Integrations­maskottchen zum Buhmann degradiert

Mesut Özil gewann im Spiel der deutschen Nationalelf gegen Südkorea für einen Offensivmann ordentliche 62,5 Prozent seiner Zweikämpfe, hatte mit 110 Ballkontakten nahezu doppelt so viele wie etwa der Kollege Marco Reus, und 86 Prozent seiner Pässe erreichten die Mitspieler. Vor allem aber schlug er sieben so genannte Key-Pässe, Zuspiele, die unmittelbar zu guten Gelegenheiten führen. Kein Spieler schaffte bislang während dieser Weltmeisterschaft mehr solcher Pässe in einem Spiel.

Natürlich reichte das alles nicht für einen Einzug ins Achtelfinale. Aber schon ein flüchtiger Blick auf diese Daten hätte vielleicht manch einen Redakteur davon abgehalten, Mesut Özil umgehend in Wort oder Bild als Hauptverursacher für das deutsche Ausscheiden zu identifizieren.

So aber forderte der bislang nicht durch Sport-Expertise aufgefallene Sender „Pro Sieben“ via Twitter Özil erst zum Rücktritt auf, um sich dann dafür zu entschuldigen. Da präsentierte die „Welt“ Statistiken, „wie schwach Deutschland wirklich war“ und bebilderte sie natürlich erst mal – mit Mesut Özil. Die FAZ schlagzeilte markig „Der deutsche Untergang“ – und zeigte dazu wen? Mesut Özil. (Was sie später änderte.) Und „Bild“ moserte auf Instagram, mit grimmigem Smiley: „Peinlicher Auftritt! Für uns ist die WM gelaufen!“ Die bildliche Entsprechung fand das Blatt selbstredend in: Mesut Özil!

Fast schon erwartbar behauptete dann gestern der rechte Troll Claus Strunz im inzwischen völlig schmerzbefreiten Sat1-Frühstücksfernsehen wahrheitswidrig, Özil habe immer „nur quer statt nach vorne gespielt“; das war jener Strunz, der auf dem Höhepunkt der Erdogan-Foto-Affäre – schon damals assistiert von einem willfährigen Sat1-Moderator – behauptet hatte:

„Mesut Özil gehört nicht zu Deutschland.“

Und nun sind wir am vorläufigen Tiefpunkt einer medienübergreifenden und erstaunlich beharrlichen Kampagne gegen den Nationalspieler, die ihren Anfang nicht erst nahm, als Özil und sein Kollege İlkay Gündoğan auf die fatale Idee kamen, sich mit dem türkischen Autokraten Erdogan fotografieren zu lassen. So sehr sich plötzlich alle für die Menschenrechte in der Türkei stark machten – die Entrüstung, die umgehend losbrach und von Boulevardmedien befeuert wurde, hatte schon eine Geschichte.

Es war einmal ein „Liebkind“ Screenshot: Abendzeitung

Kaum zu glauben, aber: Mesut Özil war noch vor ein paar Jahren eine Art Integrationsmaskottchen der deutschen Politik. Özil ist in Gelsenkirchen aufgewachsen, in einfachsten Verhältnissen. Seine Bilderbuchkarriere sollte zeigen, wie die deutsche Gesellschaft auch Kindern aus Migrantenfamilien Aufstiegschancen bietet. Nicht ganz zufällig stürmte Kanzlerin Merkel 2010 nach einem Länderspiel gegen die Türkei in Berlin die deutsche Kabine und schüttelte dem perplexen und halbnackten Özil für den Fotografen des Bundespresseamtes resolut die Hand.

Seht her, sollten die Bilder zeigen: Der Mesut ist einer von uns!

Ungünstig nur, dass Özil gar nicht daran dachte, sich vereinnahmen zu lassen. Er wollte kein „Musterbeispiel der Integration“ sein, wie Oliver Bierhoff ihn nannte. Anders als etwa Lukas Podolski, der seine polnischen Wurzeln auch nicht verschwieg, aber mit Hingabe den kölschen Klassenclown gab. Özil hat stets und dabei oft etwas sperrig versucht, beiden Ländern gerecht zu werden.

Das war ein schwieriger Spagat, wirklich recht machen konnte er es weder den deutschen noch den türkischen Anhängern. Letztere pfiffen ihn, den sie gerne als türkischen Nationalspieler gesehen hätten, bei einem Länderspiel in Berlin gnadenlos aus. Seine Homepage musste damals vorübergehend geschlossen werden.

In Deutschland wiederum wird seit Jahren darüber diskutiert, warum Özil die Nationalhymne nicht mitsingt. Dazu muss man wissen, dass manche Leute Nationalspielern tatsächlich die Eignung für die Auswahl absprechen, wenn sie nicht mit feuchten Augen und Hand auf dem Wappen die Nationalhymne schmettern. Erstaunlich ist in diesem Zusammenhang auch, dass die deutsche Elf 1974 ohne Gesang Weltmeister werden konnte! Und wie es Keeper Toni Schumacher 1986 ins Finale geschafft hat, wo er doch während der Hymne nur stoisch Kaugummi kaute!

Dass Özil bei seinen Darbietungen im Nationaltrikot deutlich kritischer beäugt wurde als seine Kollegen mit bayrischen oder niedersächsischen Stammbäumen, daran hat er sich bereits gewöhnt. Auf die Wucht der Häme und Abneigung, die ihm nach der Veröffentlichung der Bilder mit dem türkischen Präsidenten entgegenschlug, war er jedoch nicht vorbereitet.

Bis heute ist nicht klar, was genau Özil und Gündoğan bewog, mit einem Politiker zu posieren, der Journalisten und Oppositionelle einsperrt und sein Land in ein autoritäres System umbaut. Vielleicht war es Naivität, vielleicht Berechnung. Vielleicht war es aber auch dieser Spagat, der nicht Vereinbares vereinbaren will.

„Bild“-Titelseite vom 15. Mai 2018

Um die Erdogan-Fotos ging es ohnehin schon bald nicht mehr, es ging um eine grundsätzliche Kampagne gegen Özil, deren Takt und Ton zunächst „Bild“ angab. „Özils und Gündoğan schäbige Propaganda“, schimpfte das Blatt, das die zwar deutlichen, aber sachlichen Reaktionen aus Fußball und Politik gleich so zusammenfasste, als hätte sich eine Tragödie ereignet:

„Wut. Entsetzen. Fassungslosigkeit“.

Damit war der Ton gesetzt, der all jenen verdrucksten Spießbürgern endlich eine Stimme gab, denen Nationalspieler mit Migrationshintergrund ohnehin höchst suspekt sind – zumal dann, wenn sie sich erdreisten, ihre familiären Wurzeln und Prägungen nicht zu verleugnen. Eine unangenehme Klientel, die den vierten Stern auf dem Trikot nicht als nette Stickerei sieht, sondern als quasimilitärische Auszeichnung, die auch dann mit unbändigem Stolz getragen wird, wenn der eigene Beitrag zum WM-Titel lediglich darin bestand, mit Erdnüssen und Fernbedienung in der Pranke das Sofa durchzusitzen.

In den Tagen nachdem das Foto öffentlich wurde, durfte dann wirklich jeder mal ran, sei es der irrlichternde Scharfmacher Claus Strunz oder der verhinderte Bundestrainer Stefan Effenberg, Zitat:

„Die Entscheidung kann nur so ausfallen, dass man beide Spieler rauswirft.“

Auf faire oder ausgewogene Behandlung konnte Özil während der WM nicht mehr hoffen. Nach der Auftaktniederlage gegen Mexiko durfte dann endlich Lothar Matthäus etwas sagen, natürlich in „Bild“. In seinem Übereifer, Mesut Özil für die Pleite verantwortlich zu machen, versuchte er sich obendrein als Körperdeuter:

„Ich habe bei Özil auf dem Platz oft das Gefühl, dass er sich im DFB-Trikot nicht wohl fühlt, nicht frei ist, ja fast: als ob er gar nicht mitspielen möchte.“

Ein ebenso hanebüchener wie populistischer Unfug, den „Bild“ aber freudig auf die Titelseite hievte.

Pech nur für Matthäus, dass Mario Basler noch größeren, also noch schlagzeilenträchtigeren Unfug geredet hatte, indem er Özil die Körpersprache eines „toten Frosches“ attestierte. Spätestens hier hätte es vielen Redakteuren dämmern können, dass die Debatte völlig aus den Fugen geraten ist.

Stattdessen kam dann die Pleite gegen Südkorea und, zack: Wieder muss Özil herhalten, als Symbolbild des deutschen Untergangs, und „Bild“ urteilt heute: „Özil: 2x Ärger und sonst nix“. Der erste „Ärger“ ist für Bild das Foto mit Erdogan, der zweite, dass Özil nach dem Südkorea-Spiel mit Fans aneinander geriet. Sie sollen ihn „ausländerfeindlich“ beleidigt haben, aber anstatt das ausführlicher zu thematisieren, schreibt „Bild“:

Emotionen zeigte Özil bei der WM nur einmal: Als er nach dem Aus vorm Spielertunnel von einem „Fan“ beleidigt wurde, musste er von Torwarttrainer Andy Köpke zurückgehalten werden.

Özil macht für „Bild“ einfach immer „Ärger“, auch wenn er gar nicht von ihm ausgeht.

Vergangenen Dienstag übrigens, am Vorabend der Niederlage gegen Südkorea, war Mario Basler zu Gast in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz. Basler verkündete dort bräsig, er lasse sich nicht von seiner Meinung abbringen und stellte klar: „Mich interessieren Argumente nicht.“

Das fasst die Debatte sehr gut zusammen.

142 Kommentare

  1. Dass die mediale Behandlung von Özil im speziellen und Fußballspielern im Allgemeinen nach Niederlagen nicht fair ist, ist keine Frage – da sticht m.E. aber Özil auch nicht besonders heraus .
    Trotzdem haben die Spieler das Thema selbst aufgemacht und mit der Stillhalte-Taktik (zusammen mit dem DFB) dem ganzen erst der Nährboden gegeben. Schon aus Selbstschutz hätte der DFB die beiden Spieler zuhause lassen sollen. Gerade Sie als liberales Medienmagazin sollten Propaganda für einen Diktator, der sein Land nach der (auch dank Unterstützung der prominenten deutschen Fußballspieler) gerade wieder gewonnen Wahl weitere 20 Jahre in die Vergangenheit führt und zu einem Gottesstaat mit Alleinherrscher umbaut, nicht dermaßen verharmlosen. Fakt ist, dass weder Gündogan noch Özil sich glaubhaft von Erdogan distanziert haben – und das darf und/oder muss man von einem deutschen Nationalspieler erwarten.

    Der Kommentar geht also an der Sache vorbei: Özil hätte das ganze Thema durch klare Worte (oder alternativ einen – zumindest temporären – Rücktritt aus der NM) entschärfen können, hat er aber nicht. Dass die Medien und einige Wirrköpfe dann z.T. überreagieren, lässt sich in unserem heutigen Medienzirkus nicht verhindern, ist aber auch keinen empörten Artikel wert. Stellen Sie sich einmal den umgekehrten Fall vor: Türkische Nationalspieler, die sich öffentlich von Erdogan distanzieren. Das möchte keiner erleben und deswegen darf man auch nicht die Augen vor einer öffentlichen Unterstützung eines Dikators verschließen.
    Insofern m.E. ein schwacher, zu kurz gedachter Artikel. Auch wenn mir Özil natürlich gewissermaßen leid tut, so weit hat er beim Foto ganz sicher nicht gedacht. Er hatte aber alle Möglichkeit, das Denken nachzuholen.

  2. Obwohl ich mich dem Thema Fußball seit Jahrzehnten hartnäckig verweigere, ist mir allein durch Bilder und Überschriften aufgefallen, dass Özil (teils rassistisch motiviert) zum Sündenbock gemacht wird. Aber ich hatte ja keine Ahnung, in welchem Ausmaß…

    Danke für diesen informativen Artikel!

  3. Danke für diesen fairen Kommentar. Einem begnadeten Fußballer wie Mesut Özil nach 92 Länderspielen mit 63 Torbeteiligungen vorzuwerfen, er fühle sich im deutschen Trikot nicht wohl, wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben.

    Die Stimmung im Deutschland des wieder aufkeimenden Faschismus wirkt bleiern in diesen Zeiten. Und genauso bleiern sind die Beine seiner Fußballer. Insofern passt alles zusammen.

  4. Die letzten Tage habe ich mal spaßeshalber auf dem Kicker nach dem Artikel zu einem der letzten Vorrundenaus bei einem großen Turnier nachgeschaut – 2000 bei der Europameisterschaft (2004 sind sie noch mal rausgeflogen…). Der Artikel war mit „Defizite wie noch nie“ überschrieben – die Mannschaft zu langsam, einfallslos und „bewegungsarm“. Matthäus hat damals für seine Leistung beim Kicker übrigens eine 4,5 bekommen und war damit tatsächlich noch einer der besseren.
    Wenn man sich den Artikel von damals so durchliest und mit der Berichterstattung der letzten Tage vergleicht, fällt mir auch nur „blutleer“ und „einfallslos“ ein – viel geändert hat sich nichts, bis auf einen Punkt, der offenkundige Rassismus.
    Es scheint halbwegs ok zu sein, wenn Bayern München immer Trainingslager im Katar macht und mir würden da noch ganz andere Beispiele einfallen… Das Bild von Özil und Gündoğan war sicher extrem ungeschickt, aber die Medienreaktion steht in keiner Relation mehr, zu dem was passiert ist.
    Und den öffentlich-rechtlichen wie auch allen anderen Sendern würde man wünschen, mal nicht mehr Leute wie Basler oder Matthäus einzuladen. Die waren auf dem Fußballplatz sicher sehr gut. Aber jenseits des Platzes – puh… sicher nicht der Typ von Analyse, der in irgendeiner Weise spannend ist. Wenn schon Basler, dann würde ich von ihm doch gerne mal was zur Rolle von Spieleragenturen und Marketing hören, da ist er ja wirklich Insider und bei Matthäus zum Spiel mit den Medien und wie so was auch nach hinten losgehen kann.

  5. @MICHAEL FREY DODILLET

    Wiederaufkeimender Faschismus – geht es nicht vielleicht eine Hausnummer kleiner?

    Und haben Sie irgendeinen Beleg für die Behauptung von bleiernen Beinen, etwa gelaufene-Kilometer-Statistiken oder so was? Ansonsten sollten Sie am großen Anti-Confirmation-Bias-Training für alle Sportreporter und -fans teilnehmen.
    Die Gefahr ist nämlich sehr groß, dass man aus dem Bauch heraus eine These aufstellt, und dann überall Indizien wahrnimmt, die diese These bestätigen, die auch nicht falsch sind, aber da man sich nicht gleichermaßen bemüht die These zu widerlegen und wahrzunehmen, was dem widerspricht, verrennt man sich da sehr leicht.

    In der 87. Minute flankte Özil auf Hummels, glaub ich, der köpft nicht platziert genug auf’s Tor, sonst steht es 1:0 für Deutschland und wir sind wahrscheinlich mit blauem Auge im Achtelfinale.

    Stattdessen liegt jetzt bleischwerer Faschismus in deutschen Köpfen, wenn nicht schlimmeres.

