Wie ich vergangenes Jahr schon schrieb

Was ich in der vergangenen Woche gelernt habe: Als Eigenplagiator bin ich gar nicht schlecht.

Ich habe für die „Teletext“-Kolumne in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ einen Text abgeliefert, der davon handelte, wie toll das langsame Erzähltempo bei „Better Call Saul“ ist, und der ging so:

Es gibt dieses Orgelstück von John Cage, das seit 2001 in Halberstadt gespielt wird. Es heißt „Organ²/ASLSP“, und die Buchstaben stehen für „as slow as possible“, so langsam wie möglich. Ungefähr einmal im Jahr ändert sich der gespielte Ton; die Aufführung dauert bis 2640.

Die Serie „Better Call Saul“ treibt es nicht ganz so weit, aber „as slow as possible“ könnte auch ihr Motto sein. Verglichen mit anderen aktuellen Serien lässt sie sich unerhört viel Zeit, ihre Geschichte zu erzählen, und in der dritten Staffel, die gerade auf Netflix läuft, kann man gelegentlich auf den Gedanken kommen, dass sie bei ein bisschen weniger Tempo nur noch ein Bild wäre, ein faszinierendes Bild, das sich ungefähr einmal im Jahr ändert.

„Better Call Saul“ ist ein Prequel. Es erzählt, wie aus dem leicht zwielichtigen Anwalt Jimmy McGill der durch und durch schmierige Rechtsverdreher Saul Goodman wurde, den wir aus „Breaking Bad“ kennen. Der Ausgang der Geschichte ist also bekannt, und die Schöpfer lassen sich nun alle Zeit, dorthin zu gelangen.

Es ist ungewiss, wie viele Staffeln sie beim aktuellen Erzähltempo brauchen würden, und insbesondere bei Sauls gelegentlichem Partner Mike Ehrmantraut fragt man sich, wie viel älter er am Ende aussehen wird als im eigentlich später spielenden „Breaking Bad“, aber all das sind schon Gedanken, die in die Irre führen, denn diese Serie ruht in sich selbst. Wenn Mike sein Auto auseinander schraubt auf der Suche nach einem Sender, nimmt sie sich die Zeit, das Abschrauben vieler, vieler, vieler, vieler Teile zu zeigen. Bevor ein Lastwagen eine Landstraße entlangfährt, sehen wir die leere Landstraße, die Landschaft, den Himmel, die Landschaft, den Himmel, die Straße, das Fahrzeug am Horizont. Und jede dieser Einstellungen ist so komponiert, dass man sich an ihr nicht müde sieht.

Vor allem aber sehen wir der ebenso geduldig erzählten Verwandlung der Hauptperson zu, und so sehr man sich gelegentlich nach dem schrecklich-schön cartoonhaften Saul sehnt, so lange möchte das herauszögern und noch an der Seite des sympathisch schief-menschlichen Jimmy bleiben, aus dem er hervorgeht.

Jede vermeintlich unnötige Einstellung, jede weitere ausgedehnte Minute fühlt sich an wie ein Luxus, auch weil „Better Call Saul“ das dem linearen Fernsehen fast völlig abhanden gekommene Selbstbewusstsein ausstrahlt, sich keine Sekunde darum zu sorgen, dass die Zuschauer umschalten könnten.

Dass dieser Text dann am Sonntag trotzdem nicht in der Zeitung stand, liegt daran, dass er meinem Redakteur Harald Staun bekannt vorkam. Und er mir einen Text schickte, den ich vor etwas mehr als einem Jahr ebenfalls für die „Teletext“-Kolumne in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ verfasst hatte. Er ging so:

„Better Call Saul“ nimmt sich Zeit. Der Fernsehkritiker der „New York Times“ schreibt, Schlüsselmomente dehnten sich aus „wie Toffee“; er meint das positiv. Und doch klänge es falsch, wenn man die Serie „langsam“ nennen würde. Es klänge, als hätte man etwas herausgenommen: Tempo, und nicht etwas hineingetan: Genauigkeit und Geduld, Spannung und Selbstbewusstsein.

Man spürt ein bewundernswertes Vertrauen der Erzähler darauf, dass wir, die Zuschauer, uns auf diese Geschichte einlassen werden, dass wir wissen wollen, wie aus Jimmy McGill, dem kleinen unglücklichen Anwalt, Saul Goodman wird, der korrupte Rechtsverdreher, den wir aus „Breaking Bad“ kennen.

