Landespressekonferenz Hamburg

Journalistenfeier im Hotel Grand Elysée abgesagt: Das Ende der Block-Connection?

20 Jahre lang feierte die Hamburger Landespressekonferenz im 5-Sterne-Hotel der Steakhaus-Familie Block – kostenlos. Dieses Jahr fällt das „Jahrestreffen“ wegen des Prozesses gegen Christina Block aus. Und eine alte Frage wird neu diskutiert: Wie ist es mit ihrer Unabhängigkeit zu vereinbaren, wenn sich die lokale Presse von einem Unternehmer sponsern lässt?
5-Sterne-Hotel Grand Elysée in Hamburg.Foto: Imago / Breuel-Bild

Dieses Jahr fällt sie also aus, die Party. Eigentlich lädt die Landespressekonferenz Hamburg (LPK) jeden Sommer zu ihrem „Jahrestreffen“ ein. Die LPK ist ein eingetragener Verein von Politikjournalisten, die aus dem Rathaus der Hansestadt berichten, und als Ort für ihre traditionelle Feier diente 20 Jahre lang ein ganz besonderes Etablissement: das Grand Elysée unweit der Außenalster. Doch nun gibt es ein Problem mit dem Hotel.

Wenn Sie jetzt denken: Grand Elysée? Ist das nicht das 5-Sterne-Hotel aus dieser irren Netflix-Serie über den Sorgerechtsstreit in einer reichen Hamburger Familie, der in der Entführung zweier Kinder gipfelt? Ja, genau. Ist nur keine Serie, sondern die Realität. 

Das Grand Elysée gehört zum Imperium des Steakhaus-Unternehmers Eugen Block. Seine Tochter Christina steht seit einem Jahr vor Gericht, weil sie beschuldigt wird, ehemalige israelische Geheimdienstmitarbeiter angeheuert zu haben, zwei ihrer vier Kinder zu kidnappen. Ende 2023 wurden sie dem Vater, Christina Blocks Ex-Mann, in Dänemark entrissen; wenige Tage später saßen sie im Hamburger Wohnzimmer der Mutter.

Christina Block (l.) lacht in die Kamera, ihr Vater Eugen neben ihr lächelt.
Christina Block (l.), Vater Eugen BlockFoto: Imago / Breuel-Bild

Christina Block bestreitet die Vorwürfe. Im Prozess aber kamen in den vergangenen Monaten viele Details ans Licht, die Block und andere Angeklagte belasten. Und das Grand Elysée, das die Polizei 2024 bei einer Razzia nach Beweismaterial durchsuchte, spielt in dem Fall eine bedeutende Rolle: Dort sollen die mutmaßlichen Entführer über mehrere Monate residiert und die „Rückführung“ der Kinder geplant haben. 

Sorge um die journalistische Unabhängigkeit

Kann und sollte man an so einem Ort eine Journalistenparty feiern? Im vergangenen Jahr hatten Mitglieder der LPK da so ihre Zweifel. Es gebe „wegen der Nähe zu Block seit einiger Zeit vermehrt Nachfragen“, berichtete die FAZ. Der Prozess stand damals unmittelbar bevor. Mitglieder der LPK fürchteten um das Ansehen des Vereins und die journalistische Unabhängigkeit.

Zumal sich, abgesehen von dem Prozess, noch eine viel grundsätzlichere Frage stellt. Denn die LPK feiert nicht nur einfach in dem Hotel – einen Teil der Kosten dafür übernimmt seit Jahren Hausherr Eugen Block. Wie steht es um die Unabhängigkeit, wenn sich die LPK ihren Jahresempfang von einem Unternehmer mitfinanzieren lässt? 

Trotz der Zweifel und Fragen wurde voriges Jahr wieder im Luxushotel gefeiert, knapp zwei Wochen vor Prozessbeginn. Rund 400 Menschen kamen in den großen Festsaal des Grand Elysée. Das Event ist nämlich keine Feier ausschließlich für Journalisten, es ist laut „Hamburger Abendblatt“ „eine der größten Kontaktbörsen der Stadt“. Auch Gäste aus Politik, Kultur und Wirtschaft versammeln sich dort in Abendrobe zu Tanz, Trunk und Tratsch. „Bier und Wein, leckeres Essen und jede Menge Informationen, Informationen, Informationen“ habe es gegeben, ließ das „Abendblatt“ wissen: „Die Politiker wollen ihre Positionen an den Medienmann und die Medienfrau bringen; die Journalisten dürstet es nach Geschichten. Das passt und macht erstaunlich viel Spaß.“

Und natürlich ließ sich auch Firmenpatriarch Eugen Block diesen Austausch-Spaß wie immer nicht nehmen. Nach allem, was über ihn und seine Familie in den Zeitungen gestanden hatte, gab es ja auch einiges zu bereden. Einen guten Draht zu Medien hat die Familie Block ohnehin. Vor der Entführung der Kinder, als sich der Sorgerechtsstreit zuspitzte, konnte sich Christina Block auf den freundlichen Zuspruch diverser Medien verlassen. Die „Bild“-Zeitung etwa hatte lange ein Ohr und ein Herz für die Mutter, die sich öffentlich leidend präsentierte. Auch im „Abendblatt“ kamen sie und ihr Partner, der ehemalige ARD-Sportmoderator Gerhard Delling, ausführlich zu Wort.  

