Die große Online-Defensive des WDR

Der frühere „Tagesthemen“-Moderator und heutige WDR-Intendant Tom Buhrow hat es sich zur Aufgabe gemacht, für gute Stimmung zu sorgen. Wenn schon nicht im eigenen Sender, dann wenigstens bei der Konkurrenz.

Der WDR kastriert sein Online-Angebot aus Rücksicht auf die kommerziellen Interessen der Zeitungsverleger. Seit vergangener Woche dürfen auf den WDR-Internetseiten nur noch kurze und kürzeste Texte erscheinen.

„WDR-Online-Angebot wird multimedialer“, heißt das in der Mitteilung des Senders. Sie zitiert Buhrow mit der Absicht, man wolle „das Angebot von wdr.de weiter mit neuen audiovisuellen Formaten ausbauen und den strukturellen Umbau für den digitalen Wandel konsequent vorantreiben“.

Vorerst aber geht es um einen Rückbau. Im Sender kursieren strenge Vorgaben, welche Textlängen nur noch erlaubt sind. Bei einer internen Versammlung wurde eine Dienstanweisung verkündet, die für alle WDR-Online-Seiten gelten soll. Sämtliche Beitragsseiten werden demnach längenbeschränkt: Nachrichten dürfen nur noch höchstens 1500 Zeichen umfassen, Hintergrundbeiträge höchstens 2500 Zeichen lang sein.

Zusätzlich ist vorgeschrieben, Medien, also Bilder, Audio und Video, immer an prominenter Stelle einzubinden. Möglichst noch über dem Artikel soll ein Foto stehen. Wenn Seiten diese Vorgaben nicht erfüllen, drohe ihre Löschung. Die Regeln gelten zunächst für neue Seiten, aber auch alte Seiten sollen angeblich nach und nach auf die neue Höchstlänge gestutzt werden. In einer Mail, die im Sender kursiert, heißt es auch, dass Redakteuren, die gegen die Regeln verstoßen, persönliche Konsequenzen drohten. Von einem rüden Ton berichten Mitarbeiter, Widerspruch werde als Illoyalität gewertet.

Tom Buhrow
Tom Buhrow Foto: WDR/Herby Sachs

Intendant Buhrow sagte gegenüber dem Deutschlandfunk, er kenne eine Mail mit den genannten Längenvorgaben nicht: „Ich selber mache keine Zeichenvorgaben. Ich werde nicht jetzt anfangen, Erbsen zu zählen, nur es wird weniger Text geben, das ist ganz klar.“ Wenn Buhrow selbst nicht Erbsen zählt, scheinen es aber zumindest andere im Sender zu tun.

Buhrow verteidigt die Kürzungen mit dem angeblichen Nutzungsverhalten der Leser und Zuschauer. Aber er räumt auch ein, dass es ein Zugeständnis an die Verlage ist, die seit längerem fordern, dass sich die Öffentlich-Rechtlichen im Netz weitestgehend auf Audios und Videos beschränken und textliche Angebote den Verlagen überlassen sollen.

Im Deutschlandfunk sprach er außerdem von einem „Urteil“, an das sich alle Öffentlich-Rechtlichen halten müssten. Er meinte eine Unterlassungserklärung, die Radio Bremen abgegeben hat: Mehrere Zeitungsverlage hatten vor dem Landgericht Bremen geklagt, weil sich radiobremen.de nicht daran gehalten habe, dass laut Rundfunkstaatsvertrag „nichtsendungsbezogene presseähnliche Angebote nicht zulässig“ sind.

In der Verhandlung zeichnete sich wohl ab, dass Radio Bremen in dieser Hinsicht unterliegen würde. Es gibt aber kein Urteil, und es ging auch nicht um Texte insgesamt, sondern um solche, die keinen direkten Sendungsbezug haben.

Die radikalen Einschnitte bei wdr.de lassen sich also nicht mit einer Gerichtsentscheidung begründen – sie sind ein Versuch, die Verlage zu besänftigen, die gerade erhebliche Stimmung gegen die Sender machen, weil die Bundesländer bald wieder einmal über die Zukunft von ARD und ZDF unter anderem im Netz entscheiden.

