Sperrfeuer aus dem Schützengraben der Nachdenklichkeit

tichyseinblick
Screenshot: rolandtichy.de

Neulich kam „Tichys Einblick“ im Leitartikel des „Spiegel“ vor. Als „nationalkonservatives Blog“ und Teil einer großen Koalition von politischen und publizistischen „Salonhetzern“, die mit „Verachtung und Hass“ gegen Angela Merkel agitieren. Was ist das für eine Seite?

Roland Tichy wirkt auf seiner eigenen Seite seltsam enttäuscht. Vielleicht ist es ein bisschen traurig, in diesen Zeiten einer jener Konservativen zu sein, die es vermeiden, ständig zu überdrehen.

Unpompös und persönlich schreibt er zum Beispiel über die Flüchtlingskrise: „Wir halten die Hände vor die Augen, um das nicht sehen zu müssen, was nicht ins Bild passt. Weil es uns erschrecken, weil es an Grundüberzeugungen rütteln könnte: Nein, es ist nicht gut, was da abläuft, und es wird jeden Tag schlimmer statt besser.“ Er fühlt mit den Helfern vor Ort, den Landräten, dem Personal in einer metaphorischen Küche, in der ein „großer rosa Elefant“ steht, den „die Offiziellen“ laut Tichy nicht sehen wollen.

Der Titel der Seite, „Tichys Einblick“, ist tatsächlich Programm: Sie gibt Einblick in Tichy, sein Fühlen und Denken, in seine tiefe und ernsthaft formulierte Sorge um das Gemeinwesen genauso wie in eine erstaunliche Dünnhäutigkeit gegenüber Kritik, die er „Hasstiraden“ nennt (von Stefan Niggemeier, einem der Gründer von Übermedien, fühlt er sich „über alle Mediengattungen verfolgt“). „Ehrlich: Anfangs hat mich das getroffen.“ Die Art, wie er persönlich beleidigt reagiert, spricht auf durchaus sympathische Art dafür, dass „es“ ihn immer noch trifft. „Tichys Einblick“ steht, soweit er Tichy selbst betrifft, für eine zynismusfreie Zone, und das ist selten geworden.

Aber „Tichys Einblick“ ist noch mehr als das. Der Name steht nicht nur über der Kolumne von Roland Tichy selbst, sondern als Kopf über der gesamten Seite. Die war offenbar einmal als eine Art Internet-Zeitung geplant (es gibt sogar die Rudimente eines seit vielen Monaten unbeackerten Moderessorts). „Die liberal-konservative Meinungsseite“ nennt sie sich selbst im Untertitel, Tichy erlebt sie als „Stimme der Nachdenklichen und Aktiven“.

Unter dem Banner des Einblicks schreibt eine ganze Reihe von Kolumnisten. Da sind üblich Verdächtige versammelt: Hugo Müller-Vogg schreibt von „rot-grünen Gutmenschen“, der selbsterklärte Finanzexperte der FDP, Frank Schäffler, müht sich zu klingen, als wäre er ein Protagonist aus einem Roman von Ayn Rand, und schafft es so, die Forderung nach der Abschaffung von Bargeld zu kritisieren, ohne das Hauptargument dafür (die Möglichkeit negativer Zinsen) auch nur zu erwähnen, und der weltmüde Wolfgang Herles erklärt in vielen tausend Zeichen Text, dass ihm wirklich die Worte fehlen und er deshalb schweigt.

Das mag als Nachdenklichkeit durchgehen, vor allem angesichts ebenfalls vertretener Leute wie Bettina Röhl, deren Hochofen-Nachdenklichkeit in Analysen mündet, die zum Beispiel der Kanzlerin nicht eine falsche Flüchtlingspolitik vorwerfen, sondern „epochales Versagen“, eine „Katastrophenpolitik“, „die die Geschichte Europas […] gerade irreparabel ins Negative wendet.“

Sie ist so in Rage, weil die Bundeskanzlerin bei ihrem Versagen auch noch lächelt.

Und selbst Medien, die früher weiß Gott nicht CDU-freundlich waren, die notorischen CDU-Hasser von Spiegel, stern, Süddeutsche bis zur taz steckt sie in die Tasche. Diese nach wie vor grün-rot tickenden Medien hofhündeln in immer schrilleren Tönen und mit immer steileren Thesen um sie herum. Und die veröffentlichte Öffentlichkeit, die durch die großen Leitmedien stark beeinflusst ist, beschäftigt sich selber mit irgendeinem abseitigen höchst artifiziellen „Kampf gegen Rechts“.

Wenn das die Stimme der Nachdenklichen ist, kann man sich die Stimme der nicht ganz so Nachdenklichen nicht einmal mehr vorstellen, ohne einen Tinnitus zu bekommen.

Mit dem Nachdenken selbst ist es ohnehin eine Sache bei Tichys Kolumnisten. Thomas Spahn verheddert sich in einer möglicherweise launig gemeinten Analyse, deren erklärtes Ziel der Nachweis ist, dass die weiblichen 68er nicht emanzipiert sind, sondern im Gegenteil frauenfeindliche Verteidiger der Sexualstraftäter der Kölner Neujahrsnacht.

Die logische Gedankenkette von Spahn geht in etwa so: Bei den 68ern drehte sich alles um männlich dominierten Sex, während für die Frauen jeder Mann ein potenzieller Vergewaltiger ist. Dann erinnerte er sich an den Spontispruch „Fighting for peace is like fucking for virginity“ und – „Es fiel mir wie Schuppen von den Augen“ – die Tatsache, dass Waffen und Penisse eigentlich das gleiche sind, weil sie nur von Männern und zum Nachteil von Frauen benutzt werden, was, wenn man nur ein bisschen Pech beim Nachdenken hat, zu folgendem Absatz führt:

Das, worauf dieser Sponti-Spruch tatsächlich zielt, ist dabei nur scheinbar das in den 80ern populäre „Frieden schaffen ohne Waffen“. Denn hätte man den Spontispruch tatsächlich in seiner ganzen philosophischen Tiefe exekutieren wollen, dann hätte dieses in der Konsequenz bedeutet: Waffen in den Schredder, Schwanz ab! Zumindest aber hätten die Sprücheklopfer beides für alle Zeiten unzugänglich im Giftschrank verschließen müssen. Sex als die Gewalt potentieller Vergewaltiger gegen hilflose Frauen – logisch: Ebenso final zu unterbinden wie jeglicher Einsatz von militärischen Waffen!

