Friedrich Merz‘ „Zahnarzt“-Aussage

Vor lauter Faktenchecks sehen Medien die Fremden­feindlichkeit nicht

Friedrich Merz im "Welt Talk"
Screenshot: Welt.de

Medien überbieten sich dieser Tage mit Faktenchecks zur Causa „Merz und die Zahnärzte“. Frederik von Castell hat für „Übermedien“ zu Recht kritisiert, dass dabei das Format Faktencheck überstrapaziert und mit Meinung und Aussagen zur Person vermischt wird.

Aber vielleicht liegt dies auch daran, dass ein Faktencheck den Kern von Merz‘ Aussage verfehlt. Denn Fakten sind hier die falsche Ebene: Merz‘ Aussage schert sich nicht um sie. Die Inhalte sind austauschbar. Ein Diskurs ist nicht vorgesehen. Der Kern der Aussage zielt auf Affekte und bedient ein fremdenfeindliches Basisnarrativ.

Wenn Friedrich Merz sagt, „die sitzen beim Arzt, lassen sich die Zähne neu machen, und die deutschen Bürger nebendran kriegen keine Termine“, dann aktiviert er Gefühle des Neides und der Angst. Er nutzt eines der weitverbreitetsten Muster fremdenfeindlicher Erzählungen: „Die“ nehmen „uns“ etwas weg – etwas, das eigentlich uns zusteht. Es ist eine alte Geschichte, die variantenreich erzählt wird: Mal sind es die Frauen, dann die Wohnungen, dann die Arbeitsplätze, um die redliche Bürger gebracht werden. Nun also sind es die Zahnärzte. Neid ist ein hässliches Gefühl. Niemand gesteht es sich gerne ein. Es wird verdrängt, dringt nicht unbedingt ins Bewusstsein. Darum entzieht es sich einer rationalen Auseinandersetzung. Aber es ist auch ein heftiges Gefühl. Da kriegt jemand etwas, was ich nicht bekomme. Die werden besser behandelt.

Narrative sind wirkmächtig. Jede:r Journalist:in weiß, dass eine gut erzählte Geschichte, die Menschen tiefer erreicht, besser aufgenommen und besser behalten wird, als bloße Fakten. Warum? Weil sie die emotionale Ebene anspricht und Zusammenhänge herstellt, Ursachen und Folgen im zeitlichen Verlauf benennt: Weil die Asylbewerber:innen von den Zahnärzt:innen bevorzugt behandelt werden, kriegen die Deutschen keine Termine mehr. Das Problem hat eine Ursache, ein Sündenbock ist gefunden. Das Narrativ fällt gegenwärtig auf fruchtbaren Boden, in eine gesellschaftliche Stimmung, die Migration zunehmend kritisch und als Belastung sieht. Merz bedient diese für die gesamte Gesellschaft sehr gefährliche Stimmung mit einer der stärksten fremdenfeindlichen Erzählungen. Er hat Öl ins Feuer gegossen, wie der Politikberater Johannes Hillje schreibt.

War es Kalkül? Dann war es infam, verletzt grundlegende Werte dieser Gesellschaft und schadet dem Land. Dazu später. Oder ist dieser sehr vermögende Unionspolitiker tatsächlich vom Neid auf die Ärmsten der Armen zerfressen? Dann ist es gruselig.

Darüber aufzuklären hätte im Mittelpunkt der Berichterstattung stehen müssen. Stattdessen folgte Faktencheck auf Faktencheck auf Faktencheck. Welche Leistungen erhalten abgelehnte Asylbewerber:innen? Wie schwierig ist es einen Zahnarzttermin zu bekommen? Was zahlt die Krankenkasse? Was gibt es für Soziallleistungen? Doch auch wenn so Aussagen von Merz widerlegt werden – gegen Stimmungen kann man nur schlecht argumentieren. Starken Gefühlen und in sich schlüssigen Erzählungen ist mit rationalen Argumenten nur schwer beizukommen, so falsch deren Grundlage auch immer sein mag.

Eine journalistisch saubere Themaverfehlung

Nehmen wir das „heute journal“ vom 29. September. Als Reaktion auf Merz‘ Aussage erläutern in einem Gespräch die Rechtsexpertin Sarah Tacke und Moderator Christian Sievers die Rechte abgelehnter Asylbewerber:innen in Deutschland und vergleichen die Situation mit dem europäischen Ausland. Journalistisch sauber gemacht, faktentreu, neutral. Man erfährt, dass die Bedingungen in den Nachbarländern strenger sind als hier.

