Die Verachtung der Journalisten für die Jamaika-Sondierer

Die Situation ist so ernst, dass sie beim „Tagesspiegel“ jetzt zum Äußersten gegriffen haben: Chefredakteur Lorenz Maroldt hat gestern in seinem Newsletter „Checkpoint“ einen Count-Up gestartet, der die Tage seit der Bundestagswahl bis zur Bildung einer Koalition zählt.

Der berühmte andere „Tagesspiegel“-Count-Up, der die Tage seit der Nichteröffnung des Flughafens Berlin-Brandenburg zählt, wird trotzdem noch fortgeführt – offenbar gab es in der Redaktion genug Kapazitäten, zwei solche journalistische Prestigeprojekte gleichzeitig durchzuführen. Der BER-Zähler stand gestern bei 1994; der Jamaika-Zähler zeigte 54 Tage an.

Das klingt erst einmal nicht besonders viel, insbesondere weil es vor vier Jahren bis zur Bildung der Großen Koalition immerhin 66 Tage dauerte, aber gefühlt, ja gefühlt laufen die Sondierungen schon viel länger: 23 Jahre nach Zählung der Kollegen der FAZ in deren morgendlichen Politik-Newsletter.

Historischer Tag

Dass Journalisten jetzt demonstrativ anfangen mitzuzählen, tatsächliche und gefühlte Tage und Jahre, ist vermutlich auch ihre Rache dafür, dass die Politiker sich nicht an eine Deadline gehalten hatten, auf die sie sich schon sehr eingestellt hatten. Die Medien waren in den vergangenen Tagen ganz auf die Hollywood-Dramaturgie eingestiegen, dass in der Nacht zum Freitag die Zeit für Verhandlungen ablaufen würde. Anders als im Filmthriller stellte sich dann aber heraus, dass, wenn der Zähler auf null steht, gar keine Bombe explodiert, sondern man einfach weiterreden kann, nachdem man ein paar Anschlusstermine verlegt hat. Das ließ im Nachhinein viel der Aufgeregtheit der Journalisten etwas lächerlich wirken.

„‚Jamaika‘ läutet Countdown bei Sondierungen ein“, hatte die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch gemeldet, ohne in irgendeiner Weise zu erklären, was das konkret bedeutete, warum dieser Countdown nicht schon Wochen vorher (oder erst Stunden später) eingeläutet wurde und warum das überhaupt eine Meldung ist.

Der Morgen-Newsletter der FAZ heißt zufällig „Countdown“, was erklären könnte, warum man dort ganz besonders aufgeregt war. Jedenfalls war der diensthabende E-Mail-Schreiber am Donnerstag ganz überwältigt von der Bedeutung dieses vermeintlich „historischen Tages“. Glaubt man ihm, war die Nation völlig im Bann jenes Ereignisses:

(…) selbst die Mächtigsten unter den Mächtigen, Trump, Putin und Schröder, interessieren die Deutschen an diesem Donnerstag wohl nur am Rand. Denn heute ist der Tag der Entscheidung, Jugdement [sic!] Day, die Nacht der langen Messer: Nach gefühlten 23 Jahren Sondierungsverhandlungen auf Balkonien blicken sich die Unterhändler von Jamaika ein letztes Mal tief in die von Sorgen um das Land und ständigen Antipathie-Schauspielen (Regie: A. Dobrindt) gezeichneten Augen und sagen Ja zueinander. Oder glaubt noch jemand, dass es anders kommen könnte?

Lange Messer

Mal abgesehen von dem ganzen anderen Unsinn in diesen Zeilen: Die FAZ schreibt also auch von der „Nacht der langen Messer“. Der Begriff stammt aus dem Dritten Reich und bezog sich dort verharmlosend auf die Ermordung Dutzender Führungskräfte der SA im Sommer 1934.