Festzustellen, an welcher Stelle dieser Text entgleist, ist ein bisschen, als sollte man aus einem Häufchen Asche den verbrannten Baum rekonstruieren. Schon die Behauptung, der „Fighting for peace is like fucking for virginity“-Spruch bedeute dasselbe wie „Frieden schaffen ohne Waffen“, ist so merkwürdig wie die Gleichsetzung von Penissen und Waffen, was den Rest zu einer prasselnden Abfolge von Quatsch macht. (Ich lasse hier absichtlich die Passage aus, in der sich Spahn Gedanken dazu macht, wie eine Entjungferung zu laufen habe, weil sie wirklich nicht mehr zum Thema gehört – auch wenn der Autor das anders sieht.)

Einen Klick weiter erklärt Achim Winter in seiner Videokolumne, der grüne baden-württembergische Ministerpräsident Winfrid Kretschmann wäre mit der Sexualerziehung im Land erst zufrieden, wenn Kinderschänder glücklich und akzeptiert wären.

Auch das sind „Tichys Einblicke“.

Die nachdenklichen Konservativen werden verrückt, weil sie sich von verqueren Spinnern regiert sehen. Die Seite „Tichys Einblicke“ ist Ausdruck davon. Bettina Röhl schreibt:

Merkel scheint sich seit Monaten an ihrem Werk und ihren Zielen (der Verteilung ihrer Einwanderer in ganz Europa) zu ergötzen, nämlich an der demokratisch nicht legitimierten, faktischen Enteuropäisierung Europas und der Transformation der 1.000-jährigen Geschichte Europas hin zu einem Gebilde frei von Traditionen, das in Parallelgesellschaften zerfällt und seinen kulturellen Konsens aufgibt.

Eine dieser Parallelgesellschaften tanzt hier schonmal klar erkennbar den Apocalypso. Es ist nicht die dumpf-rassistische Gesellschaft der rechtsextremen Blubber-Blogger von „Politically Incorrect“, auch wenn die Ziele – weniger Migration, mehr Homogenität, mehr 1000-Jähriges, Kampf gegen die linksgrünen angeblichen Kinderschänderfreunde – sich oft geradezu schmerzhaft ähneln. Aber es ist bei allem spürbaren Fruststau über die Flüchtlingspolitik der Regierung schwer vorstellbar, dass bei Tichy jemand fordern würde, als „Ultima Ratio“ an der Grenze Schusswaffen gegen Menschen einzusetzen, deren einziges Vergehen der Versuch ist, nach Deutschland zu gelangen.

Hier geht es in der Regel, vom Geröhle einzelner abgesehen, nicht gegen Ausländer an sich, auch nicht unterschwellig, wie so oft in den aktuellen Diskussionen im Netz – es ist die Veränderung, die auf Angst und Unbehagen stößt, in jeder Form: Bargeldloser Zahlungsverkehr! Einwanderung! Sex jenseits der Norm! All das sind Angriffe auf die Welt, wie wir sie kennen, und wer solche Angriffe verteidigt, hat offenbar jede Herabwürdigung verdient: Wenn der durch und durch politische Kollege Jost Kaiser Tichy kritisiert, wird er zum „Modejournalisten“ abgestempelt (er arbeitet für das Männermagazin „GQ“, wenn auch nicht im Moderessort), gegen Stefan Niggemeier wird ausgerechnet Matthias Matussek als „moralische und schriftstellerische“ Instanz bemüht (derselbe moralische Matussek, der Roland Tichy einmal im Presseclub wegen Kritik körperlich angegangen ist), und dass „linksgrün“ und „Gutmensch“ durchgehend als Schimpfworte benutzt werden, muss man wahrscheinlich nicht einmal mehr erwähnen.

Die in ihrer Selbstwahrnehmung nachdenkliche konservative Seite im Netz ist nicht in der Lage, Argumente zu hören, sondern stempelt in blanker, beleidigter Feindseligkeit jeden anders Argumentierenden zum Idioten. Das ist auch ein Zeichen, dass die „Aktiven und Nachdenklichen“ die Aufkündigung der Regeln des friedlichen Zusammenlebens, die sie anderen vorwerfen, selbst betreiben.

„Rechts“ schreibt Tichy mit Bezug auf ein Zitat von Harald Martenstein, sei inzwischen ein Prädikat für richtig. Wenn die Nachdenklichen sich erst einmal in ihrem Schützengraben eingemauert haben, ist „nachdenklich“ offensichtlich kein Prädikat mehr für irgendwas.

Medien besser kritisieren. Mit Ihrer Unterstützung.

Wir wollen
Medien besser kritisieren.

Unterstützen Sie unsere Arbeit:

Über Übermedien Abonnieren

38 Kommentare

  1. Hat mir gefallen.
    Aber ich bin mir jetzt nicht sicher, ob ich den Teil mit der Bargeldabschaffung richtig verstanden habe. Also das Hauptargument dafür wäre die Möglichkeit negativer Zinsen? Wie jetzt? Ich weiß nicht, ob dies der richtige Ort ist, um eine Erklärung dafür zu bitten, aber ich würde mich freuen.
    Kann natürlich sonst auch selbst suchmaschinen.

