Am Lagerfeuer der gemeinsamen Empörung

Vergangene Nacht hat Donald Trump eine empörende Rede gehalten, aber bei CNN waren sie vorbereitet. Ich vermute, dass sie irgendwo geheime Bunker mit gewaltigen Reservevorräten an Empörung angelegt haben, damit in solchen Momenten immer noch genug übrig ist. Der amerikanische Nachrichtensender hat schon in den vergangenen Jahren geschätzt ein Viertel der gesamten Weltempörungsproduktion verbraucht.

Und so konnte unmittelbar nach dem Ende von Trumps Rede CNN-Moderator Jake Tapper sehr emotional seiner Fassungslosigkeit Ausdruck verleihen, dass der Präsident tatsächlich das gesagt hat, was man vorher schon – fassungslos! – angenommen hat, das er sagen würde. Um dann an CNN-Moderator Anderson Cooper zu übergeben, der Tappers Fassungslosigkeit seine eigene Fassungslosigkeit hinzufügte, bevor er der um ihn versammelten Diskussionsrunde die Chance gab, sich ebenfalls fassungslos zu zeigen.

Empörungscheerleader

Bevor John King vor ein paar Tagen mit seiner Zauberwand größere Teile der Berichterstattung übernahm, bestand das Programm von CNN aus wenig anderem: Empörte Menschen vergewissern sich im Gespräch mit anderen empörten Menschen gegenseitig ihrer Empörung.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich finde Trumps Rede und sein Handeln empörend. Ich glaube nur nicht, dass es die Aufgabe von Fernsehjournalisten ist, empört zu sein. Ich kriege das mit der Empörung wirklich ganz gut alleine hin, ohne Empörungscheerleader.

Es scheint den CNN-Leuten auch nie zu reichen, dass sich andere empören. Ein kleines, aber typisches Beispiel von heute Mittag: CNN-Moderator Don Lemon spricht mit dem republikanischen Politiker Tom Ridge, der Trumps Verhalten in den schärfsten Worten verurteilt. Don Lemon sagt daraufhin:

„Ich bin so froh, dass Sie das sagen. Viele Leute waren besorgt und aufgewühlt von Trumps Äußerungen – wie wir es alle sein sollten.“

Dauerempörung, Bonusempörung

Diese Dauerempörung funktioniert anscheinend, und die Bonusempörung in besonders spektakulären Momenten tut es auch. Clips mit den Reaktionen von Jake Tapper und Anderson Cooper machten schnell die Runde auf Twitter. Sie bedienen offensichtlich ein Bedürfnis bei vielen Menschen. Es ist ein Gefühl von Gemeinsamkeit, geschaffen durch Gruppenempörung: Man sieht seine eigene Reaktion auf eine Nachricht auf dem Bildschirm gespiegelt.

Wenn das Leuten gefällt oder gar hilft, wenn es sie „abholt“, wie man so sagt: von mir aus. Ich bin mir nur nicht sicher, ob es sich um Journalismus handelt.

Ich wünsche mir von Journalisten, gerade in diesen aufgeregeten und aufregenden Zeiten, Nüchternheit. Es geht dabei gar nicht so sehr um die ewigen und oft elenden Fragen von Objektivität oder Neutralität. Und es geht schon gar nicht darum, skandalöse, empörende Dinge nicht beim Namen zu nennen. Es geht um emotionale Distanz und eine journalistische Haltung, die den Menschen im Publikum nicht sagt, wie sie sich fühlen sollen, sondern ihnen alle Fakten liefert, damit sie sich eine eigene Meinung dazu bilden können.

(Ich finde die Debatte um „Haltungsjournalismus“ furchtbar ermüdend und selten zielführend, aber interessanterweise kenne ich kaum ein Medium, das so sehr seinen Leserinnen und Lesern vorgibt, wie sie etwas finden sollen, wie die „Bild“-Zeitung, deren Mitarbeiter sich gerne gegen angeblichen „Haltungsjournalismus“ positionieren. Regelmäßig beginnen ihre Artikel, bevor sie auch nur mit einem Satz geschildert haben, was überhaupt passiert ist, mit Ausrufen wie: „Unfassbar“ oder „Was für ein Skandal“.)

Hajo Friedrichs revisited

Die Worte von Hanns Joachim Friedrichs vom Journalisten, der sich mit keiner Sache gemein machen soll, werden viel zu oft zitiert und dann auch noch meistens missverstanden. Aber ich glaube, hier passen sie. „Nicht in öffentliche Betroffenheit versinken“, solle man, „im Umgang mit Katastrophen cool bleiben, ohne kalt zu sein“. Was gerade in den USA passiert, ist auch eine Art Katastrophe. Die beste Art von Journalisten, damit umzugehen, ist meiner Meinung nach genau das: kühl recherchierender, unaufgeregt präsentierter Journalismus, sachliche Analysen, ausgeruhte Einordnungen.

Ich glaube, dass das letztlich auch wirkungsvoller ist. Es ist in aller Regel viel besser, über einen Aufreger nicht in aufgeregtem Tonfall zu berichten, sondern die aufregenden Fakten nüchtern zu präsentieren, so dass der Leser sich aufregt. Es ist wahrscheinlich auch die einzige Chance, ein Publikum zu erreichen, das nicht schon vorempört in die Berichterstattung einsteigt. Alle anderen werden von der Empörung eher abgeschreckt und können durch Fakten dann auch nicht mehr erreicht werden. Dabei wäre das wichtig, denn viele der Verschwörungstheorien lassen sich sachlich widerlegen. Das wäre eine gute Aufgabe für Journalisten.

