Youtuber zeigt Kindern, wie man mit Glücksspiel reich wird

Fragt man einen durchschnittlichen, zehnjährigen Jungen, was er am liebsten in seiner Freizeit macht, bekommt man derzeit vermutlich folgende Antwort: „Fortnite“ spielen, das aktuell beliebteste Videospiel, auch auf der Streaming-Plattform Twitch.tv, wo Gamer live zocken und ihnen weltweit Millionen von Menschen zusehen. Der Streamer Ninja, der dank „Fortnite“ zum Star wurde, brach im April den Zuschauer-Rekord: Seinen Stream guckten gleichzeitig mehr als 667.000 Menschen – viele davon Kinder.

Der Youtuber MontanaBlack Screenshot: youtube.com/montanablack

Auch Deutschland hat so einen Star. Er nennt sich MontanaBlack und ist zwar schon lange auf Twitch und auf YouTube unterwegs, aber auch er hatte seinen Durchbruch mit „Fortnite“. MontanaBlack hat aktuell 1,2 Millionen Follower – und 19.000 zahlende Abonnenten, die monatlich 4,99 Dollar ausgeben, um dafür unter anderem besondere Emojis in seinem Livechat freizuschalten. Absoluter Rekord in Deutschland.

Je nach Partnervertrag bei Twitch bedeutet das für MontanaBlack Einnahmen von bis zu 66.000 Dollar pro Monat – seinen Anteil an der Twitch- und YouTube-Werbung, Spenden, sein eigenes Merchandise und seine Sponsoring-Verträge mit Gamer-Marken wie Astro, Corsair oder Elgato noch gar nicht eingerechnet. Geld, das MontanaBlack, der bürgerlich Marcel Eris heißt, gerne im Online-Casino verzockt. Oder nicht verzockt. Denn nach eigenen Angaben hat er vorigen Monat mit Glücksspiel mehr als 80.000 Euro gewonnen. Eine Info, die er stolz über Social Media an seine Millionen Fans rausposaunt.

Marcel Eris (o.r.) im Online-Casino-Rausch Screenshot: MontanaBlack

Denn so gut wie jeden Abend ab Mitternacht streamed MontanaBlack nun kein „Fortnite“ mehr, sondern Glücksspiel. Er macht Influencer-Marketing für die Plattform lapalingo.com – eine Seite, die in Deutschland verboten ist, denn das Betreiben von Online-Casinos ist in Deutschland generell nicht erlaubt. Das hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig vor genau einem Jahr noch einmal bestätigt. Deswegen sitzt lapalingo.com auch auf Malta, und wie die „Süddeutsche Zeitung“ vor kurzem in Bezug auf diese Seite schreibt: „Die Kontrollen auf Malta sind lax.“

Trotzdem bewirbt MontanaBlack jeden Tag dieses Casino – und gewinnt in einem Monat so viel, dass ihm einige seiner Zuschauer vorwerfen, sein Account sei vom Anbieter manipuliert, um den Werbeeffekt zu erhöhen. Marcel Eris bestreitet das.

Wie problematisch die ganze Sache ist, darüber hat vorigen Samstag auch der funk-Kanal „offen un’ ehrlich“ berichtet. Der Vorwurf: All die Werbung, die MontanaBlack dort macht, sei nicht gekennzeichnet – und damit verbotene Schleichwerbung nach §7 Absatz 7 des Rundfunkstaatsvertrags. Seitdem kennzeichnet MontanaBlack seine Livestreams durchgängig als Werbung.