In ihrem Versuch, die vermeintlich entscheidende Nacht der Verhandlungen dramatisch aufzuladen, haben Medien (und Politiker) geschichtsblind diesen mörderischen Begriff übernommen. „Ohne eine ‚Nacht der langen Messer‘, in der sich die Verhandlungsführer zurückziehen, um die großen Konflikte zu lösen“, dürfte es nicht gelingen, am 17. November zu einem Ergebnis der Verhandlungen zu kommen, behauptete die „Süddeutsche Zeitung“ als eine der ersten schon vor zwei Wochen.

In der Folge behandelte auch die Nachrichtenagentur dpa den Begriff als quasi-offizielle Bezeichnung für diese Verhandlungsrunde und formulierte ohne erkennbare Ironie zum Beispiel: „Erwartet wird eine ‚Nacht der langen Messer‘, wo strittige Themen notfalls in kleinem Kreis gelöst werden.“

Erst am Donnerstag informierte die Agentur in einer eigenen Meldung über den geschichtlichen Hintergrund des Begriffs:

(Hintergrund – Stichwort – zu den entscheidenden Jamaika-Sondierungen von Donnerstag auf Freitag)

„Nacht der langen Messer“ festigte die Macht Hitlers“.

Unnötig viele Hürden

Vielleicht stürzten sich die Journalisten auch deshalb begeistert auf dieses Bild, weil es wenigstens mal nichts mit einer Karibikinsel zu tun hatte. Caren Miosga stand am Donnerstagabend in den „Tagesthemen“ vor dem Bild eines jamaikanischen Rennläufers und formulierte:

Sie sitzen noch immer zusammen, die Verhandler jener vier Parteien, die möglicherweise in dieser Nacht eine Koalition zum Laufen oder eben zu Fall bringen, bevor sie überhaupt begonnen hat. Ob sie das Ziel erreichen, ist zur Stunde immer noch nicht klar, was auch daran liegt, dass die Sondierer in Berlin wenig jamaikanische Sprint-Qualitäten gezeigt haben. Ihr Verhalten erinnerte mehr an einen Langstreckenlauf, auf dem sie sich zudem auch noch selbst unnötig viele Hürden in den Weg gestellt haben, die nun heute Nacht von den Chefs genommen werden müssen.

Ja schrecklich, diese unnötigen Hürden, nur weil die Parteien teils gegensätzliche Programme haben, die ihnen jetzt beim gemeinsamen Regieren blöd im Weg rumstehen.

Aber schlimmer noch ist ja, dass diese Hürden jetzt irgendwie auch den Journalisten in der Berichterstattung im Weg herumstehen. Daniel Bröckerhoff verabschiedete sich in „heute plus“ morgens um 1 von der Korrespondentin Winnie Heescher mit den Worten:

Winnie Heescher, vielen Dank für diese Eindrücke aus Berlin, und ich hoffe dann auch auf eine ruhige, oder zumindest einigermaßen erträgliche Nacht bei Ihnen.

Es klang ein bisschen, als ob die Korrespondentin unter widrigsten Umständen am Rande einer Naturkatastrophe ausharren musste, dabei musste sie sich halt nur in Berlin-Mitte, relativ unweit der Zivilisation, mit vielen Kollegen die Nacht um die Ohren schlagen. Einige spielten, wie man später erfuhr und im Bild sehen konnte, Karten.

Verlängerte Schicht

Viele Berichte über die Verhandlungen, die noch nicht zu irgendeinem Abschluss kamen, wirken so, als wären die Berichterstatter von dieser Tatsache auch persönlich beleidigt.

Man muss den Ton der Verachtung für die Politiker gehört haben, in dem der N24-Moderator den Korrespondenten um kurz nach sieben Uhr morgens unter Bezug auf die Fortsetzung der Gespräche fragte:

 

Sach mal, Achim, gibt’s eigentlich für heute Mittag einen Plan oder guckt man mal, was so geht?

Fast zeitgleich klagte der Moderator bei der Konkurrenz n-tv:

Unsere Korrespondenten, unsere Kamerateams müssen ihre Schicht auch verlängern, ja: Die Politik hat es uns eingebrockt.