„Better Call Saul“ spielt ein paar Jahre vorher. Wie die Sache ausgehen wird, wissen wir eh. Es geht nur darum, wie es dazu kam. Den Weg zu beschreiben ist das Ziel.

Es gibt keinen Grund zur Eile, im Gegenteil: Je schneller die Geschichte erzählt würde, umso schneller wäre sie vorbei. Man wünscht sich, dass die Autoren die endliche fiktionale Zeit bis zum bekannten Ausgang mit möglichst vielen Serienfolgen füllen. Schon von daher ist die Langsamkeit etwas Gutes – von der Freude an den bezaubernd kaputten Figuren, den unvorhersehbaren Geschichten, den liebevollen Inszenierungen ganz zu schweigen.

Seit dieser Woche ist die zweite Staffel auf Netflix zu sehen. Weil es sich nicht um eine Eigenproduktion handelt, sondern eine Serie des Kabelkanals AMC, gibt es nicht alle Folgen auf einmal, sondern parallel zur Ausstrahlung in den Vereinigten Staaten nur eine pro Woche. Das klassische retardierende Serienmoment wird durch die besondere Ausgeruhtheit noch verstärkt – und macht doch den Sog nicht kleiner.

Die erste Staffel zeigte, wie Jimmy McGill versuchte, seine Vergangenheit als kleiner Trickbetrüger hinter sich zu lassen und ein anständiger Anwalt zu werden – nur um festzustellen, dass es sich nicht auszahlte, das Richtige zu tun, jedenfalls nicht annähernd so auszahlte, wie es die Alternative getan hätte. Die zweite Staffel scheint nun zu erzählen, wie der Saulus die lästige Paulushaftigkeit wieder abstreift, aber wer weiß, welchen (hoffentlich vorläufigen) Endpunkt sie wirklich ansteuert und wie viele scheinbar unnötige Schleifen sie dabei dreht.

Die ganze Serie ist wie Bonusmaterial zu „Breaking Bad“: ein Luxus. Ohne Prunk und Protz und Großspurigkeit, aber mit einem im besten Sinne verschwenderischen Umgang mit der Zeit.

Jetzt weiß ich nicht, ob es ein gutes Zeichen ist, dass ich immer noch meiner Meinung von vor einem Jahr bin, oder ein schlechtes, dass ich mich daran nicht erinnern konnte.

Jedenfalls hoffe ich, dass es eine vierte Staffel von „Better Call Saul“ geben wird. Dann kann ich endlich mal über die faszinierende Langsamkeit dieser Serie schreiben. Ein Luxus.

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20 Kommentare

  1. Ja, absolut. Ist eigentlich bekannt, ob es auch deshalb nur jede Woche eine neue Folge gibt? Bei anderen Serien wird ja zum Teil alles auf einmal online gestellt.

  2. Hehe, schön.

    Schön aber auch, daß beide Texte zwar in gewisser Weise gleich, aber trotzdem völlig unterschiedlich sind.

  3. Vielen Dank für beide Artikel, sehr treffend formuliert.
    Neben Fargo, die Serie schlechthin derzeit.

  4. Ich glaube nicht, dass es gerade die Langsamkeit, die Better Call Saul auszeichnet und von „anderen aktuellen Serien“ abhebt. Da sind Rectify oder, ganz aktuell, The Handmaid’s Tale haben da ein ähnlich langsames Erzähltempo. Was Better Call Saul besonders macht, ist dass den Zuschauern auch zugemutet wird, lange Zeit nicht zu wissen, worauf die langen Szenen und Sequenzen überhaupt hinauslaufen werden. Das Konzept ist eigentlich hinter jeder Folge das gleiche: Wir schauen den Figuren dabei zu, wie sie – meist penibel und gemächlich – Pläne umsetzen, ohne den Plan überhaupt zu kennen (Beispiel aus der aktuellsten Folge: der grandiose Hausbesuch Mikes bei Chuck), der Payoff fällt meist dafür umso befriedigender aus. Das kann aktuell niemand besser als das Team um Gilligan und Gould (das formidable Gespür für Bilder und Musik schadet natürlich auch nicht).