Was dabei nicht erwähnt wird: Eigentlich ist das Spielen unerlaubten Glücksspiels nach §285 StGB strafbar, und Marcel Eris liefert durch seine aufgezeichneten Livestreams auch noch die perfekte Beweislage. Allerdings ist dafür erst ein einziges Mal jemand in Deutschland verurteilt worden, 2014 in München. In zweiter Instanz wurde er allerdings freigesprochen.*

€-Tweet: Werbung für illegale Gewinne? Screenshot: twitter/montanablack

Zudem verstößt Eris möglicherweise auch gegen §5 des Glücksspielstaatsvertrags. Dort steht: „Werbung für unerlaubte Glücksspiele ist verboten.“ Dass die Werbung sich über Social Media auch an Minderjährige richtet und Eris dort nur seine hohen Gewinne postet, was vielleicht auch in die Irre führt, ist eher Nebensache. Genauso der Fakt, dass die Werbung nicht als solche erkennbar ist. Denn: Es dürfte sie ja eigentlich gar nicht geben.

In Deutschland ist die Bezirksregierung Düsseldorf die länderübergreifende Glücksspielaufsicht, die für Glückspiel-Werbung zuständig ist. Auf ihrer Website gibt es eine Liste, wer in Deutschland eine Werbeerlaubnis erteilt bekommen hat – lapalingo.com ist nicht darunter. Natürlich nicht. Weil es nicht geht.

Auf Anfrage teilt die Bezirksregierung mit, sie könne leider „derzeit keine näheren Auskünfte geben“, da die Prüfung des Sachverhalts „aufgrund der komplexen Rechtslage in diesem Bereich einige Zeit in Anspruch nehmen“ werde. Sie bestätigt aber noch mal, dass das Online-Casino lapalingo.com „unter das unerlaubte Glücksspiel fällt“.

Gleichzeitig ist die Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein zuständig für die Aufsicht und Überprüfung des Streamingangebots von Marcel Eris. Sie erklärt auf Anfrage, dass ihr der Fall bekannt sei und sie voraussichtlich bald dagegen vorgehen werde.

MontanaBlack hätte mit einer einzigen Google-Suche herausfinden, wie die Rechtslage ist und was ihm droht. Und er müsste eigentlich wissen, welche Wirkung sein Casino-Stream auf die oft jungen Zuschauer haben kann. Aber er weist jegliche Verantwortung von sich. „Ich bin kein Vorbild“, sagt er im Interview mit dem funk-Kanal WorldWideWohnzimer, als er vor einem Monat, anlässlich seines letzten Shitstorms wegen Sexismusvorwürfen, mit seiner Verantwortung konfrontiert wird.

„Ich bin nicht dafür verantwortlich, ob jemand seinen Monatslohn oder whatever verzockt”, sagt er im Interview mit YouTuber HerrNewstime. Dass er in der Vergangenheit drogensüchtig war und sich als glücksspielsüchtig bezeichnet, scheint hier keine Rolle zu spielen. Und ob Minderjährige seine Inhalte gucken oder nicht, sei ein Problem der Eltern, so Marcel Eris, womit er teilweise Recht haben mag – doch wie sieht das eigentlich Twitch?

Die Plattform gehört seit 2014 zu Amazon, und während YouTube die Casino-Videos von MontanaBlack sehr schnell wegen des Verstoßes gegen die Community-Richtlinien sperren lässt, hat Twitch extra eine eigene „Casino“-Kategorie eingerichtet. Sie ist beliebt, befindet sich regelmäßig unter den Top 10 der meistgesehenen „Spiele“. Neben – gerade auch bei Kindern und Jugendlichen – beliebten Titeln wie „Fortnite“, „League of Legends“ oder „Hearthstone“ wird hier das Bild vermittelt: Im Casino Geld verzocken, ist auch nur ein ganz normales Videospiel.

Auf die Nachfrage, inwiefern Werbung für illegales Glücksspiel gegen die Richtlinien von Twitch verstößt und ob sie sich selbst bezüglich Jugendschutz und Aufklärung in Sachen Glücksspielsucht verantwortlich sehen, hat Twitch bisher nicht geantwortet. Blickt man jedoch in die Richtlinien der Plattform, steht da an erster Stelle, dass die User alle lokalen und nationalen Gesetze einhalten müssen, und dass alle Inhalte, die illegale Aktivitäten beinhalten oder bewerben, auf der Plattform verboten sind.

