Welche Stimmen fehlten in der Berichterstattung über „Liebig 34“?

Foto: St. Krug CC BY-SA 3.0

Vor zwei Wochen ist das berüchtigte besetzte Haus „Liebig 34“ in Berlin-Friedrichshain geräumt worden. Alle Nachbarinnen und Nachbarn atmeten auf, dass die „linken Chaoten“ endlich weg waren … sollte man angesichts der Berichterstattung denken. Doch einige schrieben uns, dass sie ihre Wahrnehmung der ganzen Ereignisse in den meisten Medien in keiner Weise wiederfinden.

Für uns hat sich Pia Stendera vor Ort umgehört. Im neuen Übermedien-Podcast ruft Holger Klein sie an und spricht mit ihr darüber, welches Bild sie von der Stimmung im Kiez und der Schieflage der Berichterstattung gewonnen hat.

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14 Kommentare

  1. Gute Folge mit reflektierter Gesprächspartnerin! Fand auch gut, dass der Fragesteller ein leichte andere Position hatte, das brachte Dynamik rein,.

  2. Auf Twitter flog mal kurz durch, dass der Besitzer das Haus an Berlin schenken wollte, aber die Stadt hätte das Haus nicht angenommen. Stimmt das?

  3. Der „Schutzraum“ der in der Liebig34 geschaffen wurde ist in erster Linie einer gegen Recht und Gesetz gewesen.
    Da pass es dann ins Bild, dass sich selbst (linke) Kieznachbarn von den Hausbesetzern terrorisiert fühlten und fühlen.
    Von einer einseitigen Berichterstattung kann auch keine Rede sein, wenn dort die Fakten genannt und die sonst übliche linksgrüne mit den Besetzern sympathisierende Folklore mal weggelassen wurde.

  4. Schon interessant, wen Holger so anruft. Hier eine Dauerstudentin, die irgendwas mit Medien macht.
    Wertschöpfend tätiger Menschen Meinungen sind offensichtlich nicht gefragt.

  5. Kopf hoch, Andreas, vielleicht rufen Tichy oder der Mayer Rainer dich mal an, dann erzählst du uns was von deiner „Wertschöpfung“ und wie nur von dir abgesegnete Arbeit „frei“ macht.

  6. Das heißt nicht umsonst Omerta, das Gesetz des Schweigens.
    Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Bäcker kein Geschäft machen will, und würde er offen sagen, wenn er erpresst wird?

    Wie wahrscheinlich sind Repressionen durch die Polizei, wenn man seinen Namen nennt und nur sagt, dass man kein Problem mit den Bewohnern hatte.
    Entweder ist man da einer ganz großen Sache auf der Spur, oder man ist bei diesen Aussagen einfach unkritisch.
    Ich fürchte, letzteres.

    Als Aussenstehender kann man da natürlich wenig zu sagen, aber für mich stinkt die Sache, nicht die Berichte der Medien vorab, sondern wie jetzt im Nachgang den Medien falsche Berichterstattung vorgeworfen wird.
    Wenn man den TAZ-Artikel ‚Neubau im Kugelhagel‘ von 2015 liest weiß man, dass diese gewalttätigen Zustände jahrelang geduldet wurden.
    Dazu kommt: Leute, die nicht wollen, dass Fremde in den eigenen Kiez ziehen, sind nicht links, ich kenne das jedenfalls nur von der anderen Seite des Spektrums.

  7. Naja. Ich persönlich finde die Berichterstattung etwas einseitig und hätte mir ehrlich gesagt etwas mehr kritische Nachfragen von Holger erwartet. Wenn man die Bilder der Räumung sieht, sollte es doch wohl jedem einleuchten das man für ein „Queer-Feministisches-Hausprojekt“ weder Falltüren, vermauerte Treppenhäuser oder verwohnten Wohnraum bedarf. Der „Gentrifizierung“ eines gesamten Stadtteils kann man durchaus auch ohne Verwahrlosung entgegen treten. Und wenn man „Verträge“ mit „Mietverträgen“ verwechselt hat jeder Besitzer durchaus das Recht solch verschrobene Gestalten aus seinem Eigentum heraus zu räumen. Hier wird unnütz Raum für ein überzogenen Robin-Hood-Getue geboten. Etwas mehr Reflexion wäre angebracht.

  8. Was für mich fehlte, was ich für „Berichterstattung“ wichtig halte: Waren die „anderen“ Berichte wie z. B. der Kontraste-Bericht oder aus der taz denn falsch oder übertrieben dargestellt?
    Oder waren dessen Inhalte korrekt?
    Ausgewogenheit bzw. Einseitigkeit kann ja nur ein Bewertungspunkt einer Berichterstattung sein.
    Darauf würde folgen, wenn die anderen Berichte wahr sind, mal bezogen auf Falltüren und Fallen, erschließt sich hier schon ein anderes Bild. Darauf folgt aber nicht automatisch, dass Gentrifizierung etc. kein Thema mehr ist, eher würde man sehen, dass dieses „Wohnprojekt“ dem Kampf gegen genau diese geschadet hat.

  9. Habe herzlich gelacht. Dieser Beitrag: das Gegenteil von besonderem Journalismus, der gegen den Strom schwimmt. Die Bäckerei (auch meine Bäckerei) – in 100 Artikeln und Beiträgen wurden dort Statements eingefangen, für jede Journalist*in, die nicht groß recherchieren wollte, war sie der erste und oft einzige Anlaufpunkt. Gibt halt in der Nähe ein Altersheim, eine Kita, aber kaum weitere Läden. Die Inhaber lebten stark von der Kundschaft rund um die Liebig 34. Niemand aus der Nachbarschaft war in der Presse häufiger zu hören als die Verkäufer*innen dort, am häufigsten, als der Polizei Hausverbot erteilt wurde. Den Besuch in der Bäckerei als besondere Rechercheleistung herauszustellen – lustig (und ignorant – oder sehr naiv).

  10. Da wollte jemand aber auch nur hören, was sie hören wollte. Wie kann man den Anspruch erheben, umfassend zu recherchieren, wenn man dann doch auch wieder nur die Leute in der Bäckerei getroffen hat und niemanden sonst? Übermedien, werdet Ihr hier zum Aktivist*innenmedium? Und wer ist diese „Journalistin“ überhaupt?

  11. In Teilen ein sehr richtige und wichtige Kritik der Berichterstattung. Was mich aber irritiert ist der Hufeisen-Subtext, der die Bewohner*innen des Hauses immer wieder eine womöglich vorliegende „Linksradikalität“ unterstellt, als täte das in der Frage irgendwas zur Sache. Disqualifiziert man sich qua Linksradikalität von der gesellschaftlichen Aushandlung, wie wir wohnen und leben wollen, oder vom Recht, ein Dach überm Kopf zu haben? Das klingt sehr nach diesem Extremismusverständnis als einer Abweichung der einzig legitimen gemäßigten Zone, die zu verlassen – ob nach links oder rechts – per se undemokratisch und deshalb unrecht sei. Damit werden in dem Interview leider zu einem gewissen Maße die Darstellungsweisen reproduziert, die zugleich kritisiert werden. Das finde ich etwas schade.

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