Wochenschau (96)

Aufgedeckt! Wie der WDR junge Wähler*innen in die grüne Lagune lockt!

Exklusiv für Übonnenten

Die Grünen machen wirklich den besten Wahlkampf aller Zeiten! Sie zaubern immer wieder fantastische Aktionen aus dem Hut, um ihre parteipolitische Agenda – böse Zungen würden sagen, ihre Propaganda – unters Volk zu bringen.

Beispiel: die Brände im Amazonas! Sie werden sich erinnern. Wundervoll, sogar der französische Präsident Macron hat darüber getwittert. Respekt, liebe Grüne!

Oder die toten Tiere letztes Jahr in Australien. Ich fand, das ging zwar ein bisschen zu weit, Koalas zu töten für die Bundestagswahl, aber immerhin haben alle die Bilder bei Instagram geteilt.

Und was den Grünen gerade erst in Texas gelungen ist – der Schnee, die Kälte, die langen Schlangen verstörter Amerikaner ohne Strom vor den Supermärkten auf der Suche nach Wasser –, genau so geht moderner Wahlkampf! Bravo!

(Auch Senator Ted Cruz heimlich vor der Kälte mit seiner Familie nach Cancún fliehen zu lassen, während er seinen Pudel und einen Wachmann, der auf ihn aufpassen musste, im eiskalten Haus zurückließ, und dann heißt der Hund auch noch Snowflake (!) – nicht schlecht, liebe Grünen, nicht schlecht.)

Ein WDR-Klima-Insta-Kanal – geht’s noch?!?

Dagegen wirkt die aktuelle Zusammenarbeit mit dem WDR natürlich nicht ganz so spektakulär, aber man kann ja nicht einen halben Kontinent überschwemmen, nur um Robert Habeck ein bisschen zu promoten. Zumal der zum Warmwerden morgens sowieso über Wasser geht.

Da muss sieben Monate vor der Bundestagswahl halt auch mal das kleinere Social-Media-Besteck eines Kölner Senders reichen, um die Ökoideologisierung voranzutreiben und unentschlossene Wechselwähler in die grüne Lagune zu locken.

21 Kommentare

  1. Seitens AfD: Logische Reaktion. Botschaft: Klimawandel gab`s schon immer und davon zu reden ist linksgrün-versiffte Schurkerei.

    Seitens CSU: Versteh ich nicht. Der Chef ist doch auf den Dampfer aufgestiegen. Botschaft: Den Klimawandel besiegen wir durch ein starkes, traditionsbewusstes Bayern und durch Markus Söder im Kanzleramt.

    Seitens FDP: Naja, die stehen halt neben sich. In der Krise kann man nichts für den Klimaschutz tun, weil Krise ist; im Boom kann man nichts für den Klimaschutz tun, weil man damit das Wachstum abwürgt. Beides aus ökonomischer Perspektive nicht unwahr – aber keine adäquate Antwort auf ihr Problem, dass die Grünen von weiten Teilen der Bourgeoisie inzwischen als die besseren Liberalen akzeptiert sind (was nicht unbedingt für die Grünen spricht).

  2. „Ich meine, vier junge Menschen namens Jule, Samira, Friederike und Tom“ – Friederike sollte glaub ich Frederik heißen

    Das ist korrekt. Danke für den Hinweis! Wurde geändert. -jk

  3. Davon abgesehen, dass ich dem Artikel sowie Kommentar #1 inhaltlich zustimme, finde ich es immer etwas grenzwertig, die üblichen Dampfplauderer aus AFD, FDP und Co als Repräsentanten ihrer jeweiligen Parteien zu ernennen, um nicht zu sagen, zu überhöhen.

    Natürlich machen diese Leute Stimmung gegen alles, was ihr Parteiprogramm oder ihr (gedachtes) Klientel diskreditieren könnte. Dass das für alle Vertreter oder Anhänger dieser Parteien gilt, erscheint mir allerdings zu einfach. Und wenn man die zitierten Parteimitglieder als Einzelpersonen versteht, bleibt von der Kritik an deren Aussagen eigentlich nur: „Ewiggestrige Betonköpfe schlagen verbal um sich.“

    Nett zu lesen, ist der Text übrigens trotzdem.