Doch MontanaBlack darf offenbar weiterspielen. Wieso? In der Vergangenheit sind Streamer auf der Plattform schon für viel weniger gesperrt worden. Und wie MontanaBlack soeben per Twitter verbreitet, hat ihm zumindest Fortnite wegen seines Glücksspiels einige Partner-Vorteile entzogen. Außerdem sagt er, sein „Partner beziehungsweise zukünftiger Partner Lapalingo“ habe „den Vertrag doch abgesagt“, was offenbar heißt, dass es bisher keinen Werbedeal mit dem Casino gab, obwohl sich Eris dazu auch schon anders geäußert und seine Streams ja doch, nach der Kritik, als Werbung gekennzeichnet hatte.

* Nachtrag, 1.11.2018. Leser haben uns darauf hingewiesen, dass derjenige, der 2014 wegen unerlaubten Glücksspiels vom Amtsgericht München verurteilt wurde, daraufhin in Berufung gegangen ist – und freigesprochen wurde. Wir haben das im Text ergänzt.

13 Kommentare

  1. Eine Zeitlang konnte man auf mehreren seriösen deutschen Zeitungen Bannerwerbung (optisch journalistisch gehalten) sehen, die auf einen pseudo-journalistischen Online-Artikel verlinkte (eine Werbeseite, die optisch im Gewand eines vermeintlich seriösen Online-Mediums daherkam), auf dem ein Online-Casino angeprisen und auch gleich verlinkt wurde. Das fand ich damals schon sehr zweifelhaft. Als ich meine Zeitung darauf anschrieb, ob sie wirklich solche Online-Werbung auf ihrer Seite haben möchte, bekam ich keine Antwort. Vielleicht habe ich die Screenshots noch.

  2. Ich habe mir für ein eigenes Bild mal ein paar Videos minutenweise angeschaut – ich weiß danach nicht, wen ich mehr bedauern soll: Den offensichtlich völlig kaputten Typen oder seine ganzen kritiklosen Fanboys und -girls, die sich so einen Fake-Müll reinziehen. Seine „Freude“ über die angeblichen Gewinne unterbieten jede RTL-Nachmittagsschauspielerei.

    Ist ja wirklich gruselig, was man da sieht. Und das ist die Zukunft der medialen Unterhaltung?

  3. @4: Ja.
    Es geht noch schlimmer, z. B. der „Marketplace“ bei Steam oder das generelle Konzept von musical.ly
    Alles unreguliert, ungeprüft und ungeniert.
    Und wenn man als Außenstehender drauf hinweist, wird man von der gehirngewaschenen Community noch beleidigt.
    Naja, letztendlich muss jeder selber wissen, wofür er das sauer verdiente Geld seiner Eltern ausgibt.

  4. In dem Spielfilm „Blow“ ist das Leben des Drogenschmugglers George Jacob Jung verfilmt. Zu Anfang wird gezeigt, wie George Jacob Jung am Beginn seiner Karriere Marihuana schmuggelt und damit viel Geld verdient. Dabei durchbricht der Film die vierte Wand, die Hauptperson wendet sich (als Erzählstimme aus dem Off) direkt an den Zuschauer und schwärmt von dem schnellen Reichtum. Sie erzählt, daß sie nicht mal mehr wusste, wohin mit dem vielen Bargeld und es deshalb schließlich bündelweise unter Deck auf einer Luxusjacht eingelagert hat. Dies wird mit entsprechenden Bildern untermauert.

    Ist das Werbung dafür, in den Schmuggel von Marihuana einzusteigen? Handelt es sich um ein Beweisvideo, das illegale Handlungen des Schauspielers belegt? Es ist doch bloß ein Film.

