Wochenschau (97)

Wie viel Dolly Parton braucht die Gesellschaft? Sehr viel.

Wir können Wolfgang Thierse nicht vorwerfen, nicht Dolly Parton zu sein.

„Natürlich sind Schwarze Leben wichtig. Denken wir, dass unsere kleinen weißen Ärsche die einzigen sind, die zählen? Nein!“, sagte sie 2020 dem Magazin „Billboard“, gefragt zu der Black-Lives-Matter-Bewegung.

Die Essayistin Tressie McMillan Cottom hat in ihrem aktuellen Stück „The Dolly Moment – Why We Stan A Post-Racism Queen“ anhand dieses Zitats von Dolly Parton runtergebrochen, wie gekonnt sich die Country-Musikerin durch den Gender- und Race-Diskurs bewegt („stan“ heißt hier übersetzt so viel wie „vergöttern“, angelehnt an Stan aus dem gleichnamigen Eminem-Song). In McMillan Cottoms Text kommt das Wort Identitätspolitik nicht vor, aber auch darum geht es:

„Es war – so weit ich mich erinnern kann – das erste Mal, dass Dolly Parton sich als weiß bezeichnete. Nicht als arm und weiß, wie sie es in ihrer gesamten Karriere tut, auch in ihrer Autobiografie. Nicht als billig und weiß oder mit irgendeiner anderen Klassenidentität als Attribut. Einfach ‚weiß‘. Von den beiden Aussagen ist das die politisch radikalste. Vor allem, wenn man bedenkt, dass sie nicht sagt, dass sie glaubt, dass Schwarze Leben zählen oder dass sie die Black-Lives-Matter-Bewegung in irgendeiner konkreten Weise unterstützt. Immer die Künstlerin der Wahrnehmungstäuschung, lässt Dolly ungesagt, was ihr konservatives Country-Kernpublikum niemals von ihr gesagt hören will.

Aber sich selbst als weiß zu deklarieren, leistet sogar noch sinnvollere Arbeit: Auf eine Art und Weise, wie es ihr Drag, ihre kultivierte Hyperweiblichkeit und ihr strategischer Einsatz ihrer armen Wurzeln nie getan haben, ist diese Aussage Dollys klarstes Bekenntnis zu dem, was ihren unwahrscheinlichen Weg von den Ausläufern der Appalachen zum Post-Rassismus-Liebling ermöglicht hat. Ihr kunstvoller Einsatz des Weißseins als Kleidungsstück hat sie abgeschirmt, auch wenn Geschlecht und Klasse sie einst einschränkten.“

Wie gesagt, Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse ist nicht Dolly Parton. Und in der SPD sind einige gerade nicht so begeistert über seine Reflektionen zu identitätspolitischen Diskursen.

Foto von Wolfgang Thierse neben einem Gastbeitrag von ihm in der FAZ
Screenshot: FAZ.net

Laut „Tagesspiegel“ hat Thierse nun in einem Schreiben an SPD-Chefin Saskia Esken gar seinen Parteiaustritt zur Debatte gestellt:

„Er bitte darum, ihm öffentlich mitzuteilen, ob sein ‚Bleiben in der gemeinsamen Partei weiterhin wünschenswert oder eher schädlich‘ sei. Er selbst habe Zweifel, ‚wenn sich zwei Mitglieder der Parteiführung von mir distanzieren‘.“

Es wurde schon wahnsinnig viel zu zur sogenannten Identitätspolitik geschrieben, der „Spiegel“ hat ein Dossier veröffentlicht, regelmäßig kommen Debattenbeiträge und Repliken, deswegen will ich gar nicht mit dem großen Menü aufwarten. Aber ich würde gerne den Diskurs um Thierse zum Anlass nehmen, auf ein grundsätzliches Missverständniss in Bezug auf die sogenannte Identitätspolitik einzugehen (mit der Fußnote, dass ich selbst noch dabei bin, mir eine Meinung darüber zu bilden, ob Identitätspolitik überhaupt der richtige Begriff ist, für das, was sie einerseits anstrebt, und das, was ihr andererseits unterstellt wird).

Wie gleich sind wir tatsächlich?

Ganz verknappt gesagt ist ja jede Identität politisch, nur kriegen das Personen, die aufgrund ihres Seins nicht benachteiligt werden, nicht mit. Wenn das, was eine Mehrheitsgesellschaft will, deckungsgleich ist mit dem, was ich möchte, dann muss ich mir nicht die Mühe machen, meine Interessen zu verteidigen. Anders ausgedrückt: Jeder Mensch, der sich im demokratischen Diskurs vertreten sehen möchte, betreibt Identitätspolitik, Vertreter der Mehrheitsgesellschaft merken das nur nicht, weil sie sich sowieso schon immer im Diskurs gespiegelt gesehen haben.

Dementsprechend ist Identitätspolitik erstmal recht unemotional die Beschreibung von demokratischer Emanzipation und Mündigkeit.

Eine Sorge und ein argumentativer Pfeiler der Kritiker von Identitätspolitik ist, dass sie gegen die Idee einer demokratischen Gleichheit ist. Die freiheitliche Vorstellung, dass jede Stimme genau gleich viel Gewicht hat, und jeder, unabhängig von Aussehen, Geschlecht, sexueller Orientierung, Klasse, eine gleichwertige Sprecherpositionen inne hat.

So viele Forderungen

Und dann kommen da AntirassistInnen oder Feministinnen oder arme Menschen oder queere Menschen, die mit müßigen Partikularinteressen wie Gleichbehandlung in den kantischen Universalismus krakeelen. Die sagen, hey, wir sind auch Teil dieser Gesellschaft, dennoch berücksichtigt man uns nicht nur nicht, man benachteiligt uns dafür, dass wir nicht Teil der Mehrheitsgesellschaft sind. Die sagen, wir wollen Quoten, Repräsentation, Diversität, dort wo Gatekeeper sind, Diversität dort, wo Entscheidungen getroffen werden; wir wollen gehört werden, gebt uns Bühnen, Sendezeit, Jobs, politische Ämter. Die sagen, wir wollen in der Sprache gesehen werden, gendert, bezeichnet uns richtig. Die sagen, ihr Privilegierten, ihr soziologisch Bequemlichkeitsstarken, seid doch mal bitte kurz ein bisschen leiser, ihr hattet historisch doch immer schon das Mikro, stellt euch mal zurück und gebt uns ein paar Megafone.

Das ist alles erstmal kein Grund zur Sorge, so funktioniert demokratischer Diskurs. Aus Sicht eines Identitätspolitik-Kritikers wirkt es aber, als widerspreche diese Haltung der Idee von Universalismus. Wo sind denn alle Menschen gleich, wenn – neben der Kompetenz – jemand auch aufgrund seines Geschlechts oder seiner Herkunft eingeladen, besetzt, befördert wird? Seit wann soll eine Sprechautorisierung über die politische Identität legitimiert werden? Warum muss zum Beispiel die weiße Übersetzerin von der Übersetzungsarbeit an Amanda Gormans Texten zurücktreten? Sollte das nicht alles keine Rolle spielen?

Der Identitätspolitik-Kritiker hat eigentlich sogar ein bisschen recht, es sollte so sein können – aber er verkennt, dass das Ideal, welches er beschwört, nicht existiert. Es gibt von vornherein eine Asymmetrie: eine Mehrheitsgesellschaft und Minderheiten, die sich der Mehrheitsgesellschaft anpassen müssen, um existieren zu können. Marginalisierte Stimmen waren schon immer runtergedimmt. Der Egalitarismus, den der Kritiker beschützen möchte, ist das Ideal, das sozial nicht gegeben ist. Und deswegen macht es einen Unterschied, ob eine weiße oder schwarze Person über das Schwarz-Sein spricht, ob Nicht-Akademiker in der politischen Sphäre unterrepräsentiert sind, ob Männer über #metoo sprechen oder Frauen.

Und was ist gerecht?

Es geht darum, anzuerkennen, dass es derart unterschiedliche Erfahrungshorizonte geben kann, dass manche Personen manche Ungerechtigkeiten weniger sehen als andere. Wir leben und operieren alle in unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten. Das bedeutet, dass wir diese Unterschiede auch verhandeln und die Ungerechtigkeiten, die sich daraus ergeben können, politisch erfassen müssen.