  2. Kürzestmöglich: So lange es Bargeld gibt, können Zinsen nicht negativ sein, weil bei negativen Zinsen jeder sein Geld einfach in bar unter der Matratze lagern kann. Dieses Geld ist dem Geldkreislauf so lange entzogen. Die Möglichkeit, Zinsen zu senken endet deshalb de facto (mit wenigen Ausnahmen) bei der Grenze null.

  3. Ohne mir das Argument zueigen zu machen: Die Möglichkeit, Zinsen zu senken ist ein volkswirtschaftlich wertvolles Werkzeug. Ob das die Vorteile von Bargeld aufwiegt mag ich nicht beurteilen, aber es ist ein valides Argument.

  4. @Muriel, Michalis Pantelouris (auch OT)
    Das scheint mir ein wenig missverständlich formuliert. Wenn ich es richtig lese, sind die Negativzinsen das Hauptargument für die Kritik an der Bargeldabschaffung. Es ließe sich aber auch so lesen, als seien die Negativzinsen das Hauptargument für die Abschaffung, was natürlich inhaltlich keinen Sinn ergibt.

  5. @ #1 und #2
    Wobei diese Theorie auch nur genau das ist – eine Theorie.
    Denn wer glaubt ernsthaft, dass alle privaten Spareinlagen liquidiert werden würden, würde man systemweit negative Sparzinsen einführen. Ganz abgesehen von der Absurdität, dass gar nicht soviel Bargeld vorhanden ist um eine solche theoretische Nachfrage zu bedienen.

    Ich bin eher bei Sascha Lobo (und das kommt wahrlich nicht oft vor), dass die Ideologie (und da bitte auf seine feine und sehr richtige Abgrenzung zur Verschwörung) der Überwachung die treibende Kraft ist. (lese: http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/sascha-lobo-bargeld-kann-man-nicht-ueberwachen-a-1075430.html)

    —–

    Zum Artikel: Wirklich lesenswert, wenngleich noch moderat formuliert. Man hätte auf „Tichys Einblick“ auch noch deutlicher draufhauen können und läge damit immer noch richtig. Gerne mehr!

  6. @Muriel Wenn Dir die Bank für deine Geldanlagen 0,5% p.a. abknöpft (oder so), bist du natürlich besser dran, wenn du dein Geld bar hältst, zumal ja Einlagen auch noch mit im Risio sind, sollte die Bank pleite gehen. Für kleine, mittlere Firmen ist die Bargeldschwelle 5.000 Euro daher schon relevant, für Privatleute vielleicht weniger. Zusätzlich müsste man allerdings die Verfügbarkeit von größeren Scheinen einschränken. Die Schweiz hat da vor einem Jahr schon einmal einen „Run“ auf 1.000 Franken Scheine erlebt. Heute gerade wird der „Schurkenschein“, die 500-Euro-Note, argumentativ zur Abschaffung vorbereitet ( http://bit.ly/1o9K7aL ), vllt der 200-Euro Schein gleich mit. Das würde dann Bar-Transfers bzw. Bar-Abhebungen von größeren Beträgen erschweren.
    Ob wirklich Negativ-Zinsen der Hauptgrund sind? Ich würde vermuten, aus Staatssicht sprechen einfach *alle* Gründe gegen Bargeld und keiner dafür: Bessere Kontrollierbarkeit der Bürger, von steuerlich relevanten Vorgängen (Schwarzmarkt), Herausdrängen der Menschen aus dem Bargeld-Gebrauch und vllt auch dann die theoretische Möglichkeit, Negativzinsen wirksamer zu machen. Das weiß aber keiner, wie wirksam die überhaupt sind. Es gibt immer noch andere Möglichkeit der Vermögensverwahrung, insb. Gold, Schmuck, Immobilien, Aktien, Anleihen, Fremdwährungen (Kronen, Dollar, Franken) etc. Ich würde daher eher vermuten, dass es um mehr Kontrolle, mehr Steuern und um Schutz vor einem „Bankrun“ geht (in Griechenland hat man zeitweise die wöchentlichen Auszahlungen beschränkt, geht ja auch, nur in den Wochen davor schmolzen die Barreserven kräftig ab). Was man andererseits feststellen kann, ist dass Kriminalität das Unwichtigste ist. Die großen Verbrechen, Betrügereien, Unterschlagungen und die Korruption laufen doch wunderbar bargeldlos. Das ist doch Kleinkriminalität, wo noch Ware gegen Geld getauscht wird. Wenn du mich festnageln würdest, würde ich sagen: Das Bankensystem ist wieder reichlich wackelig (im deflationären Umfeld sind Billionen an Unternehmenskrediten, vor allem im Rohstoff-/Öl-Sektor, kurz vor Ausfall) und natürlich wäre es schön, wenn man dann die Ausfälle wenigstens teilweise auf die abwälzen kann, die Geld bei der Bank herumliegen haben.

  7. OK, ich habe mir den „Köln und 68“ Artikel in voller Länge gegeben. Im Englischen dachte ich mir an der ein oder anderen Stelle „teetering on the brink of an epiphany“: also knapp an der Erleuchtung vorbei.
    Die durchaus korrekte Einschätzung dass „wer zweimal mit der selben pennt…“ frauenverachtend ist wird gefolgt von der Schlussfolgerung: Eigentlich mögen Frauen keinen Sex. Wenn es Frauen gab, die 68 und später gerne mit vielen Männern Sex hatten, dann nur, weil ihnen die Männer das eingeredet haben. Wenn Frauen eine Abtreibung wollten dann nur, weil die Männer sie ja nur benutzt haben und nun nicht als brave Familienväter zur Verfügung standen. Sonst käme Frau nämlich nie auf so eine Idee . Und fucking, ja fucking, ne das ist wirklich nix für Frauen. Das ist alles nur männliche Triebbefriedingung.
    Im Fazit würde ich sagen, das sagt jetzt sehr viel über die persönlichen Ansichten des Autors zum Thema Sex, aber wirklich sehr wenig zum Thema sexuelle Gewalt.