    Ich habe früher mit Begeisterung die Kriminalserie „Derrick“ gesehen. Darin gab es zuweilen auch Banküberfälle. Mit etwas Spürsinn hätte man sicherlich die genauen Filialen identifizieren können. Es waren Schriftzüge und Logos zu sehen, zum Teil auch Straßenschilder. Es würde mich nicht überraschen, wenn im Abspann der jeweiligen Folgen die betreffende Bank bzw. Sparkasse namentlich erwähnt und ihr für die Zusammenarbeit gedankt wurde. In seiner Rolle als „MontanaBlack“ verwendet Marcel Eris die Web-Oberfläche eines Online-Casinos. Er nennt dieses Casino namentlich und dankt ihm für die Zusammenarbeit.

    Der Zuschauer von „Derrick“ kann auf die Idee gebracht werden, eine Bank zu überfallen. Aber erstens ist es unrealistisch, dabei nicht geschnappt zu werden. Und zweitens ist es illegal.

    Der Zuschauer von „MontanaBlack“ kann auf die Idee gebracht werden, in einem Online-Casino zu zocken. Aber erstens ist es unrealistisch, dabei etwas zu gewinnen. Und zweitens ist es illegal.

    (Statistiken sagen allerdings, daß nur rund 50% der Bankräuber gefasst werden, während rund 100% der Mitspieler in Online-Casinos langfristig ihr Geld verlieren. Insofern ist die Aufforderung zum Bankraub realistischer als die Aufforderung zum Online-Zocken.)

    Daß die Filmfigur „MontanaBlack“ im Online-Casino Geld gewinnt, und das auch noch in großer Menge und langfristig, zeigt deutlich, daß es sich nicht um eine Dokumentation, sondern um einen Film handelt. Daß in verschiedenen weiteren Online-Kommunikationskanälen die Handlung als „echt“ dargestellt wird, gehört vermutlich zum Marketing dieses und weiterer Filme. Es mag moralisch fragwürdig sein, eine Filmhandlung als reales Geschehen darzustellen, allerdings handeln auch große Filmstudios so, deshalb ist das vermutlich kein strafbares Verhalten:

    https://blogs.faz.net/fernsehblog/2009/03/13/alles-328/

    https://www.sueddeutsche.de/kultur/1.125798

    Daß eine Filmhandlung von Kritikern oder von Journalisten als echte Handlung wahrgenommen und entsprechend berichtet wird, kommt ab und zu bei der Bild-Zeitung vor, wie das Bildblog schon mehrfach dargelegt hat:

    https://bildblog.de/455/schauspieler-erleben-mehr/

    https://bildblog.de/539/realitatsverlust/

    Daß jetzt auch die Übermedien eine Filmhandlung als Realität annehmen und sie damit als Beweisvideo für illegale Handlungen des Hauptdarstellers werten, ist doch sehr irritierend. Es geht um einen Film aus dem Genre „Caper-Movie“, also um einen Film, in dem ein Bösewicht beim Vorbereiten und bei der Durchführung von Straftaten gezeigt wird, dieser Mensch aber dabei zur Sympathiefigur aufgebaut wird, so daß das Publikum mit ihm mitfiebert und letztlich hofft, daß er mit seinen Taten Erfolg hat.

    Es gibt auch keine Rechtsnorm, die fordert, daß einer Darstellung illegaler Handlungen im Film auch eine Darstellung einer Verurteilung und Bestrafung folgt.

    Mit kommt dazu James Bond in den Sinn, der Geheimagent mit der Erlaubnis, willkürlich Menschen zu ermorden. James Bond ist ein Serienmörder, der nicht nur jedesmal ungestraft davonkommt, sondern der auch noch als besonderer Held dargestellt wird. Im Vergleich dazu wirkt ein Film, in dem ein Spieler beim illegalen Spiel in einem Online-Casino unrealistischerweise langfristig Geld gewinnt, ja geradezu harmlos.

