MDR schießt kleine weiße Werbetaube der „jungen Welt“ ab

Ja, es gibt sie noch, die „junge Welt“ (jW), eine kleine, linke Tageszeitung mit großer, zweifelhafter Geschichte. Um die Menschen daran zu erinnern, hat sie anlässlich ihres 70. Geburtstags eine Werbekampagne entwickelt, die im Wesentlichen aus folgendem Dialog besteht:

Frau: Was, die gibt’s noch?

Mann: Ja, am Kiosk.

Mit dem in der DDR verbreiteten Kinderlied „Kleine weiße Friedenstaube“ verkauft sich das Blatt als „Zeitung gegen Krieg“:

 

Mit der DDR-Nationalhymne als „Zeitung für historischen Optimismus“:

 

Und mit „Nazis raus“-Rufen als „antifaschistischer Schutzwall“:

 

Sechs verschiedene Varianten hat die „junge Welt“ produziert. Sie sollten unter anderem auf „Jump“, der Popwelle des MDR laufen. Doch der öffentlich-rechtliche Sender lehnte ab: Man dürfe ausschließlich Werbung für Produkte und Dienstleistungen ausstrahlen, nicht aber für Weltanschauungen und Ideologien. Die Frage „Was, die gibt’s noch?“ in den Spots ziele aber ausschließlich auf die Weltanschauung ab.

Die „junge Welt“ besserte daraufhin nach und produzierte Spots, die auf DDR-Lieder und „Nazis raus“-Rufe verzichteten. Nun hörte sich das ganze noch spröder an:

Mann: Tageszeitung „Junge Welt“!

Frau: Was, die gibt’s noch?

Mann: Ja, am Kiosk.

Dem Dialog folgt einer von mehreren Claims: „Zeitung gegen Krieg / für Medienkritik / für internationale Solidarität / für soziale Gerechtigkeit / gegen Faschismus“.

 

 

Die MDR-Werbung lehnte auch davon die meisten ab. Ausgestrahlt werden könnten allein die Varianten mit „Zeitung für Medienkritik“ und „Zeitung für Aufklärung“.

Auch der private Radiosender Ostseewelle Hit-Radio Mecklenburg-Vorpommern hat die Ausstrahlung der jW-Spots abgelehnt. Sie stellten „aufgrund ihres Inhalts sowie des ideologischen Hintergrunds der Zeitung ‚junge Welt‘ Werbung politischer und weltanschaulicher Art dar“. Die Ostseewelle bezieht sich auf den Rundfunkstaatsvertrag, der „Werbung politischer, weltanschaulicher oder religiöser Art“ für unzulässig erklärt.

Der Sender Radio Eins des RBB hatte hingegen nach Angaben der „jungen Welt“ mit den Spots keine Probleme und strahlt sie in ihrer ursprünglichen Form aus.

Sebastian Carlens, Innenpolitikchef der „jungen Welt“, fragt angesichts der Ablehnung durch Ostseewelle und MDR: „Wie soll eine Tageszeitung, die über Politik berichtet, ‚unpolitisch‘ Werbung machen? Nur für den Sportteil?“ Werbung für die Bundeswehr laufe hingegen unbeanstandet bei den Sendern – die gelte offenbar als „unpolitisch“.

In einem Gastkommentar für die morgige Ausgabe der „jungen Welt“ kritisiert der Rechtswissenschaftler Andreas Fisahn die Entscheidung von MDR und Ostseewelle. Er bezweifelt, dass es sich bei der Werbung für eine Zeitung um politische Werbung handelt: „Es wird für ein Produkt geworben, das wie jede andere Ware auch Kunden finden muss. Werbung für die ‚junge Welt‘ unterscheidet sich nicht von Werbung für Mercedes, ‚gelben Strom‘ oder ein Schlafmittel. Und natürlich muss man dabei etwas zu dem Produkt sagen.“ Das Bundesverfassungsgericht habe sogar Anzeigen von Benetton in zwei Fällen für zulässig erklärt, obwohl die Firma Werbung für Pullover über politische Inhalte betreiben wollte: „Wer für Pullover wirbt, darf also auch Politik verkaufen, wer für eine Zeitung wirbt aber nicht? Das ist verkehrte Welt.“ Das sei nicht mit der Meinungs- und Pressefreiheit vereinbar.

