Den Weißer-Mann-Standard zu überwinden, ist mühsam – aber möglich

Hinweis: Die Begriffe „Comics“, „Cartoons“ und „Karikaturen“ werden lediglich der einfachen Lesbarkeit wegen synonym verwendet. Don’t @ me!

Die neunziger Jahre. Obwohl der kleine Ali die meisten Witze noch nicht kapiert, könnte er sich einen Film immer wieder anschauen: „Police Academy – Dümmer als die Polizei erlaubt“. Lange wusste er nicht, was ihn so faszinierte. Doch Ali wurde größer und studierte irgendwas mit Medien. Heute ist er sich sicher: Du magst den Film immer noch so sehr, weil in der Handlung lauter Schwarze Menschen vorkommen. Schwarze Menschen in positiven Rollen. Bilder haben Macht.

Das wird man ja wohl noch malen dürfen!?

Wie der Duden den Sprachgebrauch nicht nur dokumentiert, sondern immer auch manifestiert, tragen Bilder dazu bei, gesellschaftliche Vorstellungen zu tradieren und nicht zuletzt zu zementieren. Welche Bedeutung ein diverser Cast wie der in Police Academy für mich haben würde, sollte ich zwar erst sehr viel später verstehen lernen. Doch seither ist die Vielfalt – genauer: deren Abwesenheit – in den Medien ein ständiger Begleiter. Bis heute.

Vor ein paar Tagen. Der Cartoonist Joscha Sauer, Schöpfer der „Nicht Lustig“-Cartoons, veröffentlicht auf Twitter einen Thread, in dem er die fehlende Diversity in Cartoons thematisiert. Und gleich zu Beginn unterläuft ihm ein Fauxpas. Bebildert ist das Thema mit den bekannten niedlichen Yetis, die alle ein unterschiedliche Haut- bzw. Fellfarbe haben. Schöne Sache. Allerdings: Ein Yeti ist grün.

Eine unwirkliche Fellfarbe als Marker für Diversity Cartoon: Joscha Sauer

Gut gemeint und doch ein Sprung ins Fettnäpfchen. Warum, dazu später mehr.

Sauer macht sich ernsthaft Gedanken über den Stand der Diversität in der deutschen Cartoonlandschaft. Über den Daumen gepeilt geht er davon aus, dass rund 90 Prozent der deutschen Cartoonisten weiß und männlich sind, was unweigerlich Auswirkungen auf die gezeichneten Themen habe: „Diese Situation trägt natürlich extrem dazu bei, dass wir in diesem Weißer-Mann-Standard als Cartoonfigur hängen.“ Dabei nimmt er sich nicht aus. Denn als Zeichner merke er, dass er manchmal davor zurückschrecke, weibliche Hauptfiguren und Figuren mit anderer als der weißen Hautfarbe zu zeichnen,

„weil sie durch das „Brechen der Norm‘ beim Leser dazu führen, dass in dieser Abweichung ein Teil des Witzes oder irgendeine Botschaft gesucht wird.“

Ein Henne-Ei-Problem, für das Sauer keine Lösung sieht. Das Dilemma aufzulösen ist allerdings gar nicht so schwer; und doch aufwendiger als erhofft.

Die Norm ist tot, lang lebe die Norm!

Cartoons leben in erheblichem Maß davon, gesellschaftliche Normen zu brechen, sind damit aber auch abhängig von deren Existenz. Ein bildhafter Gag, zumal in einem Ein-Panel-Cartoon, funktioniert am besten, wenn die Betrachterin die Pointe schnell entschlüsseln kann. Das klappt besonders gut mit Stereotypen.

Ein Beispiel. In unserer Gesellschaft kennen wir den Weihnachtsmann als ältere, korpulente Person mit Rauschebart und roter Winterkleidung. Und noch das kleinste Kind weiß: Der Geschenkebringer ist Mann. Ein Gender-Witz ist da in Joscha Sauers Cartoon „Weihnachtsperson“ eine sichere Bank. Die Weihnachtsperson ist geschminkt, trägt Pumps und hat einen Busen. Es wird deutlich: Der Weihnachtsmann ist jetzt eine Frau. Der Witz funktioniert, weil hier die beiden sozialen Geschlechter Mann und Frau gegenübergestellt bzw. miteinander vermischt werden. (Nachtrag, 25. Juni. Andere finden die Darstellung problematisch, weil sie transfeindlich verstanden werden kann. Mehr dazu in den Kommentaren.)

Cartoon: Joscha Sauer

Das Stilmittel der Opposition ist nur eine von vielen Möglichkeiten, derer sich Cartoonisten bei ihrer täglichen Arbeit bedienen. Beliebt und besonders anfällig für Konflikte sind daneben die Stilmittel der Vereinfachung und Verzerrung. Cartoons – und mehr noch Karikaturen – müssen Sachverhalte extrem verdichten, um alle Informationen auf wenigen Bildern oder auch nur einem einzigen unterbringen zu können.

Zusammenstoß verschiedener Erfahrungswelten

Stereotypen und Klischees. Das muss unweigerlich zu Ärger führen. Wie andere satirische und künstlerische Formate haben Cartoons für gewöhnlich einen weiter gefassten Raum des Sagbaren. Hier ist möglich, was in gewöhnlichen Zeitungsartikeln und Fernsehsendungen nicht erlaubt ist. Das systematische Herantasten und auch Überschreiten von Grenzen verläuft nicht reibungslos. Was eine soziale Gruppe witzig findet, kann eine andere in höchstem Maße verärgern und – ob verdient oder nicht – eine Welle des Protestes auslösen.

Die Geschichte hat gezeigt, dass Bilder sich vortrefflich dazu eignen, rassistische Stereotype zu transportieren und zu reproduzieren. Das geschieht zum Beispiel in antisemitischen Karikaturen, aber auch immer wieder in den Zeichnungen von Greser & Lenz. Aber um solche Wiederholungstäter, bestenfalls ignorante, schlimmstenfalls bösartige, soll es hier nicht gehen. Cartoons können auch weniger offensichtliche Rassismen vermitteln, die trotzdem genauso schmerzhaft sind.

Der grüne Yeti. Joscha Sauer erklärt: „Mein Gedanke dazu war, falls sich jemand in den abgebildeten Farben nicht repräsentiert sieht, sollte durch diese unreale Farbe symbolisiert werden, dass jede Farbe willkommen ist.“ Das ist aus weißer Perspektive nachvollziehbar. Aber es kann schmerzhafte Erfahrungen bei Schwarzen Menschen triggern. „Ob weiß, schwarz, lila oder kariert: Mir egal, wie die Leute aussehen“, ist nämlich ein von Weißen gern bemühter Satz, um Rassismuserfahrungen verächtlich zu machen und Schwarze Menschen zum Schweigen zu bringen: Deine Rassismuserfahrungen sind so real wie ein purpurfarbenes Alien. Außerdem sind für mich sowieso alle Menschen gleich, denn ich sehe keine Farben.

Das Problem: Wer keine Farben sehen will, sieht auch keinen Rassismus. Sauer hat verstanden, dass der grüne Yeti sein eigentliches Anliegen konterkariert, „weil es momentan nicht so aussieht, als würde sich die Palette der Hautfarben in nächster Zeit um Grün erweitern.“

Ich persönlich kann darüber hinwegsehen, bei mir überwiegt der Niedlichkeitsfaktor der Yetis. Aber ich kann jede Person nachvollziehen, die sich da verarscht fühlt.

Joscha Sauer wirft die Frage auf, in welchen Cartoons man Schwarze Menschen darstellen könnte, ohne dass es zu Fehlinterpretationen kommt, und manchmal ist die Antwort ganz leicht. DA! AUF! KEINEN! FALL!

Nicht lustig, wenn der Mann Schwarz wäre Cartoon: Joscha Sauer

Der Urgroßvater-Cartoon ist lustig, würde mit einem Schwarzen Akteur aber unweigerlich zu einer Demütigung Schwarzer Menschen führen. Die Verbindung und viel zu häufig auch Gleichsetzung Schwarzer Menschen mit Affen ist so alt wie die wissenschaftliche Legitimation des Sklavenhandels und findet sich noch heute vielfach im rassistischen Denken weißer Menschen. Ob in der Schule, im Profifußball, auf Arbeit: Überall sehen sich Schwarze Menschen mit Beschimpfungen und Affenlauten konfrontiert, die sie, egal welche Leistung sie bringen, immer wieder und mit voller Wucht an den für sie in der Gesellschaft reservierten Platz katapultieren sollen: ganz unten.

Dass das nicht geht, versteht sich von selbst. Schwieriger wird die Frage bei dem von Sauer angesprochenen Fall von Ronnie. Könnte Ronnie eine Schwarze Person sein?

Cartoon: Joscha Sauer

Ja, aber.

Ein Schwarzer Ronnie wäre nicht so brutal und eindeutig wie Affen-Cartoon. Allerdings kann der Eindruck entstehen, dass es okay wäre, Schwarze als Laborratten zu benutzen.

Im April hatten zwei französische Mediziner einen Shitstorm kassiert, nachdem sie in einer Talkshow sagten, man sollte einen Corona-Impfstoff in Afrika testen: „Sollten wir diese Studie nicht auch in Afrika durchführen, wo es keine Masken, keine Behandlungen, keine Wiederbelebungsmethoden gibt?“ Es gibt keine Masken, Behandlung oder Wiederbelebung in Afrika? In ganz Afrika? Oder nur in der Vorstellung der Mediziner? Africa is not a country!

Und was wäre, wenn im Cartoon die Patientin Schwarz wäre? Weniger problematischer als Ronnie, kann aber unter Umständen traumatische Erfahrungen bei Menschen auslösen, die keine adäquate medizinische Behandlung erhalten – weil sie Schwarz sind. Nichtweißen Migranten wird oft nachgesagt, dass sie eine besonders geringe Schmerztoleranz hätten. Unter Medizinern wird diese rassistische Zuschreibung verschlüsselt unter dem Begriff Mittelmeersyndrom bzw. Morbus Mediterraneus. Wenn deine Ärztin denkt: „Typisch Ausländer, stellt sich immer so an“, dann ist das Risiko hoch, dass du ohne Behandlung oder mit einer Fehldiagnose wieder weggeschickt wirst. In dem Cartoon geht es eigentlich um die Verkürzung der Wartezeit, aber es zeigt sich vortrefflich, wie sich verschiedene Interpretationen überlagern können.

Aber der Arzt, der könnte doch Schwarz sein, oder? Exakt! In diesem Cartoon wäre das die eleganteste Lösung. Erstens verstehen wir den Arzt als Person mit hoher fachlicher Expertise, in dieser Rolle eine Schwarze Person zu sehen, setzt ein Zeichen. Zweitens funktioniert der Witz in dieser Konstellation für alle.

Für alle? Na gut, vielleicht nicht für alle. Viele Menschen dürften nämlich krampfhaft nach einer Bedeutung für einen Schwarzen Arzt suchen. Schließlich sind Ärzte weiß. Und wenn nicht, dann müsste man die „ganze Geschichte erzählen“, „damit das Publikum auch versteht, warum der Schwarze so gut Deutsch spricht“.