  5. „Den offensichtlich völlig kaputten Typen oder seine ganzen kritiklosen Fanboys und -girls, die sich so einen Fake-Müll reinziehen. “

    Was ist denn jetzt kaputter, der Typ und seine Fanboys, die ein ganz normales durchschnittliches Leben leben, oder die Moralisierung desselben? Was man alles kritisieren müsste, aber nie von uns kritisiert wird, macht uns alle zu kritiklosen Fanboys! Ja, Spielsucht zerstört Menschenleben und ja, jedes Medium hat einen Vorbildcharakter, wir können unsere Spiegelneuronen schließlich nicht abschalten. Aber trotzdem zählt zur freien Entfaltung auch, im Leben nichts erreichen zu müssen und ebenso, anderen diesen Way of Life vermitteln zu dürfen. Deshalb steht der Artikel für mich plakativ für den Neid der vermeintlich Intelligenteren, die einen Analyse-Artikel brauchen, um eine simple Realität begreifen zu können. Es gibt Abermillionen von diesen Realitäten und viele viele viele sind so viel krasser als MontanaBlack. Nicht falsch verstehen, grundsätzlich habe ich auch ein Problem mit dem Signal solcher Streams, aber für mich gehört das zum Internet, hier bin ich aufgewachsen, hier wurde ich schon Millionen mal beleidigt und habe trotzdem mehr gelernt als irgendwo sonst auf der Welt. So ein MontanaBlack ist nur ein Toy, dem man keine Aufmerksamkeit schenken braucht.

  6. Ich dachte am Anfang noch „Hey, warum erwähnst du das Video von RobBubble nicht!“… bis ich den Autorenkasten gesehen habe, Sorry dafür.

    @6 Daniel Rehbein:
    Die Vergleiche hinken! Auf beiden Beinen! Erst einmal das mit der Sparkasse und dem Banküberfall: Die Sparkasse hat von einem Banküberfall absolut gar nichts, die virtuelle Spielbank vom illegalen Spielen schon.
    Wenn der Marihuana-Dealer mir auch noch mitteilen würde, wo ich meinen Stoff den nun beziehen kann um ihn weiter zu vermarkten, dann würde der Vergleich funktionieren. So ist es einfach nur ne Nebelkerze.
    Die Figur MontanaBlack ist eben normalerweise keine „Filmfigur“ wie Sie das hier darstellen sondern jemand der etwas im realen Leben macht. Sonst könnte man auch „Thomas Müller“ als Filmfigur bezeichnen, weil er in der Unterhaltungsindustrie tätig ist. Aber wenn er dann illegales Glücksspiel macht und dabei auch noch unglaublich viel gewinnt soll man das automatisch als „Film“ als „Unterhaltung“ (vs. „Realität“) erkennen können?

    @7 P Skizzle:
    Es wird immer etwas schlimmeres gehen, aber wenn jemand etwas illegales tut muss man das ansprechen dürfen, auch wenn es ein gefierter Star ist.

  7. @Daniel Rehbein:
    Das ist wohl der größte Schwachsinn, den es hier je zu lesen gab!
    Filme sind fiktiv und der Zuschauer weiß das!
    Montana Black mag ein Nickname sein, die „Figur“ ist jedoch echt, so wie (fast) alle Social Media Stars echt sind. Sie zeigen, oder behaupten es, ihr wahres Leben bzw. einen Teil davon. Deshalb wirkt die Werbung auch so überzeugend, weil es aussieht, als ob die Person das Produkt wirklich und wahrhaftig nutzt.
    So wie MontanaBlack wahrhaftig ein Online Casino zu nutzen scheint und wirklich und wahrhaftig, mit abfotografiertem Kontoauszug!, Geld zu gewinnen scheint! Was junge Leute dazu verführt (!), sich dort anzumelden und Geld zu verzocken.