Es ist also keine Fragmentierung der Gesellschaft, dieses Zugeständnis zu machen, sondern ein Akt der Gleichberechtigung.

Es ist die ganz grundsätzliche Frage, was Gerechtigkeit ist: Eine Gesellschaft, die alle Menschen gleich behandelt? Oder eine Gesellschaft, die unterschiedliche Menschen unterschiedlich behandelt?

Die, die es gut meinen und für den sozialen Zusammenhalt plädieren – und ich merke, wie selbst ich oft diesen Wunsch überidealisiere –, fordern indirekt, dass Menschen, die strukturell benachteiligt werden, das kritiklos für den Zusammenhalt hinnehmen sollen und verstärken damit die Ungleichbehandlung.

Es wird immer befürchtet: Identitätspolitik, oder was damit beschrieben wird, zersplittere die Gesellschaft. Das basiert aber auf einer falschen Zweiteilung oder Gegenüberstellung, die aufgemacht wird: Gleichheit oder Vielfalt. Egalitarismus oder Identität.

Aber eigentlich erreichen wir Gleichheit durch Anerkennung der Pluralität einer Gesellschaft. Wahrhaftig gleich wäre es nicht, irgendwann festzustellen zu können, dass es keine Unterschiede mehr zwischen Menschen gibt, sondern feststellen zu können, dass alle unterschiedlich sind, aber keiner aufgrund der Unterschiede benachteiligt wird.

Dolly Parton hat die heterogenste Fanbase, die eine amerikanische Künstlerin haben kann. Sie vereint mit ihrer Musik den ganzen Pluralismus der amerikanischen Gesellschaft. Während die Fans ihre Heterogenität feiern, sind sie vor Dolly alle gleich.

Wenn klassenbewusste Identitätspolitik nicht das Ziel, sondern der Hebel ist, um zu dem von den Kritikern so ersehnten universalistischen Prinzip zu gelangen, dann ist Identitätspolitik die Dolly Parton politischer Handlungen. Wie Dolly Parton zu sein, ist der Weg zu fairer Gleichheit bei gleichzeitiger Anerkennung der Unterschiede.

41 Kommentare

  1. „Jeder Mensch, der sich im demokratischen Diskurs vertreten sehen möchte, betreibt Identitätspolitik, Vertreter der Mehrheitsgesellschaft merken das nur nicht, weil sie sich sowieso schon immer im Diskurs gespiegelt gesehen haben.“ Ja, aber nein.
    Bzw., jeder Mensch, der sich im demokratischen Diskurs vertreten sehen möchte – und wer möchte das nicht – betreibt Politik.
    Es muss aber nicht notwendigerweise Politik für die eigene Gruppe sein.
    Ein weißer alter Mann, der in der SPD ist, hat anscheinend andere politischen Ziele als ein alter weißer Mann, der in der FDP ist. Die Gegner weißer heterosexuelle alter Männer in D. stimmen größtenteils in drei bis vier dieser Eigenschaften überein. Es ist offensichtlich, dass die keine pro-wham-Politik machen, wenn sie Politik gegen andere wham machen. Das ist dann evt. trotzdem noch Identitätspolitik, wenn man pro-eigene-Klassen-Politik auch als Identitätspolitik versteht.

    Der Vorwurf hier ist aber, dass eine Politik, nicht nicht pro-wham ist, trotzdem anti-sonstige-Eigenschaften sein kann, getreu dem Jesus-Spruch, wer nicht für mich ist und so.
    Stimmt ein Stück weit wohl auch, aber…
    „Warum muss zum Beispiel die weiße Übersetzerin von der Übersetzungsarbeit an Amanda Gormans Texten zurücktreten?“ Musste sie ja nicht. Sie hat den Auftrag freiwillig abgegeben. Oder die niederländische Identitätspolitik hat Einfluss auf künstlerische und unternehmerische Entscheidungen. Was aber eine komische Definition von „marginalisiert“ wäre.

  2. Und täglich grüßt das Murmeltier.

    Es gibt keine Beschränkung für die Teilnahme an Schachwettbewerben. Keiner dort wird eingeteilt nach Schwarzen, Weißen, PoC, BIPoC, LGBTx. Jedermann kann antreten und alle anderen besiegen. Wenn er es kann. Oder wenn sie es kann. Oder wenn Divers es kann.
    Es gibt für alle die gleichen Teilnahmebedingungen und für alle die gleichen Regeln.
    Kann mir bitte jemand erklären, an welcher Stelle die sagenumwobene Diskriminierung erfolgt?
    Eine Frage, die ich schon x-mal in diversen Foren eingestreut habe; und die entweder nicht oder mit Wutanfällen (Nazi!) beantwortet wurde.

    Sinngemäß gilt das gleiche gilt für den Fahrdienstleister Uber. Und für die Sinfonieorchester. Und …

    Es wäre auch an der Zeit zu klären, was eigentlich „Mehrheit“ und „Minderheit“ ist.
    Immerhin wird uns alltäglich eingehämmert, dass es keine Geschlechter gäbe. Und keine Rassen. Und Stammbaum erst recht pfui bäh.
    Also bitte, anhand welcher Kriterien werden Feststellungen von Mehrheit und Minderheit getroffen, wenn es nicht mal Definitionen der Entitäten gibt.

    Im Anschluss wäre zu fragen, wer die „marginalisierten Stimmen“ sind. Sind die marginalisiert, für deren Interessen alle Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk- und Fernsehsender, Universitäten, Kirchen, Gewerkschaften und überhaupt alle Entscheidungsträger und Vervielfacher trommeln, die mit Steuermilliarden zugeschüttet werden, mit Versorgungspöstchen, Stipendien, Couragepreisen?
    Das wäre eine Marginalisierung einer neuen Art. Im letzten Jahrtausend jedenfalls verstand man unter marginalisiert was anderes, so was in der Richtung „die im Dunkeln, sieht man nicht“.

    Eigentlich reicht es, die Frage zu stellen um zu sehen, Identitätspolitik hat einzig den Sinn, die Gesellschaft zu fragmentieren. Keinen anderen.
    Es ging ja mal ohne.

    Wenn ich mir das richtig gemerkt habe, begann der Wahnsinn gegen 2010. Damals sind im Zusammenhang mit der letzten Wirtschaftskrise so einige übliche Sachen an die Oberfläche gekommen, die in der Folge von anderen üblen Figuren aufgegriffen und ausgenutzt wurden.
    Blockupy Wallstreet.
    So eine Bewegung kann man frontal zerschlagen, allerdings mit dem Nachteil der Erzeugung von hässlichen Bildern, die wahrscheinlich auf die Urheber zurückfallen.
    Besser wäre es, so ein Blockupy Wallstreet (oder Nachfolgeprojekte) von innen heraus zu zerlegen. Aus meiner, zugegeben laienhaften, Sicht sieht das so aus, als wenn der ganze Identitätskäse lanciert wurde, um eine monolithische Protestbewegung zu verunmöglichen. Deshalb wird der Keil getrieben, mit Schwarzen, Weißen, PoC, BIPoC, LGBTx und immer mehr abenteuerlichen Konstruktionen, damit sich nur ja nirgendwo eine Struktur bildet, die den Machthabern wirklich Ärger machen kann.
    Sollte das die Intention sein, dann muss man sagen:
    Herzlichen Glückwunsch. Ihr habt es geschafft.

    Die Linken kuscheln mit den reichsten Männern der Welt. Die Menge ist beschäftigt mit Ringelreihen, Diskussionen über LGBTx-Rechte, cultural appropriation (oder so), Genderknacklaute und solchen Kram.

    An Blockupy Wallstreet erinnern sich nur noch die Älteren.

  3. @Mycroft
    „Es muss aber nicht notwendigerweise Politik für die eigene Gruppe sein.“
    Ein junger, schwarzer Homosexueller kann auch Politik betreiben, die nicht für seine (benachteiligte) Gruppe vorteilhaft ist.