  6. Schwarzer-Peter spielen..eine deutsche Kernkompetenz,leider!
    Egal was ist war oder sein wird,
    die Blöd wird die Wirklichkeit schon (hin)richten…
    Hauptsache die Flüchtlingsdeals und Waffenverkäufe mit der Türkei geraten nicht in Fokus,oder.

  7. @3, Dodillet

    Ich kann grad ein bisschen nicht mehr. Ich muss ja auch nicht, schon klar.

    Sie sind sich dann also mit Frau Fröhlich im Kyffhäuser-Thread doch in soweit einig, dass der Ausgang dieser WM für „Die Mannschaft“ die Lage dieses Landes widerspiegelt? Ernsthaft? SCNR

    Danke @ Übermedien für diesen Artikel. Hatte ua auch in den unsäglichen Basler-Auftritt bei Lanz reingezappt und entsetzt festgestellt, dass mir in dem Moment der versuchsweise gegenargumentierende Lanz tatsächlich einen Moment lang sympathisch war. So weit ist es gekommen! ;-)

  8. Julian Reichelt sagte ja selbst „Nichts hat der Bild finanziell so geschadet wie die emphatische Haltung zu Beginn der Flüchtlingskrise“

    Dem entsprechend wird die Schelte von „ausländisch aussehenden“ Fußballspielern sich in deren Zielgruppe wohl auch ganz gut verkaufen.

    Soweit. Nichts. Neues.

  9. Ich habe heute auf FB schon mit Fakeprofilen namens »Lauchi Bachmann« diskutiert. Lauchi! Kaum zu fassen, in welche Niederungen ich sinke, wenn ich nicht aufpasse.

    Deshalb habe ich jetzt auch überhaupt keinen Bock auf »User Unknown« oder »Muffelig« oder sonst einen, der nicht die Traute hat, seine Meinung mit seinem Namen zu unterschreiben.

  10. Erdogans Wahlkampf stand bevor – auch in Deutschland. Was liegt also näher, als sich mit den so ziemlich einzigen türkisch(stämmigen)-deutschen Fußballsuperstars ablichten zu lassen? Auch der Boxer Max Schmeling tat das seinerzeit und betrieb z. B. in den USA heftige NS-Propaganda, was ohnehin von jedem Sportler erwartet wurde und Schmeling übrigens den nicht unerheblichen Vorteil der Steuerbefreiung einbrachte – allerdings nur solange, bis er – nach verlorenem Kampf – nicht mehr „politisch verwertbar“ war.
    Ggf. noch interessant zu erfahren, wie die „Reaktion“ des zitierten Blattes und der sog. „Öffentlichkeit“ gewesen wäre, wenn z. B. DFB-Spieler Müller an AfD-Weidel ein Trikot überreicht hätte?
    Wie auch immer: wenn ich Özil wäre und ca. 400000 Euro Wochengehalt hätte, würde ich mir einen ins Fäustchen lachen und denken „Ihr könnt mich alle mal…!“. Und ich glaube, genau das tut er – genau das Richtige!

  11. Rein statistisch war Özil überragend. Schade nur, dass das innerhalb der als Nationalmannschaft verkleideten Altherrentruppe überhaupt nicht aufgefallen ist, trotz gewonnener Zweikämpfe und tipptopp Key-Passing. Unterm Strich 2:0 verloren, und was lehrt’s uns? Statistik schießt eben doch keine Tore!

  12. P.S.
    Preisfrage: Was haben Pro Sieben und Statistiker gemein? Beide sind bislang nicht durch Sport-Expertise aufgefallen.

  13. Mein Witz der Woche ist Peters Kommentar. Der das Argument des Artikels, dass es bei Özil schon lange nicht mehr um sportliche Dinge geht mit dem Schlusspunkt schlusspunktet, dass der Komentar am Wesentlichen vorbeigeht, weil es ja wohl nicht mehr um sportliche Dinge geht.
    Und zur Erinnerung. Als Effenberg den Mittelfinger zeigte, Basler sich bei den Bayern raussoff, Matthäus gegen Ribbeck putschen wollte, da habe Deutsche Fußballer Charakter gezeigt. Waren halt Typen. Wenn Özil gegen Südkorea ein besseres Spiel macht als erhofft, ist er irgendwie nicht richtig bei der Sache …

  14. @9 Geschenkt wg Autopolitur. Sehen Sie mir bitte nach, wenn ich Ihren Namen nicht komplett ausschreibe, tippe mühsam einfingrig vom Smartphone aus ;)

    Und sehen Sie mir ein bisschen nach, dass ich nicht unter Klarnamen poste. Einer der vielen Gründe dafür ist, dass ich nicht unversehens auf einer rechten oder linken „Wir wissen wo du wohnst“-Liste stehen möchte.

  15. @Hundshop:
    Warum dann aber der Focus auf Özil? Hm?
    Rein objektiv war er nicht der schlechteste deutsche Spieler bei dieser WM, ganz im Gegenteil kamen von ihm noch die meisten offensiven Akzente.
    Er ist genauso lange in der N11 wie Neuer, Boateng, Hummels, Müller oder Kroos. Und er ist nicht mal Kapitän, also der offizielle „Mannschaftsführer“, wie das früher hieß. Warum werden nicht etwa Boateng oder Müller genauso runtergeputzt? Gerade letzterer war schlecht. Und Boateng überhaupt nicht fit. Özil war zwar seit 2 WM-Zyklen der Fixpunkt im offensiven Spiel. Dennoch lässt sich der Focus auf ihn rein sportlich nicht erklären.

    Klar. Das „Bild“. Und deswegen hat er seit 8 Jahren keine Lust auf das deutsche Nationaltrikot, wie Matthäus orakelte??

  16. Aaaach, im Fußball gibt’s Rassismus? Ich dachte immer, es wäre nur die latente Schwulenfeindlichkeit und gelegentlich auftretender Sexismus, die in dem Milieu gedeihen.
    Sportlich ist die Kritik natürlich nicht; sofern Özil seine Mitspieler nicht vergiftet oder ein paar Eigentore schießt, kann er im Alleingang nicht eine ganze Mannschaft reinreiten.
    Und menschlich sehe ich es auch ein, wenn er nicht den „Alibitürken“ geben will – er hat zwar einen tollen Job, aber viele andere türkischstämmige Menschen in D. sind nicht so glücklich.

    Punkt ist, wenn man ihn für seine Erdogan-Aktion kritisieren will, so solle man das auch bitte so tun. Ich meine, schon rein statistisch müsste es einen Mannschaftskollegen von ihm geben, der der AfD nahe steht (bzw., der sie halt wählt). Wie würden a.) Özil, b.) die Medien, und c.) die Öffentlichkeit reagieren, wenn sich dieser Mannschaftskollege werbewirksam mit bspw. Gauland träfe? Ein Teil der Medien und der Öffentlichkeit fänden’s bestimmt ok oder sogar gut.
    Andere hielten den Mannschaftskameraden für untragbar. Und einige würden ihm evt. die Schuld an sportlichen Enttäuschungen zuschreiben, weil er natürlich den „Zusammenhalt“ gefährdet hat.

  17. Also von solchen Statistiken „… 86 Prozent seiner Pässe erreichten die Mitspieler. …“ halte ich gar nichts. Das können dann theoretisch auch lauter Rückpässe zum Torwart gewesen sein die angekommen sind, und die 14 Prozent Fehlpässe waren in der offensive.

  18. Vielen Dank für diesen Artikel.
    Ich habe mich immer gefreut, dass Mesut Özil, ein Spieler mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, sich trotz türkischer Wurzeln dazu entschieden hat, für Deutschland zu spielen. Und daran hat sich auch nach dieser erfolglosen WM nichts geändert, denn es war ein Scheitern des Kollektivs.
    Ich muss auch sagen, dass ich persönlich keinerlei Wert darauf lege, ob ein Spieler die Nationalhymne mitsingt oder nicht, und dass ich die Debatte inzwischen nur noch lächerlich finde. Zumal das in früheren Jahren überhaupt kein Thema war. Wenn die Deutschen soviel Wert auf das Mitsingen der Hymne legen, dann sollte dies als wichtigste Voraussetzung für die Aufnahme in die Nationalmannschaft schriftlich festgesetzt werden. So aber wirkt die Forderung doch mehr als willkürlich.
    Unbestritten war das Foto mit Herrn Erdogan zu dem Zeitpunkt keine glückliche Aktion. Allerdings hat Özil sich in der Vergangenheit schon mehrfach, bereits als er noch für Real Madrid spielte, gemeinsam mit diesem ablichten lassen, ohne dass irgendjemand daran Anstoß genommen hätte. Insofern denke ich, dass er sowohl die mediale Aufmerksamkeit als auch die darauf folgende Welle der Empörung, die dieses Foto nach sich ziehen würde, unterschätzt und falsch beurteilt hat.
    Insgesamt empfinde ich die mediale Kampagne gegen Mesut Özil und die von allen Seiten ertönenden Hasstiraden nur noch als ekelhaft und traurig. Gerade nachdem man nach dem Freitod von Robert Enke in großen Worten einen anderen, umsichtigeren Umgang mit den Spielern beschworen hatte. Nichts als leere Worte wie so oft.

  19. Die Franfurter Rundschau hat unter dem Titel „Der Schuldige ist gefunden“ im Wesentlichen dasselbe geschrieben wie im Beitrag von Übermedien.
    Karim Benzema (den man dieses Mal gar nicht zur WM mitnahm) hat das Problem zusammengefasst: Wenn ich nicht treffe, bin ich Araber, wenn ich treffe, bin ich Franzose.

  20. @Thomas O-R
    Ja, das ist das Strunz-Argument. Ja, das würde im Text behandelt und widerlegt. Ja, das lässt Sie jetzt wie jemanden erscheinen, der kein Interesse am Inhalt hat.

  21. @ 9:

    Es ist in großen Teilen des Internets zulässig und üblich, unter Pseudonymen zu schreiben, so auch auf diesem Blog. Und selbst bei denjenigen, die einen Namen angeben, weiß man gewöhnlich nicht, ob er real oder frei erfunden ist. Um sicherzugehen, dass jeder unter seinem realen Klarnamen schreibt, bräuchte man eine Passkontrolle.

    Und ob so etwas bedeutende Vorteile hätte, kann bezweifelt werden. Argumente sprechen für sich selbst; ihre Qualität hat nichts damit zu tun, von wem und unter welchem Namen sie vorgetragen wird. Und gegen unsachliche und niveaulose Beiträge scheint eine Klarnamen-Pflicht auch nicht viel zu helfen.

  22. @Daniel
    Natürlich habe ich Interesse am Inhalt.

    Es sind alle eingesetzten Spieler am ausscheiden der Mannschaft schuldig und nicht nur einer wie es manche „Experten“ gerne schreiben.
    Und kein Spieler sollte von der Presse so angegriffen werden wie es mit Özil passiert.

    Ich habe natürlich gelesen das er die meisten „so genannte Key-Pässe“ gespielt hat.
    Das ändert aber nichts daran, das die Statistik mit der Anzahl der Pässe die seine Mitspieler erreichten total irreführend sein kann. Und das ist es was ich eigentlich gemeint habe.

  23. Ich finde es auch sehr schlimm, wie weit unser Land offenbar schon nach rechts gedriftet ist wenn man sieht, was da gerade abgeht.

    Ich war noch nie ein Fan von Özil — er war mir in entscheidenden Spielen immer zu schwach. Aber in diesem Turnier hatten wir ganz andere Probleme. Es fehlt eher an einem „leader“ in der Mannschaft, der die Jungs auf dem Platz mitzieht wenn es schlecht läuft. Ohne so jemanden, kannst du die WM nicht gewinnen. Das war Schweinsteiger 2014 (oder ist Ronaldo in Portugal, Ramos in Spanien etc.) , aber derzeit haben wir keinen.
    Und auch sonst gibt es andere Spieler, die viel schlechter waren. Kroos war — abgesehen von seinem Tor gegen Schweden — so schlecht wie nie. Khedira war ebenfalls in der Rückwärtsbewegung katastrophal. Müller gelang sowieso nichts (nach der Einwechslung gegen Korea hatte er nicht einen sinnvollen Ballkontakt). Boateng weit unter Form etc.
    Özil war neben Reus und Werner noch einer der wenigen, die nicht ganz so schlecht gespielt haben (wenn auch nicht wirklich „gut“).

    Es ist mMn wirklich eher ein Spiegel unseres Landes, dass Özil jetzt der Buhmann ist — mit dem fussballerischen Auftreten hat das garnix zu tun.

  24. Die Kritik an Özil kann man nur als tief sitzenden „Türkenhass“ verstehen, den es immer noch gibt und der sich in Folge der so genannten „Flüchtlingskrise“ noch verschärft hat – obwohl die wenigsten als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind. Absurd. Aber in erster Linie geht es den strunzdummen Wutbürgern – egal ob auf der Straße oder in den „Mainstreammedien“ (die ja mittlerweile zum Teil auf AfD-Kurs segeln) – eh nur darum, ihren latenten wie manifesten Fremdenhass endlich freien Lauf lassen zu können. Die Erdogan-Geschichte oder das WM-Aus sind da nur willkommene Anlässe. Und letztlich stand Özil ja auch schon bei der WM 2014 in der Kritik, auch weil er nicht zum Idol für die dumpfen „Deutschland“-Schreier taugt. Der Mann will einfach nur spielen. Und hätte die DFB-Elf damals den Titel nicht geholt, wäre der Shirstorm vier Jahre früher losgegangen. In Zukunft dann nur noch „Biodeutsche“, blond und blauäugig, mit Seehofer als DFB-Präsident und Gauland als Coach.

  25. Danke für diesen herausragenden Kommentar. Es sind nicht nur nicht die Argumente, die nicht mehr interessieren, es ist auch die Wahrnehmung, das genaue Hinsehen wird bereits verweigert.

  26. Nachdem ich via Bildblog bei den Berichten von Johann Pätzold über die Lage im Mittelmeer gelandet bin (ich wusste ehrlich nicht, WIE schlimm es dort zugeht und WIE viele Leichen die NGOs dort aus dem Wasser fischen müssen) und nachdem ich auch mitbekommen habe, was im Bundestag passiert ist, während Mesut Özil diese Nation an den Rand des Abgrundes gebracht hat, wo sie ja ohnehin schon steht, oder so – Stichwort Innen- und Sportminister muss mit Blaulicht zur Lifeline-Debatte kutschiert werden, weil wg Fußball auch sonst grad kaum jemand im Bundestag ist – bin ich in meiner Wut und Gewalt(fantasie)bereitschaft gegenüber AFD/Identitären/CSU zwar immer noch nicht soweit wie zB Herr Dodillet, würde die entsprechenden Gestalten aber dennoch gerne bei Sturm und meterhohem Wellengang in einem Schlauchboot sehen und die Rettungsentscheidung in diesem Fall einzig und allein dem Christengott der CSU überlassen. Also, nicht dem Christengott derjenigen, für die sich Nächstenliebe nicht nur auf den nächsten Christen bezieht. Vielleicht schickt ja sogar einer von beiden in bewährter Tradition einen Wal vorbei.

    @Herr Dodillet, falls Sie hier noch sind: ich möchte mich bei Ihnen für den Kommentar weiter oben entschuldigen. Eifer des Gefechts und so.