    Für Ihren unsinnigen Beitrag finde ich ansonsten nur noch böse Worte, deshalb höre ich besser auf…

  8. „Was, die Leute zahlen auch noch Geld, um anderen beim Spielen zuzuschauen?
    Für Emojis?“

    Und andere Leute zahlen Geld, um anderen beim Fußball spielen zuzuschauen. Oder beim Musikmachen. Oder das Ergebnis eines einstündigen Schreibanfalls zu lesen. ;) Oder eben von mehrtägiger Recherche, je nachdem.

    @Gephard: Ob man sich in die Öffentlichkeit begibt, vor ein großes Publikum, und denen etwas vom Pferd erzählt, das entscheidet man aber schon selbst!

  9. Es gibt zwei verschiedene Aspekte in der Darstellung von Robin Blase: Zum einen die Argumentation, daß das Casino-Spiel Werbung sei, und zum anderen, daß Marcel Eris ein Beweisvideo für eigene strafbare Handlungen veröffentlicht habe.

    Ich kenne die Videos von Marcel Eris nicht, ich verlasse mich auf die Richtigkeit der Darstellung von Robin Blase. Dieser schreibt nicht, daß Marcel Eris den Zuschauer direkt zum Spielen auffordern würde, sondern daß er sein Spielen darstellt und daß er mit seinen Gewinnen prahlt. Jemand prahlt also damit, mit einer illegalen Handlung Geld verdient zu haben. Das ist doch keine Werbung.

    Davon getrennt steht der Aspekt, daß von Meinung von Robin Blase Marcel Eris ein Beweisvideo veröffentlicht hat, daß er etwas illegales getan habe. Robin Blase bringt sogar seine Verwunderung zum Ausdruck, daß dies noch niemandem aufgefallen sei, weil das doch etwas ganz wesentliches sei.

    Gerade dieser zweite Aspekt, der ärgert mich persönlich. Denn von diesem Denken, daß Youtube-Videos ein Beweis für irgendeine Verfehlung des betreffenden Youtubers seien, das ist etwas, von dem ich auch betroffen bin.

    Ich habe auch einen Youtube-Kanal, und ich veröffentliche Photos und kurze Filmsequenzen auf Twitter und manchmal auf Facebook.

    Ich mache zum Beispiel Aufnahmen mit einer Kameradrohne. Es reicht schon, nur ein einzelnes Bild zu posten und dabeizuschreiben, daß es mit einer Drohne aufgenommen wurde, in vielen Fällen kommt jemand und schreibt, wie schlimm und illegal das alles sei. Zum Teil basiert das auf einem falschen Rechtsverständnis, z.B. zitieren Menschen alte Presseartikel, in denen Redakteure die Rechtslage falsch oder extrem vereinfacht wiedergegeben haben, häufig werden aber auch die Bildinhalte ganz falsch gedeutet.

    Da sieht jemand Gleise und bewertet das als Eisenbahnlinie, tatsächlich ist es aber ein Straßenbahngleis. Da sieht jemand regelmäßig angeordnete Gebäude und bewertet das als Wohngrundstück, tatsächlich ist es ein Gewerbemischgebiet. Es gibt hier im Ruhrgebiet teilweise sehr starke Höhenunterschiede. An manchen Stellen reicht es, bloß über die Baumwipfel zu steigen und bergab zu filmen, und nachher glauben Leute, ich wäre auf mehrere hundert Meter Höhe aufgestiegen. Ich filme in einer Auflösung von 4k, ich so kann so im Nachhinein noch digital zoomen, das erzeugt manchmal auch den Eindruck ganz anderer Entfernungen zu sensiblen Objekten, oder ganz anderer Höhen, als es tatsächlich zum Aufnahmezeitpunkt der Fall war.