Aber was ist da eigentlich passiert? Eine infame Äußerung wird durch solche Berichterstattung zu einem faktenorientierten, diskussionswürdigen Thema geadelt – der menschenverachtende Kontext ist verlorengegangen. Man arbeitet denen in die Hände, die jetzt mit Unschuldsmiene verkünden: Darüber wird man doch wohl noch diskutieren dürfen. Das eigentliche Thema aber wird so verfehlt: Die berechtigte Empörung über den fremdenfeindlichen Kern von Merz‘ Aussage fällt unter den Tisch. Vermeintliche Neutralität kann sehr parteilich sein.

Eigentlich ist es längst bekannt: Das Problem bei Populisten wie Donald Trump sind nicht in erster Line die falschen Fakten. Das Problem ist, dass sie Gefühle und Stimmungen in der Gesellschaft triggern, für die die falschen Fakten nur eine Basis sind. Und wer nur die Fakten korrigiert, kommt gegen die Stimmungen nicht an. Vernunft und rationale Argumente sind leise gegen die Heftigkeit der Affekte. Wer Narrative entzaubern will, muss sie bewusst machen, muss den Menschen zeigen, welche Gefühle sie in ihnen auslösen und wie sie wirken. Ein aufklärerischer Journalismus, der sich von der Politik nicht instrumentalisieren lassen will, muss die Narrative erkennen und erklären, wie sie funktionieren.

Der Faktencheck ist nur ein Baustein

Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich argumentiere hier nicht gegen Faktenchecks. Sie sind notwendig und sinnvoll. Aber sie sind nur ein Baustein. Das Gebäude sind die Erzählungen, die Narrative und Frames, die in einer Gesellschaft kursieren. Es ist eigentlich seit längerem eine Binsenweisheit, dass der „Fakten, Fakten, Fakten“-Journalismus die Wirklichkeit nur unzureichend erfasst. Fakten sind in Narrative eingewoben. Und ihre Bedeutung entsteht erst in diesem Kontext.

Natürlich wird man mit solcher Aufklärung keine überzeugten Rassist:innen erreichen. Aber man kann vielleicht denen, die zweifeln, verständlicher machen, was gerade im öffentlichen Diskurs passiert. Das ist auf gewisse Weise schwieriger als die Recherche von Fakten und man macht sich auch angreifbarer, denn man interpretiert. Tatsächlich müsste die Analyse von Narrativen und Frames in die journalistische Ausbildung integriert werden. Ebenso wie das Erkennen und die Analyse von Affekten, die nicht nur in den sozialen Medien ein ständiger Begleiter der Kommunikation sind.

Um dieses Geschehen zu erfassen, muss man – eben anders als beim Faktencheck – einen Schritt zurücktreten und das Ganze betrachten: In welchen gesellschaftlichen Kontext fällt eine Aussage? Welche Affekte sind beim Urheber erkennbar, welche beim Publikum? Welche Interaktionen entstehen, welche Performance, welche Szene? Denn hierin und nicht im Inhalt liegt die eigentliche Botschaft von Merz‘ Aussage. Das Dilemma ist, dass man seine Aussage mit jeder Berichterstattung Merz wiederholt und ihr und Merz eine Plattform bietet. Wäre die Aussage von der AfD-Seite gekommen, hätte man sie vermutlich getrost ignoriert, man erwartet ja nichts anderes. Aber hier hat sich der Vorsitzende einer christlichen Volkspartei in einer Weise geäußert, die Grundwerte dieser Gesellschaft verletzt. Da hat der Journalismus eine Aufklärungspflicht.

Ja, es ist eine Katastrophe

Hinter den Zahlen und Fakten drohen die Betroffenen, um die es geht, aus der Berichterstattung zu verschwinden. In Merz‘ Aussage verwandelten sie sich gar in triumphierende Absahner. Ein aufklärerischer Journalismus könnte hier den Blick auf die Menschen lenken: Wer sind die abgelehnten Asylbewerber:innen, welche Geschichten haben sie? Dem fremdenfeindlichen Affekt ist es übrigens egal, ob es um abgelehnte Asylbewerber:innen, Migrant:innen oder Menschen mit Migrationshintergrund geht. Wie also erleben Bürger:innen mit Migrationshintergrund in unserem Land die im Kern fremdenfeindlichen Aussagen? Ethische Prinzipien sind der Kern dieser Debatte, aber man darf auch mal aufs Ökonomische schauen: Wie wirkt die Debatte im Ausland? Werden die Fachkräfte, die die Gesellschaft so dringend braucht, abgeschreckt? Nicht erst dann wäre Merz‘ Statement übrigens das, was er dem politischen Gegner vorwirft: „Eine Katastrophe für dieses Land“ und seine Gesellschaft.