Das passiert natürlich auch, sogar gelegentlich auf CNN. Aber viel mehr noch ist (jenseits der Zahlen- und Kartenspiele) Effekthascherei. Wenn Moderator Chris Cuomo sich demonstrativ weigert, einen Tweet Trumps vorzulesen, und sagt: „Die Zeiten sind vorbei, in denen wir jemandem fair zuhören, der ein Statement abgibt, von dem wir wissen, dass es unfair ist.“

Nicht nur eine Geschmacksfrage

Mich persönlich macht die Menge an demonstrativer Emotionalität auf CNN, an Empörung und Appell zur Mitempörung, vor allem eins: erschöpft. Das scheint auch eine Geschmacksfrage zu sein – ich sehe viele Leute, die CNN in diesen Tagen für die Berichterstattung feiern. (Und nicht nur für die Magic Wall, um deren Reiz und Probleme es hier nicht gehen soll.)

Aber hinter der demonstrativen Emotionalität steckt auch eine tendenzielle Unterschätzung des Publikums. Als könnte es nicht selbst, wenn es die Fakten verständlich präsentiert bekommt, zu den „richtigen“ Urteilen und Empfindungen kommen.

Das passt zu vielen Forderungen, Trump möglichst gar nicht mehr zu Wort kommen zu lassen. Fernsehsender werden dafür gefeiert, dass sie sich demonstrativ aus Trumps Rede ausgeblendet haben, als sich abzeichnete, dass er sie wieder zur Desinformation über die Wahl nutzt. (CNN tat das nicht.)

Leute, die die Rede ganz gesehen haben, feiern Sender dafür, dass sie sie ihrem Publikum vorenthalten haben. Es gibt guten Grund, den medialen Umgang mit Trump kritisch zu hinterfragen. Es waren nicht zuletzt die Medien, die sich immer wieder vom nächsten Aufreger triggern ließen, die ihn groß gemacht haben (und keineswegs nur seine politischen Verbündeten bei Fox News). Immer wieder haben sie ihm Aufmerksamkeit verschafft, oft aus scheinbar journalistischen Gründen, die in Wahrheit eher Kriterien aus der Unterhaltungsindustrie waren.

Es ist ein bisschen spät, das jetzt zu ändern. Es ist aber auch falsch, Trump in dem Moment vom Bildschirm zu nehmen, in dem er eine Ansprache hält, die historisch ist. Sie mag falsch sein, demagogisch, gefährlich, empörend, aber sie doch ein Dokument, das Medien, die live Nachrichten übertragen, ihrem Pubikum nicht vorenthalten sollten.

Der unmündige Zuschauer

Und, ganz praktisch gefragt, was glauben wir, macht ein typisch mittelinformierter Zuschauer, wenn er merkt, dass der Sender, den er gerade eingeschaltet hat, diese Rede unterbricht? Und ihm nur noch ausgewählt, dosiert, eingeordnet referiert, was Trump gerade gesagt hat? Wird der sich freuen, dass der Sender ihm die Worte des Präsidenten nur vorgefiltert präsentiert, um ihn vor ihrer Wirkung zu beschützen? Oder wird er sich entmündigt fühlen und umschalten, bis er irgendwo die ganze Rede sieht?

Ich meine nicht, dass Medien alles zeigen müssen, was das Publikum sonst auch woanders findet, zur Not auf dubiosen Seiten im Netz. Ich bin sehr dafür, dass Medien auf der Grundlage der eigenen Verantwortung entscheiden, was sie glauben, was in die Öffentlichkeit gehört und wie. Aber ich habe große Zweifel, dass das Ausblenden solcher Reden wirklich das Ziel erreicht, die Menschen davor zu schützen, auf die Lügen eines Präsidenten hereinzufallen, der um sein politisches Überleben kämpft und bereit ist, dafür die Demokratie zu opfern.

Es ist vor allem eine symbolische Handlung.

Gleichgesinnte, Gleichempörte

Das berühmte Zitat von Hanns Joachim Friedrichs vom Nicht-gemein-Machen geht übrigens so weiter: „Nur so schaffst du es, dass die Zuschauer dir vertrauen, dich zu einem Familienmitglied machen, dich jeden Abend einschalten und dir zuhören.“

Das hat sich offenbar geändert. Die CNN-Moderatoren sind auch gerade wegen ihrer fehlenden Distanz und ihrer übergroßen Emotionalität für viele zu Familienmitgliedern geworden. Aber es ist keine große gemeinsame Familie, der alle angehören können, sondern ein Kreis von mehr oder weniger Gleichgesinnten und Gleichempörten.

Diese Nachrichtensender sind Lagerfeuer geworden, um die sich die Menschen versammeln. Jedes Lager für sich.

49 Kommentare

  1. Ich habe diese Rede auf CNN live gesehen, und buchstäblich die selben Begriffe benutzt in der Bewertung dessen was ich sehe, wie die Journalisten gleich nach der Rede.

    Die anti-emotionalisierende Haltung ist ein sehr deutsches Phänomen, da sich durch alle Felder der Gesellschaft zieht. Aus historischen Gründen ist das Gefühl und die Emotion verschrien in Deutschland.
    Dennoch finde ich die CNN Empörung AUTHENTISCH, sie passt zu dem Land, zu den Menschen. Ob sie zum Journalismus an sich passt, nun, das ist eine andere Frage. Zum deutschen Journalismus vielleicht nicht, aber zum amerikanischen. Ich weiß nicht, ob es nützlich oder aber überheblich ist, ein Empörungsfest darin zu sehen. Vielleicht sieht man einfach nur Menschen, die fühlen.

    Weiters mangelt es in der Tagesschau und in anderen Talkrunden nicht an Empörung, kälter, subtiler, deutscher, aber deutlich sichtbar. Ein hämisches Lächeln hier, eine hochgezogene Braue da. Selbes Spiel, andere Temperatur. Besser oder schlechter? De gustibus non disputandum.