  8. Ich kann Tichy nicht ausstehen, ebenso wenig seine gallespuckenden Autorinnen und Autoren.

    Nichtsdestotrotz ist diese Kolumne bislang mit Abstand der schlechteste Beitrag auf Uebermedien. Warum? Weil jeder, der zwei Mal auf Tichys Seite draufgeblickt hat, hier nichts Neues, nicht mal einen originellen Gedanken dazu entdecken kann. Es ist einfach ein Nichts, und das ist gerade bei einer nicht-tagesaktuellen Seite schade.

    Aber vielleicht steigert sich der Kolumnist ja noch.

  9. Da ich Tichy und/oder seine Seite nicht kenne, bin ich froh über und dankbar für diesen Artikel: erspart er mir doch (zumindest), eines Tages den zitieren Schmonzes womöglich versehentlich zu lesen.

  10. Der Beitrag und die Kommentare zeigen zumindest , dass sich in diesen Zeiten immer die versammeln, die sich gegenseitig in ihren Ansichten bestätigen. Ernsthafte Auseinandersetzung mit anderen als den eigenen Ansichten findet nicht statt.

  11. Tichy und Matussek hätten sich fast geprügelt?
    Gibt’s davon Videomitschnitte?

    Ich schließe mich außerdem vielen Vorpostern an:
    Gerne mehr zu Tichy und seinem angeblich ergebnisoffenen Blog.
    Die Kommentarspalte hätte einen eigenen Artikel verdienent, da sehe ich nämlich keinen Unterschied mehr zwischen PI und Tichy (’s Leserschaft).

  12. @ Tolio:
    Ich habe es schon oft versucht, in der Kommentarspalte von Tichy eine faktenbasierte Diskussion anzufangen.
    Keine Chance, alles voll mit „Derailing“-Trolls, die grundsätzlich nur mit Wahrheiten antworten. Meist im Stile von „Wir wissen doch alle, dass“ oder „Es ist ja lange bekannt, dass“. Dann folgt die Ausweitung des Themas auf die Schuld von Angela Merkel (IM Erika … sooo witzig .. hahaha) an Allem Bösen in der Welt und spätestens da verabschiede ich mich dann.

  13. @ Tolio:

    Was auch einfach daran liegt, dass ich keine Lust mehr habe, wie eine gesprungene Schallplatte den stets gleichen Lügen von rechts zu widersprechen. Ein Beispiel ist im Text angesprochen: die angebliche Frühsexualisierung von Kindern, die zur Legitimation von Pädophilie diene. Es geht aber bei sexueller Früherziehung eben nicht darum, Kindern beizubringen, wie sie richtig miteinander schlafen, sondern ein Bewusstsein dafür zu schaffen, an welchen Körperteilen der „nette“ Onkel von nebenan nichts zu suchen hat. Es geht also um Prävention vor Kindesmissbrauch, was so ziemlich das exakte Gegenteil von dem ist, was Herr Winter hier behauptet.

    Wie soll man denn auf Grundlagen solcher Lügen (ja, es sind Lügen, nichts anderes!) eine ordentliche Diskussion führen?

  14. Bei Niggi und seinen Kumpanen lohnt es sich eigentlich nicht, zu kommentieren. Da sind Leute versammelt, die alles immer ganz genau und überhaupt besser wissen. Die „Tatsachen“ mit Tatsachen widerlegen, was ja ein kompletter Stumpfsinn ist, wenn man überhaut nicht zuhören möchte. Denunziantentum bei der TAZ ist gut – ich habe noch nie etwas kritisches dazu bei Niggi gelesen, obwohl es endemisch ist, Perönlichkeitsrechte können gar nicht stark genug geschützt werden, wenn es um die Bild-Zeitung geht. Staatsfernsehen ist gut, weil es überwiegend linkskonformistisch ist und Niggi ernährt bzw. lange Zeit ernährt hat, Kritik daran ist böse, dumm, uninformiert, vorurteilsbeladen (bitte weitere 20 Adjektive einfügen), weil und überhaupt. Das alles wird dann mit angeblich herrschenden journalistischen Grundsätzen begründet, um die sich dann die Besserwisser einen Teufel scheren. Außer den allgemeinen Gesetzen gibt es doch nur zwei journalistische Grundsätze: Meinungs- und Pressevielfalt – also Pluralismus -, und Sachlichkeit, unter der fast jeder etwas anderes versteht, was unmittelbar zu Punkt 1 führt. Ich hätte eigentlich gedacht, Übermedien sei die Chance, aus der Gesinnungsbloggerei, die auch, aber nicht zentral Medienkritik ist, auszusteigen, um ein wenig beackertes Feld, nämlich Verlags- und Staatsfernsehnssfreie Medienkritik zu machen. Wie es scheint, fehlt dazu aber das Bedürfnis und wohl auch die intellektuellen Fähigkeiten. Ich könnte locker aus der Hand eine gepfefferte Medienkritik an Trichys Einblicke schreiben, weil oft die letzte Präzision in der Analyse fehlt. So eine billige Meinungsschelte wie oben, kann man sich aber sparen. Schon der Ansatz, Kommentare als Beleg für die Tendenz und den Inhalt eines Textes heranzuziehen, kann doch nur Kopfschütteln hervorrufen. Was hat das eine bitte mit dem anderen zu tun? Bei dieser Qualität und Ausrichtung kann man wenigstens beruhigt sei, dass sich ein finanzieller Erfolg auf keinen Fall einstellen wird. So etwas braucht niemand wirklich.

  15. Kommentare, die mit „Hier lohnt es sich eigentlich nicht, zu kommentieren“ anfangen, lohnt es eigentlich nicht, zu lesen.

