Die Weihnachtsgeschichte (10)

Medienanwalt Schertz droht „Bibel“-Redaktion mit Abmahnung

Illustration: Christoph Rauscher

Presserechtliches Informationsschreiben im Namen von Maria und ihrer Heiligen Familie an das Redaktionsbüro der „Bibel“ / Ressort „Neues Testament“

Hiermit zeige ich an, dass ich Maria, ihren Sohn Jesus (bekannt auch unter den Alias-Namen „Erlöser“, „Heilsbringer“ und „Heiland“) und ihren Ehemann Josef in medienrechtlichen Angelegenheiten anwaltlich vertrete.

Sehr geehrte Damen und Herren,

insoweit Sie beabsichtigen, über die Entbindung meiner Mandantin Maria zu berichten, weise ich Sie vorsorglich darauf hin, dass wir keine Falschbehauptungen über den Ablauf dieses Ereignisses hinnehmen und nötigenfalls juristische Schritte einleiten werden.

Wir legen Wert darauf, dass in der Berichterstattung ausdrücklich gewürdigt wird, dass es sich bei der Geburt des Jesus von Nazareth um die Geburt eines Erlösers handelt, was auch dadurch untermauert wird, dass ein außergewöhnliches Naturereignis eingetreten ist (hier: das Erscheinen eines Sterns).

Damit ist der Beweis erbracht, dass es sich keineswegs um ein normales Geschehen, sondern vielmehr um ein Wunder© handelt. Dies muss im Interesse der Klarheit und Wahrheit sowie der Wahrung der Persönlichkeitsrechte meiner Mandantin ausdrücklich in jeder Publikation berichtet werden.

Insbesondere ist auch festzuhalten, dass meine Mandantin niemals in sexuelle Aktivitäten jedweder Art eingewilligt hat und der Geburt kein Geschlechtsakt voraus ging.

Wir treten ebenfalls Behauptungen entgegen, dass die Entbindung unter unzureichenden Bedingungen (Substandard) stattgefunden habe. Zutreffend ist vielmehr, dass es sich bei dem improvisierten Kreißsaal um einen Stall gehandelt hat. Allerdings wurde er so vorbereitet, dass alle hygienischen Standards und Bestimmungen eingehalten wurden.

Es ist sehr wichtig, dass meine Mandantin und ihre Familie sich unbelastet in der Öffentlichkeit bewegen können, etwa beim Einkaufen, Sporttreiben oder Spazierengehen. Hierauf haben sie auch einen rechtlichen Anspruch. Bitten Sie Ihre Berichterstatter („Apostel“ bzw. „Evangelisten“), dies zu respektieren und fordern Sie Ihre Mitarbeiter in geeigneter Weise dazu auf, die Intim- und Privatsphäre der Mandantin und ihrer Familie zu wahren.

Und zu guter Letzt: In den vergangenen Tagen mussten vor allem meine Mandantin und ihr Sohn immer wieder Nachstellungen durch bildschaffende Künstler wie Herrgottschnitzer und Ikonenmaler erleben. Dies ist für meine Mandantin nicht nur lästig, sondern äußerst belastend. Insoweit dies auf Ihre Veranlassung geschieht, werden wir Sie zur Verantwortung ziehen.

Vorsorglich weisen wir daraufhin, dass wir daraus resultierende Arbeiten (Kruzifixe, Altarschmuck, Ikonen etc.) kostenpflichtig aus dem Verkehr ziehen und etwaige Gewinne abschöpfen werden.

Damit soll jedoch keineswegs generell die Verfertigung der oben beschriebenen Werk- und Kunstgegenstände verunmöglicht werden: Wir bitten der guten Ordnung halber jedoch im Vorwege um eine entsprechende Lizenzanfrage zur Abklärung der entstehenden Kosten. Ein entsprechendes Angebot geht Ihnen binnen weniger Tage nach Antragseinreichung durch unser Büro zu.

Professor Dr. Christian Schertz (Jerusalem, Golgota, Berlin)
Rechtsanwalt


Christian Schertz ist ein prominenter Prominenten-Anwalt. Seine Kanzlei Schertz Bergmann ist unter anderem für ihre „presserechtlichen Informationsschreiben“ berüchtigt, mit denen sie Medien vorsorglich davor warnt, bestimmte Informationen über ihre Mandanten zu verbreiten.

11 Kommentare

  1. Na ja. Anwälte.

    Die Zahl der Witze über sie ist Legion, allerdings lacht man meistens halt wirklich genau so lange darüber, bis man selber einen braucht. (Sagen jedenfalls die Amerikaner, die es ja wissen müssen.)

    Ein „notwendiges Übel“ also. Nicht einig ist man ist sich gelegentlich nur, welches der beiden Wörter man stärker betonen sollte.

  2. Mein Gighlight: “ Nachstellungen durch bildschaffende Künstler wie Herrgottschnitzer und Ikonenmaler“ :-) Ich schätze, es gibt heutzutage Promis, die froh wären, es wären nur Hergottsschnitzer und Ikonenmaler hinter ihnen her.

  3. Man könnte sich per einfacher Lektüre sehr genau informieren welchen Zeitrahmen er da anspricht und daß es sogar per Gebetsanfrage überprüfbar ist, nun hat sich dieser Autor nicht nur „Scherz“ erlaubt, sondern angegriffen, was ihm ganz persönlich schnell auf die eigenen Füße fallen wird aus mangelndem Respekt. Bald wird er ein Lied davon singen können, wie sich Blasphemische Äußerungen leibhaftig anfühlen. Viel Erfolg bei der Erkenntnis Herr Autor. Eine Christin mit Leib und Seele

  4. Auch wenn ich damit jetzt vielleicht ein wenig auf die Stimmung drücke, aber mehr als „ganz nett“ kann ich dazu jetzt nicht sagen. Sehr konstruierter und schnell langweiliger Humor. Tolle Idee, akzeptable Umsetzung. Weiter frohes Schaffen

  5. Ist das Sarkasmus den ich nicht verstehe oder droht #4 gerade mit dem Zorn Gottes? Also das ist auch neu.

  6. @6 (noch ein weiterer max):

    „Ist das Sarkasmus den ich nicht verstehe oder droht #4 gerade mit dem Zorn Gottes? Also das ist auch neu.“

    Für mich liest sich das eigentlich eher wie ein Lob an den Autor, ein bissel in scherzhaft-düstere Prophezeiungen verpackt, es ist ja schließlich auch bald Weihnachten.

  7. Oh je, das „Anwaltsdeutsch“ fast perfekt getroffen. Ich hoffe, der Kollege schreibt real etwas weniger gestelzt.

  8. @ Anderer Max

    Ich hoffe doch nur ein Anhänger der Sandalen\Socken Zweifaltigkeit.

    Sockenlose Häretiker haben hier genauso wenig Platz wie Flaschenketzer.

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