Bauer-Verlag will Helene Fischers Freund in die USA abschieben

Sie wollen ihm so gerne was anhängen. Seit bekannt wurde, dass Schlagersängerin Helene Fischer und der Akrobat Thomas Seitel ein Paar sind, haben sich Klatschredakteurinnen und -redakteure auf die beiden eingeschossen. Als es Seitel Mitte vorigen Jahres dann auch noch wagte, die Methoden der Regenbogenpresse zu kritisieren, wurde er offenbar endgültig zum Feind erklärt.

Vier Titelseiten: 1. "Neue Post": "Bittere Enthüllungen - Helene Fischer - Ihr neuer Freund betrügt sie! - Jetzt zeigt er sein wahres Gesicht" 2. "Das neue Blatt": "Wie lange hält sie noch zu ihm? - Helene Fischer - Ihr Geliebter ist ein Heiratsschwindler!" 3. "Die Aktuelle": "Lass bloß die Finger von dem! - Helene Fischer - Das Doppelleben ihres Geliebten!" 4. "Die Aktuelle": "Neue Aufregung um ihr Liebesleben! - Helene Fischer - Wer ist er wirklich? - Schlimme Gerüchte - Haftbefehl gegen unbekannt - Hat Helene etwas geahnt?"

Es gibt also Menschen, deren Job es seit vielen Monaten ist, Thomas Seitel mit Dreck zu bewerfen. Menschen, die im „Umfeld“ des Akrobaten „recherchieren“, die sich durch Paparazzifotos wühlen, durch Facebookprofile und alte Youtubevideos, die immer auf der Suche sind nach irgendetwas, woraus sie Seitel einen Strick schreiben können. Menschen, die zum Beispiel für den Hamburger Bauer-Verlag („Das neue Blatt“, „Neue Post“) arbeiten oder für die Essener Funke-Mediengruppe, die neben dem ganzen Ramsch auch Zeitungen wie die „WAZ“ oder das „Hamburger Abendblatt“ herausgibt.

Beliebte Methode: ein Foto oder Video skandalisieren, das gar nichts Skandalöses zeigt, bis eine Redaktion etwas vermeintlich Skandalöses daraus macht. Funkes „Die Aktuelle“ wurde etwa jüngst auf Facebook fündig: Im Profil einer Akrobatin stieß die Redaktion auf ein Video, das im vergangenen Jahr gepostet wurde. Zu sehen sind die Akrobatin und Thomas Seitel. Beim Training. Mehr nicht. Ein Akrobat und eine Akrobatin beim Akrobatentraining.

Woraus „Die Aktuelle“ macht:

„Warum hat er das getan? Sind denn alle Männer so? Die Fotos, die Helene ins Herz treffen müssen“

Titleseite "Die Aktuelle": "Warum hat er das getan? - Helene Fischer - Sind denn alle Männer so? - Exklusiv: Die Fotos, die Helene ins Herz treffen müssen

„Gerade in Zeiten wie diesen, da besinnen wir uns aufs Wesentliche“, schreibt „Die Aktuelle“ dazu.

„Auf unsere Familien, auf unsere Herzenspartner. Gerade jetzt wollen wir uns zu hundert Prozent auf die verlassen können, die uns am nächsten stehen. So geht es ganz sicher auch Helene Fischer, 35. Doch ausgerechnet in dieser Situation, in der die Welt ohnehin schon kopfsteht, tauchen jetzt auch noch Fotos von ihrem Thomas, 35, auf, die Helene ins Herz treffen müssen …

Es sind Ausschnitte aus einem Video, das Thomas‘ Berufskollegin (…) bei Facebook gepostet hat. Sie zeigen die Tänzerin und Helenes Liebsten ganz intim beim Einstudieren einer Akrobatik-Nummer. Nur die beiden. Sie harmonisieren gut. Kommen sich gefährlich nahe. Das Schlimmste daran: Als diese pikanten Aufnahmen entstanden, war Thomas längst mit Helene zusammen!“

Da müssen Helene doch „Erinnerungen hochkommen“, fabuliert „Die Aktuelle“ weiter, schließlich hätten sie selbst und Thomas sich ja auch beim gemeinsamen Training kennengelernt!

„Ob sich die Geschichte wiederholen könnte – mit einer anderen Frau …?

Wir wünschen es Helene natürlich nicht.“

Natürlich.

Thomas Seitel ist ein schlechter Mensch und vor allem ein schlechter Freund für Helene Fischer – das ist die Geschichte, die die Redaktionen immer wieder und wieder erzählen wollen, um jeden Preis. Und wenn die Realität sie nicht hergeben will, wenn einem auch nichts mehr einfällt zu all den Fotos und Videos, dann helfen die Redaktionen eben nach. „Das neue Blatt“ aus dem Bauer-Verlag hat sich da nun etwas ganz Besonderes einfallen lassen.

Titelseite "Das neue Blatt": "Das darf doch nicht wahr sein! - Helene Fischer - Lässt ihr Thomas sie in größter Not im Stich?

„Das darf doch nicht wahr sein!“, kreischt es gleich auf der Titelseite. „Helene Fischer – Lässt ihr Thomas sie in größter Not im Stich?“

Im Artikel beschreibt Redakteurin Lara Kurrer zunächst, wie gut Helene und Thomas doch zueinander passten, beide ehrgeizig, fleißig, „gleich und gleich gesellt sich gern“, erst seien sie Kollegen gewesen, jetzt lebten sie als Liebespaar zusammen.