Tja, so ist das journalistische Geschäft, könnte man sagen. Nikolaus Blome sagte auf Bild.de stattdessen:

Fünfzehn Stunden saßen die Verhandler von CDU/CSU, FDP und Grünen bis in den Morgen des Freitags zusammen. Mitleid mit den Bleichgesichtern, die da aus dem Verhandlungssaal wankten, muss niemand haben, so ist das politische Geschäft.

Stumme Handtaschen

Das ARD-„Morgenmagazin“ analysierte derweil die Bedeutung von Handtaschen in der Politik. Anlass dafür war möglicherweise, dass Claudia Roth auf dem Weg zu den Verhandlungen mit mehreren größeren Handtaschen angetroffen wurde, man weiß es nicht. Jedenfalls sagte die Moderatorin Susan Link:

Jetzt muss man sich natürlich auch die Frage stellen: Was nimmt man zum Beispiel mit zu Sondierungsgesprächen, Bundeskanzlerin Angela Merkel ist ja dafür bekannt, dass sie meistens mit etwas größeren Shoppern unterwegs ist, und mit der orangefarbenen, mit der hat sie zum Beispiel die Euro-Krise bewältigt.

Der Bericht ging dann so los:

Kanzlerinnen-Taschen, Insignien der Macht, Geheimnisträger und -getragenwerder. Christian Lindner schleppt selbst, wie am Wochenende auf dem Weg zu den Sondierungen. Die Kanzlerin aber braucht Handfreiheit. Raute mit Täschchen – anscheinend unerwünscht. Dabei hat das Innere einer solchen Kanzlerinnentasche so viel preiszugeben. Wichtige schwarze Mappen, kleine grüne Stifte, ein Handy … ja. Könnte doch spannender sein.

In der Tat.

Der Beitrag war trotzdem noch nicht zuende, zeigte nun Handtaschenbilder aus den 50er oder 60er Jahren, dokumentierte ausführlich die Handtaschentreue der früheren britischen Premierministerin Margret Thatcher („ein klares Statement: Frau und Macht, das geht“). Mit einer eleganten Überleitung („apropos Statement“) ging es dann darum, dass Ludwig Erhardt für seine Zigarre berühmt war, Helmut Schmidt für seine Schiffermütze und die Queen für ihre Hüte.

Das Stück endete mit den Worten:

Die Kanzlerinnentasche. Ach, wenn sie doch sprechen könnte. Sie hätte sicherlich einiges zu erzählen.

Pizza und Chips

Das war natürlich nicht das einzige Stück, mit dem das „Morgenmagazin“ die Ereignisse der Nacht nachbereitete. Ein anderes dokumentierte ausführlich das Nichts:

Gewitterklicken der Kameras. Die Fotografen schier aus dem Häuschen: Endlich passiert was. Die Kanzlerin steigt eine Treppe hinab! Endlich mal Bewegung in einer Nacht, in der über Stunden nur von Blockade die Rede war. Womöglich aber spricht Horst Seehofers Miene hier Bände. Insbesondere die CSU und die Grünen stritten erbittert über Migration und Familiennachzug. Vielleicht sah sich CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer deshalb zu einer Charmeoffensive genötigt.

Die „Charmeoffensive“ bestand darin, die ausharrenden Journalisten zu fragen, ob sie Pizza oder Chips brauchen, was ein vergleichsweise kleiner Preis ist für die Möglichkeit, sich weiter über Migration und Familiennachzug streiten zu können. Und tatsächlich möchte sich das niemand vorstellen, wie die Journalisten über diese Verhandlungen berichten, wenn sie nicht nur müde, sondern auch noch hungrig sind.

Kleinteilig verhakt

Trotz der Verhandlungen bis in den frühen Morgen standen mehrere beteiligte Politiker kurz darauf im ARD-Hauptstadtstudio Christiane Meier Rede und Antwort. Auf die Frage, ob er noch genügend Fantasie habe, sich vorzustellen, dass diese „Streithähne“ noch zusammen kommen, sagt Peter Altmaier (CDU):

Wissen Sie, diese vier Parteien kommen zum Teil aus ganz unterschiedlichen Richtungen. Wir haben eine unterschiedliche Geschichte, unterschiedliche Programme und Positionen. Wir waren häufig politische Gegner, wir waren auch schon in Konstellationen, aber nie in einer solchen. Deshalb ist es doch klar, dass man auch Zeit braucht, darüber zu reden, was einen doch trennt. Wie man es überwinden kann und was im Interesse dieses Landes notwendig ist, damit wir vier Jahre eine handlungsfähige Regierung haben.