  2. Eine Sache kam mir in den Sinn bei all der Empörung um Trumps: 2002 sagte Edmund Stoiber „Die CDU/CSU – wir haben die Wahl gewonnen.“ und 2005 hatte Schröder ähnliche Aussätzer („Die Deutschen haben doch in der Kandidatenfrage eindeutig votiert.“ ) Da war die Empörung nicht so groß, eher die Belustigung. Das Verlangen des Auszählungsstops und die Legendenverbreitung von Betrug im gleichen Atemzug haben natürlich eine andere Qualität, keine Frage. Aber es wunderte mich schon, dass rein diese Erklärung zum Sieger vor allem im Vordergrund stand, weil er das eben nicht so exklusiv gemacht hat, wie ich finde. Im Gegensatz zu dem Geblubber über die Briefwahlstimmen…

  3. Es ist aber auch falsch, Trump in dem Moment vom Bildschirm zu nehmen, in dem er eine Ansprache hält, die historisch ist. Sie mag falsch sein, demagogisch, gefährlich, empörend, aber sie doch ein Dokument, das Medien, die live Nachrichten übertragen, ihrem Pubikum nicht vorenthalten sollten.

    Ich bin ganz bei Ihnnen, Herr Niggemeier, möchte aber auf einen Widerspruch zur jüngsten Kolumne von Frau El Ouassil hinweisen – die hatte nämlich genau gefordert, dem Publikum eine Trump-Lüge nicht ungefiltert zuzumuten, sondern nur in vorherige Triggerwarnung und nachfolgende Richtigstellung verpackt. Also: Die Überschrift „Trump erklärt sich zum Wahlsieger“ sei zu vermeiden, stattdessen habe es „Trump lügt, wenn er sich zum Wahlsieger erklärt“ zu heißen.

    Auch das halte ich für eine Unterschätzung des Publikums. Dass seine Siegesbotschaft unhaltbar ist, sollte es sich aus dem Artikel und dem Kontext einer umfassenden Berichterstattung erschließen dürfen. Sonst geht schnell die Grenze zwischen Bericht und Kommentar flöten, und wir landen beim Pamper-Journalismus.

    Bei Trumps Nachwahl-Tricks ist das unproblematisch, weil seine Lügen offenbar sind. Aber wie ist es z.B. bei der jüngsten Empörung über Friedrich Merz? Auch ich halte seine Thesen zur Verschiebung des CDU-Parteitags für Quatsch. Das will ich mir aber selbst erschließen. Eine Überschrift á la „Merz äußert unhaltbare Verdächtigungen gegen CDU-Vorstand“ hielte ich für tendentiös und bevormundend – ich wäre ganz schön empört.

  4. #2
    »Auch das halte ich für eine Unterschätzung des Publikums.«

    Nach 10 Jahren blättern in den Sozialen Medien weiß ich, dass man »das Publikum« gar nicht genug unterschätzen kann. Und die Fanbase vom Zimthitler allemal. Für die sind seine Lügen Wahrheit.

  5. „Es ist aber auch falsch, Trump in dem Moment vom Bildschirm zu nehmen, in dem er eine Ansprache hält, die historisch ist.“ – Nachvollziehbar, zumal es dann ja die Aufgabe des Journalismus wäre, diese ‚historisch bedeutsamen Lügen‘ einzuordnen und ihnen Fakten entgegenzustellen.
    Was ich mich allerdings bei der Kritik an der Empörung der CNN-Moderatoren frage, ist, ob sie wirklich nur Show ist. Diese Leute hören sich seit vier Jahren an, dass sie Volksfeinde seien und werden auf der Straße von Trump-Fans angepöbelt – wäre da ein bisschen wahrhaftig empfundene Empörung und eine gewisse Katharsis in dem Moment, wo Trump vermutlich abgewählt wird, nicht verständlich? Als Ventil, um den Druck abzulassen?

  6. Könnte man nicht auch genau das Gegenteil behaupten? Wie könnte man nicht empört sein, bei all den ständigen, offensichtlichen Lügen und dem Untergraben grundlegendster demokratischer Prozesse durch den Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump?

    Dass es offen gezeigt wird, hat vielleicht auch damit zu tun, dass es ein 4Tage 24h Berichterstattung ist zu nur einem einzigen Thema. Irgendwann brechen dann auch die Dämme der Zurückhaltung …

  7. Ich weiss nicht, ob die Funktionalität der Devise „Nüchternheit vs. Emotionalität“ so richtig gegeben ist, zumindest in der Medienwelt amerikanischer Färbung. Ein Sender wie Fox News funktioniert seit Jahr und Tag mit triumphal vorgetragenen Emotionen aller Arten, sei es Empörung, oder Häme, oder Wut. Auch deswegen funktioniert diese Propagandamaschine, damit werden Menschen buchstäblich gepackt. Der Gegensatz sollte bei einem so drastischen Lagerkontrahenten wie Fox News zumindest in Teilen eventuell eher aus „emotional dargebrachten Lügen vs. emotional dargebrachten Fakten“ oder „emotionaler Einseitigkeit vs. emotionaler Objektivität“ oder dergleichen bestehen, sonst befindet man sich mit denen von vornherein nicht auf Augenhöhe. Man kann sich nicht darauf verlassen dass die Menschen en bloc diese „journalistische Nüchternheit“ schon von sich aus als vorzuziehendes Qualitätsmerkmal wahrnehmen, gerade nicht in den USA.

  8. Ich kann die Empörung verstehen und nachvollziehen. Sie sollte sogar vorkommen, in einem Kommentar zum Beispiel.

    Auf den Sendern laufen immerhin die ganze Zeit Chyrons mit allem möglichen Quatsch. S da bekommen sie es nicht hin, eine völlig vorhersehbare Lügenrede entsprechend zu begleiten und dann ggf später die Empörung zu äußern?

    Die US-Medien sind aber sowieso schlimm. Versucht mal auf CNN oder MSNBC oder Fox (ha!) einfach mitzukriegen, was passiert ist, ohne dass gleich ein Panel mit 7 Leuten kommentiert was los ist. Schwere Aufgabe.

    Und wenn die Sendung ohnehin daraus besteht, dass immer alles gewertet wird (und im Zweifel verharmlost), dann brechen bei so einem Trump irgendwann die Dämme und dann geht es andersherum. Lange haben sie versucht, ihm alles möglichst gut auszulegen, und er hat sie trotzdem beschimpft. Das kann man ja kaum aushalten als Journalisty.