Die Unschuldsvermutung

Es war also 2025 wieder, gegen alle Zweifel, ein großes Fest. Der damalige LPK-Vorsitzende Peter Ulrich Meyer, Politik-Redakteur beim „Hamburger Abendblatt“, schrieb später in seiner „Weihnachtspost“ an die LPK-Mitglieder, der Vorstand habe sich nach „ausführlicher Diskussion“ gegen eine Absage des Jahrestreffens entschieden, „nicht zuletzt wegen der Unschuldsvermutung, die bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt“. Der FAZ sagte er außerdem, dass ja die Ermittlungen gegen Hotelinhaber Eugen Block eingestellt worden seien, das sei „der entscheidende Punkt“. Kurzum: Alles kein Problem.

Bis jetzt. Die Absage der diesjährigen Feier hatte offenbar auch damit zu tun, dass der Fall das letzte Jahrestreffen bereits überschattet hatte. Meyer schrieb den LPK-Mitgliedern Mitte Juni, der zwölfköpfige Vorstand habe nun „mit Blick auf den laufenden Block-Prozess“ einstimmig beschlossen, das Jahrestreffen 2026 ausfallen zu lassen. „Unser Eindruck war und ist, dass das Thema in diesem Jahr den Abend noch stärker prägen würde, und das wollten wir vermeiden.“

Ein Ende der exklusiven Hotel-Connection sollte das aber auch nicht zwingend sein: Er sei bei den Vertretern der Block-Gruppe auf „großes Verständnis“ für die Absage gestoßen, schrieb Meyer. Und dass er deutlich gemacht habe, „dass unsere Entscheidung keine endgültige Abkehr vom Hotel Grand Elysée bedeutet, sondern dass wir im nächsten Jahr neu entscheiden“. Die Tür sei „ausdrücklich nicht zugestoßen, sondern steht uns auch künftig offen“. 

Neuer LPK-Vorstand will offenbar etwas ändern

Das klingt wie ein sehr vertrautes Verhältnis, über Jahre gewachsen und offenbar kaum zu erschüttern. Seit 2006 fand das Fest im Grand Elysée statt, seit 2018 war Meyer LPK-Vorsitzender und vorher bereits Vize-Vorsitzender. Inzwischen aber hat sich die personelle Situation im Vorstand geändert. Meyer ist jetzt Ehrenvorsitzender. Geführt wird der Verein seit kurzem von zwei Mitgliedern, die zuvor im Vorstand saßen: Julia Witte von der „Welt“ und Sebastian Eberle vom NDR – und die wollen offenbar etwas ändern.

Im Telefonat mit Übermedien sagt Eberle, im vergangenen Jahr sei es eine Abwägung gewesen, auch da habe es ja bereits Bedenken gegeben. „Aber aufgrund der langen Tradition haben wir uns damals entschieden, noch mal im Grand Elysée zu feiern.“ Dieses Jahr sei es dann wegen des Vorstandswechsels nicht möglich gewesen, etwas Neues auf die Beine zu stellen. In ein paar Monaten werde man sich zusammensetzen und „sehr intensiv überlegen, wo und in welcher Form das Jahrestreffen künftig stattfinden soll“. Die „theoretische Möglichkeit“ bestehe, auch 2027 im Grand Elysée zu feiern, „mit der Betonung auf: theoretisch“, sagt Eberle. Je nachdem, wie das Urteil ausfalle, sei es aber „sehr schwer vorstellbar“. Auch wenn es nicht ganz so einfach sei, „in Hamburg so einen großen Raum zu besonderen Konditionen zu finden“.

Das klingt etwas abwegig für eine Metropole, in der es doch diverse Hallen und Räume für solche Anlässe gibt. Die LPK schätzte wohl das gehobene Ambiente im Achtzigerjahre-Festsaal des Grand Elysée, den roten Ornamentteppich, die Pasta aus dem Parmesanlaib. Vor allem aber, Stichwort „Konditionen“, musste man eben nichts bezahlen. Sebastian Eberle sagt, die Block-Gruppe habe den Saal und die Speisen kostenlos zur Verfügung gestellt – seit 2006. Und darin sah offenbar all die Jahre niemand ein Problem. 