Die strengen internen Vorgaben zeigen, wie wenig journalistische Kriterien oder die Interessen der Beitragszahler dabei eine Rolle spielen. Es geht um ein Appeasement der privaten Konkurrenz. Ähnlich lässt sich auch eine Entscheidug des Bayerischen Rundfunks in der vergangenen Woche interpretieren. Der Sender arbeitet seit Jahren daruaf hin, die Frequenzen seines Klassik-Programms mit der Jugendwelle Puls zu tauschen: Puls sollte auf UKW wechseln, BR-Klassik ins digitale Radio. Dagegen regte sich erbitterter Widerstand. Der BR setzte sich vorläufig politisch und juristisch durch – und verzichtet jetzt trotzdem darauf. Unter anderem, wie Intendant Ulrich Wilhelm sagte, um „seinen Beitrag zu einem guten Klima im dualen System leisten“. Eine ganz neue Form von Rundfunk-Beitrag also.

Ähnlich stimmungsfördernd ist offenbar die Beschneidung von wdr.de gemeint: „Wir wollen die Verleger in ihrem schwierigen Überlebenskampf natürlich nicht noch mehr beschweren“, sagt Buhrow. Und: „Ich will aber auch ein Zeichen setzen und sagen, wir müssen uns ja nicht unbedingt in der Presse beschimpfen, über unsere Sendungen beschimpfen, vor Gericht streiten.“

Es ist eine merkwürdig duckmäuserische Haltung und eine merkwürdige Missachtung der Beitragszahler. Denn die haben ein Recht, für das Geld, das sie zahlen, den bestmöglichen öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu bekommen – und nicht eine Version, die unter Berücksichtigung kommerzieller Interessen entsprechend abgespeckt ist. Es ist auch merkwürdig, auf diese Weise eine juristische Klärung zu vermeiden, was der Begriff „presseähnlich“ für die Gestaltung eines Online-Angebotes konkret bedeutet, und von vornherein den Verlegern entgegenzukommen – in der Hoffnung, dass jene oder die Politiker diesen guten Willen in irgendeiner Weise würdigen werden.

Buhrow fällt mir seiner Entscheidung auch denjenigen öffentlich-rechtlichen Sendern in den Rücken, die es keineswegs für ausgemacht halten, dass sie nur Textfitzel im Netz veröffentlichen dürfen. Buhrow selbst weist diesen Vorwurf mit dem Hinweis zurück, er bewege sich „innerhalb des Geleitzuges der ARD“, was ein interessantes militärisches Bild ist: der öffentlich-rechtliche Rundfunk als Konvoi unter Beschuss. Gemeinsam begeben sie sich in Deckung, manche weiter vorne, andere hintendran.

Interessanterweise scheint Buhrow selbst nicht zu glauben, dass die Zurückstutzung der öffentlich-rechtlichen Aktivitäten im Netz den Verlagen hilft. Im Deutschlandfunk-Interview sagte er:

Ich glaube, dass die Verleger sich irren. Ich glaube, dass auch eine Textreduktion bei uns kein bisschen ändert an ihren Schwierigkeiten.

Der WDR schwächt also, um gute Stimmung zu machen, sein eigenes Online-Gebot, obwohl er selbst nicht glaubt, dass die Verlage davon profitieren werden. Die Verlage suchen mehr oder weniger verzweifelt nach Möglichkeiten, im Internet mit Journalismus Geld zu verdienen, und anstatt dafür zu sorgen, dass es angesichts dieser Schwierigkeiten wenigstens, durch den Rundfunkbeitrag finanziert, ein zuverlässiges öffentlich-rechtliches Angebot gibt, schränkt man sich auch selbst ein.

Es ist eine prinzipiell schlechte Idee, wenn die Vorgaben, was der öffentlich-rechtliche Rundfunk tun darf, davon bestimmt sind, was unter den jeweils gerade aktuellen Marktbedingungen der privaten Konkurrenz recht wäre. Um noch einmal daran zu erinnern: Vor gerade einmal neun Jahren hätte das bedeutet, ARD und ZDF im Netz alles zu erlauben außer Werbung. So schlug es der heutige Zeitungsverlegerpräsident Mathias Döpfner damals vor, weil es damals so aussah, als ob Online-Medien sich mit Werbung finanzieren ließen.

Heute, da klar ist, wie schwer das ist, fordert er andere Grenzen von ARD und ZDF, wiederum definiert von der aktuellen Marktsituation der Privaten. Was ARD und ZDF tun dürfen, kann aber nicht von den jeweiligen Beschwerlichkeiten der Konkurrenz abhängig sein – sondern muss aus den Ansprüchen an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk selbst definiert werden.