  16. Es ist amüsant anzsuchauen, wie die einstigen Meinungsführer um die letzten Zipfel ihrer Diskurshoheit ringen. Mühsam, wortklauberisch, extrem unlustig und mit panisch bebender Unterlippe wird eine Website „analysiert“, die es wagt, einfach einen anderen Blick auf die Gesellschaft zu haben als J. Augstein, S. Niggemeier oder R. Stegner.
    So schwer erträglich es manchem scheinen mag: Das ist erlaubt. Man kann ganz vieles ganz anders sehen als Spiegel, Stern, Süddeutsche und Zeit. Konnte man übrigesn schon immer. Aber mit dem Netz kam eben auch die Möglichkeit, diese Gedanken breiter zugänglich zu machen.
    Wie gefährlich diese „bösen“ Gedanken anscheinend sind für den rot-grün-schwarzen Mainstream unter der einen Überkanzlerin, sieht man daran, dass viele jener Seiten ihre Kommentarfunktion bei kontroversen Themen abschalten.
    Was sich nicht abschalten lässt, sind die Hirne selbstständig, quer denkender Bürger. Die lesen dann so böse Dinge wie „Tichys Einblick“ – und haben Freude daran.

  17. @Karl Preuss:

    So schwer erträglich es manchem scheinen mag: Das ist erlaubt.

    Ist denn Kritik daran auch erlaubt?

  18. @Stefan Niggemeier:
    Aus meiner Sicht nicht nur erlaubt (was zu enstcheiden weder mir noch anderen zusteht), sondern sehr erwünscht. Denn: Eine offene Gesellschaft bleibt dieses nicht, wenn Diskursverbote augerufen werden – sei es nun über direkte Eingriffe oder, viel subtiler, über Verhinderung von „Anschlussfähigkeit“ und Diskursteilnahme, Ausgrenzung.

  19. @Karl Preuss: Ich habe ja auch einen durchaus sehr anderen Blick auf die Gesellschaft als die drei von Ihnen genannten Beispiele und insbesonderen auch Michalis Pantelouris und fühle mich gerade deshalb jetzt bemüßigt, darauf hinzuweisen, dass
    a) ich diesen durchaus empathischen, interessanten und klugen Beitrag in Ihrer Beschreibung nicht wiedererkenne,
    b) niemand außer Ihnen hier von einem Verbot redet, was Ihren Widerspruch gegen ein solches bei freundlichster Auslegung albern und bei realistischer Auslegung schon beinahe unanständig macht, weil Sie damit wahrheitswidrig implizieren, jemand hätte etwas verbieten wollen und schließlich
    c) man ziemlich gut gegen den Mainstream und trotzdem engstirnig sein (oder zumindest wirken) und weit daneben liegen kann, und dass Tichys Einblick dieses Prinzip in meinen Augen ganz gut illustriert. Wer Bullshit Bullshit nennt, spricht damit keine Diskursverbote aus, sondern leistet einen oft wertvollen Beitrag zur Möglichkeit eines sinnvollen Diskurses.

  20. Ach wie schön. Nachdem schon ein Zitat im Ursprungstext auf den ersten Grund, wieso man mit vielen Konservativen nicht diskutieren kann, verdeutlicht hat (zur Erinnerung: die ständige Wiederholung von Lügen bei gleichzeitigem Ignorieren von Gegenargumenten), illustriert uns Karl Preuss den zweiten Grund: die weinerliche Opferrolle.

    Merke: wenn sich Gegenargumente eben nicht mehr ignorieren lassen (also Grund 1 versagt), behaupte einfach, dass der Widersprechende Dir Deine Meinung verbieten möchte! Die Profis setzen sich in eine Talkshow und verkünden, dass für sie keine Meinungsfreiheit mehr gelte.

  21. Also ich halte diesen Artikel ehrlich gesagt hier für deplaziert. Genau diese Art von Erziehungsjournalismus möchte ich nicht mehr lesen. Ich bin durchaus in der Lage, mir über Blogs mein eigenes Urteil zu bilden, dazu muss mich Herr Pantelouris nicht an die Hand nehmen! Ich dachte, hier werden die Fehl- oder Glanzleistumgen von Medien aufgedeckt und nicht Meinungen kritisiert, die dem eigenen Weltbild nicht entsprechen. Allein schon die Überschrift: „Sperrfeuer aus dem Schützengraben der Nachdenklichkeit.“ Watt soll dat? Man kann Tichys Seite mögen oder nicht, er deckt einen Teil des Meinunsspektrums ab, was völlig in Ordnung ist. Sollte kein Thema für Übermedien sein!

  22. @ 25, Frank Reichelt:

    Zur Medienkritik kann auch gehören, dass man inhaltliche Kritik an dem übt, was man als schrill empfindet. Nun ist es dem mündigen Leser aber doch möglich, sich auch sein eigenes Bild von der jeweiligen Sache zu machen (bei einer online frei zugänglichen Seite ist das doch besonders einfach) und etwa die Kommentarfunktion zu nutzen, um seine eigenen Ansichten zu äußern. Ausführliche kritische Kommentare, die argumentativ stark sind und sich nicht in pauschalen Unterstellungen erschöpfen, gibt es ja immer wieder, wenn sie auch leider nicht sehr häufig sind. (Ich selbst bin beispielsweise keineswegs in allen Fällen der Meinung von Herrn Niggemeier, finde aber seine Arbeit aber dennoch gut). Insofern empfinde ich einen Beitrag wie den M. Pantelouris erst einmal als eine Meinungsäußerung, die ich zur Kenntnis nehme. Wenn jemand eine solche Meinung ohne jede Prüfung und ohne Vorbehalt zu eigen macht, liegt das Problem dann nicht eher bei ihm selbst als bei dem entsprechenden Artikel? Medienkritik ist vor allem für die kritischeren Leser geeignet und muss sich primär an diese wenden, würde ich meinen.