Nun ist die „junge Welt“ nicht irgendeine Zeitung. Sie nennt sich selbst „marxistisch orientiert“. Sie war das Zentralorgan der kommunistischen DDR-Jugendorganisation FDJ. Anfang 1990 hatte sie eine Auflage von über eineinhalb Millionen Exemplaren.

Sie wird vom Verfassungsschutz beobachtet, der sie in seinem aktuellen Bericht als „das bedeutendste und auflagenstärkste Printmedium im Linksextremismus“ einschätzt:

Einzelne Redaktionsmitglieder und ein nicht unerheblicher Teil der Stamm- und Gastautoren sind dem linksextremistischen Spektrum zuzurechnen. Die jW bekennt sich nicht ausdrücklich zur Gewaltfreiheit. Vielmehr bietet sie immer wieder Personen, die politisch motivierte Straftaten gutheißen, eine öffentliche Plattform.

Offenkundig ist aber Werbung für ein vom Verfassungsschutz beobachteten Medium nicht grundsätzlich ausgeschlossen beim MDR. Das Problem sind die konkreten Spots.

Auf Nachfrage erläutert Hans Warthmann, der Justiziar der MDR-Werbung, dass nur „Wirtschaftswerbung“ zulässig sei, also „Werbung für Produkte und/oder Dienstleistungen gegen Entgelt. Wirtschaftswerbung enthielten die eingereichten Spots zunächst gar nicht und schließlich nur zu einem Teil.“ Slogans wie „Zeitung gegen Krieg bzw. Faschismus“ stellten eine „weltanschauliche Aussage“ dar und seien insofern unzulässig. Auch der Hinweis auf den „Schwarzen Kanal“ in einem der Spots sei „weltanschaulicher Natur“ gewesen.

Die Spots, die mit den Claims „Zeitung für Medienkritik“ und „Zeitung für Aufklärung“ endeten, würden hingegen statt Weltanschauungen „Produktinformationen“ enthalten und entsprechend im Programm von Jump ausgestrahlt.

 
Medien besser kritisieren.

35 Kommentare

  1. „Sie wird vom Verfassungsschutz beobachtet“
    Was? Dieser merkwürdige Verein existiert wirklich und schützt nicht nur Rechtsterroristen, sondern „beobachtet“ auch Linke?
    „Beobachtung“ bedeutet höchstwahrscheinlich, dass die linksradikalsten Artikel der jW von V-Leuten geschrieben werden, auf dass man sie gegen die Zeitung verwenden und echte Opposition diskreditieren kann.

  2. Können wir jetzt auf großes Opfergeschrei und Meinungsfreiheit!!! à la AFD hoffen? Wär mal lustig, so aus der anderen Ecke.

  3. Die Ausreden der Sender kommen mir sehr absurd vor.
    Aber auch wenns ein bisschen vom Thema wegführt: Werbung mit der DDR-Hymne zu machen, find ich schon sehr daneben. Und „Zeitung gegen Krieg“ auch. Ersteres mehr so arschlochhaft, letzteres mehr so lächerlich. Aber beides sehr daneben. Oder nicht?

  4. „Zeitung gegen Krieg“ ist, wenn es wirklich ernst gemeint ist, in Deutschland allerdings eine echte Marktlücke.

  5. @Stefan Niggemeier: Man hofft es für sie. Aber (Hey, niemand hat geglaubt, dass ich hier mal kommentiere, ohne was zu nörgeln zu haben, oder?) wenn man in der Überschrift impliziert, eine kleine weiße Taube sei abgeschossen worden, während neben dieser auch noch die Hymne eines diktatorischen Unrechtsregimes im Raum stand, dann macht man sich in meinen Augen unnötig angreifbar, gerade wenn es gar keinen Unterschied dafür macht, dass die Begründung für den Abschuss an den Haaren herbeigezogen war. Insofern ist mir gerade klar geworden, dass mein kleiner Einwurf gar nicht so sehr vom Thema wegführt, sondern die Grundlage für eine handfeste Kritik bietet. Ha.
    Quis aggravat ipsos aggravantes?
    @Richard Ott: Und überhaupt ein echt dringend nötiges Konzept. Alles andere, was wir gegen den Krieg bisher versucht haben, scheint immer nur zeitlich und regional recht eng begrenzt zu funktionieren. Und so eine Zeitung ist im Vergleich ja sogar relativ preiswert. Also auf jeden Fall einen Versuch wert. *steht auf und wendet sich der Zukunft sowie einem Kiosk zu* *Reicht den Völkern dort seine Hand und dreifuffzich* *lernt und schafft wie nie zuvor*