    Trennung von Bericht und Kommentar gibt es da ohnehin kaum.

  9. Danke!
    Bin Spiegel-Abonnentin und dort empört man sich auch den lieben langen online-Tag. Jeder einzelne Redakteur über jeden einzelnen Trump-Tweet. Seit Monaten die ersten 6 Artikel: Ausschließlich Empörung über Trump. Wichtiges oder Kleinkram egal – alles empörend.
    Zuerst war ich verwundert, dann ermüdet und jetzt beschleicht mich manchmal der Gedanke, ob da nicht doch Bill Gates dahinter steckt.. (Scherzerl).
    Ihre Medien-Analysen und Tweets lese ich jedenfalls sehr gerne.
    Schöne Grüße aus Wien!

  10. Am elegantesten hat vermutlich Stephen Colbert dieses Problem umgangen, indem er bei seinem Election Special einfach von vorneherein erklärt hat, auf irgendwelche O-Töne oder Schnipsel von Trump zu verzichten. Ich glaube, als Deutscher des eher linksgrünliberalen Spektrums ist man zudem auch nicht so in diesem amerikanischen Patriotismus drin und kann nicht so gut einschätzen, wie sehr diese ganzen CNN-/ABC-/NBC-Journalist*innen wirklich betroffen sind, abseits der im amerikanischen Fernsehen üblichen „Überemotionalisierung“.

    https://www.youtube.com/watch?v=TeSiJmLoJd0

  11. @ Peter Sievert (#2):

    Eine Sache kam mir in den Sinn bei all der Empörung um Trumps: 2002 sagte Edmund Stoiber „Die CDU/CSU – wir haben die Wahl gewonnen.“ und 2005 hatte Schröder ähnliche Aussätzer („Die Deutschen haben doch in der Kandidatenfrage eindeutig votiert.“ )

    Ganz andere Baustelle: Stoiber freute sich zu früh über Hochrechnungen*, die sich bald danach als falsch entpuppten**. Er hat nicht auf den Hochrechnungen als gültigem Ergebnis beharrt. Schröder wollte (auf was immer er auch genommen hatte) den Eindruck erwecken, er könne trotz Niederlage eine neue Koalition schmieden – illusorisch, aber unproblematisch, denn wenn er eine Mehrheit im Bundestag überzeugt hätte, wäre das vollkommen legal gewesen***.

    *Hochrechnungen scheint es in den USA nicht zu geben – nur Umfragen vorher und Ergebnisse nachher.
    **Wenn ich mich recht entsinne, sagte er: „Ich habe schon mal ein Glas Champagner aufgemacht.“ Kannste Dir nicht ausdenken…
    ***Kanzler werden halt nicht vom Volk gewählt. Der Bundestag dürfte auch meine Mama zur Kanzlerin wählen – sofern sie wollte und sich die Mehrheit organisieren könnte.

  12. @KK
    Ja, ich sage ja nicht, dass es dasselbe war. Insbesondere die Lügen drumherum und der Kontext. Ich stelle nur fest, dass mir die falsche bzw. irrtümliche Reklamation eines Sieges nun nicht so völlig neu vorkam und mich wunderte, dass ausgerechnet dies nun das Tabu sein sollte, dass das Fass nach 4 Jahren Kuhmist ohne Ende zum Überlaufen bringt. (Nebenbei: zum Zeitpunkt der Empörung war und ist es nicht ausgemacht, dass Trump noch von alleine sagen wird: „Ok, ich habs verloren.“ Ich gebe zu, das mich das allerdings überraschen würde.)
    Letztlich hätte man Stoiber auch vorwerfen können, dass man demokratisch belastbare Ergebnisse abwarten sollte. Und Schröder hat halt den politischen Anstand verletzt.
    Nebenbei:
    Kann man den Zwischenstand der Zählung in den USA hier nicht als Äquivalent zur dt. Hochrechnung sehen? Die Methodik ist anders, die Funktion dieselbe.

    Allgemein:
    Trumps falsche Anschuldigungen und Anstachelungen im weiteren Verlauf der Zähltage sind der deutlich entscheidendere Punkt jedenfalls. Die sind gefährlich und in Demokratien ohne Beispiel. Ob hier Empörung allerdings angebracht ist? Setzt Empörung nicht Elemente wie Überraschung und Enttäuschung voraus? Trump tut ja aber genau das, was man von ihm erwartet. Missachtung und strategische Entkräftung seiner Medienstrategie erscheint mir da angebrachter als Empörung.

  13. Die Journalisten bei CNN sind auch amerikanische Staatsbürger und der Demokratie verpflichtet und in so einem Fall sind sie eben NICHT neutrale Beobachter sondern sind auch Akteure. Sie werden von Trump zu Akteuren gemacht und tragen entscheidend dazu bei ob der Angriff auf die Demokratie gelingt oder nicht. Im Gegensatz zu Herrn Niggemeier sind sich dessen wohl bewusst gewesen und haben das auch durch die emotionale Einordnung zum Ausdruck gebracht und die einzig richtige Emotion gezeigt – Empörung.

    Wenn ein deutscher Bundeskanzler fordert die Auszählung bei den Bundestagswahlen zu stoppen und sich selbst als Wahlsieger ausruft, dann erwartet Herr Niggemeier wohl, das die deutschen Journalisten verdrängen das sie auch Demokraten und Staatsbürger sind, ein möglichst neutrales Gesicht aufsetzen und diesen Angriff auf das Herz der Demokratie – nämlich den Wahlprozess – emotionslos kommentieren als hätte der Kanzler grade die 5 Novellierung der Milch-Güteverordnung verlesen. Hoffentlich nicht.

