Wozu Entschuldigungen dienen

An irgendeinem Punkt in der Zukunft, sofern sie denn tatsächlich stattfindet, werden wir feststellen, dass kein Moment das Gefühl des Jahres 2020 so gut beschrieben haben wird wie jener in „Tenet“, in dem die Hauptfiguren sich einig werden müssen, ob das, was stattgefunden hat, tatsächlich stattgefunden hat. Sie verabreden, dass sie es dabei belassen wollen, „what happened happened“. Im Film müssen sie das verabreden, weil sie dort wahrscheinlich in der Lage wären, die Vergangenheit zu ändern.1)Ich bürge nicht einmal ansatzweise dafür, dass ich „Tenet“ in all seinen Möglichkeiten richtig verstanden habe. Das geht schon mit dem Titel los: Ich verstehe, dass er vorwärts wie rückwärts gelesen werden kann, aber „Ten“? Wo es doch um neun Dingsda geht? Im realen 2020 passiert nur einfach zu viel, das kaum zu glauben ist. Aber was passiert ist, ist passiert. Man kann nichts ungeschehen machen. Aber man kann sich entschuldigen, wenn man das denn kann.

Chefredaktion bittet Igor Levit und SZ-Leser um Entschuldigung
Screenshot: sz.de

Wir haben eine ulkige Woche hinter uns in Bezug auf Entschuldigungen, in der sich die Chefredaktion der „Süddeutschen Zeitung“ bei dem Pianisten Igor Levit und ihren Lesern für eine Polemik entschuldigt hat, die von vielen als unsachlich, beleidigend und potenziell antisemitisch verstanden wurde. Beim „Spiegel“ hingegen war man im Gegenteil ziemlich enttäuscht darüber, dass eine interviewte Virologin nicht darauf hingewiesen hatte, dass die ihr gestellten Fragen unsachlich, beleidigend und potenziell frauenfeindlich waren.

Bei der „Welt“, der FAZ und der NZZ findet man die Entschuldigung der „SZ“ falsch, als Einknicken vor einem Mob, oder wie Ulf Poschardt in der „Welt“ schreibt, „die Twitter-Brigade einer neuen linken Meinungsführerschaft“. Die besteht allerdings, das hat die „SZ“ ausführlich dokumentiert und dargelegt, offenbar aus einer Vielzahl der eigenen Leser und Redakteure.

Poschardts Problem ist aber offenbar gar nicht, wer sich da beschwert, sondern dass ein – nennen wir es für den Moment so – „Nachgeben“ bedeutet, dass diese Menschen nun anstelle der Chefredaktion „das Blatt führen“. Die Implikation ist, dass die journalistische Aufgabe letztlich jenseits von Befindlichkeiten des Publikums zu erledigen ist. Wenn Leser, Twitter-Brigaden oder sonstwer bestimmen würden, was in einer Zeitung steht und was nicht, braucht es keine Journalisten mehr, oder?

Ich glaube, da muss man ein bisschen sortieren.

Ich hoffe, wir sind uns einig, dass auch harte und polemische Kritik geäußert werden darf. Zum Beispiel darf Igor Levit selbstverständlich rechtsradikale Politiker polemisch angehen, wie er es auf Twitter tut. Und der Musikkritiker der „SZ“ Helmut Mauró darf Igor Levit polemisch angehen.2)Ob es sinnvoll ist, Igor Levit wegen seiner Twitterei als Pianisten abzuwerten, wie es Mauró meiner Einschätzung nach getan hat, ist eine andere Frage. Ich glaube nicht. Er hat das Recht, seine Meinung frei zu äußern, auch in verletzender Schärfe.

Wofür also entschuldigen sich also die Chefredakteure Judith Wittwer und Wolfgang Krach, womit sie ja potenziell ihrem Autoren in den Rücken fallen? Die implizite Behauptung ist ja, dass die echte Meinungsfreiheit in Gefahr ist, wenn man eben doch nicht schreiben darf, was man schreiben darf.