  6. Dem Mittelmäßigen Rundfunk geht mal alter DDR-Kram gegen den Strich? Dass man das noch erleben darf …

  7. Wenn der offensichtlich unterschiedliche Umgang diverser ÖR-Medien mit Werbespots der jungen Welt ein Thema für Übermedien ist, hätte ich mir hier gerne etwas mehr Bewertung gewünscht, statt dessen gerät der Artikel zum klassischen Report.
    Ich habe hier Schwierigkeiten. Persönlich finde ich die Spots blöd. Speziell den Spot mit dem „antifaschistischem Schutzwall“, den es noch mit der JW auch noch gibt, finde ich mehr als blöd, war das doch die offizielle Metapher der SED für die Mauer. Das es die noch irgendwo gibt, sei es auch in geistiger Form, kann ich nicht als positiv besetzt sehen, wie der Spot es allerdings suggeriert.
    Aber das ist Ansichtssache, das ist persönliche Meinung.
    Entscheidender ist aber der simple Fakt, dass eine Demokratie nun mal ein Meinungsspektrum widerspiegelt in einer möglichst mannigfaltigen Bandbreite und der aufgeklärte Mensch akzeptieren kann, dass nicht nur die eigene Meinung dargestellt wird. Insofern ist die Ablehnung der Spots nicht nachvollziehbar, zumal Gauland, Petry (Frauke, nicht Wolfgang), Sarrazin, der seltsame Björn Hoecke und andere ebenfalls ausreichend Gelegenheit erhalten ihre Ansichten auf ÖR-Sendern abzusondern.
    Auf der anderen Seite war die JW in der Tat eine feste Größe in der Propagandamaschine der DDR und teilweise Zwangslektüre für junge Leute, die ganz andere Sorgen hatten als die Erfolgsmeldungen über die Planerfüllung oder die Kreation verbindlicher Feindbilder.
    Mir fällt es schwer hier für mich zu bewerten, ob die Ablehnung dieser Spots eine richtige Entscheidung darstellt.
    Da hätte ich mir, ganz speziell von einem Stefan Niggemeier, etwas Bewertung gewünscht, aber hier berichtet er nur.
    Schade.

  8. @JUB68: Och. Ich muss ja nicht zu allem eine Meinung haben (und vor allem: sagen). Und dass dies ein Bericht ist und kein Kommentar, liegt auch daran, dass wir das als erstes berichtet haben.

    Dass der „antifaschistische Schutzwall“ der DDR-Begriff für die Mauer war, ist den Hörern (bzw. der Zielgruppe) sicher bekannt. Das ist ja gerade der Witz. Ob man darüber lachen kann oder das einen guten Witz findet, ist wiederum Geschmackssache.

  9. Vielleicht übersehe ich auch was, aber fernab jeder politischen oder ästhetischen Bewertung, verstehe ich den Juristen so, dass man zwar nicht für Frieden oder Krieg werben darf, da der Verbraucher die nicht einfach kaufen kann, für eine Zeitung aber schon.
    Nun wirbt diese Zeitung mit einer politischen Haltung, oder zumindest mit politischem, vielleicht sogar selbstironischem Witz. Da diese Zeitung aber weiterhin ein Produkt ist, dass der Verbraucher kaufen kann, bleibt es doch Wirtschaftswerbung.