    Davon abgesehen könnte man jetzt philosophisch über Altruismus diskutieren, denn letztlich vertritt jeder Mensch eine Politik für eine Welt, wie er/sie sie sich wünscht. Diese Wünsche können individuell sehr verschieden sein, haben in der Masse aber natürlich Korrelationen zu gewissen sozialen und ökonomischen Merkmalen. Vor allem interessant dabei: Das, was man sich nicht wünscht (oder sogar wünscht, dass es nicht sei).

  4. „Ein junger, schwarzer Homosexueller kann auch Politik betreiben, die nicht für seine (benachteiligte) Gruppe vorteilhaft ist.“ Ja.
    Oder eine alte, weiße Hetera betreibt eine Politik, die jungen, schwarzen Homosexuellen nützt. Oder junge, schwarze Homosexuelle sind gar keine homogene Gruppe, die gemeinsame Interessen hat.

    „Diese Wünsche … haben in der Masse aber natürlich Korrelationen zu gewissen sozialen und ökonomischen Merkmalen. “
    Stimmt schon. Aber trotzdem halte ich es für die bessere Taktik, solche Leute zu wählen, deren _Wünsche_ mit meinen übereinstimmen, nicht deren _Merkmale_. Also keine Identitätspolitik, sondern Interessenpolitik.

    „Das, was man sich nicht wünscht (oder sogar wünscht, dass es nicht sei).“ Genauso, wie Mitglieder der eigenen Gruppe sich nicht das wünschen, was man selbst will, können sich Mitglieder anderer Gruppen wünschen, was man selbst will. Dafür gibt’s Parteien. (Man kann sich natürlich streiten, ob die SPD im Allg. und Thierse im Speziellen die Ziele verfolgt, die man von ihnen erwartet.)

  5. Der erste Artikel auf Übermedien, bei dem ich überhaupt nicht kapiere, worum es geht und was er mir sagen will.

  6. Ja, wir brauchen definitiv mehr Dolly Parton.

    Aber bedeutet das gleichzeitig, dass Thierse vollkommen falsch liegt, gar etwas unerhörtes gesagt hat, für dass die SPD („Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!“) sich institutionell schäme müsse? Ich als alter, weißer CIS-Mann glaube das nicht. Er beschreibt etwas, das mir selbst immer häufiger begegnet: Das Argument sei kein Argument, weil es vom falschen komme. Oder weil es die falschen Vokabeln benütze. Oder weil es schon mal im falschen Zusammenhang aufgetaucht sei.

    Etwas Abrüstung täte uns allen gut, mir inklusive. Ich versuche seit geraumer Zeit noch wertschätzender, klarer und inklusiver (das muss kein Widerspruch sein) zu schreiben. Das klappt aber nicht immer, weil manche Leser nur das sehen, was sie an meinem Argument sowieso nicht leiden können. Dann kommt es nicht darauf aus, wie ich etwas schreibe, sondern nur auf Stoppworte. Wenn ich spreche passiert mir das nie.

    Ja, wir brauchen mehr Dolly Parton. Immer und überall.

  7. Antidiskriminierung ist eine false-flag-Operation der Schatten-Weltregierung. Hat Jörn herausgefunden. Diskussion beendet.

  8. Schach nur was für weiße, westliche Männer, Asiaten können Go und Schwarze werden Taxifahrer. Frauen generell nutzlos, Linke biedern sich an Reiche an.

    Lesen Sie Ihre lächerlichen rechten Hundepfeifen eigentlich nach dem Absenden nochmal durch, lieber Jörn? Warum haben Sie es eigentlich offensichtlich selbst zu so wenig gebracht im Leben? Als weißer heterosexueller Cis-Mann sind sie doch von der Genetik oder so her ganz oben mit dabei.

    Und Mycroft stellt mal wieder fest, dass gar nicht alle Menschen in Gruppen exakt gleich sind und denkt das sein ein Argument für oder gegen irgendwas. Repräsentation ist im Grundsatz wichtig und richtig, das lässt sich nicht wirklich wegreden.

    Manchmal sind die Kommentarspalten hier so befremdlich wie vorhersehbar. Fehlt nur noch Andreas, der Dolly Parton mit dem Deep State in Verbindung bringt.

    Zum Artikel: Frei nach Marx halte ich das kurz erwähnte „klassenbewusste“ vor Identitätspolitik für extrem wichtig und gerade von liberalen Kräften oft unterschlagen. Schließlich kann sich keine schwarze Frau von Harris als Vize irgendwas kaufen, wortwörtlich.

    Thierse kämpft gegen seinen eigenen Bedeutungsverlust an. Ihr habt mich kritisiert, soll ich austreten? Das ist ein bisschen witzig und ein bisschen traurig.

  9. Ich stimme der Kolumne über weite Teile zu, nur geht sie mE zumindest an der aktuellen Kontroverse im Kern vorbei. Es geht ja weniger um die Sprechautorisierung selbst als um die grundsätzliche Anforderung, dass das Gesprochene bzw. die im Gesprochenen enthaltenen Ansprüche und Forderungen den Rationalitätsstandards genügen, vor allem also: dass Positionen begründet werden.

    Dass diesen Anforderungen sonst (in – nach Thierse – nicht identitätspolitischen Diskursräumen) stets genüge getan wird, darf man natürlich getrost bezweifeln.

    Ich halte einige der Aussagen Thierses inhaltlich für nicht zutreffend (bspw. hinsichtlich der Sprache an Universitäten), aber die sind doch nicht so abwegig, dass man nicht drüber diskutieren könnte. Stattdessen schämt man sich aber gleich – und das bei einem insgesamt sehr maßvollen Text, der spürbar um die richtige Abwägung ringt. Viel weniger rational begründeter geht nicht.

    @Jan In diesem Sinn ist das Problem, dass Thierse eben nicht kritisiert wird, zumindest nicht in einer satisfaktionsfähigen Art und Weise, sondern dass sich für ihn geschämt wird. Gerade von Parteivorsitzenden erhofft man sich doch mehr. Die mögliche Angst vor der Bedeutungslosigkeit scheint mir dann doch eher eine unzulässige Psychologisierung zu sein.

  10. „Und Mycroft stellt mal wieder fest, dass gar nicht alle Menschen in Gruppen exakt gleich sind und denkt das sein ein Argument für oder gegen irgendwas.“ Es ist nur mein halbes Argument. Mein Argument ist, dass die Gruppe nicht zwingend – „Korrelationen“ hin oder her – die Interessen des Individuums bestimmen.

    „Repräsentation ist im Grundsatz wichtig und richtig, das lässt sich nicht wirklich wegreden.“ Habe ich auch nicht getan. Mein Problem mit obigen Artikel ist, dass *ich* angeblich auch eine identitäre Politik betreibe, aber ohne es zu merken. *nachdenk* Vor die Wahl gestellt, würde ich Harris statt Trump wählen und Chebli statt Gauland. Also betreibe ich _keine_ Identitätspolitik. Ergo spricht mich das Argument nicht an.

    „Frei nach Marx halte ich das kurz erwähnte „klassenbewusste“ vor Identitätspolitik für extrem wichtig“ Ok, frei nach Marx: der Verbündete des weißen Arbeiters wäre der schwarze Arbeiter, nicht der weiße Fabrikbesitzer. Jetzt sagt die Identitätspolitik: „Der weiße und der schwarze Arbeiter sind Gegner, es muss mehr schwarze Fabrikbesitzer geben.“ Halte ich für den falschen Ansatz.
    Natürlich kann sich keine Schwarze in den USA was von Harris kaufen, aber ihre Wahl ist schon ein „Lackmustest“, wieviel Rassismus es dort noch gibt. Wenn also jemand sagt: „Ich lege Wert darauf, dass Menschen meiner Gruppe für Wahlen aufgestellt werden, weil ich daran sehe, welche Parteien meine Gruppe berücksichtigen und welche Wähler das tun.“ ist das die eine Sache. Wenn jemand sagt: „Ich traue nur Menschen meiner Gruppe und will mich nur von denen repräsentieren lassen.“ eine andere.

    „Ihr habt mich kritisiert, soll ich austreten?“ Ja, Thierse ist ein alter Sack kurz vor der Rente, wenn die Personaldecke bei der SPD nicht so knapp wäre, und er noch was zu verlieren hätte, würde er sich das nicht trauen. (Gibt’s eigentlich schon Genossen, die aus Scham wegen Thierse austreten?)