Wittwer und Krach schreiben:

„Viele unserer Leserinnen und Leser kritisieren diese Veröffentlichung scharf und sind empört. Manche empfinden den Text als antisemitisch, etliche sehen Levit als Künstler und Menschen herabgewürdigt. Auch er selbst sieht das so. Das tut uns leid, und deswegen bitten wir Igor Levit persönlich wie auch unsere Leserinnen und Leser um Entschuldigung.“

Es ist ein Musterbeispiel dafür, was eine Entschuldigung ist, und auch dafür, was sie nicht ist. Und sie zeigt, dass Wittwer und Krach das verstanden haben, meiner Meinung nach deutlich besser als ihre Kritiker.

Es geht nicht um die Vergangenheit, sondern die Zukunft

Die „SZ“-Chefredakteure entschuldigen sich nicht dafür, den Text „Igor Levit ist müde“ veröffentlicht zu haben. Sie bedauern die empfundene Herabwürdigung von Levit als Künstler und Mensch. Sie entschuldigen sich dafür, weil selbstverständlich in der „SZ“ kein Mensch herabgewürdigt werden soll. Wer das als Angriff auf die Meinungsfreiheit sieht, der sollte wahrscheinlich nochmal in dem Text lesen, der in Deutschland die Meinungsfreiheit vor staatlichen Eingriffen schützt, vielleicht findet sich da auch was zur Würde des Menschen.

Aber das ist noch nicht einmal der wichtigste Punkt. Denn der ist, dass ich glaube, viele Menschen verstehen das Prinzip der Entschuldigung falsch. Sie ist nicht dazu da, die Vergangenheit zu ändern. Wir leben nicht in „Tenet“. Was passiert ist, ist passiert. Eine Entschuldigung macht nicht die Vergangenheit besser, sie dient nur dazu, die Zukunft besser zu machen.

Wenn eine Vielzahl von Lesern und Redakteuren der SZ empfindet, ein Text in „ihrer“ Zeitung greife die Würde eines Menschen an, dann ist es zwingend für das Verhältnis in der Zukunft, diese Empfindung aufzugreifen. Harte Wahrheiten aussprechen und die Würde eines Menschen zu verletzen müssen zwei unterschiedliche Dinge sein, und da, wo es wie im vorliegenden Fall nicht gelungen ist, rechtzeitig vorher beide voneinander zu trennen, ist eine Entschuldigung nicht nur anständig, sondern nötig.

Die wahre Stärke einer Führung

Lustigerweise macht das die Führung der Chefredaktion nur wichtiger. Anders als Ulf Poschardt glaube ich nicht, dass die wahre Stärke einer Führung in der Unbeirrbarkeit liegt, sondern das Gesicht der menschlichen Fehlbarkeit zu sein. In einer Redaktion werden jeden Tag viele Entscheidungen in großer Geschwindigkeit getroffen, und selbst die Besten treffen nicht alle richtig. Ich glaube, es gibt unterschiedliche Naturen dabei, wie rabulistisch man redaktionelle Entscheidungen trifft, wie sehr man auf Krawall ausgelegt ist bei dem, was man noch ins Blatt hebt und was man schon vorher entschärft.3)Ganz abgesehen davon, dass manche Texte wahrscheinlich vor der Veröffentlichung nicht so intensiv gegengelesen werden, wie man es sich wünschen würde, als Leser und als Macher.

Ich habe ehrlich gesagt Freude an scharfer Auseinandersetzung. Igor Levit muss damit leben, kritisiert zu werden, auch polemisch. Aber die Würde des Menschen ist unantastbar. Und wenn ein Text wie hier der von Mauró an diesem Punkt zu Missverständnissen einlädt, dann ist es die Aufgabe der redaktionell Verantwortlichen, das gerade zu rücken. Die Entschuldigung von Wittwer und Krach ist ein Musterbeispiel dafür, wie es richtig geht.