    @JUB68
    Ganz ungefragt gebe ich gerne meine Bewertung ab:
    Ich finde die mdr Begründung unlogisch und deshalb auch wenig peinlich. Ein wenig so, als würde man unliebsame Verwandte gerne von der nächsten Feier ausladen, aber jeder aufgeführte Grund ist lahm – und der eigentlich Grund ist einfach Antipathie.

    [Offenlegung: Ich habe noch die jW gelesen, glaube aber auch nicht das ich das für dieses Urteil tun muss.]

  10. @13 Pitpitpat
    Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das Lesen dieser Zeitung für ein derartiges Urteil unnötig ist.
    Ich greife mal Ihr Beispiel auf:
    Natürlich ist die Einstufung eines Verwandten als „unliebsam“ subjektiv. Präsentiert dieser aber Verhaltensweisen, die eine erhebliche Anzahl von fremden Leuten ebenfalls als „unliebsam“ bewerten, werden die „lahmen Ausreden“ nachvollziehbarer, wenn auch nicht logischer.
    Die meisten wollen nicht sagen, dass Onkel Erwin regelmäßig die Hinterteile der weiblichen Gäste betatscht und deswegen nicht kommen soll. Die ÖR wollen eben nicht sagen, dass sie für ein marxistisch orientiertes, schon sehr linkes Blatt keine Werbung machen wollen.
    Um das zu beurteilen, müsste man schon wissen, ob der alte Erwin seine Finger tatsächlich nicht bei sich behalten kann.
    Oder eben JW lesen.

  11. Nun ja… Es gibt Zeitungen, die darf ein kleiner privater Einzelhändler nicht ungestraft aus dem Sortiment nehmen, aber der ÖR-Rundfunk darf einer (nicht verbotenen) Zeitung die Werbung verweigern? Der selbe ÖR-Rundfunk, der andauernd die rechte bis rechtsextreme in die Talkshows einläd, damit die da kostenlos für sich werben dürfen?

  12. @JUB68

    Vielleicht habe ich nicht deutlich genug argumentiert:

    Ich habe mit voller Absicht politische oder weltanschauliche Positionen aussen vor gelassen, da der Justiziar sich auch nicht auf die Positionen jW bezog, sondern lediglich behauptete: Die Werbung sei keine Wirtschaftswerbung, da man das Produkt (z.B. Frieden) nicht kaufen.
    Das ist für mich Quatsch mit Soße. Eine Autohersteller könnte (und hat wahrscheinlich auch schon) damit geworben, dass man mit seinen Produkten besonders entspannt und glücklich ist.
    Da würde ich als erbsenzählerischer Justitiar in spe auch behaupten können, dass man Enstpannung und Glück nicht kaufen kann. Höchstens Produkte, von denen man hofft, sie könnten einem dazu verhelfen.
    Die jW hat ja auch nicht ernsthaft behauptet, man könne den Frieden bei ihr kaufen. Das wäre dann ja auch eher etwas für die Verbraucherschutzzentralen: Die Mogelpackung des Monats ;)

    Und andersrum: Wenn die jW eine konkret verfassungsbedrohende Haltung hätte, dann wäre das sicher alleine Argument und es wäre auch sofort gebracht worden. Die Tatsache, dass man nicht so argumentiert hat, zeigt, dass man eine solche Argumentation nicht für erfolgsversprechend hielt.

    Gruß

    pit

  13. Ein Argument gegen die DDR-Hymne wäre, dass das ja bei manchen Leuten schlechte Gefühle triggern könnte, und das wolle man seiner Hörerschaft ersparen.

    Aber in der Summe kommt mir das wie lahme Anti-Onkel-Erwin-Ausreden vor.

    Dass eine Zeitung, die sich als marxistisch versteht, _mit_ ihrem Marxismus Werbung macht, ist aber doch klar, oder?