  14. Die Aufregung über Empörung scheint in Mode zu kommen, oder sollte man es Empörung über die Empörung nennen?
    Warum sollten sich Journalisten nicht auch einmal empören dürfen, wenn offenbar wird, dass intellektuelle Schlichtheit das Tor zum Mainstream durchschreitet?

  15. @ Peter Sievert (#14):

    Letztlich hätte man Stoiber auch vorwerfen können, dass man demokratisch belastbare Ergebnisse abwarten sollte.

    Er hat halt Pech gehabt, denn normalerweise sind die Hochrechnungen zur Bundestagswahl ab dem späten Abend ziemlich belastbar. Und mit seiner verfrühten Begeisterung hat er weniger dem Wahlsystem geschadet als sich selbst.

    Das verstehe ich übrigens nicht an der Situation in den USA. Deutsche Bundestagswahlen sind wahnsinnig kompliziert: Personalisiertes Verhältniswahlrecht, 16 verschiedene Landeslisten pro Partei, D’Hondtsche Sitzverteilung, Überhangs- und Ausgleichsmandate, etc. – und dennoch hat man wenige Stunden nach Schließung der Wahllokale ein sehr verlässliches Bild, wer dem neuen Bundestag angehört und wer nicht.

    Die Präsidentschaftswahl in den USA ist im Vergleich dazu eine Klassensprecherwahl – man muss nur zählen, wieviele Stimmen ein Kandidat in einem Staat bekommen hat. Was ist da an der Auszählung so kompliziert? Nevada hat weniger Einwohner als Berlin, und das Ergebnis steht selbst nach drei Tagen noch nicht fest. Kalifornien mit fast 40 Mio. Einwohnern war nach wenigen Stunden fertig.

    Kann mir das jemand erläutern?

  16. Weil dort noch nicht alle Stimmzettel eingetroffen sind.

    Das stand und steht übrigens in vielen Artikeln zur Sache. Ein finales Ergebnis kann es in Nevada erst nach dem 10. Novembergeben, weildas lokale Wahlrecht diesen Spielraum gestattet.

  17. @Kritischer Kritiker (#16)
    >Kalifornien mit fast 40 Mio. Einwohnern war nach wenigen Stunden >fertig.

    kalifornien ist gecalled, aber noch lange nicht fertig, derzeit sind dort erst 77% der stimmen ausgezählt.

  18. Man stelle sich vor, es wäre die Nacht vom 24. auf den 25. September 2017 und der Schulzzug wäre in voller Fahrt:
    Von den Direktmandaten liegt die Union wie immer vorne; bei den Landeslisten geht es sehr eng zu, aber es sieht gut für die SPD aus. 225, vielleicht sogar 226 Sitze sind drin. ARD und ZDF weisen durchgehend in ihren Programmen darauf hin, dass man zwar Prognosen zu den möglichen Sitzverhältnissen abgeben, jedoch keine eindeutige Aussage treffen kann. Das amtliche Endergebnis steht noch aus. Volker Kauder sitz seit Stunden in der Expertenrunde und raunt, dass er zwar keine Beweise für Unregelmäßigkeiten bei der Stimmenauszählung in NRW und dem Saarland habe, aber wenn es sie gäbe, müsse man ihnen auf jeden Fall mit allen verfügbaren Mitteln nachgehen. Dafür sei der Rechtsstaat ja da und die juristischen Berater der CDU seien auf alles vorbereitet.
    Da tritt Angela Merkel an der Verkündigungstreppe im Kanzleramt (nicht etwa im Adenauerhaus) vor die Presse und erklärt den Sieg, nicht ohne noch einmal auf die perfiden Versuche der deutschen Presse, den Wahlbetrug in NRW und dem Saarland unter den Teppich kehren zu wollen, hinzuweisen. Nachfragen der hinterhältigen Wahlbetrugsverschleierer werden nicht zugelassen.

    Ich könnte mir vorstellen, dass selbst Jörg Schönenborn oder Ellen Ehni bei solchen Voraussetzungen auf jegliche weitere Provokationen (denn die besprochene Pressekonferenz war ja nicht diese erste) eher emotional reagiert hätten. Und gegen Wolf Blitzer und Anderson Cooper scheinen mir die beiden an sich schon eher zurückhaltend.

    Die Empörung war auch in den wenigen Ausschnitten der deutschen Wahlsendungen zu spüren, die ich mir angeschaut habe. Die US-Amerikaner trifft das alles viel direkter. Und die CNN-Teams hatten sich zu dem Zeitpunkt schon über drei Tage lang von ihren eigenen Analysten und vielen zugeschalteten Wahlverantwortlichen immer wieder vorbeten lassen, dass niemand mehr wisse oder irgendetwas zu verheimlichen versuche. Ich wüsste nicht, ob Deutsche mit der stereotypen direkten Art da sachlicher geblieben wären als die (ebenso stereotypen) Amis mit der vorgeschaltenen professionellen Freundlichkeit. Im Übrigen gab es auch unter den CNN-Moderatoren welche, die eher sarkastisch als empört an die Sache gegangen sind.

  19. Ein Aspekt geht mE hier etwas unter, naemlich dass die Medien nicht mehr nur passive Beobachter (und Einordner) des Geschehens sind, sondern von Populisten explizit miteingeplant werden – einzig zum Zwecke, ihre Themen und Thesen zu verbreiten; ob mit Einordnung oder nicht, ist fuer die Verbreitung erst mal unwichtig. Trump muss nur oft genug wiederholen, dass die Wahl gestohlen wurde, ein bisschen setzt sich doch ab. Da kann es schon manchmal Sinn machen, einfach nicht jeden Tweet und jede Rede berichtenswert zu finden. Oder wie Samira El Oussil vorschlaegt, dieses Kalkuel durch Einbettung abschwaechen, wobei auch ich finde, dass das haeufig eine Gratwanderung ist. Die Empoerung kann man aber in jedem Fall gerne sein lassen, da stimme ich voll und ganz zu. Aber die klickt halt gut, deswegen wird sie ja von Populisten miteinkalkuliert.