    @ alle: Mit der möglichen Abschaffung des Bargeldes hat sich Norbert Häring sehr kritisch auseinandergesetzt. Man google nach seinem Namen und wird seine entsprechenden Blog-Artikel leicht finden. Eine Kritik findet sich auch bei Flassbeck, der u.a. schreibt:

    „Betrachten wir dieses Argument einmal andersherum: Weil es in Zeiten der Schuldenbremse (und einer allgemeinen Schuldenphobie) eine sinnvolle staatliche Konjunkturpolitik nicht mehr gibt, soll der Bürger durch die Abschaffung des Bargelds sozusagen zum Ersatzstaat gemacht werden, den die Notenbank über Strafzinsen jederzeit zwingen oder zumindest drängen kann, seine Ersparnisse zu verfrühstücken und so die Konjunktur zu beleben…Da ist es einfacher, sich schwächere Gruppen, nämlich private Haushalte mit mittlerem oder geringerem Einkommen, vorzunehmen und ihnen den Sicherheitsanker des ’sauer Ersparten‘, den sie sich in Zeiten wachsenden Misstrauens gegenüber Banken und ganz allgemein gegenüber unserem Finanzsystem unter’s Kopfkissen legen wollen, aus den Händen zu winden. Durch die Abschaffung von Bargeld die Reichsten in ihren Sparmöglichkeiten bei Deflation treffen zu wollen, ist jedenfalls eine Illusion…Da die meisten privaten Haushalte trotz eines solchen Einkommensdrucks versuchen, ihre Sparbemühungen aufrechtzuerhalten, wird mit Ideen wie dem Bargeldverbot nun dort der Hebel angesetzt. Zwar setzt man sich nicht vehement dafür ein, dass die Arbeitseinkommen stärker steigen (dieser Vorwurf richtet sich allerdings nicht gegen Peter Bofinger), aber es ist klar, dass wir die privaten Haushalte als Konsumenten brauchen. Also sollen sie genau in den Phasen, in denen sie unter großem Druck stehen und sehr unsicher über ihre weitere Einkommensentwicklung sind, gezwungen werden, ihre Ersparnisse (und damit die in ihren Augen einzige Vorsorgemöglichkeit, die sie selbst in der Hand haben) zu plündern. Das wird nicht gelingen, weil die privaten Haushalte auch bei Verlusten durch Strafzinsen an der Idee der privaten Vorsorge festhalten werden. Es käme nur zu noch stärkeren Verlagerungen hin zu anderen Wertaufbewahrungsmitteln (Gold, Immobilien, langlebige Konsumgüter etc.) mit grotesken Preisblasen auf diesen Märkten, unter denen wieder andere, meist noch Schwächere leiden würden (extreme Mietpreissteigerungen sind hier das Paradebeispiel)…Forderungen nach einem Bargeldverbot zur Verbesserung der konjunkturellen Wirksamkeit der Geldpolitik via Ersparnisverminderung der privaten Haushalte sind der Offenbarungseid der Volkswirtschaftslehre im weitesten Sinne. Die Ökonomen, die das fordern, sind nicht mehr bereit, das wirklich Sinnvolle zu fordern und in den Vordergrund zu stellen, und stürzen sich stattdessen auf Nebenkriegsschauplätze, wo man nur Schaden anrichten kann. Das Vertrauen der Bürger in unser Geldsystem darf nicht noch durch derlei Kapriolen weiter erschüttert werden. Die privaten Haushalte eignen sich weder zur langfristigen Stabilisierung des Systems noch zur Konjunktursteuerung. “
    http://www.flassbeck-economics.de/bargeld-verbieten-wie-oekonomen-sich-die-welt-zurechtbiegen/

    Es geht letztlich darum, den Menschen die Kontrolle über ihr eigenes Geld wegzunehmen und sie in Krisenzeiten durch Strafzinsen fürs Sparen zum Ausgeben von Geld zwingen zu können; und es geht darum, sie haftbar machen und (teil)enteignen zu können, wenn die Banken (ohne Verschulden der Sparer) unter Druck geraten (da der Staat unwillig ist, das Bankengeschäft vernünftig zu regulieren, so wie dies früher einmal der Fall gewesen ist). Es ist mir relativ unverständlich, wie man solche Ziele unterstützenswert finden kann.

    Ironischerweise ist übrigens allein das Bargeld (das Teil des Zentralbankgeldes ist) gesetzliches Zahlungsmittel. Das Giralgeld (das Geld auf den Konten) ist eigentlich nur ein Surrogat, das „ersatzweise“ für Bargeld akzeptiert wird.

  23. zu #19 Herr Niggemeier

    Lieber Herr Niggemeier,

    ich habe ganz persönlich keine andere Antwort von Ihnen erwartet. Und ich glaube, das ist ihr Problem. Einfach einmal das Gesagte sachlich zur Kenntnis nehmen, und dann auf die vorgebrachten Argumente eingehen. Statt dessen immer diese platte Polemik, mit der anscheinend alles gesagt ist. Dabei ist es nur eine sehr einfache Immunisierungsstrategie gegen jede Art von Kritik. Natürlich dürfen Sie das machen. Nur ist es halt wirklich schwer, so ein Verhalten ernst zu nehmen, und ihre manchmal durchaus soliden Beiträge überhaupt zur Kenntnis zu nehmen.
    Um es kurz zu machen: Ich haben meinen Beitrag nicht zufällig so eröffnet, denn ich habe über die Jahre doch einige Male, meist unter Pseudonym, bei Ihnen kommentiert. Das Ergebnis war jedesmal sehr ähnlich. Sie können ganz gut austeilen, beim Einstecken sind sie (und ihre Fanboys) noch empfindlicher, als viele ihrer Berufskollegen, die aber immerhin manchmal auf Kritik konstruktiv reagieren. Das ist mit Ihnen nicht zu machen. Eigentlich ist das Konzept von Übermedien für die deutsche Medienkritik deshalb auch positiv zu sehen. In Zukunft werden wir Sie weniger bei FAS, FAZ – mit dem Spiegel haben Sie sich ja in Windeseile verkracht – und anderen Medien sehen, und das lässt dann Platz für andere Medienkritiker, die es vielleicht etwas anders anfangen. Herr Hanfeld blüht in letzter Zeit ja merklich auf, da könnte mal etwas neues im FAZ Feuilleton entstehen, das nicht nur immer ein blasses Kratzen an der Oberfläche ist. Und damit schließe ich das Kommentieren auf ihrem neuen Blog auch wieder ab, und wünsche Ihnen, dass Sie trotz ihrer Linie ökonomisch Erfolg haben, denn Pluralismus ist das, was Deutschlands Medienkartell am nötigsten hat.
    Beste Grüße
    Ihr Otto Hildebrandt

  24. @Giliell
    Mal ganz ab davon, dass bei der Formulierung „wer zweimal mit derselben pennt…“ auch das Pendant „wer zweimal mit demselben pennt…“ grundsätzlich immer mitgedacht war.