Manchmal ist auch Ironie ein hilfreiches Mittel, um über die Absurdität einer Aussage aufzuklären. Der Satire-Account „Der Postillon“ postete kurz nach Merz‘ Statement bei X (vormals Twitter) das Bild eines dunkelhäutigen jungen Mannes, der mit schneeweißem Zahnpastalächeln in einem Behandlungsstuhl sitzt. Der Text dazu: „Mann verlässt Heimat, zahlt tausende Euro an Schlepper, kommt auf Schlauchboot fast ums Leben und wohnt monatelang in Massenunterkünften, um günstig an Zahnfüllung ranzukommen.“

Dem ist nichts hinzuzufügen.

13 Kommentare

  1. Doch, ich würde diesem sehr guten Artikel noch hinzufügen wollen, dass zu einer gründlichen Selbstkritik des Journalismus in diesem Fall (und anderen) gehören müsste, dass man sich einmal aus der Haltung herauslöst, es wäre vor allem an Journalist:innen gelegen, diese Narrative oder Hintergründe für die Otto-Normalverbraucher:in erst zu enträtseln und sie folgerichtig zu warnen. Das ist *auch* wichtig. Mein Eindruck aus Gesprächen mit Nicht-Journalist:innen ist aber vor allem der, dass sie den Kern von Merz‘ Aussagen sehr wohl begriffen haben und sich überhaupt nicht auf die Spirale eingelassen haben, in die Teile des Journalismus wieder einmal abgetaucht sind. Journalist:innen sind eben nicht klüger, sondern vielleicht sogar besonders anfällig dafür, solchen Narrativen auf den Leim zu gehen, weil sie binnen Minuten entscheiden müssen (sic!) auch etwas zum Thema zu schreiben, sich am Nachrichtenmarkt zu beteiligen etc. Dann werden im normalen Zyklus tiefergehende „Analysen“ ein, zwei Tage später nachgeliefert. Menschen, die nicht auf X (vormals Twitter) abhängen und den Rhythmus ihres Medienkonsums nicht von Mutuals aus Medienbranchen bestimmen lassen, können sich solchen Dynamiken eher entziehen. Long story short: Wer sich die Nachrichten von X vorgeben lässt, ist ziemlich lost. Da hilft’s womöglich auch nicht, wenn man auf einer Journalistenschule Narrative enttarnen gelernt hat.

  2. Ich bin erstaunt, was hier für Geschütze aufgefahren werden: „infame Äußerung“, „die Grundwerte dieser Gesellschaft verletzt“, „menschenverachtende Kontext“.

    Auch behauptet die Autorin beleglos, „das Narrativ fällt gegenwärtig auf fruchtbaren Boden“.

    Ich glaube das überhaupt nicht. Mein Narrativ wäre eher, wie ungeschickt der angeblich große Rhetoriker Merz durch die Gegend holpert. Wie kommt es, dass der glaubt, solche Sprüchlein würden bei den Leuten verfangen??

    Mal unter den angebotenen Begriffen „Framing“ und „Narrativ“ betrachtet: Wenn ich gegen Migranten hetzen wollte, dass sie uns X wegnehmen. Dann muss dieses X etwas begehrenswertes sein, wonach das Publikum sich wahrscheilich sehnt: Urlaub auf Staatskosten! Schöne, große Wohnung! Meinetwegen auch die Frauen.

    Aber es gibt wohl kaum etwas, dass sich weniger eignet für ein Framing des Begehrens, als stundenlang auf dem Zahnarztstuhl sitzen zu dürfen. Wer fühlt sich da angesprochen?? (Außer die mit akuten Zahnschmerzen vielleicht.) Dieses Framing platzt also wie eine Seifenblase.

    Und als eingeübtes Narrativ funktioniert „sich im Ausland die Zähne machen lassen“ ja exakt andersherum: Der Deutsche fährt nach Tschechien oder Ungarn, um dort (wegen der hohen Zuzahlung!), sich billig die Zähne richten zu lassen. Merz will also das etablierte Narrativ „sich woanders die Zähne machen lassen“ einfach umdrehen. Auch diese rhetorische Seifenblase platzt. Da passt einfach gar nix.

    Wirklich ein Rhetoriker vor dem Herrn, dieser Merz!