  14. Ich finde die „Junge Welt“ widerlich, das ging mir vor 1989 so und es geht mir noch heute so. Politisch gefärbter Journalismus stört mich ohnehin, aber bei dieser Zeitung geht es auch noch über meine Toleranzgrenze hinweg.
    Zudem finde ich die Werbung absolut geschmacklos. Man stelle sich vor, die „Nationalzeitung“ würde mit dem Horst-Wessel-Lied und dem Spruch „Wollt Ihr die totale Zeitung (hahaha)“ werben.
    Aber Geschmack und Sympathie sind erstens subjektiv und zweitens nicht justiziabel, erst recht nicht in einer Demokratie. Solange die „Junge Welt“ nicht verboten ist, sollte sie deshalb auch werben dürfen. Deshalb verstehe ich die Entscheidung des MDR nicht und kann sie nicht gutheißen.
    (Vielleicht öffnet die geschmacklose Werbung ja auch einigen die Augen. Oder ist so teuer, dass sich die Zeitung übernimmt und Pleite geht. Never stop dreaming!)

  15. Langweilige Werbung gehört generell verboten. Gesetzlich! So. Und wer dilettantische Amateursprecher für seine Spots bucht, um Kosten zu sparen, wird mit Tolstoihörbuchhören nicht unter 9 Monaten bestraft.

  16. @ 1 – Danke für den Schenkelklopfer, selten so gelacht!

    @11 JUB 68 – m.E. hinkt hier der Vergleich zur „A“fD – denn Gauland macht ja nicht bezahlte Werbung für sich vor den Nachrichten im Radio. Ein Schuh wird daraus, wenn man grundsätzlich die JW nicht einlädt oder anlässlich ihres Jubiläums gar nicht erwähnt (was evtl. so ist – das wäre aber nicht Thema des kommentierten Beitrags).

    Zum Artikel – natürlich kann doch die Bundeswehr Werbung schalten – denn diese ist sowieso nur ein Vehikel zur Arbeitsbeschaffung und Elitenfinanzierung, mit Politik hat dieser Verein doch nichts zu tun. Ich freue mich schon auf den neuen Slogan – “ Bundeswehr – wir halten Sie bei der Stange“.

  17. „wer dilettantische Amateursprecher für seine Spots bucht“
    S-e-i-t-e-n-b-a-c-h-e-r ist schlimmer und geht seit Jahren über den Äther. Das sollte nicht das Hauptproblem der jW-Spots sein, die DDR dagegen schon.
    Es finden sich durchaus informative, differenzierte Artikel und Autoren bei der jW und beim Neuen Deutschland. Auch wer nicht an sozialistische Lösungen glaubt, kann dort Nahrhaftes finden, vielleicht eher als im salonlinken „Freitag“.

  18. ich finde den letzten Absätze plausibel.
    Aber es ist auch eine juristische Sache, da gibt es keine klaren Grenzen.

    Es ist aber schade, dass gegen Krieg sein, weltanschaulich sein soll und nicht die tiefst menschliche Sehnsucht nach Frieden.

  19. @Andreas Müller/22:
    „Seitenbacher“ ist für die Bemängelung der sprecherischen Qualität immer ein ganz schlechtes Bespiel. Die Spots stehen unter dem Motto: „Hier wirbt der Chef noch selbst.“
    Und er lässt es sich auch nicht nehmen, die Werbung für den amerikanischen Markt selbst zu besprechen.
    https://www.youtube.com/watch?v=NtLD-L_P9tg

  20. @24 – sauber, ich hatte immer den Verdacht, das können nur Verwandte vom Chef sein – bingo! Den Wetterteaser im moma hat er wenigstens neu eingesprochen. Aus dem selben Grund kaufe ich auch keine Produkte von Ferrero – weil deren Werbung auch oberhalb meiner Frustrationsgrenze liegt.

  21. „Seitenbacher – easy to eat, hard to spell“.



    Willi Pfannenschwarz hat sein eigenes Tonstudio im Keller. Vermutlich nimmt er die Spots morgens um vier in einem Anfall von Schlaflosigkeit auf. Aber immerhin twittert er nicht.

  22. Kleine Anmerkung: Der Verfassungsschutzbericht liegt (wie so oft) komplett daneben, die „junge Welt“ ist im Gegensatz zur aus der selben Redaktion hervorgegangenen „Jungle World“ im Großteil der linksradikalen Szene absolut verpönt und dürfte als Hauptleserschaft wohl eher DDR-Apologeten älteren Jahrgangs haben – was auch relativ gut an den furchtbaren Werbespots zu hören ist.