Das war bislang auch einer der Grundsätze in der Rechtsprechung. Tom Buhrow leistet nun seinen bescheidenen Beitrag dazu, diesen Gedanken zu unterminieren und stattdessen irgendwie – nett zueinander zu sein. Also, die Verlage und die Sender. Um die Bürger und ihre Interessen geht es dabei nur am Rande.

Am Ende des Deutschlandfunk-Interview sagt Buhrow noch, worauf sich all in diesen Diskussionen zwischen Verlagen, Privatsendern und Öffentlich-Rechtlichen in solchen Diskussionen immer einigen können: Dass sie doch eigentlich einen gemeinsamen Feind haben, Google, Facebook & Co. Buhrow sagt:

Wir kriegen es doch hin, dass wir in Deutschland so miteinander klarkommen, dass wir uns den wahren Gegnern zuwenden, nämlich denen, die von Übersee kommen und unsere Inhalte kannibalisieren und einfach, sei es senden oder sei es abdrucken, ohne dass sie dafür irgendwas bezahlen.

Der alte Mythos von den bösen US-Konzernen, die einfach Inhalte klauen. Man wüsste gerne, inwiefern Google und Facebook dem WDR schaden und warum der WDR-Intendant sie als „wahre Gegner“ betrachtet. Aber er wird sie ja jetzt bald gemeinsam mit den Verlagen bekämpfen können, weil der WDR nur noch kürzeste Texte im Internet veröffentlicht.

Nachtrag, 14. Dezember. WDR-Online-Chef Stefan Moll widerspricht den im Sender kursierenden Berichten über „von oben“ vorgegebene Textlängen. „Es gibt keine Festlegung auf eine bestimmte Zeichen- oder Wörterzahl“, schreibt er im WDR-Intranet. „In unserem neuen Online-Auftritt konzentrieren wir uns auf Videos und Audios, kurze Texte leiten zum Thema.“

22 Kommentare

  1. „Widerspruch werde als Illoyalität gewertet“. Illoyal gegenüber wem, den privaten Verlegererzeugnissen?

    Außerdem: Ist es nicht eine Gepflogenheit, dass in Nachrichtensendungen, deren Sendezeit auch allenthalben verkürzt wird, auf das eigene Webangebot mit den Worten: „mehr Infos erfahren Sie unter…“ verwiesen wird. Und jetzt sollen diese Hintergrundberichte max. 2.500 Zeichen haben dürfen? Das ist so viel:

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  2. Buhrow ist das mutmaßlich alles einfach egal. Der nimmt 399.000€ mit und mimt dafür den Intendanten. Wäre dann ja auch reichlich doof, wenn man sich noch selbst Stress machen würde, indem man sich mit den Privatsendern anlegt.

  3. @3
    Sehr freundlich, dass Sie mir Dinge unterstellen, die ich nicht gesagt habe.

    Es mag Ihnen egal sein, dass Buhrow als Intendant obszön viel Geld bekommt (und dann auch noch die Interessen der Beitragszahler nicht berücksichtigt), während gleichzeitig Geringverdiener einen vergleichsweise großen Anteil ihres Einkommens für den Rundfunkbeitrag aufwenden müssen. Anderen Menschen aber möglicherweise nicht…
    (Ich würde mir einen einkommensabhänigen Rundfunkbeitrag wünschen.)

  4. Wenn der WDR jetzt auf lange Texte verzichtet, sollten die Verlage/Zeitungen bei ihren Onlineausgaben auf Videos verzichten. Das wäre gerecht.

  5. @Thomas: Seit Langem meine Rede.
    Es wäre wirklich wünschenswert, wenn sich mal eine Medienanstalt dazu herablassen würde, statt nur den Spiele-Bloggern das Leben schwer zu machen, ein Prüfverfahren gegen die Bild-Zeitung einzuleiten, ob deren audiovisuelle Experimente nicht schon den Umfang eines illegalen Fernsehsenders angenommen haben. Zumindest offiziell Prüfen können sie mal.

  6. Das hat man dann also von dem „Rechercheverbund“ aus WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung, die ja auch gegen die tagesschau-App zu Felde zog.