    Ich werde hier trotzdem wie die allermeisten anderen weiter nicht unter Klarnamen posten und fand es wiederum nicht nett, deswegen von Ihnen in die Nähe eines Lauchi Bachmann gestellt zu werden. Den und dessen Kommentare ich nicht kenne und kennen will. Mir reichen die paar Artgenossen hier. Ich mag aber auch die gewaltbereiten Linksextremen nicht.

    Und wärenddessen betrauert der Heimatinnenundsportminister grad das Vorrundenaus. Schland.

  27. Die gesamte Springer Presse hat die „Erdogan-Affäre“, wie die Bild Zeitung so schön titulierte, zu einer regelrechten Hetze gegen Mesut Özil und auch Ilkay Gündogan über Wochen, zu einem seiner Hauptthemen gemacht. Hier wurde nicht mehr auf sportliche Leistungen Bezug genommen, sondern rassistische Ressentiments der Leser bedient, und in den Kommentarbereichen durfte dann auch mal gesagt werden, was man sich vor noch ein paar Jahren nicht getraut hat zu sagen.
    Rassismus ist wieder salonfähig, und das scheint vielen zu gefallen.

  28. „Bis heute ist nicht klar, was genau Özil und Gündoğan bewog, mit einem Politiker zu posieren, der Journalisten und Oppositionelle einsperrt und sein Land in ein autoritäres System umbaut. Vielleicht war es Naivität, vielleicht Berechnung. Vielleicht war es aber auch dieser Spagat, der nicht Vereinbares vereinbaren will.“

    Vielleicht war es auch ehrliche Sympathie für einen islamistischen Diktator, der die Reste der Demokratie in der Türkei platt macht so wie es Hitler in den 1930er Jahren in Deutschland tat? Wie einfältig, jegliche Kritik daran als „Rassismus“ oder „Türkenfeindlichkeit“ zu diffamieren. Die demokratische Opposition in der Türkei wird fassungslos auf diese Dämlichkeit der deutschen Linksbunten blicken.

  29. Was ist denn jetzt schon wieder »linksbunt«? Da hat man sich als dämlicher, deutscher Gutmensch gerade an »linksgrünversifft« gewöhnt, schon denkt sich das Fähnlein der Andershitlernden wieder was Neues aus. Es ist mühsam in diesen Tagen. Ich bin zu alt für diesen Scheiß!

  30. #28
    Da gibt es nichts zu entschuldigen, Muffelin, Sie lagen ja nicht falsch. In meinen schwärzesten Gedanken unterscheide ich mich leider kein bisschen von Lichtgestalten wie unserer Frau Frieda Pöblich.

    Bei Ihrer Schlauchbootfantasie bin ich übrigens dabei. Ich hätte mir gewünscht, der letzte EU-Gipfel hätte in einem Schlauchboot stattgefunden. Alle 28 Empathieversager mitten rein ins Mittelmeer, 3 Meter hoher Wellengang, Frisuren am Arsch, Hosen voll, Gummireling vollgekotzt, Orban und Kurz beim Ertrinken zusehen, leider nicht eingreifen können – und anschließend bitte über die gemeinsame Beseitigung von Fluchtursachen diskutieren und nicht über Abschottung, Asylzentren und die »kriminellen Energien« der Seenotretter, ihrer Kapitäne und ihrer Besatzungen.

  31. @32
    Na, lesen Sie linksbunt einfach als Synonym für linksgrünversifft. Bunte Gesellschaft und so. Und entspannen Sie zwischendurch ruhig mal ein bisschen. Weiß ja nicht, wie bzw wo Sie so zuhause sind. In meiner realen Welt treffe ich hinter der Haustür auf sehr sehr viele entspannte und freundliche Menschen. Auf die vertraue ich. Gestern erst noch im Supermarkt spontan zwei neue „Freundschaften“ geschlossen ;)

    … andererseits natürlich wieder grad Phoenix-Übertragung AFD-Parteitag. Ich kanns mir nicht weiter reinziehen. Ehrlich nicht. Sonst versinke ich nämlich gleich in allerallerschwärzesten Gedanken.

  32. #30

    „Linksbunt“ ist natürlich eine sehr lustige Wortneuschöpfung, die ich so noch nicht kannte. Aber wo es keine Argumente mehr gibt, muss man halt zu irgenwelchen Phrasen oder anderen Unsinn greifen.

    Um es auch für Sie noch einmal zu verdeutlichen: Die Kritik an Ozil, die man teilweise auch als Hetze bezeichnen kann, gab es schon lange bevor er sich mit Erdogan hat ablichten lassen. Durch das Foto hatte man jetzt endlich auch einen offiziellen Anlass und den Beweis, dass Özil kein „Deutscher“ ist. Und in den Chor stimmen mittlerweile nicht nur die Dumpfbacken ein, für die „Blut und Boden“ die einzigen Kategorien sind, sondern auch zahlreiche andere Leute, denen man eigentlich zutrauen könnte, nicht in fremdenfeindliche Muster zu verfallen.

    Und das zu kritisieren hat nichts damit zu tun, Erdogans Politik zu relativieren und der demokratischen Opposition in der Türkei in den Rücken zu fallen. Niemand hier hat Özils und Gündoğans Auftritt bei Erdogan verteidigt, im Gegenteil. Trotzdem muss man erkennen, dass die öffentliche Kritik an Özil andere Ursachen hat. Und wer das nicht sehen will, ist vermutlich auf dem einen Auge blind.

  33. An Peter : Dieser Artikel geht überhaupt nicht am Thema vorbei sondern trifft ihn sehr gut. Es geht um die sportliche Leistung. Und seine Leistung im Verhältnis zur Mannschaft war immer noch gut. Özil wird bewusst schlecht gemacht und als Sündenbock dargestellt weil seine 1 einzige handlung ( und das außerhalb des Platzes auch noch ) vielen nicht passt. Seine Statistiken sagen aber was anderes und daher ist es wichtig das hervorzuheben, weil es sonst unfair wäre.

    Guter Artikel !

  34. Wie man sich vom Thema Özil zu solchen Gewaltfantasien („ertrinken lassen“) versteigen kann… Leute nehmt mal eure Tabletten.

    Zu Özil bleibt nur zu sagen, selbst Schuld, in zweifacher Hinsicht. Niemand hat ihn gezwungen, besagtes Foto zu machen, nach dem was wir wissen, und er hat sportlich keine Gegenargumente geliefert. Da kann man noch so viel von ‚key passes‘ schwafeln, unterm Strich bleiben in seinen zwei Spielen null deutsche Tore, damit lässt sich eben schlecht argumentieren. Natürlich hat er die Spiele nicht alleine verloren, aber durch seinen Handshake bietet er das leichteste Ziel. Das hat er selbst verantwortet. Dass jemand mit den meisten Followern in der Nationalelf nicht die Macht eines Bildes kennt, ist lächerlich. Zumindest irgendjemand von denen, die seine social media Texte schreiben, sollte dies verstehen. Stichwort schlecht beraten. Nach so einer Blamage kommt die Zeit der Aasgeier, er steht da nun mal unter besonderer Beobachtung (Hymne mitsingen), das kann man ungerecht finden, funktioniert in anderen Ländern aber nicht anders (Jimmy Durmaz oder der Kolumbianer, der Morddrohungen erhielt). Nochmal, wer sich so exponiert, darf sich in schlechten Zeiten nicht über Gegenwind wundern.

  35. »Der Kolumbianer« hat keine Morddrohungen erhalten, sondern wurde 11 Tage nach seinem Eigentor am 2. Juli 1994 in Medellin erschossen.

    Ich bin sicher, in den einschlägigen, kolumbianischen Foren wurde das auch schon schadenfroh mit »… bleibt nur zu sagen, selbst Schuld, in zweifacher Hinsicht …« kommentiert.

  36. Mal was ganz anders gefragt, natürlich kann man auch ohne Hymne singen Weltmeister werden, aber weil Toni Schumacher ’86 statt zu singen Kaugummi kaute, braucht Özil das auch nicht?

    Das Argument wäre also: weil Özils heutige Kritiker dasselbe Verhalten vor über dreißig Jahren, als viele von ihnen Kinder oder gar nicht auf der Welt waren, nicht beanstandeten, haben sie kein Recht mehr, es jetzt zu kritisieren. Äh, nein. Eine Menge Quatsch aus den 80ern wird heute sehr scharf kritisiert. Profifußball wird in D. sowohl mit öffentlichen Mitteln unterstützt als auch von getarnten Nationalisten, da ist eine Hymne keine unzumutbare Härte. (Klar, wenn’s die Hymne nicht ist, gibt’s das nächste Haar in der Suppe, aber schlechte Gegenargumente sind halt schlecht.)

  37. @Mycroft:

    Özil hat halt auch 2014 schon keine Hymne gesungen und da sind wir Weltmeister geworden. Man muss also nicht in die 80er zurückgehen.

    Und: Wann überhaupt wäre denn „Hymne singen“ ein Kriterium für irgendwas? Wenn er sich besser konzentrieren kann wenn er während der Hymne betet, wer soll ihm dann anderes vorschreiben? Jeder Leistungssportler hat Rituale vor Wettkämpfen. Die aus Jux und Dollerei zu durchbrechen (weil der muss die Hymne singen!!!111) wird eher zum gegenteiligen Effekt führen. (Abgesehen davon dass ich nicht glaube, dass dann die Kritik an ihm aufhören würde — denn „Türke“ bleibt er ja in den Augen der Nationalisten trotzdem).
    Und sowieso: Einen Ronaldo/Messi o.Ä. würde ich auch aufstellen wenn der während der Hymne einen Kinderreim aufsagt. Denn wir wollen das Spiel gewinnen und nicht 11 Dödel aufstellen, die nix weiter können außer den Text der Nationalhymne.

  38. @Ichbinich:
    Warum geht man dann in die 80er zurück? Schumacher wurde nicht von mir aufs Paket gebracht. (Schumacher hat sich mWn aber auch nicht mit Honecker getroffen, vllt. war das der Unterschied.)
    Ich möchte mal schwer bezweifeln, dass Özil 2014 noch nicht kritisiert wurde. Man brauchte ihn nur nicht als Sündenbock.

    Die Hymne soll auch nicht die privaten Rituale (Beten, Kaugummi kauen, etc.) ersetzen. Behauptet das jemand (außer Ihnen jetzt)?
    Wenn Özil privat der Ansicht ist, Sport und Politik trennen zu müssen, und sich nicht als „Integrationsmaskottchen“ einspannen zu lassen, na meinetwegen.
    „Klassenclown“ ala Poldi wäre vllt. trotzdem die bessere Taktik.

  39. Özil ist das beste Beispiel für gescheiterte Integration und er ist nur einer von Tausenden

  40. Wenn man die üblichen Linksgrünen Kommentare hie liest z.B. Holger P nach seiner Meinung Kritik an Özil Rassismus und Hetze Kritik an Müller voll grechtfertigt was für eine Heuchelei, aber was will man von einem Dekadenten Kommunisten schon erwarten

  41. Da kann man noch so viel von ‚key passes‘ schwafeln, unterm Strich bleiben in seinen zwei Spielen null deutsche Tore, damit lässt sich eben schlecht argumentieren.

    Da liegen Sie vollkommen richtig; die Leistung eines Kreativspielers im offensiven Mittelfeld daran zu messen, wie viele Tore er erzielte – damit lässt sich tatsächlich schlecht argumentieren.

  42. @Mycroft, 40
    Soll Özil denn genötigt werden, die Hymne fortan gefälligst mitzusingen, weils halt doof aussieht, wenn er als einer von wenigen oder einziger (?) in der abgefilmten Reihe das nicht tut und vor allem nur, um Deutschsachse und Co evtl ein bisschen Wind aus den Segeln zu nehmen?

    Falls das künftig in Nationalspielerverträge verbindlich mit aufgenommen würde, sähe ich da gerne auch einen Passus gegen verschmitzt in die Kamera zwinkern (Müller). Scheint mir der heiligen Ernsthaftigkeit des Spiels auch nicht angemessen. Äh…
    ;-)

    Özil scheint so ganz allgemein keine „ganz einfache“ Figur zu sein, an der man sich halt prima abarbeiten kann. Wer ist das schon. Außer manchmal naja …

    @Deutschsachse
    Sie sind leider ebenfalls ein bestes Beispiel für gescheiterte Integration und nur einer von zu vielen.

  43. @41: Tausende Nichtintegrierte, also etwa 0.01% der Bevölkerung? Was genau ist nochmal das Problem? Also ausser Ihrer Grammatik?

  44. @45 dafür zeigen sie schwäche im Kopfrechnen wohl viel Matheuntericht versäumt an der Schule für Toleranz ,Buntheit und Vielfalt

  45. Freut mich dass meine Wortneuschöpfung „linksbunt“ hier auf so viel Begeisterung stößt. Sie klingt nicht so degoutant wie „linksgrünversifft“, mich erinnert sie eher an die tragische Romantik eines zerplatzten Traumes. Linksbunt.

    Aber zurück zur Sache: Verstehe ich Sie richtig? Einem Faschisten wie Erdogan Wahlkampfhilfe zu geben, ist grundsätzlich inakzeptabel – es sei denn, der Wahlkampfhelfer ist türkischer Herkunft, dann ist Kritik daran „Hetze“? Woher wollen Sie wissen, welche Motivationen die Kritiker von Özil haben? Und fällt Ihnen nicht auf, dass Sie Özil grundsätzlich entlastende Motive unterstellen, den Özil-Kritikern jedoch rassistische Motive? Das ist doch in höchstem Maße scheinheilig!

  46. @47:
    Wenn Sie doch ein Fußballfreund sind, wieso schreiben Sie dann nichts zum Fußball?
    Was sind die fußballerischen Kritikpunkte an Mesut Özil?

  47. @FUSSBALFREUND:

    Es geht aber eben in der Kritik an Mesut Özil nicht um sein Treffen mit Erdogan. Dass das sehr wohl kritikwürdig ist bestreitet keiner.

    Er wird aber derzeit von allen Seiten bezüglich seiner angeblich schlechten Körpersprache auf dem Feld, ungenügendem Passspiel etc. kritisiert. Und das ist Unsinn. Denn er war in einer grottenschlechten Mannschaft beileibe nicht der Schlechteste. Im Gegenteil war noch eher im „oberen Drittel“. Und andere, die deutlich schlechter als er waren (Kroos, Khedira, Müller, …) kommen medial viel besser weg.
    Und das wird zurecht kritisiert — und der Grund dafür ist durchaus ein rassistischer. Auch wenn die rechtsgelben das nicht zugeben wollen (falls es das Wort noch nicht gibt melde ich hiermit Markenrechte daran an!).

  48. @Mycroft

    „Die Hymne soll auch nicht die privaten Rituale (Beten, Kaugummi kauen, etc.) ersetzen. Behauptet das jemand (außer Ihnen jetzt)?“

    Na ich habe aus Ihrem „da ist eine Hymne keine unzumutbare Härte“ geschlossen, dass Sie Özil zum Hymne mitsingen verpflichten wollen. Und man kann halt nicht gleichzeitig beten und singen. Zumindest ich nicht. Also müsste er sein Ritual ändern.
    Und ich sehe immer noch keinen Grund warum man das überhaupt tun sollte. Gehört zur Meinungsfreiheit nicht auch, eine Hymne nicht zu singen? Oder hört die da schon auf?

