Merkel macht’s nur zu sechst: Die bizarren Verhandlungen ums TV-Duell

Vier Moderatoren, ein TV-Duell (2017) Foto: WDR/Thomas Kierok

Die Bundeskanzlerin legt Wert darauf, beim TV-Duell mit dem SPD-Kanzlerkandidaten 90 Minuten lang von vier Journalisten befragt zu werden. Für ein TV-Duell, bei dem sie zweimal 45 Minuten lang von je zwei Journalisten befragt worden wäre, steht sie nicht zur Verfügung.

Das klingt bizarr, und als bizarr wird aus dem Umfeld von Teilnehmern auch der Verlauf der Gespräche beschrieben, in denen Vertreter von ARD, ZDF, RTL und Sat.1, der Kanzlerin und der SPD über diese Sendung verhandelten.

Die vier Sender hatten sich ursprünglich zwei Duelle gewünscht, eines im privaten, eines im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Das lehnte Angela Merkel ab. Die Sender gaben daraufhin bekannt, dass das einzige Duell zumindest gegliedert werden sollte: Je zwei Moderatorenpaare sollten jeweils 45 Minuten lang zu bestimmten Themenblöcken fragen – „um die Sendung für die Zuschauer übersichtlicher zu gestalten und den Spitzenkandidaten mehr Raum zu geben“, wie sie es formulierten.

Auf diese Veröffentlichung reagierte Regierungssprecher Steffen Seibert pikiert: Die Ankündigung sei „sehr befremdlich“, weil es noch gar kein Gespräch über den Ablauf gegeben habe. Entsprechend schlecht soll von Anfang an die Stimmung bei den Verhandlungen gewesen sein.

Insgesamt dreimal trafen sich acht Vertreter: Die Chefredakteure Rainald Becker (ARD), Peter Frey (ZDF) und Michael Wulf (RTL) sowie ProSiebenSat.1-Informationschef Hans-Peter Hagemes; für die SPD Wahlkampfleiter Markus Engels und Vorstandssprecher Tobias Dünow; für die Kanzlerin Regierungssprecher Steffen Seibert und Eva Christiansen aus dem Bundeskanzleramt.

Dass auf Unions-Seite keine Partei-, sondern Regierungsvertreter saßen, sorgte bei der SPD für Stirnrunzeln. Seibert erwiderte, dass Christiansen, eine der engsten Vertrauten Merkels, für den Wahlkampf einen zeitlich befristeten Nebentätigkeitsvertrag mit der CDU-Bundesgeschäftsstelle abgeschlossen habe. (Dass Seibert bis 2010 als Journalist und Moderator beim ZDF arbeitete, macht die Konstellation noch pikanter.) Letztlich beließ es die SPD es aber dabei, sich öffentlich zu beschweren, und bestand nicht auf einer sauberen Trennung zwischen Partei und Regierung.

Offenbar machte die Seite der Kanzlerin vom Beginn des ersten Treffens an deutlich, dass sie dem Vorschlag der Sender mit einer Aufteilung in zwei Blöcke mit zwei Moderatorenpaaren nicht zustimmen werde. Auch weitergehende Wünsche, dass das Duell, wie in anderen Ländern üblich, vor Studiopublikum stattfinden könnte, lehnte sie ab.

Beim zweiten Treffen brachten die Sender konkretere Vorschläge mit, wie ihre Wunschsendung aussehen könnte. Sie betonten etwa, dass die Fragesteller nicht auf- und abtreten müssten. Die vier könnten zunächst gemeinsam die Regeln erklären. Auch danach würden alle auf der Bühne bleiben, der Wechsel zwischen den gerade fragenden Paaren würde allein durch die Lichtregie deutlich gemacht. Nichts sollte aussehen, als würde es sich um zwei Duelle handeln. Merkels Leute lehnten ab.

