Vorurteile in der Berichterstattung

Von heißblütigen Spaniern, abgedrehten Japanern und anderen Auslands-Klischees

„LGBTQ? Im streng katholischen Spanien wohl eher nicht!“

Mit diesem Satz begann kürzlich ein Beitrag des ARD-Klatschmagazins „Brisant“ über die spanische Kronprinzessin Leonor. Mich, als spanischen Journalisten in Deutschland, ärgern solche Formulierungen jedes Mal: das „streng katholische Spanien”.

Das gab es vielleicht 1980 noch, als sich 90 Prozent der Spanier laut dem staatlichen Forschungsinstitut CIS als Katholiken sahen. Heute sind es gerade mal 55 Prozent. Der spanische Katholizismus ist nicht selten nur noch Folklore. Und auch eine Infantin dürfte eine Frau heiraten, die gleichgeschlechtliche Ehe ist in Spanien seit 2005 erlaubt. Deutschland führte die Ehe für alle erst zwölf Jahre später ein.

Das Klischee von Spanien als „katholischer Hochburg“ hält sich hartnäckig in deutschen Medien. Und wir Spanier scheinen auch die traditionellen Stierkämpfe so zu lieben, dass selbst aktuelle Wahlkampfberichte nicht ohne einen Verweis darauf auskommen. Selbst wenn nur verhältnismäßig wenige Menschen diese Kämpfe besuchen.

„Stolz“ und „heißblütig“ sind wir übrigens auch. Aber immerhin haben wir inzwischen „Adiós, Machismo!“ gesagt.

So sehen uns also viele deutsche Medien, wenn sie über Spanien berichten. Doch es trifft nicht nur uns: Die Welt wimmelt vor arbeitsscheuen Griechen, naturverbundenen Neuseeländern und indoktrinierten Chinesen. Dabei gibt es in Deutschland viele Journalistinnen und Journalisten mit migrantischen Wurzeln, die uns ihre Herkunftsländer – oder das Herkunftsland ihrer Vorfahren – ohne Klischees erklären können. Hier erzählen fünf von ihnen, welche Vorurteile ihnen immer wieder begegnen und wie Auslandsberichterstattung in dieser Hinsicht besser werden könnte.


Mina Khani: „Nicht alle Iraner sind Perser“

Foto: Alena Klinger

Abgesehen von der Frauen-Leben-Freiheit-Bewegung in den vergangenen Monaten wird seit Jahren wenig über den Iran berichtet. Es sei denn, es geht um das Atomprogramm. Viele Journalisten haben auch nur veraltetes Wissen über das Land.

Oft wird zum Beispiel in der Berichterstattung die Bezeichnung „Perser“ als Synonym für Iraner verwendet. Doch im Iran leben viele ethnische Gruppen: Viele Iraner gehören einer von mehreren ethnischen Minderheiten an und sind keine Perser. Zudem schreiben deutsche Journalisten manchmal, der Iran sei ein „arabischer Staat“, dabei ist seit der Gründung des Nationalstaates Iran Persisch die Amtssprache, nicht Arabisch. Die Araber sind nur eine Minderheit in der Bevölkerung – die übrigens verfolgt wird.

Viele denken auch, dass fast alle Iraner Muslime sind und sprechen pauschal von einem „muslimischen Land“. Doch im Iran leben seit Jahrhunderten Angehörige von religiösen Minderheiten wie Christen, Juden und Zoroastrier. Zudem wenden sich viele Menschen im Iran derzeit wegen der politischen Lage sogar gegen den Islam und wollen nicht als Muslime bezeichnet werden.

Auch bekomme ich in den Berichten von deutschen Medien oft den Eindruck, es gebe im Iran fast „keine Opposition oder Alternative“ zu dem Regime. Dabei gibt es im Land dauernd Widerstand, sonst würde der Staat nicht immer wieder Menschen hinrichten.

Doch es gibt auch ein positives Bild: Der Eindruck vom Iran als Land mit hohem Bildungsniveau hält sich, weil viele, die als Folge der vom islamischen Regime genannten „Kulturrevolution“ 1980 nach Deutschland kamen, zu den iranischen Eliten gehörten. In der Tat hat die Qualität der Hochschulen auch heute international einen guten Ruf.