  5. @5 Julian
    Endlich mal jemand der „Rectify“ kennt und nennt. Für mich die „most underrated “ Serie der letzten Jahre. Definitiv eine der besten Erzählungen weit und breit. Wen man etwas Zeit und Geduld mitbringt.

  6. Was mir in letzter Zeit immer wieder auffällt, und jetzt auch hier: Daß der Begriff „Serie“ ohne weitere Attribute benutzt wird und erst einige Sätze später aus dem Zusammenhang geschlossen werden muß, daß wohl eine Fernsehserie gemeint ist (Zumindest schließe ich aus der Formulierung, daß „Better Call Saul“ als „Staffel bei Netflix“ läuft, daß es um Fernsehen geht. Man korrigiere mich, wenn ich da falsch liege).

    Können sich die meisten Autoren unter dem allgemeinen Begriff „Serie“ nur noch Fernsehserien vorstellen?

    Der Begriff der Serie ist doch viel älter als das Fernsehen! Das berühmte Buch „Das Gesetz der Serie“ hat Paul Kammer im Jahr 1919 veröffentlicht. Es handelt von Serienerlebnissen im Alltagsleben. In den Manufakturen der frühen Neuzeit (17. Jahrhundert) wurden Produkte in Serie gefertigt. Auch viele Maler, deren Werke wir heute als Einzelstücke bewundert, habe zu ihrer Zeit die Werke mit vielen Gehilfen in Serie produziert.

    Heutzutage bekannt sind auch Serien von Büchern, Serien im Periodensystem der Elemente und natürlich Briefmarkenserien.

    Wenn ich nach meiner Lieblingsserie gefragt werde, ist meine Antwort „Industrie und Technik“. Diese Briefmarkenserie gab die damalige Deutsche Bundespost ab 1975 heraus, und diese Serie zeigt sehr schön den technischen Stand und den Fortschrittsglauben der damalige Zeit. Ich schaue mir diese Serie sehr gerne an.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Industrie_und_Technik_(Briefmarkenserie)

  7. Ähm. Es handelt sich um Texte für eine Zeitungskolumne, die „Teletext“ heißt, jede Woche in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ unmittelbar neben dem Fernsehprogramm abgedruckt wird und vom Fernsehen handelt.

  8. Diese Informationen wären zu Beginn des Artikels zum Verständnis ganz nützlich gewesen. Für jemanden, der die Kolumne nicht kennt und auch die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung nicht liest, ist das nicht selbstverständlich. Ich habe in diesem Text zum ersten Mal von einer Kolumne mit dem Namen „Teletext“ gelesen (oder zumindest diese Kolumne bisher noch nicht so wahrgenommen, daß sie dauerhaft in meinem Gedächtnis geblieben wäre). In den einleitenden Worten des Textes erfahre ich lediglich, daß diese Kolume in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erscheint und daß darin über eine Erzählung mit dem Namen „Better Call Saul“ berichtet wird. Den Rest muß ich mir irgendwie selbst zusammenreimen.

    Den Begriff „Teletext“ gibt es in Deutschland ja nicht. Was in anderen deutschsprachigen Staaten „Teletext“ genannt wird, heißt in Deutschland „Videotext“. Dafür gabe es aber in Deutschland „Teletex“ als Weiterentwicklung von „Telex“ (Fernschreiben). Und bei keinem dieser Begriffe assoziiere ich Bewegtbilder. Dann gibt es auch noch Menschen, die sagen „Teletext“ und meinen aber den Dienst, der in Deutschland „Bildschirmtext“ hieß und in den anderen deutschsprachigen Staaten „Videotex“. Aber auch das führt mich nicht dazu, an Bewegtbilder mit Ton zu denken.

    Vielleicht ist das an den anderen Stellen, wo mir diese Verwendung des allgemeinen Begriffs „Serie“ auffällt, genauso. Vielleicht gehen dort die Autoren auch davon aus, daß jeder weiß, womit sie sich die ganze Zeit beschäftigen und daß deswegen klar sein müsse, daß ausschließlich Fernsehserien gemeint sein können. Das wäre ein schönes Beispiel für eine selbstgemachte Filterblase.

  9. Naja. Es ist die Filterblase von Leuten, die Texte über Fernsehen lesen und zu recht annehmen, dass wenn darin von einer „Serie“ die Rede ist, eine „Fernsehserie“ gemeint ist.

