Fürchtet euch!

Es dauert keine zwei Minuten, da ist im Saal das erste Mal richtig Stimmung, dabei hat niemand einen Witz gemacht. Moderator Markus Gärtner hat nur den Namen „Angela Merkel“ erwähnt, und schon ist sein Publikum auf Touren. Kichern, Lachen, Johlen. „Sperrt sie weg! Sperrt sie weg!“, ruft ein Mann mit „Stop Hillary“-Button am dunklen Jacket aus der vorletzten Reihe. Eine Frau mit roten Locken, Perlenkette und Perlenohrringen zwei Reihen weiter vorne dreht sich zu ihm um und schnauzt: „Ja, genau, weg mit der.“

Die Merkel-Gegner in Halle C 1.1.2 der Stuttgarter Messe sind Besucher des „ersten großen Kopp-Kongresses“: Zwei Tage, zehn Redner, alles Männer, die Stars der Szene, die von außen oft als Ansammlung von Verschwörungstheoretikern bezeichnet wird, als Rechtspopulisten und Rechtsextreme, und die sich selbst am ehesten wohl als Skeptiker, Nachhaker, Infragesteller sehen. Die Denkenden in einem Land voll Verblödeter und Willenloser.

Das Programmheft verspricht einstündige Vorträge, in denen es um Aliens geht, die per Genmanipulation die Menschheit erschaffen haben; um die Möglichkeit, mit etwas Zahnpasta, Alufolie und einer Ein-Cent-Münze die Energieprobleme dieser Welt zu lösen; um Impfgefahren; um den bevorstehenden Bürgerkrieg in Deutschland. Um das ganze Repertoire also, das der „Kopp Verlag“ zu bieten hat.

Ebola unzensiert

Jochen Kopp, früher Polizist und heute Verlagsvater, hat es geschafft, ein kleines, aber beachtliches Medien-Paralleluniversum aufzubauen. Vom schwäbischen Rottenburg am Neckar aus verschickten er und sein Team täglich 3000 Bücher, sagte Kopp der „Kontext-Wochenzeitung“ im April 2014; neun Monate später erzählte er „FAZ“-Redakteuren, dass es bereits 10.000 bis 25.000 Bücher pro Tag seien.

Sie tragen Titel wie „Ebola unzensiert“, „Perfekte Krisenvorsorge“, „Die geheime Migrationsagenda“, „Der direkte Weg in den Dritten Weltkrieg“ oder einfach „Lügenpresse“. Es geht in ihnen um Politik, Geschichte, Krieg und Krisen, Überlebenstechniken, Außerirdische und ganz viel Deutschland. Jochen Kopp wolle seinen Kunden „die Augen öffnen“ und Informationen bieten, die die „Mainstream-Medien“ schon lange nicht mehr böten.

Es sind Bücher, die Angst machen, und Bücher für Leute, die Angst haben.

100 Millionen chinesische Wanderarbeiter-Flüchtlinge

Der erste Redner des Kongresses in Stuttgart tut nichts, um sie den Leuten zu nehmen. Willy Wimmer saß 33 Jahre lang für die CDU im Bundestag, er war verteidigungspolitischer Sprecher seiner Fraktion. Nun ist der 73-Jährige „Kopp“-Autor und steht am Rednerpult.

Wimmer weiß, was sein Publikum hören will. Er warnt vor der Politik von Angela Merkel und Sigmar Gabriel. Applaus. Er warnt vor den US-Stützpunkten in Deutschland. Applaus. Er warnt vor der NATO als „Angriffsmaschine“. Applaus, Applaus, Applaus. Wimmer sagt, dass auf Deutschland noch schwere Zeiten zukommen könnten, wenn in China die Wirtschaft nicht bald wieder in die Gänge komme, und die Wanderarbeiter sich auf den Weg nach Europa machten. 100 Millionen potentielle Flüchtlinge lauern da. Kein Applaus mehr, nur erschrockene Gesichter.

Doch es gibt auch Hoffnung für dieses Land, Wimmer sagt, er habe es selbst gesehen: Nach der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich sind die schwarz-rot-goldenen Fahnen auf den Balkonen und in den Vorgärten von ihren Besitzern nicht wieder eingerollt worden wie nach vergangenen Sportgroßereignissen. Das macht ihm Mut – schließlich gehe es derzeit um nichts Geringeres als um die Verteidigung des Landes und seiner Grundwerte.

Willy Wimmer spricht statt der angekündigten 65 Minuten zwar nur 30, aber die gefallen seinen Zuhörern. Jubel, als er von der Bühne geht. Der Saal ist inzwischen ordentlich gefüllt, die letzten Zuspätkommer sind auch da. Für 1500 Leute hätten sie die Halle bestuhlt, sagt eine „Kopp“-Mitarbeiterin, 1350 Tickets seien verkauft. Es sieht nach etwas weniger aus, aber über 1000 Personen dürften nach Stuttgart gekommen sein: deutlich mehr Männer als Frauen, im Schnitt über 50. Aber es sind nicht nur alte Männer, die dem Ruf von Jochen Kopp gefolgt sind, junge Paare sind da, ganze Familien mit kleinen Kindern.

Auf dem Weg zum gläsernen Kontosklaven

Für sie alle gibt es gleich den nächsten Grund, sich zu fürchten. Michael Brückner tritt ans Mikrophon, um über das drohende Bargeldverbot zu sprechen. Die Deutschen befänden sich „auf dem Weg zum gläsernen Kontosklaven“. Der 500-Euro-„Schurkenschein“ sei schon abgeschafft, bald folge der 200er, vielleicht auch noch der 100er, prophezeit Brückner, der im Programmheft als Wirtschaftsjournalist angekündigt ist. „Ich will nicht, dass mir jemand vorschreibt, wie ich zu bezahlen habe“, sagt er. Doch das werde so kommen, wenn die Bundesregierung, ach was, die gesamte EU ihren „War on Cash“ weiter vorantreibe. Brüssel und Berlin wollten die Menschen in Negativzinsen zwingen und vor allem die komplette Kontrolle über ihre Vermögen. Um zu begründen, was das alles für ein Irrweg ist, bezieht sich Brückner auf das „Handelsblatt“, Roland Tichy und die Zehn Gebote: „Da steht nicht: ‚Du sollst keine Geheimnisse haben‘.“