  11. „Jetzt sagt die Identitätspolitik: „Der weiße und der schwarze Arbeiter sind Gegner, es muss mehr schwarze Fabrikbesitzer geben.““

    Das stimmt meines Erachtens so nicht, ansonsten würde ich dem Kommentar zustimmen. Und vor allem im Sinne der „klassenbewussten Identitätspolitik“ stimmt es ja erst recht nicht. Das geht aber in Richtung der Argumenthälfte, die ich andeutungsweise kritisieren wollte. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass man es gut finden kann, dass es (frei erfundenes Beispiel…) einen offen schwulen Minister gibt, sich dadurch vielleicht sogar repräsentiert fühlt („Da kann ich auch hinkommen.“) und trotzdem der Meinung sein, speziell diese Person sei total inkompetent und mache einen schlechten Job.
    Die andere Alternative („Ich finde den gut, weil der schwul ist, Kompetenz egal) kommt mir da etwas strohmännisch vor, aber vielleicht bin ich zu naiv.

    @CV Ich muss gestehen, dass ich mangels Abo den Thiersetext nicht komplett gelesen habe und mir dieses Urteil aus Metadaten erlaubt habe, auch mit Thierse als Platzhalter für Menschen, die Angst um den Verlust ihrer Deutungshoheit haben und darauf auf diese Art reagieren. Mag sein, dass ich damit in diesem konkreten Fall überpsychologisiert habe.

  12. Lauter one trick ponies, richtig?
    Mach ich das eine, geht das andere nicht mehr. Ich kann also nicht gleichzeitig Kapitalismus kritisch sein und beklagen, dass Minderheiten in den Führungsriegen unterrepräsentiert sind?
    W.t.F.? Ich würde sagen, dass die Logik das sogar von mir verlangt.
    Es ist die neueste Volte der, sagen wir es mal bewußt etwas over the top, Reaktion, eine Konfliktlinie in der „Linken“ zu erreichten und Halbintelligente aus dem Lager springen bereitwillig über das Stöckchen:
    Partikularinteressen haben gegen das Klassenbewußtsein zurück zu stehen.
    Slavoj Žižek für Arme quasi.

    Fehler Nummer 1: Der Begriff „Identitätspolitik“ bedeutet nicht dasselbe, wenn er auf minderprivilegierte Minderheiten angewendet wird. Das Negative, mit dem supremacy-movements ihn aufladen, lässt sich nicht einfach auf Gruppen überstülpen, die um ihre Stimmen immer noch kämpfen müssen.

    Fehler Nummer 2: Man kann Kamala Harris als schwarze Frau, die ihren ( vergleichsweise schwereren ) Weg gegangen ist, bewundern und als machthungrige Politikerin mit Law-and-Order Anwandlungen kritisieren.

    Fehler Nummer 3: Korrelationen werden mit Kausalitäten verwechselt. Das Erstarken rechtsextremer Kräfte global ist nicht verursacht durch die Emanzipation von Minderheiten. Der (wieder) erstarkende Faschismus BENUTZT Ressentiments und Menschen wie Thierse unterstützen das ( natürlich unbewußt ) auch noch.

    Und wir springen über das Stöckchen, immer wieder.

  13. Ach ja, und, liebe Übermedier, den rechtsextremen Rassistentroll habt ihr als running-gag eingebaut. Gebt es doch zu. So dumm ist doch niemand.

  14. Auf die Idee den Wolfgang Thierse mit Dolly Parton in Verbindung zu bringen, muss man erst mal kommen.
    Super! Das ist ein geniales Geländer mit dem man sein eingeübtes Denkmuster verlassen kann.
    Inzwischen erreicht der werte Herr Thierse schon fast Heiligenstatus (in der FAZ): alter Mann, katholisch (religiös! ist immer ganz, ganz wichtig), aus der DDR (auch ganz wichtig) etc. , etc.- und jetzt wird das, was er gesagt hat, so geschmäht: die klassische Reaktion der Altvorderen (weise weisse Männer), die die Leistungen ihrer Generation für die vereinte Nation nicht gewürdigt sehen – ein Muster im Diskurs, das aus den Schlachten der Schützengräben 14/18 und Wehrmacht tradiert ist: für Deutschland aufgeopfert und jetzt hackt man auf ihnen rum. Das ist so schlimm, das Herr Thierse anbietet die SPD zu verlassen. „Dann geht doch, und frag nicht so blöd“ mag man ihm zurufen, der sich damit noch selbst diskreditiert, anstatt es auszuhalten.
    Und wer sind jene, die Hacken und den bräsigen Ausführungen die Gegenwart entgegensetzen ? Unverschämte „Lowperformer“ wie Esken und Kühnert , so der Tenor. Sauerei tobt die radikale Mitte.

  15. @11: „Jetzt sagt die Identitätspolitik: „Der weiße und der schwarze Arbeiter sind Gegner […]“ – das sagt „die Identitätspolitik“ ja gar nicht. Im Gegenteil. Das ist eher eine Äußerung derjenigen, die sich sog. Identitätspolitik als Feindbild auserkoren haben (ohne, dass wirklich klar wäre, was alles dazugezählt wird, aber es ist so ein schönes Buzzword). Dieser Äußerung folgt dann oft die Weiterführung, dass man daher diesen ganzen Identitätspolitikquatsch oder Rassismusschnickschnack der (hier beispielhaften) „schwarzern Arbeiter“ ablehnen müsse, denn die würden ja mit ihren Forderungen bloß weiter spalten wollen und ganz schnell werden diejenigen, die auf z.B. rassistische Diskriminierungen hinweisen, zu den „wahren Tätern“, und zack – unlösbares Dilemma, denn nun kann man entweder darauf verzichten, auf Diskriminerung hinzuweisen und es ändert sich nichts, oder man tut es und es ändert sich nichts.

  16. Die Frage ist: Warum ist die Sozialdemokratie so dezimiert und krisengeschüttelt?

    Antwort Thierse: Die Identitätspolitik von unten ist es, die die armen potentiellen SPD Wähler überfordern.

    Der Beobachter fragt sich unweigerlich: Ist das nun beleidigender gegen Minderheiten, oder gegen die SPD Wähler?

    Ersterer bekommen eine weitere Täter/Opfer Umkehr an die Waffel gedrückt, Letzteren wird bescheinigt, dass sie komplett verblödet sein müssen. So viel Aufklärung darf man ihnen ja nicht zumuten.

    Die Vita Thierse könnte da auch sehr wahrscheinlich der Erkenntnis, warum die SPD tatsächlich so abgewirtschaftet hat, entgegenstehen.
    Dem Mann zu erklären, dass mit dem Zusammenbruch des eisernen Vorhangs nun nicht alles nur besser geworden ist, traut sich wohl auch niemand. Und dass es gerade Sozialdemokraten wie Schröder und Blair waren, die die paritätische Teilhabe und den Sozialstaat vorauseilend entsorgt haben, wird er genauso wenig wahrhaben wollen, wie die Tatsache, dass die nicht enden wollende Groko auch noch das Restprofil der Partei abgeschliffen hat.

    Dabei reichte ein Blick auf die Tafeln, die mittlerweile in den Hilfebedarf eingepreist werden. Es reichte ein Blick in die Münder der Menschen. In meiner Jugend konnten nur versierte Zahntechniker auf dem ersten Blick die Zähne reicher Menschen von denen des Durchschnitts unterscheiden. Heute fällt das um Längen leichter.
    Der Beispiele sind viele.
    Es gibt also ausreichend Gründe, warum Menschen heute eher nicht mehr SPD wählen.

    Aber klar, eigentlich sind es diese renitenten Lesben, Schwulen und PoC etc., die viel zuviel Gehör finden mit ihren spalterischen Parolen.