Dass Schwarze Haut in Medien und Gesellschaft nicht als normal gedacht wird, liegt vor allem auch daran, dass wir weiße Haut nicht mitdenken. Sie ist so normal, dass wir sie weder hinterfragen, noch überhaupt sehen.

Instrumentalisierung von Missverständnissen

Südafrika 2008. Jacob Zuma, damals noch nicht Präsident des Landes, steht unter Korruptionsverdacht. Die Anklage wirft ihm unter anderem vor, in fast 800 Fälle von Betrug und Geldwäsche verstrickt zu sein. Kurz vor der umstrittenen Einstellung des Verfahrens veröffentlichte die Sunday Times eine Karikatur des südafrikanischen Cartoonisten Zapiro, die als „Rape of Justice“ Berühmtheit erlangen sollte. Sie löste eine Debatte nicht nur über Jacob Zuma und das südafrikanische Justizsystems aus, sondern auch über Medienfreiheit.

Zapiros Cartoon: Rape of Justice

Das Bild zeigt, wie Jacob Zuma und seine Verbündeten das Justizsystem bedrohen, durch die Metapher einer bevorstehenden Vergewaltigung.

Zapiro wurde vorgeworfen, dass er Vergewaltigungen trivialisieren würde. Gerade in einem Land, in dem Gewalt gegen Frauen im Allgemeinen und sexuelle Übergriffe im Besonderen weit verbreitet sind, hätte Zapiro wissen müssen, dass diese Art der Darstellung nicht unkommentiert bleiben würde. Andererseits ist hier die Darstellung des Schwarzen Mannes als „sexual predator“ von herausgehobener Bedeutung; eine Zuschreibung, die in der rassistisch begründeten Angst weißer – vor allem! – Männer liegt, dass Schwarze über ihre weißen Frauen herfallen könnten. Wenn man als Schwarzer Mensch mit dem Bild des Sextäters aufwächst, kann man diese Zeichnung nicht betrachten, ohne gleichzeitig daran erinnert zu werden, dass es da draußen Menschen gibt, die einen für eine zugeschriebene Potenz hassen und vielleicht sogar umbringen könnten.

So gesehen ist der Cartoon zwar eindeutig in seiner Botschaft, aber auch sehr stark mit verschiedenen Bedeutungen aufgeladen. Die politischen Kontrahenten nutzten in der Folge diese an sich nicht intendierten Bedeutungen, um die Darstellung Zapiros bzw. ganz allgemein die berechtigte Kritik an Jacob Zuma und seinen Verbündeten zu delegitimieren.

Und wenn Cartoonisten einfach weniger Elemente zeichnen, wird es dann eindeutiger? Nicht unbedingt.

Zapiros Cartoon: Julius Malema zieht die Race Card

Abgebildet ist Julius Malema, zum Zeitpunkt der Veröffentlichung Präsident der südafrikanischen ANC-Jugendorganisation ANCYL. Er fordert dazu auf, eine Karte zu ziehen, irgendeine Karte – aber es ist ohnehin jede einzelne eine „Race Card“. Der Hintergrund: Malema ist dafür bekannt, Kritik an ihm oder anderen Schwarzen Politikern mit dem Vorwurf zu kontern, die Kritiker seien rassistisch.

Allerdings: Wenn Schwarze Rassismus ansprechen, behaupten Weiße oft, diese würden doch nur die Rassismuskarte ziehen, womit sie normalerweise jede weitere Diskussion ersticken. Auch ein an sich einfaches Bild schützt also nicht davor, dass es (mutwillig) anders gelesen wird, als vom Zeichner gedacht.

Dabei muss noch nicht mal absichtlich fehlinterpretiert werden. „Ich habe so oft erlebt, dass in Cartoons von mir Gesellschaftskritik oder Bezüge zu aktuellen Themen interpretiert wurden, ohne dass das jemals meine Absicht war“, sagt Joscha Sauer. „Alles was in einem Ein-Bild-Cartoon gezeigt wird, hat plötzlich eine Bedeutung. Das macht es schwierig, Diversität als Normalität abzubilden, wenn man nur einen albernen Witz machen möchte.“

Was also tun? Andere Geschichten erzählen, um ohne Klischees auszukommen? Schlechte Idee. Damit blieben Schwarze Menschen in normalen Geschichten weiterhin so selten wie ein Einhorn im Baumarkt. Das Problem wird nicht über Nacht zu lösen sein.

Wie kommen wir aus dem Schlamassel?

Um eine diverse Cartoon-Landschaft zu ermöglichen, braucht es verschiedene Ansätze und einiges an Durchhaltevermögen. Schließlich sind die Stereotype auch nicht über Nacht entstanden. Vier Ideen.

1. Kritisch hinterfragen

Cartoonisten könnten sich Gedanken darüber machen, warum ihre Figuren immer weiß, fast nie Frauen und niemals körperlich behindert sind. Sie könnten sich kritisch hinterfragen: Könnte ich das bei der nächsten Zeichnung anders machen? Was spricht dafür, was dagegen? Einen guten Anfang hat Joscha Sauer gemacht. Im Hintergrund werden mittlerweile vermehrt nichtweiße Personen dargestellt. Und in diesem aktuellen Cartoon ist die Hauptfigur Schwarz:

Cartoon: Joscha Sauer

Zwar bin ich beim Anblick kurz zusammengezuckt, weil ich mich sofort an die vielen Beschimpfungen erinnert habe, die schon während meiner frühesten Kindheit Schwarze Haut in die Nähe von Ausscheidungen gerückt haben. Aber letztlich überwog die Freude, einen Schwarzen Charakter zu sehen. Nur wenn Figuren, die nicht der gesellschaftlichen Norm entsprechen, sukzessive eingefügt werden, haben sie eine Chance, doch irgendwann zur Normalität zu werden. Für die Zukunft dürfte sich damit das Risiko verringern, einer Figur mit „anderer“ Hautfarbe eine Bedeutung beizumessen, die so nicht geplant war. Eine Garantie besteht freilich nicht.

2. Bewusst(er) netzwerken

Cartoonisten sollten aktiver daran arbeiten, ihre Netzwerke diverser zu gestalten, damit sie mehr Einblicke in andere Sichtweisen erhalten. Kürzlich etwa fragte der Zeichner der „Islieb?“-Comics auf Twitter nach Empfehlungen von Personen, die ebenfalls zeichnen, aber bisher nur wenig bekannt sind. Darauf gab es einige schöne Antworten; und – ganz untypisch für Twitter – nur eine unverschämte.

Das lässt sich ausweiten. Ein Blick über Landesgrenzen hinaus und vielleicht auf andere Kontinente kann hinsichtlich Diversity inspirierend sein. Schaut man sich etwa Zapiros Darstellungen der Justitia an, stellt man schnell fest, dass sie je nach dem Thema immer mal wieder unterschiedlich aussieht. Einmal ist Lady Justice eine Schwarze Frau, dann ist sie wieder weiß. Warum sollte das nicht auch für deutsche Cartoons möglich sein? Für Cartoonisten ergibt sich darüber hinaus auch noch die Möglichkeit, sich mit Menschen mit anderen Lebenserfahrungen auszutauschen, um Tipps für die Darstellung von Themen zu bekommen.

3. Sichtbarkeit von Minderheiten erhöhen

Das kritische Hinterfragen des eigenen Schaffens sowie die Erweiterung der Netzwerke sind das eine, bezieht sich aber eher auf das Wirken schon etablierter Cartoonisten. Daneben braucht es auch eine bessere Sichtbarkeit von Cartoonisten, die selbst nicht der Norm des weißen, heterosexuell gelesenen und nicht (sichtbar) behinderten Mannes entsprechen. Insbesondere weil Cartoonisten Themen nicht aus zig verschiedenen Perspektiven beleuchten können, brauchen wir Geschichten auch von Minderheiten.

Um die bekannter zu machen, könnten zum Beispiel Collabs ein Mittel der Wahl sein. Die Älteren erinnern sich: Vor ein paar Jahren gab es die legendäre Comicblogger-Schneeballschlacht, bei der Blogger Cartoons zum Thema zeichneten und sich gegenseitig verlinkten. Hilfreich wäre es dann aber, wenn die Platzhirsche nicht so bekannte Zeichner aktiv ansprechen würden. Nur weil jeder mitmachen darf, muss das nicht bedeuten, dass sich jede traut. Denkbar sind auch Formate wie Urlaubsvertretungen auf den Websites oder Social-Media-Kanälen bereits etablierter Cartoonisten. Es gibt einige gute Möglichkeiten, neue kreative Köpfe kennenzulernen.

4. Aushalten lernen

Aber hilft das alles, ganz sicher zu vermeiden, bei den Rezipienten andere Interpretationen als die intendierten hervorzurufen? Natürlich nicht. Daher mein letzter Tipp: Cartoonisten müssen lernen, Kritik auszuhalten. Wegen der Vielschichtigkeit von Cartoons, wegen der unterschiedlichen Erfahrungswelten oder weil Menschen auch einfach mal etwas nicht kapieren, wird es immer mal wieder Entrüstung geben. Das ist unangenehm, aber – meistens – okay. Der Cartoonist sollte bloß nicht einschnappen oder gar aufgeben, wenn er mal eine Schwarze Person gezeichnet hat und es danach – aus welchen Gründen auch immer – ein bisschen stürmischer wird.

Andererseits: Auch Rezipienten sollten nicht immer gleich erbarmungslos draufhauen, wenn sie mal nicht einverstanden sind – vor allem nicht, wenn ein Zeichner demonstriert hat, dass er – anders als Greser & Lenz – um ein diverses Cartoon-Universum bemüht ist.

Im Idealfall hat der Cartoonist Anregungen für die Zukunft erhalten, oder er verarbeitet die Empörung in späteren Cartoons. Genau wie Zapiro, der sich einst Anfeindungen ausgesetzt sah, nachdem er in einem Cartoon den Propheten Mohammed auf die Couch gelegt hatte. Eine Woche später lag Zapiro dann selbst beim Therapeuten auf dem Sofa: „Tough week?“ – „You have no idea!“

Mit Dank an Joscha Sauer für die freundliche Genehmigung, seine Cartoons hier zu zeigen.

72 Kommentare

  1. „Hinweis: Die Begriffe „Comics“, „Cartoons“ und „Karikaturen“ werden lediglich der einfachen Lesbarkeit wegen synonym verwendet.“

    Ich finds nicht gut, wenn ein Artikel, der sehr konkret sein will und soll und muss, gleich zu Anfang eingesteht, in Teilen schlampig zu sein. Das ist so, als würde man die Begriffe Film und Foto synonym verwenden, nur der Lesbarkeit wegen.

  2. @1: Nicht alles, was hinkt, ist auch ein Vergleich.