    P.S: Olympiasieger etc. singen doch auch nie bei der Nationalhymne, oder? Warum prangert diese Sauerei denn keine an?

  49. @Muffelin:
    Ach, wie sollte diese „Nötigung“ denn aussehen? Man zieht ihm die 23,50 € ab, die die anderen Spieler während der Minute und ein paar Sekunden verdienen, die die Hymne dauert?

    Der Umstand, dass er in nationalistischeren Ländern entweder nicht in der Nationalmannschaft wäre, oder ganz schnell daraus verschwinden würde, wenn er nicht mitsingt, zeigt eigentlich, dass er fürs richtige Land spielt. (Einfach mal überlegen, wäre Özil ein türkischer Nationalspieler. Und sänge nicht mit. Aber träfe sich mit Merkel. Was würde Erdogan sagen? Hmmm…)

    Klar ist es nicht _seine_ Aufgabe, im Alleingang dt. Nationalismus zu bekämpfen und/oder die Generation der Gastarbeiterenkel zu integrieren. Klar kann er auch nicht im Alleingang die WM gewinnen oder verlieren, außer, erschießt ein Eigentor oder dergleichen. Aber die Erdogan-Aktion war ein Eigentor für ihn persönlich. Und by proxy ein Punkt für die Nationalisten in D. und in der Türkei.

  50. @43: Sie verstehen mich natürlich bewusst falsch. Während Özils Anwesenheit auf dem Platz hat die gesamte Mannschaft null Tore geschossen. Weniger ist offensiv tatsächlich nicht möglich.

  51. @51 Mycroft
    Und was genau nochmal hat jetzt das Hymnesingen mit 1. der mehr als unglücklichen Erdogan-Aktion, 2. dem fußballerischen Auftritt von Özil, 3.dem Vorrundenaus der Nationalelf und 4. Özils theoretischem Schicksal in einer türkischen Nationalmannschaft zu tun?

    Weils halt grad alles so schön zusammenpasst und Özil halt einfach „so einer“ ist?

    Mönsch, dass hier noch gar niemand die Kiste mit der Steuerhinterziehung … oh, verdammt.

    Erwähnte ich, dass Seehofer während des Spiels Deutschland vs Südkorea mit Blaulicht zur Lifeline-Debatte kutschiert werden musste? Aber Haupsache, alle drauf auf Özil. Wie wichtig ist der Kerl eigentlich?

  52. Während Özils Anwesenheit auf dem Platz hat die gesamte Mannschaft null Tore geschossen.

    Ich zitiere mal Matts Hummels:

    Ich muss in der 86. Minute das Tor machen.

    Wenn ihm doch nur jemand gesagt hätte, dass Özil schuld ist, dass er das Ding nicht reingemacht hat…

  53. @55: Ich sagte bereits, Özil hat das Spiel nicht allein verloren. Aber von dutzenden sinnlosen Flanken haben nur ca. drei überhaupt einen deutschen Kopf erreicht (Goretzka, Hummels, Gomez). Auf den einen genialen Pass, den man nur verwandeln muss, warten wir heute noch. Sollen wir jetzt nochmal beide Spiele komplett durchkauen?

  54. @Muffelin,
    die Kritik am fehlenden Hymnensingen und an der Erdogan-Aktion einerseits und Özils sportlicher Erfolg oder Misserfolg andererseits haben nichts miteinander zu tun.

    Aber im Artikel wird so getan, als wäre die Kritik am Hymnen-Nichtsingen und der Erdogan-Aktion nicht berechtigt, weil die Kritik an der sportlichen Leistung nicht berechtigt sei.
    Bzw., die Kritik am fehlenden Hymnensingen sei nicht berechtigt, weil vor 30 Jahren schon mal jemand nicht kritisiert worden sei. Und sorry, wenn jemand HEUTE in der Mannschaft Kaugummi kaut statt zu singen, aber nicht kritisiert würde, Özil aber schon, wäre das ein Argument, so aber nicht.

    Özil darf für sein politisches Verhalten kritisiert werden wie für sein sportliches, solange man beides trennt. Hat eigentlich mal ein Nationalspieler Wahlkampf für Gauland gemacht? Falls ja, finde ich das falsch.

  55. @ARISTOPHANES:
    Naja, immerhin war Özil in dem Spiel an deutlich mehr (wenn nicht sogar allen) gefährlichen Offensivaktionen beteiligt.
    Was haben den Kroos, Khedira oder Reus das ganze Spiel über gemacht? Und hatte Müller auch nur eine sinnvolle Aktion nach seiner Einwechslung? Ich kann mich an keine erinnern.
    Es bleibt dabei — fußballerisch ist die Kritik an Özil viel zu überzogen.

  56. von dutzenden sinnlosen Flanken haben nur ca. drei überhaupt einen deutschen Kopf erreicht

    Ah ja.
    Ich zitiere aus dem Artikel:

    86 Prozent seiner Pässe erreichten die Mitspieler. Vor allem aber schlug er sieben so genannte Key-Pässe, Zuspiele, die unmittelbar zu guten Gelegenheiten führen.

    Ich gehe mal davon aus, dass Sie ein anderes Spiel gesehen haben?

    Auf den einen genialen Pass, den man nur verwandeln muss, warten wir heute noch.

    Sie meinen so einen, wo der angespielte Verteidiger (!) dann hinterher sagt, den hätte er machen müssen?

  57. @58: Das läuft darauf hinaus, was man von einem Spieler erwartet. Ist Özil jemand, der Außergewöhnliches leisten kann? Löw muss dies glauben, sonst würde er nicht seit Jahren trotz aller Kritik und trotz Alternativen an ihm festhalten. Auch bei Arsenal müssen sie dies glauben, er ist dort der bestbezahlte Spieler, hat aber eine äußerst mäßige Saison hinter sich, Arsenal ist nur sechster geworden und Özil musste sich in der dortigen yellow press auch schon einiges anhören. Je größer der (selbst beanspruchte) Status, desto größer die Erwartungen. Letztlich ist er einfach in einer miserablen Mannschaft untergegangen (bei der WM), und genau das kritisiert man auch seit Jahren an ihm: Dass er kein Schlüsselspieler ist, der sich gegen eine drohende Niederlage stemmt.

    @59: Lassen Sie’s gut sein. Özil ist also weder für Pässe noch für Tore zuständig, wahrscheinlich spielt er auch in Wahrheit gar keinen Fußball und das hier ist alles ein schlechter Traum. Jetzt müssen Sie nur noch begründen, warum der Trikottausch mit Erdogan zwingend notwendig war, und wir können alle Feierabend machen.

  58. @ICHBINICH:

    Dieses Spielchen mit den Unterstellungen irgendwelcher heimlicher Beweggründe für Kritik kann ich auch. Ein Beispiel: Wieso erwähnen Sie eigentlich andauernd, wie schlecht Khedira Ihrer Meinung nach gespielt hat? Sind Sie etwa in Wahrheit auf eine osmanisch-kolonialistische Art rassistisch und tunesierfeindlich und wollen das bloß nicht zugeben?

  59. Özil ist also weder für Pässe noch für Tore zuständig

    Wäre schon höflich bei dem zu bleiben, was ich schrieb.

  60. @61: Es werden aber neben Sami auch noch andere Namen erwähnt, und sich nicht auf eine einzelne Person fokussiert. Echt so schwierig zu verstehen, der Unterschied?

  61. @DERMAX

    Natürlich. Um von der rassistischen Tunesierfeindlichkeit abzulenken werden selbstverständlich noch alibihaft ein paar Namen von anderen Spielern (am besten ohne Migrationshintergrund) eingestreut. So eine durchschaubare Strategie!

  62. @Mycroft, 57

    Sooo weit auseinander sind wir ja gar nicht und meine Zuspitzung 1-4 war eigtl gar nicht direkt gegen Sie gerichtet.

    Im Unterschied zu Ihnen setze ich nur das einerseits-andererseits anders. Hymne singen ist für mich in einem Fußballspiel kein politisches Verhalten. Für mich ist dabei auch völlig egal, wer das warum vor 30 Jahren gemacht hat oder eben nicht.
    Das solls dann von mir auch zum Thema gewesen sein. Meinetwegen darf auch gern Belgien das Ding jetzt rocken.

    Ist eigtl. unser Sportminister in diesem Moment grad noch unser Sportminister? Ich komm nicht mehr mit. Egal. „Brüh im Glahanze …“ ;)

  63. @FUSSBALFREUND

    Äh, nein. Der Unterschied ist, dass khedira und Müller wirklich fussballerisch schlecht waren (Kroos ist für einen Mittelfeldspieler tatsächlich nicht so schlecht gewesen, bei ihm sind die Erwartungen nach den Spielen bei Real aber natürlich auch deutlich höher).
    Khedira hatte z. B. eine Zweikampfquote von 60% bei 2 fouls im gesamten Spiel. Das ist für ein defensives Mittelfeld unterirdisch. (kross hatte btw. 0 fouls) und falls schon vergessen: das 1:0 von Schweden geht zu 98% auf kroos und gegen Korea hatte er auch so einen krassen Fehlpass.
    Müller hatte im Spiel 4 Zweikämpfe und 2 davon verloren. Und einen ganzen Torschuss.
    So und jetzt vergleichen sie mal bitte selbst mit den Statistiken von Özil. Und dann erklären sie mir was der Grund für die Kritik an Özil ist, denn fussballerisch kann es ja nicht sein.

  64. @ Aristophanes:
    „Dass er kein Schlüsselspieler ist, der sich gegen eine drohende Niederlage stemmt.“

    Wie stellen Sie sich das „stemmen“ vor? Vielleicht eine scharfe Flanke auf einen kopfballstarken Mitspieler? Vielleicht gute Pässe spielen? Oder hat Özil Ihnen zu wenig geblutet? Oder lassen Sie sich Ihren Spieleindruck von den Medien diktieren?

    Özil muss und soll als Führungsspieler und gemessen an seinen Fähigkeiten auch bei Niederlagen im Focus stehen. Aber wo sind dann die Bilder und Schlagzeilen zu Khedira, Kroos, Müller und Reus?

  65. @ICHBINICH

    Sie wollen mir im Ernst erzählen, Özil hätte bei der WM gut gespielt? Er war genau so schlecht wie der Rest der deutschen Mannschaft! Oder wollen Sie hier detailliert erörtern, welcher von den Fußlahmen noch am flüssigsten gehumpelt ist?

    Beeindruckt es Sie etwa, dass Özil im Südkorea-Spiel 1 Torschuss und 7 Torschussvorlagen abgegeben hat und daraus genau 0 Tore entstanden? Oder wollen Sie auf des Mexiko-Spiel hinaus (1 Torschuss und 4 Torschussvorlagen, 0 Tore)?

    Laptop-Trainer wie Sie freuen sich bestimmt darüber, dass Deutschland bei der WM in jedem Spiel ungefähr 25 Torschüsse hatte. Aber ausgeschieden ist die Nationalmannschaft trotzdem. Woran das wohl lag? Vielleicht waren die Torschüsse und die Torschussvorlagen einfach zu schlecht, egal ob von Özil oder den anderen Spielern?

    Özil hat schlecht gespielt, Wahlkampffotos mit einem Diktator gemacht und war zu feige dafür, sich öffentlich dazu zu äußern, obwohl er von Anfragen bestürmt wurde. (Da war ja sogar Gündogan mutiger und redlicher, stellte sich allerdings dann dreisterweise dumm und behauptete, dass die Fotos doch nicht als politisches Statement zu verstehen wären.) Dafür wird Özil kritisiert, und zwar völlig zu Recht.

    Erklären Sie mir, warum Sie Özil verteidigen. Fußballerische Gründe kann es ja nicht haben.

  66. @67: Wie ich mir das vorstelle? Wie wäre es mit etwas Zählbarem? Also keiner von den endlosen Alibipässen, die sich zwar schön in der Statistik lesen, aber wertlos sind. Bestes Beispiel Spanien gg. Russland, über tausend Pässe, WM-Rekord, trotzdem (oder gerade deswegen) praktisch keine Torgefahr. Das einzige spanische Tor war ein Eigentor von Ignashevich. Welche guten Pässe hat Özil denn gespielt? Können Sie einen benennen?

    Von einem Schlüsselspieler würde man erwarten, Einfluss auf seine Mannschaft zu nehmen, Leute (auch Zuschauer) mitreißen, Ausstrahlung, Körpersprache, Zuversicht, Siegeswillen, all das, wofür Özil nun wirklich nicht bekannt ist. Alles, nur nicht sang- und klanglos ausscheiden. Obendrauf kommt dann noch charakterliche Integrität, und spätestens hier musste Özil aufgrund seines Eigentores einem Rückstand hinterherlaufen, der nicht mehr auszugleichen war.

  67. @FUSSBALFREUND

    Ich habe nie behauptet, dass Özil gut gespielt hat. Aber — und darum geht es hier — er war nicht der Grund für der Ausscheiden der deutschen Mannschaft. Im Gegenteil waren einige andere noch schlechter als er. Deswegen ist die Kritik an ihm, was das fussballerische angeht, total überzogen. Aber medial fokussiert sich fast alles auf ihn. Und der Grund dafür sind vermutlich bei den meisten rassistische Motive. Was ist daran nicht zu verstehen?

    @69
    Flanke auf Hummels in der 87.minute. (siehe oben) Überhaupt gingen nahezu alle gefährlichen Aktionen im Spiel gegen Korea von Özil aus.
    Und ja, Özil ist nicht der Führungsspieler der Zeichen setzt und die Mannschaft mitreißt. Das sind aber die anderen auch nicht. Also warum geht da so ein Shitstorm auf Özil los?

  68. @68: „Er war genau so schlecht wie der Rest der deutschen Mannschaft!“
    Präzise und jetzt bitte erklären, warum sich aber trotzdem alle auf ihn einschiessen, statt genauso auf den Rest der Mannschaft?
    Darum gings in diesem Artikel nämlich ursprünglich mal.

  69. Vielleicht weil Özil schon kurz vor der grottigen WM mit einer unfassbar dummen Aktion abseits des Spielfelds negativ aufgefallen ist? Sie wissen ja, je länger man sich auf ein Ziel „einschießt“, desto besser trifft man. Außer es ist gerade Vorrunde und man heißt Özil oder Müller, har har.

  70. @ Fussballfreund:

    Wenn Özil sich mit Erdogan fotografieren lässt, dann kann man das mit gutem Grund kritisieren – und auch ich finde das kritikwürdig, und ebenso die fehlende öffentliche Erklärung.

    Wenn jedoch Özils FUSSBALLERISCHE Leistung auch deswegen verstärkt kritisiert wird, weil er sich mit Erdogan getroffen hat, dann ist das irrational. Die Kritik an der sportlichen Leistung erfolgt dann nämlich eben auch aus politischen, also nicht-sportlichen, also sachfremden Gründen. Es wäre gerade so abwegig, als wollte man das Gitarrenspiel eines Musikers oder die Brezeln eines Bäckers (auch) danach beurteilen, welche politischen Ansichten der Musiker resp. der Bäcker jeweils vertritt.

    Damit „verteidige“ ich Özil übrigens nicht; ich bin ja nicht dagegen, dass man ihn kritisiert. Ich mache allein geltend, dass man Özils sportliche Leistung unter sportlicher und sein „politisches“ Verhalten unter politischer Maßgabe kritisieren sollte. Und dies scheint eben leider nicht der Fall zu sein.