Fußnoten

Ich bürge nicht einmal ansatzweise dafür, dass ich „Tenet“ in all seinen Möglichkeiten richtig verstanden habe. Das geht schon mit dem Titel los: Ich verstehe, dass er vorwärts wie rückwärts gelesen werden kann, aber „Ten“? Wo es doch um neun Dingsda geht?
Ob es sinnvoll ist, Igor Levit wegen seiner Twitterei als Pianisten abzuwerten, wie es Mauró meiner Einschätzung nach getan hat, ist eine andere Frage. Ich glaube nicht.
Ganz abgesehen davon, dass manche Texte wahrscheinlich vor der Veröffentlichung nicht so intensiv gegengelesen werden, wie man es sich wünschen würde, als Leser und als Macher.

17 Kommentare

  1. Solche Entschuldigungen empfinde ich als ein wenig fahl – gerade wenn sie sich unter Zuhilfenahme des Wortes „empfinden“ um eine Einordnung herumdrücken: Wenn Du meine Ohrfeige als Angriff empfunden hast, tut es mir leid.

    Und eine Ohrfeige hat Mauró Levit verabreicht, keine Frage. Dass er Levits Legato kritisiert – okay. Ich höre Levit gerne beim Klavierspielen zu, aber mir fehlt die Expertise, um über sein Legato zu urteilen. Dass er von Levits Polit-Tweets genervt ist – auch okay. Ich bin zwar oft einer Meinung mit Levit, aber besonders elaboriert ist es meist nicht, was er so twittert; eher links-liberale Standardhaltung.

    Maurós Subtext aber, dass sich hier ein pianistischer Minderleister mittels guter Kontakte und angepasster Gesinnung als große Musiker aufspiele – das ist schon ein Hammer. Carolin Emcke, der ich eigentlich eher kritisch gegenüberstehe, hat das schön herausgearbeitet:

    https://www.sueddeutsche.de/kultur/igor-levit-carolin-emcke-1.5087289?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

    Leseempfehlung mit Anmerkung: Emckes Parallelführung von Levit und Jean Améry geht nach hinten los. Nicht nur, weil Améry einer der wichtigsten kritischen Denker der alten BRD war, während Levit halt eine Meinung hat. Sondern auch, weil Levit zwar antisemitischen Ressentiments und Drohungen ausgesetzt ist, Amery jedoch von der Gestapo gefoltert wurde und als Häftling in Auschwitz durch die Hölle ging.

    Diese Erfahrungen lassen sich nicht in eins setzen, wie Emcke das tut: „So ist das auch bei Levit“? – Nee, Amerys „Narben“ waren von ganz anderer Natur.

  2. @KK:
    Warum soll man sich nicht kritisch mit der Person Levit befassen dürfen?
    Ob Levit ein musikalischer Minderleister ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Ein selbstvermarkterischer Bestleister ist er aber unbestritten.
    Es gibt nun nicht wenige Fachleute, die Levits musikalische Darbietungen z. B. deutlich unter denen Trifonovs einordnen, wobei letzterer öffentlich weit weniger hofiert wird.
    Warum? Weil Trifonov nicht bei den Grünen ist, weil er nicht FfF nachläuft, nicht die richtigen Leute kennt und nicht seine Befindlichkeit täglich bei Twitter ausstellt? Das zu hinterfragen, ist nicht nur legitim, ich erwarte das sogar von aufgeklärtem Journalismus.
    Insoweit hat mich die SüZ positiv überrascht.
    Aber die SüZ hat wohl die Diskursfähigkeit der Leserschaft über- und die Wirkmacht von Levits Netzwerk unterschätzt.
    In jedem Fall ist der Kotau albern. Man hat ja Mauros Text nicht motivationsfrei ins Blatt genievt. Dann sollte man auch dazu stehen.
    Levit kann gut austeilen, einstecken eher nicht. Davor muss keine Redaktion zurückweichen.

    Was nun Levits Hamburger Ermüdungs-Twitter-Pentalogie betrifft:
    Hat er sich zu Paris und Dresden geäußert?
    Nicht?

    Dann ist doch schon alles gesagt.