  4. Börse vor 8 kommt direkt vor der Tagesschau, nicht vor den Tagesthemen :)

    Zum Thema an sich steht ja schon alles in der Kolumne. Gefühlt wird gerade mit jeder Kleinigkeit gegen die öffentlich-rechtlichen Sender geschossen. Vielleicht entschuldigt sich ja ein Intendant. Die andere Seite empört sich dann über die Empörung. Und schon ist halb Twitter voll mit Namen von Wirtschaftssendungen, die WDR 5 produziert, um den Unsinn eines FDPlers zu entlarven.

  5. Alle so: „Was kann jeder von uns tun, um die Grünen zu puschen?“
    Tierarten: *sterben aus
    Gletscher: *schmelzen
    WDR: *berichtet darüber

    Grüne so: „Eigentlich müssten EFH verboten sein.“

    ausgestorbene Tierarten: *augenroll
    verschwundene Gletscher: *deskpalm
    WDR: „Tja, aus Gründen der ausgewogenen Berichterstattung müsen wir das auch thematisieren.“

  6. Ach, der FDPler ist doch bloß neidisch, dass Börse vor Acht offenbar keine Auswirkungen auf die Performance seiner Partei hat. Oder…wäre die Lage der FDP noch schlimmer ohne diese Sendung? Er sollte lieber schnell etwas gegen die Grünen twittern, sonst merkt’s noch jemand.

  7. Frederik Fleig wirbt bei Instagramm einerseits mit „@klima.neutral“ – andererseits damit, dass er bereits 55 Länder bereist habe. Darf ich diesen performativen Widerspruch als symptomatisch für woke Millenials aus der Vollkorn-Bourgeosie betrachten?

  8. @8: Aber nur, wenn Sie auch alle Hauptschullehrkräfte, die selbst auf dem Gymnasium waren, alle Veganer*innen, die als Kind Leberwurst gegessen haben und alle Sprachkritiker, die das Wort woke benutzen, genauso bekritteln.

  9. @MYCROFT:
    Am Rande angemerkt:
    Die Debatte um EFH ist gut und wichtig. Sie wird uns in den kommenden Jahren zunehmend beschäftigen.
    Klar wird das medial / wahlkampftechnisch ausgeschlachtet. Auf der anderen Seite will aber auch niemand Politiker, die nur in 4 Jahres Rhythmen denken.
    Das Wüstenrot-Ghetto ist eine weitere Bedrohung für „Gletscher und Tierarten“ ( und so vieles mehr ).
    Ich habe viel an den Grünen zu kritisieren. Das aber nun gerade nicht.

  10. @8: Puh, da sind Sie ja echt investigativ unterwegs. Am Ende finden Sie noch heraus, dass dieser woke Milennial die Heizung aufdreht, obwohl Strom und Wärme für 40 Prozent des CO2s verantwortlich sind, Fliegen aber nur für 2 Prozent.

    Was kommt als nächstes, Fleischesser, die über Veganer berichten? Schlimm.

  11. „Die Debatte um EFH ist gut und wichtig. Sie wird uns in den kommenden Jahren zunehmend beschäftigen.“
    Im Prinzip schon. Aber so, wie die das kommunizieren, ist das keine Wahlwerbung für die Grünen.

    Wenn die Idee wäre, man solle vorhandenen Wohnraum bzw. bereits versiegelte Flächen ökologischer und attraktiver machen, anstelle Neubaugebiete zu bauen, klingt das schon rein psychologisch positiver, weil FÜR etwas statt GEGEN etwas.

  12. @ Mr. Re (#9):

    Zur Klarstellung: Ich knüpfe hier an ältere Debatten in den Kommentarspalten an, wonach „die Boomer“ Schuld seien am Klimawandel, während „die Jugend“ a) voll klimabewusst sei und b) die Sünden der Eltern ausbaden müsse. Nehmen Sie den erwähnten Widerspruch als Hinweis darauf, dass es so einfach nicht ist.