    Wenn Sie meinen, dass auf einer Seite, die „Übermedien“ heißt und sich mit Medien beschäftigt, mit „Serie“ eventuell eine Briefmarkenserie oder eine Serie im Periodensystem gemeint sein könnte, dann kann ich Ihnen auch nicht helfen.

  10. Es sind ja die Übermedien, es ist nicht das Überfernsehen. Worum soll in einem Medien, das sich als Übermedien bezeichnet, nicht Bezug genommen werden auf einen Text, der sich mit Serien beschäftigt, die keine Fernsehserien sind, sofern dieser Text in einem für die Übermedien relevanten Medium erschienen ist, wozu ich die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung durchaus zählen möchte?

    Ich habe ja nicht angenommen, daß die Übermedien von sich aus über das Periodensystem der Elemente oder Briefmarken schreiben, sondern daß sie sich mit einem Text beschäftigen, der in einem anderen Medium erschienen ist. Und für diesen anderen Text (auch wenn er von demselben Verfasser stammt) gilt die Einschränkung, daß er sich mit Medium beschäftigen muß, nicht (zumindest nicht, bevor ich Kenntnis darüber bekam, daß es um eine Kolume geht, die sich mit Fernsehen beschäftigt).

    Und es wäre doch durchaus auch mal ein interessantes Thema für die Übermedien, wie in Medien (also z.B. in Zeitungen im Internet-Dienst „World Wide Web“) der Begriff „Serie“ verwendet wird. Denn da fällt mir genau das auf, was ich in meinem ersten Kommentar hier beschrieben habe, und was ich in diesem Text wiedergefunden habe. Insofern kann mein Kommentar auch als Anregung für die Berichterstattung über Medien gesehen werden.

    Unabhängig davon gilt natürlich zusätzlich: Auch Briefmarken sind ein Medium, über das gesellschaftlich relevante Inhalte transportiert werden. Mir fällt spontan die aktuelle Briefmarke über Elektromobilität ein. Briefmarken können also durchaus auch mal direkt in das Themengebiet der Übermedien fallen.

  11. Ich möchte doch noch etwas ergänzen, um mich verständlicher zu machen. Ich habe ja anhand des Textes verstanden, daß es sich bei „Better Call Saul“ nicht etwa um eine Serie von Texten, zum Beispiel Büchern, handelt, sondenr um eine Fernsehserie. Insofern habe ich letztlich kein Verständnisproblem mit diesem Text. Was mir aber hier wieder aufgefallen ist, ist die Tatsache, wie selbstverständlich der Begriff „Serie“ synonym zu „Fernsehserie“ benutzt wird, obwohl er doch kein Synonym dazu ist.

    Und da frage ich mich: Warum wird das so gemacht? Warum wird ein allgemeiner Begriff benutzt, wenn doch der speziellere Begriff viel zutreffender wäre? Das ist mir ja nicht nur hier aufgefallen, sondern auch bei anderen Medien (wo die Erklärung, daß man bei den Übermedien sei und deshalb die beiden Vorsilben „Fernseh“ immer weggelassen werden könnten, nicht zutrifft). Wie ist die Erklärung für die Benutzung dieses allgemeinen Begriffs in anderen Medien?

    Ich habe den Eindruck, daß vielen Menschen gar nicht bewusst ist, daß „Serie“ ein allgemeiner Begriff ist. Sondern daß sie tatsächlich das Medium „Fernsehen“ so mit ihrem Leben verwoben haben, daß andere Deutungen für sie persönlich gar nicht mehr möglich sind. Aus diesem Grund finde ich das bedeutsam und diskutierenswert.

    Zur Verdeutlichung meines Gedankengangs Analogien aus anderen Bereichen:

    – Viele Menschen sprechen von „Internet“, wenn sie in Wirklichkeit nur den einen Internet-Dienst „WorldWideWeb“ meinen. Das ist nicht nur eine sprachliche Unkorrektheit, sondern diesen Menschen ist gar nicht bewusst, daß das Internet noch andere Dienste hat, zum Beispiel das Usenet, Filetransfer oder E-Mail ohne Weboberfläche. Hier ist die Art der Benutzung der Begriffe ein ganz klares Indiz dafür, ob der Sprecher überhaupt weiß, wovon er redet.