Meier ließ ihm das nicht durchgehen und giftete:

Ja, ob das alles noch im Interesse des Landes sein kann, dass man sich so kleinteilig verhakt, sei mal dahingestellt.

Irgendwie scheinen sich die meisten Berichterstatter über zwei Dinge einig zu sein: Es wäre eigentlich ein Klacks, sich zu einigen. Und die Verlängerung der Verhandlungen ist eine Katastrophe.

Nikolaus Blome nannte die Koalition, die es noch nicht gibt, eine „Koalition der Angst“:

Alle bleiben sitzen und verhandeln weiter, weil jeder Angst hat, Schluss zu machen – und hinterher als der Schuldige dazustehen.

Das Weiterverhandeln als Schande. Und was sollte schon dabei rauskommen, weiter zu reden, wenn Reden bislang schon nichts gebracht hat? Durch die Morgensendungen am Freitag zog sich auch eine Frage, die sich die Verhandlungsteilnehmer schon von Journalisten stellen lassen mussten, als sie die Parlamentarische Gesellschaft verließen: Was soll denn am neuen Tag anders sein? Warum soll am Freitag, Samstag oder Sonntag gelingen, was am Donnerstag scheiterte? Als ob nicht die müden Gesichter schon eine Antwort darauf wären.

Dicke dünne Luft

Ob Schlaf dem Autor geholfen hätte, der in der „Welt“ über die nächtlichen Verhandlungen folgendes formulierte, ist allerdings auch unklar:

Drinnen war inzwischen offenbar die Luft dünn geworden. Zu dick zum Atmen. Zum Zerschneiden, wie es so schön heißt. Doch keiner zerschnitt sie. Obwohl doch alle Messer dabeizuhaben schienen.

Vermutlich hassen die Journalisten die Politiker für die Verzögerungen auch deshalb so, weil sie nun noch länger Newsticker mit irgendwas füllen. Ein Stromkonzern schafft es – vermutlich zu seinem eigenen Erstaunen – über die Agentur AFP damit in die Nachrichten, dass er die Tweets der an den Sondierungen beteiligten Parteien seit Beginn der Gespräche zählte und errechnete, dass die – inklusive Reaktionen – angeblich 11.335 Tweets für Handy-Stromkosten von insgesamt 4,4 Cent sorgten.

Ja.

Frische Hemden

Mit faszinierend fehlgeleiteten Rechercheeifer übernahm der „Tagesspiegel“ nicht einfach die Aussage von FDP-Verhandlungsteilnehmer Wolfgang Kubicki aus dem ARD-„Morgenmagazin“, seine Frau müsse ihm frische Hemden bringen, sondern checkte das mit der Betroffenen gegen – und meldete nun:

Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki kann nicht darauf hoffen, dass ihm seine Frau frische Hemden für die vertagten Jamaika-Sondierungen nach Berlin bringt. (…)

Annette Marbeth-Kubicki will allerdings frühestens am Wochenende von Kiel nach Berlin fahren. Sie sei am Freitag beruflich eingebunden, sagte sie. Ihr Mann müsse daher „auf seine Lieblingshemden erst einmal verzichten“.

Wenn sich die Verhandlungen noch lange hinziehen, drohen nicht nur noch mehr solcher Enthüllungen. Vor allem droht die Verachtung vieler Journalisten für die Politiker ins Unmessliche zu wachsen. Nicht nur, weil sie das Gefühl haben, dass die ihre Zeit verschwenden und sich nicht an ihre dramaturgischen Vorgaben halten. Im Raum steht auch der Verdacht, dass die ohnehin einfach ihr eigenes Theaterspiel aufführen. Von einem „langwierigen Zurschaustellen von Verhandlungen“ schrieb der FAZ-Kommentator Jasper van Altenbockum am Freitag. Am Samstag nannte er CSU, Grüne und FDP „Streithähnchen“.