„Doch das könnte sich bald ändern! Denn Thomas bekommt ein verlockendes Angebot aus den USA. Lässt er seine Helene in den schweren Corona-Zeiten im Stich? Jetzt, in der größten Not, in der auch sie sich bestimmt um ihre Familie und die anderen Mitmenschen sorgt? Fakt ist: Als Akrobat auf weltberühmten Bühnen wie in Las Vegas sein Können zeigen zu dürfen, ist ein absoluter Ritterschlag!“

Thomas habe also ein Angebot aus Las Vegas bekommen, und wenn er das annähme, würde er Helene im Stich lassen, ausgerechnet jetzt, während das Corona-Virus wütet. Dieser eiskalte Mistkerl.

Das Ding ist bloß: Das „verlockende Angebot aus den USA“ kam nicht einfach aus heiterem Himmel. Auch nicht, weil die dort auf Seitel selbst aufmerksam geworden wären, nein. Tatsächlich wurde Thomas Seitel in den USA vorgeschlagen. Von, genau: der „Das neue Blatt“-Redaktion.

„Wir hatten Kontakt mit den Verantwortlichen vom ‚Cirque du Soleil‘ in Amerika. Sie zeigen großes Interesse an Seitel: ‚Wir würden uns sehr freuen, seinen Lebenslauf, sein Material (ein Bewerbungsvideo, Anm. der Red.) zu bekommen. Er kann es uns online hochladen. Wenn er für eine Rolle ausgesucht wird, kontaktieren wir ihn sofort.‘ Wow, was für ein Angebot, um endlich aus Helenes Schatten zu treten!“

„Das neue Blatt“ bringt Seitel also beim „Cirque du Soleil“ ins Gespräch, worauf das Unternehmen sagt: Ja, gut, soll er sich halt bewerben. Und, zack: „Angebot aus den USA“, zack: „Lässt er sie im Stich?“, zack: „Das darf doch nicht wahr sein!“ Und wenn Sie sich jetzt fragen, was das ist: Das ist das, was der Bauer-Verlag für „Qualitäts-Journalismus“ hält.

Traurig, ärgerlich, doof, aber wirklich wahr.

7 Kommentare

  1. Das ist das Problem mit den Regenbogen-Journalisten: Die 99 Prozent, die solch einen Mist schreiben, verderben gleich das Image von allen Regenbogen-Journalisten.

  2. Es gibt ja Wirtschaftszweige denen man von ganzem Herzen die Zerstörung durch die Corona-Krise wünscht. Leider wird der Wunsch im Falle der YellowPress nicht in Erfüllung gehen. Wahrscheinlich gehen deren Geschäfte sogar noch besser, wenn man jedem Z-Promi neben einem Babybauch auch noch Virengerüchte anhängen kann.

  3. Ich frage mich noch immer, wie es sein kann, dass diese schäbigen Schmierfinken im Leben anderer Menschen ungestraft herumpfuschen und Einfluss nehmen dürfen. Was für ein widerwärtiges Pack!

    Eine Verschärfung der entsprechenden Gesetze und entsprechender Strafen ist längt überfällig. Die Verantwortlichen dieser Schmierblätter müssen endlich persönlich zur Verantwortung gezogen werden können. Strafen sollten nicht mehr von den Verlagen getragen werden dürfen.

    Und ja, ich bin auch der Meinung, dass Gerichte Wiederholungstätern die Berichterstattung über betroffene Personen gänzlich untersagen können sollten.

  4. Lügenpresse!
    Und hier stimmt das Urteil wirklich.
    Ich finde es immer wieder unglaublich das man gegen diese Machenschaften nicht wirkungsvoll vorgehen kann. Ich meine damit, das am Ende wirklich empfindliche Strafen herauskommen, auch für solche namentlich bekannten LügnerInnen wie Lara Kurrer. Die meisten sind ja Wiederholungstäter.

  5. @3: Meinen Sie, dass diese Wortwahl dabei hilft, ihren Standpunkt klar zu machen? Also ich hatte spontan das Bedürfnis mich auf die Seite der Regenbogenredakteure zu schlagen, einfach nur weil Ihre „Kritik“ keine ist
    Darüber hinaus sind Wörter, wie „Schmierfinken“, „Pack“ und „Schmierblätter“ auch historisch arg belastet.

    Juristische Konsequenzen zu fordern: Bin ich absolut d’accord.
    Aber der Ton macht die Musik.

  6. @5
    Das dürfen Sie gerne so sehen. Aber ich halte Bezeichnungen wie Schmierfinken, Pack und Schmierblätter in Anbetracht der fortgesetzten Verdrehungen der Wahrheit, der Persönlichkeitsrechtsverletzungen, widerwärtigen Lügen und fiesen Unterstellungen für angemessen und für diese Typen sogar noch für zu freundlich. Man kann natürlich in gewählten Worten eine Art Kritik formulieren, ich sehe aber nicht ein, angesichts der Hinterhältigkeit und Skrupellosigkeit, mit der diese Schmierfinken vorgehen, auch noch höfliche Worte zu wählen. Man muss die Dinge mitunter deutlich ansprechen. Und ich hoffe, die Angesprochenen lesen das hier.

  7. Vor allem ist die Antwort des Cirque de Soleil halt die ganz normale, wie bei jeder Jobanfrage: sollen die ablehnen, ohne irgendwas über den Mann zu wissen, er soll sich halt bewerben, wie so ziemlich jeder Mensch auf jeden Job auf diesem Planeten.

    Geile Taktik… verstehe nicht, warum man sowas nicht überall anwendet. Hey, wir rufen mal bei der NRA an, ob die evtl Barack Obama als Werbeträger verpflichten würden und die sagen „wenn er sich meldet, reden wir drüber“… schwupps, Obama denkt an Arbeiten für die NRA…

    Noch weiter gedacht, wie würden diese „Reporter“ eigentlich reagieren, wenn man in ihrem Namen Jobanfragen bei der Konkurrenz einstellt und das dann ihrem Chef steckt?

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