    Die Rechtslage ändert sich manchmal. Ich habe Drohenaufnahmen, die sind vor April 2017 entstanden, als man in Deutschland da noch sehr frei agieren konnte. Als sich im Jahr 2016 abzeichnete, daß das Bundesverkehrsministerium die Rechtslage verschärfen wird, habe ich (in einer Art Torschlußpanik) noch diverse Filmaufnahmen gemacht, solange diese noch unstrittig legal waren. Ich habe auf meiner Festplatte schöne Luftaufnahmen von interessanten Autobahnkreuzen und Eisenbahnknoten. Aber ich könnte wetten: Wenn ich diese Aufnahmen irgendwann mal schneide und veröffentliche, werde ich Beschimpfungen ernten, was ich alles schlimmes täte.

    Ich veröffentliche auch Filmaufnahmen, die ich mit einer Action-Kamera am Fahrradlenker erzeugt habe. Da ernte ich Kritik, ich würde mich nicht an Verkehrsregeln halten, und ich würde Menschen gefährden.

    Zuschauer sehen zum Beispiel nicht, daß unter dem Einbahnstraßenschild das Zusatzschild „Radfahrer frei“ angebracht war, weil die Perspektive der Kamera am Fahrradlenker eine Besondere ist und weil das Schild zu schnell vorbeihuscht. Zuschauer sehen aber, daß ein anderer Radfahrer (verbotenerweise) auf dem Bürgersteig fährt und fragen mich „Daniel, warum fährst Du nicht auf dem Radweg?“ (den es da gar nicht gibt).

    Man sieht dem Film auch nicht an, an welchen Stellen ich vom Fahrrad absteige. Denn ich steige ab, ohne abrupt anzuhalten. Statt dessen bemühe ich mich, das Fahrrad gerade zu halten und flüssig weiterzulaufen, was mir offensichtlich ganz gut gelingt. Beim Aufsteigen gelingt mir das nicht so gut. Man kann an einem kurzen Innehalten und an einem Ruckeln erkennen, wann ich auf das Fahrrad aufsteige. Wer das wirklich erkennen will, der kann tatsächlich erkennen, wo ich aufgestiegen bin und daraus schließen, daß ich vorher abgestiegen war. Aber darauf achten Zuschauer gar nicht, sondern sie glauben einfach so, daß ich (unvernünftigerweise) Beweisvideos veröffentlichen würde, die belegen, wie ich mit hoher Geschwindigkeit durch Menschenmengen hindurchfahren würde.

    Die Kamera am Fahrradlenker sitzt entsprechend tief, und sie hat deshalb eine andere Sicht auf Welt als ich, wenn ich mit aufrechtem Oberkörper auf dem Sattel sitze oder aufrecht neben dem Fahrrad gehe. Und dann schneide ich die Aufnahmen in mehrfachem Zeitraffer. Das kann manchmal durchaus sehr kriminell und gefährlich aussehen.

    Aber es ist eben nur ein Film. Es ist bloß die Perspektive der Kamera. Es ist etwas Nachbearbeitetes. Es ist kein Beweisvideo – egal, für was.

    https://www.youtube.com/watch?v=-eML9FNoco8

    Dabei verwende ich ja keine besondere Tricktechnik. Ich zoome manchmal hinein, ich verwende Zeitraffer, und ich schneide Aufnahmen von unterschiedlichen Aufnahmezeitpunkten oder Aufnahmeorten hintereinander. Ansonsten ist es der Blickwinkel durch die jeweilige Kamera. Aber alleine das reicht bereits aus, damit Menschen glauben, das wären Beweisvideos für schlimme Dinge, die ich getan habe.

    Wie mag das dann erst bei jemandem aussehen, der umfangreich Tricktechnik einsetzt? Oder der Filmrequisiten einsetzt, der zum Beispiel in einem Fake-Casino spielt und scheinbar immer gewinnt?