  7. „Es ist eine merkwürdig duckmäuserische Haltung und eine merkwürdige Missachtung der Beitragszahler. Denn die haben ein Recht, für das Geld, das sie zahlen, den bestmöglichen öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu bekommen – und nicht eine Version, die unter Berücksichtigung kommerzieller Interessen entsprechend abgespeckt ist.“ – Man kann es aber auch anders interpretieren. Der Beitragszahler möchte nicht ständig mehr zur Kasse gebeten werden für Aktivitäten, die nichts mit der Grundidee des ÖRR zu tun haben. Bei der Einführung des Rundfunkbeitrages (einst Rundfunkgebühr) ging es um eine „Grundversorgung“. Und nicht um einen von den Bürgern zwangsfinanzierten Wettbewerb zwischen ÖRR und Verlagen.

  8. … wobei es eigentlich nur die Verlage sind, die das Vorhandensein eines solchen Wettbewerbs auf Teufel-komm-raus herbeireden möchten.

  9. Ich denke, dieses ewige Hin und Her, ohne jemals eine klare Regelung herbeizuführen, schadet am Ende allen. Warum lässt man nicht ein für allemal klarstellen, was der ÖRR darf und was nicht? „Angst fressen Seele auf“ – offensichtlich auch die des stolzen Westdeutschen Rundfunks und die der anderen Mitglieder der öffentlich-rechtlichen Senderfamilie. Die Seele der einst so vielfältigen privaten Medienhäuser ist dagegen bereits dabei sich aufzulösen. Aus Furcht vor dem Niedergang, konsolidiert man hoffnungs- und ideenlos vor sich hin und macht sich gleich und gleicher.

  10. Was sagt(e) denn der Rundfunkrat dazu – oder kommt das von dort?

    Audios/Videos prominent zu platzieren, dürfte ja nun keine Schwierigkeit sein.
    Aber dann journalistische Kriterien, für welchen Inhalt online welche Darstellungsform optimal ist, durch planwirtschaftliche Zahlenvorgaben zu ersetzen, enthält nicht mehr viel Journalismus. Ok, darum scheint es auch nicht zu gehen. Aber vielleicht ist es „taktisch“ (nicht journalistisch) besser, so Luft rauszulassen. Bei förmlicher Klärung würden dann Juristen entscheiden, welche wie animierte Grafik, welche zoombare Karte, welche Bildergalerie, welche Verlinkungsart, wie „presse(un)ähnlich“ erscheint. Wie journalistisch ist juristische Befassung mit Medien?

  11. Im Grunde ist das doch die gleiche Rückzugstaktik wie damals bei der Einführung des Privatfernsehens. Da hat man auch ohne wirkliche Not jeden Anspruch an sich selbst komplett aufgegeben und gemeint, man müsse (besonders in den Dudelwellen des Radios aber auch im Fernsehen) sein Programm immer weiter auf Privatfunkniveau verdummen, damit man irgendwie überleben kann.

    Warum hat da niemand den Mumm, zu den Werten und Aufgaben eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu stehen und diese auch umzusetzen? Sollen die Verleger doch klagen, bis sie blau werden. Ein Gericht wird dann schon sagen, was die Sender dürfen und was nicht.

  12. „Denn die Beitragszahler haben ein Recht, für das Geld, das sie zahlen, den bestmöglichen öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu bekommen.“ Das ist zweifellos richtig – fragt sich eben nur, was Texte im Internet mit Rundfunk zu tun haben.
    „Vor gerade einmal neun Jahren hätte das bedeutet, ARD und ZDF im Netz alles zu erlauben außer Werbung. So schlug es der heutige Zeitungsverlegerpräsident Mathias Döpfner damals vor.“ Das ist eine sinnentstellend verkürzte Darstellung: Wie der Link selbst zeigt, schlug Döpfner das nur unter der Bedingung vor, dass die Sender dann auch im Fernsehen und auf allen anderen Kanälen auf Werbung verzichten. Erstens wäre es absurd, im Zuge der Digitalisierung jemandem noch heute Forderungen von 2008 vorzuhalten – hat sich ja doch ein bisschen was geändert in der Zwischenzeit. Dieselben Leute, die Zeitungsverlegern vorwerfen, altem Denken anzuhängen, fordern jetzt, dass sie doch bitte bei denselben Forderungen bleiben mögen wie vor neun Jahren: Verlogener geht es kaum. Zweitens ist die vermeintliche Inkonstenz noch nicht einmal klar gegeben, da das damals diskutierte Modell eines kompletten Werbeverzichts im öffentlichen Rundfunk gegenwärtig ja gar nicht mehr zur Debatte steht.