  3. @ANDREAS:
    Um das noch mal zu klären: Man darf sich mit der Person Levit auseinandersetzen, ebenso mit seiner musikalischen Leistung. Seine musikalische Leistung zu zerreissen, wegen der Person und vice versa, entwertet zunächst mal schon beide Kritiken.
    Wer das nötig hat, bemüht sich gar nicht erst um Objektivität, sondern entblösst niedrige Motivation. So wie Sie jetzt gerade auch. ( inklusive üblicher VT )

    Randbemerkung: Ich frage mich, wie viele Schlagerfreunde im Anschluss nun Levits „Legato“ kritisiert haben, ohne auch nur eine Ahnung zu haben, was das überhaupt ist.

  4. @ Andreas (#2):

    Ja, ja, genau – Levit kann „schlecht einstecken“! Zwar erhält er seit Jahren Morddrohungen, spielt unter Polizeischutz und hat sich zu Mauró gar nicht geäußert. Aber er kann „schlecht einstecken“. Echt jetzt?

    Und wieso ist „alles gesagt“, wenn Levit sich nicht zu Paris oder Dresden geäußert hat? Damit ist höchstens etwas über einen blinden Fleck in Sachen politischer Islam gesagt, den derzeit auch Leute wie Lobo, Kühnert und Bartsch an der linksliberalen Haltung kritisieren (endlich!) – sonst aber rein gar nichts über Levit als Person.

    Im Übrigen: Sie paraphrasieren eins zu eins den Mauró-Text, ersetzen aber „Mauró“ durch „nicht wenige Fachleute“. Auch die vermeintlichen Gründe für Levits Prominenz haben Sie dort abgeschrieben. Nun ist Levit für seine politische Haltung erst bekannt, seit er 2018 seinen Echo zurückgab – was ihm ohne Frage Aufmerksamkeit weit über die Klassik-Gemeinde hinaus beschert hat. „Einen der großen Pianisten unseres Jahrhunderts“ nannte ihn die FAZ aber schon 2010.

    Auch ich habe Levit ganz politikfern schätzen gelernt: Durch den Podcast „32 Mal Beethoven“ (den ich jedem nur empfehlen kann). Der war auch ein Stück PR – nämlich für die von ihm eingespielten Sonaten. Aber ist das schlimm, wenn man beste, musikalische Bildung mit etwas Werbung in eigener Sache verbindet? Dann wären auch Bernstein und Karajan Blender gewesen, die haben das nämlich auch gemacht.

    Ich weiß nicht, ob Levit „der größte“ oder auch nur „ein großer“ Pianist ist – ein sehr guter ist er auf jeden Fall. Ihn als Schaumschläger abzutun, der sich seinen Ruhm mittels Twitter und „Netzwerk“ kunstfremd erschlichen habe, hat wenig mit „Diskursfähigkeit“ zu tun, viel mit Missgunst und Gehässigkeit.

    Man kann sowohl Levits politische Haltung als auch die Entschuldigung der SZ kritisieren, ohne Levit als Mensch und Musiker zu diskreditieren. Wie das geht, zeigt Jan Brachmann in der FAZ – dessen Argumente gegen die Entschuldigung ich überzeugender finde als Pantelouris‘ Argumente dafür:

    https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/die-sueddeutsche-zeitung-entschuldigt-sich-bei-igor-levit-17013081.html

  5. Verschiedene Leute, die sich mutmaßlich besser auskennen, meinten, dass mehr oder wenig niederschwelliger Antisemitismus bei der SZ kein Einzelfall sei.
    Wenn das so ist, ist eine Entschuldigung nutzlos – natürlich können Menschen, die hauptberuflich mit Wörtern arbeiten, Worte so zusammenstellen, dass das wie eine ehrliche Entschuldigung aussieht, aber dafür kann man sich nichts kaufen. Taten zählen mehr als Worte, und man muss abwarten, ob dergleichen wieder vorkommt.

  6. @ Mycroft (#5):

    Ja, z.B. druckte die SZ 2012 – wenn ich mich recht entsinne auf der Titelseite – ein ziemlich absurdes Gedicht von Günter Grass ab, worin dieser behauptete, Israel wolle das „iranische Volk auslöschen.“ Sagen wir mal so: Die sind einschlägig vorbelastet.