  23. @Andrea Báncsov/28:
    Wenn dem so wäre, muss man sich allerdings die Frage stellen, warum die Zeitung ihre Spots in der (angeblich) jungen Welle des Mittelmäßigen Rundfunks platzieren wollte und nicht in einem der Oldie-/Schlagerdudler des Hauses.

  24. @Blueko
    Weil die von mir beschriebene Menschengruppe naturgemäß immer kleiner wird und man daher versucht eine neue Zielgruppe zu erschließen – ohne dabei aber den Stil der Werbung umzustellen.

    Das Verbot der Werbung ist natürlich trotzdem Quatsch.

  25. @Mycroft Man kann sich ja statt der Ruinen in der Melodie der DDR-Nationalhymne auch den Text der Kinderhymne hindenken.

    Wikipedia sagt dazu zumindest, „[d]as Versmaß der Kinderhymne entspricht [..] nahezu dem der Nationalhymne der DDR. [Beide] Texte können daher auch auf die Melodien der jeweils anderen gesungen werden.“

  26. Als junge-welt-Abonnent – und damit hier die Ausnahme im Kommentarbereich – muss man mal festhalten: Die junge welt hat eine Tradition, in gewisser Weise zu provozieren (man muss jedes Jahr mal auf die Titelseite zum 13. August achten). Insofern sind die Spots schon konsequent, und über Geschmack lässt sich streiten. Am Ende sind aber die Begründungen der Radiosender in meinen Augen ziemlich entlarvend, wer da noch die doppelten Standards übersieht, dem ist nicht zu helfen.

    Und was die Beobachtung durch den VS angeht: Deren jährlich wiedergekäute Begründung ist in etwa so robust wie die des MDR. Aber allen Seiten, inklusive der jw, würde wohl was fehlen, wenn die Feindbilder abhanden kämen.

  27. Ich finde die Behauptung, „Zeitung gegen Krieg“ stelle eine „Werbung politischer und weltanschaulicher Art dar“ tatsächlich sehr überzeugend. Was heißt denn das — Zeitung gegen Krieg? Das klingt erst einmal so selbstverständlich, dass es doch unmöglich eine politische Aussage sein kann. Aber ich denke, die Logik geht umgekehrt: Es ist ja nicht so, dass sich große Teile der Bevölkerung einen Krieg wünschte — mit welchem Ziel auch?. Allein schon ganz pragmatisch gesprochen weil Kriege üblicherweise sehr viel Geld kosten. Und dabei deutsche Soldaten sterben. Ich denke, kaum einer hat nicht mal ein Photo vom Nachkriegsberlin, -dresden, -coventry, -tokio, etc. gesehen. Bevor man überhaupt anfangen muss, darüber zu sprechen, ob Kriege eigentlich moralisch vertretbar sein kann und legal sein darf, hat man sein Gegenüber typischerweise bereits davon überzeugt, dass einen Krieg zu führen nicht in unserem Interesse liegt. Die meisten würden Vieles einem Krieg vorziehen.

    Wenn wir also ohnehin quasi alle „gegen Krieg“ sind, dann muss jemand, der es für nötig hält, sich das auf die Fahne zu schreiben, noch einmal weit tiefer in der Überzeugung stecken. Er oder sie muss bereit sein, einen Krieg selbst dann nicht in Erwägung zu ziehen, wenn viele andere Deutsche ihn für angemessen hielten. Sich dahinter zu stellen ist für mich eindeutig eine politische Aussage, und keine gemäßigte.

  28. @Richard Ott: Ich nehme an, Sie meinen damit Georg Klein, auf dessen Befehl hin ein Tanklastwagen in Afghanistan bombardiert wurde, mit verheerenden Folgen? Ich bin mit seinen (um Ihre Frage zu beantworten: nein, er und ich sind dieselbe Person) öffentlichen Äußerungen nicht genügend vertraut, um zu verstehen, worauf Sie hinauswollen. Oder vielleicht sehen Sie Parallelen zwischen seinem Handeln und meinen Äußerungen, die sich mir entziehen. So oder so müssten Sie sich schon etwas erklären.

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