    Tut mir leid, bei sowas wird mir nicht bang um „die Grundwerte dieser Gesellschaft“. Da ich der CDU wünsche, noch lange von irgendeiner Regierungsbeteiligung entfernt zu bleiben, drück ich die Daumen, dass diesem Merzschen Rohrkrepierer noch viele weitere folgen mögen.

    Faktencheck, Kopfschütteln und weitergehen. Man muss sich hier als Kommunikationswissenschaftlerin nicht aufregen. Höchsten wundern.

  3. @Chateaudur
    Au contraire mon cher.
    Besonders infam an dem Narrativ ist eben, dass in den letzten Jahrzehnten ( ziemlich genau beginnend mit der Wiedervereinigung ) Zahnersatz für Normalverdiener mindestens einen heftigen Schlag in den Kontor bedeutet, für manchen ( auch viele Berufstätige ) aber gar nicht mehr finanzierbar ist. So viele Zahnlücken in den Mündern sah man noch in meiner Jugend selten.

    Und exakt hier triggert Merz Neid, in dem er so tut, als bekämen Geflüchtete diesen umsonst und bervorzugt.

    Es hat auch noch die Ebene, der in der Karikatur dargestellt wird, in der der Kapitalist mit Buch und Zylinder vor seinem riesen Haufen Kekse sitzend, dem Arbeiter, der einen mickrigen Keks hat, zuflüstert:
    „Pass auf, der Arme will deinen Keks!“

  4. @#2: „Wie kommt es, dass der glaubt, solche Sprüchlein würden bei den Leuten verfangen??“ – ganz einfach, weil sie bei den Leuten verfangen.
    Ich war letzte Woche auf einer Baustelle bei einem Rentner im Erzgebirge, sitze mit zwei Kollegen am Tisch und trinke Tee. Was denken sie, welche Stammtischreden zu der angeblichen Zahnarztsituation da ausgepackt worden sind? Nach Trump, seit Afd und allen Konsorten, brauchen wir uns über die Effektivität solcher Aussagen nicht mehr zu unterhalten.

  5. Zitat aus dem Artikel von Frau Herrmann: „Oder ist dieser sehr vermögende Unionspolitiker tatsächlich vom Neid auf die Ärmsten der Armen zerfressen?“ Ja, Herr Merz ist tatsächlich sehr vermögend. Er ist Jurist und hat viel Geld in der Finanzwirtschaft verdient. Was er in der Politik verdient, ist vergleichbar mit dem was andere Politiker als Abgeordnete, Partei- oder Fraktionsvorsitzende verdienen. Recht gut verdienen übrigens auch beamtete Professorinnen. Professoren, Politiker und gut verdienende Angestellte und Selbständige dürften meistens privatversichert sein. Sie konkurrieren also nicht mit der Gruppe, von denen Merz und alle Faktenchecker sprechen. Diese Leute landen nach spätestens 18 Monaten in der gesetzlichen Krankenversicherung. Wenn sie nicht einigermaßen Geld durch eigene Arbeit verdienen, kosten sie die Krankenkassen Geld. Dieses Geld müssen die gewöhnlichen Beitragszahler erwirtschaften. Steigen die Kosten zu stark, gibt es Beitragserhöhungen. Das hat nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun, sondern ist eine einfache Milchmädchenrechnung. Herrn Merz und Frau Herrmann dürfte das ihren relativen Wohlstand kaum beeinträchtigen. Viele nicht so gut gestellte Einwohner Deutschlands haben deshalb Sorgen.

  6. @Florian Blechschmidt:
    Derzeit wird bezahlt bei Festzuschuss der Krankenkasse ohne Bonusheft (60 %)
    Totalprothese:
    Oberkiefer: 475 €
    Unterkiefer: 510 €

    Gesetzliche Krankenkassen sind eine Solidargemeinschaft, bei der die Reichsten ( wie so oft in diesem Land ) die Solidarität in der Mehrheit verweigern.
    Ich bin freiwillig in der gesetzlichen KK geblieben, weil ich kein Problem damit habe.
    Auch hier wieder paßt „der Arme will deinen Keks klauen“ Narrativ.

  7. @Florian Blechschmied Das sehe ich auch so. Bei der vermögenden Professorin entstehen natürlich keine „Gefühle des Neides und der Angst“, weil sie selbst ja nicht mit der Gruppe der Asylwerber um knappe Ressourcen konkurriert; seien es nun Wohnungen, Arbeitsplätze oder Facharzttermine. Dementsprechend fehlt ihr offenbar jegliche Empathie.
    Natürlich sind Faktenchecks hier die richtige Ebene. Denn wenn Merz recht hätte, wären auch die Neidgefühle der weniger vermögenden Bevölkerung berechtigt. Man muss diesen Menschen daher erklären, inwiefern Merz falsch liegt. Anstatt sie darüber zu belehren, dass Neid ein „hässliches Gefühl“ ist.