  71. #72: Fussballfreund: Sie wollen es nicht verstehen. Aber noch einmal zur Verdeutlichung: Özil wurde schon bei der WM 2014 (und auch davor und danach) heftiger als all seine Mitspieler für seine Spielweise kritisiert, obwohl er maßgeblich zum Erfolg des DFB-Teams beigetragen hat. Und wenn es nicht an der sportlichen Leistungen liegt, muss es andere Gründe geben. Und wer schon einmal ein Länderspiel in Kneipen oder auf öffentlichen Plätzen erlebt hat, wer die (a)sozialen Medien verfolgt, weiß, wovon ich Rede. Karim Benzema hat es auf den Punkt gebracht: „Treffe ich, bin ich Franzose. Treffe ich nicht, bin ich Araber.“ Auf Özil trifft ähnliches zu. Das Foto mit Erdogan hat die Sache verschärft.

  72. @Christian: Ergänzung

    1978 hat DfB-Boss Neuberger seinen Spielern ausdrücklich untersagt, dem argentinischen Diktator Videla und seiner Militärjunta den Handschlag zu verweigern. So widerlich Erdogan auch ist, das blutige argentinische System war da doch eine ganz andere Nummer.

    Letztlich kam es Dank Österreich nicht dazu. Stattdessen haben die Niederländer Rückgrat gezeigt und im Finale demonstrativ Folterknechtshuldigungen verweigert.

    Ohne Fremdscham ging es auf deutscher Seite aber doch nicht:
    Kapitän Berti Vogts: „Argentinien ist ein Land, in dem Ordnung herrscht. Ich habe keinen einzigen politischen Gefangenen gesehen.“
    Manfred Kaltz: „Ich fahr da hin, um Fußball zu spielen, nichts sonst. Belasten tut mich das nicht, dass dort gefoltert wird. Ich habe andere Probleme“.

  73. Sie tun ja glatt so als könne man Fußball und Politik voneinander trennen. Das ging vielleicht vor 100 Jahren noch, aber mittlerweile ist das eine völlig utopische Vorstellung.

    Glauben Sie etwa, Erdogan hat sich mit Özil und Gündogan 1 Monat vor den Wahlen in der Türkei getroffen (und Fotografen mitgebracht) weil er sich auf menschlicher Ebene so sehr für die beiden interessiert?

    Und glauben Sie, Özil und Gündogan haben Erdogan Fußballtrikots mit ihren Rückennummern darauf (und im Falle Gündogans noch mit extra anbiederischer Widmung „Mit großem Respekt für meinen Präsidenten“) geschenkt weil sie Wert darauf legen wollten, dass ihre politischen Präfenzen strikt getrennt von ihrer Tätigkeit als Fußballspieler zu sehen sind?

    Versuchen Sie nicht, sich genau so dumm zu stellen wie Gündogan. Das steht Ihnen nicht.

  74. @76: Yo, absolut richtig, ich finde, die Leistungen jedes Sportlers oder Künstlers sollten erstmal an der politischen Gesinnung oder zumindest mit wem man mal Fotos geschossen hat, gemessen werden!

  75. @DERMAX

    Nein, so pauschal würde ich das nicht sagen. Anhand der Fotos sollte schon erkennbar sein, dass der Sportler außergewöhnlich verantwortungslos, opportunistisch oder dumm ist, um ihn dafür zu verurteilen.

    Wenn der Sportler in einer hochglanzvermarkteten Premiummannschaft spielt und der nationale wie auch der Weltverband der Sportart dauernd von „Respekt“ und „Werten“ schwafeln, tue ich mich da allerdings leichter als bei Einzelathleten.

  76. Also hat Özil halt einfach Pech gehabt, als Fussballer, gibt halt leider nur die Nationalmannschaft, den einen nationalen und Weltverband…

  77. Pech? Nein, Özil und Gündogan sind dem falschen Politiker hinten rein gekrochen und haben sich dabei kurz vor der WM auch noch fotografieren lassen und dann geschwiegen beziehungsweise sich dumm gestellt. Oder wollten Sie darauf hinaus, dass die beiden vielleicht ein bisschen „Pech“ beim Denken hatten?

  78. Genau… und weils der falsche Politiker war, stellen wir Özil sportlich in den Senkel. Deutschland 2018! Aber schön mitm Finger Richtung Türkei zeigen…

  79. @DERMAX

    Wenn er, sagen wir mal, vor der WM öffentlich seine Partnerin geschlagen hätte und dann so schlecht bei der WM gespielt hätte, dann wäre die Aufregung jetzt ziemlich genau gleich groß. Er hätte nur neben der grundsätzlichen Debatte um seine sportliche Leistungsfähigkeit und seine Zurechnungsfähigkeit noch #metoo statt „gescheiterte Integration“ obendrauf bekommen.

    Übrigens: Wenn in der Türkei ein Fußballer die „falschen“ Politiker unterstützt, dann kann es sein, dass sein Auto auf der Autobahn ein paar Kugeln abbekommt. Recherchieren Sie mal den Fall Deniz Naki. Hier als Deutscher mit dem Finger in Richtung Türkei zu zeigen, halte ich also für voll gerechtfertigt. (Allerdings nicht mit dem bösen Finger, ich heiße schließlich nicht „Effenberg“…)

  80. @82: genau, und schliesslich sind Körperverletzung und Fotos mit falschen Politikern vollkommen vergleichbar…

  81. @DERMAX

    Natürlich können wir Situationen vergleichen und uns vorstellen, welche Phrasen die Presse dann benutzt hätte: Vielleicht „unglückliche Aktion“, „war nicht so gemeint“, „erscheint wie ein harmloser Klaps“, „fragwürdig“ oder, meine persönliche Lieblingsphrase zum Beschwichtigen, „kritisierbar“?

    Außerdem: Wenn der „falsche Politiker“ auf den PR-Fotos ein Kriegsverbrecher ist, dann ist es gar nicht so einfach, darüber zu urteilen, welche Handlung moralisch verwerflicher ist. In einer Mannschaft würde ich aber weder mit dem Erdogan-Speichellecker noch mit dem Schläger spielen wollen. Das ist aber nur meine ganz persönliche Meinung in dieser rein hypothetischen Situation.

  82. @84: Nochmal, für Sie sind eine Straftat und ein gemeinsames Foto auf einer grösseren Veranstaltung dieselbe Hausnummer? Ja, dann versteh ich Ihre Beiträge zu 100%…
    Hab übrigens tatsächlich Deniz Naki recherchiert, üble Geschichte, gibts da Beweise abseits seiner Behauptungen, dass es der türkische Geheimdienst war?
    Dann können Sie ja mal zu Fussballern in Öffentlichkeit und dem Druck zu Robert Enke ein bisserl was lesen.

  83. Wie vollkommen unbeeinflusst von sämtlichen Fakten der „Fussbalfreund“ hier immer weiter so tut, als haben die üblen Attacken gegen Özil erst mit der strunzenblöden Foto-Aktion begonnen.

  84. Laut einem Artikel des Tagesspiegels vom 15.05.2018 hat sich zumindest Ilkay Gündogan in der Vergangenheit auch als Unterstützer der Gülen-Bewegung gezeigt. Nun haben sowohl Mesut Özil als auch Ilkay Gündogan Angehörige in der Türkei, und die müssen befürchten, daß diese Angehörigen Repressionen ausgesetzt sind, wenn ihre Treue zum türkischen Präsidenten infrage gestellt wird.

    https://www.tagesspiegel.de/sport/wahlkampf-auf-tuerkisch-oezil-guendogan-und-der-praesident/22127574.html

    Sollte man deshalb nicht in Betracht ziehen, daß das Photo mit Recep Tayyip Erdogan ein taktisch notwendiger Schritt war, um die in der Türkei lebenden Angehörigen aus einer eventuellen Schußlinie herauszubringen? Sollte man nicht in Betracht ziehen, daß gerade aufgrund der aktuellen politischen Umwälzungen in der Türkei hin zu einer Diktatur das (Lippen-)Bekenntnis zum türkischen Präsidenten für das Leben in der Türkei von existenzieller Bedeutung ist, wichtiger noch als etwa für einen Ur-Deutschen das Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung?

    Wenn das so ist, dann sind sowohl Mesut Özil als auch Ilkay Gündogan in der Zwickmühle, daß sie nicht öffentlich sagen können, daß sie Recep Tayyip Erdogan für einen Diktator und einen Kriegsverbrecher halten. Sondern sie müssen jetzt notgedrungen den Mund halten und sich als Unterstützer eines Diktators und Kriegsverbrechers beschimpfen lassen. Ist das nicht die eigentliche Tragik in der ganzen Geschichte?

  85. Das ist ja zum Schreien komisch! Sie wollen mir erzählen, dass unsere Erdogan-Groupies Özil und Gündogan heimliche Widerstandskämpfer sind und nur deswegen widerwillig Fotos mit dem Diktator gemacht und ihm Geschenke (teils mit Widmung) überreicht haben, weil sie ihre Familien schützen wollten? Das muss bestimmt daran liegen, dass die beiden als Profi-Fußballspieler nicht genug Geld verdienen, um ihre Familien aus der Türkei in Sicherheit zu bringen, wenn sie dort tatsächlich bedroht wären. Schlimm. Eine ganz tragische Geschichte wäre das, in der Tat. In Wahrheit ist es nur absoluter Blödsinn.

    Kennen Sie Emre Can? Der wurde auch zum Erdogan-Meet-And-Greet mit Trikotüberreichung eingeladen, hat aber abgelehnt. Und er und seine Verwandtschaft sind noch wohlauf.

    @WONKO

    Welche „strunzenblöde Foto-Aktion“ von Özil meinen Sie? Die neueste von Mai 2018? Oder die von 2011, bei der Özil auch schon Erdogan ein Trikot überreicht hat? Oder eines der weiteren Treffen der beiden 2016 oder 2017? Sieht eher so aus, als sei Özil ein Überzeugungstäter. Dass die Kritik an Özil mit jeder dieser „strunzenblöden Aktionen“ immer heftiger wurde während Erdogan gleichzeitig die Türkei immer weiter in Richtung Diktatur umgebaut hat und sich immer aggressiver in den Syrien-Krieg eingemischt hat, halte ich für völlig gerechtfertigt.

  86. Ich versuche mir vorzustellen, wie ich handeln würde, wenn ich einer dieser Fußballspieler wäre. Ein deutscher Nationalspieler mit türkischen Wurzeln, der in der Vergangenheit bei Veranstaltungen in Zusammenhang mit der Gülen-Bewegung aufgetreten ist. Nein, nicht als Widerstandskämpfer, einfach nur als Stargast bei einer Veranstaltung.

    Nun ändert sich die politische Situation in der Türkei. Ich bekäme mit, wie der bloße Verdacht der Unterstützung der Gülen-Bewegung ausreicht, den Arbeitsplatz zu verlieren, die Wohnung zu verlieren, eventuell sogar inhaftiert zu werden. Ich bekäme mit, daß dafür bereits ausreicht, Angehöriger von jemandem zu sein, der mutmaßlich mit der Gülen-Bewegung sympathisiert. Vielleicht hörte ich von Fällen aus der Nachbarschaft meiner Familie in der Türkei.

    Nein, es müsste keine konkrete Bedrohung gegen Familienmitglieder ausgesprochen werden. Es reicht das allgemeine Klima der Angst, das Klima der Unsicherheit. Es reicht das Bewußtsein darüber, daß es keinen wirklichen Rechtsschutz gibt.

    Natürlich hätte ich Geld. Aber was sollte ich damit ausrichten? Alle Menschen in der Türkei, die irgendwie mit mir verwandt oder bekannt sind, in ein anderes Land ausfliegen? Sie aus ihrer Heimat herausreißen und in ein anderes Land bringen, wo sie die Sprache nicht sprechen, keine Arbeit finden?

    Ich wüsste ja auch nicht, wie konkret die Gefahr ist. Ich wüsste nur: Da ist was. Jedes nicht regimetreue Wort der Vergangenheit kann jetzt negativ ausgelegt werden, kann jetzt Konsequenzen haben. Es ist ein allgemeines Klima der Angst, aber es ist unkonkret. Vielleicht passiert nichts, vielleicht aber doch.

    Die einzige Möglichkeit, dem entgegenzuwirken, wäre ein klares Bekenntnis zur Obrigkeit, ein Bekenntnis zum Präsidenten der Türkei.

    Wie würde ich mich verhalten? Wie würden Sie sich verhalten?

  87. @ Fussballfreund:

    Wir können uns aber schon darauf einigen, dass wir Özils politisches Agieren nach politischen und sein fußballerisches Agieren nach fußballerischen Maßstäben kritisieren?

    Oder sollen wir Özils Leistung im Fußball kritisieren, WEIL er Erdogan getroffen hat?
    Und sollen wir sein Treffen mit Erdogan kritisieren, WEIL er nicht gut gespielt hat?
    Wie soll eine Kritik an einer sportlichen Leistung denn rational aus einem Verhalten, das gar nichts mit Sport zu tun hat, abgeleitet werden, und umgekehrt?

    „Wenn er, sagen wir mal, vor der WM öffentlich seine Partnerin geschlagen hätte und dann so schlecht bei der WM gespielt hätte, dann wäre die Aufregung jetzt ziemlich genau gleich groß.“

    Sollten wir dann sein Fußballspiel kritisieren, WEIL er seine Partnerin geschlagen hätte?
    Und sollten wir dann das Schlagen seiner Partnerin kritisieren, WEIL er nicht gut gespielt hat?

    Oder sollten wir nicht beide Punkt unabhängig voneinander kritisieren (wenn gerne in demselben Text), einfach, weil sie unabhängig voneinander SIND?

  88. @LLL
    Ich glaube das macht keinen Sinn mehr. Fussballfreund möchte einfach gerne immer Özil kritisieren. Der Grund dafür und ob das irgendeinen Zusammenhang mit seinen Leistungen hat ist offenbar irrelevant.

  89. @70: Also genau eine Flanke, die mal einen Mitspieler gefunden hat. Eine von wievielen sonstigen? Ziemlich dürftige Bilanz.

    „Also warum geht da so ein Shitstorm auf Özil los?“ Diese Frage ist doch wohl rhetorisch, oder? Auf dem Erdogan-Date ist ja nun zur Genüge rumgeritten worden, aber es ist nunmal Özil und nicht Gündogan, welcher es bis zum heutigen Tag nicht für nötig hielt, in irgendeiner Weise dazu Stellung zu beziehen, was vom DFB noch damit belohnt wurde, dem Medientag fernbleiben zu dürfen. Derselbe DFB, der sonst immer diese ominösen „Werte“ hochhält, von denen man immer hört

    Weiterhin, Erdogan und die sportliche Leistung sind nicht voneinander zu trennen. Spieler haben mittlerweile bestätigt, dass die Mannschaft das Thema beschäftigt hat, vermutlich auch gespalten, Bierhoff selbst hat durchblicken lassen, was er von diesem Schweigen hält (nämlich nichts), und da fragen Sie jetzt ernsthaft, wieso Özil?

  90. @92: Welche Spieler haben derartiges durchblicken lassen?

    Und natürlich ist allen klar, wieso Özil dann auf allen Ebenen zum Abschuss freigegeben wurde, egal ob sportlich oder abseits davon, aber deswegen darf man doch die Frage stellen, ob das so ok ist.