  17. @#16
    „das sagt „die Identitätspolitik“ ja gar nicht. Im Gegenteil.“ Ok, dann gibt es min. zwei Identitätspolitiken. Die eine sagt: „schwarze und weiße Arbeiter sind Verbündete, und um ihre Bündnistreue zu beweisen, sollten die überwiegend weißen Sozialdemokraten D.s mal ein paar Schwarze als Kandidaten aufstellen.“ Mit der Art Identitätspolitik habe ich kein Problem, und Thierse vermutlich auch nicht. Jedenfalls sehe ich nicht, wie die das Land spalten könnte.

    Die andere Identitätspolitik sagt nicht nur: „die Interessen von Schwarzen können ausschließlich von Schwarzen politisch vertreten werden“, sondern auch: „schwarze Poesie darf nicht von Weißen übersetzt werden.“ Und da denke ich, dass davon mal die Politik die Finger lassen soll.

    „Dieser Äußerung folgt dann oft die Weiterführung, dass man daher diesen ganzen Identitätspolitikquatsch oder Rassismusschnickschnack der (hier beispielhaften) „schwarzern Arbeiter“ ablehnen müsse“ Die _ganze_ Identitätspolitik nicht. Bzw., es hat tatsächlich Adelige und Industrielle gegeben, die sich ehrlich um die Interessen von Bauern und Arbeitern gekümmert haben, da wird es wohl auch möglich sein, dass Weiße die Interessen von Schwarzen vertreten können. Aber das bestreitet „die“ Identitätspolitik ja angeblich gar nicht.

    „denn die würden ja mit ihren Forderungen bloß weiter spalten wollen und ganz schnell werden diejenigen, die auf z.B. rassistische Diskriminierungen hinweisen, zu den „wahren Tätern““ Keine Ahnung, ob die spalten _wollen_. Die Entscheidung, Schwarze, Schwule und sonstige Minderheiten für politische Ämter aufzustellen, ist offensichtlich eine politische und sollte daher demokratisch entschieden werden (erstmal parteiintern, und dann im Wahllokal). Die Forderung, dass die Hautfarbe, das Geschlecht und die sexuelle Orientierung das Hauptkriterium für die Vergabe eines nicht-politischen und nicht-öffentlichen Job sein soll, lehne ich schon aus Symmetriegründen ab. Wenn Thierse will, dass schwedische Sozialdemokraten nur von Sozialdemokraten ins Deutsche übersetzt werden sollen, lehne ich das auch ab. (kA, ob der das will.)

    @#17
    „Die Identitätspolitik von unten ist es, die die armen potentiellen SPD Wähler überfordern.“ Tja, das ist natürlich Quatsch. Also, Thierse denkt das vllt. wirklich, aber es ist eigentlich so, dass die „arme“ SPD-Führung davon überfordert wird.

  18. @MYCROFT:
    >>>
    tatsächlich Adelige und Industrielle gegeben, die sich ehrlich um die Interessen von Bauern und Arbeitern gekümmert haben,
    <<>>Es wird immer befürchtet: Identitätspolitik, oder was damit beschrieben wird, zersplittere die Gesellschaft. Das basiert aber auf einer falschen Zweiteilung oder Gegenüberstellung, die aufgemacht wird: Gleichheit oder Vielfalt. Egalitarismus oder Identität.<<<

  19. „Es wird immer befürchtet: Identitätspolitik, oder was damit beschrieben wird, zersplittere die Gesellschaft. Das basiert aber auf einer falschen Zweiteilung oder Gegenüberstellung, die aufgemacht wird: Gleichheit oder Vielfalt. Egalitarismus oder Identität.“
    Das Beispiel mit der Übersetzerin, die schwarz sein muss, kommt so im Artikel vor, es ist keinesfalls ein Extrembeispiel, dass ich hier reinbringe, um eine falsche Gegenüberstellung reinzubringen oder Identitätspolitik zu diskreditieren, indem ich die überzogenste Blüte selbiger als Standard betrachte.
    Und ja, ich bin gerne bei Ihnen, dass Thierse, der seine politische Karriere möglicherweise einfach einer Ostdeutschenquote verdankt, bei dem Thema vllt zurückhaltender sein sollte, und dass politische Repräsentation wichtig ist, und dass Politik pro Minderheiten nicht andere Politiken ausschließt, aber irgendwann stimmen die Proportionen nicht mehr.

  20. Da war der alte Zitierfehler mal wieder. Ich hatte vergessen, dass ich die Quotes hier nicht mit eckigen Klammern einrahmen darf.
    Lange nicht passiert.
    Um in einem Chor singen zu können, muss man zunächst seine Stimme finden.
    Quoten sind etwas hässliches, aber leider notwendig. Ohne Quoten werden die gatekeeper des Status Quo nicht überwunden werden. Die bekannteste Übersetzerin von „Black“-Literature in Deutschland heisst Miriam Mandelkow und sie ist zweifelsohne eine verdiente, begnadete Übersetzerin, und weiss.
    Sie selber hat mal beschrieben, was früher bei Übersetzungen von bspw. James Baldwin falsch lief. Die Übersetzer hätten doppelte Negierungen beseitigt, Wortwiederholungen durch den Austausch von Wörtern eliminiert usw.. Das Ergebnis ist dann ein komplett anderes Buch. Rhythmik und Charakter des besonderen James Baldwin Stils waren ausgelöscht.
    Frau Mandelkow ist sicher großartig und verdient, aber können Sie sagen, ob es einer Person mit ähnlichem Erleben noch besser gelingen könnte diese kraftvolle Schwarze Stimme herauszuarbeiten, die einen James Baldwin so großartig ausmacht?

    Kann sein, kann nicht sein, aber Stimmen die fordern, das zu probieren, kann ich gut verstehen.
    Die meisten ehemaligen Kolonien mussten eine nationalistische Phase der Selbstfindung durchwandern, quasi als Emanzipation.
    Diverse linke Internationale taten sich sehr schwer mit diesem Phänomen. Mich erinnert die heutige Situation, besonders die Vorwürfe aus Teilen der Linken, sehr daran.

    Ich habe aber auch ganz sicher keine omnivalente Lösung parat.

  21. „Quoten sind etwas hässliches, aber leider notwendig.“ Ok, wenn die SPD bei ihrem nä. Parteitag Quoten für Schwule, Schwarze etc. beschließt, soll die das gerne machen. Hat sie ja bei Frauen auch…

    „Miriam Mandelkow … hat mal beschrieben, was früher bei Übersetzungen von bspw. James Baldwin falsch lief. “ Ok, weil irgendwelche Weiße irgendwannn vor Jahrzehnten schlecht übersetzten – passiert auch bei der Übersetzung von Weißen durch Weiße – kann Rijneveld (30) das auch nicht? Soll das das Argument sein?

    „Frau Mandelkow ist sicher großartig und verdient, aber können Sie sagen, ob es einer Person mit ähnlichem Erleben noch besser gelingen könnte diese kraftvolle Schwarze Stimme herauszuarbeiten, die einen James Baldwin so großartig ausmacht?“ Keine Ahnung. Dazu gibt es zwei Gegenargumente: 1. Wenn ähnliches Erleben die Voraussetzung wäre, ein Buch richtig zu verstehen, warum sollte man Baldwins Bücher überhaupt für weiße Mitteleuropäer übersetzen? Die raffen es eh‘ nicht.
    2. _Ähnliches_ Erleben wäre das von einem anderen homosexuellen Afroamerikaner, der vor fast hundert Jahren geboren wurde, und der nach Europa ausgewandert ist (nur halt nach Deutschland), und immer noch als Übersetzer amerikanisches Englisch-Deutsch arbeitet.

    „Stimmen die fordern, das zu probieren, kann ich gut verstehen.“ Es gibt auch Stimmen, die fordern, statt Spieler x solle Spieler y in den Kader. Rijneveld war tatsächlich von Verlag UND Autorin als sehr geeignet befunden worden. Sie scheint auch sonst für ihre Arbeit sehr gelobt zu werden.