  13. @13: Ist mir klar, aber ich weise dann halt darauf hin, dass „Ja aber der ist ja selbst gar nicht perfekt“ in ermüdender Regelmäßigkeit kommt, um Kritik z.B. von Klimaaktivist*innen wegzuwischen.

  14. @12, Mycroft: Die Debatte um Einfamilienhäuser wäre auch einen Übermedien-Artikel wert. Aus dem (schon älteren) Beschluss des Bezirks Nord in Hamburg, in neuen Bebauungsplänen keine solchen Wohneinheiten mehr einzuplanen – aus Klimaschutz-, Platz- und sozialen Gründen – wurde flugs eine mediale Verbotsfantasie inkl. der Warnung politischer Akteur*innen, dass die Grünen alle Eigenheimbesitzer enteignen und sie in Hochhäuser mit Plumpsklo umsiedeln wollen. Dass Hamburg-Langenhorn bundespolitisch so im Fokus stand, gab’s seit Helmut Schmidt nicht mehr…

  15. @Mr. Re (#14):

    Die Kritik wegzuwischen, liegt mir fern. Mir fehlt bei jungen Klimaaktivisten nur manchmal das Bewusstsein, dass auch sie – qua Sozialisation im Konsum-Kapitalismus – Teil des Problems sind; nicht allein durch Jugend aus der Verantwortung und durch Protest Teil der Lösung.

    Dieses „…, weil IHR uns die Zukunft klaut!“-Gefühl ist trügerisch, und das ließ sich m.E. an den 55 bereisten Ländern hübsch illustrieren. Ein Urteil über (den mir unbekannten) Herrn Fleig als Person wollte ich damit nicht gefällt haben.

  16. „Die Debatte um Einfamilienhäuser wäre auch einen Übermedien-Artikel wert.“ Bestimmt.
    Da sowas regelmäßig aufgebauscht wird, frage ich mich trotzdem, warum die Grünen daraus nichts lernen.

  17. @Kritischer Kritiker

    Mir fehlt bei jungen Klimaaktivisten nur manchmal das Bewusstsein, dass auch sie – qua Sozialisation im Konsum-Kapitalismus – Teil des Problems sind; nicht allein durch Jugend aus der Verantwortung und durch Protest Teil der Lösung.

    Ich nehme in den Medien keinen einzigen jungen Klimaaktivisten wahr, der sich nicht auch seiner Rolle bei der Schädigung des Klimas bewusst ist und dies nicht auch offen so äußert.
    Können Sie mir bitte mal einen Link geben, in dem ein junger Klimaaktivist sich anders äußert und Ihrer Kritik gerecht wird?
    Wäre nett, Danke.

  18. @16: Danke für die Klarstellung / Erläuterung.
    @17: Aber die Lösung kann ja nicht vorauseilender Gehorsam sein bzw. sich nicht mehr zu trauen, minimal ‚radikale‘ Ideen umzusetzen aus Angst, dass BILD und mittelmäßig einflussreiche CDU-Europaabgeordnete daraus einen Aufreger basteln. Aus Interesse gefragt: Was wäre Ihre Vorstellung, wie eine solche politische Entscheidung besser umgesetzt und kommuniziert werden könnte?

  19. @Kritischer Kritiker

    Diese persönliche Verantwortungsebene ist der Grund, weshalb wir überhaupt in dieser Lage sind. Solange jedem selbst überlassen ist, wieviel er oder sie an Treibhausgasen ausstößt, wird zu viel ausgestoßen. Das ist ein klassischer Fall von Gefangenendilemma. Ich habe im Gegensatz zu Ihnen den Eindruck, Klimaaktivisten fallen auch und zu oft auf diesen Fehlschluss rein. Die individuelle Ebene ist nur ein verschwindend kleiner Beitrag, den jeder von uns aus gutem Willen tun kann, aber letztendlich kann es nur eine Lösung von oben und zwar möglichst weit oben geben (UN statt Länder statt Individuen).