18 Kommentare

  1. In so Handtaschen und Aktenkoffer passen bestimmt auch ziemlich lange Messer.
    So richtig viel Mitleid mit den Journalisten vor Ort habe ich auch nicht; wenn da irgendwann weißer Rauch aufsteigt, wird es doch sicher eine Pressekonferenz geben, wo alle interessanten Fragen gestellt und beantwortet werden.

    Apropos weißer Rauch: um die Kompromissbereitschaft der Kardinäle bei Papstwahlen zu erhöhen, wurden sie irgendwo eingesperrt (Konklave) mit der Maßgabe, nicht eher wieder herausgelassen zu werden, bevor sie sich geeignet hatten. Bei der ersten dieser Konklaven dauerte es nur lächerliche 60 Tage, dass sich die 9 Kardinäle auf einen einigten (ein zehnter Kardinal war den schlechten Bedingungen zuvor erlegen, aber gerade Zahlen sind bei sowas eh Mist). Leider hatte das System noch Anfängerfehler, denn der neue Papst war durch die schlechten Bedingungen im Konklave ebenfalls so geschwächt, dass er 17 Tage später starb und man wieder einen neuen wählen musste. Theorie und Praxis halt.

    Ich wette, einige der Journalisten vor Ort wünschen sich einen ordentlichen Herzanfall oder eine zünftige Messerstecherei, um mal was zu berichten zu haben. Bei den Politikern, nicht bei sich selber…

  2. Was soll man dazu noch sagen?

    Die Grenzen zwischen „seriösem Journalismus“ sind jedenfalls offenbar ziemlich durchlässig…

    War das früher eigentlich auch schon so schrecklich, oder ist das in den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten schlimmer geworden? Sagen wir mal: 1980, 1990 – eventuell davor, als es noch kein Privatfernsehen gab?

    „Nacht der langen Messer“: Ich dachte immer, dieser Ausdruck würde, sofern er als Metapher gebraucht wird, für irgendeine Art von „Abrechnung“ stehen – und nicht für den (erfolgreichen) Versuch, zu einer Einigung und Zusammenarbeit zu gelangen.

  3. Handtaschen also. Könnte man das Morgenmagazin nicht einfach in BUNTE-Magazin umbennen? Mit politischem Journalismus haben ja beide gleichwenig zu tun. Mehr so Handtaschenwölbungsredakteure.

  4. @SN:
    Was, in aller Welt, ist ein „Count-Up“?
    Nebenbei, mir gehen die „Jamaikaner“, ihr ätzendes Politsprech u.ä. gewaltig
    auf den Senkel!
    Immer wieder bis zum Erbrechen in irgendwelchen Nachrichtensendungen wiederholt.
    PUH…

  5. …Stefan Niggemeier u.a. sollte(n) sich mit „Übermedien“ auch nicht überhöhen.
    Das beschriebene ist alles noch journalistisch völlig in Ordnung, nach meiner Meinung.
    Ansonsten hilft BILDblog weiter…

  6. Heute im ARD-Presseclub sagen Markus Feldenkirchen (Spiegel) und Bascha Mika (FR) am Anfang der Sendung sinngemäß, dass die öffentliche/journalistische Aufregung um die Sondierungsdauer übertrieben sei.

  7. Wer glaubt Boulevard-Geschwätz über Handtaschen und Hemden und Übeltset Begriffsverwirrungen über karibische Inselnn und historische Mordnächte unter Nazis wären in einer politischen Nachrichtensendung journalistisch völlig in Ordnung, hält auch „Echo der Frau“ für ein seriöses Nachrichtenmagazin. Oder gar den Spiegel.

  8. @6: Überhöhen Sie sich so nicht etwas? Wenn die Kritik wenigstens objektiv wäre.
    Und wobei genau hilft der von Stefan Niggemeier gegründete BILDBlog da weiter?
    Ich verstehe es nicht.

  9. die Naivität vieler Journalisten, die eben nicht besser sind als der Durchschnittsbürger.