    Aber nehmen wir fürs Argument an, es sie wäre nur die zweitbeste Übersetzerin, und der niederländischen Literatur entgeht die bestmögliche Übersetzung.
    Jetzt kommen die politischen Argumente gegen diesen Vorgang (nicht gegen Minderheitenquoten in der SPD):

    – es gibt keine Vorwürfe, sie wäre ungeeignet, weil sie an anderer Stelle eine schlechte Übersetzung abgeliefert hätte
    – es gibt keine Vorwürfe, sie sei rassistisch, habe rassistische Äußerungen getätigt, rassistische Bücher übersetzt oder sei sonstwie der Bock als Gärtner
    – es gibt auch keine konkreten Gegenvorschläge, was bei den Hobbybundestrainern ja meistens vorkommt
    – der ganze Vorgang kommt mir sehr wie Cybermobbing vor
    – ich will eigentlich in keinem Staat leben, wo die Politik sich in personelle Entscheidungen von nicht-staatlichen und nicht-öffentlichen Unternehmen derartig einmischt, dass sie bestimtme Personalien verbietet
    – ich will auch in keinem Staat leben, wo die Politik dies über den Umweg von Privatpersonen tut, die mit dem jeweiligen Unternehmen nichts zu tun haben

    Der Nutzen, der entstünde, wenn statt einer sehr guten eine „perfekte“ Übersetzung entstünde (wenn es sowas gibt), steht in keinem Verhältnis zu den Nachteilen, die hier für künstlerische und unternehmerische Freiheit entstehen. Und natürlich ist das ein übler Präzedenzfall.

  22. „Ok, wenn die SPD bei ihrem nä. Parteitag Quoten für Schwule, Schwarze etc. beschließt, soll die das gerne machen. Hat sie ja bei Frauen auch…“
    Die SPD hat ihre Substanz verloren, weil sie gefühlt 100 Jahre unter der Fuchtel Merkels in der Groko vegetiert, nachdem die Sozialdemokraten weltweit ihr Klientel an den Neoliberalismus verschachert haben. Da wäre eine solche Modernisierung tatsächlich ein denkbarer TEIL eines Reformkurses.

    Aber solange man ja in den Progressiven noch Sündenböcke für das eigene Versagen finden kann.

    „– der ganze Vorgang kommt mir sehr wie Cybermobbing vor“

    Cybermobbing, Cancel-Culture whatever. Hauptsache es gibt etwas zu Jammern.

    Sorry, aber das wird gerade wieder, sehr prominent, sehr hoch gehängt.
    Sie wollen also die Meinung der Kritikerin ( ging wohl vor allem um die Aktivistin und schwarze Autorin Janice Duel ) canceln?

    Christian Metz, Lyrik-Experte und Autor sagt im BR:
    „Nein, sagt Christian Metz, denn Europas Weiße haben sich in der Vergangenheit ständig die Produkte von Schwarzen angeeignet, und zwar gewaltsam: „Von dieser Tradition können wir uns nicht einfach ablösen, und es gibt eine sehr lange und gerade im Ökonomischen sehr mächtige Tradition der Aneignung von Produkten, die von schwarzer Hand gefertigt wurden.“

    Dem MUSS man nicht folgen, aber respektieren muss man es.
    Die Skandalisierung aber wird gerade als nächste Sau durchs Dorf getrieben. Einschlägige Kanäle, einschlägige Opferrollen Vorturnerei.

    Und sowieso: “ warum sollte man Baldwins Bücher überhaupt für weiße Mitteleuropäer übersetzen? Die raffen es eh‘ nicht.“

    Ernsthaft?
    Haben wir ein Böckchen?

  23. @23: Wer ist denn diese mysteriöse „die Politik“, die mit ihrer unsichtbaren Hand alle Freiheiten zerstört?

  24. „Aber solange man ja in den Progressiven noch Sündenböcke für das eigene Versagen finden kann.“ Ja, das ist insofern tatsächlich unfair. Nach all den harten Knieschüssen kommt’s darauf auch nicht mehr an.

    „Cybermobbing, Cancel-Culture whatever.“ Jemand möchte, dass Sie Ihren Job verlieren und wird auf den sozialen Kanälen dahingehend aktiv. Suchen Sie sich bitte einen Begriff aus, der Ihnen dazu einfällt.

    „Sie wollen also die Meinung der Kritikerin ( ging wohl vor allem um die Aktivistin und schwarze Autorin Janice Duel ) canceln?“ Ich will weder sie noch ihre Meinung canceln, ich bin bloß der Ansicht, dass sie damit aus verschiedenen Gründen unrecht hat, und das Aktionen, die tatsächlich jemanden um ios Einkommen bringen, sehr fragwürdig sind. Ich rufe also nicht dazu auf, ihre Bücher nicht mehr zu kaufen, sie nicht mehr zu Vorträgen oder Vorlesungen einzuladen oder ihrem Verlag offene Briefe zu schreiben.

    „Dem MUSS man nicht folgen, aber respektieren muss man es.“ In diesem Fall wird das Produkt, also das Gedicht, NICHT gewaltsam angeeignet. Also, ich respektiere das Argument schon, aber es trifft hier nicht zu.

    „Einschlägige Kanäle, einschlägige Opferrollen Vorturnerei.“ *gähn*

    „Ernsthaft? Haben wir ein Böckchen?“ Ich nicht, bei Ihnen bin ich mir unschlüssig. Diese ganze Argumentation, dass das „richtige“ oder „echte“ Einfühlungsvermögen durch gemeinsame oder ähnliche Erfahrungen ermöglicht wird, höre ich öfters, nicht nur bei Ihnen – ich halte das für sachlich falsch und ethisch fragwürdig. Wenn eine weiße Übersetzerin sich _grundsätzlich_ nicht hinreichend in eine schwarze Dichterin hineindenken kann, nun, dann gibt es offenbar sehr grundsätzliche Einschränkungen, was Einfühlungsvermögen betrifft. Das hieße im Umkehrschluss das, was ich beschrieben habe. Das hieße in der Konsequenz auch, dass Schwarze keine Romane von Weißen übersetzen sollten und Frauen keine von Männern. Dass Hetero-Schauspieler keine Schwulen darstellen könnten und umgekehrt. Das hieße tatsächlich, dass nur Schwarze Schwarze politisch vertreten können und nur Weiße Weiße. Der Ansicht bin ich nicht, daher lehne ich die Prämisse ab.

  25. In Erinnerung an unzählige Sendungen zur „Flüchtlingsproblematik“: Wie anders hätten sie verlaufen können, wie erkenntnisreicher, differenzierter, wenn Geflüchteten dort Rederaum gegeben worden wäre – eigentlich selbstverständlich, sollte man meinen. So aber blieben viele dieser Sendungen pures Schüren von Angst und „Fremdenfeindlichkeit“.
    Es geht doch nur darum, die eigenen Stimmen der Betroffenen zu hören, statt sie zu übertönen.

  26. „„Cybermobbing, Cancel-Culture whatever.“ Jemand möchte, dass Sie Ihren Job verlieren und wird auf den sozialen Kanälen dahingehend aktiv. Suchen Sie sich bitte einen Begriff aus, der Ihnen dazu einfällt.

    Könnten Sie das mal grob quantifizieren, wie viele Menschen da im Augenblick tatsächlich um Lohn Brot gebracht werden ( bitte hier vor Ort und jetzt, sonst muss so aufwendig recherchiert werden ). Und dann kann man das ja mal mit der medialen Welle, die da derzeit auf allen Kanälen hochschwappt, abgleichen. Ich. bin ja der Ansicht, sowohl „Cancel Culture“ wie auch „Politcal Correctness“ sind nur strategische Kampfbegriffe um Kritik zu diskreditieren/abzuwürgen, ohne sich inhaltlich damit auseinandersetzen zu müssen.

    90% der vorgeblichen Opfer bei uns haben letztlich nur mehr Reichweite und Engagements als vorher.
    Betrifft dabei idR „One Trick Ponies“, die ohne diese Kampagnen mittlerweile Supermärkte einweihen müssten. Nuhr, Pirinci und wie sie alle heissen.

    Auf die Plätze, fertig ….