    Auch damals schon gab es aber den Entschuldigungs-Move (nichts Neues unter der Sonne). Man interviewte hinterher z.B. Micha Brumlik zu dem Thema:

    https://www.sueddeutsche.de/kultur/micha-brumlik-zum-guenter-grass-grass-ist-kein-antisemit-bedient-sich-aber-antisemitischer-deutungsmuster-1.1328656

  7. Mauro greift ad hominem Levit als Musiker und politischen Menschen an => keine cancel-culture
    Leserbriefe, Twitteraccounts, Redaktionsmitglieder kritisieren daraufhin heftig die SZ => cancel-culture ( nach Poschardt )
    Bild Pittbull für Arme, Schuler, greift daraufhin wiederum Levit an, um Mauro den Rücken zu stärken und versucht ein wenig dem „Don Aphonso Flair“ in Twitter nachzueifern und ebenfalls einen shitstorm zu generieren => keine cancel-culture
    @ebonyplusirony antwortet an Schuler mit „Halt die Fresse“ => cancel-culture
    Einige rechtsauslegende Journalist:innen steigen in den Sturm der Entrüstung gegen @ebonyplusirony mit nachweislichen Falschaussagen ( „würde so einen Ton nie benutzen“ ) und Retweets von vorgeblichen Linken Twitter Accounts ( die aber ansonsten nur Naszikram posten ) und entfesseln einen Shitstorm der härteren Qualität ( inklusive Drohungen gegen Familie/Kinder ) => keine cancel-culture
    Linke Solidaritätstweets trenden #HALTDIEFRESSEBILD => cancel-culture.

    So in etwa richtig dargestellt, Anti-Links Fanblase?

    Der Beliebigkeit sind mal wieder keine Grenzen gesetzt. @ebonyplusirony hat sich erstmal bis nach Weihnachten auf Twitter verabschiedet, ohne Erklärung.

  8. Hm, irgendwie weiß ich gar nicht, wohin der Artikel von Mauro überhaupt gehen soll. Soll da Kritik daran geübt werden, dass Levit viel seiner Popularität nicht durch sein Klavierspiel, sondern durch seine anderen Aktivitäten erlangt, indem man ihn mit Trifonov vergleicht? Falls das ein Aspekt ist, dann ist er für mich völlig aus der Zeit gefallen. Als herausragender klassischer Pianist allein erlangt man in Deutschland wohl keine große Popularität, dazu ist klassische Musik einfach nicht populär genug. Das kann man nun in irgendeiner Weise unfair finden, aber dazu fielen mir dann noch beliebig viele andere Beispiele aus der Musik ein, wo es ähnlich ist und die vermeintlich größeren Künstler teils viel weniger Aufmerksamkeit bekommen, als in meinen Augen deutlich schlechtere. Das ist insofern keine Neuigkeit und auch in keinster Weise bemerkenswert.

    Will er Levits Twitter-Kommentare in ihrem Stil kritisieren? Das blitzt ja auch etwas durch. Sowas kann man gerne tun, aber dann sollte man das etwas genauer analysieren, weil ich da als Nichtkenner seiner Tweets nun auch nicht schlauer geworden bin.

    Insgesamt wirkt der Kommentar von Mauro sehr ungeordnet. Das Motiv seiner Kritik ist für mich seit Jahrzehnten bekannt und belanglos und damit bleibt für mich in der Intention eine Abrechnung mit Levits Person. Kann man machen, aber warum man ausgerechnet einen der wenigen halbwegs populären jüdischen Künstler in Deutschland, der sich prominent gegen Fremdenhass und Antisemitismus stellt, angeht, erschließt sich mir nicht so ganz.

  9. @8 Cancel Culture ist nicht, wenn man eine Meinung angreift, sondern wenn man versucht die Veröffentlichung dieser Meinung einzuschränken. Die Grenze ist natürlich oft fließend und wird je nach politischer Gesinnung ausgelegt.

    „Halt die Fresse“ ist daher schon wortwörtlich Cancel Culture.