Mittagspause. Endlich Zeit zum Austausch. Denn auch das ist der Sinn des „ersten großen Kopp-Kongresses“: Gleichgesinnte treffen, Zuhörer finden, denen man von eigenen Theorien erzählen kann, ohne dass der Gesprächspartner gleich abwinkt. Im Essensbereich sitzt ein drahtiger Mann, graue Raspelhaare, grauer Ziegenbart, braun gebrannt. Er stochert in seinem 9,90-Euro-Salat und fragt seinen Kumpel, mit dem er nach Stuttgart gekommen ist, ob der Richard Gutjahr kenne: „Der war beim Anschlag in Nizza vor Ort. Der war beim Anschlag in München vor Ort. Und der war der erste Mensch auf der Welt, der ein iPhone gekauft hat. Also, bitte, irgendwann hören die Zufälle auch mal auf! Und weißt Du, was seine Frau macht?“

„Öhm, nee.“

„Die ist beim Mossad.“

Hat er alles von Gerhard Wisnewski, auch so eine „Kopp“-Größe. Der wird am nächsten Tag sprechen.

Am Tisch nebenan sagt ein Mann zum anderen: „Das Volk hat die Politiker, die es verdient.“

„Warum hat das deutsche Volk sich dann nach dem Zweiten Weltkrieg nur die Herrschaft der Amerikaner verdient?“

„Weil die Deutschen schwach sind.“

So einfach ist das. Man bestätigt sich und einander die Weltbilder.

Die CIA und der 11. September

In der Eingangshalle ist Signierstunde. Andreas von Bülow sitzt im violetten Hemd hinter einem weißen Tisch und schreibt Widmungen in die Bücher, die ihm die Kongressbesucher hinhalten. Unter Helmut Schmidt war er Bundesminister für Forschung und Technologie, jetzt sind die Amerikaner und all ihre Schweinereien auf dem Planeten sein Spezialgebiet. „Die CIA und der 11. September“ heißt eine seiner Schriften, sie geht ziemlich gut weg am „Kopp“-Verkaufsstand nebenan. Um von Bülow hat sich eine Menschentraube gebildet. Erst ein Dutzend, später zwei Dutzend Leute. Sie wollen Antworten auf ihre vielen Fragen.

„Hätte es bei 9/11 nicht eine viel größere Explosion geben müssen?“

„Worum geht es tatsächlich in Syrien?“

„Spielen die Engländer noch eine Rolle nach dem Brexit?“

„Ist es möglich, dass die Anschläge in Frankreich vom Geheimdienst organisiert wurden?“

„Wie stellen sich die Organisatoren von TTIP und CETA eigentlich einen großen Welthandel vor, wenn Europa bald islamisiert ist?“

Bei jedem Halbsatz, den von Bülow auf ihre Fragen liefert, nicken die Umherstehenden, als hätte gerade ein Seher auf dem Rummel zu ihnen gesprochen. Bei jeder scheinbaren Lösung für ein komplexes Themen stimmen sie zu. Andreas von Bülow und seine Kollegen sind für sie zu Ersatzkommentatoren geworden. Wenn sie früher für eine Einordnung des weltpolitischen Geschehens Artikel und Kommentare in Tageszeitungen und Magazinen gelesen haben, wenden sie sich nun an die „Kopp“-Autoren.

Die Deutschland GmbH

Bei Willy Wimmer ist der Autogramm-Andrang nicht ganz so groß wie bei von Bülow, dafür sind die Fragesteller hartnäckiger. Wobei es ihnen eigentlich auch nicht ums Fragenstellen geht, sondern ums Erzählen. Die Frau, die Wimmer von ihren Gedanken zur „Deutschland GmbH“ überzeugen wollte, ist er noch losgeworden. Aber der Richard-Gutjahr-Theoretiker, der Wimmer seit Minuten erzählt, dass Angela Merkel eine Marionette der CIA sei, will einfach nicht gehen. Irgendwann reicht es Wimmer. Er steht auf und ist weg. Signierstunde beendet. Einige in der Schlange sind sauer, schließlich haben sie die 150 Euro fürs Zwei-Tage-Ticket auch bezahlt, um mal mit ihren liebsten Schreibern ins Gespräch zu kommen.

Der erste Gong ertönt, in einer Viertelstunde geht es mit den Vorträgen weiter. Mike, 48, seinen Nachnamen will er nicht nennen, eilt zurück zu seinem Sitzplatz. Sein lila T-Shirt ist mit einem Alienkopf bedruckt. Er sei zum Kongress gekommen, weil er am Puls der Zeit sein wolle: „Hier bei ‚Kopp‘ bekomme ich Informationen, die ich draußen nicht bekomme.“ Mit „draußen“ meint er vor allem die klassischen Medien. Früher habe er die „Frankfurter Rundschau“ gelesen, den „Spiegel“; „Die Zeit“ habe er sogar mal im Abo gehabt. „Jetzt aber nicht mehr. Ich will von denen nicht mehr manipuliert werden.“ Wie die Medien manipulieren, habe er selbst erlebt: „Ich wurde bisher dreimal interviewt. Immer wurde meine Aussage verdreht.“ Das hänge auch damit zusammen, dass die Medien durch die transatlantischen Netzwerke kontrolliert würden, „Die Anstalt“ habe das im ZDF mal schön gezeigt.

Materialisation von Lichtwesen

Bis zum Ende des ersten Kongresstages stehen noch drei Redner auf der Bühne. Armin Risi schweizert über Evolutionstheorie und Kreationismus. Er glaube aber weder an das eine noch an das andere, „der Mensch entstand nämlich durch eine Materialisation von Lichtwesen“, sagt Risi. Kein Widerspruch aus dem Publikum. Nach den Vorträgen gibt es keine Zeit für Fragen oder Diskussionen. Warum auch? Man ist hier einer Meinung.