    „Cartoon“ und „Karikatur“ kann man hier problemlos synonym verwenden, allein schon deshalb, weil in der englischsprachigen Welt oft von „Cartoonist“ die Rede ist, wo wir im Deutschen „Karikaturist“ sagen würden. Und im Artikel geht es eben auch um einen englischsprachigen Cartoonisten/Karikaturisten. „Comic“ ist zumindest hier als Bezeichnung ebenfalls okay, weil etwa Comicblogger eben auch Cartoonisten genannt werden oder umgekehrt.

    Das so zu gestalten, halte ich für vertretbar, weil im gesamten Artikel deutlich wird, worum es geht. Es ginge freilich auszudifferenzieren, aber davon haben die Leserinnen nicht viel, weil die Grenzen ohnehin verschwimmen und Darstellungsformen sowie Stilmittel sich teilweise nur in Nuancen unterscheiden.

  3. Ich bin wohl zu weiß, um die Kritik am grünen Yeti zu verstehen. Kann das mal jemand versuchen, in anderen Worten zu erklären? I don’t get it.

  4. Schöner Artikel über die Schwierigkeiten in einer zutiefst rassistischen Gesellschaft ein antirassistischen Zeichen zu setzen ohne dies zum Hauptthema zu machen. Der Trigger (hier die dunkle Hautfarbe) löst sofort die rassistische Deutungsmöglichkeit aus.
    Übrigens auch wenn der Arzt im Beispiel dunkle Hautfarbe hätte, ich hatte sofort die Assoziation „Medizinmann“, weil der Arzt hier etwas Unprofessionelles tut. Dieser Eindruck bleibt sogar dann, wenn alle Personen dunkle Hautfarbe hätten.
    Dennoch halte ich es für sinnvoll, weitere Versuche dieser Art zu machen, schon allein um das rassistische Denken aufzudecken.
    Besiegen wird man Rassismus und Diskriminierung durch Cartoons eher nicht.

  5. @Gerhard
    ich nicht, aber dieses Buch fand ich (als Mensch mit weißer Hautfarbe) sehr erkenntnisstiftend:
    Reni Eddo-Lodge, Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche (Empfehlung bezieht sich auf das englische Original)

  6. Vielen Dank für diese gelungene Satire. Wie sie die Befindlichkeiten und das Triggern anhand der Cartoons ins geradezu groteske überzeichnet haben, ganz großartig!

  7. @6: „Triggern“ ist ein Giftschrankwort, weil Menschen mit posttraumatische Belastungsstörungen das lesen können.

  8. @Frank Reichelt: Ja, bloß keine Perspektiven von Menschen, die andere Erfahrungen haben als Sie, ernst nehmen oder auch nur auszuhalten, ohne einen gehässigen Kommentar dazu abzugeben.

  9. „nicht lustig wenn der mann schwarz wäre“ ….
    stimmt, wäre die zeichnung eine andere, wäre die bedeutung anders.

  10. @Stefan Niggemeier
    Ein grüner Yeti triggert?
    Ich meine, wenn die ganze Straße mit Fettnäpfchen ausgelegt wird, kann man ja nur noch hineintreten.
    Na ja, vielleicht ist das sogar die Absicht.

  11. Die eleganteste Lösung für dieses und viele andere Probleme scheint mir zu sein: Der Zufall. Wenn es keine Rolle spielt, ob eine Person schwarz oder weiß ist, wenn man also mit der Hautfarbe überhaupt nichts aussagen will, warum überlässt man dann die Entscheidung nicht dem Zufall und kommuniziert das entsprechend? Klar, dann wäre auch immer die Frage, ob man dem Zeichner oder Autor Glauben schenken mag, aber das ließe sich ja auch prinzipiell überprüfen, wenn man die verteilten Rollen auswertet. Ich glaube, wenn ich Autor oder Zeichner wäre, ich würde ein Programm schreiben, was unter möglichst vielen Gruppen (von unterschiedlichen Hautfarben, Ethnien, Sexualitäten, Identitäten, Geschlechtern, Altersklassen) auswählen kann. Natürlich kann das dann auch immer Konstellationen geben, die im ersten Moment problematisch wirken, aber das wäre dann halt zufällig so und damit an sich kein Problem.

  12. @Grundel: Weil das die Lebenswirklichkeit von Minderheiten verleugnet. Viele Minderheiten wurden früher oder auch heute noch ausgegrenzt und diskriminiert. Man kann nicht einfach jetzt ihre Andersartigkeit herunterspielen, obwohl sie in ihrem Leben so oft unterschwellig darauf hingewiesen wurden.

  13. @3 & 10:
    Ich versuch’s mal: Es gibt keine grüne Menschen.
    Es ist unsachlich, das Problem, das vornehmend schwarze Menschen betrifft auf einen fiktiven grünen Menschen zu übertragen. Es exisitiert kein Problem mit grünen Menschen, also ist die Erweiterung auf etwas Fiktives kein sachlicher Beitrag. Dass man dies als tatsächlich Betroffener als herabsetzend empfingen kann, verstehe ich. Man wird quasi mit einer fiktiven Gestalt verglichen und somit auch irgendwie selbst fiktionalisiert, bzw. die Probleme.
    Eigentlich steht es auch shcon viel pointierter im Text, was da konnotativ mitschwingt: „Deine Rassismuserfahrungen sind so real wie ein purpurfarbenes Alien“.

    Ich würde es leicht anders formulieren:
    „Deine Rassismuserfahrungen sind so real wie die eines nicht existenten, purpurfarbenen Aliens.“

  14. Danke Max, jetzt scheint es langsam bei mir anzukommen, aber ich komme über den Punkt der Spitzfindigkeit nicht hinaus. Es gibt auch keine Yetis, das könnte man ebenso ankreiden.

    Warum sich jetzt Menschen mit dunkler Hautfarbe eher mit dem grünen Yeti identifizieren statt dem dunklen, leuchtet mir nicht ein. Auch nicht, dass die Problematik mit dem Motiv auf einen fiktiven Menschen übertragen worden sei.

    Letzlich ist ja jede Interpretation irgendwie nachvollziehbar. In diesem Fall wäre doch entscheidend, ob die meisten von Rassismus betroffenen es auch so sehen oder ob es nur eine vereinzelte Interpretation ist. Interessanterweise habe ich das Bild auf Anhieb genau so verstanden, wie es gemeint war. Allerdings bin ich eben auch ein alter weißer Mann, der wohl voll darauf geeicht ist.

  15. @ Mona (12): Das Argument gilt für mich aber nur für funktionale Rollen. Aber generell gibt es ja auch eine Menge Rollen, wo die Hautfarbe schlicht egal ist – bspw. beim Arzt im obigen Comic.

    Es geht nicht darum, die durchschnittliche „Andersartigkeit“ in vielen Lebensumständen herunterzuspielen – die Aufarbeitung sozialer Missstände muss auch immer einen Raum haben. Es geht hier eher darum, dass man nicht andauernd festgefahrene Rollenbilder medial reproduzieren muss. Und genau das wäre in meinen Augen der Fall, wenn man immer nur entsprechende Unterschiede reproduzieren würde.

  16. @3
    Die Erklärung steht in Ali Schwarzers Artikel, wenn er schreibt:
    „Ob weiß, schwarz, lila oder kariert:Mir egal, wie die Leute aussehen“, ist nämlich ein von Weißen gern bemühter Satz, um Rassissmuserfahrungen verächtlich zu machen und Schwarze Menschen zum Schweigen zu bringen: Deine Rassismuserfahrungen sind so real wie ein purpurfarbenes Alien.

  17. @Grundel: Ich gebe dir da insofern recht, dass wir mehr Diversität brauchen, die nicht zum Thema gemacht wird, allerdings gibt es viele Serien und Filme, in denen dann stattdessen sehr bemüht jeder zweite Charakter ein Einwanderer aus Tuvalu oder der Mongolei ist, mit denen dann aber sogar der größte Nationalist keine Probleme zu haben scheint. Mir geht da Qualität vor Quantität.
    Dass aber die fast komplett weiße Medienlandschaft in D einfach nur ignorant ist, damit hast du absolut recht.

  18. @14:
    „Es gibt auch keine Yetis, das könnte man ebenso ankreiden.“
    Der Yeti, oder so gut wie jeder fiktionale Sauer-Charakter ist ja letztlich auch nur eine Mensch-Allegorie. Evolutionsbiologisch könnte man argumentieren, dass ein dunkles Fell in Schnee-Regionen sich wohl nicht durchgesetzt hätte – Analog Eisbär in Grönland, oder so.

    „Warum sich jetzt Menschen mit dunkler Hautfarbe eher mit dem grünen Yeti identifizieren statt dem dunklen, leuchtet mir nicht ein.“
    Die Aussage Sauers ist eine andere: „(…) falls sich jemand in den abgebildeten Farben nicht repräsentiert sieht, sollte durch diese unreale Farbe symbolisiert werden(…)“
    Ich vermute mal, schwarze Menschen werden sich durch das schwarze Fell repräsentiert fühlen.

    „Auch nicht, dass die Problematik mit dem Motiv auf einen fiktiven Menschen übertragen worden sei.“
    Letzter Versuch meinerseits, in ELI5 Version: Dunkelhäutige Menschen existieren. Grünhäutige Menschen existieren nicht. Wenn ich die realen Probleme dunkelhäutiger Menschen mit fiktiven Problemen grünhäutiger Menschen gleichsetze, fiktionalisiere ich die realen Probleme der dunkelhäutigen Menschen.

    Nicht böse gemeint, aber vielleicht weniger die eigene Hautfarbe als Tarnung für mangelndes Textverständnis nutzen?

  19. @20
    Es wird irgendwie nicht plausibler.
    Ich verkürze mal Ihr Statement:
    Wenn ich reale Probleme mit fiktiven Problemen gleichsetze, fiktionalisiere ich reale Probleme.
    Hä? Wir reden hier von Kunst.
    Hat Harper Lee mit ihrer erfunden Geschichte, in der Rassismus eine große Rolle spielt, reale Probleme fiktionalisiert oder reale Probleme in den Focus gerückt, das Buch ist seit Jahrzehnten Pflichtlektüre an vielen US-Schulen, darüber wird heute noch diskutiert.
    1999 starb Diallo, eine traurige Geschichte, die ganz viele Parallelen zu Georg Floyd aufweist.
    Springsteen hat daraus einen Song gemacht, indem er das Geschehene auf eine allgemeine Ebene hebt, aber gerade durch die wiederkehrende „41 shots“ Sequenz ist klar, dass er auf die 41 Schüsse anspielt, die Polizisten insgesamt auf den schwarzen Diallo abgefeuert haben.
    Dafür wurde er (als eigentlich unantastbare Ikone) massiv öffentlich angefeindet.
    Aber die schwarze Mutter Linda, die ihrem Sohn Charles in der zweiten Strophe erklärt, wie er sich zu verhalten hat, wenn die Polizei ihn anhält (höflich, Hände in Sicht halten, niemals wegrennen) ist keine reale Person. Deswegen werden reale Probleme nicht fiktionalisiert.
    Der grüne Yeti fiktionalisiert kein reales Problem.
    Mit der Erklärung, die Ali Schwarzer dafür selbst hat, erinnert er maximal an Menschen, die reale Probleme fiktionalisieren wollen.
    Damit der grüne Yeti diesen Effekt überhaupt auslösen kann, muss der Betrachter aber über einschlägige Erfahrungen verfügen, sonst stört der grüne Yeti überhaupt nicht.
    Ali Schwarzer macht überhaupt keinen Hehl daraus, aus welcher Perspektive er interpretiert. Er nennt sogar andere Interpretationen, die er als nachvollziehbar bezeichnet, wenn der Betrachter in dem Fall nicht über einschlägige Erfahrungen verfügt. Er bewertet die andere Interpretation auch nicht als gut, schlecht, richtig oder falsch.
    Er stellt eine Interpretation aus seiner Perspektive da, die eine Gruppe von Leuten mit unangenehmen Erfahrungen erneut mit diesen konfrontiert.
    Klar, sein Stil ist schon sehr pointiert, aber im Gegensatz zu einigen Kommentaren will er seine Perspektive nachvollziehbar machen, zeigen, dass es diese auch gibt, aber nicht zum allgemeinen alleingültigen Gesetz erheben.

