Holger ruft an (88)

Kriegen „Suppen-Attacken“ mehr Aufmerksamkeit als die Botschaft dahinter?

Suppe auf Van Gogh - Aktion von Klimaaktivisten
Foto: IMAGO / ZUMA Wire

Tomatensuppe auf Van Gogh, Kartoffelbrei auf Monet: die Proteste von Klimaaktivist:innen in Museen haben in den vergangenen Wochen mediales Aufsehen erregt. Der Kern der Forderungen – politisches Handeln, um die Klimakrise zu bewältigen, allem voran ein Abschied von fossiler Energie – geht in der Berichterstattung dabei oft unter, kritisiert Simon Teune. 

Der Soziologe beschäftigt sich wissenschaftlich unter anderem mit der Medienwirkung von Protesten und sagt im Übermedien-Podcast: „Wenn man innerhalb von Stunden einen Artikel liefern muss, kann man nicht die grundsätzlichen Fragen stellen.“ Journalist:innen, die nicht tagesaktuell arbeiten, gingen anders an solche Themen heran, so seine Beobachtung. 

Nach den sogenannten „Suppen-Attacken“ ist er als Protestforscher derzeit gefragter Interviewpartner für Medien. Und er wundert sich dabei immer wieder über die Fragen, die ihm gestellt werden. Zum Beispiel, ob er die Proteste für legitim hält. Das könne er als Wissenschaftler gar nicht beantworten. Das sei „ein gesellschaftlicher Aushandlungsprozess“, sagt Teune. Auch zur Frage nach der Gewaltbereitschaft und Radikalisierung der Klimabewegung solle er sich immer wieder äußern. Nach rechten Protesten wie denen der „Querdenker“ wolle man so etwas nicht von ihm wissen – obwohl bei den Demonstrationen bereits Journalist:innen angegriffen wurden.

Warum sind die Suppen-Aktionen aus seiner Sicht dennoch effektiv? Was unterscheidet die Klimaproteste von anderen Protesten? Und wie schaffen es Medien, mehr über die Inhalte und die Klimakrise an sich zu berichten, anstatt nur über die Aktionen? Darüber spricht Holger Klein mit Simon Teune diese Woche im Podcast.

Die neue Folge „Holger ruft an…“ hören Sie hier:

(Sie können den Podcast auch über die Plattform oder App Ihrer Wahl hören. Hier ist der Feed.)


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2 Kommentare

  1. Dass „die Medien“ nicht über die Klimakrise berichten, kann man wirklich nicht behaupten. Hier wird das Nötige getan, berichtet, erklärt und eingeordnet.
    Wenn sich aus Anlass der Suppen-, Kartoffelbrei- und Sekundenkleber-Aktionen die Berichterstattung auf Suppe, Kartoffelbrei und Sekundenkleber beschränkt, kann das daran liegen, dass Medien den Selbstdarstellungs-Akteuren nicht auf den Leim gehen. Denn diese Aktionen dienen nicht der Bewusstseinsbildung, sondern sind Selbstinszenierungsprojekte der Klebenden und Breiwerfenden. Und das sollten Medien nicht auch noch fördern.

  2. #1
    „Dass „die Medien“ nicht über die Klimakrise berichten, kann man wirklich nicht behaupten. Hier wird das Nötige getan, berichtet, erklärt und eingeordnet.“

    Teil 1 wurde nie behauptet, Teil 2 stimmt deshalb aber auch noch lange nicht. Kann man gerade wieder beobachten. Der außergewöhnlich warme Herbst kommt nur in Randnotizen oder als Glücksfall angesichts der Gasversorgung und Pandemielage vor. Zeitgleich wird von Teilen der Medien aber schon wieder eine andere Panikstimmung geschürt. „Verbrennerindustrie wandert nach China ab“ scheint da das wichtigere Thema zu sein.

    Der letzte Teil des Kommentars ist das berühmte Pfeifen im Walde. Mehr globale Aufmerksamkeit, wie durch diese Aktionen erzielt, könnten Aktivisten wohl nur erzielen, indem sie den Eiffelturm klauten und auf dem Times Square aufstellten.
    Das Argument einzelne würden eher abgeschreckt, ist bestenfalls niedlich und das aus 2 Gründen:
    – Erstens ist wohl niemand so naiv, sein Verhalten wider besseren Wissens in so einer Frage so infantil trotzig zu steuern. Die Alternative, dass bereits vorhandener Unwillen so nur nachträglich gerechtfertigt wird, macht m.A. viel mehr Sinn.
    – Zweitens geht es ernsthaften Aktivisten nicht darum, diese Ablenkungsmanöver, nämlich der Versuch der Carbonindustrie, die Verantwortlichkeit für den Klimawandel zu einem individuellen Problem zu machen ( CO2 footprint Idee stammt von BP ) , als Narrativ aufzugreifen und weiterzuspinnen. Der Druck gilt letztlich der Politik. Wenn der Verbraucher weniger fliegt, fliegt die Lufthansa leer, um die Strecken nicht zu verlieren oder die CO2 Zertifikate werden weiterverkauft und JWD wird eine Produktion mit Kohle- oder Gasverbrennung im großen Maßsstab damit ausgeweitet. Die Politik muss Zertifikate verknappen und verteuern, Tempolimits durchsetzen und Verbrenner verbieten usw.. Alles andere ist ( durchaus auch notwendige, aber aus anderen Gründen ) Bewußtseinskosmetik. Die großen Räder bewegt das letztlich zumindest weit weniger als angenommen.

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