  27. „Könnten Sie das mal grob quantifizieren, wie viele Menschen da im Augenblick tatsächlich um Lohn Brot gebracht werden“
    In dem einen Fall nur Rijneveld, bzw., technisch gesehen ist das mWn kein Lohn, sondern ein Honorar. Dessenungeachtet hat sie es aus Gründen verloren, die nicht ansatzweise in ihrer Verantwortung lagen, weshalb ich Ihre Versuche, das zu verharmlosen, indem Sie sie ausgerechnet mit Pirinci vergleichen, für erbärmlich schlechten Whataboutismus halte. Nochmal die Frage: Wie würden Sie das nennen, wenn das mit IHNEN gemacht würde? Mobbing und Cybermobbing sind recht weit verbreitete Phänomene, aber da Sie sich eh‘ nicht dafür interessieren, was soll’s.

    „Ich. bin ja der Ansicht, sowohl „Cancel Culture“ wie auch „Politcal Correctness“ sind nur strategische Kampfbegriffe um Kritik zu diskreditieren/abzuwürgen, ohne sich inhaltlich damit auseinandersetzen zu müssen.“ Nun, da Sie diese Begriffe eingebracht haben und nicht ich, sind offenbar Sie es, die sich nicht mit mir inhaltlich auseinandersetzen wollen. Sie alter Stratege.

  28. Oh ja, ich vergaß: Gerade heisst ja das keyword „identitätspolitik“ und gibt vor, „white supremacy“ sei in etwa dasselbe wie „black power“. Demnächst vergleicht dann jemand den CSD mit Pegida.

    “ Mobbing und Cybermobbing sind recht weit verbreitete Phänomene,“
    Quantifizierung? Menschen verlieren Jobs, weil Übelmeinende sie anschwärzen.
    Und nein, niemand möchte, dass es einen selber trifft, was aber nicht heisst, dass es tatsächlich so häufig passiert, wie es den Anschein haben soll.

    Dass der Cicero, Focus oder die Welt etwas behaupten, ist für mich jetzt sicher kein Indiz für Stichhaltigkeit.

    Es wird ja quasi von Links nur noch ge“shitstormt“ oder ge“cybermobbt“. Auch eine Möglichkeit Kritik wegzu“canceln“.

    Ich maße es mir gar nicht an zu entscheiden, wer denn nun am besten die Übersetzung machen sollte. Es wundert nur schon sehr, wie viele Lyrikexperten, oder auch nur Interessierte es in gewissen Kreisen plötzlich gibt.
    Instrumentalisierung nennt man das wohl.
    False balancing allemal.

  29. „Gerade heisst ja das keyword „identitätspolitik“ und gibt vor, „white supremacy“ sei in etwa dasselbe wie „black power“.“ Habe ich nicht behauptet, aber egal.

    „Und nein, niemand möchte, dass es einen selber trifft“ Nein, niemand mag es, gemobbt zu werden, aber super viele sind froh, wenn es andere trifft.

    „Menschen verlieren Jobs, weil Übelmeinende sie anschwärzen.“ Nein, Menschen geben ihre Jobs „freiwillig“ auf, weil andere ihnen das Leben schwer machen. Anschwärzen ist noch was anderes. Aber ja, das ist es, wonach es hier aussieht.

    „Und nein, niemand möchte, dass es einen selber trifft, was aber nicht heisst, dass es tatsächlich so häufig passiert, wie es den Anschein haben soll.“ Ok, also soll sie sich nicht so anstellen? Dass ihr das passiert, ist ja nicht so häufig?

    „Dass der Cicero, Focus oder die Welt etwas behaupten, ist für mich jetzt sicher kein Indiz für Stichhaltigkeit.“ Okeee. Hat hier irgendwer Cicero, Focus oder Welt zitiert?

    „Es wird ja quasi von Links nur noch ge“shitstormt“ oder ge“cybermobbt“. Auch eine Möglichkeit Kritik wegzu“canceln“.“ Die Kritik an Rijneveld bezog sich auf ihre Hautfarbe, nicht auf ihre Arbeit. Bestes Argument. Super sachlich. Mega-aufgeklärt.

    „Ich maße es mir gar nicht an zu entscheiden, wer denn nun am besten die Übersetzung machen sollte.“ Sie haben oben lang und breit Mobbing schöngeredet und ausgeführt, wieso die Hautfarbe eines Menschen wichtig für die Frage ist, wie künstlerisch fähig ein Mensch ist. Und dann raunen Sie davon, dass andere ja alle „interessierte Kreise“ seien, zitieren Buzzwörter, von denen Sie erwarten, dass andere sie nennen werden, es aber nicht tun, und natürlich „Instrumentalisierung“. Sorry, ich habe mir das Beispiel nicht ausgesucht.
    „Warum muss zum Beispiel die weiße Übersetzerin von der Übersetzungsarbeit an Amanda Gormans Texten zurücktreten?“ Steht so im Artikel. Instrumentalisiert Ouassil das etwa auch?

  30. Tatsächlich wurde kritisiert, dass die Übersetzerin nicht schwarz sei und ja, das macht einen Unterscheid.
    Natürlich kann ich nicht alle Wortmeldungen dazu abdecken, da findet sich naturgemäß von allen Seiten auch eine Menge Unsinn, aber dass zumindest habe ich als Kritik aufgenommen.

    Aber lassen wir doch Frau Rijneveld selbst zu Wort kommen:
    „I am shocked by the uproar surrounding my involvement in the spread of Amanda Gorman’s message and I understand the people who feel hurt by Meulenhoff’s choice to ask me,” Rijneveld wrote. “I had happily devoted myself to translating Amanda’s work, seeing it as the greatest task to keep her strength, tone and style. However, I realise that I am in a position to think and feel that way, where many are not. I still wish that her ideas reach as many readers as possible and open hearts.“
    [the guardian]

    Sie scheint da doch etwas mehr Einfühlungsvermögen zu besitzen und man muss kein Prophet sein, wenn man annimmt, dass sie viele Ihrer Verteidiger ganz bestimmt nicht an Ihrer Seite haben möchte.

    Vielleicht eine Überlegung wert? Just sayin

  31. „Sie scheint da doch etwas mehr Einfühlungsvermögen zu besitzen“
    Ja, oder sie schreibt was Artiges, damit sie ihren nächsten Auftrag nicht auch noch verliert. Ich habe ein etwas düsteres Menschenbild als Sie.
    „und man muss kein Prophet sein, wenn man annimmt, dass sie viele Ihrer Verteidiger ganz bestimmt nicht an Ihrer Seite haben möchte.“
    Ach, schon rein statistisch wird es irgendwelche Verteidiger geben, die sie nicht haben will. Aber rein statistisch wird es auch Leute geben, die das als willkommenen Präzedenzfall nutzen: „Hautfarbe ist doch wichtig!“ Herzlichen Glückwunsch zu diesen Verbündeten!

    „Vielleicht eine Überlegung wert?“ Dass ich ein Verhalten, was für mich trotzdem noch wie Mobbing aussieht, gutheißen soll? Nein, immer noch nicht.

    Ansonsten stellt sich nicht nur die Frage, wer das Gedicht jetzt übersetzen soll, sondern wer die Frage, wer welche Gedichte übersetzen soll, in Zukunft entscheiden darf?
    Der Verlag nicht, die Dichterin nicht, die Personen, die damit Geld verdienen wollen, sind sowieso befangen, der Staat nicht, Sie nicht, ich nicht, wer?

  32. “ Aber rein statistisch wird es auch Leute geben, die das als willkommenen Präzedenzfall nutzen: „Hautfarbe ist doch wichtig!“ Herzlichen Glückwunsch zu diesen Verbündeten!“

    Natürlich ist Hautfarbe wichtig, auch wenn sie es nicht sein sollte. Was schreiben Sie denn da?
    Was sollen denn von Rassismus Betroffene sagen, dass es nicht so wäre?
    Nehmen wir mal an, es ginge überspitzt um einen Text, der Missbrauch thematisiert und es fänden sich viele Stimmen, die fordern, die Übersetzung solle jemand vornehmen, der auch Missbrauch erlebt habe. Das würde natürlich sowohl als Beleg dafür gelten, dass es Missbrauch gibt, als auch dafür, dass es diesen nicht geben sollte.