  20. Ganz subjektiv:

    Wäre ich Karikaturist, Comic-Zeichner oder was auch immer in dieser Art, wäre ich vermutlich äußerst vorsichtig und zurückhaltend damit, Schwarze zu zeichnen.
    Warum? Weil ich Angst vor Fehlern hätte. Angst etwas zu zeichnen, was irgendjemandem als unangemessen oder gar rassistisch anmuten könnte. Weil ich trotz intensiven Nachdenkens womöglich irgendeinen potentiellen Bezug oder irgendeine potentielle negative Bezugsmöglichkeit übersehen und mich dann auf der öffentlichen moralischen Anklage-Bank wiederfinden würde. Oder, wenn ich ganz viel Pech habe, vielleicht sogar in der Rassismus-Ecke.

    Und wenn ich doch den Mut hätte, Schwarze gar in echten Karikaturen zu zeichnen, so würde ich doch jedenfalls alle Zeichnungen, in denen jemand lächerlich oder absurd wirkt oder unvorteilhaft überzeichnet wirkt, für Weiße reservieren. Nicht, weil ich glauben würde, dass dies im Sinne eines emanzipatorischen Anliegend angemessen wäre, sondern erneut aus Furcht vor negativen Reaktionen.

    (Und nein, mit der Schilderung meiner hypothetischen Befürchtungen beanspruche ich nicht, ein „Opfer“ zu sein.)

  21. Warum schaffen wir nicht einfach die Kunst, Geschichte und alles, was irgenwie mit „Kultur“ zu tun haben könnte, ab?
    Stereotype sind schlecht, reale Probleme als fiktional darstellen ist schlecht, Fantasien sind schlecht und Dinge von früher (egal ob Buch oder Gedicht) auch.

    Es wird zensiert, verboten und angefeindet. Allerdings seltsamerweise nur, was mit gefühlten Problemen aktueller Minderheiten zu tun hat.
    „Mein Kampf“ wurde relativ kommentarlos mit Anmerkungen versehen, da ging es nämlich nur um Juden. Bei Pippi Langstrumpf, vom Winde verweht und Otto geht es aber um Schwarze, deshalb muss das verboten und zensiert.
    Also ihr (wer auch immer) als „die Guten“ wisst schon zu differenzieren zwischen relevanten Minderheiten und unwichtigen.

    Über die Katholiken waren wir noch erzürnt, weil sie Genitalien von griechischen Statuen geschlagen haben, aber Demonstranten werden gefeiert, wenn sie heutige Statuen ins Wasser werfen.
    Ihr seid die Guten und wisst, was Richtig und Falsch ist. Was Kultur ist und was Zensur.

    Warum schaffen wir Kultur nicht einfach ab? Wir löschen einfach alles und zerstören alles – wie es ja auch der ISIS tut – und leben mit dem, was wir für richtig halten. Nicht nach Mehrheitsprinzip, sondern nach Minderheitsprinzip: Das heisst, die kleinste gemeinsame Gruppe trifft die endgültige Entscheidung.

    Ja, das könnt ihr jetzt als Trollen bezeichnen und es euch damit schön einfach machen. Oder als Hitler-Vergleich diffamieren, damit ihr nicht drüber nachdenken müsst.
    Oder erklären, wo der Unterschied ist. Nicht in den angeblich so heroischen Argumenten, sondern im Resultat.

    Egal ob Katholiken, ISIS oder ihr: Alle argumentieren mit dem gleichen Schema, nämlich dass das was gerade verboten oder zensiert wird (und sei es nur im Kopf) schlecht ist und dass es deshalb richtig ist, es zu zensieren, zu verbieten oder gar nicht erst zu produzieren.
    Jede Gruppe macht es für das angeblich höhere Wohl.

    Gut, nennt mich einen Troll, wenn ihr wollt. Aber ich sehe keine Unterschiede im Handeln und im Resultat. Faschismus ist Faschismus, egal unter welchem Deckmantel.

  22. @21: Falls es so rübergekommen sein sollte, dass ich mit meiner ergänzenden Erklärung ein allgemein alleingültiges Gesetz aufstellen wollte – Nicht der Fall.
    Ich halte die „Fiktionalisierung“-Logik für durchaus plausibel und meine auch, dass der Autor das mit diesem Satz auch genau so meint:

    “ „Ob weiß, schwarz, lila oder kariert: Mir egal, wie die Leute aussehen“, ist nämlich ein von Weißen gern bemühter Satz, um Rassismuserfahrungen verächtlich zu machen und Schwarze Menschen zum Schweigen zu bringen: Deine Rassismuserfahrungen sind so real wie ein purpurfarbenes Alien.“

    Wenn das nicht der Fall ist, habe ich es falsch verstanden.

  23. „„Mein Kampf“ wurde relativ kommentarlos mit Anmerkungen versehen, da ging es nämlich nur um Juden.“

    Da gabs eine jahrelange Debatte zu. Versuchen Sie nicht, Gruppen gegeneinander auszuspielen, das wirkt nämlich im gegebenen Fall, als ob Juden für Sie nur ein Instrument sind.

    Dass Sie Sklavenhaltung als Kultur begreifen, macht Sie nicht zum Troll. Sondern zum Unmenschen.

    PS: „kommentarlos mit Anmerkungen“, hihi.

  24. Wollt‘ ich auch schon schreiben: Eine rassistische / xenophobische / menschenverachtende Meinung macht einen nicht zum Troll, sondern zum Arschloch.
    https://xkcd.com/1357/

    (Ich hoffe, mein Post wird nicht wieder wegen eines bösen Wortes gelöscht, diesmal ist ja nur ein xkcd-Zitat …)

  25. Um mal ein konkretes Beispiel zu nehmen: Der 2004 verstorbene Cartoonist Bernd Pfarr hat in seinen Werken häufig mit rassistischen Klischees gespielt. Hier mal ein Artikel zu ihm:

    https://www.tagesspiegel.de/kultur/comics/bernd-pfarr-poet-des-absurden-humors/23823350.html

    Etwa in der Mitte des Artikels ein Beispiel, es exisitieren von Pfarr noch diverse weitere (Stichwort „N-Wort-Schrubben“).
    Im Tagesspiegel heißt es: „in seinen Cartoons wimmelt es nur so vor Anspielungen auf absonderliche sexuelle Praktiken, geschlechtsspezifische Typisierungen oder afrikanische Kannibalen wie aus dem Kolonial-Klischee-Katalog. Pfarrs Humor vorschnell als chauvinistisch oder rassistisch zu brandmarken, verkennt jedoch dessen bewusstes ironisches Spiel mit gängigen Stereotypen, um dem westlichen Leser auf ironische Weise den Spiegel vorzuhalten.“

    Jetzt mal einfach die Frage: Dürfte man so etwas heute noch machen? Oder müssen die Pfarr-Werke nun nachträglich nochmal geprüft werden? Wie wirkt diese Art von Humor auf schwarze Menschen?

  26. @27:
    Ähnliche Fragen stallt dieser Artikel auch:
    https://www.tip-berlin.de/otto-der-film-und-der-rassismus-eine-revision-ist-notwendig/

    Den Artikel scheint Con2Art auch gefunden, aber nicht gelesen zu haben, wenn er schreibt „(…) (bei) Otto geht es aber um Schwarze, deshalb muss das verboten und zensiert (werden).“

    Im Artikel steht explizit:
    „Und nichts liegt mir ferner, nach Zensur oder Verboten zu rufen.“

    Genau wegen so etwas machen Diskussionen mit solchen Leuten keinen Sinn. Sie wollen nicht differenzieren, sie wollen polemisieren und radikalisieren. Unschärfe und falsche Behauptungen gehören zum Handwerk.

  27. Jene Otto-Sequenz (aus dem ersten Film) stammt ja tatsächlich aus einem Beitrag der „Welt im Spiegel“, der Nonsens-Beilage der „pardon“, von Gernhardt/ Bernstein/ Wächert, von denen Gernhardt wiederum ein Drittel des Drehbuchautortrios von „Otto“ war.

    Der Gag ist also nochmal knapp zehn Jahre älter, und führt – genau wie Pfarrs Sondermann – zur Neuen Frankfurter Schule.

    Man muss in beiden Fällen fragen: muss Nonsens auf Sinn achten? Bei „Sondermann“ ist das leicht zu entschlüsseln, eine der möglichen Lesarten ist ja, dass da ein Kleinbürger durch eine ziemlich sonderliche Welt stolpert, die nicht real ist, sondern so, wie sie sich der Kleinbürger halt denkt.

    Und bei „Otto“ sollte man auf das Detail achten, dass die Figur Otto einen Schwarzen u.a. beschreibt mit „schwarze Füß“, und dann seine schwarzen Füße zeigt, worauf Günther Kaufmann erwidert „Ah, du N—-?“

    Das ist ja nicht nur ein Spiel mit dem Rassismus, sondern ein sofortiges Zurückwerfen und damit klarmachen, wie sinnlos Begriff und Zuschreibung sind.

    Und zugegeben: ich fühl mich gerade wie in einer Sendung von „Filmspektrum“.

    https://www.youtube.com/watch?v=kI8cG0lRiMs

  28. „Es gibt auch keine Yetis, das könnte man ebenso ankreiden.“ Jaaa, wenn es welche gibt, sind es fellbedeckte Säugetiere, und fellbedeckte Säuger sind eher nicht grün.
    Für den Witz finde ich das ja ok, aber einen grünen Yeti statt einen schwarzen explizit als Identifikationsfigur anzubieten?
    „Oh, ich mache extra was für Integration und gegen Rassismus und mit mehr Diversifizierung. Alle Menschen kriegen einen relativ realistisch aussehenden Yeti als Integrationsfigur. Nur Du nicht, Du musst den grünen nehmen.“

  29. Also ich bin bisher noch nie auf den Gedanken gekommen mich mit einem weiß befellten Yeti zu identifizieren..
    Etwas irritiert hat mich auch die Nennung von police academy als Positivbeispiel hinsichtlich der Darstellung von Minderheiten. In den 90ern fand ich die Reihe zwar auch lustig, aber die Darstellung von hHomosexuellen in der Reihe würde man heutzutage wohl nicht mehr bringen angesichts der zu erwartenden Empörungswelle..