Wer über den Iran berichtet, sollte kontextualisieren und einordnen. Das ist auch meine Arbeit als iranische Autorin. Ich habe in den vergangenen Monaten viele Texte über den Iran geschrieben und dabei gemerkt, dass die Menschen, die mit mir gearbeitet haben, selten Iraner waren, Farsi sprachen oder über das Land informiert waren. Ich kann nur empfehlen, mehr Iran-Experten zu Wort zu lassen, am besten mit unterschiedlichen politischen Meinungen. Denn die Berichterstattung sollte die Diversität des Irans abbilden.

Mina Khani schreibt aus feministischer Perspektive über das Land ihrer Geburt auf Deutsch und Farsi. Die iranische freie Autorin lebt in Berlin und arbeitet auch als Künstlerin im Bereich Tanz und Choreografie, was ihr im Iran als Frau verwehrt ist. Noch hat sie die Hoffnung nicht aufgegeben, dass die deutschen Journalisten eines Tages lernen, dass nicht alle Iraner Perser und muslimisch sind.


Haluka Maier-Borst: „Japan gilt in Deutschland als Land der Extreme“

Foto: Studio Neukölln

Was mich am meisten an der Berichterstattung über Japan nervt, ist die Darstellung des Landes als Heimat der Freaks. Japan steht in den deutschen Medien vor allem im Fokus, wenn es um aus westlicher Perspektive Kurioses geht: seien es Katzenhotels oder Leute, die sich „zu Tode arbeiten“ – wie eine Reporterin, die nach 159 Überstunden starb. Oder auch Dating-unfähige Jugendliche wie in einem ZDF-Beitrag mit der Dachzeile „Porno statt Partnerschaft“, der mit folgendem Satz anfing: „In Japan herrscht Liebesflaute“.

Positive Vorurteile über Japan gibt es aber auch: Deutsche Medien spiritualisieren Japaner:innen oft und stilisieren sie zu Lebensphilosoph:innen. Sie berichten zum Beispiel gerne von „Ikagai“, also der Suche nach Sinn und Freude, die das eigene Leben bereichert. Oder über „Shinrin-Yoku“, das sogenannte Waldbaden. So als würde das jede:r in Japan tun.

Am Ende führt das dazu, dass Japan in Deutschland vor allem als Land der Extreme gilt. Entweder gelten Japaner:innen als verrückt und kaum noch überlebensfähig. Oder sie haben den Sinn des Lebens für sich entdeckt. Dass das meiste in Japan – wie überall – zwischen den Extremen verläuft, fällt herunter. Dabei wäre es notwendig, sich mit der Politik und Wirtschaft in Japan und ihren sehr eigenen Strukturen kritisch auseinanderzusetzen.

Stattdessen werden Klischees verstärkt – weil im Journalismus und gerade bei Reportagen das Außergewöhnliche interessanter ist. Themen aus Japan bekommen dann Platz, wenn sie richtig verrückt sind. „Guck mal, was da Beklopptes am anderen Ende der Welt passiert“, scheinen einige Journalist:innen zu denken.

Wer aber Japan verstehen und erklären will, sollte öfter auf das – auf den ersten Blick – Alltägliche schauen. Es kann hilfreich sein, zu verstehen, wie Genderrollen oder das Beförderungssystem in Unternehmen funktionieren. Oder wie problematisch das Land mit der eigenen Geschichte im Hinblick auf China und Korea umgeht. Das mag vielleicht nicht so spannend klingen wie eine Geschichte über die japanische Fußballnationalmannschaft, die nach einem Spiel eine „blitzsaubere Kabine“ hinterlässt. Doch die daraus resultierenden Beiträge würden dabei helfen, dieses etwas andere G7-Land zu verstehen.

Haluka Maier-Borst ist deutsch-japanischer Daten- und Wissenschaftsjournalist. Er schreibt über das, was sich in Zahlen packen oder mit Studien beweisen lässt – oder eben auch nicht. Am meisten nervt ihn, dass deutsche Medien Japaner oft nur als weise Zen-Meister oder als Menschen mit seltsamen Vorlieben zeigen.


Efthymis Angeloudis: „Aus den lockeren Griechen wurden ‚Pleite-Griechen‘“

Foto: Melanie Sciutto

Die Klischees über Griechenland haben sich gewandelt. Vor der Finanzkrise 2010 war das Bild von uns meist sympathisch, die Griechen galten als Menschen ohne große Sorgen. Diese positiven Vorurteile drehten sich im Nullkommanichts während der Weltwirtschaftskrise, später „Griechenland-Krise” genannt, ins Gegenteil.