    Aber wir haben alle nur 1 Stimme und nicht unbegrenzt Freizeit und geistige Kapazität, die Politik zum Handeln zu zwingen, deshalb muss man klein anfangen, bei sich selbst, im Freundeskreis, kommunal, etc. Ich esse auch vegetarisch und versuche mich an vegan, ich habe alle meine jemals privat bezahlten Flüge über Spenden CO2-neutral ausgeglichen, ich fahre bzw fuhr jeden Tag ÖPNV vor dem Home Office. Ich denke gerade Klimaaktivisten tun das genauso und ohne ihre Lebensumstände zu kennen darauf zu verweisen, dass sie viel fliegen, was nichts über ihre Klimabilanz insgesamt aussagt, ist ein billiges Ad Hominem, um sich den inhaltlichen Forderungen zu verweigern.

    Ich weiß auch nicht genau ob das ein grünes Argument ist oder nur ein Strohmann, dass Flüge verboten oder reduziert werden sollen, aber ich persönlich halte davon wenig. Fliegen und andere Länder und Kulturen bereisen ist eine fortschrittliche Errungenschaft und sollte so vielen Menschen wie möglich ermöglicht werden. Nur sollten die entsprechenden Umweltkosten dafür nicht auf alle sondern auf die jeweiligen Passagiere umgelegt werden.

    Es sollte sozusagen jeder das Recht haben, die Umwelt zu belasten, wenn er oder sie es wieder in Ordnung bringt, und keiner sollte die Umwelt belasten können ohne die Kosten für die Reparatur zu tragen.

  20. @Erwinzk (#20):

    Anscheinend rege ich hier ja zu vielen Missverständnissen an. Nein, ich bin nicht der Auffassung, dass persönliche Verhaltensänderungen der Schlüssel zur Lösung sind. Ich meine, dass sich der Lebensstil der Gesellschaft ändern muss, und dass alle Verantwortung tragen, die Teil dieser Gesellschaft sind.

    Dass diese Veränderung nur durch einen Bruch mit der herrschenden Wirtschaftsweise möglich sein wird, während wir alle von eben dieser Wirtschaftsweise abhängig sind – das ist das Dilemma. („Der Prozess zehrt davon, dass die Menschen dem, was ihnen angetan wird, auch ihr Leben verdanken“, schrieb Adorno.)

    Davon ab kann es nicht schaden, ein bisschen Zurückhaltung einzuüben. Ich habe kein Auto, fliege nicht, heize nicht über 20 Grad, etc. Dass dient aber vor allem meinem Gewissen. Mache mir keine Illusion, damit die Welt zu verbessern.

    @Micha (#18):

    „Wir sind hier, wir sind laut, weil Ihr uns die Zukunft klaut“ – eine zentrale Parole der FFF-Leute. Greta Thunberg, die regelmäßig die Differenz zwischen „der Jugend“ und „den Erwachsenen“ macht.* Ein junger Demonstrant, der am Rande einer Demo (von der Tagesschau?) interviewt wird und bekennt, natürlich werde er weiter in Urlaub fliegen, weil „der Mensch nun mal Erholung brauche“. Eine ältere Debatte hier in den Kommentarspalten, die symptomatisch steht für die Vorstellung von den ignoranten Boomern, die alles zerstört hätten, und der Jugend, die es besser wisse (wobei die Angehörigen der Umweltbewegung, die um 1980 herum ähnlich argumentierten, ironischerweise allesamt Boomer sind).

    Wer es ernstmeint mit der Klimakrise, sollte auf diesen Generationenquatsch verzichten. Der ist ebenso reduktionistisch wie der liberale Ansatz (Der Konsument hat es in der Hand) oder der Traditionslinke (Die Konzerne sind schuld).

    *Der Entgegensetzung zwischen den schuldhaften Alten und den rebellierenden Jungen ist in Deutschland auch deshalb so eingängig, weil er in gewisser Weise die Konstellation von 1968 wiederholt. Aber die 68er bezogen ihre Legitimitation aus dem Bruch der Kapitulation – sie gehörten dem Schuldkollektiv der Väter nicht an und konnten deshalb aus einer anderen Perspektive sprechen.

    Die Klimakrise kennt keinen Bruch: Seit ca. 1800 hat jede Generation die Erde schwerer verwüstet als ihre Vorgänger. Und es gibt leider kaum Grund zu der Hoffnung, dass sich daran demnächst etwas ändern wird.

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