Anschließend will Thomas Mehner beweisen, dass die Nazis es im Dritten Reich geschafft haben, eine Atombombe herzustellen. Es gebe Widersprüche in der üblichen Geschichtsschreibung, die Systemmedien und Systemhistoriker verbreiten. Mehner erzählt, dass es während des Zweiten Weltkriegs in Thüringen unterirdische Atom-Labore gab, „Hitlers geheime Atom-Fabriken“. In denen könnten sich noch immer Atombomben befinden. Nicht auszudenken, was passiert, wenn die gerade vor sich hinrosten. „Das gäbe ein Mini-Tschernobyl für Deutschland. Das Land wäre nicht mehr bewohnbar“, sagt Mehner. Er reiht Indiz an Indiz, bevor er fragt, welches Beweises es noch bedürfe.

Nach seinem Vortrag stehen 16 Personen vor dem Konferenzsaal beieinander. Sie bestätigen sich gegenseitig, dass Deutschland den Zweiten Weltkrieg nie und nimmer begonnen habe.

Burdas Furtwängler als Merkels von der Leyen

Udo Ulfkotte ist der Headliner des ersten Tages. Er steigt ein mit einer kleinen Anekdote aus seiner Anfangszeit als Kriegsreporter für die „FAZ“. Im irakisch-iranischen Krieg sei das gewesen, die anderen Journalisten hätten mit Hilfe von eigens mitgebrachten Benzinkanistern längst ausgebrannte Militärfahrzeuge wieder zum Brennen gebracht. Außerdem seien die TV-Journalisten bei den Aufzeichnungen ihrer Schalten immer wieder zusammengezuckt, obwohl es dafür keinen Grund gegeben habe. Auf Nachfrage habe ihm ein Kollege erklärt, dass die Redaktionen später noch Schussgeräusche drüberlegen würden. Das alles hat nichts mit dem eigentlichen Thema Ulfkottes zu tun, kommt aber gut an.

Eigentlich will er über die große Bedrohung Deutschlands sprechen, „Grenzenlos kriminell: Warum der Staat seine Bürger nicht mehr schützen kann“, lautet der Titel seines Vortrags. Doch Ulfkotte schweift immer wieder ab zum Beziehungsgeflecht aus Politik und Medien. Dass Angela Merkel eine Duzfreundin von Friede Springer und Liz Mohn sei. Dass eine Verwandte von Wolfgang Schäuble bei der Degeto Film arbeite. Dass Maria Furtwängler, Ehefrau von Hubert Burda, jetzt einen Film über Ursula von der Leyen drehen werde. „Das ist der Deutungsadel, der bestimmt, was Sie und ich noch sagen dürfen“, schnaubt Ulfkotte ins Mikrofon. Sein Kopf ist inzwischen rot vor lauter Ärger.

In Halbsätzen zwischen seinen Witzen deutet er an, dass Flüchtlinge massenweise vergewaltigen, dass deutsche Frauen in Schwimmbädern inzwischen Freiwild seien. Aber wer berichte schon darüber? „Junge, ausgebildete Kämpfer haben Anleitungen dabei, wie sie Leute anderer Religionen umbringen können. Da hat bisher kein Medium drüber berichtet“, sagt Ulfkotte.

UFO-Geheimnisse des Dritten Reiches

Elke Schäfer-Henschel sitzt ganz hinten. Sie ist 56 und trägt braun-graue Kräusellocken. Mit verschränkten Armen und leicht glänzenden Augen schaut sie auf den übergroßen Udo Ulfkotte, den ein Beamer an die Leinwand wirft. Zwischendurch knurrt sie immer mal wieder ein leises „Mmmhmm“. Aus Erlangen ist sie angereist, um Gleichgesinnte zu treffen und auch, um den „Kopp Verlag“ zu unterstützen. Sie hat die „Erlanger Nachrichten“ noch als E-Paper abonniert, „aber eigentlich unterschreiben Journalisten einfach nur CIA-Texte“. Ein Bekannter von ihr habe das so auch schon mal von einem Journalisten bestätigt bekommen.

Bei „Kopp“ sei das anders, gerade hier auf dem Kongress. Da treten Leute auf, die ein Hoffnungsschimmer seien. „Da kommt endlich mal wieder das Land der Dichter und Denker durch“, sagt sie. Ist denn wirklich alles nur noch schlecht in der deutschen Medienlandschaft? Nein, neulich war sie positiv überrascht, als sie entdeckte, dass „n-tv“ und „N24“ nachts Dokus über die UFO-Geheimnisse des Dritten Reiches zeigen.

Am Tag zwei geht es im gleichen Stil weiter. Andreas von Bülow spricht über inszenierte Anschläge durch Geheimdienste und seine Zweifel an den MH17-Untersuchungsergebnissen. Und er erklärt, wie die „Lügenpresse“ funktioniere: Die Lügen würden in den USA gebastelt und von US-Medien verbreitet, die Bundesregierung plappere alles nach und „Spiegel“ und „Bild“ machten mit. Dafür gibt es zum ersten Mal an diesem Wochenende Standing Ovations.

Raumenergiekonverter, Chembuster

Claus W. Turtur spricht ein bisschen wie Thomas G. Hornauer, als er seine Idee vom „Raumenergiekonverter“ präsentiert. Damit könne man „freie Energie für alle Menschen“ produzieren. Gebaut hat er ihn noch nicht. Ein paar Angebote von Regierungen aus Afrika habe es zwar gegeben. „‚Was ist mit meiner Familie‘, habe ich dann gefragt. ‚Wir haben schwarze Mädchen für Sie‘, kam als Antwort.“ Da hat er dann abgelehnt.

So bleibt es vorerst nur bei der Theorie. Dennoch: Auch für ihn stehen die Zuhörer auf und applaudieren.