Ein „langes Vertrauensverhältnis“ 

Dabei ist es durchaus fragwürdig, wenn sich die lokale Presse fast 20 Jahre lang von einem der größten Unternehmer der Hansestadt sponsern lässt. Auch wenn der Ex-Vorsitzende der LPK voriges Jahr in der FAZ noch zu beschwichtigen versuchte, es sei ja kein „Komplettsponsoring“. Die LPK wende „einen hohen Betrag aus den Eigenmitteln auf“, um das Treffen ausrichten zu können. Details nannte er nicht. Doch Festsaalmiete und Essen für mehrere hundert Gäste stellen auch dann einen beträchtlichen finanziellen Vorteil dar, wenn die LPK selbst noch etwas zuschießt. (Zumal der Empfang unter anderem auch noch von einer Brauerei und einem Kaffeeröster unterstützt wurde.)

„Es gibt ein langes Vertrauensverhältnis zwischen der LPK und dem Grand Elysée“, sagt auch der neue Co-Vorsitzende Sebastian Eberle. Diese Nähe, inklusive geldwerter Zuwendungen, kann einen zweifelhaften Eindruck erwecken, gerade bei einem medienmisstrauischen Publikum. Eine solche Nähe muss nicht erst zu offensichtlichen Gegenleistungen führen, etwa zu besonders freundlichen Artikeln. Schon der Anschein einer möglichen Einflussnahme ist heikel. Finanzielle Verbindungen werfen immer die Frage auf, inwiefern sie mit der journalistischen Unabhängigkeit zu vereinbaren sind.

„Gewichtiger Diskussionsgegenstand“

Im neuen Vorstand gibt es dafür anscheinend zumindest ein Bewusstsein: Es werde ein „gewichtiger Diskussionsgegenstand sein, inwieweit sich die LPK von Hamburger Unternehmen sponsern lassen sollte“, sagt Sebastian Eberle. Das werde bei der Suche nach einem Ort „eine zentrale Rolle spielen“. Und eigentlich müsste man dann auch noch über den Hamburger Presseball reden, das andere große Event. Der findet seit Jahren im Hotel Atlantic statt und wird ebenfalls von etlichen Hamburger Firmen unterstützt. Die LPK firmiert hier als Co-Gastgeber. Aber Eberle sagt, er könne dazu nichts sagen. Man sei zwar „Kooperationspartner“, hauptsächlich verantwortlich sei jedoch die Stiftung Hamburger Presse. In deren Vorstand sitzt auch der Ex-Vorsitzende der LPK, Peter Ulrich Meyer.

Zumindest hört es sich so an, als wäre die gute alte LPK-Zeit im Grand Elysée vorbei. Doch man weiß natürlich nie. Andere Hamburger Institutionen feiern ja auch weiterhin dort. Das kann man machen, es wirkt aber mitunter sehr kurios: Ende November 2025 etwa, der Block-Prozess lief längst, stieg im Festsaal ein anderer traditioneller Ball. Nur wenige Schritte entfernt von den Räumlichkeiten, in denen die mutmaßlichen Entführer ihre Pläne ausgeheckt haben sollen, tanzte ausgerechnet: die Gewerkschaft der Polizei.

5 Kommentare

  1. Die würden also gerne auch woanders feiern, aber das kostet zu viel?
    Tja.

    Dass das genau erst jetzt auffällt, ist zum Glück gar nicht peinlich…

  2. Der Event ist so toll und wertvoll, dass die 400 Menschen bzw. Ihre Arbeitgeber nicht 200 Euro oder so pro Nase zahlen wollen für einen wichtigen Netzwerkabend…

  3. Ich gehe allerdings davon aus, dass Hamburg und deren Presse nicht die Einzigen sind, die solche Methoden der Vertrauensbildung verwenden.

  4. Bis vor einigen Jahren ließ sich die Bremer Landespressekonferenz alljährlich von der Bürgerschaft (dem Bremer Parlament) zu einem Empfang für alle LPK-Mitgieder und ausgewählte Politiker einladen. Rot livrierte Diener servierten im Festsaal der Bürgerschaft stundenlang ein opulentes Mehr-Gänge-Menü mit Ratskellerweinen und Spirituosen bis zum Abwinken – alles auf Steuerzahlerkosten. Wer als Journalist Bedenken dagegen äußerte, wurde von manchen Kollegen als Nestbeschmutzer angesehen. Zum Glück sind diese Zeiten inzwischen vorbei.

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