Zum dritten und letzten Treffen, das gestern im ZDF-Hauptstadtstudio stattfand, ging wohl vor allem der ARD-Chefredakteur Rainald Becker mit dem festen Vorsatz, nicht nachzugeben. Doch Merkels Vertreter ließen keinen Zweifel daran, dass sie das Duell platzen lassen würden, wenn es nicht in dem von ihnen gewünschten Modus stattfindet, und das heißt: ohne eine Aufteilung auf zweimal 45 Minuten.

Die Sendervertreter gaben nach, teilweise mit größeren Bauchschmerzen. Das Einknicken gegenüber den Forderungen Merkels sei einer Absage des ganzen Duells – dem „Höhepunkt des Fernsehwahlkampfs“, wie sie es genannt hatten – vorzuziehen, auch im Interesse der Zuschauer.

Und wer weiß, welches andere Medium im Falle einer Absage vielleicht gerne eingesprungen wäre, auch zu den Bedingungen Merkels? Zu den Ambitionen der „Bild“-Zeitung, als eine Art Fernsehsender wahrgenommen zu werden, würde es passen.

Vier Moderatoren, ein TV-Duell (2013)

Doch was ist überhaupt die Motivation Merkels, den Gliederungsvorschlag der Sender abzulehnen? Was stört sie an dieser Form? Eine Antwort auf diese Frage an den Regierungssprecher kommt interessanterweise nicht von ihm – sondern aus der Parteizentrale der CDU. Es ist aber auch keine wirkliche Antwort:

„Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel begrüßt das Ergebnis der Gespräche mit den vier TV-Sendern. Sie steht gerne für ein TV-Duell am 3. September zu Verfügung. Das in den drei letzten Bundestagswahlkämpfen bewährte Format gewährleistet, dass die Zuschauer eine konzentrierte politische Debatte der beiden Spitzenkandidaten im direkten Austausch erleben können.“

Somit bleiben nur Spekulationen nach den Gründen Merkels. Vielleicht wollte sie die Sicherheit und Vertrautheit genau jenes Formates, das sie bereits dreimal bestritten hat, nicht aufgeben. (2005 hatte sie es bereits abgelehnt, mit Gerhard Schröder zweimal zu debattieren, wie es Edmund Stoiber 2002 getan hatte. Seitdem gibt es die Viererfragerunde.)

Offenbar bevorzugte man auf Merkel-Seite auch das Klein-Klein eines schnellen Themen- und Moderatoren-Wechsels. In der jetzt getroffenen Vereinbarung von Sendern und Politikern ist allerdings auch nur festgehalten, dass nach jedem Thema das Moderatorenpaar wechselt. Das nimmt den Fragestellern immerhin nicht die Möglichkeit, ein Thema deutlich ausführlicher zu behandeln als andere – selbst wenn Merkel das möglicherweise verhindern wollte.

Vielleicht ging es beim Widerstand Merkels aber auch nur um eine Machtdemonstration, insbesondere nach dem Vorpreschen der Sender, das sie verärgert hatte.

Aus SPD-Kreisen wird noch eine andere Interpretation ins Spiel gebracht: Dass das Ziel der Bundeskanzlerin gar nicht gewesen sei, ihre Regeln bei dem Duell durchzusetzen, sondern ein Duell mit Martin Schulz zu verhindern – indem sie die Sender dazu bringt, es lieber abzusagen als auf die starrsinnigen Forderungen Merkels einzugehen.

Das würde aber bedeuten, dass es sich um eine besonders paradoxe Variante des Feiglingsspiel handelte: Dadurch, dass die Fernsehsender nachgaben, hätte Merkel sich zwar durchgesetzt, aber gleichzeitig ihr eigentliches Ziel, ein Duell insgesamt zu verhindern, verfehlt. Ist das plausibel? Hatte die Kanzlerin nicht längst akzeptiert, dass sie zumindest um ein Duell mit Schulz nicht herumkommt?