  30. @ Anderer Max:

    Wäre eben die Frage, ob Sätze in der Art von „Ob weiß, schwarz, lila oder kariert: Mir egal, wie die Leute aussehen“, tatsächlich überwiegend dazu dienen soll, Rassismus-Erfahrungen lächerlich zu machen. Oder ob sie nicht zumeist einfach in überspitzter und humorvoll gemeinter Weise zum Ausdruck bringen sollen, wie schnurzegel dem Sprecher Äußerlichkeiten sind.

    Wie gesagt: Würde ich mich künstlerisch mit Schwarzen beschäftigen (was ich nach Möglichkeit meiden würde), würde ich tierisch aufpassen – aus Angst, dass alles zu meinen Ungunsten interpretiert wird, was nur irgendwie zu meinen Ungunsten interpretiert werden kann. Ggf. auch über irgendeine Interpretationsmöglichkeit, die mir gar nie in den Sinn gekommen wären, oder über Assoziationsketten, auf die mir nie eingefallen wäre, oder über eine Kombi von beidem.

    Sollen Leute sich unverkrampft (nicht gedankenlos) mit Schwarzen künstlerisch beschäftigen, dürfen sie nicht Angst haben, dass nahezu alles, was sie machen könnten, vielleicht ein Fehler ist und im falschen Hals landet.

  31. @LLL
    „Wie gesagt: Würde ich mich künstlerisch mit Schwarzen beschäftigen (was ich nach Möglichkeit meiden würde), würde ich tierisch aufpassen – aus Angst, dass alles zu meinen Ungunsten interpretiert wird, was nur irgendwie zu meinen Ungunsten interpretiert werden kann….

    Sollen Leute sich unverkrampft (nicht gedankenlos) mit Schwarzen künstlerisch beschäftigen, dürfen sie nicht Angst haben, dass nahezu alles, was sie machen könnten, vielleicht ein Fehler ist und im falschen Hals landet.“

    Hm.
    Man könnte sich ja auch ganz allgemein Bemühen, einfach nicht Rücksichtslos, sondern mit Anstand zu agieren und wenn man dann mal einen Fehler macht, auf den man hin gewiesen wird, Dankbar über diesen Hinweis sein und versuchen, sich weiter zu entwickeln.
    Klappt übrigens sehr gut.

  32. Es gibt ja weitere Beispiele (jetzt mal wieder aus Film und Fernsehen, der Otto-Film wurde ja schon genannt, hoffentlich werde ich jetzt nicht zu off-topic): So hat die BBC kürzlich die „The Germans“-Folge von Fawlty Towers wegen „rassistischer Beleidigungen“ aus dem Streamingangebot genommen.

    https://www.spiegel.de/kultur/tv/fawlty-towers-bbc-entfernt-comedy-kultfolge-die-deutschen-aus-streaming-angebot-a-0059010f-7512-4a28-9c32-79996678e515

    Ok, ich bin nun mal Fan von Monty Python, John Cleese und Fawlty Towers und damit voreingenommen, aber auch davon abgesehen: Ich verstehe so etwas nicht. Es fallen in der Episode „rassistische“ Äußerungen, aber auch nur von Protagonisten, die ohnehin viel Unsinn von sich geben. Die Aussage auch dieser Folge ist sicher nicht rassistisch.

    Oder noch ein Beispiel: In irgendeinem Artikel wurde letztens erwähnt, Oliver Pocher habe bei einer Parodie auf Jerome Boateng Blackfacing betrieben, weil er sich dafür schwarz angemalt hatte. Das gleiche sieht man laufend bei Wiederholungen von Switch reloaded, wenn dort Roberto Blanco oder Bruce Darnell imitiert werden. Ich will nun nicht ausgerechnet den Pocher verteidigen, aber wo ist denn nun die Grenze? Darf man Bruce Darnell jetzt nicht mehr imitieren oder nur noch ohne Nachhife durch Make Up? Ist eas rassistisch, Schwarze genau so zu imitieren wie man das bei Weißen macht?

    Ich finde das schwer zu durchschauen.

  33. @ Micha:

    Aus Fehlern lernen ist immer gut. Aber wenn so ziemlich alles, was man macht, ein Fehler sein kann, der einem womöglich so ausgelegt wird, dass man Bedenkliches oder gar Rassistisches von sich gebe, wird man vielleicht vorsichtig.

    Der Satz „Ob weiß, schwarz, lila oder kariert: Mir egal, wie die Leute aussehen“, soll m.E. anhand von Beispielen in salopper Weise verdeutlichen, dass dem Sprecher die Hautfarbe seiner Mitmenschen völlig schnuppe ist. Die Nennung fiktiver Hautfarben sollen den Punkt durch Überspitzung noch verstärken und eine humorvolle Note reinbringen. Wie man den Satz ernsthaft so interpretieren kann, dass die realen Diskriminierungs-Erfahrungen schwarzer Menschen gerade so irreal seien wie die fiktiven Negativ-Erfahrungen, die fiktive lila und karierte Menschen womöglich machen würden, erschließt sich mir beim allerbesten Willen nicht.

    Bei mir bleibt da jedenfalls Folgendes hängen: Egal, was Du in Bezug auf Schwarze sagst (und zeichnen würdest, wenn Du eben zeichnen würdest): Wenn Du etwas Pech hast, stehst Du als ein Rassist da. Oder als einer, der rassistische Erfahrungen verhöhnt. Selbst wenn Du das Gegenteil bewirken wolltest. Deine Äußerungen werden womöglich auf eine Weise interpretiert, die Dir völlig konstruiert und fernliegend erscheint, und auf die Du auch bei angestrengtem Nachdenken nicht im Traume gekommen wärest.

    Klar, wenn manche Leute sich aus so was nichts machen, ist das schön. Viele werden sich aber nicht gerne zur potentiellen Zielscheibe von Rassismus-Vorwürfen machen lassen und Ärger lieber vermeiden.

    „Fehler“ ist auch so ein Begriff. Wenn alles, was jemand macht, ein Fehler sein kann, sofern nur irgendjemand das so empfindet (egal, wie intersubjektiv plausibel oder unplausibel diese Interpretation sein mag), dann ist eigentlich alles, was man macht, ein einziger (potentieller) Fehler. Dann ist es auch ein potentieller Fehler, wenn ich ein schwarzes T-Shirt trage, weil irgendjemand auf Grundlage seiner persönlichen Interpretations- und Assoziationsketten das als rassistisch empfinden mag. Und das Gegenteil – das gezielte Nicht-Tragen schwarzer Kleidung – könnte dann ebenfalls so interpretiert werden. Es fehlen dann einfach alle rationalen, nachvollziehbaren Maßstäbe.

    Irgendwann wird das alles nicht wenigen Leuten zu viel sein, und sie werden das Gefühl haben, dass sie ständig in eine moralische Verteidigungsposition gedrängt werden, auch wenn sie den Rassismus strikt ablehnen; dass sie nichts richtig machen können, und dass alles, was sie tun oder nicht tun, gegen sie verwendet werden kann.
    Nach meinem Eindruck sollte man aufpassen, ein an sich wichtiges und gutes Anliegen durch Übertreibung des Gutgemeinten nicht zu beschädigen.

  34. @LLL
    „Aber wenn so ziemlich alles, was man macht, ein Fehler sein kann, der einem womöglich so ausgelegt wird, dass man Bedenkliches oder gar Rassistisches von sich gebe, wird man vielleicht vorsichtig.“
    Was im sozialen Miteinander ja auch nicht verkehrt ist.

    „Der Satz „Ob weiß, schwarz, lila oder kariert: Mir egal, wie die Leute aussehen“, soll m.E. anhand von Beispielen in salopper Weise verdeutlichen, dass dem Sprecher die Hautfarbe seiner Mitmenschen völlig schnuppe ist. Die Nennung fiktiver Hautfarben sollen den Punkt durch Überspitzung noch verstärken und eine humorvolle Note reinbringen. Wie man den Satz ernsthaft so interpretieren kann, dass die realen Diskriminierungs-Erfahrungen schwarzer Menschen gerade so irreal seien wie die fiktiven Negativ-Erfahrungen, die fiktive lila und karierte Menschen womöglich machen würden, erschließt sich mir beim allerbesten Willen nicht.“
    Ich hab den Satz bisher auch schon öfter gesagt.
    Und aus meiner Sicht darin auch nichts schlimmes gesehen.
    Jetzt lese ich, dass das auch anders aufgefasst werden kann und werde mich halt anders ausdrücken. Es zumindest versuchen.
    Und ich finde es absolut auch nicht anstrengend oder zu viel verlangt.
    Weil man so einen Satz ja meist im Kontext einer Diskussion um das Thema Rassismus sagt, also eher weniger salopp in nem Gespräch über das Wetter.
    In solchen Gesprächen denke ich schon, dass der Versuch zu Sorgfalt nicht zu viel verlangt ist.
    Das dürfte auch Ihrer Sichtweise entsprechen, zumindest dann, wenn man Ihre Beiträge hier verfolgt, wo Sie das ja auch immer verlangen.

    „Bei mir bleibt da jedenfalls Folgendes hängen: Egal, was Du in Bezug auf Schwarze sagst (und zeichnen würdest, wenn Du eben zeichnen würdest): Wenn Du etwas Pech hast, stehst Du als ein Rassist da. Oder als einer, der rassistische Erfahrungen verhöhnt. Selbst wenn Du das Gegenteil bewirken wolltest. Deine Äußerungen werden womöglich auf eine Weise interpretiert, die Dir völlig konstruiert und fernliegend erscheint, und auf die Du auch bei angestrengtem Nachdenken nicht im Traume gekommen wärest.“
    Bei mir bleibt hängen, was ich im RL auch erfahren habe: ich sage etwas, was Problematisch ist, werde darauf hingewiesen und nehme es Ernst. Die Folge sind meist Respektbekundungen und Sympatie.
    Erlebe ich auch in den Medien, wenn ich dort Diskussionen verfolge.

    „„Fehler“ ist auch so ein Begriff. Wenn alles, was jemand macht, ein Fehler sein kann, sofern nur irgendjemand das so empfindet (egal, wie intersubjektiv plausibel oder unplausibel diese Interpretation sein mag), dann ist eigentlich alles, was man macht, ein einziger (potentieller) Fehler. Dann ist es auch ein potentieller Fehler, wenn ich ein schwarzes T-Shirt trage, weil irgendjemand auf Grundlage seiner persönlichen Interpretations- und Assoziationsketten das als rassistisch empfinden mag. Und das Gegenteil – das gezielte Nicht-Tragen schwarzer Kleidung – könnte dann ebenfalls so interpretiert werden. Es fehlen dann einfach alle rationalen, nachvollziehbaren Maßstäbe.“
    Ja, doch, es geht langsam in die Opfer-Rolle…

  35. Ist ja nicht so, dass Comic-, Cartoon- und Karikaturzeichner(m/w/d) sonst nie Ärger wegen irgendwas bekommen. Küche und Hitze und so.