    Es gab früher eine Frauenbewegung, die gegen Pornographie zu Felde gezogen ist, weil sie der Meinung war, Männer könnten nicht zwischen Film und Realität unterscheiden. Heutzutage habe ich den Eindruck: Ganz viele Menschen halten Filme für die Realität.

    Alles, was Youtuber veröffentlichen, sind doch grundsätzlich erst mal Filme. Solche Filme beweisen gar nichts, wenn sie nicht durch eine Sekundärquelle bestätigt werden. Der hier bei den Übermedien geschilderte Fall des Youtubers Marcel Eris ist nicht das erste Mal, daß ich laut ausrufen möchte: „Leute, beruhigt Euch. Es ist doch bloß ein Film!“.

  10. @Daniel Rehbein: Oh je, jetzt haben Sie hier alle totgequatscht. ;)
    Werbung ist auch, nur ein Produkt in die Kamera zu halten. Wenn das z.B. eine prominente Person macht. Und wenn indirekt Vorzüge gezeigt werden. Das passiert ja z.B. beim Product Placement in Filmen.

    Und wie Sie selbst schrieben: „Heutzutage habe ich den Eindruck: Ganz viele Menschen halten Filme für die Realität.“
    Um so mehr gilt das für Jugendliche, oder? Und es gibt einen Grund, warum Medien, ganz besonders in Bezug auf Kinder und Jugendliche, reglementiert sind in dem, was sie zeigen dürfen. So altbacken die Regeln teilweise sind (Sendelizenz für Streamer?!) haben sie doch auch einen pädagogischen Hintergrund. Nur durch das Internet und die Videoplattformen wird das häufig unterlaufen.

  11. Ist Werbung wirklich bereits dann gegeben, wenn man ein Produkt in die Kamera hält (im Print-Bereich also dann, wenn man darüber schreibt)? Reicht es, (lediglich indirekt) Vorzüge zu zeigen?

    Es gab da doch neulich diesen Artikel über den Microblogging-Dienst Twitter:

    https://uebermedien.de/30919/druckbetankung-mit-welt/

    Der Autor schwärmt in blumigen Worten und mit verschiedenen Fallbeispielen von seinen Erfahrungen mit dem Dienst Twitter. Es ist ein in Deutschland legal nutzbarer Dienst, für den sich nach Vorbild des Autors jedermann anmelden kann. Trotzdem wird der Artikel (zumindest nach Argumentation von Stefan Niggemeier) nicht als Werbung angesehen. Statt dessen sei er Ausdruck der Wahrnehmung von Twitter als besonderen Ort, der den Autoren auf besondere Weise begeistern könne.

    Hier hingegen wird berichtet von einem Youtuber, der schwärmt über angebliche Gewinne bei Glücksspielen. Es handelt sich hier um eine völlig unrealistische Darstellung eines in Deutschland illegalen Dienstes, die Teilnahme ist in Deutschland also nicht legal möglich. Trotzdem soll es sich in diesem Fall (zumindest nach Argumentation von Robin Blase) um Werbung handeln. Daß die Videos statt dessen Ausdruck der besonderen Angeberei eines Luftikus, der sein Publikum auf besondere Weise für sich begeistern will, sein können, wird nicht gesehen.

    Sollte es nicht eher genau umgekehrt sein? Oder anders ausgedrückt:

    Wenn das Schwärmen für einen legal nutzbaren Dienst keine Werbung ist, sollte dann nicht das Schwärmen für einen illegalen Dienst erst recht keine Werbung sein?

    Wenn die Prahlerei mit einem illegalen Dienst als Werbung für diesen Dienst ausgelegt wird, sollte dann die Lobhudelei auf einen legalen Dienst nicht erst Recht als Werbung ausgelegt werden?

    Oder kann es sein, daß Stefan Niggemeier und Robin Blase unterschiedliche Definition davon haben, wann etwas Werbung ist und wann nicht, und daß das Publikum sich jeweils mehrheitlich nach der Meinung des jeweiligen Autors richtet?

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