In der Mittagspause steht Elisabeth Seeger an einem Partytisch und nippt an ihrem Kaffee. „Das war gerade toll, oder?“, fragt die Frau mit den kurzen grauen Haaren und der orangefarbenen Brille. Bei „Kopp“ fühle sie sich besser unterrichtet, „man merkt, dass die Recherchen vielseitiger sind.“ Klassische Medien meidet die 65-Jährige schon lange, sie sucht sich ihre Informationen im Internet. Ihr Mann kommt dazu, zehn Jahre jünger, kräftiger Kerl. Sie sei die Theoretikerin, er der Praktiker, sagt Elisabeth Seeger. Ihr Mann Fritz baue gerade am „Chembuster“, „Sie wissen schon, gegen Chemtrails.“ Ein Fünf-Liter-Eimer, ein paar Kupferrohre, verschiedene Edelsteine, Holzspäne, Messingspäne, etwas Gold und Kristallharz – und schon saugt der „Chembuster“ die böse Energie der Chemtrails auf und wandelt sie in gute Energie um.

Eine ähnliche Bedrohung wie von Chemtrails dürfte auch vom Impfen ausgehen, wenn man Hans Tolzin glaubt, der nach der Pause die letzte Runde an Vorträgen einleitet. Impfen sei nichts anderes als „staatlich sanktioniertes Massenmorden“, so Tolzin.

Der Journalist Gerhard Wisnewski zeigt eine Powerpoint-Präsentation über „Die Vereinten Nationen und den heimlichen Griff nach der Weltherrschaft“. Lässt man den Aspekt mit der Machtergreifung mal beiseite, hätte auch ein Elftklässler eines Gymnasiums diesen Vortrag zusammenbauen können, mit vielen Wikipedia-Informationen über Cecil Rhodes und die UN-Gründungsgeschichte und die Atlantik-Charta.

Generationenraumschifffahrtskapitän

Zum Abschluss kommt Erich von Däniken auf die Bühne. Mit seinen Theorien zur Erschaffung des Menschen sorgt er schon seit Jahrzehnten für Wirbel in der Szene, 70 Millionen verkaufte Bücher. Sein Vortrag hat den vielversprechenden Titel: „War alles ganz anders?“

Von Däniken legt gut los: „Vor vielen Jahrtausenden sind wir von Außerirdischen besucht worden.“ Die hätten sogar Sex mit Menschen gehabt. Die Schöpfungsgeschichte könne also keinesfalls aufrechterhalten werden. Selbst Joseph Ratzinger, damals noch nicht Papst, habe er in einem Buch „klipp und klar widerlegt“. Doch man müsse weiterforschen, zum Beispiel mit einem Generationenraumschiff, das man nach und nach zwischen Erde und Mond aufbauen könne und das sich mit zwei Prozent der Lichtgeschwindigkeit durchs All bewegt: „Die 28. Generation schafft es dann vielleicht schon zu ganz neuen Bereichen des Universums.“

„Alles schön und gut“, findet der 34-jährige Paul Linz, der nicht Paul Linz heißt, aber mit seinem Namen nicht in Medien vorkommen will. Außerirdische seien doch gar nicht die wirkliche Bedrohung, sondern die Islamisten und Muslime, die massenweise nach Deutschland kommen. Das werde nicht mehr lange dauern, dann gebe es hier Krieg. „Sagt der Ulfkotte schließlich auch.“ Deswegen hat sich Linz am „Kopp“-Verkaufsstand zwei Packungen mit Überlebensriegeln gekauft, die „Emergency Food Ration“, und die „Maggi“-Raviolidosen-Attrappe, die man als Versteck nutzen kann.

Während Linz noch von der Gefahr der Zuwanderung spricht, sind die meisten Kongressbesucher schon losgezogen. Draußen vor der Tür stehen noch drei Männer mit schwarzen Anzügen und roten Krawatten. Sie unterhalten sich auf Arabisch. Die Messe-Security. Ob sie wüssten, worum es in den vergangenen zwei Tagen so gegangen ist? „Nein, keine Ahnung“, sagt einer von ihnen, „wir sorgen hier nur für Sicherheit.“

36 Kommentare

  1. Sehr schön. Wäre ich auch gerne hin.
    Wer sich äh weiterbilden möchte: derzeit hip in den VT-Kreisen: Black Goo und Morgellons.

  2. @1: Was du alles weist…
    Ganz sicher ist, dass ich nicht an diese Chemtrails u.a. glaube.
    Sicher bin ich, dass die Vorkommnisse in der Türkei am 15ten Juli getürkt waren.
    Da ist nix mit Verschwörung gegen den Tierliebhaber Erdowahn aus Pennsylvania heraus.
    http://www.spiegel.de/kultur/tv/jan-boehmermann-verfahren-wegen-erdogan-beleidigung-eingestellt-a-1115140.html
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/grossbritannien-ukip-chefin-tritt-nach-18-tagen-im-amt-zurueck-a-1115188.html

    Alles böse Mächte, vermute ich.

  3. Ich bewundere Ihre Geduld, Herr Tschermak. Und abgesehen von dem 11.-Klässler-Absatz war’s auch nicht polemisch, sondern eine nüchterne Schilderung. Ich glaube nicht, dass das viele hinbekommen hätten.

  4. Ich bin zwischen lachen und geschockt sein hin und her gerissen. Ich hätte mich dort nur schwer aufhalten können, mich macht diese Ernsthaftigkeit, mit der die Besucher (oder Anhänger) diese Meinungen vertreten, wirklich fassungslos. Mir befremdlich, wie man so „einfache“ Antworten auf Komplexes findet.
    Der Artikel ist gut geschrieben, vielen Dank dafür.

  5. Ich würd ja sagen, 1000 Mann, na gut, zu den großen Star Trek Cons kommt bestimmt die 4-5fache Menge.
    Aber Star Trek Fans wählen halt auch nicht einen Politiker weil „der weiß, wie wir Verträge mit Ferengis aushandeln sollten und jedem seinen eigenen Tribble verspricht“.

  6. Dieser Artikel erinnert sehr stark an einen, der gestern in Spiegel online erschien. Hat sich der Autor doch nicht etwa mit Frau Rützel abgesprochen oder noch schlimmer einfach abgeschrieben ? Gemein ist beiden Elaboraten ein Übermaß an Polemik und Zynismus, bei gleichzeitiger Vermeidung einer sachlichen Auseinandersetzung mit den Themen der jeweiligen Autoren und dem Verlag. Mit derartigen Artikeln werden Sie einem fairen, journalistischen Anspruch und informativer Berichterstattung nicht gerecht. Wer wirklich unvoreingenommen zu diesem Kongress ging, konnte eine Reihe interessanter Vorträge zu wichtigen und weitreichenden Themen erleben und sich sein eigenes Bild der Dinge zu machen, ohne eine Ideologie annehmen zu müssen. Aber darum geht es Ihnen ja eh nicht, oder ?