  91. @Aristophanes

    Ersmal konkret:
    Sie fagen: „Können Sie einen guten Pass benennen?“. Ich benenne Ihnen einen. Ihre Antwort: „Also genau eine Flanke, die mal einen Mitspieler gefunden hat. Eine von wievielen sonstigen? Ziemlich dürftige Bilanz.“
    Aja.
    (Auch für Sie: Lesen Sie gerne oben die Statistik oder schauen sich nochmal alle gefährlichen Aktionen im Spiel gegen Korea an (waren ja nicht soviele). Da war Özil bei fast allen beteiligt.) Ansonsten können Sie auch gerne oben nochmal zur fußballerischen Kritik lesen. Zusammenfassung: Ja, Özil war schlecht. Aber er war bei weitem nicht der Schlechteste in der Nationalmannschaft. Ergo: Die Kritik an ihm ist weit übertrieben (wenn man das fussballerische betrachtet).

    Und nochmal generell:
    Ich weiß nicht ob ich das hier nochmal erklären muss, aber ich probiere es ein letztes Mal:
    Es gibt keine Diskussion darüber, dass das Treffen mit Erdogan kritikwürdig ist. Das sehe ich auch so. (Und glauben Sie ernsthaft, die Kritik hätte abgenommen wenn er sich danach zu seinen Motiven geäußert hätte? Sieht man ja in dem Thread wie sehr das Gündogan geholfen hat: „der stellt sich doch nur dumm“).

    Die Kritik, die Özil während/nach der WM aber abbekommen hat hat sichtlich nichts damit zu tun. Das Schema der Kritik läuft ja so:
    Özil ist türkischer Abstammung und damit kein Deutscher (oder nur ein sogenannter „Passdeutscher“). Und dazu Moslem, was das ganze natürlich noch schlimmer macht.
    Da ordnet sich dann alle Kritik ein:
    Er singt die Nationalhymne nicht mit.
    Er fühlt sich nicht wohl in der Nationalmannschaft.
    Er hat eine Körpersprache wie ein toter Frosch.
    Und und und.
    (Sicherlich passt da das Treffen mit Erdogan ins gezeichnete Bild, aber es ist nicht der Auslöser der Kritik!).

    Und weiter geht es dann mit: Weil in der Nationalmannschaft sowenig Deutsche spielen, gewinnen wir nicht bei der WM. Wären das alles „reine Deutsche“ würden wir natürlich gewinnen, denn jeder weiß ja dass Deutsche Gene Gewinnergene sind. Das wird dann mal mehr (AFD) und mal weniger offen (Basler, Matthäus, …) auch so gesagt.

    Wer diesen Mechanismus nicht sehen will und immer noch behauptet, das Treffen mit Erdogan wäre der Auslöser für die Kritik an Özil ist entweder blind oder blöd.

    Btw: Selbst wenn es so wäre, dass es Unstimmigkeiten in der Mannschaft wegen des Treffens gegeben hätte. (Habe ich auch noch nie gehört aber die Quellen reichen Sie ja sicher noch nach). Selbst dann wäre nicht Özil so scharf zu kritisieren (denn er kann das Treffen in Nachhinein nicht mehr ungeschehen machen), sondern der DFB/Löw. Weil die sind die Verantwortlichen für das Klima in der Mannschaft und haben ihn trotzdem mitgenommen.

  92. Und weiter geht es dann mit: Weil in der Nationalmannschaft sowenig Deutsche spielen, gewinnen wir nicht bei der WM. Wären das alles „reine Deutsche“ würden wir natürlich gewinnen, denn jeder weiß ja dass Deutsche Gene Gewinnergene sind.

    Genau. Konnte man ja beispielsweise vor vier Jahren sehen, als…

    Moment Mal!

  93. @Wonko

    Nur um das nochmal klarzustellen falls es vorher nicht so rüber kam: das ist nicht mein Argument. Und dass ein Argument dumm ist hat die Rechten ja noch nie davon abgehalten, es trotzdem zu nutzen…

  94. @IchbinIch

    Kam alles richtig rüber, habe ich schon genau so verstanden :)

    Übrigens haben heute mindestens drei Belgier nicht die Hymne gesungen. Deswegen hatten die auch keine Chance aufs Halbfinale…

  95. @Wonko

    Dann ist es ja gut :)
    In diesem Internet muss man nur immer so aufpassen wegen Ironie und so ;)

    Ja, ist mir auch aufgefallen dass einige Belgier die Hymne nicht mitsingen. Wäre mal interessant zu wissen ob es da auch so eine dämliche Diskussion darüber gibt….

  96. „Welche Spieler haben derartiges durchblicken lassen?“: Da wären Khedira, Neuer, Müller, nachzulesen hier z.B.:
    https://www.welt.de/sport/fussball/wm-2018/article178444004/WM-2018-Khedira-Erdogan-Affaere-war-ein-Riesen-Thema-und-wurde-unterschaetzt.html
    https://sportbild.bild.de/fifa-wm-2018/2018/fifa-wm-2018/thomas-mueller-erdogan-affaere-wm-aus-56144264.sport.html

    @94: Nochmal zu diesem einen goldenen Pass: Ja der ist ganz schön, zu einer realistischen sportlichen Beurteilung wird aber die Relation zum sonstigen Geschehen notwendig, immerhin stand Özil zwei komplette Spiele auf dem Platz. Gegen Südkorea stehen in der Statistik zwar Dutzende deutsche Torschüsse, aber jeder der das Spiel gesehen weiß, dass das Schönfärberei ist.

    Sie behaupten weiterhin, Kritik an Özil folgt einer rechten Narrative. Die mag es zwar geben, aber kann man darum doch nicht ernsthaft jegliche Kritik abwürgen, als ob Basler und wie sie allen heißen plötzlich nur noch im Dienste der AfD unterwegs wären. Das grenzt ja an Paranoia. Die Kritik an Gündogan war längst nicht so intensiv, zunächst hat er nur einmal gespielt, zwar auch schlecht, das Spiel wurde aber trotzdem gewonnen, d.h. sportlich konnte man ihm wenig vorwerfen.

    Özil hingegen ist heute immer noch Thema, jetzt aktuell wieder von Bierhoff und Grindel angeschoben. Warum? Weil er abblockt und auf stur stellt und dadurch die Sache immer weiter hochgekocht ist. Özil hat aus sich selbst ein Politikum gemacht. Vielleicht sollte man sich auch mal mit der Vorstellung befassen, dass Özil kein kleines Kind mehr ist und durchaus weiß, was er tut. Dass er nicht den Integrations-Grüßaugust für die Kartoffeldeutschen spielen will, kann ich ihm gar nicht übelnehmen. Politische Instrumentalisierung für Erdogan in Wahlkampfzeiten scheint ihn aber nicht zu stören. Vielleicht findet er Erdogan gar nicht so übel und pfeift auf Werte-Debatten. Er wäre nicht der erste Spieler, der die Nationalmannschaft nach Karrieregründen gewählt hat, so wie seine Vereinswechsel auch völlig unsentimental reiner Karrierelogik folgen.

  97. @ARISTOPHANES

    Die Zitate der Spieler klingen für mich eher so als hätte sie das ständige Rumreiten der Medien auf dem Thema gestört und defokussiert aber sei es drum.

    Torschüsse sind Torschüsse und keine Schönfärberei. Dass das zuwenig war ist ja unbestritten, aber sie können doch nicht einfach behaupten: Ja schön, dass Özil gute Pässe gespielt hat, das reicht aber nicht weil wir verloren haben und deswegen ist Özil schuld.
    Das ist ja wohl total Banane…

    Sie geben ja in Ihrem Kommentar auch selbst zu, dass Sie ihn nur wegen der Ergogan-Geschichte kritisieren. Fällt Ihnen das nicht auf?
    Wie schon mehrmals von verschiedenen Leuten gesagt wurde Mesut Özil schon immer kritisiert, selbst wenn er Weltklasse-Leistungen abgerufen hat. Wie kommt das denn Ihrer Meinung nach sonst zu Stande, wenn nicht aus rassistischen Motiven? Vor allem weil er ja auch ständig kritisiert wird, dass er die Hymne nicht singt.
    Und das Gündogan nicht so kritisiert wird ist ja logisch — er hat ja nicht gespielt. Hätte er das, stände er sicher genauso in der Kritik.
    Und es ist für die Fußballleistungen irrelevant ob er Ergogan gut findet oder nicht.

    Warum Özil jetzt bei Bierhoff und Grindel Thema ist ist ganz einfach: Sie wollen von Ihrem Versagen ablenken und sich aus der Schusslinie nehmen. Denn es ist am Ehesten deren Versagen, dass der Siegeswille gefehlt hat. (und nochmal: Wenn es wirklich so war, und das Mannschaftsgefüge aufgrund der Erdogan-Geschichte gestört war, wäre es deren Aufgabe gewesen das zu lösen. Entweder indem man mit Özil redet oder indem man ihn im schlimmsten Fall zuhause lässt.)

  98. @101: Gündogan hat gespielt, eingewechselt gegen Schweden. Aber er hat nicht verloren. Und er hat natürlich nicht die Vorgeschichte („Hymne singen“), wobei gerade das diesmal eigentlich kein Thema war.

    Zum x-ten mal zu Erdogan: Özil hat das in die Mannschaft reingetragen, und er hat nichts dazu beigetragen, das zu bereinigen. Daran sind nicht die anderen Spieler, „die Medien“ oder der DFB Schuld, sondern nur er selbst. Wie oft muss man das denn noch wiederholen? Finde es befremdlich, einen erwachsenen Menschen dermaßen von jeder Eigenverantwortung freizusprechen.

    „Entweder indem man mit Özil redet oder indem man ihn im schlimmsten Fall zuhause lässt.“ Genau das ist passiert (der erste Teil), Bierhoff hat doch beschrieben wie er Özil zu einem Statement bewegen wollte, dieser sich aber für Schweigen entschieden hat. Das dürfen Sie diesmal selbst googlen. Ja dann hätte man ihn rauswerfen können, genau das hat Bierhoff dieses Wochenende ebenfalls zugegeben (und ist nachher wieder zurückgerudert), aber das wäre ein Desaster erster Güte gewesen! Ausgerechnet der DFB, der immer Leuchtturm der Integration sein wollte, wirft Özil aus der Mannschaft, direkt vor der WM! Undenkbar. Also gab es nur die Hoffnung, das ganze Thema mit sportlichem Erfolg zu übertünchen. Der Ausgang ist bekannt.

  99. Özil hingegen ist heute immer noch Thema, jetzt aktuell wieder von Bierhoff und Grindel angeschoben. Warum?

    Um von sich abzulenken.
    Sie hatten vor der WM ausreichend Zeit sich der Angelegenheit anzunehmen; und ein, wie Sie nicht müde werden zu betonen, so mittelmäßiger Spieler wie Özil wäre sicherlich leicht zu ersetzen gewesen. Der DFB hat stattdessen vor und während der WM das Thema immer wieder als erledigt bezeichnet.

    Für eine ernstzunehmende Analyse war doch noch gar keine Zeit. Wenn also jetzt nach einer absolut verkorksten WM plötzlich wieder das Thema Özil öffentlich (!) aufgebracht wird ist die m.E. einzig nachvollziehbare Erklärung, dass sie von sich ablenken möchten.

  100. Welche Freiheit verteidige ich eigentlich, wenn ich jemandem vorschreiben möchte, ein Lied mitzusingen oder sich nicht mit bestimmten Personen zu treffen?

  101. @104: Die Hymnen-Diskussion ist tatsächlich kompletter Unsinn, was Wahlkampfunterstützung angeht, kann man aber tatsächlich gewisse Normen ansetzen, genauso wie nächtliche Taxifahrten nachm Zocken mit Geldverlust zurecht einem Herrn Kruse wohl das NM-Kreuz gebrochen haben, obwohl sowas nicht strafbar ist.
    Und solang man es von den sportlichen Leistungen trennt.

  102. Jemanden dafür zu _kritisieren_, dass dieser sich mit machthungrigen Nationalisten zu trifft, wodurch dessen Wahlkampf unterstützt wird, verteidigt die Freiheit in dem Land, wo besagter Nationalist ebendiese beschneidet.

    Und wenn jemand es für eine Zumutung hält, über Einigkeit und Recht und Freiheit zu singen, ist demjenigen Einigkeit und Recht und Freiheit vllt. eh‘ egal.

    Keine Ahnung, ob sich das jetzt fußballerisch ausgewirkt hat. Vllt. ist Özil der netteste und sympatischste Kamerad, den man haben kann. Aber wenn nicht, hätte der Bierhoff das vllt. einfach eher mitkriegen können. Selber Schuld.

  103. Jemanden dafür zu _kritisieren_, dass dieser sich mit machthungrigen Nationalisten zu trifft

    Ich gehe mal davon aus, dass alle, die das kritisieren die WM in Russland selbstverständlich nicht verfolgt haben.

  104. Man das auch ganz anders interpretieren:

    Wer einen Autokraten öffentlichkeitswirksam trifft, der will vielleicht, dass die von diesem Autokraten unterdrücken Bürger sehen, dass es in anderen Ländern freier zugeht. Dass man z. B. als Migrant in DE mehr Freiheiten genießt, als ein Bio-Türke in der Türkei.

    Die Hymnen-Interpretation setzt voraus, dass die Zumutungsvermutung zutrifft. Vielleicht hat es ja andere Gründe. Glücklicherweise genießt Herr Özil die Freiheit, das für sich selbst zu entscheiden.

    Also noch mal:
    „Welche Freiheit verteidige ich eigentlich, wenn ich jemandem vorschreiben möchte, ein Lied mitzusingen oder sich nicht mit bestimmten Personen zu treffen?“

  105. Ich lese hier sehr viele „vllt“, was ist denn eigentlich aus der Unschuldsvermutung in unserem ach so freien Land geworden?

  106. Übrigens finde ich Einigkeit und Recht und Freiheit ziemlich tofte, singe aber in aller Regel nicht drüber. Ebenso wenig über Toleranz, Rechtstaatlichkeit, bezahlbaren Wohnraum, funktionierender und erschwinglicher ÖPNV, uvm.

  107. @Wonko:
    Da ich leider nicht in einer Höhle lebe, ist mir die Existenz einer WM in Russland nicht entgangen. Aber ich habe sie nicht aktiv verfolgt. Für die anderen Özil-Erdogan-Treffen-Kritiker kann ich nicht sprechen, weil ich nicht in den ÖETK-Vereinsvorstand gewählt wurde.

    @Anderer Max:
    Wenn jemand es nicht als Zumutung empfindet, über Einigkeit und Recht und Freiheit zu singen, es aber trotzdem nicht tut, nutzt er dieselbe Freiheit wie jemand, der das tatsächlich als Zumutung empfindet.
    Und ich habe weiterhin das Recht, beide zu kritisieren. Als freier Mensch sowieso, aber auch als Bürger eines Staates, der Profifußball aktiv unterstützt und somit indirekt für den nicht unbeträchtlichen Wohlstand von Fußballnationalspielern sorgt.
    Weiterhin, wenn ein bio-deutscher Nationalspieler sich mit AfD-Politikern träfe, würde das auch niemand als Zeichen pro Minderheitenschutz sehen. (Ich weiß nicht, ob ein solcher pro-AfD-Spieler in die Nationalmannschaft käme.)