  20. @#16:
    In den USA gelten je nach Bundesstaat unterschiedliche Regeln wann Stimmen final gewertet werden und wie lange noch Briefwahlstimmen eintreffen dürfen. Typischerweise gilt z.B. mancherorts, dass der Poststempel entscheidet, also wann die Stimme in den Briefkasten geworfen wurde, anstatt wann sie bei der Zählung eingetroffen ist. Nimmt man da Bürger (und vor allem Soldaten) im Ausland auch noch hinzu, kann das schonmal dauern, was speziell bei knappem Verlauf der Auszählung bedeutet, dass ein Abwarten aller Stimmen bis zu einem gesetzlich definierten Stichpunkt unumgänglich ist.

    Traditionell ist Briefwahl eine Domäne eher der Demokraten (u.A. deswegen dieses „späte“ Umschwingen z.B. in Pennsylvania). Trumps Team weiss das, deswegen hat er schon vor der Wahl ständig versucht, Briefwahl zu behindern und zu verteufeln. Und in diesem Kontext ist auch sein Versuch am Wahltag zu sehen, sich vorzeitig zum Sieger zu erklären und die weitere Auszählung auf juristischem Weg zu stoppen (was ohne rechtliche Grundlage ist) – er weiss, dass spät ausgezählte Briefwahlstimmen mit höherer Wahrscheinlichkeit Biden-lastig sein dürften, weswegen Bidens Vorsprung in den letzten Tagen auch immer weiter gewachsen ist.

    Die Nebenpointe daran ist, dass Trumps heutige Abneigung gegenüber Briefwahl wenig überraschenderweise reiner Opportunismus und natürlich durchschaubare Propaganda ist. Vor seiner Präsidentschaft war Trump noch passionierter Briefwähler, da hatte er mit dem demokratischen Prinzip offenbar noch keine Probleme. (public records ftw)

  21. @Ulrich Becker
    Aufregung bzw. Empörung über Empörung erkenne ich hier weder im Artikel bzw. den Kommentaren. Ich finde hier kaum eine Zeile, wo der Puls gefühlt mal über 80 ging beim Schreiben. Es sei denn, sie bezog sich im Gegenteil auf Trump selber ;-)

  22. @16 „Nevada hat weniger Einwohner als Berlin, und das Ergebnis steht selbst nach drei Tagen noch nicht fest. Kalifornien mit fast 40 Mio. Einwohnern war nach wenigen Stunden fertig.

    Kann mir das jemand erläutern?“

    Nein, Kalifornien ist nicht fertig, Kalifornien ist gerade mal bei 77% ausgezählter Stimmen. So wie auch alle andern Bundesstaaten noch nicht fertig gezählt haben.
    1. Es dauert in den USA immer Tage bis Wochen, bis alles ausgezählt ist. Nur fällt das im Normalfall nicht so auf solange es nicht eng zugeht und genaue Wahlergebnisse aus nicht Swing States interessieren sowieso keinen bei dem archaischen Wahlssytem der USA.
    2. Ich weiß nicht ob du es gehört hast, aber es soll ja neuerdings so eine Pandemie sein und die zumeist älteren WahlhelferInnen momentan schwer zu bekommen.
    3. Es müssen nicht nur Präsi-Wahlstimmen sondern auch Senat und House ausgezählt werden. Auch diese Ergebnisse sind teilweise noch nicht vorhanden und auch nicht zu 100% gezählt.
    4. Das Land hat die Größe mehrerer hundert Saarlands

  23. Danke für diesen erhellenden Kommentar. Diese Empörungs-Masche war mir gar nicht bewusst. Unbewusst ging es mir bereits auf den Keks, nun weiß ich, was mir genau auf dem Keks ging. ;-)

    Ich sehe da Parallelen zu Hollywood und der Werbeindustrie. Auch sie wollen den Rezipienten möglichst die „richtigen“ Emotionen und Bewertungen vorkauen. Dann ist alles Amazing oder ich habe ergriffen zu sein – nach amerikanischer Tradition am besten mit Tränen.

    Die Vermutung, dass die Journalisten die vermeintlich dummen Zuschauer schützen möchten, ist ein interessanter Gedanke. Auch hierzulande werden ja mittlerweile Meinungen und Aussagen unter dem Deckmantel des Schutzes unterdrückt. Medien, die krude oder auch nur kritische Ansichten über die Einwanderungspolitik verbreiten, wollen viele verboten wissen. Und Parteien wie die NPD sind sogar verboten. Warum eigentlich? Die Mitglieder hören ja damit nicht auf, so zu denken. Sie sollen wohl keine Öffentlichkeit bekommen, um andere vor dem Gedankengut zu schützen. Entsprechend traut man den Menschen wohl nicht zu, selbst vernünftige Entscheidungen zu treffen oder Quatsch zu erkennen.

    Oder nehmen wir Ken Jebsen, der sich aktuell nicht mehr wohl fühlt in Berlin und sich auf dem Land mit seinen Anhängern, abgeschieden von der Öffentlichkeit, einigeln will.

    Ich finde eine Demokratie und eine freie Presselandschaft muss auch Medien aushalten, die Verschwörungsmythen bedienen und pflegen. Wenn man wirklich Indizien hat, dass die immer mehr Zulauf finden, wäre es da nicht besser, sich zu fragen, was schief läuft und wie man einen Gegenpol liefern kann, statt mit Verbot oder Ausgrenzung zu reagieren und damit identitätsstiftende, erhärtete Fronten zu kreieren?

  24. Herr Niggemeier, woran erkennen Sie denn Empörung in den präsentierten Beispielen von Jack Tapper und Anderson Cooper? Für mich wirken beide eher resigniert; in meinem subjektiven Empfinden sieht Empörung anders aus und hört sich anders an.

    Ansonsten Zustimmung zu den Kommentaren#15 und #20.