  7. Sehr lesenswerter Artikel, der das Thema durch gekonntes Beobachten und Beschreiben wunderbar behandelt.

    Manche Verschwörungstheorien erreichen wirklich absurde Ausmaße und ist ein Anhänger erst einmal in der Selbstbestätigungsschleife gefangen, ist er dort kaum noch herauszubekommen. Dann helfen auch Argumente und Diskussionen nicht mehr und daher kann es durchaus interessant sein, sich einfach einmal auf die Argumentationen einzulassen, ohne den Gesprächspartner sofort als verblendet oder als Spinner darzustellen. Was dann als Erklärung auf die vielleicht noch eine oder andere (respektvolle) Rückfrage folgt, ist meist entlarvend genug. Das ist hier wirklich gut gelungen.

  8. Erinnert mich an eine Diskussion mit einer mir unbekannten Person in der vergangenen Woche:

    „Kannste ja auch nix mehr essen hier!“
    „Wo?“
    „Na hier in Deutschland, die Lebensmittel sind voller Antibiotika, Alu im Deo und so … alles ungesund, aber erlaubt“
    „Äh, ja, danke!“
    „Und die Anglizismen erst … Die Jugendlichen sprechen ja nur noch so einen komsichen Mix aus Deutsch und Englisch!“
    „Wann haste denn das letzte Mal mit Jugendlichen zu tun gehabt?“
    „Ja, das tut doch nix zu sache, letztens lief mir da so’n Paar entgegen …“
    „Ja, ne danke Kollege, reicht.“

    Wie willste da noch argumentieren?

  9. Der Autor hat an Polemik und Zynismus nicht gespart, bei gleichzeitiger Vermeidung einer sachlichen Auseinandersetzung mit den Themen der jeweiligen Autoren und dem Verlag. Mit derartigen Artikeln werden Sie einem fairen, journalistischen Anspruch und informativer Berichterstattung nicht gerecht. Wer wirklich unvoreingenommen zu diesem Kongress ging, konnte eine Reihe interessanter Vorträge zu wichtigen und weitreichenden Themen erleben und sich sein eigenes Bild der Dinge zu machen, ohne eine Ideologie annehmen zu müssen. Aber darum geht es Ihnen ja eh nicht, oder ?

  10. @Earonn:
    „… wie wir Verträge mit Ferengis aushandeln sollten und jedem seinen eigenen Tribble verspricht“

    Da haben Sie mir auf die Sprünge geholfen. Endlich weiß ich, woran mich Trump immer erinnert:

    Ein mit einem Tribble-Toupet getarnter Ferengi, den man nutzen kann um einen als Clinton getarnten Klingonen zu entlarven. Jetzt kann uns nur noch James Tiberius retten.

  11. Dass Sie meinen Kommentar nicht veröffentlichen lässt bereits tief blicken. Offensichtlich haben Sie ein Problem sich auf argumentativer Ebene mit Andersdenkenden auseinanderzusetzen oder sind von Ihrem Artikel selbst nicht überzeugt. Mit derartiger „Berichterstattung“ können Sie vermutlich außer Linken Phantasten und vernebelten Multikulti Anhängern niemanden mehr erreichen. Es lebe die Zensur !

  12. Verschwörungstheoretiker beschäftigen sich tiefer und ernster mit brisanten Thematiken als die Masse der Normalos. Sie haben den Blick in den Abgrund gewagt und der Anblick hat ihre Sicht auf die Welt verändert. Ein normaler Mensch empfindet den Blick in den Abgrund als bedrohlich und damit hat er nicht unrecht. Die Nebenwirkungen können gesundheitsschädlich sein, denn jeder Mensch braucht ein Urvertrauen in das Leben und ein Gefühl der Sicherheit, um positiv weierleben zu können. Insofern respektiere ich Menschen, die es instinktiv ablehnen, sich mit brisanten Thematiken, die ihr Urvertrauen beschädigen könnten, zu befassen. Es ist zu tolerieren, wenn Menschen sich aus einem Gefühl des Selbstschutzes selbst belügen und die Fakten um sie herum ignorieren oder uminterpretieren, damit ihr Sicherheitsbedürfnis wiederhergestellt ist. Nicht respektieren kann ich Menschen, die lediglich dumm, denkfaul und ignorant sind.

    Diskussionen zwischen VTLern und ihren Kritikern fruchten nichts, denn der Kritiker lehnt es ja eben ab, sich auf die Thematik einzulassen, weil er Angst davor hat. Der Kritiker kann nicht mitreden, denn er hat sich nicht mit dem Thema befasst und lehnt es ab, sich damit zu befassen. Deshalb hat er auch nur ein EINZIGES Argument, welches lautet: „Es kann nicht sein, was nicht sein darf“. Dieses sein einziges Argument benutzt er zwar in hundert Variationen (ohne es selbst zu merken), mit Argumenten, die – ihm – logisch, rational, abgesichert erscheinen, aber alles was er sagen will ist, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. Der VTLer kennt diese Haltung, denn er hat genau so gedacht und argumentiert, bevor er den Blick in den Abgrund wagte. Deshalb wird der VTLer sich auch nie beeindrucken lassen von sogenannten Argumenten, die lediglich darauf abzielen, dass das eigene Sicherheitsgefühl wichtiger ist als die Suche nach der Wahrheit.

  13. @T. Gommeringer: Tut mir leid, dass Ihre Kommentare nicht sofort freigeschaltet wurden. Beim jeweils ersten Mal ist das nötig, danach nicht mehr. Manchmal ist es aber, zugegeben, aufschlussreich, was passiert, wenn es sich halt mal ein paar Stunden verzögert.

    Die Mengen an Zynismus und Polemik kann ich in dem Artikel nicht erkennen.

