Wenn die historische Wahrheit egal ist
Boston, im Dezember 1773: In einem Wirtshaus treffen sich Männer, die den Aufstand gegen die britische Kolonialherrschaft proben wollen. Bei Kerzen- und Lampenschein trinken und palavern die Herren in Capes und Dreispitzen an Tischen und am langen Tresen, Pfeifenqualm füllt den Raum.
Das sieht doch alles ganz plausibel aus, oder?

Die KITechnologie, die Maschinen oder Software befähigt, Aufgaben auszuführen, die normalerweise menschliche Intelligenz… Zum Glossar-generierte Kneipenszene ist Teil einer kurzen Folge der ZDF-R…

Ist das nicht auch wieder so eine Sache, die genau so auch ohne Sprachmodelle schon existiert hat?
Oder wie der Autor schon selbst sehr schön sagt: „In der Achtlosigkeit der KI beim Generieren neuer Bilder der Vergangenheit schlägt sich dann letztlich einfach unsere eigene Achtlosigkeit aus der Mediengeschichte nieder.“
„Darin sind Bewegtbilder der Terroristin Silke Maier-Witt zu sehen, die nie gedreht wurden.“
Ja nu, „früher“ hat man hat mit unterbezahlten Laiendarstellern eine „Vibe“-Szene gedreht – jetzt macht das halt das auf Videoerstellung programmiete Sprachmodell, weil’s billiger ist. Macht imo keinen Unterschied.
Letztenendes ist es die gleiche Schlussfolgerung, wie immer bei Inhalten, die von einem Sprachmodell genereiert wurden: Es ist nur ein Abbild dessen, was (bisher noch ausschließlich) von Menschen geschaffen wurde, inkl. genau der menschlichen Unzulänglichkeiten, wie „merkt doch keiner, ob es diese Art Hüte erst 120 Jahre später gab“.