  25. Oje, im Idealfall wünschen wir uns also eine TV-Sendung bestehend aus Exceltabellen und Tortengrafiken, die von emotionsfreien KI-Anchors in ganze Sätze umformuliert werden, mit dem primären Ziel absolut konnotationsfrei zu bleiben?

    Ich weiß nicht. Ist es nicht genauso eine „tendenzielle Unterschätzung des Publikums“ wenn man ihm nicht zutraut, Emotionalität zu erkennen, wenn sie stattfindet?

    Und hier im speziellen: wenn man vier Jahre lang vom eigenen Staatsoberhaupt aufs übelste angepöbelt und beleidigt wurde, ist es eben eine solche Reaktion nur allzu nachvollziehbar und eins: menschlich.

  26. Das mit den Briefwahlstimmen ist mir natürlich bekannt; Herr Pannor kann sich seine Herablassung sparen. Es erklärt aber nicht das Grundproblem, warum ein Staat wie Nevada stets „Tage bis Wochen“ zur Auszählung braucht, ein Staat wie die Bundesrepublik mit über 80 Mio. Einwohnern aber nur wenige Stunden – Briefwahl gibt es hier auch.

    Bei Kalifornien habe ich mich geirrt. Das ändert aber nichts am Grundproblem, sondern bestätigt es: Nicht nur im Hinterland, auch in einem urbanisierten Staat gelingt es anscheinend nicht, eine effektive Wahlauswertung vorzunehmen.

    In Nevada fehlen derzeit noch 13 Prozent, bis die Auszählung abgeschlossen ist. Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass alle diese Stimmen in Briefen vom 3. November stecken, die noch nicht eingetroffen sind. Briefwählen ist seit Monaten möglich. Die Pandemie (allein) ist auch keine Erklärung, da das Problem ja, wie Herr Schnellinger zurecht feststellt, immer auftaucht.

    Bei Telepolis gibt es einen Artikel dazu (auch am Beispiel Nevadas), der allerdings mehr Fragen aufwirft als Antworten gibt: https://www.heise.de/tp/features/250-Stimmen-aus-Eureka-noch-nicht-ausgezaehlt-Welcome-to-Nevada-4950216.html

  27. Fairerweise muss man sagen: Die Analyse gilt nicht nur für den Augenblick und CNN, sondern wir haben in Deutschland vier Jahre mediales Dauerfeuer, vier Jahre Dauerempörung zu diesem Trump hinter uns. So richtig, aber auch so trivial die Texte, so ermüdend auch schon bald. Ja, Donald Trump benimmt sich daneben. Und dann wieder. Und wieder. Immer das gleiche Thema. Ermüdend und nervig, weil bald für die Leser belästigend, immer und immer wieder über die neuesten Streiche des Mannes im Weißen Haus zu lesen! Und immer und immer wieder stand deutschen Journalisten der Schaum vor dem Mund. Man kann nur hoffen dass diese Obsession jetzt erledigt ist.

  28. Die Antwort auf die Frage nach der Dauer ist relativ offensichtlich:
    In D. muss die Briefwahlstimme am Wahltag angekommen sein.
    Wenn Nevada das anders regelt, ist das eben die Schuld des nevadischen Wahlrechts.

  29. @Mycroft
    Die zählen aber nicht nur solche Stimmen noch. Es ist eine US-amerikanisch übliche Mischung aus verknorpelter Bürokratie, Technisierung, die diese Bürokratie meistern soll, und dem daraus gewachsenem Misstrauen.

    ‚Bipartisanship‘ ist zugleich zum Synonym für Gerechtigkeit und die Auflösung der Republik geworden.

    *und dabei auch noch einigen anderen Zielen (Privatisierung, Vorteilsnahme, Beeinflussung des Wahlverhaltens) dienen

  30. @Kritischer Kritiker

    Das ist einer der Moderatoren, die sich bis dahin eher leicht aggressiv und sarkastisch statt empört gehalten haben. Jetzt können sie ja alle mal so richtig ausschlafen; vielleicht geht es dann wieder ein paar Nummern kleiner.

  31. „Die zählen aber nicht nur solche Stimmen noch. Es ist eine US-amerikanisch übliche Mischung aus verknorpelter Bürokratie, Technisierung, die diese Bürokratie meistern soll, und dem daraus gewachsenem Misstrauen.“
    Das Misstrauen wurde von Trump gezielt geschürt. Derselbe Trump, der das Zählen abbrechen lassen wollte, als er merkte, dass das besser für ihn wäre. Selbsterfüllende Prophezeiung, oder?

    Gegenfrage: ist es für die Demokratie als Regierungsform und die Freiheit der Wahlen erforderlich, dass Briefwahlbriefe, die am Wahltag eingeworfen werden und erst nach drei Tagen ankommen, mitgezählt werden müssen, oder wäre ein Gesetz, dass nur Briefe, die am Wahltag selbst ankommen, gezählt werden müssen, und man daher diese etwas eher einwerfen muss? Technisch gesehn könnte in diesen Tagen noch etwas passieren, was die Wahlentscheidung beenflussen könnte, aber praktisch?

  32. @Mycroft

    Nee, das war schon vorher kaputt. Ja, die Republikaner haben das extrem zur Bildung der RED MAP ausgenutzt, aber nicht erst seit Trump und ganz bestimmt nicht durch ihn. Die Strategen werden etwas Kreide fressen, sich der Clowns entledigen und dann genau da weitermachen. Denn es ist ihr einziger Weg zur Macht; sie haben keine echten Mehrheiten.

  33. Mich haben die Szenen unmittelbar nach Trump-Rede auf CNN auch etwas überrascht, weil man das in der Form nicht gewohnt war. Aber da ist wohl nach 4 Jahren plus Wahlkampf davor einfach ein Damm gebrochen, und das gestehe ich den im Sender arbeitenden Menschen auch zu.

