ihnen dient.
und von wohl wollendem „interpretieren“ kann eh keine rede sein, wegen Ihrer rechtslastigkeit. die eh immer menschenfeindlich ist…
wie? eine gemeine unterstellung? na, sehen wir doch hier:
vom vorwurf an günther, zensur gefordert zu haben, bleibt nix anderes übrig, als das günther sich halt falsch ausgedrückt hätte.
die ganzen unterstellungen und medialen zusammenschnitte, die günther was falsches unterstellen – die sind Ihnen schlicht shice egal. als seien die nicht mit absicht konstruiert worden. und dann kommen Sie und labern von falscher ausdrucksweise von günther…
ah, klar, für dumme gemüter konnte man ja gar nicht verstehen, was er da eigentlich gesagt hat.
gehören Sie zu denen? oder spielen Sie ein übles, rechtes spiel?
Agent Provocateur?
Die Aussage in #28 qualifiziert ja mal so überhaupt nicht zum „rechts“-Vorwurf.
Ich find‘ auch, dass das durchaus stimmt und gut begründet ist: Günther ist Medienprofi und muss eig. wissen, dass er auf so eine strunzdoofe Lanz-Frage nicht einfach mit „Ja ………….. aber“ antworten kann oder sollte und dass ihm der rechte Errgungsmob da natürlich einen Strick draus drehen wird.
Schuld? Naja, Schuld hat die neurechte „Alternativ“presse, würde ich sagen. Die könnte ja auch einfach nicht lügen, dann müsste Günther sich auch nicht auf die Lügenkampagne präventiv vorbereiten.
Aber ist halt isso und nicht wünschdirwas.
„vom vorwurf an günther, zensur gefordert zu haben, bleibt nix anderes übrig, als das günther sich halt falsch ausgedrückt hätte.“
Joar, das ist exakt das, was ich gesagt habe.
Günther drückte sich falsch aus. Er – nicht ich – ist dafür verantwortlich, sich richtig auszudrücken.
Im selben Interview, bei dem es vorher noch darum ging, dem Gegner keine Steilvorlagen zu liefern.
Soll ich jetzt aus Nettigkeit so tun, als wäre Günther fehlerlos?
Naja, nur den Sender der Nachricht verantwortlich zu machen und den Empfänger (der dann alles herumdreht und lügt) in Schutz zu nehmen, ist auch nicht nachvollziehbar. Zur gelungenen Kommunikation gehören halt immer zwei.
Dieser Thread beschäftigt mich weiter.
Es gibt die Erwartung, Politiker:innen müssten so sprechen, dass selbst aus dem Kontext gerissene Satzfetzen nicht gegen sie verwendet werden können. Nicht jede Kleinigkeit – aber alles, was meme-fähig ist, soll vermieden werden. Das mag professionell sein, ist aber zugleich eine Anpassung an ein Klima, in dem Kontext systematisch als störend behandelt wird.
Auffällig ist der Doppelstandard: Wo Politik für jedes Wort unmittelbare Sanktionen erfährt, wird publizistische Zuspitzung – insbesondere dort, wo sie reichweiten- und werbefinanziert ist – häufig als „Freiheit“ verteidigt, auch wenn sie die gleichen Mechanismen bedient: Verkürzung, Erregung, Deutungsschablonen.
Darunter liegt ein pervertierter Freiheitsbegriff.
Negative Freiheit – verstanden als Abwehr von Regulierung – wird absolut gesetzt.
Demokratische Freiheit hingegen, also faire Teilhabe, gleiche politische Stimme und eine informierte Öffentlichkeit, erodiert gerade dann, wenn Eigentum und Marktmacht sich konzentrieren.
Wir wissen, was das im postfaktischen Zeitalter bedeutet – behandeln es aber oft wie ein Naturgesetz. Gleichzeitig nimmt die Vielfalt der Medienlandschaft ab. Milliardäre kaufen Medienmacht, meist mit erkennbarer politischer Agenda.
Geld ist kein Garant für Freiheit, Gleichheit oder Demokratie – jedenfalls nicht, wenn es sich konzentriert und damit politische Macht erzeugt. Wo Märkte entstehen, braucht es Regeln, die Macht begrenzen und Verantwortung durchsetzbar machen. Verlässliche Selbstregulierung ersetzt diesen Rahmen nicht.
Noch sind die Kampagnen der Rüpelmedien nicht zwingend auf dem Niveau der Desinformationskampagnen autoritärer Regime. Aber die Richtung ist erkennbar.