  13. @15 Martinf
    Nicht viel… Aber die Verlage sind Private Firmen die machen können was sie wollen. Sie können auch anfangen Fahrräder zu produzieren wenn sie wollen… Das ist dann nur ihr Unternehmerisches Risiko wenn es nicht funktioniert.

  14. „Im Deutschlandfunk sprach er außerdem von einem „Urteil“, an das sich alle Öffentlich-Rechtlichen halten müssten. Er meinte eine Unterlassungserklärung, die Radio Bremen abgegeben hat…“

    Ganz so eindeutig finde ich Buhrows Bezug nicht, wenn man sein DLF-Interview nachliest. Es bleibt einigermaßen vage, was er „meint“. Der Kontext zur Unterlassungserklärung von Radio Bremen ist zwar da, aber mit „Urteil“ kann er sich genausogut auf das Kölner Urteil vom September zur Tagesschau-App beziehen – https://www.tagesschau.de/inland/tagesschau-app-urteil-101.html.

    Mir scheint das wahrscheinlicher, weil es da vor der Haustür des WDR wirklich eine juristische Niederlage gab, die im großen WDR vermutlich eher zur Kenntnis genommen wird als eine außergerichtliche Bremer Einigung – die ja auch an die Lösung im Bayerischen Rundfunk (https://www.br.de/presse/inhalt/pressemitteilungen/br24-app-einigung-vor-gericht-100.html) erinnert. Sozusagen „im Geleitzug…“.

    Das ändert natürlich nichts an der grundsätzlich berechtigten Verwunderung über das WDR-Vorgehen.

  15. @Blunt: Es geht mir gar nicht darum, Döpfner irgendwelche Jahre alten Forderungen „vorzuhalten“, schon gar nicht im Sinne einer Inkonsistenz: Natürlich hat sich sehr viel geändert in der Zwischenzeit. Aber gerade weil sich die Bedingungen so schnell und radikal verändern, wäre es absurd, die rechtlichen Vorgaben und Einschränkungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks immer den jeweiligen (und sich möglicherweise schnell ändernden) Sorgen der privaten Konkurrenz anzupassen. Döpfners Forderung schien damals gar nicht abwegig – heute ist sie es. Das spricht nicht gegen Döpfner, sondern dagegen, die Grenzen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nach solchen Kriterien zu definieren.

  16. @MartinF, @Stefan Niggemeier: Wenn ich Döpfner richtig verstehe, geht es ihm um die Frage, in welche funktionierenden Wirtschaftsbereiche eine von öffentlichen, zwangsweise erhobenen Abgaben finanzierte Anstalt eingreifen darf. Gesetzt den Fall, die ARD würde morgen ihre Gebührengelder nutzen, um massenhaft günstige und zugleich hochwertige Buntstifte zu produzieren, würde Faber Castell das wohl auch nicht lustig finden. Entsprechend sehen auch Zeitungsverleger, die sich am freien Markt behaupten müssen, in rein textlastigem Lokaljournalismus eine staatlich finanzierte und ja auch kontrollierte Konkurrenz, die diesen freien Markt unterläuft. Anders sähe es beispielsweise aus, wenn die ARD ein Privatsender wäre, der ebenso vom Markt abhängig ist wie die Zeitungsverlage. In diesem Fall liefe Döpfners Kritik ins Leere. Dementsprechend spricht auch zunächst wenig (wenn auch nicht nichts) dagegen, dass Zeitungsverlage sich im Fernsehgeschäft engagieren: Sie tragen dafür immerhin das volle Risiko.

  17. Was ist mit gehörlosen Menschen? Diese zhalen doch auch Rundfunkbeiträge! Haben diese kein Recht auf öffentlich rechtlichen Journalismus? Kein Recht darauf zuverlässig auf dem Laufenden zu sein? Da ist Text nunmal erste Wahl.

    Der öffentlich rechtliche Auftrag lautet, ein Angebot für ALLE Beitragszahler bereitzustellen. Sodass jeder in der Gesellschaft Zugang zu Informationen hat.

    Das scheint aber niemand auf sem Schirm zu haben. Warum auch, sind ja eh alles nur nutzlose und unproduktive Menschen…

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