    Ich kann mir die Bemerkung aber nicht verkneifen, dass es mich amüsiert, dass Sie eine geheime Absprache zwischen Anja Rützel und Moritz Tschermak vermuten. Das ist dann die Verschwörungstheorie im Kleinen. (In Wahrheit waren die beiden einfach bloß auf derselben Veranstaltung, haben sich aber nicht mal getroffen.)

    Konnten Sie den Text eigentlich zuende lesen, so ohne Abo?

  14. Wer neu in ein Forum kommt und ad personam mit Anschuldigungen um sich schmeißt aber im gleich Atemzug dem Autor vorwirft „Offensichtlich haben Sie ein Problem sich auf argumentativer Ebene mit Andersdenkenden auseinanderzusetzen“, der hat eigentlich nicht mal ’ne Antwort verdient.
    Wo sind denn Ihre Argumente?

    Apropos Zensur: Schon mal einen nicht-meinungskonformen Kommentar bei Kopp oder Tichy oder 4chan oder PI hinterlassen?
    Die Mods werfen mit IP-Bans nur so um sich!
    Nur deshalb sind diese Seiten auch so ein homogener Tummelplatz für die Fühlenden.
    Bei Tichy bin ich mal gebannt worden, weil ich Argumente für eine These forderte. Unerhört, so etwas! Könnte man sonst mit Journalismus verwechseln!

  15. @Reiner Unfug & Gommeringer
    Genau, jede Verschwörungstheorie ist richtig, und wer das bestreitet ist nur gekauft, hat Angst vor der Wahrheit etc.pp.

    Übrigens, da ist diese Theorie dass Sie beide…huh, ganz pöhse Dinge machen. Und das ist wahr. Wenn Sie das bestreiten, beweisen Sie nur, dass Sie gekauft sind, Angst vor der Wahrheit haben etc.pp.

    Und Herr Gommeringer, Ihnen würde etwas Geduld, weniger voreiliges Verurteilen und ein Nachschlagen der Bedeutung des Begriffs „Zensur“ wohlanstehen. Dass Sie nicht zuerst nachfragen, was schief gelaufen sein mag, sondern sofort „ZENSUR!!!111EINSELF!!“ kreischen, sagt mehr über Sie aus, als über die Übermedien.

    @Symboltroll
    Bitte, gern geschehen. Aber Sie wischen meinen Monitor ab, Sie haben schließlich das Schlamassel verursacht, mit Ihrer Tribble-Ferengi-Interpretation… :)

  16. @Reiner_Unfug: Ihr Maß der als Verständnis und Toleranz getarnten Herablassung ist allerdings auch bemerkenswert. Doch Sie schreiben es selbst, Diskussionen sind zwecklos – erst recht in diesem Rahmen. Allerdings verstehen Sie es hervorragend, den schwarzen Peter der Ignoranz und Einfältigkeit der anderen Seite zuzuschieben. So kann es gar nichts werden mit ernsthaften Gesprächen, denn so oft auch Kritiker pauschal verurteilen mögen, so oft sind VTler, wie Sie es so schön abkürzen, ebenso wenig bereit, zuwiderlaufenden Argumenten offen zu begegnen. Es ist ein Dilemma.

    Tragisch ist allerdings die riesige Industrie, die sich auf der Basis von Ängsten und Befürchtungen schon entwickelt hat und die mit nicht selten dubiosen und überteuerten Produkten das Geld aus den Taschen verunsicherter Menschen zieht.

  17. Da da auch Däniken auflief: mit dessen Theorien habe ich mich tatsächlich längere Zeit befasst; bin diesbezüglich also kein Kritiker, der keine Ahnung hat.
    Die Schlussfolgerungen, zu denen er kam, teile ich zwar nicht, vor allem, weil er zu unkonkret bleibt, wenn es zu konkreten Fragen kommt. Ich bin allerdings der Ansicht, dass es der Wahrheitsfindung und Wissenschaftlichkeit i.Allg. schon zuträglich ist, wenn jemand mal was ganz abwegiges behauptet, Indizien für seine Minderheitsmeinung sammelt und fragt: „Wieso nicht?“
    Entweder trifft die Minderheitsmeinung zu, und die Welt ist etwas weiter, weil sie was neues gelernt, oder nicht, und die Welt hat ihre Selbstüberwachung mal wieder durchgeführt; und wenn die Minderheit Unrecht hat, sollte es nicht allzu schwer sein, das zu beweisen.

    Der Kopp-Verlag allerdings scheint hier ein paar Schritte weiter zu gehen von „Wieso nicht?“ zu „Was verbergt Ihr noch alles?“

  18. Däniken ist in der Tat ein Sonderfall.
    Einerseits setzt er sich mit seinen Kritikern auch gerne auseinander und solche Art von „Wissenschaftlern“ sind der echten Wissenschaft durchaus zuträglich um sich selbst zu hinterfragen.
    Manche Bücher sind auch sehr lesenswert, nicht unbedingt als Sachbuch, eher als Reportage.

    Auch sonst ein sehr sympathischer Typ.

  19. Das mit dem Bargeld ist sicher nicht abwegig. Und man darf ruhig daran denken, was einem vor Snowden alles als abwegig erschien. Das ändert nichts daran, dass das Gros der im Kopp-Verlag erschienenen Bücher kompletter Bullshit ist.

    Es gibt wohl keine vernünftige, neutrale und unvoreingenommene Herangehensweise an manche Themen. Schade, wäre wichtig.

  20. Ich find‘ Typen, die ihre Hirngespinste als bierernstes Sachbuch verticken ja eher unsymphatisch.
    Die Toleranz und Diskussionsbereitschaft ist nur die Verkaufsmasche / -maske. Erst wird der kunde geködert mit „Ja, aber was wen .. Bla“, dann kommen 2 nicht nachprüfbare Herleitungen, meist als rhetorische Fragen, z. B.: Wer sagt denn, dass da nicht doch mehr ist, als wir sehen können?“ und schlussendlich verkaufen dir die Leute eine Lösung für ein Problem, dass sie selbst erfunden haben.