  36. @ Micha:

    Vorsicht im Sinne, dass man nicht „leichtfertig“ ist, ist gut. Nicht gut ist es aber womöglich, wenn man ständig Angst hat, angeblich etwas falsch zu machen. Dann fehlt schließlich jede Unbefangenheit. Dann verkrampft man sich. Und macht am Ende lieber gar nichts, bevor man etwas falsch macht und am Rassismus-Pranger steht.

    „Jetzt lese ich, dass das auch anders aufgefasst werden kann und werde mich halt anders ausdrücken. Es zumindest versuchen.“

    Und Ihre neue Version wird man höchstwahrscheinlich auch wieder so auslegen können, dass etwas Negatives rauskommt – wie weit hergeholt die Begründung auch sein mag. Das ist immer irgendwie möglich, wenn Behauptungen nicht auf ihre intersubjektive Plausibilität geprüft werden, sondern die (womöglich hochgradig idiosynkratischen) Assoziationsketten einiger weniger der Maßstab für alles sind. Da nutzt dann auch das Bemühen um Sorgfalt nichts; es kann dann auch gar nichts nutzen.

    „[…] ich sage etwas, was Problematisch ist, werde darauf hingewiesen und nehme es Ernst.“

    Wenn ich nachvollziehen kann, warum etwas Bestimmtes problematisch ist, dann halte ich das auch so. Wenn ich es beim besten Willen nicht nachvollziehen kann und zum Schluss komme, dass die vorgebrachten Argumente völlig unplausibel und hochgradig konstruiert sind, und dass nach dieser Maßgabe schlichtweg alles, was ich sage, als potentiell problematisch gelten könnte, dann resigniere ich persönlich und sage lieber gar nichts mehr.
    Und ich wage mal die These, dass mancher Karikaturist auch lieber darauf verzichtet, Karikaturen von Schwarzen zu zeichnen, anstatt den Vorwurf zu riskieren, dass er unsensibel im Hinblick auf rassistische Inhalte vorgehe oder gar, dass seine Zeichnungen rassistisch seien.
    Das mag man feige oder legitim finden, aber so sind die Menschen eben.

    „Ja, doch, es geht langsam in die Opfer-Rolle…“

    Ich habe einfach nur darauf aufmerksam gemacht, dass grundsätzlich alles potentiell falsch ist, wenn das einzige Kriterium dafür, ob etwas falsch ist, darin besteht, dass irgendjemand etwas für falsch hält. Das ist eine einfache Feststellung. Da ich nicht in der Position mit, mich öffentlich zu Schwarzen zu äußern oder sie in Comics oder Karikaturen oder wo auch zu zeichnen, trifft mich das persönlich allerdings nicht negativ.

    Jedoch fürchte ich, dass nicht alles dem Anliegen der Emanzipation und der Bekämpfung des Rassismus dienlich ist, was dafür gehalten wird.
    Die christliche Mystikerin Theresa von Avila soll sinngemäß gesagt haben: ‚Wenn der Teufel es nicht schafft, jemandem zum Bösen zu verführen, so verführt er ihn dazu, es mit dem Guten zu übertreiben.‘

    Eine sehr kluge Einsicht ist das (auch wenn man sie in säkulare Sprache übersetzt), aber leider auch eine, die nicht weit verbreitet ist.

  37. @LLL
    „Wenn ich nachvollziehen kann, warum etwas Bestimmtes problematisch ist, dann halte ich das auch so.“
    Tja.
    Ich versuche, mich nicht so wichtig zu nehmen und auch Dinge hinzunehmen, die mir nicht schaden, auch wenn ich sie nicht nachvollziehen kann.
    Resultat ist, dass ich keinerlei Angst habe, irgend etwas zu sagen, was mir in den Sinn kommt.
    Und wenn da mal was dabei ist, was andere stört, dann versuche ich, dies zu unterlassen.

    Man muss meine Sicht nicht teilen, aber dann droht man halt, entweder in ständiger Angst zu leben oder sich dauernd zu rechtfertigen oder ignorant zu sein.
    Kann man machen.

  38. @ Micha:

    Ich betrachte es nicht als Ausdruck eines übertrieben Sich-Wichtig-Nehmens, wenn ich zu verstehen versuche, was ich denn eigentlich falsch machen soll.
    Und es geht hier aber ja nicht darum, dass jemanden mal was „stört“, und ich darauf Rücksicht nehme, sondern darum, dass das eigene Verhalten unversehens in die Nähe des Rassismus oder der Herabsetzung von Rassismus-Opfern gerückt werden kann – und zwar in einer für mich teils völlig unvorhersehbaren und auf mich teils völlig willkürlich und absurd wirkenden Weise. Da würde ich dann als Karikaturist das verminte Gelände nach Möglichkeit ganz meiden.

    Wenn Sie da souveräner sind, ist das schön für sie. Nur: Wenn Sie sich wünschen, dass die Künstler gerne auch Schwarze zeichnen und zum Gegenstand von Karikaturen zeichnen, ohne dabei ängstlich und verklemmt zu wirken, werden Sie die Möglichkeit in Betracht ziehen müssen, dass viele Menschen so unsouverän sind wie ich, und wenige so souverän wie Sie. Die wenigsten Karikaturisten werden in der Wikipedia vermutlich gerne etwas über sich lesen wollen in der Art von:

    „Kritik und Kontroversen: Wiederholt wurde X. ein unsensibler Umgang mit dem Thema Rassismus vorgeworfen, teilweise sogar rassistische Anspielung und eine Verwendung rassistischer Motive. Wegen seiner Zeichnung Z wurde X. von N.N. vorgeworfen, die Diskriminierungs-Erfahrungen Schwarzer in die Nähe einer Fiktion zu rücken. M.M. sprach sogar von einer ‚Verhöhnung des sehr realen Leidens von Schwarzen‘. [Usw.].“

    Und sagen Sie mir nicht, dass das – den gutem Willen und gesundem Menschenverstand des Künstlers vorausgesetzt – völlig unrealistisch sei. Wenn ein Satz wie „Ob weiß, schwarz, lila oder kariert: Mir egal, wie die Leute aussehen“, so interpretiert wird, dass Weiße damit nicht die Irrelevanz von Hautfarben zum Ausdruck bringen möchten, sondern die DiskriminierungsEerfahrungen Schwarzer verächtlich machen und Schwarze zum Schweigen bringen wollen, dann ist alles möglich.

  39. Es ist nicht nur unrealistisch, sondern auch ein Strohmann.
    In dem Artikel geht es darum, wie man das Problem lösen kann und welche Ideen, auch wenn sie gut gemeint sind, trotzdem nicht gut gemacht sein müssen.
    Das alles nicht so leicht ist wird auch nicht behauptet, im Gegenteil.
    Was aber eben auch nicht heißt, dass einem alles egal sein kann, nur weil manche das Problem nicht nachvollziehen können.

    Aber egal, wie gesagt, mir geht es da mittlerweile viel zu sehr in die Opfer Rolle.
    Kann man auch machen…

  40. Zuerst dachte ich, die Yetis auf der linken Seite wären weiße Yetis mit unterschiedlichen Haarfarben. So als sollten sie Weiße mit unterschiedlichen Haarfarben (blond, brunette, …) darstellen. Ich kenne die Cartoons, aber nicht so gut, dass ich mich sofort gefragt hätte, warum sie jetzt unterschiedliche Haarfarben haben, dass sie sonst immer weiß waren, war mir nicht sofort in den Sinn gekommen. Den grünen Yeti habe ich als „anders“ wahrgenommen und ich dachte, er soll Schwarze symbolisieren (da es im Comic und Artikel laut Ankündigung um den stereotypen weißen Standard geht), erst als ich die Erklärung gelesen habe, habe ich verstanden, dass die Yetis auf der linken Seite mit ihren unterschiedlichen Fellfarben Menschen unterschiedlicher Hautfarbe symbolisieren sollen.
    Ohne dass Menschen als nicht dazugehörig (zur eigenen Gruppe) oder anders wahrgenommen werden, würden sie nicht diskriminiert werden. Und die linken Yetis sind zwar nicht alle gleich, aber sie haben gemeinsam, dass sie natürliche Fellfarben haben, wohingegen der grüne Yeti deutlich anders ist. Deswegen kann ich nachvollziehen, dass Menschen, die sich oft als nicht dazugehörig empfunden haben, weil sie von Weißen ausgeschlossen wurden, eher mit dem grünen Yeti identifizieren.

  41. @ Micha:

    „Aber egal, wie gesagt, mir geht es da mittlerweile viel zu sehr in die Opfer Rolle.
    Kann man auch machen…“

    Wenn der Ausdruck „eine Opfer-Rolle annehmen“ extrem weit auslegt wird, dann „schlüpft“ ein jeder, der etwas kritisiert, wovon er selbst zumindest auf einem hochgradig abstrakten Level selbst negativ betroffen ist, eo ipso in eine „Opfer-Rolle“. Das macht die Kritik aber doch nicht invalide und illegitim, sondern wirft eher ein kritisches Licht auf den entsprechenden Sprachgebrauch.

    Und nein, persönlich fühle ich mich nicht als „Opfer“. Ich habe kein Interesse daran, Schwarze zu zeichnen. Ich habe auch kein Interesse daran, Weiße zu zeichnen. Und noch weniger, Zeichnungen einem größeren Publikum vorzustellen. Ich zeichne leider eh nicht gut.
    Natürlich: Das Gefühl, dass man als Weißer aus für mich nicht nachvollziehbaren Gründen plötzlich als jemand gelten mag, der Rassismus-Erfahrungen verächtlich macht und Schwarze zum Schweigen bringen will (und nicht als jemand, der sich vielleicht ungeschickt ausdrückt), finde ich etwas beklemmend. Aber auch in diesem Zusammenhang fände ich den Ausdruck „Opfer“ deplatziert weil viel zu dramatisch.

    Ein „Opfer“, welches ich tatsächlich als solches bezeichnen würde und bedauere, ist nach meinem Dafürhalten der Kampf für Emanzipation und gegen Rassismus und Diskriminierung. Weil ich es traurig finde, dass manche Leute, die ein wichtiges und gutes Anliegen verfolgen und es gut meinen, sich selbst und ihrer Sache – nach meiner Überzeugung jedenfalls – auf diese und jene Weise Steine in den Weg legen.
    Sie müssen meine Überzeugung nicht teilen, aber Sie können Sie zur Kenntnis nehmen, so wie sie ist.

  42. Wenn das „Opfer“ darin besteht, keine Afrodeutschen im Kundenstamm zu haben, sind das bei einigen Zeichnern zumindest wirklich nur Krokodilstränen.
    Andere wollen vllt. wirklich lieber gar nichts in der Hinsicht machen, als etwas falsch.
    Toll, wie Empathie einem hilft, das von außen zu unterscheiden.

