Herbert-Quandt-Medienpreis

Deutschlands höchstdotierter und höchst problematischer Journalistenpreis

Exklusiv für Übonnenten
Herbert Quandt
Herbert Quandt 1939 im Aufsichtsrat der Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken, einem der wichtigsten Rüstungskonzerne in der NS-Kriegsmaschinerie

Alle Jahre wieder wird in Deutschland ein Journalistenpreis zu Ehren eines schwerreichen Industriellen verliehen. Es ist ein Preis „im Gedenken an die Persönlichkeit und das Lebenswerk des Unternehmers Dr. h.c. Herbert Quandt“, wie es auf der Homepage der Johanna-Quandt-Stiftung heißt. Die Verleihung ist üblicherweise am 22. Juni, denn dieser Tag war Herbert Quandts Geburtstag.

In sommerlicher Atmosphäre wird dann eines Mannes gedacht, der Mitglied der NSDAP war und Fördermitglied der SS. Ein Journalistenpreis zum ehrenden Gedenken an einen Unternehmer, der während der NS-Diktatur mitverantwortlich war für das Leid Tausender ausgebeuteter Zwangsarbeiter, der eine führende Rolle in der Rüstungsindustrie einer kriegerischen Diktatur hatte und der überdies an mehreren sogenannten Arisierungen auf Kosten jüdischer Unternehmer mitwirkte.

Obwohl ihnen das alles eigentlich bekannt sein könnte, bewerben sich Jahr für Jahr Dutzende deutscher Journalistinnen und Journalisten mit ihren Beiträgen darum, mit dem Herbert-Quandt-Preis ausgezeichnet zu werden. Dabei ist inzwischen sogar historisch erwiesen und durch Akten belegt, dass der Namensträger des Preises 1944 persönlich ein Außenlager für KZ-Häftlinge in Schlesien geplant hat.

Wie ist das möglich? Hängt das große Interesse von Journalistinnen und Journalisten an diesem Preis mit der besonderen Eitelkeit ihres Berufsstandes zusammen? Oder rührt es daher, dass der 1986 von der Milliardärsfamilie Quandt gestiftete Medienpreis mit insgesamt 50.000 Euro Preisgeld der höchstdotierte in Deutschland ist? Und dass gutes Geld für guten Journalismus einfach nicht stinkt?

Dieser Artikel handelt davon, wie groß die Rolle war, die die Quandts in Hitlers Kriegsmaschinerie spielten, wie wenig Berührungsängste es auch nach dem Krieg mit Altnazis gab und wie widerwillig die Familie und ihre Unternehmen ihre Geschichte später aufarbeiteten. Er handelt aber auch von Journalisten, die keine Probleme damit haben, über eine Unternehmerfamilie zu berichten, von der sie Geld bekommen haben – und sich zum Teil einer PR-Strategie zu machen.

Das Schweigen der Quandts

Die NS-Verstrickungen der Industriellenfamilie sind erstmals 2002 von mir in dem Buch „Die Quandts. Ihr leiser Aufstieg zur mächtigsten deutschen Wirtschaftsdynastie“ dargestellt worden. Es bildete die Grundlage für den 2007 ausgestrahlten NDR-Dokumentarfilm „Das Schweigen der Quandts“. Erst durch den Fernsehfilm, der den Opfern der Zwangsarbeit Gesicht und Stimme gab, geriet die Familie in der deutschen Öffentlichkeit so unter Druck, dass sie sich ihrer braunen Vergangenheit stellen musste. Sie beauftragte den Bonner Historiker Joachim Scholtyseck, ihre Geschichte vor und während der NS-Zeit wissenschaftlich aufzuarbeiten. Die Quandts gewährten Scholtyseck einen Zugang zu den Akten ihres Archivs, die sie vorher streng unter Verschluss gehalten hatten.

Nach der Ausstrahlung des NDR-Films kam es 2008 zu einem Krach im Kuratorium der Johanna-Quandt-Stiftung, die den …

2 Kommentare

  1. Das ist ein Brett, welches mir bis jetzt überhaupt nicht bekannt gewesen ist. zu solchen Persönlichen hätte man eigentlich mal was im Geschichtsunterricht lernen sollen, stattdessen bekam der auch noch allerlei Auszeichnungen und Würdigungen .

    Vielen Dank für den Artikel

  2. Also mal ehrlich, muss man denn immer wieder solch alte, ach uralte Menschen und ihren bis heute lebendigen Einfluss aufmischen?Wenn doch sogar bei der SZ Quandt-Preisträgerinnen arbeiten und Interviews vergeigen dürfen!?!? Im Ernst: Sehr deprimierend, was da im Zusammenhang mit diesem Preis insgesamt zu lesen ist. Trotzdem Dank dafür.

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