    Wenn diesmal vier Parteien miteinander verhandeln, die eindeutig von rechts-außen (CSU) über neoliberal (FDP) nach links-außen (ein Teil der Grünen gehen, kann man keine schnellere Einigung erwarten – wenn überhaupt.

    Mit der Tatsache von letzter Nacht kann man aber schon fragen: Warum hat sich die FDP da überhaupt darauf eingelassen, eine Koalition mit den Grünen zu suchen?

    Es hat seinen Grund, weshalb CDU und SPD immer noch am stärksten sind: Sie decken einfach die Mitte und damit die Mehrheit der Bevölkerung ab. Dass es so viele Randgruppen gibt, macht das regieren sicherlich schwieriger: Aber auch diese Randgruppen kann man bedienen

  10. @Ekkehard, #5
    „Was, in aller Welt, ist ein „Count-Up“?“

    Das Gegenteil eines Count-down, in dem nicht runter, sondern hoch gezählt wird?

  11. @ 10:
    „(…)Journalisten, die eben nicht besser sind als der Durchschnittsbürger.“
    Ist immer einfach, ein „Die vs. wir Bürger“ Narrativ zu kreieren, aber gilt anders herum genau so: Nur weil jemand einfacher Bürger ist, ist seine Meinung nicht wertvoller, als die eines Journalisten.

    „Mit der Tatsache von letzter Nacht kann man aber schon fragen: Warum hat sich die FDP da überhaupt darauf eingelassen, eine Koalition mit den Grünen zu suchen?“
    Ich frage mich ja eher, wie die Grünen so naiv sein konnten, dass die FDP es ernst meinen könne mit der Schwampel. Die FDP Leute haben doch ab der ersten Sekunde ein Scheitern kalkuliert, die vorbereiteten Standard-Phrasen letzte Nacht waren ja lachhaft als „Begründung“.
    Mir kommt das immer noch wie eine von langer Hnad geplante Inszenierung der Lindner-Crew vor – Man selbst wollte nach dem vorherigen Desaster nicht direkt wieder in die Regierung und hat die Sondierungsgespräche so dafür ausgenutzt, sich schon mal für iene Neuwahl zu positionieren und die anderen als Bösen darzustellen.
    Kann nur hoffen, dass der Schuss nach inten los geht.

  12. @12

    das hat nichts mit die gegen den anderen zu tun.
    Im Gegenteil: Wenn die anderen endlich verstehen, dass die Journalisten ganz normale Menschen sind mit durchschnittlicher Intelligenz, dann ist auch der Anspruch an Journalisten nicht unendlich hoch

  13. Das ist jetzt nicht wahr, oder?

    Vor sieben Jahren war „innerer Reichsparteitag“ noch „eine alltägliche Redewendung, um einen besonderen Triumph zu beschreiben “ heute ist „die Nacht der langen Messer“ plötzlich „geschichtslos“.

    Was ist nur passiert?

    Aber Respekt nach erscheinen dieses Artikel wird der Begriff von der Presse gemieden, wie das Weihwasser vom Teufel.

  14. Die SPD, LOL! Ich halte sie für die „Dümmste Partei Deutschlands“, aber „Merkel-Rettungsgesellschaft“ ist noch schöner:
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/maybrit-illner-tv-kritik-spd-und-grosse-koalition-15307488.html
    Die SPD hat nach 150 Jahren noch nicht verstanden, dass immer dann wenn sie „gebraucht“ wird ein Desaster vor der Tür steht, für das das Establishment dringendst einen Sündenbock sucht. Und in solchen Momenten steht dann immer ein Trottel wie Maas bereit.

  15. Danke, Stefan Niggemeier, dass Sie diesen ganzen Quatsch, der da so gesprochen und geschrieben wurde, mal zusammengefasst haben.
    Es wäre eigentlich nicht zu glauben, wäre es nicht Realität.
    Schlimm ist auch, dass sich viele dieser Leute, die sowas fabrizieren, als Journalisten selbst so unheimlich wichtig nehmen und sich für wissend, verstehend und durchblickend halten.

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