  10. Ja, z.B. druckte die SZ 2012 – wenn ich mich recht entsinne auf der Titelseite – ein ziemlich absurdes Gedicht von Günter Grass ab

    Meinten Sie dieses, mit letzter Tinte geschriebene Machwerk?
    Dann ist absurd höflich untertrieben.

    Im Übrigen ist Maurós Artikel gut. Oder schlecht. Oder „sehr ungeordnet“.
    Eins ist er auf jeden Fall nicht: Antisemitisch!

  11. Sorry, aber den Beitrag im Volksverpetzer könnte man mit zwanzig geänderten Worten komplett umdrehen. Zitat: „Das ist reines Lagerdenken, Whataboutismen und Täter-Opfer-Umkehr.“ Passt halt für beide Richtungen. Und wenn wir von reframing auf den Levit-Beitrag reden, dann frage ich mich, ob die Aufregung eigentlich reframing ist, um vom linken Antisemitismus abzulenken. Aber das ist natürlich auch Reframing. Vielleicht können wir uns einfach einigen, dass es ok. ist, wenn beiden Seiten reframen. Und wir ansonsten alle versuchen, mal das zu verstehen, was die andere Seite sagt und meint. Man muss ja nicht zustimmen.

  12. #14: „Sorry, aber den Beitrag im Volksverpetzer könnte man mit zwanzig geänderten Worten komplett umdrehen.“

    Genau, einfach 20 andere Wörter benutzen und dann ’selber, selber‘ schreien. Nicht ganz neu, diese rechte Taktik, aber nett dass Sie noch einmal daran erinnern.

    Was man aus Ihrem Kommentar mit „20 anderen Wörtern“ wohl alles machen könnte?

    „Und wenn wir von reframing auf den Levit-Beitrag reden, dann frage ich mich, ob die Aufregung eigentlich reframing ist, um vom linken Antisemitismus abzulenken.“

    Jetzt wird’s dann aber kompliziert. War der Mauro-Artikel antisemitisch konnotiert oder nicht? Wenn ja, ist Mauro ein Linker? Und war der Artikel nicht antisemitisch konnotiert aber die Veröffentlichung scho, und wenn ja, wie geht das denn? Und worüber regen Sie die rechten Levit-Kritiker und Mauro-Verteidiger eigentlich auf?

  13. @Frank Möller
    „Cancel Culture ist nicht, wenn man eine Meinung angreift, sondern wenn man versucht die Veröffentlichung dieser Meinung einzuschränken. […]
    „Halt die Fresse“ ist daher schon wortwörtlich Cancel Culture.“

    Das heisst also, wenn jemand mit der Medienmacht eines Milliardenschweren Verlages im Rücken und Unterstützung blendend organisierter rechter social media Troll Truppen, den Twitteraccount einer Comedian zum Abschuss frei gibt, dann ist das Meinungsäußerung ( auch wenn das Ergebnis zumindest das vorrübergehende Canceln dieses Twitterauftritts ist ), wenn aber diese Comedian „Halt die Fresse“ schreibt, wobei jedem bewußt ist, dass das zu keiner Millisekunde Stillstand dieser Medienkrake führt, dann ist das aber dennoch Cancel-Culture?

    So weit, so bescheuert.

  14. „War der Mauro-Artikel antisemitisch konnotiert oder nicht? Wenn ja, ist Mauro ein Linker?“ Nuun, „konnotiert“ stellt ja nur auf die Empfängerseite ab, die Frage wäre eigentlich, ob Mauro das antisemitisch _meint_ (oder unterbewusst so viele antisemitische Vorurteile hätte, dass das „von alleine“ geschrieben wird). Spontan würde ich sagen, eine fragwürdige Formulierung alleine macht noch keinen Antisemitismus, aber irgendwann wird ein gewisser Schwellenwert erreicht. Und außerdem gibt es eine Redaktion auch deshalb, damit jemand sagt: „Ist egal, ob DAS antisemitisch gemeint ist oder nicht, es klingt aber so, und das wollen wir nicht in unserer Zeitung.“
    Insofern ist egal, ob Mauro links ist oder rechts.

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