Eindeutig soll jedenfalls während der Verhandlungen gewesen sein, dass Merkel das Duell im Zweifel nicht braucht – im Gegensatz zu Schulz. Das haben die Merkel-Vertreter die anderen deutlich spüren lassen.

Und so kommt es nach diesen bizarren Auseinandersetzungen um dramaturgische Details nun wieder zu der kaum weniger bizarren, aber in Deutschland etablierten Form des TV-Duells: Vier Moderatoren, die 90 Minuten lang zwei Kandidaten gegenüberstehen und immer wieder abwechselnd fragen müssen. Weil die Kanzlerin es so will.

Vier Moderatoren, ein TV-Duell (2009)

Nachtrag, 5. Juli. Steffen Seibert weist darauf hin, dass die Beteiligung der Regierungssprecher Tradition hat:

37 Kommentare

  1. Bizarr ist das richtige Wort. Viel mehr fällt einem dazu gar nicht mehr ein.
    Gibt es eigentlich auch Überlegungen bzgl. einer „Wahlarena“ mit allen Parteien (bzw. wann, wo und wie können sich die kleineren Parteien (oder deren Spitzenkandidaten) präsentieren)? Es gab doch auch den offenen Brief der kleineren Parteien, in dem sie eine Teilnahme am „TV-Duell“ anmahnten. Gab es dazu eine Reaktion von Sendern, CDU oder SPD?

  2. Vorschlag: Wenn sich Merkel nicht auf die Bedingungen der Sender einlassen will, pfeifen die Sender einfach auf Merkel und machen ein TV-Duell mit allen übrigen relevanten Parteien, inklusive SPD. Da wär ich mal gespannt, ob Merkel dann nicht doch zusagt.

  3. „Auch weitergehende Wünsche, dass das Duell, wie in anderen Ländern üblich, vor Studiopublikum stattfinden könnte, lehnte sie ab.“

    Das finde ich allerdings gut. Sollte es grundsätzlich bei politischen Talkshows nicht mehr geben. Umso weniger Inszenierung, umso besser.

  4. Ach herrje… das Duell findet am 3. September statt.
    Ist das dann Must-see-trash-tv fürs Ballett?

    Und die Forderung, dass auch die Spitzenkandidaten der kleineren Parteien ihre Positionen vorbringen dürfen (wer sagt eigentlich, dass die SPD nicht längst dazu gehört), kann man eigentlich nur unterstützen. Die bringen wenigstens die Sache auf den Punkt und etwas Leben in die Bude.
    https://www.youtube.com/watch?v=SACmlP3Cz9E

  5. Naja, Merkel mag dieses #neuland bekanntlich nicht, wozu also sich plötzlich auch in TV Wesen an „Neues“ orientieren, was sie womöglich Stimmen kosten würde?
    Merkel hat in Dingen, die sie „als Erstes“ durchgibt, immer viel Kritik und Sturm geerntet. Also ist ihre erfolgreiche Strategie stets so gewesen: Den Sturm (durch andere verursacht) abwarten und dann die Marschrichtung vorgeben. Win only für Merkel.

  6. @IOLANTHE:

    Bei Sat.1 wird vor dem TV-Duell (genauer Termin noch nicht bekannt) das „Duell vor dem Duell“ gezeigt, bei dem laut Senderangaben „Spitzenvertreter der Grünen, der Linken, der FDP und der AfD“ dabei sein werden.

    Das Erste zeigt einen Tag nach dem TV-Duell, also am 4. Spetember 2017, den „TV-Fünfkampf“. Neben den Parteien, die schon für das Sat.1-Format angekündigt wurden, wird noch die CSU mit an Bord sein.