    Es gibt auch keine „echte“ Wissenschaft.
    Wissenschaft ist Wissenschaft. Ende Gelände.
    Z. B. bei Medizin: Wenn jemand seine, mit 120.000-fach verdünnten Wasserlösungen besprühten Zuckerkügelchen als „Alternativmedizin“ verkauft, dann ist diese Medizin „alternativ“, weil sie sich nicht Medizin nennen darf (sic!). Sie erfüllt nicht die wissenschaftlichen Standards – Z. B. den der Nachprüfbarkeit / Reproduktionsfähigkeit.

    Esotherik funktioniert immer gleich, egal ob Däniken, Anthropsophie, Homöopathie, Kabelklang oder Wirbelströme.
    „Alternativ“ heißt bei Wissenschaft nichts anderes als:
    Ist keine Wissenschaft, weil es die Kriterien, sich so nennen zu dürfen nicht erfüllt.

    Paradoxerweise wird von eben jenen oft die „Selber denken!“ Masche verwendet. Wer da wirklich ergebnisoffen drüber nachdenkt, bleibt spätestens bei der nicht nachprüfbaren Methodik hängen.

  21. Das Problem mit Dänken & Co besteht ja auch darin, dass sie nicht etwa Ruhe geben, wenn sich ein Wissenschaftler mal mit ihrem Zeug beschäftigt hat.

    Hätten die wissenschaftlichen Institute unbegrenzt Geld und Personal, ginge das ja noch an. Aber wir haben ja nicht mal Kapazitäten, den sinnvoll klingenden Fragen nachzugehen. Warum dann zum dritten mal eine ohnehin schon unsinnig klingende Theorie testen, nur weil ihr Ersteller sich nicht die Mühe machen will, anständige wissenschaftliche Grundlagen und Beweisführung zu lernen?

    Drüben bei den Scienceblogs wird begeisterten Widerlegern der Relativitätstheorie etc. immer wieder gesagt, was sie tun sollen, um sich Gehör zu verschaffen. Aber ein paar Jahre studieren ist wohl nicht jedermanns Sache.

  22. Du, ich hab‘ auch nicht studiert.
    Es reicht m. E. ein Basisfundus an Logik, um das Prinzip der Wissenschaftlichkeit zu verstehen.

    Ich meine, Worte wie „Nachrüfbarkeit“, „Reproduzierbarkeit“, „Statistik“ oder „Plausibilität“ erfordern ja kein wissenschaftliches oder gar linguistisches Studium.

    Und man muss in der Lage und Willens sein, seine Positionen zu überprüfen und diese evtl., sollten sie sich als unzutreffend herausstellen, auch über Bord zu werfen.

    Das ist übrigens ja auch ein Grundprinzip: Falsifikation.

    Außerdem muss der Behaupter seine These nachweisen, nicht seine Zweifler die Antithese.

    Talk is cheap:
    „Rosa, fliegende Einhörner gibt es nur in Höhlen, 100km unter der Erdoberfläche! Beweis‘ mir das Gegenteil!“

  23. Dass Däniken anscheinend kein besseres Forum findet, finde ich persönlich schade.
    Paläöastronautik ist an sich keine Verschwörungstheorie, weil dazu keine Verschwörung nötig ist. Die dürftige Beweislage wird dort einerseits den enormen Zeiträumen (1.000 oder 10.000 oder 100.000 Jahre) zugeschrieben, andrerseits der Lustlosigkeit der seriösen Forschung.

    Zur Verschwörungstheorie wird sie erst, wenn unterstellt wird, Beweise würden aktiv versteckt, vernichtet oder gefälscht, von besagter Verschwörung eben.

  24. @16 Anderer Max

    Diese Zensur betrifft nicht nur die auf den ersten Blick unseriösen Seiten. Bei den zumindest optisch sich normal gebenden DWN wurde ich, als es dort noch ein Forum gab, teils komplett gesperrt, teils so zensiert, dass der Sinn der Beiträge entstellt wurde (was m.E. noch einen Schritt weiter geht, als simples nicht veröffentlichen). Und bei rtdeutsch wurde ich auch gesperrt – was tatsächlich eine Erklärung für die erstaunliche Homogenität der Beiträge dort sein dürfte.

    Ausgerechnet die Publikationen, die sich über die angebliche Meinungsdiktatur aufregen, betreiben eine solche also selbst..

  25. Mir stellt sich folgende Frage. Wenn Kopp täglich (!!!) 10.000-25.000 Bücher verschickt und diese wahrscheinlich auch eher von recht „radikalisierten“ Truthern im deutschsprachigen Raum gekauft werden…. warum schlagen dann nur 1000 Verwirrte bei diesem Zirkus der Albernheiten auf.

    Da steckt doch mehr dahinter ;-)

  26. @Anderer Max:

    Bei E-Smoggern, Homöophaten und sonstigen Konsorten sind bereits Reproduzierbarkeit und Falsifizierbarkeit meist unzugänglich hinter der eigenen Logikgrenze angesiedelt.
    Sogar die fehlende Aussagekraft anekdotischer Empirie wird nur sehr widerwillig eingeräumt und sofort wieder vergessen.

    Das gilt selbst bei ansonsten durchaus ausreichend gebildeten Menschen.
    Eigentlich ein ähnlicher Mechanismus wie bei Trump: Manche Kritik am Mainstream adressiert durchaus relevante Schwachstellen (endlich sagt es mal einer). Endlich verweigert sich mal jemand dem Doppelsprech.
    Das alleine vermittelt schon einen Vertrauenswürdigkeits-Bonus. Endlich eine Alternative! Endlich Hoffnung! Licht am Ende des Tunnels!
    Wer wird denn diesem Gaul dann noch ins Maul schauen und als notorischer Skeptizist alles erst mal anzweifeln? Es muss doch in dieser Welt einen Platz für Glaube & Vertrauen geben?