Plötzlich wurden aus den lockeren, in den Tag hinein lebenden Griechen „faule“ „Pleite-Griechen“. Das bildete die Berichterstattung mehrere Jahre lang ab – und nicht nur in der „Bild“-Zeitung. Deutsche Medien berichteten über „griechische Verhältnisse“ und verbreiteten die These, dass die Griechen wenig arbeiten würden. Die Realität ist weit davon entfernt: Wer sich bei Eurostat die Arbeitszeiten in der Eurozone anschaut, stellt fest, dass Griechen mehr Stunden pro Woche arbeiten als alle anderen.

„Die Griechen müssen ihre Hausaufgaben machen“: Diesen Satz hasse ich immer noch. Er tauchte unzählige Male auf, wenn es um die Wirtschafts- oder die Flüchtlingskrise ging. Ich glaube, viele Deutsche fänden es sehr befremdlich, wenn ein anderes Land ihnen das raten würde. Zumal vieles in anderen Ländern besser klappt als in Deutschland, beispielsweise wenn es um Digitalisierung oder Bürokratie geht.

Der Großteil der Berichterstattung aus Deutschland über Griechenland ist nach wie vor defizitär. Ein Grund dafür: Deutsche Redaktionen halten Journalisten mit Migrationshintergrund oder aus einer Region, über die berichtet werden muss, oft für voreingenommen. Deswegen übernehmen häufig andere Kollegen die Berichterstattung – und nur wenige von ihnen sprechen Griechisch.

Schon während der Finanzkrise ließen Medien Journalisten, die keine Ahnung vom Land hatten, nach Athen einfliegen. Diese mussten sich in wenigen Tagen ein Bild von der politischen Lage und der Gesellschaft machen. Kein Wunder, dass bis heute Berichte über Griechenland – auch von seriösen Medien wie der „Tagesschau“ – faktische Fehler enthalten.

Um etwas gegen Klischees in der Berichterstattung zu tun, wäre es wichtig, dass Leute über Griechenland berichten, die sich wirklich auskennen. Damit gäbe es eine vielseitigere Berichterstattung über das Land.

Efthymis Angeloudis arbeitet als Reporter und Wirtschaftsjournalist beim rbb und der Deutschen Welle. Der in Griechenland geborene Berliner schreibt über Flüchtlinge, Wirtschaft, sein Heimatland und den „ganzen Schlamassel, in dem wir stecken“.  


Joyce Lee: „Es wäre wichtig, differenzierter über die Gesellschaft in China zu berichten“

Foto: Annika Fußwinkel

Während der Corona-Zeit haben Boulevardzeitungen berichtet, dass Chines:innen alles essen würden und sie zum Teil schuld an der Pandemie seien. „Füttert uns China in die Katastrophe?“ war die Schlagzeile der „Bild“-Zeitung für einen Beitrag über Wildtiermärkte in China. Das ist ein gefährliches Vorurteil. Problematisch war es auch, dass einige Medien am Anfang der Pandemie den Begriff „Wuhan-Virus“ statt Coronavirus benutzten. Ähnliches ist vor 100 Jahren mit der sogenannten Spanischen Grippe passiert, die auch eine weltweite Pandemie war. Medienmacher:innen sollten Krankheiten nicht nach Ländern benennen.

Zudem gab es Medienberichte über die Pandemie, in denen es um keine konkrete Menschengruppe ging und die trotzdem Bilder von asiatisch gelesenen Menschen zeigten – als sei Corona eine ostasiatische Krankheit. Die Berichterstattung über das Virus und China führte dazu, dass Betroffene diese Vorurteile zu spüren bekamen: Manche Menschen hierzulande distanzierten sich von asiatisch gelesenen Personen. Das habe ich auch erlebt. Als ich einmal in den Zug stieg, setzten sich Mitfahrende weg – ohne zu wissen, ob ich in China gewesen war oder nicht. Rassistische Beleidigungen sind mir und ostasiatisch gelesenen Menschen in dieser Zeit so oft und offensiv wie noch nie begegnet.

Es wäre gut, wenn Journalist:innen sich fragen würden, was sie unter „China“ verstehen: das Land, die Bevölkerung, die kommunistische Partei Chinas oder die chinesische Regierung? Dazu passt ein Klischee, das immer in der Berichterstattung mitschwingt: der Gedanke, dass Menschen in China indoktriniert sind und nicht kritisch denken können. Ja, viele Chines:innen folgen der Parteilinie. Umso wichtiger ist es, die Meinungen der regierungskritischen Menschen abzubilden, von denen es auch einige gibt. Wie viele es genau sind, ist schwer zu sagen, weil es nie Umfragen dazu gab. Aber ihre Stimmen sind notwendig, damit Hörer:innen und Leser:innen in Deutschland kein eindimensionales Bild vom Land bekommen. Dazu gehört auch, zwischen Partei und Bevölkerung zu unterscheiden.