    – Es wird behauptet, ein bestimmter Veranstaltungsort sei barrierefrei bzw. behindertengerecht. Tatsächlich ist es aber nur an die Erfordernisse von Rollstuhlfahrern angepasst. Blinde oder Gehörlose finden sich nicht zurecht. Und wenn das nachgebessert wird, hat man immer noch die nicht-körperlichen Behinderungen, zum Beispiel Autismus, vergessen. Hier hat die Tatsache, daß ein allgemeiner Begriff benutzt wird, aber in Wirklichkeit nur an einem Speziallfall gedacht wird, ganz praktische Auswirkungen auf Menschen. Und es ist eben nicht nur eine sprachliche Ungenauigkeit, sondern viele Menschen denken bei „Behinderung“ tatsächlich nur an Rollstuhlfahrer.

    – Es gibt Zeitschriften oder Zeitungsbeilagen, die sich dem Titel nach dem Thema „Verkehr“ widmen. Es gibt Ansagen im Radio, die sich mit der Lage im „Verkehr“ beschäftigen. Tatsächlich richten sie sich ausschließlich an Kraftfahrer: Es geht um Tipps für den Grauchtwagenkauf, um Staus auf der Autobahn oder um die Warnung vor Geschwindigkeitskontrollen. Ich fahre Fahrrad oder gehe zu Fuß, ich benutze Bus&Bahn, ich bin damit genauso Verkehrsteilnehmer. Aber trotz des allgemeines Titels „Verkehr“ werden meine Verkehrsmittel überwiegend ignoriert. Das ist doch Etikettenschwindel! Vor allem zeigt es, daß es wohl eine Wahrnehmungshierarchie gibt zwischen den „wirklichen Verkehrsteilnehmern“ (den individuell motorisierten) und den sonstigen.

    Diese Beispiele verdeutlichen, daß es generell unklug ist, einen allgemeinen Begriff zu benutzen, wenn doch bloß ein Spezialfall gemeint ist. Sprache ist nicht losgelöst von unserem Denken! Wenn permanent für einen bestimmten Sachverhalt ein allgemeiner Begriff benutzt wird, der auch noch ganz andere Sachverhalte umschließt, dann werden diese anderen Sachverhalte nicht mehr wahrgenommen. Und das eben nicht nur an dieser einen Stelle, bei einem bestimmten Autor, sondern generell. Wenn ich ständig einen allgemeinen Begriff wie „Serie“ lese, zu dem ich auch eine Sichtweise habe, aber aus dem Kontext dann klar wird, daß nur das Fernsehen zählt, dann sagt mir quaso permanent, daß ich nicht dazugehöre, wenn ich nicht fernsehe.

    Es tut doch keinem weh, genau das zu schreiben, was man meint, also die zutreffenden Begriffe zu benutzen. Was spricht dagegen, das zu tun?

  12. Eine kleine Googlesuche hätte schnell Licht in’s Dunkel gebracht.
    Gibt man da „Better Call Saul“ als Suchbegriff ein… ach, aber schauen Sie doch selbst.
    Ansonsten fast schon respektabel dieser Aufwand des Trollens. Kann man das auch beruflich machen Herr Rehbein? Wird hierzu eine Ausbildung benötigt oder kann man quer einsteigen? Wie sieht es mit der Vergütung aus?

  13. Lieber Daniel Rehbein,

    interessante Ausführungen, denen ich leider nicht ganz folgen konnte, da Sie recht unpräzise den allgemeinen Begriff „Medien“ verwenden, ohne genauer auszuführen, ob Sie nun physikalische Medien wie elektromagnetische Felder, semiotische Medien, technische Medien oder gar parapsychologische Medien (im Sinne der Serie, pardon, Rundfunkfernsehserie mit Patricia Arquette) meinen. Könnten Sie das bitte noch etwas genauer ausführen?

  14. Mir ist gerade siedendheiß aufgefallen, dass ich schändlicherweise immer von „Jeans“ spreche, wo ich doch „Jeanshose“ meine. Kein Wunder, dass Jeanshemden, Jeansröcke und Jeanstaschen ein solch trauriges Schattendasein führen müssen..
    (Psst, Herr Rehbein: Da gibt es etwas, das nennt sich „Kontext“. Der hiflt einen dabei, effizient zu kommunizieren. Sollten Sie mal ausprobieren).