  43. @ Mycroft:

    Es ist nicht meine Behauptung, das von außen zu unterscheiden. Ich kann nur von außen sagen, dass ich es für plausibel halte, dass wenigstens ein Teil Angst haben dürfte, etwas falsch zu machen. In diese Art von Furcht kann ich mich einfühlen, weil ich weiß, dass es mir selbst so ginge.

  44. Mit „Opfer“ meinte ich, dass das an sich gute Anliegen, dass Schwarze präsenter werden, womöglich teilweise zum „Opfer“ einer Angst vor Fehlern werden und einer daraus resultierenden Scheu, etwas zu wagen, werden könnte. („Opfer“ hier natürlich im analogen oder metaphorischen Sinne, denn es geht in meinem Satz unmittelbar um ein Anliegen (allerdings mittelbar um Personen).)

  45. Das Nachdenken über Diversität wäre ja kein laufender Posten, sondern eher ein Einmal-Aufwand. Auch die Kosten für die Umsetzung, also das Erzeugen eines mehrfarbigen Templates (am Beispiel nichtlustig) dürften sich in Grenzen halten.
    Ich meine, das (frequentielle) Erbrüten kreativer Ergüsse ist da generell kostenaufwändiger. Außerdem birgt das Thema an sich ja schon wieder einen neuen Fundus an kreativen Möglichkeiten.

    Mich erinnern das an die Brooklyn 99, wo man das Witzepotential von „gay jokes“ durchaus bemüht, aber eben auf nicht-diskriminierende Weise:
    https://i.pinimg.com/originals/02/98/2b/02982b11f6782fb1af931ed8d51298e1.png

  46. Kleiner Hinweis:
    An einer Stelle wird der Name des Zeichners mit Schauer angegeben, an anderen als Sauer.

  47. Ein Karrikaturist versucht, auf das Diversitäts-Problem mit einer Karrikatur aufmerksam zu machen. Er verwendet fünf Figuren, vier mit Fellfarben, die als Hautfarben bei Menschen vorkommen, eine mit einer unrealisitischen Farbe. Mit dem erklärten Ziel, auf Diversität hinzuweisen.

    Wie wird es ihm ausgelegt: Als „Fettnäpfchen“. Auf einer Straße, wo vor lauter Fettnäpfchen kaum noch ein Weg erkennbar ist.

    Was wäre meine Schlussfolgerung als Karrikaturist: Ich würde weiter alle weiß zeichnen, die Gefahr, deswegen mangelnde Diversität vorgeworfen zu bekommen, schiene mir geringer als die, bei jeder zweiter Karrikatur Rassismus vorgeworfen zu bekommen.

    Denn wenn man sich mal an den VW-Spot erinnert: Welche Rolle dürfte der Nicht-Weiße denn in der Karrikatur haben? „Täter“? Wäre rassistisch. Oder „Opfer“, wie im VW-Spot? Wäre auch rassistisch.

    Es sind Spitzfinder wie Sie hier den Ton angeben, die aus allem, wirklich allem ein Minenfeld machen, das sich niemand mehr zu betreten traut.

    Hilft das der Sache? Eher nicht. Lässt es sich diesen Typus Mensch richtig progressiv und gut fühlen? Ganz gewiss.

  48. „Das Nachdenken über Diversität wäre ja kein laufender Posten, sondern eher ein Einmal-Aufwand.“ Nur, wenn man genau 1 Comic/Cartoon/Karikatur/Film etc. macht, wo mehr als Null Nicht-Weiße Personen vorkommen. Wenn das ein wiederkehrendes Feature sein soll, wird das ja doch ein laufender Posten.

    Der Punkt ist ja, wenn man selbst ein weißer Mann ist und man einen Witz über einen weißen Mann macht, wird erstmal niemand unterstellen, man hätte was gegen weiße Männer, d.h., man „muss“ sich über alles mögliche Gedanken machen, aber darüber nicht.

    Wie groß der Aufwand ist, ist vllt. unterschiedlich. Erma Bombeck hatte mal geschrieben, es gäbe nur zwei Personen, über die sie ungestraft Witze machen könnte, und das seien Adolf Hitler und sie selbst. Sie hat sich dann auf Witze über sich selbst konzentriert, wohl weil Hitler insgesamt gar nicht so lustig ist.

  49. @52: Meine lange Antwort ist verloren gegangen, vielleicht besser so. Kurz: Ja, mir ist schon selbst aufgefallen, dass Yetis auch mal anders schattiert werden wollen, also dauerhaft mehr Aufwand bei mehr Farben. War zu kurz gedacht, sorry.

  50. Kein Grund dazu ;)
    Viel hochtrabendes Geschwafel über Witzpotential, dass durch mehr Diversität entstehen kann … Grüner Yeti mit Fressfeinden im Schnee und Beute die ihn besser erkennt, als weißen Yeti und die biologische Unwahrscheinlichkeit … Blabla.

  51. Moin Ali,

    toller Artikel! Allerdings hab ich noch eine kleine Anmerkung zum „Weihnachtsperson“ Comic. Der ist nämlich mindestens latent transfeindlich. Er geht nicht nur auf irgendwelche Klischees ein, sondern spielt ganz bewusst mit dem Wunsch von nicht binären Menschen weder als Mann noch als Frau bezeichnet zu werden, weil sie eben keins von beidem sind. Um das anerkannt zu bekommen, mussten sie immerhin bis zum Verfassungsgericht klagen.

    Dazu kommt noch, dass das Bild vom Weihnachtsmann so wie es dargestellt ist, das Bild vom „Mann in Frauenkleidern“ zumindest in Teilen reproduziert was trans Frauen in der öffentlichen Diskussion immer wieder zum Verhängnis wird und zu massiver Diskriminierung führt.

    Leider muss auch hier viel mehr mit gedacht werden und in dem Fall kann ich nicht mal unterstellen das das Spiel keine Absicht war…

  52. @ Neandertaler:

    „Auf einer Straße, wo vor lauter Fettnäpfchen kaum noch ein Weg erkennbar ist.“

    Das Problem ist auch, dass kaum intersubjektiv nachvollziehbare Kriterien bestehen, anhand derer jemand „im Voraus“ wissen könnte, was wem denn womöglich als Fettnäpfchen gelten wird und was nicht. (In manchen Fällen sind solche Kriterien natürlich offensichtlich, aber in anderen eben nicht.) Ein Beispiel für einen Fall, in dem ich für meinen Teil nie an ein Fettnäpfchen gedacht hätte, hatte ich diskutiert; aber schauen wir uns umgekehrt noch einen Fall an, in dem es vermeintlich kein Fettnäpfchen gibt.
    Herr Schwarzer schreibt:

    „Aber der Arzt, der könnte doch Schwarz sein, oder? Exakt! In diesem Cartoon wäre das die eleganteste Lösung. Erstens verstehen wir den Arzt als Person mit hoher fachlicher Expertise, in dieser Rolle eine Schwarze Person zu sehen, setzt ein Zeichen. Zweitens funktioniert der Witz in dieser Konstellation für alle.“

    Was aber, wenn sich jemand daran stört, dass das Behandlungskonzept des Arztes völlig unwissenschaftlich und menschenverachtend ist? Wenn der Arzt daher als besonders inkompetent und/oder zynisch wahrgenommen wird? Was, wenn das Vorgehen dieses Arztes jemanden gar an das (angeblich) „primitive“ Heilkunde-Verständnis von Medinzinmännern erinnert?
    Irgendeinen Schwarzen, der das so sieht (oder vielleicht auch etliche Schwarze), wird es vermutlich geben. Wir lernen im Artikel, was Herr Schwarzer gut findet und was nicht, aber abgesehen von einigen offensichtlichen Fällen (wie der Sache mit dem Affen) werden andere Schwarze es zum Teil vielleicht ganz anders sehen als er.
    Und das gilt allgemein: Die Schnittmenge von Karikaturen, die von allen (oder so gut wie allen) Schwarzen für akzeptabel erachtet werden dürfte, ist vermutlich gering. (Man bedenke auch, dass in Karikaturen im eigentlichen Sinne häufig alle Gezeichneten ein wenig lächerlich wirken oder in einer etwas lächerlichen Situation stehen.) Und wir haben wohl auch keinen gangbaren Weg, um diese Schnittmenge empirisch ermitteln zu können.

    Und selbst, wenn jemand wie Herr Schwarzer (sicherlich gutmeinend) anderen nahebringen will, was nach seinem Dafürhalten in Ordnung und was bedenklich ist, begeht er aus Sicht eines Mitglieds oder Sympathisanten einer anderen Minderheit womöglich einen schweren Fehler im Hinblick auf eben diese andere Minderheit. Zitat Leah:

    „Leider muss auch hier viel mehr mit gedacht werden und in dem Fall kann ich nicht mal unterstellen das das Spiel keine Absicht war…“

    Nun kann ich solche Sensibilität grundsätzlich verstehen, und ich respektiere es auch, wenn jemand sich auf diese oder jene Weise an Vorurteile erinnert fühlen mag, oder negative Assoziationen mit etwas verbindet. Das Problem ist wie gesagt nur, dass das nicht die beste Ausgangsbasis ist, damit eine Gruppe zum Gegenstand der Zeichner oder gar Karikaturisten wird, und dass viele von denen das ganze „Minenfeld“ vermutlich lieber meiden werden – selbst, wenn sie grundsätzlich guten Willens sind.

  53. Lieber LLL,

    wenn man in ein „Rassismus-Fettnäpfchen“ tritt, also ohne Absicht etwas geschrieben/gezeichnet/gesagt/getan hat, dass irgendjemand als Rassismus auslegt, dann ist das nicht so schlimm, wie sie vielleicht denken.

    Sie haben ja gleich Angst vor einem Rufmord auf Wiki, aber lesen sie mal oben im Text, was bezüglich des grünen Yetis geschrieben wurde. Null Vorwurf an Joscha Sauer! „Gut gemeint“ steht da. Einfach nur eine Diskussion über grüne Yetis.

    Wo kommt diese Angst her?

    Gruß!

    P.S. an alle anderen: wir sollten auch diese Sorgen Ernst nehmen, oder besser gesagt versuchen eine Lösung zu finden, selbst wenn wir sie für ungerechtfertigt halten, denn aus meiner Erfahrung heraus haben zahlreiche Leute solche Bedenken gegenüber (vermeintlich übertriebenen) Antidiskriminierungsbestrebungen.

  54. @ Tim:

    Die Angst kommt unter anderem daher, dass eine Aussage wie „Ob weiß, schwarz, lila oder kariert: Mir egal, wie die Leute aussehen“ allem Anschein nach schon ausreicht, um einen dem dringenden Verdacht auszusetzen, Schwarze zum Schweigen bringen und ihre Erfahrungen verächtlich machen zu wollen. Stellen Sie sich vor, jemand hätte in einem Cartoon oder Comic eine positiv besetzte Figur etwas sagen lassen. Mit etwas Pech – so mein Eindruck – steht man plötzlich vielleicht sehr tief in einem vermeintlichen Fettnäpfchen.