    Bei der Sorte gibt es wenig Hoffnung, da mangelt es nicht in erster Linie am Können, sondern am Wollen.
    Eine Einstellung, die man jedoch auch im „Mainstream“ findet. Die klassisch neoliberale Volkswirtschafts- und Fiskaltheorie bspw. baut auf Axiomen auf, welche längst als vollkommen weltfremd erkannt sind und auf empirisch belegte Grundannahmen, deren empirische Bestätigung längst als banaler Rechenfehler erkannt wurden oder schlicht aktuell von der Realität widerlegt werden (Verschuldungsgrenzwert—Konjunktureinbruch/Billig-Geldschwemme—Investitions-Run)

    Für beide Szenen gilt: Genauer hinschauen würde das ganze eigene Phantasiegebilde als solches erkennbar machen. Wie viele Sektenmitglieder gibt es, die sich lieber von Ihrem Glauben verabschieden als von der Logik, ohne bereits einen ähnlich attraktiven Alternativglauben zur Hand zu haben?

  27. Danke für den sehr unterhaltsamen wie erschreckenden Lesestoff!
    Wimmer fand ich als Einzigen der Vortragenden bislang ziemlich gut.
    Alles womit er zitiert wird hier macht noch am ehesten Sinn, oder?
    Dass er eklig deutschtümelt (fahnenverteidigend etc.), ist allerdings echt befremdlich und mir neu. Hat er auch früher schon nationale Sprüche geklopft?

  28. @ Anderer Max, #23:

    „Z. B. bei Medizin: Wenn jemand seine, mit 120.000-fach verdünnten Wasserlösungen besprühten Zuckerkügelchen als „Alternativmedizin“ verkauft, dann ist diese Medizin „alternativ“, weil sie sich nicht Medizin nennen darf (sic!).“

    Und die Pointe ist ja, dass diese „Medizin“, die im Grunde zu absurden Preisen Zuckerkügelchen verkauft, sich auch noch als völlig selbstlos und uneigennützig agierende Alternative zu den geldgierigen Pharmakonzernen darstellt…

  29. @ Robert, # 29:

    „Mir stellt sich folgende Frage. Wenn Kopp täglich (!!!) 10.000-25.000 Bücher verschickt und diese wahrscheinlich auch eher von recht ‚radikalisierten‘ Truthern im deutschsprachigen Raum gekauft werden…. warum schlagen dann nur 1000 Verwirrte bei diesem Zirkus der Albernheiten auf.

    Da steckt doch mehr dahinter ;-)“

    Selbstverständlich! Die an sich 40 Mio. an dieser Veranstaltung Interessierten haben aus unterschiedlichen Gründen nicht teilgenommen. Eine kleine Auswahl an Gründen:

    1. Sie haben die Veranstaltung für einen Fake, sprich: eine Falle, des CIA und des Mossad gehalten, um sie, die Kenner der WAHRHEIT, zu beseitigen. Der wahre Skeptiker fällt auf sowas natürlich nicht rein.

    2. Sie haben es versucht, sind aber an der Hinfahrt mit dem Auto gescheitert. Karten, Navigationssysteme und Straßenbeschilderung sind schließlich SYSTEMgesteuert, und der Kopp-Verlag hat leider noch keine WAHREN Karten herausgegeben. #Lügenkarten #Lügenbeschilderung

    Und dann ist auch noch das Benzin ausgegangen. Und bevor man als Skeptiker angelsächsische Konzerne (Shell!) und die Muselmänner (wo kommt denn das ganze Öl her?!) unterstützt, gründet man lieber seinen eigenen, souveränen Staat irgendwo in Dänemark oder Belgien – wo auch immer man als Karten- und Schilderskeptiker auf dem langen Weg von Clausnitz & Co nach Stuttgart gestrandet sind.

    3. Sie haben es versucht, sind aber an der Hinfahrt mit der Bahn gescheitert. Anzeigesysteme sind schließlich systemgesteuert, eventuell werden die Wahrheitler dann direkt von Zabeltitz nach Guantanamo gefahren! (Schonmal drüber nachgedacht, warum sich Zugtüren heute während der Fahrt nicht mehr einfach so öffnen lassen? DAS SYSTEM will Euch Naivlinge glauben lassen, dabei ginge es um Sicherheit!)

    Außerdem ist die bundesweite DB-Stimme auf den Bahnsteigen – eine Frau! Und ein guter Deutscher lässt sich doch nicht von einer Frau sagen, wo er hinfahren soll!

    Und schließlich hat DAS SYSTEM auch noch eine für den typischen Skeptiker unlösbare Aufgabe vor die Zugfahrt gestellt: den Fahrkartenkauf.

  30. „Elke Schäfer-Henschel sitzt ganz hinten. Sie ist 56 und trägt braun-graue Kräusellocken.“ …hm… was will uns der Autor damit sagen? Spätestens hier erkennt man leider die Absicht und ist (tatsächlich gar nicht so sehr) verstimmt.
    Denn: was will der Text mir sagen, außer: schaut euch mal die Spinner an, höhö, Chemtrails, höhö, Nazi-Ufos.

    „Aus Erlangen ist sie angereist, um Gleichgesinnte zu treffen und auch, um den „Kopp Verlag“ zu unterstützen.“
    Ganz ehrlich: ist das nicht die Motivation aller, die solchen, sagen wir, Special Interest Kongressen/Messen kommen? Und gibt es derer nicht unzählige und, vor allem, skurrilere?

    Ich wünsche mir daher – und rege es offiziell an – hier eine Rubrik draus zu machen und künftig über Mineralien-, Hifi- und Evis-Fans, Donaldisten-, Trekkie-Zusammentreffen (u.v.m.) zu berichten (analog dem vorzüglichen „Bahnhofsksiosk“).
    Unterhaltungswert (und eine andere Intention sehe ich in dem Text nicht) haben diese allemal.
    Tatsächlich sehr gut: „Die Messe-Security. Ob sie wüssten, worum es in den vergangenen zwei Tagen so gegangen ist? „Nein, keine Ahnung“, sagt einer von ihnen, „wir sorgen hier nur für Sicherheit.“
    Selbst, wenn es so nicht gesagt worden wäre: eine super Pointe!!:-)

  31. Hat Donald Bäcker nicht was über Chemtrails erzählt? Hab‘ sowas mal vernommen. Kaum vorstellbar, daß es das wirklich gibt.

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