    „Fighting for peace/fucking for virginity“ hieß übrigens im Original „bombing for freedom is like…“, bezog sich u.a. auf den Vietnamkrieg und war eine ironische Brechung der Behauptung, man würde Vietnam um der Erhaltung der Freiheit willen bombardieren. Das war und ist genauso unsinnig, wie ficken zur Erhaltung der Jungfräulichkeit. Durch andauerndes hin- und herübersetzen (freedom=Frieden ist ein typischer Fall von Schlechtübersetzung, klingt halt so ähnlich…und bei der nächsten Übersetzung dann aus Frieden ‚peace‘, also sozusagen falsch-korrekt…und der nächste mochte Alliterationen: ergo ‚fighting‘ statt ‚bombing‘. So ging das weiter, gibt noch ’ne andere Variationen.
    Die „Interpretation“ des Tichy-Autors passt zu keiner davon.

  25. @theo 11.
    Ich glaub‘ Du hast das übergeordnete Thema dieser Artikelserie nicht ganz verstanden. Bloß weil Du und…ja,ich auch…Tichys Einblicke schon kennen, heißt das ja nicht, dass andere den Müll auch schon entdeckt haben. Und nein, ich halte das keineswegs für eine Popularisierung solcher „Ab“seiten. Man muss die kennen, das sind die Munitionslager der Forentrolle.

  26. @Dietmar (29):

    Doch, habe ich verstanden. Aber ich habe hier dennoch mehr Analyse erwartet und weniger Inhaltsbeschreibung.

    @Otto H.:

    Ich habe jetzt mehrfach ihren Kommentar (18) gelesen. So leid es mir tut, ich finde darin kein Argument, welches man ernsthaft aufgreifen sollte.

  27. @ # 18, 27, Otto Hildebrandt:

    Na ja, wenn man einen schon so direkt angreift wie Sie Hern Niggemeier, dann ist das auch nicht so eine gute Voraussetzung für Kritik. Klar, Niggemeier kritisiert auch andere scharf, aber Sie wollen ja mit ihm hier in einen Dialog eintreten (oder hatte ich das falsch verstanden?)
    Ihre Kritik besteht halt oft in recht scharf formulieren, aber doch eher pauschalen und unbelegten Behauptungen. Beispiel:

    „Staatsfernsehen ist gut, weil es überwiegend linkskonformistisch ist und Niggi ernährt bzw. lange Zeit ernährt hat, Kritik daran ist böse, dumm, uninformiert, vorurteilsbeladen (bitte weitere 20 Adjektive einfügen), weil und überhaupt.“

    Lässt sich das so pauschal belegen? Ich habe jetzt nur kurz recherchiert (erste Sucheinträge ausgewertet), aber gleich mehrere (teils erheblich) kritische Artikel von ihm gefunden, in denen die ÖR auch ihr Fett weg kriegen:

    http://www.stefan-niggemeier.de/blog/20470/die-20-uhr-wirklichkeit/
    http://www.stefan-niggemeier.de/blog/20186/die-tagesschau-wo-man-schoene-inszenierungen-nicht-bloed-hinterfragt/
    http://www.stefan-niggemeier.de/blog/21423/warum-der-zdf-korrespondent-eine-demo-in-athen-unmoeglich-richtig-beschreiben-konnte/
    http://www.stefan-niggemeier.de/blog/tag/zdf/page/2/
    http://www.stefan-niggemeier.de/blog/19983/60-prominente-gegen-den-krieg-sind-keine-nachricht-fuer-ard-und-zdf/
    http://www.stefan-niggemeier.de/blog/18387/warum-der-manipulations-skandal-beim-zdf-nur-halb-ueberraschend-ist/
    http://www.stefan-niggemeier.de/blog/22180/kennste-einen-bombenangriff-kennste-alle-das-heute-journal-nimmts-in-syrien-nicht-so-genau/
    http://www.stefan-niggemeier.de/blog/18387/warum-der-manipulations-skandal-beim-zdf-nur-halb-ueberraschend-ist/
    http://www.stefan-niggemeier.de/blog/21819/deutschlandfunk-experte-leugnet-ermittlungen-wegen-landesverrat-gegen-netzpolitik-org/
    http://www.stefan-niggemeier.de/blog/22191/die-unwahrheit-ueber-akif-pirincis-kz-rede/

    Nur beispielhafte Ausschnitte aus dem ersten verlinkten Text seien hier wiedergegeben:

    „Sie [die Korrespondenten der ARD] stehen dort nicht, um uns Dinge zu sagen, die wir noch nicht wissen. Sie stehen dort, um uns Dinge zu sagen, die wir schon wissen; die sie uns am Tag vorher schon gesagt haben und am nächsten Tag wieder sagen werden; die unseren Blick auf eine komplexe Entwicklung auf eine einfache, vertraute, im Zweifel bequeme Position verengen. Und Politik oft auf das reduzieren, was sie mit Politikern macht.
    Hintergründe, Zusammenhänge, Widersprüche darf man nicht erwarten von der 20-Uhr-‚Tagesschau‘, aber dafür gibt es ja viele andere, weniger gesehene Sendungen, in denen das womöglich gründlich behandelt wird, und tagesschau.de natürlich, worauf die Fernsehsendung seit Jahren auch schon wieder ritualhaft in jeder Sendung einmal hinweist…
    Die ‚Tagesschau‘, soll das wohl heißen, kann es nicht leisten, solche Inszenierungen [wie die bei der Trauerfeier in Paris] kenntlich zu machen, und eigentlich will sie es auch nicht. Sie macht sich stattdessen zum Teil dieser Inszenierungen, der kleinen Auftritte wie der großen Narrative, und zu Komplizen: self-embedded journalists.“

    Ich habe jetzt jeweils die ersten drei Seiten oder so abgesucht, die erscheinen, wenn man in Herrn Niggemeiers altem Blog auf die Tags „ARD“ und „ZDF“ klickt. Wer will, kann ja noch weiter suchen.