    Wie schon weiter oben gesagt, wenn Özil kein Intergrationsmaskottchen sein will, meinetwegen muss er das nicht, aber so ist das etwas kontraproduktiv.

  108. @ARISTOPHANES

    Wie wäre es, wenn Sie sich mal entscheiden, was Sie eigentlich kritisieren?

    Entweder A: Özil hat schlecht gespielt oder B: Özil hat sich mit Erdogan getroffen. Wenn Sie hier ständig zwischen beidem hin und herspringen macht das die Diskussion ziemlich sinnlos…

    Und ich spreche Özil nicht ab, dass er erwachsen genug ist Entscheidungen zu treffen. Was Sie offenbar nicht sehen: genau das hat er getan. Er hat sich entschieden Erdogan zu treffen und danach zu schweigen. Über die Gründe kann natürlich spekuliert werden, aber wissen tun wir es nicht. Möglicherweise sympatisiert er mit ihm, möglicherweise hat er Angst um Angehörige oder sonst was. Wer weiß. Allerdings leben wir eben in einem freien Staat, der dies beides erlaubt. (genauso wie man nicht gezwungen wird, die Hymne mitzusingen).
    Ob das einen Einfluß auf die Mannschaft gehabt hat kann ebenso niemand von Außen beurteilen. (ich glaube es nicht aber wer weiß…)
    Aber Fakt ist: wenn es so war, wäre es die Aufgabe vom Trainerteam/Management gewesen das zu lösen. Und nicht die von Özil. Und dass Bierhoff jetzt Özil auch noch vors Loch schiebt um sich selbst zu retten ist schäbig.

    Und dass die Kritik aus der rechten Ecke schon vorher da war (und demzufolge gar nichts mit dem Treffen zu tun hat ist ebenfalls eine Tatsache).

  109. Nachtrag:
    „Und er hat natürlich nicht die Vorgeschichte („Hymne singen“)“

    Genau darum geht es ja. Die „Vorgeschichte“ und hauptsächliche Ursache für die Kritik an Özil ist das „nicht deutsch“ sein. Ergo keine Hymne singen etc. Und eben nicht das Treffen mit Erdogan oder seine Leistungen.
    Schön dass Sie es offenbar doch auch selber einsehen.

  110. @Mycroft

    Ich würde behaupten es können sogar Leute die Hymne singen, die nichts von Einigkeit, Recht oder Freiheit halten.
    Das korreliert schlicht nicht miteinander. Hymne singen oder nicht ist demzufolge auch keine Aussage für oder gegen irgendetwas (ergo: irrelevant)

  111. @111: „Und ich habe weiterhin das Recht, beide zu kritisieren. Als freier Mensch sowieso, aber auch als Bürger eines Staates, der Profifußball aktiv unterstützt und somit indirekt für den nicht unbeträchtlichen Wohlstand von Fußballnationalspielern sorgt.“
    Natürlich haben Sie das Recht, unsinnige Kritik zu äussern. Aber was bitteschön hat Ihr Dasein als Bürger damit zu tun? Sie zahlen Steuern, deswegen hat der Profifussballer nach Ihrer Pfeife zu tanzen?

  112. @Ichbinich:
    Ja, man kann dergleichen natürlich auch heucheln. Habe ich nicht bestritten. Wenn jemand nicht heucheln will, ist er natürlich besser als ein Heuchler.

    @Dermax:
    Bei allem Respekt für Mesut Özils fußballerischem Talent, Fußball wird hierzulande indirekt staatlich subventioniert. Die Polizeihundertschaften, die dafür Sorge tragen, dass Fußballfans einander nicht krankenhausreif und/oder friedhofsreif prügeln, werden nicht von den Vereinen bezahlt. Wäre das so, müssten sie dies auf die Eintrittspreise umlegen, wodurch sich die Gewinnspanne vermutlich reduzieren würde, weshalb das Einkommen für Fußballspieler kleiner wäre, wodurch auch das Budget für die Nationalmannschaft kleiner wäre.
    Statt der Hymne könnte er auch einfach „Danke!“ sagen. Und ja, auch das könnte geheuchelt sein, aber sei’s drum.

  113. @Mycroft:

    Wer die Hymne singt aber nicht für Einigkeit, Recht und Freiheit ist, ist ein Heuchler? Interessante Theorie. Und wer bei Helene Fischers „Herzbeben“ mitsingt aber nicht frisch verliebt ist heuchelt vermutlich auch, oder wie?

    Das Özil nicht in Deutschland spielt, wissen Sie aber, oder?
    D.h. wenn überhaupt müsste er dann die englische Hymne singen oder denen Danke sagen. (an sich ist das Argument aber natürlich auch vollkommener Unsinn)

  114. Ich bezweifle, dass Özil in der englischen Liga die dt. Nationalhymne singt, bzw., dass das da von ihm erwartet wird.
    Im konkreten Falle ging es aber um seine Funktion als dt. Nationalspieler. Das Singen der dt. Nationalhymne soll eine innere Verbundenheit mit der BRD und den aufgezählten Werten darstellen, was auf Helenas Herzbeben so nicht zutrifft.

    Um das mal abzukürzen: wenn sich jemand einfach nicht für die BRD vereinnahmen lassen will, wie das Singen der Nationalhymne möglicherweise zu verstehen wäre, wäre mir das noch relativ egal.
    Herr Özil muss meinetwegen nicht strammstehen, er schuldet mir als Privatperson nichts, er kann ja Politik und Sport trennen wollen, er kann der Ansicht sein, dass er D. schon so genug zurückgibt, er kann der Ansicht sein, dass es genug Menschen in D. gibt, die mit Hymnensingen und dergleichen nichts anfangen können und will die in seiner Vorbildfunktion nicht unter Druck setzen, oder es fühlt sich für ihn irgendwie nach Krummbiegen an, wasauchimmer. Bis dahin ginge ich noch mit.
    Aber dann trifft er sich mit „seinem Präsidenten“. Joah, nee, ist klar. Erdogan hat Özils Karriere ermöglicht. Erdogan kämpft für Menschenrechte und gegen Diskriminierung. Erdogan zahlt Özils Gehalt. Erdogan!!!

    Früher sang man übrigens „Gott erhalte Franz, den Kaiser!“. Ist natürlich schlecht für Leute, die nicht an Gott glauben oder Beckenbauer nicht mögen. Manche Sachen haben sich also schon verbessert.

  115. @Mycroft

    Sorry aber was soll das denn?
    Sie schreiben erst Özil sollte — weil Sie die Polizei bei Spielen in der Bundesliga teilweise zahlen — die Hymne mitsingen oder danke sagen.
    Da Özil aber in England spielt macht das doppelt keinen Sinn (weil „Ihre Steuern“ ja nicht nach England überwiesen werden für die Spiele, in denen Özil mitmacht. Logisch, oder?)

    Und das : „Das Singen der dt. Nationalhymne soll eine innere Verbundenheit mit der BRD und den aufgezählten Werten darstellen“ bezweifle ich stark. Das Nichtsingen wird ihm ja von Rechten vorgehalten. Die sind im Allgemeinen eher gegen die angesprochenen Werte.

    Zu guter Letzt: Das „mein President“ kam von Gündogan, nicht von Özil. Aber wer will bei diesen „Passdeutschen“ schon so pingelig sein. Weiß ja jeder dass die sowieso alle nicht zu „unseren Werten“ stehen usw. Ist klar.

    Und was hat das eigentlich nochmal mit dem Thema (Özil wird kritisiert er spiele zu schlecht obwohl das offensichtlich nicht der Fall ist) zu tun?

  116. Bevor Özil (oder sonst ein dt. Nationalspieler) in irgendeiner Oberliga, auch im Ausland, mitspielte, war er in einem oder mehreren deutschen Vereinen, die auf die beschriebene Weise subventioniert werden, was Özil oder sonstwem die Qualifikation für die berühmteren Vereine (die am meisten zahlen) erst ermöglichte. Mein Kritikpunkt an der Stelle ist ein anderer als der der Rechten. Bzw., für mich bedeutet die Hymne das, was ich beschrieben habe, ob die Rechten das auch so sehen, sei mal dahingestellt.
    Vllt. merkt man, dass ich für Profifußball wenig übrig habe.

    Ok, wenn Erdogan nicht zu „seinem“ Präsidenten ging, tut mir die Verwechselung leid; Sie haben natürlich recht, Gündogan verdient ja auch Kritik.
    Hat jetzt nichts mit Passdeutschen im Allgemeinen zu tun. Erdogan steht für einen starken Staat, einen harten Nationalismus, einseitige Religiösität und Unterdrückung von Minderheiten; das einzige, was ihn von dt. Rechten unterscheidet, ist, dass er Türke ist.
    Gündogan und Özil unterstützen also einen Rechten.
    (Hatte jetzt nur am Rande mit dem Thema zu tun, aber wenn ich gefragt werde, antworte ich.)

  117. @Mycroft:
    „Vllt. merkt man, dass ich für Profifußball wenig übrig habe.“
    Das sei Ihnen unbenommen. Aber dann lassen Sie das doch nicht an Özil aus. Der kann ja nix dafür :)

    „Sie haben natürlich recht, Gündogan verdient ja auch Kritik.“
    Das ist ja genau das Problem um das es geht. Gündogan eignet sich aus rechter Sicht nicht so sehr als Feindbild. Er singt schließlich sogar die Hymne mit!
    Das ist ja genau das, was mMn hier im Artikel kritisiert wird. Özil ist das Feindbild, und das hat nix mit fußballerischem Können oder dem Erdogan-Teffen zu tun, sondern damit, dass er so offensichtlich „undeutsch“ ist.

    „Gündogan und Özil unterstützen also einen Rechten.“
    Ja. Und das ist zu kritisieren. Aber nicht auf die Weise. Und vor allem nicht einseitig.

  118. @Mycroft:
    „Und ich habe weiterhin das Recht, beide zu kritisieren.“
    Klar, nur sehe ich keine Kritik von Ihnen.
    Aber das was Sie machen ist ja keine (objektive) Kritik von Sachverhalten sondern ein subjektiver Kommentar zu Ihrem Verständnis von Heuchelei und Spekulationen darüber, was die kritisierte Person als Zumutung empfinden könnte.
    Wie gesagt: Özil hat zum Glück die Freiheit, das für sich selbst entscheiden zu dürfen.

    Was meinen Sie denn zu meiner Interpretation:
    Özil macht Werbung für Freiheit und Demokratie, wenn er sich mit einem autokratischen Präsidenten abbilden lässt und demonstriert so, dass er als Migrant in DE mehr Freiheiten genießt, als ein Türke in der Türkei.
    Die Tatsache, dass er das einfach machen kann, zeigt der türkischen Bevölkerung, dass es auch anders geht, als derzeit in der Türkei.

    Auch die Interpretation: „Özil und Gündo unterstützen damit Erdos Wahlkampf“ lässt sich mit dieser Interpretation nicht halten.

    Wieso hält man die türkische Bevölkerung eigentlich hierzulande immer für komplett verblödet?
    In der ganzen Diskussion geht man axiomatisch davon aus, dass der Deutsche an sich Propaganda erkennt und anderen dann zeigt, wie böse diese Propaganda auf denjenigen wirkt.
    Der Türke an sich ist zu dumm um Propaganda zu erkennen, oder wie?

    Aber wehe, hier spricht einer von Rassismus!

  119. @116: Das mit den staatlichen Subventionen ist nebenbei kein Argument, weil der Umsatz (ergo Steuern), den der Profifussball generiert, diese Summen bei Weitem übersteigt. Oder muss ich auch für Sie die Hymne singen, schliesslich fahr ich ja mit einer UBahn ins Büro, in die evtl auch Steuergelder geflossen sind?

  120. Okee, anders. Özil und Gündogan werden als Nationalspieler vom DFB bezahlt, welcher sich durch Fußball in D. finanziert (soweit man das überblicken kann), welcher auf die beschriebene Weise von D. subventioniert, oder auch dadurch, dass der DFB als gemeinnützig gilt, und deshalb nur 7% Steuern zahlt. @Dermax: sobald Sie fürs U-Bahn-Fahren soviel Geld bekommen wie ein Nationalspieler, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat, für eine Stunde Fußball, erwarte ich genau das von Ihnen. ;-)

    @Ichbinich: Ok, Özil und Gündogan können jetzt nichts dazu, dass Profifußball so viel Dreck am Stecken hat. Aber sie könnten sich anders verhalten. Ohne die Erdogan-Aktion wäre ich z.B. auf dem Standpunkt, dass Özil sich einfach nicht politisch instrumentalisieren lassen will, was ich insofern ok fände. Aber nachdem er sich politisch hat instrumentalisieren ließ, ist das SEHR vermutlich nicht der Grund, und ich finde es nicht mehr ok.

    @anderer Max: „Hey, Leute in der Türkei! D. ist SO ein freies Land, hier darf man Wahlkampf für Erdogan machen. Genau wie in der Türkei!“
    Ich halte die türkische Bevölkerung hierzulande keineswegs für verblödet.
    Wenn sich ein anderer Nationalspieler mit bspw. Gauland träfe, um dessen Wahlkampf zu unterstützen, würde ich das genauso kritisieren, ohne Deutsche generell für zu doof zu halten, um „Propaganda“ zu erkennen.

  121. @124: Können wir es kurz halten: weils Fussballspielern so gut geht, dürfen wir deren persönliche Entscheidungsfreiheit auch ein bisserle beschneiden, richtig?

  122. @124: Gauland wäre also nicht okay. Was ist dann mit Kanzler oder Präsi. Der Özil hat ja auch nicht den Oppositionsführer des türkischen Parlamentes getroffen.
    Ich habe keine Lust mehr auf selektives Argumentieren, wie es in den Kram passt und bin an dieser Stelle raus.

  123. @125:
    Inwiefern beschneide ich denn die Entscheidungsfreiheit von Gündogan und Özil, wenn ich kritisiere, dass sie sich mit Erdogan trafen? Wenn ich ein Treffen von Spieler xy mit Gauland kritisieren würde, würden Sie mir ja auch nicht unterstellen, ich wolle seine Entscheidungsfreiheit beschneiden (unterstelle ich mal).
    Oder inwiefern beschneide ich ihre Entscheidungsfreiheit, indem ich feststelle, dass u.a. „unsere“ Begeisterung für Fußball, „unser“ Geld und „unsere“ Demokratie dafür sorgen, dass es Özil und Gündogan so gut geht?

  124. @126:
    Wenn sich die ganze Mannschaft mit Merkel trifft, weil die denen zu irgendwas gratulieren will, ginge das für mich.
    Merkel ist nämlich nicht gerade für ihre minderheitenfeindliche Politik bekannt, und etwas Grüßaugusta gehört zu ihrem Berufsbild.

    Wenn Merkel Özil in die Umkleide stalkt, ist das nicht Özils Schuld.

    Achso, wenn sich Gündogan und/oder Özil mit einem türkischen Menschenrechtler getroffen hätten, hätte _mich_ das überhaupt nicht gestört.