  8. @Helmut E.:
    Angst vor Asylbewerbern als „Konkurrent“ auf der Wohnungssuche?
    Der Arme will deinen Keks.
    Gleichzeitig vernichtet die Gentrifizierung im großen Stil Wohnraum für Mittelstandsfamilien. Sozialbindungen laufen relativ bald aus und die neuen Mieter können pro Kopf ein Vielfaches an Quadratmetern bezahlen.
    Selbst wenn gebaut würde, gäbe es nicht ausreichend Baugrund in den Großstädten, um auch nur annähernd mal in die Situation zu kommen, dass das Angebot die Preise nach unten regulieren könnte. Aber die Asylbewerber:innen sind das Problem. Wohlgemerkt auch nicht die Ukrainer:innen, deren Zahlen doch viel größer sind. Und das owbohl die Gefahr, dass von Ihnen jemand bei der Wohnungssuche bevorzugt wird, doch erheblich größer ist, als bei den meisten anderen Asylbewerbern.

    Wohlgemerkt, ich bin für die Aufnahme der Menschen aus der Ukraine.
    Selbstverständlich!
    Es sollten bei Kriegsflüchtlingen da nur sowieso keine Diskussionen geben.

    Der Wohnungs“markt“ ist durch Privatisierung und Überkapitalisierung zerstört worden, nicht durch Flüchtlinge. Es wurde in den Städten auf Teufel komm raus privatisiert und Sozialwohnungsbestand fast aufgelöst. Seitdem Leerstand manchmal sanktioniert wird, wird der Baubeginn solange wie möglich verzögert und die Tranche durch multiple „Projektentwickler“ geschleust, wobei sich der Preis der Immobilie jedes mal wundersam massiv erhöht.

    Aber klar, der Asylant, derjenige, der sowieso die geringsten Chancen hat, eine Wohnung am Markt zu bekommen, muss als Sündenbock herhalten.
    Das Narrativ wird dann gern genommen.

    1980 gab es noch 4 Millionen Sozialwohnungen in Deutschland. Heute ist es nur noch 1 Million.

  9. Ich weiß es im Einzelfall natürlich auch nicht, aber ist es nicht offensichtlich, dass Merz da populistische Narrative bedienen will?
    Sollte es da nicht die Priorität sein, dass Narrativ zu widerlegen?
    Also: „Es sind genug Zahnarzttermine für alle da.“ statt „Der will ja nur, dass Ihr neidisch werdet.“?

  10. Vielleicht liegt das Problem darin, daß es weniger um den Termin geht, sondern um die Kosten, die der gesetzlich krankenversicherte Patient nicht kennt und daher, jedenfalls solange es sich um Standardleistungen wie Kontrolle und Füllung erneuern, gerne überschätzt. Auf den Stundensatz bezogen ist der Zahnarzt nämlich nicht teurer als der Karosseriebauer, der den Unfall(blech-)schaden am Kfz herrichtet.

  11. Man ersetze in der Aussage von Herrn Merz einmal „ausreisepflichtige Asylbewerber“ mit „Juden“: Der Mann wäre erledigt gewesen. Da es aber ja „nur“ um Flüchtlinge geht, bedeutet dies umgekehrt allerdings auch, dass es längst soweit ist, dass man etwas derart Fremdenfeindliches sehr wohl „sagen darf“, wie es Herr Merz getan hat, ohne irgendwelche Konsequenzen befürchten zu müssen. Das Narrativ von „die nehmen uns was weg“ verfängt bereits, von jetzt an getriggert vom Vorsitzenden der größten Partei in diesem unserem Lande, mit einem „C“ wie christlich und einem „D“ wie demokratisch im Titel. Bei uns in Hessen wird heute gewählt, das wird null Auswirkungen auf den Wahlausgang haben. Es ist zum Spucken.

  12. Der Beitrag ist aufschlussreich. Stimmungen mit reinen Fakten zu negieren funktioniert oft genug nicht. Faktenchecks sind wichtig und die Basis für eine Argumentation. Hier sind jedoch zwei verschiedene Gehirnhälften im Spiel die unterschiedlich angesprochen werden sollten.

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