    Klar, jetzt kann man sagen, dass Herr N. die ÖR dennoch zu wenig und zu milde kritsiert oder zu viel in Schutz nimmt. Das kann man ja meinen und darüber diskutieren. Aber das ist eben etwas ganz anderes als der doch sehr einseitige und polemische Satz. Differenzierte und mit Belegen untermauerte Kritik sieht dann doch etwas anders aus.

  28. Super, danke dafür!

    Ich hatte ANGESAGT, dass ich abonniere, wenn Ihr „alternative Medien“ rezensiert und damit etwas zur Orientierung beitragt.

    Das hier ist nun so ein Artikel, wie ich ihn mir gewünscht habe.
    Und jetzt habt Ihr auch mein Abo.
    Weiter so. Sind so viele Medien da draußen…

  29. Ich deute die in Klammern gesetzte 1 als den ersten Teil explizit zu „Tichys Einblick“. Gerade die Historie und Verstrickungen der Protagonisten ist ja durchaus interessant und teils ambivalent.
    Trifft ja für die ganze Ecke aus Achse des Guten, Tichy, mit Überschneidungen zu PI oder der JF zu.

    (natürlich gilt das auch für die linke Ecke, die nicht weniger unerfreulich daherkommt)

  30. die leserkommentare bei Tichy sind nicht repräsentativ. es wird dort alles gelöscht, was nicht nicht in den kram passt oder zu unbequem erscheint. selber mal versuchen. gleichzeitig wird die zensur bei Facebook angeprangert.

  31. @Dietmar
    „Mal ganz ab davon, dass bei der Formulierung „wer zweimal mit derselben pennt…“ auch das Pendant „wer zweimal mit demselben pennt…“ grundsätzlich immer mitgedacht war.“
    Interessant. Das Argument für das sogenannte „generische Maskulinum“ ist immer, dass damit die weibliche Form eingeschlossen sei, im Gegensatz zu einer weiblichen Form. Ärzte und Lehrer sind also alle Leute (funktioniert übrigens nicht und ist nicht geschlechtsneutral), Ärztinnen und Lehrerinnen sind nur die weiblichen. Was sagt es uns also, wenn hier explizit die weibliche Form gewählt wird? Kaum „Männer sind da auch mitgemeint.“
    „Mitgedacht“ reicht nicht. Da eben immer nur eine Seite genannt wird, werden vorhandene Geschlechterideen zementiert, die Frau mit der gepennt wird zu einem bloßen Mittel zum Zweck. Was kein Argument gegen fröhlichen Sex mit wechselnden Geschlechtspartner_innen ist. Darum geht es gar nicht. Eben so wenig wie die beiden Sprüche irgendwie zusammengehören außer dass beide über die Sexmetapher arbeiten.
    Über die Unsinnigkeit des „Jungfräulichkeitsbegriffs“ und seiner ebenso einseitigen Geschlechtszuordnung sowohl in dem unsäglichen Text als auch im allgemeinen Diskurs könnte man nun ebensolange Kommentare schreiben.
    Mein Fazit ist, dass ich den Sexismus der 60er und 70er nicht verteidigen muss um völlig absurde Gedankensprünge neokonservativer Autoren zu widerlegen.

  32. Ich kenne den Spruch in beiden Versionen: „mit derselben“ und „mit demselben“; es wäre hier aber auch nicht logisch anzunehmen, dass nur Heteros und Lesben ihre Partnerinnen nach einmaligem Sex zu wechseln hätten, um nicht zum verachteten Establishment gezählt zu werden, Schwule und Heteras aber nicht, denn zumindest Heteras, die zweimal mit demselben schlafen würden, würden per definitionem mit jemanden von Establishment schlafen, also mit dem ideologischen Gegner unter einer Decke stecken. Ergo wären auch sie Establishment gewesen, mindestens by proxy. Und irgendwo mussten ja die ganzen Frauen herkommen, an denen die Nicht-Establishment-Männer ihr Nicht-Establishment unter Beweis stellen konnten, oder hätten die irgendwann aufgehört, Sex zu haben?
    Schwierige Zeiten, damals.

  33. Neu bei Tichy:
    Gestern war das Watter nur ein guter Vorwand, die Rosenmontagsumzüge wegen Terrorgefahr abgesagt zu haben.
    Jedenfalls glaube ich, dass der Autor das implizieren will, ohne es auszusprechen. Weil „darf man ja nicht sagen“.

    Ich will ja nicht sagen, dass die Rechtspolulisten ihren Überschuss an Paralipsen garnicht mehr bemerken. Oder doch?

    Und in dem Artikel bei Tichy steht dann tatsächlich dieser Satz:
    „(…) ohne dass man dabei komplizierte Verschwörungstheorien kultivieren müsste (…)“
    So wie diese auch, sind die allermeisten Verschwörungstheorien garnicht kompliziert. Das macht sie ja auch so beliebt: Einfache Antworten auf komplizierte Fragen.
    Außerdem unterliegt das Adjektiv „kompliziert“ einer subjektiven Betrachtung und sagt daher eher etwas über die Auffassungsgabe des Autors aus, als über das behandelte Thema an sich.

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *