Burdas Fake-News über Hillary Clintons „Gefängnis-Schock“

Es ist viel zu lesen in diesen Tagen über „Fake News“: Internetseiten, die unter anderem mit irreführenden oder falschen Schlagzeilen die Menschen auf ihre Seite locken. Einige der Betreiber sitzen anscheinend in Mazedonien. Andere wurden an der Burda-Journalistenschule ausgebildet und operieren unter dem Dach eines großen deutsche Medienhauses.

Die Zeitschrift „Bunte“ wirbt in diesen Tagen auf Internetseiten mit dieser Anzeige:

Wer darauf klickt, kommt zu einem entsprechend aufgemachten Artikel:

Um es kurz und klar zu sagen: Es gibt keinen Gefängnis-Schock für Hillary Clinton nach ihrer Niederlage bei der amerikanischen Präsidentschaftswahl. Die Überschrift ist eine bewusste Irreführung der Leser.

Es geht in dem Artikel um Tyler Clinton, den Neffen der demokratischen Präsidentschaftskandidatin. Er wurde vor eineinhalb Jahren, im Juni 2015, kurz nach Mitternacht in einer Bar festgenommen, wo er bei einer Auseinandersetzung jemandem eine Bierflasche über den Kopf geschlagen haben soll. Tyler Clinton wurde wenig später wieder freigelassen und das Verfahren nicht weiter verfolgt.

Bekannt wurde das aufgrund einer privaten E-Mail, in der Clintons Vertraute Huma Abedin Clintons Wahlkampfmanager John Podesta über den Vorfall informierte. Sie ist Teil der zigtausend Mails aus dem Postfach von Podesta, die Wikileaks in den vergangenen Wochen veröffentlichte. Die amerikanische Klatschseite Radar veröffentlichte vorige Woche ein Polizei-Foto, das Tyler Clinton nach der Festnahme vor eineinhalb Jahren zeigt.

Das ist die Geschichte. Und „Bunte“ macht daraus einen „Gefängnis-Schock“ für Hillary Clinton nach der Wahlniederlage und spielt offenbar mit der Assoziation, dass Anhänger des Republikaners Donald Trump im Wahlkampf immer wieder forderten, sie solle ins Gefängnis. Und wirbt mit dieser Fake-News auf anderen Seiten, um Klicks zu generieren.

(Wenn Sie ähnliche Beispiele finden, wie vermeintlich renommierte Medien mit grob irreführenden „Nachrichten“ Klicks generieren, schicken Sie uns gerne einen Hinweis.)

 
Medien besser kritisieren.

2 Kommentare

  1. wenn Sie wirklich Hinweise zu solch irreführenden Überschriften wollen, dann haben Sie viel zu lesen.

    Reißerische Überschriften sind mittlerweile im www für werbefinanzierte Seiten die offensichtlich einzige Überlebenschance.
    Vor allem, wenn es zu dem Text dann noch eine Kommentarfunktion gibt, dann sind die Klicks garantiert.

    Ein gutes Beispiel hier der Heise-Artikel und die Aufklärung erhält man dann in einigen Leserkommentaren.
    https://www.heise.de/newsticker/meldung/Obama-entscheidet-ueber-den-Verkauf-deutscher-Chipfirma-3492287.html
    Die Überschrift des Heise-Artikels soll wohl Reichsbürger und ähnliche bestätigen. Der Inhalt des Artikels ist sehr unschlüssig. In den Kommentaren weisen dann einige Leser auf die wirkliche Macht des US-Präsidenten hin: Er kann den Verkauf nicht verhindern, die Firma kann aber die Erlaubnis zum Geschäftetreiben in den USA verlieren.

  2. Die Extremstformulierungen von Überschriften ist wie #1 bereits darstellte ein Massenphänomen geworden. Vor allem ehemalige Qualitätsmedien (Spiegel, Focus, FAZ) fallen mir in ihrem Onlineangebot vor allem bei außenpolitischen Themen fortlaufend negativ auf. Die Klickraten fördert diese Taktik sicherlich, der Ruf leidet nachhaltig. Das wird offenbar billigend in Kauf genommen, die Absatzzahlen werden so noch schneller purzeln.

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