  7. An Wählerinnen und Wähler Schlaftabletten in hoher Dosis zu verabreichen, ist ein „Anschlag auf die Demokratie“.

  8. Entschuldigung, aber das Duell wird nicht von Journalisten moderiert, sondern von Entertainern und dem rechtspopulistischen Krawallbruder Strunz. Das nächste Mal dann sicher mit dem „Journalisten“ Alexander Gauland…

  9. @Ronny Horstmann:
    Vielen Dank für die Info!
    Das heißt, die kleineren Parteien werden sich nicht direkt mit den größeren auseinandersetzen und umgekehrt? Das finde ich schade.
    Ich denke, man sollte längerfristig über ganz andere Formate nachdenken, die momentanen werden dem politischen System nicht unbedingt gerecht. Schließlich wählen wir nicht zwischen Herrn Schulz und Frau Merkel, sondern zwischen mehreren PARTEIEN. Allerdings können sich die Sender natürlich noch so tolle Konzepte überlegen – wenn Frau Merkel auf Inhaltliches keine Lust hat…
    Ich habe dieses Jahr intensiver den niederländischen Wahlkampf verfolgt und fand das dortige TV-Format sehr spannend und inhaltliche Auseinandersetzungen fördernd: Die Spitzenkandidaten aller relevanter Parteien wurden einander paarweise zugelost – jede Partei trat dann in zwei Duellen auf und konnte in einem davon das inhaltliche Eingangsstatement vorgeben.

  10. „dass Merkel das Duell im Zweifel nicht braucht – im Gegensatz zu Schulz.“
    Na klar, solange man (noch) vorne liegt in den Umfragen, kann man erst mal einen auf dicke Hose machen.

    Ich finde, ein Duell 2v2 Schulz-merkel und eine Arena mit Vertretern aller Parteien (>2%) wäre eine gute Lösung. Duell 60 Minuten, Arena 90 Minuten.
    Und wenn Merkel keine Lust darauf hat, dann kann sie ja absagen; das Duell wird zu einem Interview und in der Arena kommt man auch ohne sie sicherlich ganz gut klar.

    Dass sich die Medien so von der Frau treiben lassen, ist ein wenig beschämend.
    Steffen Seibert hat seine Leute auf jeden Fall fest im Griff.
    Was würde passieren, wenn die ARD sagte: „Okay Herr Seibert, dann müssen wir auf die Teilnahme von Frau Merkel verzichten, schade. Bei Bedarf melden Sie sich gerne in 3 jahren und 6 Monaten wieder bei uns.“?
    Kann doch nicht angehen, dass die Regierung nur an liebsamen Formaten teilnimmt.
    Und dass die Sender keinen Arsch in der Hose haben, der Regierung die Stirn zu bieten.

    Gerne mehr kritischen Journalismus gegenüber unserer Regierung, als alternative zu Lüschenbrässä-Bullshit und Verschwörungs-Scheiße.

    Selbstbewusst wäre es, zu sagen:
    „Wir machen die Medien, das ist das Format. Kommt damit klar oder bleibt zuhause.“

    @4:
    Das Kanzlerduell zählen Sie jetzt aber nicht zum Trah-TV, oder?
    90 Minuten, alle 4 Jahre, das ist m.E. durchaus zumutbar.
    Danach kann man ja auch direkt wieder auf Teenie-Mütter umschalten.

  11. Wann ist eigentlich mit der Sonderbehandlung für die Schwarzen Schluss? Es ist vielleicht nicht jedes Mal, aber häufig, wenn irgendwas in Sachen Wahlen passiert sitzen da zwei schwarze Vertreter. Und warum bei einer Wahl in Hamburg ein Bayer irgendwas dazu beizutragen haben soll erschließt sich mir auch nicht immer.
    Diese schwarze Nummer die da abgezogen wird hinterlässt bei mir den Eindruck, dass das ein Trick ist um mehrere Meinungen haben zu können. Die Union hat es mit Hilfe der Medien geschafft, ihren Kuchen zu Essen… und zu behalten, wenn ihr mir den Anglizismus verzeiht.

