Wie RTL fast dabei war, als Uli Hoeneß entlassen wurde

 

Viele Medien waren ganz außer sich, seit Tagen schon. Weil er nun nicht mehr nur Freigänger ist, sondern ganz frei: Uli Hoeneß, der frühere Präsident des FC Bayern München. Gestern wurde der verurteilte Steuerhinterzieher aus der Haft entlassen. Und weil so eine Entlassung (rauskommen, ins Auto steigen, wegfahren) so total megaspannend ist, hatten sich – noch in der Dunkelheit – mehrere TV-Teams vorm Gefängnis versammelt.

Sie warteten.

Und warteten.

Und nichts geschah.

Hoeneß war schon in der Nacht entlassen worden. RTL schaltete seine Reporterin trotzdem drei Mal live in die Frühstücks-Sendung „Guten Morgen Deutschland“ – um immer wieder dieselben ahnenden Antworten zu hören und natürlich – zu senden. Ein exemplarischer Fall, wie Reporter wortreich über Nichts berichten. Eben: Live aus dem Morgen-Grauen.

(Quelle: „Guten Morgen Deutschland“, RTL, 29.2.2016)

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11 Kommentare

  1. Man weiß nicht, wen man mehr bedauern soll: Reporterin, Moderatorin oder Zuschauer. Andererseits: Womöglich machen sie’s ja alle freiwillig.

  2. „weiß nicht, wen man mehr bedauern soll: Reporterin, Moderatorin , Zuschauer“ oder Übermedien. Wegen dieser Korinthenkac…ei.

  3. Andererseits: Womöglich ist die Teilnahme auch an dieser Sache freiwillig.

  4. Ist das jetzt die Fortsetzung der Sack-Reis-China Geschichte am Beginn von Übermedien?

  5. @Boris Rosenkranz

    „fast getraut“ Bin Anfänger in der Webforen-Kommunikation, übe noch.
    Kleine Anregung: Vielleicht sollten Übermedien eine Hinweisrubrik für und von Lesern und Abonnenten einrichten. Für curatierte Hinweise/Links auf Medienberichte, die für verbesserte Medienkritik relevante Anstöße geben können. Z.B. auf diesen aus der SZ http://goo.gl/lgKAA9 über die Probleme des Kieler Polizeipressesprechers nach Köln, und auf die damit verbundenen Fallstricke für Journalisten. Könnte mehr bringen als nur Korinthen.

  6. „… sobald sich etwas tut …“

    Hatten Sie es bloß bei der leeren Versprechung belassen.
    RTL eben.

  7. Dieses Beispiel des Medien-Wahnsinns ist ja harmlos. Mit Grauen denke ich an das Verhalten nach dem Amoklauf von Winnenden.

  8. Ich dachte spontan an Olli Dittrich in seiner Rolle als Reporter Sandro Zahlemann, der auf den König von Bhutan am Leipziger Hauptbahnhof wartet und ihn verpasst (lief vor einigen Wochen in der ARD). Zitat: „Große Schatten werfen ihre Ereignisse voraus…“.

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