Verzerrt ist auch der Blick auf Hongkong: Während der pro-demokratischen Demonstrationen 2019 fiel mir auf, dass Unterstützer:innen der chinesischen Regierung in deutschen Medien kaum zu Wort kamen, obwohl es auch viele von ihnen gibt. Diese Berichte erweckten den Eindruck, dass die Menschen in Hongkong generell pro-demokratisch denken.

Es wäre wichtig, differenzierter über die Gesellschaft in China zu berichten. So könnten Menschen in Deutschland zum Beispiel mehr über die chinesische Kunstszene, die sozialen Medien oder die Jugend im Land erfahren. Das sind auch Themen, mit denen wir uns im ARD Podcast „Welt.Macht.China“ beschäftigen. Das Problem dabei ist natürlich, Chines:innen zu finden, die bereit sind zu reden, vor allem wenn es um Kritik gegen die chinesische Regierung geht. Es ist immer ein Balanceakt: Journalist:innen müssten zwar mehr abweichende Meinungen zeigen, aber das geht nur schwer, wenn die Meinungsfreiheit in einem Land eingeschränkt ist.

Joyce Lee ist deutsch-chinesische Journalistin und Host beim ARD-China-Podcast „Welt.Macht.China“. Sie ist ein Ruhrpottkind und Wahlkölnerin. Sie findet es schade, wie einseitig die Meinung der Chinesen dargestellt wird. Denn auch in China teilen nicht alle die Meinung der Regierung.


Ian P. Johnson: „Neuseeland wird als Paradies beschrieben“

Foto: Claudia Flück-Debüser

Neuseeland hat für viele Menschen in Deutschland einen exzellenten Ruf. Es wird paradiesisch beschrieben, als ein grüner und sauberer Sehnsuchtsort. Als sei das Land ganz vorne dabei, wenn es um Umweltbewusstsein und Umweltschutz geht. Doch das ist ein unrealistisches Neuseelandbild.

Vor kurzem gab es in Deutschland Berichte über den freiwilligen Rücktritt der ehemaligen Premierministerin Jacinda Ardern. Aber normalerweise liegt der Fokus der deutschen Berichterstattung auf Tourismus: Reiseberichte sind das Hauptformat, sie preisen vor allem die Natur. Die deutschen Medien beleuchten hingegen kaum, dass vergangene Generationen von Neuseeländern die Umwelt im Land beschädigt haben.

Tatsächlich haben seit dem 19. Jahrhundert die zumeist europäischen Einwanderer stark in die Natur eingegriffen. Sie fällten Wälder, damit Schafe und Rinder weiden konnten. Vor der Ankunft der Polynesier, der ersten Siedler, vor etwa 750 Jahren deckten die Wälder etwa 80 Prozent der Landesfläche ab. Nun ist nur ungefähr ein Drittel davon übrig. Etwa 90 Prozent der Feuchtgebiete sind laut Regierungsangaben trockengelegt.

Die Bevölkerung Neuseelands hat immer mehr Böden für die Landwirtschaft genutzt. Agrarprodukte machen den Großteil des Exports aus. In Deutschland wissen wenige Menschen, dass Neuseeland weltweit 40 Millionen Menschen ernährt, obwohl es nur gut fünf Millionen Neuseeländer gibt. Das alles wirkt sich negativ auf die einzigartige Biodiversität aus und passt nicht wirklich zum Klischee eines umweltbewussten Landes. Umweltschützer haben in Neuseeland keinen leichten Stand. Doch immerhin sind inzwischen viele Menschen im Land willens, entstandene Schäden zu beheben und insbesondere bedrohte Vogelarten vor dem Aussterben zu retten.

Das Neuseeland-Bild in den deutschen Medien hat auch mit alten, exotisierenden Reiseberichten zu tun. Naturforscher und Ethnologen wie Georg Forster oder Julius von Haast schrieben ab dem 18. Jahrhundert über das Land und seine Natur, was viele Deutsche mit großem Interesse lasen.