  12. Dass Merkel ein Fragerunde mit Publikum ablehnt, ist nach Ihrem Brigitte-Auftritt nachvollziehbar: Wer weiß was rauskommt, wenn Menschen aus dem Publikum Fragen stellen? Das bedingungslose Grundeinkommen?
    Mit Menschen kann Merkel ja nicht so, wie wir 2015 gesehen haben, als sie ein weinendes Mädchen trösten wollte…
    Dann doch lieber ein professionelles Interview ohne Publikum – am besten mit LeFloid als kritischen Fragesteller. Das hat sich bewährt.

  13. @14: Ich bezweifle allerdings, dass sie Herrn Mundt dazu nochmal anfragen lassen würde. Die Angst, dass er nach dem letzten Mal dazu gelernt und die Ehrfurcht ein wenig abgelegt hat wäre wohl doch zu groß.

  14. Pah, da zeigt sich mal wieder wer in den Sendeanstalten das Sagen hat: Die Poltik mit ihrer Majestät Queen Merkel I.
    Nur aus Angst vor der Sender-Konkurrenz verbiegen die das „Duell“ dermaßen, daß man es eigentlich gar nicht mehr Duell nennen kann, eher „Sommerinterview Part de Deus“.
    Die ganze Sache könnte man sich also schenken. Ich schaue mir das sowieso nicht an. Das Format hat soviel Aussagekraft wie alle Diskussionssendungen in D: Blubb Laber Schwätz und sonst nix. Es wird viel versprochen und hinterher gebrochen. Dazu kommt, daß Politiker wirklich nur sprechen aber nix sagen und am Abend fallen einem tatsächlich die Augen dabei zu.
    Die Flummi-SPD macht, was sie immer tut: „Bauchweh haben“ und sich von der CDU eintüten lassen.

  15. Und was spricht dagegen, wenn sich die Moderatoren mal zusammen tun und wie in unserer darbenden Demokratie nötig einfach ein gemeinsames Fragekonzept erarbeiten und ggf. Nachfragen stellen, die durch den Wechsel dem anderen verwehrt bleiben?

    Das wäre total einfach machbar. Die Reaktion von Merkel wäre sicherlich auch interessant und ggf eine Wahlhilfe.
    Ich sehe es auch als Aufgabe der öffentlich rechtlichen darüber zu Informieren. So was kann man auch gerne mal in die Tagesschau als kurznachricht packen „TV Duell findet nach zähen Vrehandlungen statt. Es wäre fast gescheitert, Aufgrund von …“. Und hintendrann dann im Rahmen einer Talkshow oder anderem Medienformat mal das ganze Detalliert aufarbeiten.

    Aber ach, ich vergaß, wir reden ja über ARD/ZDF.

  16. Warum lassen sich die Sendeanstalten von Merkel alles vorschreiben?
    Allgemein bekannt Sie steht nur für Stillstand,auf keinen Fall etwas neues Wer bei dem TV-Duell nicht mitmachen will,nach den Regeln der Sender soll einfach absagen.Sie ist sowieso eine Kanzlerin die ,die Probleme der Bevölkerung nicht kennt.
    Trotzdem wird alles getan was gut ist und Erfolg verspricht für CDU und Merkel. Eigentlich Schlimm !!!!

  17. @Anderer Max/12: Bei dem Personal, dass die Privatsender, die bekanntlich auch in den Zeiten zwischen diesen Duellen durch ihre Politikbericherstattung nur so glänzen, jedes Mal zu dieser Veranstaltung schicken, zeigen Sie doch ganz deutlich, wie wenig sie an ernsthaftem Journalismus und Auseinandersetzung mit Themen sondern eher an Krawall und Klamauk interessiert sind.

    Die Privaten sind doch eh nur dabei, weil Sie an den Abenden deutlich vorhersehbar keine Quote und damit keine Werbeeinnahmen erzielen können. Das ist mehr Schadensbegrenzung als gesellschaftliche Verantwort.