    Oder denken Sie an den Kommentar von Leah:

    „Leider muss auch hier viel mehr mit gedacht werden und in dem Fall kann ich nicht mal unterstellen das das Spiel keine Absicht war…“

    Da ging es jetzt um Transsexuelle. Aber bei jeder Minderheit dürfte man wohl die „Chance“ haben, harsche Kritik zu ernten, wenn man entsprechend „danebenliegt“.

  55. Wo ist denn das Problem, wenn einem so etwas passiert, einfach sinngemäß zu schreiben/sagen:
    „Oh, das mir war nicht klar, dass man das so interpretieren kann, sorry, ein Mißverständnis. Interessant, wieder was gelernt“ ?
    Wer ihnen das danach immer noch übel nimmt, ist selbst Schuld.

    Ziemlich einfach eigentlich. Es sei denn, man will sich nicht entschuldigen, weil man darauf beharrt, der Satz sei ok.
    Das wäre natürlich etwas ganz anderes. Dann sollte man m.E. sehr grundlegende Dinge noch mal überdenken.
    Wenn eine strukturell diskriminierte Person einen Satz als beleidigend empfindet, hat man das so hinzunehmen, auch wenn man es nicht nachvollziehen kann.

    Stellen sie sich das einfach so vor: wenn sie als Sanitäter zu einem verunglückten Motorradfahrer kommen und er sagt, er habe Schmerzen in der Brust, sagen sie auch nicht „ne ne, alles ist ok, ich sehe von außen keine Wunden“ ;)

  56. @60: Ein Versicherer würde vielleicht sagen: Solange Sie Ihre inneren Verletzungen nicht nachweisen können, existieren sie für uns nicht.
    Oder der Unfallgegner sagt: Man sieht ja nicht mal was, welcher Unfall?
    Oder der Betreiber der Straße sagt: Der Verunglückte liegt ja neben der Straße, kein Blut ist zu sehen, ein Zusammenhang mit mit unserer Straße ist sehr unwahrscheinlich.
    Oder der Motorradhersteller sagt: Wenn sich der Verunglückte an unsere Betriebsanleitung gehalten hätte, wäre nichts passiert.

    Viele Gruppen haben unterschiedliche Interessen, die Verletzung nicht anzuerkennen oder zumindest ihre Verantwortung für deren Entstehung nicht anzuerkennen.
    Sanitäter sind leider die Wenigsten.

  57. @61:

    Exakt, und genau deswegen sollte man selbst ein Sanitäter sein, der sich nur für die möglichst gute Identifizierung der Verletzung interessiert, und nicht dafür, möglichst seinen Arsch zu retten, indem er die Verletzung leugnet.

    Insbesondere weil dieses Arsch retten wie beschrieben überhaupt nicht nötig ist. Jemand, der in ein Rassismus-Fettnäpfchen getreten ist, ist in unserer Metapher nämlich kein Versicherer/Unfallgegner/Motorradhersteller, der teure Regressansprüche befürchten muss, sondern einfach nur Jemand, der die Chance hat, etwas Neues zu lernen.

    Wie gesagt: vernünftige Leute werfen Joscha Sauer den grünen Yeti nicht vor. Sie diskutieren mit ihm und das führt zu gesellschaftlichem Fortschritt.

  58. „„Oh, das mir war nicht klar, dass man das so interpretieren kann, sorry, ein Mißverständnis. Interessant, wieder was gelernt“ ?
    Wer ihnen das danach immer noch übel nimmt, ist selbst Schuld.“ Wieso? Einem rassistischen Menschen könnte das vorher klar gewesen sein, und hinterher frisst soe Kreide, also gibt es Anlass zu weiterem Misstrauen, der nicht die Schuld der Misstrauischen ist.

    „Jemand, der in ein Rassismus-Fettnäpfchen getreten ist, ist in unserer Metapher nämlich kein Versicherer/Unfallgegner/Motorradhersteller, der teure Regressansprüche befürchten muss, sondern einfach nur Jemand, der die Chance hat, etwas Neues zu lernen.“

    Jemand, der in ein Rassismus-Fettnäpfchen tritt, ist aber auch nicht der Sanitäter, der zur Unfallstelle kommt. Und der hat hoffentlich nichts neues zu lernen, sondern weiß sogar besser als der Motorradfahrer, was los ist. Metaphern halt.

    Eigentlich würde ich die Diskussion vom Einzelfall wegführen wollen – es gibt Motorradunfälle, die zu tödlichen Verletzungen führen können, daher muss es Verkehrsregeln geben, die das verhindern.
    Ob es mal einen Motorradfahrer gab, der mit einem blauen Fleck davon gekommen ist, wäre für die Diskussion dann egal.

  59. Ihr sagt der Arzt darf ruhig schwarz sein. Aber überlegt mal wie der Cartoon dann wirkt. Dann wirkt es nämlich so, als ob jemand mit fragwürdigen Methoden schwarz sein müsste.

    Den grünen Yeti hingegen finde ich okay. Die Argumentation ist etwas weit hergeholt und die anderen Yetis sind soweit ja auch verkehrt, dass der Yeti nämlich weißes Fell (nicht zwingend weiße Hautfarbe!) hat ist ja eigentlich klar.

  60. Kleine Ergänzung zum Arztcartoon: Der Autor hat auf Twitter selber gesagt, dass JEDE Kombination von Hautfarben ein Problem darstellt, die hier im Artikel nicht erwähnte vermutlich genau aus dem Grund den ich genannt habe.

  61. @ 63: „(…) daher muss es Verkehrsregeln geben, die das verhindern.“ Und wer sich nicht nicht dran hält, dem hilft kein Sanitäter?
    Mir deucht auch, diese Metapher sollte nicht zu sehr beschleunigt werden, sonst fliegt sie aus der Kurve.

  62. …und wer sich nicht dran hält, bekommt den Führerschein entzogen. Oder wird regresspflichtig.
    Oder kriegt Punkte in Flensburg.
    Oder kein Geld von seiner Cartoon+Comic-Haftpflichtversicherung (Karikaturen sind extra).
    Oder eine Verwarnung durch die Satirepolizei.

    Oder umgekehrt, wer sich doch dran hält, erhält Rechtssicherheit, welche Farbe der Yeti haben darf. Niemals ohne Helm zeichnen oder Texten!

  63. Ach Leute, die Metapher sollte nur sagen, dass Weiße nicht beurteilen können und sollten, was PoC als beleidigend zu empfinden haben. Erstens weil sie ihnen damit etwas vorschreiben würden, was nur diese selbst betrifft, und zweitens, weil das für sie „unsichtbar“ ist, wie eine innere Verletzung.

    Was daraus gemacht wurde ist absurd.

    @Mycroft: „Wieso? Einem rassistischen Menschen könnte das vorher klar gewesen sein“ -> Wir reden aber vom Rassismus-Fettnäpfchen, nicht von einem Rassisten! Ausgangspunkt war die Angst von einem Nicht-Rassisten, aus Versehen des Rassismus bezichtigt zu werden. Und da habe ich gesagt: entschuldigen, draus lernen, fertig. Wer einen danach noch haten will, ist selbst Schuld, denn man hat alles nötige getan. Hater gibts leider immer.

    Dass Rassisten sich wenn es eng wird immer rausreden werden, ist eh klar, aber das macht doch die Entschuldigung eines Fettnäpfchen-Treters nicht verkehrt. Ich glaube hier wird teilweise echt zu kompliziert gedacht.

  64. „Wer einen danach noch haten will, ist selbst Schuld, denn man hat alles nötige getan.“ Ja, dass der zu Unrecht Gehatete Schuld ist, hatte auch niemand vermutet – aber genauso, wie der Weiße nicht von außen sieht, was für den Schwarzen beleidigend ist, weiß der Schwarze nicht, was der Weiße vllt. doch beleidigend meint, so dass in der Praxis Platz für Missverständnisse bleibt.
    Und daraus ziehen einige Weiße den Schluss, alles großräumig zu vermeiden, was ein Fettnäpfchen sein könnte.

    „Ich glaube hier wird teilweise echt zu kompliziert gedacht.“ Ja, das ist etwas, wozu ich neige. Sorry!

  65. Ok, Danke, jetzt hab ichs verstanden :)

    Meiner Erfahrung mit schwarzen Freunden von mir nach, kommt es ihnen nicht drauf an, dass jemand immer alles richtig macht, sondern es richtig meint. Soll heißen: Fettnäpfchen sind kein Problem, solange man einsichtig ist. Vielleicht bin ich daher da entspannter.

    Ich habe auch das Gefühl, dass das Fettnäpfchen-Treter-„Haten“ eher nicht von PoC kommt, sondern von Weißen, aber ich kann mich da auch irren.

  66. Könnte man solche Diskussionen nicht einfach im Soziologieseminar an der Uni führen?

    Das Menschen wegen ihrem aussehen von anderen benachteiligt wird, ist eine Frage der Erziehung und der Pädagogik. Und alles was uns darüber als Rassimus verkauft wird ist ein Propagandamittel die vom Kapitalismus genutz wird, um Kriege zu legitimieren und um die Ausbeutung von Menschen/Regionen aufrecht zu erhalten.

    Wer versucht die Verunglimpfungen, die vor allem für die wichtig waren, die z.b. mit dem Handel afrikanischer Produkte und Rohstoffe ihr Geld verdienen, weiter aufrecht zu erhalten, in dem sie als Systemisch dargestellt werden, tut wenig dafür das denen, die es wirklich betrifft geholfen wird. Der „Rassismus“ ist nicht die Situation, die Menschen die nach Europa flüchten erleben, sondern die, die weiter dort leben wo diese herkommen.

    Alles was in dem Artikel angekreidet wird, unterliegt völlig normalen Entwicklungen und Veränderungen die eine Gesellschaft braucht. Und es gibt keine Anzeichen dafür, dass diese nicht statfinden. Aber die systematische Ausbeutung anderer Länder, bleibt weiter bestehen und hat sich in den letzten Jahren eher verschärt, in dem Kriege angezettelt werden in Ländern, deren Regierungen nicht mit unseren zusammenarbeiten wollen. Daher sind solche Debatten nicht zielführend, wenn es um tatsächliche Veränderungen bei der Benachteiligung von Menschen angeht.

    Was aber beim lesen der Diskussion auffällt, es gibt ein Generationskonflikt. Menschen, die die Welt vor ca. 1980 noch bewusst erlebt haben, kennen noch die Verklemmtheit und prüderie die damals vorherrschte. Deshalb war die teilweise extrem Grenzüberschreitungen in der Kunst wichtig und ist sie für manche auch noch. Denn sie war prägend für das Kunstempfinden vieler in der Zeit.
    Heute tritt das behütende in den Vordergrund. Man möchte wohlfühlen und eine positive Atmosphäre schaffen.
    Für mich ist und war das ein schon Grauen, als ich 1980 den Punk für mioch entdeckte.

    Interessant ist aber, dass die gleiche Diskussion, die wir damals mit unseren Eltern führten, heute mit der jungen Generation geführt wird.

  67. “Der „Rassismus“ ist nicht die Situation, die Menschen die nach Europa flüchten erleben […]“

    Autsch. Ich hoffe das war nur ein Fettnäpfchen…

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