Die Briten haben Neuseeland im 19. Jahrhundert kolonialisiert, das Land gehört aktuell zum Commonwealth und hat König Charles als sein Staatsoberhaupt. Das Klischee von Neuseeland als „Auswandererland“ für Briten taucht deswegen immer wieder auf. Aber das stimmt nur zum Teil: Seit langem sind viele Menschen mit Wurzeln aus Ländern wie China und Indien neuseeländische Staatsbürger geworden. Laut dem Zensus aus dem Jahr 2018 geben 24 Prozent der Neuseeländer an, asiatischer oder pazifischer Herkunft zu sein. Menschen chinesischer Herkunft machen etwa fünf Prozent der Bevölkerung aus. Ihre kulturellen Einflüsse sind erkennbar. Neuseeland ist diverser, als es in deutschen Medien aussieht.

Das gilt auch für die indigene Bevölkerung Neuseelands. Es wäre wünschenswert, wenn deutsche Journalisten davon absehen würden, pauschal über Maori zu berichten. Denn es gibt verschiedene Gemeinschaften und Subgruppen, die die gemeinsame Amtssprache Te Reo Maori teilen. Standardmäßig beginnen Veranstaltungen und Radiosendungen bilingual auf Maori und Englisch. Wer über Neuseelands Ureinwohner berichtet, sollte vorsichtig mit Zuschreibungen und Bezeichnungen umgehen und Vorurteile vermeiden. Es wäre dabei hilfreich, sich die unterschiedlichen Herkünfte etwas näher anzuschauen und sie richtig zu beleuchten.

Ian P. Johnson war bis vor zwei Jahren Radio- und später Online-Journalist bei der Deutschen Welle in Bonn. Der neuseeländische Journalist im Ruhestand fremdelt mit den deutschen Medien, wenn wieder ein Reisebericht über die „exotische Natur” Neuseelands erscheint, der vergisst zu erwähnen, wie stark die Neuseeländer ihre Wälder, Feuchtgebiete und Gewässer beschädigt oder sogar vernichtet haben.

(Alle Protokolle: Juan F. Álvarez Moreno)

4 Kommentare

  1. Ich weiß, es klingt wie ein abgedroschenes Klischee, aber ich würde den Griechenland-Klischeebild-Wandel zu 80% auf Produkte des Verlagshauses Axel Springer zurückführen.

  2. Wichtiger Artikel und ein gutgemeinter Arschtritt für uns alle, die wir doch eigentlich wissen sollten, dass alle Menschen Individuen sind, und die wir uns doch trotzdem immer wieder selbst dabei ertappen auf Klischees hereinzufallen, weil sie sich schon allein durch beständige Wiederholung in den Medien und dem eigenen Umfeld einprägen.

    Das sollten wir als biersaufende, weißwurstverschlingende, lederhosentragende, stets fleißig arbeitssame und diszipliniert ordentliche Deutsche eigentlich nicht so schnell vergessen.

  3. @H. R. (#2):

    Das sollten wir als biersaufende, weißwurstverschlingende, lederhosentragende, stets fleißig arbeitssame und diszipliniert ordentliche Deutsche eigentlich nicht so schnell vergessen.

    Traf mal als jugendlicher Interrailer auf einen spanischen Mitreisenden, der kein Deutsch konnte. Aber er konnte mit schnarrender Stimme deklamieren: „Achtung, jawoll, eine Wurrrst! Zack, zack!“ Das hatte er in einer Comedy-Show aufgegriffen, in der Deutsche persifliert wurden. Habe mich gekringelt vor Lachen.

    In ernsthaften journalistischen Berichten können Klischees gefährlich sein – dass es in Spanien kein LGBTusw. gäbe, weil katholisch, ist Dummfug. Die „Pleite-Griechen“ waren gefährlich, weil der Frame versuchte, ein komplexes, sozio-ökonomisches Problem in Klischees aufzulösen.

    Aber grundsätzlich: Wahrscheinlich ist keine Welt vorstellbar, in der sich die eine Gruppe keine klischeehaften Vorstellungen über die andere macht. Solange keine Propaganda dabei ist, sollte man das nicht allzu ernstnehmen.

    Oft gibt es ja auch einen wahren Kern: Man nehme die Simpsons-Deutschen, die stets mit Lederhose und Maßkrug herumlaufen und völkisches Zeugs delirieren – haben wenig mit dem Alltag hierzulande zu tun, aber in Gillamoos konnte man sie kürzlich live in Aktion beobachten. (Und erzkatholische, spanische Klischee-Machos mit Stierkampf-Faible und Franco-Porträt an der Wand gibt es mit Sicherheit auch.)

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