  18. Gibt es eigentlich Informationen zu den echten Beweggründen für den Konzeptwechsel durch die Sender?

    Ich würde vermuten, dass durch den Moderatorenwechsel ganz geschickt eine Werbepause für die nutzlosen Privatsender eingebaut werden sollte.

  19. Frau Merkel will nur nicht die selben Fehler machen wie Frau May, jetzt muss ein anderer Grund für eine kurzfristige Absage her. Mein Tipp: Magen – Darm zieht immer.

  20. Die Medien lassen sich als „Erfüllungsgehilfen“ der Regierung und Politiker und als willfägriger Quoten- und Reichweitenlieferanten vorführen. Vorgefertige Fragen und ebensolche Antworten… wer will das? Mit Politikvielfalt, Vertretung von Bürger-/Wählerinteressen hat diese Bauchpinselei und inszenierte Medienfarce wenig zu tun. Ein anderer Kommentator stellte zu recht fest: „kuschende Medien ohne Arsch in der Hose“. Für mich wiegt das fehlende Rückgrat schwerer!

  21. … ich weis jetzt schon, was am Abend des 24.09.2017 nach der Auszählung geschehen wird: Beim Türken um die Ecke ganz viel alkoholisches und dann meinen Brummschädel pflegen.
    Anschliessend: Schwamm drüber in der Hoffnung, dass der Schneiderin der etwas robust gebauten Frau demnächst die Ideen ausgehen.
    Dieser Planet hat schon ganz anderes durchgestanden und die Zeit heilt ja bekanntlich alle Wunden…

  22. @ Ekkehard:
    Die robust gebaute Frau trägt die Kleidung von Krusty dem clown auf !
    Ansonsten sind die Duelle reinstes Satirematerial! aber nicht vom Feinsten!
    Sieht man das als Satire eingebettet in GoT oder House of Cards/Yes Minister wird evtll unterhaltsam..
    speziell unter dem Aspekt,wer sind die Amateure,wer sind Profis?

  23. @20/BLUEKO:
    Lass die Privaten doch poltern.

    Das ist wieder die alte Frage: Verkürzung führt zu Ungenauigkeiten, aber auch zum leichteren Verständnis. Die Privaten entscheiden sich halt oft pro-Verkürzung, die ÖR haben da einen anderen Auftrag.

    Ob wir das Format mögen ist doch irrelevant, solange es Menschen zum Wahlgang bewegt.

    Außerdem ist der ÖR für die viele Menschen eh eine „Propaganda-Zwangsabgabe des Wahrheitsministeriums“, insofern ist es vielleicht auch ganz gut, dass es zumindest einen Versuch eines anderen, nicht-ÖR Kommunikationskanals gibt.

    Ich meine, klar, man kann petertauberesque sagen, dass die Teenie-Mütter Zielgruppe halt eh zu doof ist und die Dummheit auch noch selbst verschuldet hat. Ich maße mir das nicht an.
    Am Ende zählt jede Stimme gleichviel, egal ob von Schantall oder Frau Doktor Fachwerkhaus.
    Die Möglichkeit einer Entscheidungsfindung sollte jeder Zielgruppe gegeben werden.

    Und immer diese mitschwingend-moralisierende Pseudo-Systemkritik. Ja, Privatsender bekommen kein ÖR-Geld, weshalb sie werben müssen, um rentabel agieren zu können. So what?
    Die Alternative kann ja nicht sein, dashalb Private ganz aus dem Prozess auszuschließen.

  24. @23:
    Vor Ihren Karren lasse ich mich nicht spannen.

    Ich schrieb:
    „Und dass die Sender keinen Arsch in der Hose haben, der Regierung die Stirn zu bieten.“ und nicht „kuschende Medien ohne Arsch in der Hose.“

    Außerdem habe ich konkrete Vorschläge gemacht, statt mit pöbelndem Populismus seinen Mitmenschen die generelle Kompetenz abzusprechen.