    Ich habe sie in den vergangenen Jahren wirklich dafür bewundert, wie sie es ihnen täglich gelungen ist, mit Trump möglichst objektiv umzugehen, was sie auch mussten, weil er nun mal das Amt inne hatte. In den Momenten vor der Rede war jedoch klar, dass Trump nicht mehr gewinnen kann und dann kam die Rede noch dazu, in der er die Grundwerte der Demokratie so hart angriff, dass es einfach nicht mehr zu ertragen war. Das war ein „Bis hierhin und nicht weiter“- Moment, wie ihn ähnlich vor einigen Jahren die Moderatorin hatte, die sich weigerte, eine Meldung über Paris Hilton zu verlesen.

    Wir als Mediennutzer konnten in den vergangen Jahren einfach abschalten, weiter klicken und uns anderen Dingen als den neusten Trump-Tiraden widmen. Aber die Leute, die in den amerikanischen Medien arbeiten, mussten sich jeden neuen Mist von Trump an tun, weil es ihr Beruf ist und sie darüber berichten mussten. Das stelle ich mir in der Form wirklich als sehr belastend vor. Man vergesse nicht, dass es spätestens im Januar 2017 nötig war, dass jede Redaktion ihren Factchecker installierte.

    Zwei Tage später sieht es auch so aus, als wäre es wirklich nur ein einmaliger Ausrutscher gewesen, und daher gestehe ich allen Beteiligten bei CNN diesen Moment zu. Heute hat Anderson Cooper im Verlauf des Abends während einer Schalte beiläufig und gerade eben kurz vor Ende der heutigen Schicht ganz ausführlich seine Wortwahl aus dem obigen Tweet ausdrücklich bedauert. Das zeigt mir doch, das man auch mit sich selbst kritisch umgeht, ein Verhalten, das man bei Fox News wohl vergeblich suchen würde.

    Und zum Schluss: Ich habe schon einmal Cuomo als den größten Fehler von CNN bezeichnet. Und er scheint dann auch im Sender nicht ganz unumstritten zu sein. Es ist schon sehr beachtlich, wie knapp in normalen Zeiten die Übergabe zwischen Anderson Cooper und Cuomo abläuft, falls es überhaupt eine gibt, im Gegensatz zu den langen Plaudereien, die es eine Stunde später zwischen Cuomo und Don Lemon gibt, die von Seiten Cuomos derart schmierig ablaufen und bei denen ich manchmal wirklich nicht verstehe, wie Lemon das über sich ergehen lassen kann.

  34. @25: Nein, die NPD ist nicht verboten, nein, niemand will irgendwelche Sender verbieten (also ausser den „GEZ-Sender auflösen“-Plärrern), solange diese sich auf dem Boden der demokratischen Grundordnung bewegen. Aber ja, in diesem Land darf man seine Meinung äussern und auch verbreiten, muss aber dann damit leben, wenn diese als Unsinn bewertet wird, wie im Falle von Jebsen.

  35. Die Mehrheitsmeinung hier scheint zu sein: Man greift die Demokratie an, wenn man offen über Wahlbetrug redet. Bei Wahlen betrügen ist allgemein üblich (das weiß auch der durchschnittliche Amerikaner), aber darüber zu reden ist verwerflich.
    Im übrigen: Ich akzeptiere es durchaus, wenn Journalisten sich empören, ob links oder rechts. Allerdings: Dann muss man auch die Lagerbildung akzeptieren: Zwei offene und ehrliche Lager sind aber immer noch besser als eine verlogene Volksgemeinschaft (worauf Friedrichs und Niggemeiers Standpunkt sehr schnell hinauslaufen kann).

  36. @ Jörn:
    Lustiger Zufall: Heute vor 20 Jahren wurde der erste NPD-Verbotsantrag beschlossen. (Tagesschau vor 20 Jahren)

    @42: Der Mehrheitsmeinungs-Strohmann brennt nicht gut.
    Haben Sie Belege für einen Wahlbetrug?

  37. @42:“Die Mehrheitsmeinung hier scheint zu sein: Man greift die Demokratie an, wenn man offen über Wahlbetrug redet.“
    Nö, die Mehrheitsmeinung ist: man handelt unredlich, wenn man mit Anschuldigungen ohne irgendwelche Beweise oder wenigstens Indizien um sich wirft, egal ob Wahlbetrug oder Vergewaltigung oder was auch immer.
    Und selbst wenn es oft Wahlbetrug gäbe (wofür mich auch Belege interessieren würden), kann ich es deshalb in einem speziellen Fall nicht einfach behaupten.

  38. Haben Sie Belege für einen Wahlbetrug?

    Sorry, nach allen Veröffentlichungen der letzten Tage ist diese Frage lächerlich.
    Die Frage ob ist schon lange beantwortet. Und nein, ich halte es nicht für nötig die allgemein bekannten Links hier zu wiederholen.
    Zu klären ist lediglich (damit müssen sich in den nächsten Tagen die Gerichte auseinandersetzen), wie aussagekräftig die Indizien sind, welches Gewicht die Verstöße gegen die formalen Vorschriften hat und ob der Wahlbetrug ein Ausmaß hat, welches das Wahlergebnis beeinflusst hat.

  39. @Vannay/DerMax: Jörn hat doch unfreiwillig recht – die Frage ist eindeutig geklärt: Es gab keinen Wahlbetrug, die juristischen Streits vom Team Trump haben keine Basis und dienen nur der Show, angebliche Zeug*innen widerrufen die Aussage und selbst die Anwälte Trumps geben vor Gericht zu Protokoll, dass sie keinen Betrug sehen .

  40. Es ist übrigens sehr interessant, wenn man sich auf youtube Wahlsendungen aus den letzten Jahrzehnten ansieht.
    1968 erklärte Walter Cronkite den Zuschauern von CBS den Green Screen.
    1992 gesteht mit unglaublich viel Würde Verlierer Bush wenige Stunden nach Schließung der Wahllokale seine Niederlage ein.
    Und 2004 saß bei CNN (John King war noch im Weißen Haus stationiert) in einer Gesprächsrunde ein gewisser Tucker Carlson herum.

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