  125. @Mycroft:
    „Okee, anders. Özil und Gündogan werden als Nationalspieler vom DFB bezahlt, “
    Nationalspieler bekommen kein Gehalt. Das einzige, was sie bekommen, sind ein paar Prämien für z.B. den Titelgewinn. Oder eine Auflaufprämie pro Spiel. Ich kann Ihnen versichern, dass keiner von denen aufgrund des Geldes in der Nationalmannschaft spielt. Die dort gezahlten Prämien sind lächerlich im Vergleich zu dem, was sie in den Vereinen bekommen.

    Ansonsten verstehe ich immer noch nicht, was Ihre Abneigung ggü. dem Profifussball mit Erdogan zu tun hat und was Özil dafür kann. Und da er sich auch mit Merkel/Steinmeier und sonstwem getroffen hat, halte ich das Argument bezüglich „politisch von einer Seite instrumentalisieren lassen“ für absurd.

  126. „Die dort gezahlten Prämien sind lächerlich im Vergleich zu dem, was sie in den Vereinen bekommen.“ Ein Relativsatz, der mal so richtig relativiert.
    Aber ok. Nationalspieler spielen mehr zum Spaß für D., nicht, weil sie das Geld etwa bräuchten. Ja, solche glücklichen Menschen sind das. (Ich frage jetzt nicht, ob die Mitgliedschaft in einer Nationalmannschaft irgendeinen positiven Effekt auf die sonstige Karriere haben könnte, oder jedenfalls, wenn man nicht in der Vorrunde rausfliegt, das wäre ja kleinkariert.)

    Die beiden könnten völlig unpolitisch sein. Die beiden könnten sich sozial engagieren. Die beiden könnten sich mit dt. türkeistämmigen Politikern treffen, die sich für Minderheitenschutz stark machen.
    Oder Politikerinnen. Nein, sie treffen sich mit Steinmeier, aber erst, nachdem es Kritik wegen Erdogan gab. Einer von beiden steht für Minderheitenschutz und Demokratie und lauter so Sachen, von denen Özil und Gündogan profitieren, und einer nicht.
    Eh, sorry, wer sich mit strammen Nationalisten ablichten lässt, muss hinnehmen, für einen gehalten zu werden.

    Dass die meiste Kritik wegen ihres angeblich schlechten sportlichen Auftretens kommt, und zwar von anderen Nationalisten, ist jetzt schon unfair, aber das heißt ja nicht, dass jede Kritik an ihnen unfair ist.

  127. @Mycroft

    Bitte was argumentieren Sie denn hier?
    Die Prämien der Nationalmannschaft finden Sie z. B. unter: https://www.vermoegenmagazin.de/deutsche-fussball-nationalmannschaft-verdienst-und-praemien/
    Und jetzt stellen Sie das gerne mal ins Verhältnis zu deren Gehältern. Noch dazu bekommt der DFB aus Werbeverträgen auf jeden Fall mehr Geld als sie an Prämien bezahlen. Sie müssen da also nicht fürchten, dass Özil aus „Ihren“ Steuern bezahlt wird.

    Und was hat das denn mit dem Marktwert zu tun, der sich vielleicht erhöht. Bezahlen Sie den etwa auch aus „Ihren“ Steuern? Oder warum schuldet Özil Ihnen irgendwas wenn sich sein Marktwert erhöht?
    Merken Sie nicht dass diese Argumentation vorne und hinten Unsinn ist?

    „aber das heißt ja nicht, dass jede Kritik an ihnen unfair ist.“
    Habe ich auch nie behauptet. Ist hier aber auch nicht das Thema.

  128. @112: Ich kritisiere beides, wieso auch nicht, beides für sich gesehen ist kritikwürdig genug.

    „…hauptsächliche Ursache für die Kritik an Özil ist das „nicht deutsch“ sein.“ Sorry aber das ist doch Unfug. Das ist lediglich der Spin, den Sie die ganze Zeit der Sache geben wollen: Wer Özil kritisiert, ist rechts. Schon wieder gehen Sie nonchalant über den Fakt hinweg, dass Özil a) Erdogan getroffen hat und b) sich danach nicht dazu äußern wollte. Freiwillig (falls nicht wäre dies zu begründen: Emre Can hat sich gegen das Treffen entschieden und lebt auch noch, nach allem was wir wissen). Die Kritik an Özil wird verursacht durch seine Handlungen. Dass es vorher schon Unfug aus der rechten Ecke gab, bedeutet nicht, dass *jegliche* Kritik rechts motiviert wäre, und schon gar nicht, wenn es dermaßen klar sichtbare Anlässe zur Kritik gibt. Ich würde mir wünschen, dass Sie endlich mit diesen albernen Nebelkerzen aufhören.

    Özil ist untragbar geworden, diese Erkenntnis ist offensichtlich auch bis zur DFB-Führungsspitze durchgedrungen. Er ist ein Störfaktor, sowohl rein sportlich (auch wenn Sie entsprechende Aussagen nicht wahrhaben wollen), als auch für Integrität und öffentlichem Ansehen der Nationalelf. Selbstverständlich sind die beteiligten DFB-Führungspersonen selber höchst unprofessionell und unglaubwürdig , das ändert aber nichts daran, dass es jetzt in diesem Stadium nur noch diese eine Konsequenz geben kann.

    Der DFB tut sich mit Özil deshalb so schwer, weil man ihn vorher gerne als Integrations-Aushängeschild präsentiert hat, inklusive Kabinenfoto mit Merkel. Dieser Integrations-Bambi wollte er aber nie sein. Stattdessen hat er sich jetzt selber zu einem ganz anderem Symbol gemacht, er repräsentiert nun Erdogans Wählerschaft in Deutschland, welche neulich wieder mit Zweidrittelmehrheit für ihn gestimmt haben. Betretenes Schweigen allerorten.

  129. @132: Ach so, wegen der Aussagen der DFB-Spitze, die den schwarzen Peter Richtung Özil schieben, bauen wir uns jetzt die sportliche Kritik zusammen, weil er ja ein Störfaktor war, also quasi qua Anwesenheit schuld war… netter Versuch!

  130. Er ist ein Störfaktor, sowohl rein sportlich […], als auch für Integrität und öffentlichem Ansehen der Nationalelf.

    Ich bin ja der Meinung, dass eine Führungsriege, die im nachhinein und öffentlich (!) gegen einzelne Spieler nachtritt der Integrität und dem öffentlichen Ansehen der Nationalelf mehr schadet, als ein Özil mit seinen Fotos. Aber was weiß ich schon…

  131. Kanzlerin Merkel erklärt nicht, warum sie dem sogenannten Diktator (wenn auch in unfairen Wahlen, ist er immer noch gewählt) Panzer verkauft, Exkanzler Schröder erklärt nicht, warum er Erdogan zur Wahl gratuliert. Die Bayern erklären nicht, wieso sie in Katar die Diktatur mit ihrer Anwesenheit unterstützen und die vielen, die Putin mit ihrer Anweseheit huldigen, erklären such nichts.

    Es gibt nur einen Grund von Özil zu erwarten, dass er sich für die Erdogan Fotos erklärt. Das ist Rassismus. Dumme Erklärungen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier von Özil verlangt wird, was man von jenen eben nicht verlangt, die keine Moslems sind.

    Sicher, Erdogan ist ein Verbrecher übler Sorte, der der Türkei schadet. Und jene wie Özil, die ihn unterstützen, macht das sicher alles andere als sympatisch.

    Aber der Drang, so zu tun, als wäre es ein Verbrechen einen Erdogan beizustehen, nachdem zuletzt der echte Diktator & Massenmörder Sissi aus Ägypten als Staatsgast offiziell von Cdu&Spd unterstützt wurde, begründet sich nur im Rassismus Deutschlands.

  132. „Es gibt nur einen Grund von Özil zu erwarten, dass er sich für die Erdogan Fotos erklärt. Das ist Rassismus. Dumme Erklärungen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier von Özil verlangt wird, was man von jenen eben nicht verlangt, die keine Moslems sind.“

    Das ist jetzt aber schon ganz übler Tobak. Podolski musste sich in den letzten zwei Jahren auch wegen seines Werbespots und der Pathos-Propaganda-Tweets erklären. Oder ist der auch Moslem? Schröder wird wegen seinem Putin-Lobbyismus schon seit weit über einem Jahrzehnt abwechselnd verlacht und kritisiert. Merkel wird gerade aus der rechten Ecke regelmäßig Volksverrat vorgeworfen. Zu Sisis Staatsbesuch 2015 hat es auch gekracht, von überall her hagelte es Kritik, Lammert hatte sich geweigert, sich mit Sisi zu treffen.

    Nur wenn aus gegegebenem Anlass die Frage aufkommt, wie Özil denn zu Erdogan steht, der sich nicht nur zum türkischen Alleinherrscher aufschwingt, die Presse gleichschaltet, die Opposition im eigenen Land unterdrückt, Kritiker im Ausland per internationalem Haftbefehl suchen lässt und Nachbarländer überfällt. Sondern auch gerne und viel pauschal gegen Deutsche und türkischstämmige deutsche Politiker hetzt und den deutschen Staat und sein Hoheitsrecht über das deutsche Staatsgebiet so wenig respektiert, dass explizite Einreiseverbote von türkischen Politikern zu Wahlkampfzwecken schlichtweg ignoriert werden und versucht wird, die Leute über Umwege, zum Beipiel über die Niederlande, eingeschleust werden. Wenn lokale Autoritäten aufs übelste beschimpft werden, wenn diese eine türkische Wahlkampfveranstaltung aus Sicherheitsgründen nicht erlauben. Dann darf man das natürlich nicht hinterfragen und auch nicht kritisieren, denn das wäre rassistisch. Lächerlich. Ich persönlich verstehe ja alleine schon nicht, warum sich Özil überhaupt mit Erdogan abgibt. Wenn er sich wirklich so als Deutscher fühlt, wie er immer behauptet, müsste er sich doch von Erdogan’s Beleidigungen auch angesprochen fühlen. Warum lässt er wegen ein paar Idioten Rassismusvorwürfe auf das deutsche Volk regnen, findet aber scheinbar wenig an Erdogans Rassismusanfällen gegen Deutsche, Holländer, Israelis etc etc auszusetzen? Ist natürlich sein gutes Recht. Dann braucht er sich aber nicht zu wunder, warum ihn die Leute in erster Linie als Türken sehen.

  133. Özil hat sich ja mittlerweile positioniert, nur anders, als vom DFB erwartet. Seine Rechtfertigung für das Erdogan-Treffen ist dabei äußerst aufschlussreich. Die Gleichsetzung von Erdogan mit dem Heimatland seiner Vorfahren entspricht genau der Sichtweise, die auch Erdogan und seine Anhänger selbst gerne verwenden: Erdogan ist die Türkei. Kritik an Erdogan beleidigt alle Türken und das Vaterland gleich mit. Auch die Äußerungen aus der türkischen Presse und Erdogans eigener Kommentar („national und patriotisch“) sind eindeutig. Özil hat sich in der Tat entschieden, wo er stehen will.

  134. war ja klar. Wie oben schon gesagt: Es ist eigentlich vollkommen egal ob und wie Özil sich erklärt — er ist sowieso der Schuldige.

    und @Honki Donki
    zum 1000sten Mal: Keiner sagt, dass Özil nicht wegen seines Erdogan-Fotos kritisiert werden darf. Natürlich darf er das und das ist auch vollkommen OK so.
    Es ist aber nicht in Ordnung, dann plötzlich alles an ihm zu kritisieren (er spiele angeblich schlecht, er fühle sich nicht als Deutscher, überhaupt singt er deswegen die Nationalhymne nicht mit blablabla). Und das ist auch der Unterschied z.B. zu Podolski. Denn er wurde nur dafür kritisiert, nicht plötzlich noch dafür, wie er Fussball spielt.

    @ARISTOPHANES:
    Keine Ahnung was sie für eine Erklärung von Özil gelesen haben. Deckt sich nicht mit der, die ich kenne….

  135. Wieso lesen Sie nicht einfach, was Özil in seinem Statement schreibt? Z.B. „it was about respecting the highest office my family’s country“ oder „it didn’t matter who was President, it mattered that it was the President“. Fehlt nur noch, dass er gar nicht wusste, dass Erdogan gerade Präsident ist. Deswegen treffen sich die beiden auch regelmäßig, damit Özil noch auf dem Laufenden bleibt, ob’s immer noch der olle Erdo ist. Dass dort gerade Wahlkampf war, dass die WM-Nominierungen kurz bevor standen, lauter „Zufälle“. Mal ehrlich, wie naiv kann man eigentlich sein?

  136. ähm ja. Und wo ist das jetzt:
    „Die Gleichsetzung von Erdogan mit dem Heimatland seiner Vorfahren “ wie sie behaupten?
    Da steht ja eindeutig „respecting the highest office my family’s country“.
    Da kann man ja sicher geteilter Meinung sein ob das sinnvoll/notwendig ist. Aber Ihre Interpretation dass er da irgendwas gleichsetzt ist vollkommen aus der Luft gegriffen. Er sagt ja sogar noch, dass egal ist wer Präsident gewesen wäre — er hätte sich immer mit ihm getroffen.
    Und dass Erdogan nunmal Präsident der Türkei ist, können ja selbst Sie nicht negieren.

    Aber wie gesagt, es wäre Ihnen doch sowieso vollkommen egal gewesen was Özil vorgebracht hätte. Er ist halt immer noch nur „der Türke“…

    P.S: Ich halte die Erklärung auch nicht für sonderlich zielführend weil er wirklich keine Schuld bei sich sieht und nicht mal einsieht, dass er da vielleicht einen Fehler gemacht hat für den man ihn kritisieren kann/muss. Aber wichtiger ist, dass der alltägliche Rassismus — dem er selbst vom DFB teilweise ausgesetzt war — wieder Thema ist. Und da muss man jetzt nur mal auf Twitter lesen um zu sehen, wie weit rechts offenbar viele Menschen in Deutschland wieder sind (oder es zumindest jetzt wieder offen zugeben). Und das ist die wahre Tragik an der Geschichte.

  137. Finde es etwas ermüdend, Özils Statement hier noch auseinander nehmen zu müssen, wo die Absurdität doch offensichtlich ist: Özil möchte gerne unterscheiden zwischen dem Politiker Erdogan, der all diese schlimmen Dinge tut von denen man immer hört, und dem Repräsentant Erdogan, der die Türkei qua Amt verkörpert. Mit dem Politiker will Özil nichts zu tun haben, er ist ja selbst kein Politiker („my job is a football player and not a politician“) und natürlich haben sie auch nur über Fußball gesprochen („… we spoke about the same topic that we do every time we have met – football…“). Ne is klar, mit der ganzen großen bösen Welt da draußen möchte Özil nichts zu tun haben, er hat nur das merkwürdige Bedürfnis, andauernd der personifizierten Türkei („roots of my ancestors“, daher „Heimatland seiner Vorfahren“) die Hand zu schütteln.

    Man kann diese Erklärung nur fadenscheinig, lächerlich und fern jeder Selbstkritik nennen. Das ist nicht nur meine persönliche Meinung, siehe z.B. die Statements von Serdar Somuncu oder Ünsal Arik.

    Ich weiß ja jetzt schon dass ich es bereuen werde zu fragen, aber an welcher Stelle hat der DFB noch mal genau Rassismus gezeigt? Man kann Grindel sicher mangelnde Loyalität, Opportunismus etc. vorwerfen, das allein macht aber noch keinen Rassisten aus ihm.

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