    Auch Sie frage ich:
    Was ist die Alternative? Keinen Wahlkampf im TV – Weil Sie es für unter Ihrer Würde halten? Weil Sie zu intelligent sind und das eh alles besser wissen? Weil Süddeutsche-Artikel lesen einen zum besseren Menschen macht, als Wahlarena zu gucken?

    Check your hybris, please – Nicht alle können so intelligent sein, wie Sie!

  25. Auf die einfachste Möglichkeit ist bisher niemand gekommen.
    Vielleicht würde Frau Merkel auf diese Sendung gerne ganz verzichten, das sie sich Martin Schulz (zu Recht) rhetorisch stark unterlegen fühlt.

  26. @29 / Peter

    Auf die einfachste Möglichkeit ist bisher niemand gekommen.

    Niemand abgesehen vom Autor des Artikels den Sie kommentieren?

    Aus SPD-Kreisen wird noch eine andere Interpretation ins Spiel gebracht: Dass das Ziel der Bundeskanzlerin gar nicht gewesen sei, ihre Regeln bei dem Duell durchzusetzen, sondern ein Duell mit Martin Schulz zu verhindern – indem sie die Sender dazu bringt, es lieber abzusagen als auf die starrsinnigen Forderungen Merkels einzugehen.

  27. Einem unbestätigten Gerücht aus Höchsten Kreisen hätte Fr. Merkel gerne einen Fusshocker aus dem 3D-Drucker in Gestalt von Seehofer auf allen vieren beim Duell..nur ein Gerücht…

  28. Das Regierungsvertreter sich so benehmen ist ja schon fast normal. Man möchte in seiner Welt nicht geweckt werden. Wie z.B ein Hr. Maas in Zwickau oder wie bei ihren Auftritten vor der Frauenkirche in Dresden („Alles Rechte“. Schon klar.). Wie auch immer: wie hier die Fernsehsender kuschen untergräbt diese Demokratie mal wieder nachhaltig und das ist auch der eigentliche Skandal. Einen Bob Woodward und Carl Bernstein (Watergate-Affäre) wird man in diesen Reihen wohl nicht finden.

  29. Alte Weisheit:
    Wer bezahlt, bestellt die Musik.
    Da also Merkel die Musik bestellt, wird es sich um eine von Merkel bezahlte Werbesendung handeln. Wer wird das anschauen?

    Wenn ich mit Oberstufenkursen Politiker zu Diskussionen einlade, dann legen wir einen Ablaufplan vor; nehmen dann gerne auch Änderungswünsche entgegen. Aber wir bestimmen am Ende, wie wir es machen wollen. Wenn dann jemand nicht kommen will, auch gut. Wir sind ein freies Land.

    Aber das Fernsehen ist wohl nicht mehr so ganz frei.

    MfG

    A. Pachl

  30. @28
    Nicht Sie, das Fernsehen läßt sich vor den Politikkarren spannen. „Kuschen“, „kein Arsch in der Hose“ und „fehlendes Rückgrat“ sind lediglich unterschiedliches Vokabular für dieselbe Zustandsbeschreibung der Kanzlerduellpräsentationsmedien. Und das sind wahrlich keine Qualitätsmerkmale, auf die man stolz sein kann. O.k., man sitzt in der ersten Senderreihe und macht ordentlich Quote. Wer dabei noch an den Informations- und Bildungsauftrag der Öffentlich-Rechtlichen glaubt, ist selber schuld. Das Kanzleramtsduell hat für mich höchstens einen Unterhaltungswert. Man erlebt jedoch keine lebendigen Politiker vor der Kamera, sondern eine Puppet-Show mit einer von Medienberatern minutiös inszenierten Choreographie. Aber das darf jeder anders sehen. Ich lasse mich gern eines Besseren belehren. Eine schlechte TV-Sendung kann man abschalten. Mit den drängenden Problemen unserer Gesellschft und unserer Zeit kann man das nicht. Ein „Weiter-so“ ist ein absolutes No-go!

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