    Und auch, wenn Sie es mir immer wieder unterschieben wollen, ich verteidige kein cyber-mobbing. Ich weise aber dennoch darauf hin, dass diese Vorfälle immer wieder von denselben Verdächtigen gesammelt werden, um ein stark verzerrtes Bild der Netz-Realität zu erzeugen. Die Schlammlawinen , die bewußt von den Kohorten des Fleischerhundes an der Kette der WELT Redaktion auf Linke gewälzt werden, die Conquista Meute oder der MAGA Mob, QANON, incels und wie sie alle heissen, tauchen seltsamerweise nicht auf.

    Orchestriertes false-balancing, immer und immer wieder. Klar ist da überall irgendetwas dran. Nur das Gesamtbild ist absurd verdreht.

  33. „Natürlich ist Hautfarbe wichtig, auch wenn sie es nicht sein sollte.“ Nun, wenn eine Person offenbar nur wegen ihrer Hautfarbe nicht qualifiziert für einen bestimmten Job ist, dann könnten „interessierte Kreise“ dies auch auf andere Personen erweitern.

    „Nehmen wir mal an, es ginge überspitzt um einen Text, der Missbrauch thematisiert und es fänden sich viele Stimmen, die fordern, die Übersetzung solle jemand vornehmen, der auch Missbrauch erlebt habe.“ Ja, da steht „überspitzt“, aber das hieße: „Wer will sich retraumatisieren lassen?“ Aber fürs Argument mache ich das Gedankenspiel mal mit.
    „Das würde natürlich sowohl als Beleg dafür gelten, dass es Missbrauch gibt, als auch dafür, dass es diesen nicht geben sollte.“ Jemand ist offenbar der Ansicht, es sei bereits rassistisch, wenn Weiße die Bücher von Schwarzen übersetzten. Niemand behauptet, es sei schon Missbrauch, wenn das Buch über Missbrauch von jemanden übersetzt wird, die oder der nicht missbraucht wurde. Aber nehmen wir mal was harmloses: Dürfen Leute Bücher von Leuten eines anderen Geschlechtes übersetzen?

    „Und auch, wenn Sie es mir immer wieder unterschieben wollen, ich verteidige kein cyber-mobbing.“ Sie verteidigen etwas, das zumindest sehr danach aussieht. Niemand zwingt Sie dazu.
    „Die Schlammlawinen , die …“ Ja, es gibt schlimmeres. Es gibt meistens schlimmeres. Ein Beinbruch z.B. ist nicht so schlimm wie zwei Beinbrüche. Also ist es ok, jemanden ein Bein zu brechen, weil anderen beide Beine gebrochen wurden. Fürs Protokoll, rechter Hass und Rassismus im Internet ist schlecht, aber hat Rijneveld da mitgemacht? Falls ja, bin ich absolut der Ansicht, dass sie sich damit disqualifiziert hat, wenn nicht, dann nicht.
    „Orchestriertes false-balancing, immer und immer wieder.“ Mit Verlaub, aber Sie argumentieren wie ein Verschwörungstheoretiker.

    Haben Sie inzwischen eine Antwort zu der Frage, wer entscheiden soll, wer wessen Bücher übersetzt?

  34. „Haben Sie inzwischen eine Antwort zu der Frage, wer entscheiden soll, wer wessen Bücher übersetzt?“
    Nein und wie kommen Sie darauf, dass ich das entscheiden sollte?

    Der Verlag hat das, ähnlich wie D, durch ein Team gelöst. Können Sie alles selber rausfinden, so Sie wirklich wollen.

    „„Natürlich ist Hautfarbe wichtig, auch wenn sie es nicht sein sollte.“ Nun, wenn eine Person offenbar nur wegen ihrer Hautfarbe nicht qualifiziert für einen bestimmten Job ist, dann könnten „interessierte Kreise“ dies auch auf andere Personen erweitern.“

    Warum sollte mich interessieren, was diese Kreise meinen machen zu können/dürfen? Gibt es irgendeinen intelligenten Grund seine Handlungen an daran zu kalibrieren, was diese Kreise meinen zu können?

    Der Rest ist wirklich Blabla und missverstehen wollen.
    Wenn Sie meinen ignorieren zu können, dass sie Teil einer Kampagne sind, dann nehme ich das zur Kenntnis und gut. Ich habe mich erklärt und wenn Ihnen das nicht reicht, so what? Ihre Priorisierung ist so spannend nun auch nicht.

  35. „„Haben Sie inzwischen eine Antwort zu der Frage, wer entscheiden soll, wer wessen Bücher übersetzt?“ Nein und wie kommen Sie darauf, dass ich das entscheiden sollte?“
    Ich denke nicht, dass _Sie_ das entscheiden sollten. Ich würde alleredings gerne wissen, wessen Entscheidung Sie akzeptieren würden?

    „Der Verlag hat das, ähnlich wie D, durch ein Team gelöst. Können Sie alles selber rausfinden, so Sie wirklich wollen.“ Das war nicht die Frage. Die Frage war, wer dem Verlag erlaubt, dass dieses Team das machen darf, und allgemeiner, wer diese Entscheidung in Zukunft treffen soll. Die letzte Entscheidung des Verlages diesbezüglich wurde ja geändert.

    „Warum sollte mich interessieren, was diese Kreise meinen machen zu können/dürfen?“ Warum sollte es mich interessieren, welche Verteidiger Rijneveld haben will und welche nicht? „Gibt es irgendeinen intelligenten Grund seine Handlungen an daran zu kalibrieren, was diese Kreise meinen zu können?“ Gibt es irgendeinen intelligenten Grund seine Handungen daran zu kalibrieren, was diese Kreise für Schlammlawinen loslassen?
    „Wenn Sie meinen ignorieren zu können, dass sie Teil einer Kampagne sind, dann nehme ich das zur Kenntnis und gut.“ Entweder bin ich das, dann wüsste ich das auch, oder ich bin es nicht, dann ignoriere ich das auch nicht. Aber selbst, wenn ich das wäre, bewiese das nicht, dass ich Unrecht hätte.
    „Der Rest ist wirklich Blabla und missverstehen wollen.“ Ich würde dieses Kompliment gerne komplett erwiedern, leider habe ich den Eindruck, dass das auf Sie nicht ganz zutrifft.

  36. Sie löchern mich mit der Frage, was ich akzeptieren würde, weil Sie etwas nicht akzeptieren wollen?
    Bei uns Erwachsenen werden solche Entscheidungen in Absprache und mit Anpassung an die Gegebenheiten im Team getroffen. Wobei manche mehr Gewicht haben. Das hängt davon ab. Wenn Ihnen das weiterhilft und Sie mal von dieser ätzenden infantilen Schiene runterbringt.

    Ich nehme zur Kenntnis, worüber Sie sich gerne aufregen möchten.
    Und noch mehr, worüber Sie sich lieber nicht aufregen möchten.
    Was ich davon halte, wollen Sie sicher gar nicht wissen.

    Und nun Schluss mit dem Gequengel. Kann man ja niemandem zumuten.

    Kasparkram.

  37. „Bei uns Erwachsenen werden solche Entscheidungen in Absprache und mit Anpassung an die Gegebenheiten im Team getroffen.“ Dann war das wohl keine erwachsene Entscheidung, da sie von Janice Deul kam, die nicht zum Team gehört. Jetzt versetzen Sie sich mal in die Situation eines Verlages, der irgendwann mal wieder irgendwen übersetzen lassen will. Wen muss der Verlag fragen, um solche Auseinandersetzungen im Vorfeld zu vermeiden? Oder die Übersetzerinnen und Übersetzer? Man hätte ja gerne Planungssicherheit. Aber soweit ich weiß, existiert so eine Institution nicht.

    „Und nun Schluss mit dem Gequengel. Kann man ja niemandem zumuten.“ Niemand zwingt Sie.

  38. @MYCROFT Falls Sie zufällig noch einmal reinschauen:
    Hier ein Tweet von @stephanpalagan vom 12. März (gestern)

    „Der offizielle Twitter-Account @welt
    hat in den vergangenen 12 Stunden 2 Mal zur Korruption in der CDU getwittert. Und 4 Mal zur Kontroverse über eine schwarze Dichterin, deren weiße Übersetzerin man abgelöst hat.
    Prioritäten im Hause Springer.

    Wochen später noch wird das Thema gepusht. Wissen Sie nun, was ich mit „false balancing“ sagen wollte?

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