  15. #15@Julian

    Reizen Sie mir den Herrn Rehbein nicht, ich will die Ausführungen zu Medien im allgemeinen und in seinen vielen Ausprägungen nicht lesen.

    @Niggemeier – ich kann mir den Moment des Erkennens vorstellen:
    Ich geschrieben, verdammt, über was schreibe ich jetzt?
    Was ist es geworden?

  16. @Daniel Rehbein
    Wie wär’s mit einem eigenen Sprachblog? Und einer eigenen dort erscheinenden Artikelserie? Tipp für Folge 1: Interpretationsmöglichkeiten des Wortes „Verkehr“ unter besonderer Berücksichtigung des Kontextes „Briefmarkenserie“.

  17. „Und es wäre doch durchaus auch mal ein interessantes Thema für die Übermedien, wie in Medien (also z.B. in Zeitungen im Internet-Dienst „World Wide Web“) der Begriff „Serie“ verwendet wird.“

    Das wäre doch auch ein toller Fall für L.A. Law! [/Seinfeld]

  18. Kann das denn niemand nachvollziehen, daß ich mich in bestimmten Formulierungen, die angeblich auch für mich gelten sollen, nicht wiederfinde?

    Gerade in Artikel aus Zeitungsrubriken wie „Leben“ oder „Feuilleton“ finde ich immer wieder Sätze wie „Wir sind es gewohnt, abends unsere Lieblingsserie zu sehen“ oder „Unsere Serien sehen wir auch im Internet“. Da denke ich jedesmal: Wer ist „wir“? Ich jedenfalls nicht!

    Und wenn man dann solche Artikel weiterliest, dann wird offenbar, daß nicht nur irgendeine Serie gemeint ist, sondern speziell eine Fernsehserie. Was mich vor allem wurmt, ist diese Selbstverständlichkeit, mit der das vorausgesetzt wird. Und dann lese ich das auch noch hier in einem Blog, das sich eigentlich kritisch mit Zeitungen und anderen Medien auseinandersetzt. Da fühle ich mich durchaus dazu veranlasst, etwas dazu zu schreiben.

    Dabei sehe ich ja durchaus gerne fern. Ich bin mit Derrick und Kommissar Köster („Der Alte“) aufgewachsen. Ich habe mich über die Unlogik geärgert, daß die Ratesendung „Die Montagsmaler“ ihren Titel auch bei der Verlegung des Sendeplatzes auf den Dienstag behalten hat, während die Kindersendung „Spaß am Montag“ bei der Verlegung auf den Dienstag in „Spaß am Dienstag“ umbenannt wurde. Ich habe als Jugendlicher die Erstausstrahlung des Mehrteilers „Tod eines Schülers“ gesehen, und ich habe im Dritten Programm mit Interesse die Sendereihe „Hilferufe“ gesehen, wo vier Psychologen jeweils eine Stunde lang über ein konkretes Fallbeispiel diskutiert haben. Zum Italo-Pop der Musiksendung „Videotext für alle“ habe ich als Schüler meine Hausaufgaben gemacht. Nur im Moment finde ich nicht die Zeit, fernzusehen (oder mir überhaupt erst mal einen DVB-T2-Empfänger zu kaufen).

    Aber auch, wenn ich selbst gerne fernsehe, so weiß ich doch, daß man nicht voraussetzen sollte, Fernsehen das ein und alles ist. Es ist im Grunde so ähnlich wie bei meiner Lektüre der DB mobil 03/2016, wo mir aufstößt, daß als selbstverständlich vorausgesetzt wird, daß Menschen ausschließlich monogam und heterosexuell leben:

    https://www.youtube.com/watch?v=m2JooHg_mg4

    Selbst, wenn ich ausschließlich monogam und heterosexuell leben würde, so wüsste ich doch, daß es auch anderes gibt. Und man sollte doch zumindest erkennen lassen, daß man sich darüber im Klaren ist.

    Wenn die Deutsche Bahn auf ihre Kundenzeitschrift schreiben würde „Das Magazin für heterosexuelle Monogamisten“ oder wenn hier über den Artikel stünde „Für Fernsehzuschauer“, dann wäre das ja in Ordnung. Dann wäre deutlich, daß dem jeweiligen Autoren klar ist, daß nicht allgemein für Menschen schreibt, sondern für eine ganz spezielle Gruppe.

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